Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 3 (12.1.1926)
- Date
- 1926-01-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 22 JUEDISCHE RUNDSCHAU Noch keine Beiiegnng des Wise -Konfliktes New York, 8. Januar. (J .T, A.) Der Vollzugsausschuß der Union orthodoxer Rabbiner in Amerika trat neuerdings zu einer Sitzung zusammen, um zu der letzten Erklärung des Dr. Stephen Wise Stellung zu nehmen. Es wurde einstimmig der Beschluß gefaßt, daß man darauf beharren müsse, daß Rabbi Dr. Stephen S. Wise nicht weiter die Kampa g ne für die A u f b r i n g u n g des 5 M i I ■ 1 i o n c n Dollar-Fonds für 1ג a I ä s t i n a leiten soll. Sollte diese Forderung nicht erfüllt werden, heißt cs in dem Beschluß weiter, so würde sich die Union der orthodoxen Rabbiner gezwungen sehen, zu erklären, daß eine Unterstützung dieses Fonds, ungeachtet dessen, daß es sich um die teuere und heilige Sache Palästinas handelt, der Uebcrtrctung eines religiösen Gebot» gleich zu stellen wäre. Im Hinblick auf die Beschlüsse der Exekutive der Zionistischen Organisation Amerikas und des Nationalkomitecs für die Palästina-Aktion, in welchen Dr. Wise gebeten wird, die Präsidentschaft des Nationalkomitees zu behalten, hat der Vollzugsausschuß der Union orthodoxer Rabbiner befFlössen, eine Convention aller orthodoxen Rabiner Amerikas einzuberufen, die über die weiteren Schritte zu bestimmen haben wird. Der Herausgeber des konservativen ״Jiddischen Togbiatts“, Gedaljah Bublick, ist zum Zeichen des Protestes gegen die Ablehnung des Rücktritts des Dr. Wise aus dem Zentralkomitee der Zionistischen Organisation Amerikas ausgetreten. Der Wortlaut der ersten Protestresolution. Der erste Protestbesehluß der Union der orthodoxen Rabbiner Amerikas gegen Dr. Stephen S. Wise lautet wörtlich: ״Da sich Dr. Stephen S. Wise in seinen öffentlichen Reden als ״Meisid und Madiach“ (Ketzer und Verführer) benommen hat — wir zweifeln, ob cs einen größeren Ver- •{ihrer unter den Juden gibt —, so müssen wir mit Nachdruck dagegen protestieren, daß er sein Führeramt behält; er muß von jederlei Leitung jüdischer Angelegenheiten fern gehalten werden. Insbesondere protestieren wir dagegen, daß er Präsident der Vereinigten Palästina-Aktion bleibt, und wir richten an die Zjonistische Organisation Amerikas das nachdrücklichste Ersuchen, ihn zu veranlassen, daß er den Vorsitz niederlegt. Sollte er fernerhin Vorsitzender der Palästina-Aktion bleiben, 80 werden wir gezwungen sein, autoritativ zu erklären, daß eine Unterstützung dieses Fonds, so sehr er uns heilig und teuer ist, ein ״Issur Oamur“ (scharfes religiöses Verbot) sei.“ Der Wortlaut der Erklärung des D r. Wise. Rabbiner Dr, Stephen S. Wise hat nach dem Bekanntwerden des orthodoxen Protestes gegen ihn die Jüdische Telegraphen-Agentur gebeten, die folgende Darstellung der Oeffentlichkeit mitzuteilen: ״In meiner Ansprache habe Ich nichts Neues gesagt, neu waren nur die schreienden Ueberschriften in den Zeitungen. Die Predigtbehandelte das Buch ״Jesus von Nazareth“ von Dr. Joseph Klausner, also ein Buch, das von einem # jüdischen Qelehrten, einem Lehrer an der hebräischen Univereipt, I® hebräischer Sprache abgefaßt und von dem Ka-;־ der •Bit George Kathedrale Danbv ins Englische übertragen worden ist. Ich habe die Ansichten ,Dr. Klausners über Jesus in voller Unparteilichkeit wiedergegeben, indem ich dies in den Worten formulierte: Jesus existierte, Jesus war ein Mensch, ein Jude, nicht ein Christ. Im besonderen erörterte ich zwei Probleme: Soll nicht der Jude Jesus von den Dogmen, die den Christus der Christliehen Kirchen betreffen, gelöst werden können? Nicht darum geht es, daß aus Juden Christen werden, sondern darum, daß das Christentum Jesus wieder herausgibt. Keine irreführenden Zeitungsüberschriften, noch übelwollende Kommentare können mich in meiner tiefen Uebcrzeugung umstimmen, daß die Fehler, die das Christentum in den 10 Jahrhunderten seines Bestehens begangen hat, nicht dem Juden Jesus zugeschrieben werden können, am wenigsten sei er für die Schande verantwortlich zu machen, daß seine Brüder, die Juden, seitens des Christentums so schlecht behandelt werden. ln meiner Eigenschaft als amerikanisch-jüdischer Rabbiner habe ich gegen jedes unchristliche Verhalten seitens des Christentums, sei es in einer jüdischen oder in einer anderen Sache, meine Stimme erhoben. Das zweite Problem, das ich berührte, war: wie soll sich der moderne Jude zu Christus stellen? Ich fand die Antwort in Klausners ״Jesus von Nazareth“. So wie er, kann auch ich nicht den Kern der Geschichte Jesu, seine mcnschliehe Persönlichkeit, leugnen. Gemäß der Tradition meiner Väter habe ich die Göttlichkeit des Menschen Jesu absolut verneint. Nur Wahnsinn und böser Wille kann mir die Absicht unterschieben, ich hätte mein Volk aufgefordert, seinem Glauben und seinem Leben untreu zu werden und das Christentum anzuuehmcti. Kann das christliche Dogma, kann christliche Ungerechtigkeit gegenüber den Juden den denkenden Juden hindern, die Lehre eines g a 1 i 1 ä i s c h e n Juden des Altertums objektiv zu beurteilen? Wie .traurig wäre es, wenn man das nicht tun dürfte. Die Auflehnung von Juden gegen solche Tat ist eine traurige Illustration dessen, was die Juden durch die Christen zu leiden gehabt hätten, so daß ihnen Christus zu einer Schreckfigur geworden ist. Ein Jude und Lehrer darf sogar heute noch nicht über Jesus, seine ganz und gar jüdische Existenz und seinen ethischen Beitrag zum Leben seiner Zeit und zum Leben aller Zeiten sprechen, ohne daß er von seinen Brüdern als ein Befürworter des Christentums bezeichnet, ohne daß er von jüdischen Genossen, denen angesichts der Jahrhunderte alten Leiden Christentum mit Falschheit und Ungerechtigkeit gleichbedeutend wurde, mißverstanden werde." Jahreskonferenz der jüdischen Studenten In Polen. Am 20. Januar d. 1. wird in Warschau die zweite ordentliche Dekgkrten-Konferenz der jüdischen studentischen Vereine Polens eröffnet. Ueber 5000 Studenten aus 4 Universitätsstädten werden an der Konferenz vertreten sein. Der Oesamtverband führte einen schweren Kampf um die Erfüllung der nationalen, kulturellen und wirtschaftlichen Forderungen der jüdischen Studenten; besonders galt dieser Kampf dem Numerus clausus und den gesetzlichen Bestimmungen, welche die Lernfreiheit der jüdischen Studenten beschränken. Der Gesamtverband der jüdischen Studenten in Polen besitzt eine eigene Monatsschrift ״Trybuna Academicka“ und gehört seit 1924 dem Weltverbande der jüdischen Studenten־, haft als ordentlieh es Mitglied an. Ein neues Bach Ober Palästina Lin deutscher Forscher, Dr. Hans Joachim Seidel, hat unter dem Titel ״Der britische Mandatsstaat Palästina im Rahmen der Weltwirtschaft“ (bei Walther de Gruyter, Berlin 1926) eine znsammenfassendc Schrift über die wirtschaftliche und politische Lage des heutigen Palästina erscheinen lassen. Es ist ein Versuch, in gedrängtester Kürze möglichst vorsichtig die neueste wirtschaftliche und politische Entwicklung Palästinas zu beleuchkn. Der Verfasser bemüht sich, objektiv zu sein und steht auch der zionistischen Bewegung nicht ohne Sympathie und Verständnis gegenüber. Der Hauptmangel des Buches liegt darin, daß cs die jüdische Entwicklung Palästinas nur bis zum Jahre 1923 berücksichtigt, also in einem ausgesprochenen Krisenjahr altschließt, und von dem Aufschwung keine Notiz nimmt, der seit 1924 auf dem Gebiete der Einwanderung und auch der städtischen Siedlung in Palästina cingetreten ist. So berücksichtigt der Verfasser auch nur als einzigen zionistischen Fonds den Jüdischen Nationalfonds und glaubt bis zum Jahre 1922 eine ständige Senkung seiner Einnahmen feststelkn zu können. Es war ihm noch nicht bekannt, daß seit 1923 die Einnahmen des Jüdischen Nationalfonds ständig gestiegen sind, und daß seit 192! ein anderer großer Fond, der Keren Hajessod, nationales Kapital dem Lande zuführt, und daß es ihm gelungen ist, in wenig mehr als 4 Jahren über 2 Millionen Pfund aufzubringen. Daneben berücksichtigt der Verfasser auch nicht den besonders in der letzten Zeit großen Einfluß jüdischen Privatkapitals nach Paliisiina und die ständig steigende Einwanderung, die mm durchschnittlich 3—4 000 Personen monatlich umfaßt, ln der bearbeiteten Literatur fehlen vor allem die sehr wichtigen Berichte der Zionistischen Exekutive an die verschiedenen zionistischen Kongresse, die vielleicht das deutlichste Bild der Entwicklung der jüdischen Siedlung geben. Auch kommt eine Reihe kleiner Ungenauigkeiten vor, wie z. B. die Be- Zeichnung Transjordaniens als Königreich und die Bezcichnung de Haan’s als eines Zionistenführers. Ungeachtet dessen ist dieses Buch sowohl durch die Zusammenstellung der Tatsachen, wie auch durch seine besonnenen, nach Möglichkeit objektiven Urteile sehr gut geeignet, in das allgemeine Problem Palästinas einzuführen, wenn es auch nichts mehr gibt als eine erste Einführung. Daneben verdienen auch die Schlüsse, zu denen der Verfasser, der fange in Palästina gelebt hat, gelangt — die Beachtung auch der zionistischen Öffentlichkeit. Was die wirtschaftliche Entwicklung Palästinas anbelangt, so ist der Verfasser durchaus skeptisch gegenüber einer Getreidewirtschaft in Palästina und gegenüber der Möglichkeit der Industrialisierung des Landes. Mit der Zunähme guter Verbindungswege nach dem Hauran und mit der Verbilligung des ausländischen Imports durch Verbesserung der Häfen, verliert die palästinensische Getreidewirtschaft immer mehr die Konkurrenzfähigkeit mit dem eingeführten Getreide. Daneben liegt die landwirtschaftliche Zukunft Palästinas nach Meinung des Verfassers allein in der Plantagen Wirtschaft und dem Gartenbau. Auf dem Wege der Pflanzungen kann ״durch aufopfernde Arbeit und große Opfer an Kapitalien von außerhalb des Landes das Land wieder >vic in alter Zeit zu einem blühenden Garten gemacht werden״. Für die Industrie ist der Verfasser ebenso skeptisch wie für den Getreidebau. Für das Inland läßt er nur geringe Aussichten für eine bescheidene Bedarfsartikelindustrie wegen mangelnder Kaufkraft des Hauptteiles der Bevölkerung gelten, für das Ausland nur Absatzmöglichkeiten für Spezialartikcl. Dagegen sieht er die große Zukunft Palästinas in den Entwicklungsmöglichkeiten des Handelsverkehrs. ״Palästina rückt mehr und mehr in. den Brennpunkt eines Durchgangsmarktes zwischen Okzident und Orient.“ Es versteht sich dabei von selbst, daß diese Entwicklung auch die Industrie von Palästina befruchten und die Kaufkraft des Landes heben wird. Oes Verfassers Bemerkungen über die englische Politik in Palästina und im allgemeinen über das Bestreben Englands zur Sicherung seines Landweges nach Indien sind im großen und ganzen wohl zutreffend und interessant, wenn man auch die Tatsache immer wieder findet, daß gewisse zeitweilige Umstände verallgemeinert werden, so insbesondere die Freund- Schaft zwischen Frankreich und lbn Saud, dem Sultan von Nedschd. Sein abschließendes Urteil über die weltpolitische Lage Palästinas lautet: ״Gelingt es doch noch dem Zionismus, sich das Supremat über Palästina anzueignen, wird England gezwungen, dieser Macht den Vorzug vor dem etwas unsicheren arabischen Element zu geben. Doch erscheint es mir, als ob diese ausführlich dargestellte weltpolitische Ein- Stellung Englands zu Arabertum und Islam die palästinensische Politik 1n arabisches Fahrwasser leitet, es sei denn, daß Araber und Juden sich zu einer Föderation zusammenzufinden vermögen.“ Ueber den Zionismus urteilt der Verfasser durchaus freundlich. Er sagt unter anderem: ״Es ist nicht von der Hand zu weisen, daß eine solche (die zionistische) Kulturrolle für das ganze Land segensreich ist und daß jüdisches Kapital wesentlich zur Hebung der palästinensischen Volks- Wirtschaft beiträgt. Ist doch letzten Endes das ganze Land Nutznießer und nimmt teil an den Errungenschaften moderner Wirtschaft. Bei geschickter zionistischer Politik Hegt meiner Ansicht keine unüberbrückbare Kluft zwischen Arabern und Juden. Will der Zionismus seine besonders durch die weitpolitische Lage bedrohte Position retten, so muß er zwingend auf eine zionistisch-arabische Föderation hinarbeiten unter starker Betonung des Grundsatzes, daß durch seine Arbeit keine wohlerworbenen Rechte der ansässigen arabischen Bevölkerung geschädigt werden. Jüdische und arabische Wirtschaft sind aufeinander angewiesen und es ist nicht nötig, daß die Erweiterung jüdischer Positionen notwendig die Verengerung des arabischen Lebensspielraums bedeutet. Im Gegenteil. Die rechte zionistische Pionierarbeit wird gleichzeitig die arabische Wirtschaft befruchten und beiden Teilen gleich vorteilhaft sein. Von der Art, wie es gelingt, Araber und Juden auf eine gleiche Basis nebeneinander zu einem gemeinsamen Ziel, dem Aufbau des Landes, za stellen, wird es abhingen, ob der Zionismus Hand in Hand mit dem arabischen Element sich eine Heimat schaffen kann.“ ״Wesen hier angedeuteten Weg zu beschreiten und nicht die Losung: ״Palästina sei jüdisch, wie England englisch“, die einige sehr zum Schaden der zionistischen Bewegung hinausposaunen, ist nicht nur Erfordernis politischer Klug¬ Nr 3 heit, sondern auch die kulturelle Aufgabe der zionistischen Bewegung.“ Der Verfasser versteht sehr gut, daß die Quellen wirfschaftlicher Kraft, die zu einer Regeneration Palästinas notwendig sind, nicht im verarmten Lande selbst zu finde» sind, sondern daß das Land auf die wirtschaftliche Hilfe von außen angewiesen ist und daß bei dem Nichtvorhandensein eines Interesses für Palästina seitens des internationalen Großkapitals es nur die vom Idealismus getragene zionistische Bewegung sein kann, die Palästina zum Wohlc aller seiner Bewohner wieder eine wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung verleihen wird. Voraussetzung dazu aber ist, wie der Verfasser richtig hervorhebt, daß die Kräfte der einzelnen Teile der Bevölkerung sich nicht in nutzlosem Kampfe vergeudcit und Spielball auswärtiger weltpolitischer Interessen sind (Frankreich, Italien, die katholische Kirche usw.), sondem daß es gelingt, ein friedliches Zusammenwirken aller Faktoren im Interesse des Landes herbeizuführen. Rapprds Aeußer»! Dein Protokolle der Tagung der Permanenten Mandatskommission entnehmen wir folgende AeuGerungen Professor Rappards, des früheren Direktors der Mandats-Sektion des Völkerbundes, der bekanntlich anläßlich der Eröffnung der Unix ersität Palästina besucht hat. Rappard trat auf der Sitzung der Mandatskommission den Befürchtungen entgegen, als ob die Mandatarmacht dem auf das jüdische nationale Heim bezüglichen Teil des Mandates mehr Aufmerksamkeit widme als dem Teil, der sich auf die nichtjüdische Bevölkerung bezieht. Es ist, führte Rappard u. a. aus, das Gegenteil wahr, daß die Regierung für die Araber mehr tut als für die Juden. Es muß aber zugegeben werden, daß die Juden aus eigener Kraft viel mehr als die Araber leisten und daß sie unabhängig von der Tätigkeit der Adininistration sich entwickeln. Das jüdische nationale Heim entwickelt sich, weil die Zionistische Organisation auf der ganzen Welt daran arbeitet, und weil die jüdischen Siedler von einem wahrhaft idealistischen Eifer beseelt sind. Die Verwaltung hat, obwohl sie weit entfernt ist, ihre ausschließ־ liehe Aufmerksamkeit dem jüdischen Nationalheim zu widmen, eine sehr kluge Haltung eingenommen. Sie hat trotz der Mandatsbestimmungen zu jeder Zeit die jüdische Ein- Wanderung reguliert und nicht vergrößert, und sie hat es sogar abgelehnt, den jüdischen Einwanderern freies Land zu geben. Die Klugheit dieser Politik will Prof. Rappard nicht bezweifeln. Vom soziologischen Standpunkt aber machen die Juden viel raschere Fortschritte als die Araber, welche faktisch zurückgeblieben sind und heute auf demselben Stand der Zivilisation stehen wie vor zweitausend Jahren. Daraus resul- : tiert, daß die Fortschritte der Juden nicht der Verwaltung zu danken sind, sondern der jüdischen Initiative. Im Lichte der Tatsachen erhält man vielmehr den Anschein, daß die Administration sich nur der arabischen Bevölkerung annimmt, welche sich viel langsamer entwickelt als ihre aktive Nachbarschaft. Die arabische Bevölkerung j besitzt selbst nicht die Fähigkeit, sich um ihre eigenen Dinge | zu kümmern. ן Ein PalSstiia-Emigraiienssiiit in Ra Bland? Berlin, S. Januar. (J.T.A.) Die J.T.A. hat vor j einiger Zeit aus Moskau mitgeteilt, daß das Volkskommissariat ן für Innere Angelegenheiten die Legalisierung eines Palästina- ] Auswanderungsamies in der Sowjetunion erwägt, damit dem 1 stets wachsenden Bedürfnis, nach Palästina auszuwandern, Rechnung getragen wird. Da die Zionistische Organisation in Rußland nicht anerkannt ist, fehlte diejenige Gruppe, die die Leitung eines solchen Amtes übernehmen könnte. Wie es nun heißt, hat sich die Regierung bereits im Prinzip für die Errichtung eines solchen Amtes ausgesprochcn. Der Vertretung des Joint in Rußland soll der 1 Vorschlag gemacht worden sein, dieses Amt unter ihre Obhut zu nehmen! Sollte sich — so heißt es weiter — der Joint mit der Uebernahme dieses Amtes nicht einverstanden er-; klären, so werde man sich an die Ica wenden. Im Oktober י v. J. haben Rußland 600 Personen mit Palästina als Reiseziel verlassen; im November v. J. sind 900 Juden aus Rußland nach Palästina gezogen. Wie wir erfahren, haben zu Beginn der neuen Tätigkeit des Joint in Rußland die Vertreter des Joint, die die Unter- Handlungen führten, die russischen Kreise darauf hingewiesen, daß das jüdische Aufbauwerk in Rußland in keiner Weise als eine Konkurrenz zum Palästina-Aufbau aufgefaßt werden dürfe. Man möge demnach der jüdischen Auswanderung nach Palästina keinerlei Hindernisse in den Weg legen, Auch möge man den Handwerkerstand, sowie überhaupt den jüdischen Gewerbestand in den Städten'fördern, damit der Meinung entgegengearbeitet werde, als ob mit dem jüdischen Kolonisationswerk in Rußland irgendwelche besondere Ziele und Wirkungen erstrebt würden. Dieser Auffassung hätten sich die russischen Kreise angeschlossen. (Wir bringen diese’ J. T. A.-Meldung, die offenbar aus Jointkrelscn stammt, mit allem Vorbehalt. Auffallend ist besonders die Behauptung, die russischen Kreise hätten sich der Meinung angeschlosscn, die Kolonisation in Rußland dürfe nicht zu Agitation gegen Palästina auseschlachtet werden. Tatsächlich geschieht dies in und außeralb Rußlands unaufhörlich. Es wäre zu erwarten, daß die ״russischen Kreise“ in dem so straff organisierten Rußland ihren jüdischen Genossen einen Wink geben könnten, wenn es ihnen ernst wäre. A. d. R. ״J. R.“) Die KeloiisatioB 11 Rafilaid M 0 $ k a u, 6. Januar. (J. T. A.) Die Regierung der Sowjet- Union hat soeben beschlossen, im Distrikt Saalsk 150000 Desjatin Land für die jüdische Kolonisation zur Verfügung zu stellen. Der in Betracht kommende Boden besteht zum großen Teil aus guter ״schwarzer Erde“ und eignet sich zu einem Teile für Ackerbau, zum anderen Teil für Weide. JUisehe Kolraisatioi!9 Sibirie* C h a r b i 11, 20. Dezember. (J. T. A.) Auch im russischen Fernen Osten besteht unter der jüdischen Bevölkerung eine Bewegung für Landansiediung. Aut Wunsch einer Jüdischen Initiativgruppe hat sich das Gnarbiner Emigrationsbüro durch Vermittlung der ״Ort“ in Moskau an das Volkskommissariat für Landwirtschaft mit der Bitte um Landzuteilung an jüdische Familien gewandt. Daraufhin wurde der, bevollmächtigte des Kommissariats in Chabarowsk angewiesen, den Juden freies Land in der Gegend des Beikalsees und des Amurgebiets anzuweisen. Zahlreiche jüdische Familien haben sich entschlossen, sich aut dem Lande anzusiedeln. Ch. N. B i a I i k und Schmarja L e v i n werden — wie verlautet — demnächst aus Palästina nach Amerika reisen, um an der dortigen Keren Hajessod-Kampagne mitzuarbeiten. Nr. 3 JRdlsche ti Ul Der ( lästinas isl Ordnung; konferenz denen die durch ein zweite Ri< des Keren Teil derje! halt groß? stummte 1 zu verspr Umfange dere muß sationsfina nicht nur den Verst Durchfuhr konnte Ar weisen, d und daß bereit sei Anleihe s bäum und zum Sind: ringerer a das Projei getreten. 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