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Jüdische Rundschau · 1926-01-15 · Heft 4 (15.1.1926) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 4 (15.1.1926)
Date
1926-01-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Eimcbmmmer 0J3 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlag W 15, Meinekestraße 10. Eracheint jeden Dienstag und Freitag. Bezugapreia bei der Expedition monatlich 1,85 Goldmark. Vierteljährlich 5,25 Goldmark. .\u»1»ne)»abonnement« werden m der Wlhrone der eiaielsen Linde» berechnet. Nummer 4 | Berlin, 15.1« 1926 Anzeigen -Verwaltung Jüdische Rundschau G. tu. b. EL, Berlin W15, Meinekestr.lQ Telephon: Amt Bismarck 7165—70. AnZBigeapreisj 8ge1palUMo!1p&rcUl«zeile0(S0CL>־Mr $leUengesueb©0,25G-*M Aozeigv&achlaBi Dienstag und Freitag nachmittag 4 Uhr, Telephon: Bismark 7165 — 70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392. jrür Oesterreich־. Poitaparkasseoaxnt Wien, Konto Nr.!56030, Für Tschechoslowakei: rostsparkassenamt Prag, Konto Nr. 59410, Für Polen ־ Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr, I9070S, Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. כ״ט טבח, חרס״י | xxxi. Jabrg. per Zionismus erstreb« für das indische Wollt die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. ״Basaler Programm.'* Zwei Hafltolisdie Efliiker Uber den Zionismus Legislative Council Von M. Bei I i n s o 11, Tcl.-Awiw. In der ״Neuen Illustrierten Zeitung“, Wien (VH, Linden- ׳;tsse 35) Nr. 51 und Nr. 52 finden wir zwei Aufsätze katliosdicr Universitätsprofessoren über den Zionismus, die all- ׳enieine Beachtung verdienen. Der erste Aufsatz stammt von I)r. Max Herzog zu Sachsen, ,rofessor an der Universität Freiburg (Schweiz). Er beleuchtet den Zionismus von allen Seiten. Zunächst betont er, daß schon das Mitleid mit den Leiden des Judenvolkes dazu führen müsse, den zionistischen Gedanken zu begrüßen. Nachdem er du- Judennot und die Palästina-Sehnsucht der Juden ge- -childerf, sowie das Verhalten der Völker gebrandmarkt hat, kommt er auf die wirtschaftliche Seite der zionistischen Unternehmung zu sprechen. Palästina, das der Verfasser vor zwanzig Jahren bereist hat, sei ein verödetes Land, dessen i ruchtbarkeit aber durch die biblischen Berichte bezeugt ist. Oie Juden werden es wieder zur Blüte bringen und werden dort eine seßhafte ackerbautreibende Bevölkerung werden. Sodann geht der Verfasser zur politischen Frage über. Der Zionismus entspricht einer Forderung der Gerechtigkeit, er ist eine Wiedergutmachung des von Rom vor Jahrtausenden verübten Unrechtes. Israel solle in Palästina nicht bloß ein ausschlaggebcnder Faktor sein, sondern müsse nach Ansicht des Autors auch die Regierung des Landes in Händen halten. Denn nur dies könne auch zum Nutzen der Mohammedaner und Christen gereichen, insbesondere wendet sich der Verfasser gegen die von katholischer Seite laut gewordenen Bedenken. Die Ansprüche der Katholiken gründen sich — bewußt oder unbewußt — auf die Kreuzzüge. In Wahrheit sind die Katholiken heute eine so kleine Minorität im Lande, daß sie ernste Ansprüche nicht erheben können. Auch die Beschwerden der Araber dürfe man nicht sehr ernst nehmen. Den jetzigen Einwohnern des Landes geschieht durch die Einwanderung kein Unrecht, denn Palästina kpait noch viele Menschen aufnehmen. Selbstverständlich müssen alle Rechte der gegenwärtigen Bewohner gesichert 1r»r4s%v.(3ifete11,,!^;Mohammedaner ,müßten sich von jetzt sie es wollten, nicht wagen werden, das Recht einer Minorität anzutasten. Zum Schluß betont der Herzog den friedliche n Charakter der jüdischen Eroberung und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß das neue Judentum in Palästina ein Rollwerk jenes Pazifismus sein werde, den die jüdisehen Propheten verkündet haben. Der zweite Aufsatz hat zum Verfasser den Bonner Univcrsitäts-Professor Dr. M. Horten. Dieser teilt Im allgemeinen die Anschauung des Herzogs Max, beleuchtet aber das Problem noch eingehender von der politischen Seite. Das zionistische Problem müsse nach dem Prinzip der Gerechtigkeit gelöst werden und dies erfordere eine gewissenhafte Untersuchung der Sachlage. Palästina sei stets ״im Auftrag Gottes“ erobert worden, erst von Juden, dann von Mohammedanern und im .Mittelalter von Christen. Wenn man min überlegt, wem heute am besten die Leitung des Landes zu übergeben wäre, so müßte man sich für die Juden entscheiden, weil sie die politisch Neutralen sind. Als Kontrollinstanz sollte eine Kornmission des Völkerbundes eingesetzt werden, in welcher, abstrakt genommen, die im Orient interessierten Mächte, England und Frankreich, nicht vertreten sein sollten, um strenge Unparteilichkeit zu verbürgen. Da dies jedoch praktisch unmöglich ist, da England die einzige Macht ist, die mit Autorität im Orient nuftritt, so müsse England die Oberherrschaft behalten. Dabei •muß die Hoffnung ausgesprochen werden, daß Palästina sich nicht wird in die Wogen einer militaristischen Politik hineinziehen lassen. Nach einer Würdigung der geistigen Entwicklung Palästinas kommt der Verfasser zu dem Schluß, daß die europäischen Pazifisten dem jungen Palästina-Staate von Herzen Glück und Segen wünschen müssen. ״Er möge außerhalb der heute herrschenden selbstsüchtigen Welt- Politik der brutalen Macht stehen und den Versuch unternehmen, ein Reich des Friedens auf dem durch Religionshaß so glühend heißen Boden in zäher, energischer Arbeit ׳.zu «richten.“ ■-■׳ wie unmöglich und zwar aus zwei Gründen: Erstens würden die Juden als ein so lange Zeit verfolgtes Element zweifellos so freiheitlich gesinnt sein, daß sie andere nicht verfolgen. Zweitens aber werde das Verhalten der Juden von allen Seiten kontrolliert werden, so daß sie, selbst wenn des Zionismus entstellt und verleumdet werden, ist es wohltuend, solche Stimmen aus dem christlichen Lager zu vernehmen, die mit wahrer Humanität und mit tiefem Verstandnis die mehr als zeitliche Bedeutung der zionistischen Bewegung abschätzen. Sitzung des Landesvorstandes der Z. V. 1D. In der Sitzung des Landesvorstandes, die am 10. Januar in Berlin sattfand, erstattete Herr Dr. Siegfried Moses den Bericht über die vorläufigen Arbeiten des in der vorigen Sitzung eingesetzten Organisations-Ausschusses. Der vom Präsidium im Einvernehmen mit dein Organisations-Ausschuß vorgelegte Etat der Z. V. f, D. für das erste Quartal 1926 wurde genehmigt. Angesichts der Notwendigkeit einer Verstärkung der zionistischen Tätigkeit im laufenden Jahre muß die vom Landesvorstand bereits in seiner vorigen Sitzung beschlossene Parole der Verdoppelung der Zionistensteuer den Leitungen unserer Ortsgruppen und' allen deutschen Zionisten noch einmal ins Gedachtnis gerufen werden. Den Hauptinhalt der Tagung bildete die Aussprache über die grundsätzliche Stellungnahme des Landesvorstandes zur innerpolitischen 11 a 11 u n g der Z. V. f. D. Der Vorsitzende, Herr Blumenfeld, legte in seinem einleitenden Referat seine Anschauungen zu den wichtigsten Fragen der innerzionistischen Politik dar und entwickelte sein Programm für zionistische Propaganda und Erziehung, Nach eingehender Aussprache, an der sich die meisten Mitglieder des Landesvorstandes beteiligten, wurden folgende Beschlüsse angenommen: 1. Der Landesvorstand beschließt die Einsetzung einer fünfgliedrigen Kommission zur Klärung irmerpolitischer zionistischer Fragen, die dem Landesvorstand in seiner nächsten Sitzung Bericht erstatten soll. (Angenommen gegen 2 Stimmen.) In diese Kommission wurden die Herren Blumenfeld, Feuerring, Gold mann, Hantke und Schocken entsandt. 2. Der Landesvorstand billigt die von dem Vorhitzenden der Z. V. f. D. in seinem Referat dargelegten Anschauungen über zionistische Propaganda und Erriehung und spricht ihm sein Vertrauen aus. (Einstimniig angenommen.) Es wurde ferner beschlossen, den Delegiertentag der Z. V. f. D. für den 23.-25. Mai einzubemfen. Die Wahl des Ortes wurde dem Präsidium bzw, üer nächsten Sitzung des Lahdesvorstandes überlassen. Zur Frage der Arbeit des Keren Kajemeth und des Keren Hajcssod wurden folgende Resolutionen angenommen: 1. Keren Kajemeth: In Anbetracht der Notwendigkeit, trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten die Eingänge des K. K. zu vergrößern, um das Kontingent für das Jahr 5686 aufzubringen, macht es der Landes- Vorstand allen Ortsgruppen zur Pflicht, die Arbeit für den Keren Kajemeth intensiver zu gestalten. Die Massensammlung von Spenden kann auch unter den gegenwärtigen Umständen gute Ergebnisse haben, wenn es gelingt, die Zahl der Mitarbeiter und Spender wesentlich zu vergrößern. Der Landesvorstand fordert daher die Ortsgruppen und alle deutschen Zionisten auf, sich noch aktiver als bisher an der Keren Kajemeth-Arbeit zu be - teiligen. 2. Keren Hajessod: Die Ergebnisse des Keren Hajcssod im Jahr 1925 haben bewiesen, wie unerschütterlich die Idee des Palästina-Aufbaus in weiten Kreisen der deutschen Judenheit verankert ist. Die materiellen und moralischen Erfolge des Keren Hajessod konnten aber nur erzielt werden, weil im Jahre 1925 die Zionisten ihrer Maaßerpflicht iti steigendem Maße nachgekommen sind. Nunmehr gilt es, die Arbeit im Jahre 1926 auf der gleichen Grundlage, der Erfüllung der Maaßerpflicht, fortzuführen. Den erhöhten wirtschaftlichen Schwierigkeiten müssen wir in Zukunft vor allem dadurch begegnen, daß alle Zionisten in Deutschland sich zum Maaßergedanken bekennen und ihre Maaßererklärung abgeben. Der Landes Vorstand der Zionistischen Vereinigung für Deutschland erwartet, daß alle Ortsgruppen unverzüglichmitder Arbeit für den Keren Hajessod beginnen und daß in wenigen Wochen die Maaßererklärungen der Zionisten vorliegen. Jeder Zionist ist zur Maaßerzahlung an den Keren Hajessod verpflichtet. Louis Lipsky nach London abgereist Louis Lipsky, der Präsident der Zionistischen Organisation Amerikas und Mitglied der Zionistischen Weltexekutive, ist am 9. Januar nach London abgereist, um sich mit der Exekutive über schwebende Fragen zu beraten. Der ehemalige Treasurer der zionisti chen Palästina- Exekutive, Herr van V r i cs I a n d , der nach seinem Austritt aus der Exekutive Palästina verlassen hat und sich jetzt in Europa aufhält, begibt sich, wie wir erfahren, in den nächsten Tagen nach Amerika. Man .spricht in letzter Zeit viel in den .1r,1 bischer! Zeitungen und in politischen Kreisen •־ von dem Legislative Council, den! gesetzgebenden Rat, und es ist Grund vorhanden, an/.unehmen, daß ein Versuch gemacht werden wird, das Projekt von Samuel, in dieser oder jener Form, in naher Zukunft zu verwirklichen. Sollte sich aber die Sache auch diesmal mir auf Sondierungen beschränken, das Problem wird doch einmal für uns entstehen, wenn nicht morgen, dann übermorgen, und es obliegt uns, rechtzeitig zu ihm Stellung zu nehmen. In dem Gedanken eines Legislative Council, einer Vertretungsinstitution, in welcher die Mehrheit: arabisch sein wird, und die über gewisse Rechte, und also über eine gewisse Macht im Lande verfügen wird, verbirgt sich für unser Werk eine Gefahr: es hat keinen Sinn, sich über die heute unter den Arabern uns gegenüber herrschende Stimmung Illusionen zu machen. Am leichtesten ist es freilich zu sagen: wir wollen diese Gefahr nicht, wir wollen den Legislative Council nicht. Es ist aber zweifelhaft, ob diese Antwort politisch und zeitgemäß wäre: unser ״Nein“ wird unver- , stündlich bleiben, weder von der europäischen Demokratie noch vom Völkerbunde verstanden werden; unser Nein wird von den Arabern als Attentat auf ihre nationale Unabhängigkeit, als Solidarisierung mit dem heute herrschenden absoluten Regime, empfunden werden. Und außerdem: die Einführung von Vertretungsinstitutionen in Palästina, wie in den ihm benachbarten Ländern, muß man heute als eine politische Wahrscheinlichkeit betrachten. Es hat keinen Sinn, gegen das Unausbldbliehe zu kämpfen. Und deshalb — sollte der Vorschlag bezüglich des Council von der Regierung wiederholt werden, oder sollte die darauf bezügliche Forderung der (bis; '"Ähäe'ürahgeh), — wird «nis kaum‘ anderes Ü&Hj^feibet(, , als Ja zu sagen. Aber die Gefahr, die in dem Council liegt, muß gebannt werden. Sollte der Council mit unbeschränkter Macht ausgestattet sein, so wird sich diese Macht gegen uns kehren und uns vielleicht jede Möglichkeit weiterer Arbeit nehmen. Das Programm der extremen arabischen Politiker ist bekannt. Der erste Punkt lautet: Verbot der Immigration; und dieser erste Punkt genügt, um zu bewirken, daß wir uns für die weiteren Punkte nicht mehr interessieren. Was den Zionismus betrifft, so gibt es keinen wesentlichen Unterschied zwischen extremen und gemäßigten arabischen Politikern, und wir haben allen Grund, vorauszuselien, daß die überwiegende Mehrheit der Council-Delegierten ausgesprochene Antizionisten sein werden. Der mit allen Rechten ausgestattete Council, in welchem eine solche Mehrheit sitzen wird, bedeutet somit eine ständige Bremse, vielleicht eine völlige Lähmung unserer Arbeit. Es ist nicht anzunehmen, daß ein Wunder in nächster Zukunft die Stimmung der Araber radikal ändern könnte. Andererseits, bei Einstellung der Immigration, sind wir jeder Möglichkeit beraubt, das Zahlenverhältnis zwischen Juden und Arabern auch in beschränktem Maße zu unseren Gunsten zu verschieben. Vielleicht bedeutet der Council einen Weg zur Versöhnung zwischen den zwei in Palästina lebenden Völkern .- aber nur bei Stabilisierung der Zahl der jetzt im Lande lebenden Juden. Mit einem solchen Preise können wir aber den Frieden mit den Arabern nicht: bezahlen. Unser Ja kann deshalb nicht absolut und bedingungslos sein. Die Macht des Council rnuß beschränkt, aus seiner Kompeten/: müssen weite Gebiete des politischen und sozialen Lebens des Landes ausgeschaltet werden. Vor allem, und darüber sollte, scheint mir, kein Zweifel bestellen, fällt in diese Gebiete alles, was zum Kulturleben beider Völker gehört. Wenn im Lande zwei Völker, durch Sprache, Kulturgrad, Religion voneinander verschieden, leben, so ist es klar, daß dieses — ungenau, aber kurz gesagt — ״nationale“ Leben den Entscheidüngen des gemeinsamen Parlaments nicht unterliegen darf. Wir wollen und können den Arabern keine liebräsehe Schule'11 aufzwingen, und die Araber sollen keine Möglichkeit haben, uns arabische Schulen aufzuzwingen. Das ganze nationale Leben muß in die Kompetenz der nationalen Selbstverwaltung fallen. Es gibt keinen Grund, weshalb dieses Postulat der modernen Demokratie, das in hartem Kampf errungen wurde, nicht auch in Palästina zur Anwendung gelangen sollte. Aus der Kompetenz des Council muß aber auch alles, was für den jüdischen Aufbau entscheidende Bedeutung hat, ausgeschaltet werden, vor allem: Itnmigration sowie Boden- und Kolonisationspolitik der Mandatarmaeht. ln einer solchen Ausschaltung liegt allein die Garantie, daß der Council sich nicht in eine sehr

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