Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 3 (12.1.1926)
- Date
- 1926-01-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite td Nr. 3 Jüdische Gemeinden ais Träger einer Palästloaanleihe Der ״Haolam“ veröffentlichte nachstehenden Artlkel, der auch bei uns Interesse finden dürfte (von uns gekürzt). Der Gedanke einer großen Anleihe für den Aufbau Palästinas ist seit der Balfour-Deklaration ständig auf der Tages- Ordnung zionistischer Erörterungen. Schon bei der Jahreskonferenz in London, 1920, bestanden zwei ״Richtungen“, von denen die eine den Aufbau durch eine Anleihe, die andere durch einen großen Spendenfonds finanzieren wollte. I» zweite Richtung setzte sich durch und es kam zur Gründung des Keren HajessoJ. Da dieser aber von Anfang au nur einen Teil derjenigen Mitte! mobilisieren konnte, die zu einer wahrhaft großzügigen Aufbauarbeit notwendig gewesen wären, verstummte niemals die Forderung nach einer Anleihe, die allein zu versprechen schien, daß Mitte! von sehr viel größerem Umfange nach Palästina gebracht werden könnten, fnsbesondere muß hier auf das Buch von Arlosoroft über die KoJonisafion3finanzen der Jewish Agency hingewiesen werden, das nicht nur die Parole der Anleihe wiederholte, sondern auch den Versuch machte, einen konkreten Plan für die praktische Durchführung zu skizzieren. Mit einer gewissen Genugtuung konnte Arlosoroff aut dem letzten Kongreß in Wien darauf hin* weisen, daß seine Anregtimren allgemeine Würdigung fanden und daß so große Autoritäten nunmehr den Plan zu decken bereit seien, daß er gern in den Hintergrund trete. Für die Anleihe sprachen in Wien Weizmann und Jabotinsky, Grünbäum und Ruppin, und es wurde eine besondere Kommission zum Studium dieser Frage eingesetzt, deren Vorsitz kein Geringerer als D׳r. Ruppin übernommen hat. Damit ist sicherlich das Projekt der Palästinaanleihe in ein weit ernsteres Stadium getreten. Eine der elementarsten Voraussetzungen für die Möglichkeit der Anleihe ist die Sicherung des Zinsen* und Tilgungsdienstes. Nur wenn diese Sicherung in befriedigender Form efunden ist, kann man damit rechnen, Geldgeber zu finden, ie die große Anleihe hergeben. Auch die von Dr. Ruppin In seinem anläßlich des letzten Kongresses (in der ״Kongreß- Zeitung“) veröffentlichten Epos!? aufgestellte Forderung, der Völkerbund solle der Anleihe seine moralische Unterstützung ewähren, würde nicht genügen, um einen Geldgeber über ie Sicherheit seines Geschäftes zu beruhigen — und nur, wenn wir die Transaktion unter dem Gesichtspunkt des Geschäftes ansehen, können wir ihrer Realisierung näher kommen. Nun wurde wiederholt im Laufe der Diskussion vorgeschlagen, zur Sicherung des Schuldendienstes die j üdischen Gemeinden der ganzen Welt heranzuziehen und auch Ruppin spricht in dem erwähnten Expose von einer Garantie großer Jüdischer Körperschaften (Gemeinden, Stifttingen, Logen, Vereine) und reichen Einzelpersonen als Garanten, hinter denen der Keren Hajessod als Subsidiärhafter stehen soll. Es ist ja klar, daß dies eine der entscheidenden Fragen des ganzen Planes ist Für das Anleihekapital können die mit seiner Hilfe geschaffenen Wirtschaften (im weitesten Sinne des Wortes) als Deckung dienen; ihre Erträgnisse aber sind gewiß nicht von vornherein als Sicherung des Anleihedienstes in geschäftsmäßigem Sinne anzusehen. So verfiel man also mit einer gewissen Zwangsläufigkeit auf die großen jüdischen Körperschaften. Von den bei Ruppin erwähnten werden wohl Stiftungen, Logen und Vereine nur in geringem Maße in Betracht kommen, da diese ja, wo sie bestehen und finanziell leistungsfähig sind, bestimmte statutenmäßige Autgaben haben, denen sie ihre Mittel nicht entfremden dürfen; praktisch bleiben nur die Gemeinden übrig. In dem Augenblick aber, wo man an die Durchführung eines solchen Vorschlages geht, stößt man auf eine lange Reihe von Schwierigkeiten und Hindernissen. Die Haupt- Schwierigkeit liegt darin, daß die jüdischen Gemeinden in den verschiedenen Lindern einen so ganz verschiedenen legalen Status haben, ln Rußland sind sie überhaupt gesetzwdrig und führen nur ein unterirdisches Dasein; in Polen haben sie, wenn auch in sehr abgeschwächter Form, einen großen Teil ihrer alten Autonomie aufrecht erhalten; in vielen Ländern Mitteleuropas sind sie Körperschaften öffentlichen Rechtes, denen alle innerhalb ihres Gebietes wohnenden Juden angehören müssen und die ihren Mitgliedern gegenüber eine gewisse Steuerhoheit besitzen; in den meisten westlichen ändern dagegen stellen sie bloß freiwillige Vereinigungen dar, Kongregationen, an die aber kein Mitglied länger als es dies selbst wünscht, gefesselt ist. Keine Bank und kein Bankkonsortium wird die Mühe auf sich nehmen, Garantien Tausender von Gemeinden mit so verschiedenem Status auf ihre Sicherheit zu prüfen. Es wäre also von vornherein notwendig, zwischen den Geldgeber und die Gemeinden eine Instanz einzuschieben, die ihrerseits die Sicherheiten zu prüfen und Tür sie einzustehen hätte. Die erwähnte Schwierigkeit ist damit aber nicht beseitigt, sondern nur aut eine andere Stelle verschoben. In ganz anderer Weise kann eine autonome Gemeinde, die selbst ein Subjekt öffentlichen Rechtes ist, eine auf viele Jahre ausgedehnte Verpflichtung übernehmen als ein loser Verein, der sich von heute aut morgen auflösen kann Aber selbst bei denjenigen Gemeinden, die vom legalen Standpunkt aus noch die günstigsten Voraussetzungen bieten, entstehen ernste Schwierigkeiten. Jede Gemeinde besitzt ein bestimmtes Statut, welches ihre Aufgaben genau umschreibt. Je besser fundiert die Gemeinde im öffentlichen Rechte des etreffenden Landes ist, desto deutlicher ist auch das Autsichtsrecht der staatlichen Behörde ausgeprägt, die darüber wacht, daß die Gemeinde ihr Besteuerungsrecht nicht mißbraucht, Wenn eine solche Gemeinde eine Verpflichtung mit Bezug auf die Palästina-Anleihe auf sich nimmt, die nach dem Buchstaben ihres Statutes nicht zu ihrem Aufgabenkreis fehört, besteht die Möglichkeit, daß ein einziges Mitglied er Gemeinde, weiches in Opposition gegen einen solchen Beschluß steht, durch eine Beschwerde bei der י staatlichen Aufsichtsbehörde die Ausführung des Beschlusses verhindert. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an den Fall der bulfarischen Judengemeinden, die beschlossen, ihren Mitgliedern en Beitrag für den Keren Hajessod ln Form eines Zu- Schlages zu den Gemeindesteuern vorzuschreiben. Obgleich der Beschluß mit großem Enthusiasmus und überwältigender Mehrheit gefaßt worden war, ließ er sich nicht durchfahren. Dabe■ waren die Beschwerdeführer durchaus Freunde des Keren Hajessod, die aber den Gemeinden das Recht absprachen, einen de. . ״gen Beschluß zu fassen. Und wer die Verhältnisse in jüdischen Gemeinden in irgendeinem Land der Welt kennt, weiß, daß jeder Beschluß Opponenten findet, die bis zum äußerste! gehen, sei es aus Fanatismus des Rechtsbewußtseins, aus unüberwindbarer parteimäßiger Einstellung oder selbst aus kleinlichen, gelegentlich persönlichen Motiven. Eine weitere Schwierigkeit liegt in der sehr ungeklärten finanziellen Lage_ der jüdischen Gemeinden, insbesondere in jenen Gebieten, in denen sie sich des besten legalen Status erfru 1 .<• wirtschaftlichen Krisen in Polen, Deutschland, Oesterreich und den Balkanländern haben naturgemäß auch die jüdischen Gemeinden schwer getroffen, so daß auch große Gemeinden, die sich bisher immer einer sehr kräftigen Gemeindewirtschaft erfreuten, hart um ihre Existenz kämpfen. Eine letzte Schwierigkeit, die wir hier noch erwähnen wollen, ist bisher bei den Verfechtern der ״Palästina-Anleihe mit Garantie der Gemeinden“ noch zu wenig berücksichtigt worden und doch ist sie diejenige, deren Ueberwindung am alierschvversten sein wird. Wenn nämlich die bisher angeführten Hindernisse juristischer und wirtschaftlicher Natur waren, so handelt es sich hier um ein psychologisches Moment. Die Frage lautet nämlich: Werden die Gemeinden die von ihnen verlangte Garantie auch tatsächlich leisten wollen? Wenn auch der Gedanke des Palüstinaaufbaus in den letzten Jahren, hauptsächlich durch die Arbeit des Keren Hajessod, außerordentliche Fortschritte gemacht und Anhänger selbst in denjenigen Kreisen gefunden hat, die auch heute noch der Zionistischen Organisation ablehnend gegenüberstehen, so soll doch nicht verkannt werden, daß noch sehr breite und einflußreiche Kreise der jüdischen Gesamtheit für keinen von der Zionistischen Organisation ausgehenden oder auch nur von ihr in erster Linie geforderten Plan der Aufbauarbeit in Palästina zu gewinnen sind. Das alles muß man erwägen, wenn man ernsthaft an die Durchführung eines Planes für die Palästina-Anleihe mit Haftung der jüdischen Gemeinden für den Zinsendienst schreiten will. * Diese allgemeinen Gedankengänge führten die Zentral- Kommission des Keren Hajessod in der t s c h ec 11 <> s 1 o wa - kischen Republik zu dem Entschluß, eine besondere Aktion bei den jüdischen Gemeinden dieses Landes, gewissermaßen als Probe für eine große allgemeine Aktion dieser Art zu!׳ersuchen. Das Verdienst der ersten Anregung dieser Aktion gebührt Dr. Alois Hilf, seit vielen Jahren Vorsteher der Gemeinde Mährisch-Ostrau und seit Bestehen des Landesverbr.ndes der mährischen Gemeinden dessen Präsident. Zunächst allerdings bestanden auch im engeren Kreise sehr erhebliche Schwierigkeiten. Die Kultusgemcinden Mährens und Schlesiens sind in einheitlichen Verbinden organisiert, also leicht zu erreichen und einheitlich zu beeinflussen. Sic stellen aber nur einen kleinen Teil aller Gemeinden des Staates dar (58 Gemeinden von 458, mit etwa 40000 Seelen von rund 360 (WO). Die wiederholt versuchte Zusammenfassung der jüdischeu Gemeinden Böhmens ist bisher nicht gelungen. Es bestehen so tiefgehende Unterschiede zwischen großen Gemeinden wie Prag mit mehr als 30000 Juden und den ICK) Zwerggenieiudcn mit einer durchschnittlichen Anzahl von 80 Seelen, zwischen den Gemeinden im deutschen und jenen im tschechischen Sprachgebiet, daß sich eine allen Bedürfnis-en nn״cpaßfe und von Zwang freie Organisationsform noch nicht hat finden lassen. Das große Kraftreservoir der tschechoslowakischen Judenheit aber, die ehemals ungarischen Provinzen Siovakei und Karpathorußland (sie umfassen ziemlich genau die Hälfte der jüdischen Bevölkerung des Staates), bedeutet für die zionistische Arbeit vorläufig noch eher ein Passivum als ein Aktivum. Diesen Schwierigkeiten, die in den Kultusgemeinden selbst liegen, gesellen sich noch eine Reihe von Bedenken 7.u, die von den Keren Hajessod-Arheitern gellend gemacht wurden. Die erste Befürchtung war die, daß die einzelnen Gemeindeinitglieder sic!» weigern würden, weiterhin individuelle Bei* träge zum Keren Hajessod zu geben, wenn die Gemeinden als solche Zuwendungen für diesen Zweck machten. Dem Einwand mußte dadurch begegnet werden, daß von vornherein die Forderung, die wir an die Gemeinden richteten, außerordenil'ch bescheiden war, so daß ihre Erfüllung ohne merkliehe Belastung der einzelnen Gemeindemitglieder erreicht werden konnte. Ein zweiter Einwand richtete sich gegen unseren Plan, die Zusage der Gemeinden, Beiträge durch eine Reihe von Jahren zu leisten, zur Aufnahme eines Kredites auszunützen. Man warf uns vor, daß wir, um einmal einen größeren Betrag zu schaffen, auf die Eingänge einer ganzen Reihe von Jahren verzichten wollten und daß wir aus den Mitteln, die uns die Gemeinden für den Palästinaaufbau zur Verfügung stellen würden, teure Rankzinsen bezahlen wollten. Es ist klar, daß es für den Keren Hajessod ein unermeßlicher Vorteil wäre, wenn er beispielsweise heute fünf Millionen Pfund auf einmal erhalten könnte, anstatt je eine halbe Million durch zehn Jahre. Aus eben demselben Grunde ist aber auch jeder Kredit für uns im Grunde genommen billig, denn die teuersten Bankzinsen kommen uns nicht so teuer zu stehen, wie die Verluste an menschlicher Kraft und Gesundheit, die durch die Flüssigmachung größerer Mittel vermieden werden können. Die jüdischen Gemeinden in der Tschechoslowakei wurden nicht unvorbereitet vor unsere Aktion gestellt. Sogleich nach der Gründung dek Keren Hajessod, noch im Jahre 1920, haben die zwei modernsten und rührigsten jüdi chen Gemeinden d r Republik, Brünn und Mährisch-Ostrau, den Beschluß gefaßt, dem Keren Hajessod jährl'che Beiträge zu leisten. Dir Gemeinde Brünn verpflichtete sich zunächst zu einem Ke-en Hajessod-Beitrag von 50000 Kc. (zirka 300 £) und die Gemeinde Mährrch-Ostrau zu eirtem Beitrag in der doppelten Höhe, Anges'chts der schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse in Mitteleuropa bedeutete das eine sehr erhebliche Kraftanstrengung von seiten dieser Gemeinden, deren jede etwa 10000 Seelen zählt. Dem Beispiel von Brünn und Mährisch-Ostrau folgten weitere Gemeinden. Einen neuen Anstoß erhielt das Interesse der Kultusgemeinden für den Keren Hajessod durch den Besuch Dr. Weizmanns anfangs 1925 und durch den Eindruck, den die Eröffnung der Hebräischen Universität überall machte. Anges'chts dieser Stimmung glaubte die tschechoslowakische Zentralkommission des Keren Haiessod die Zeit gekommen, um mit einem allgemeinen Annell an alle Gemeinden heranzutreten. Sie berief im Juni 1925 eine aus'chließlieh dieser Frage gewidmete Sitzung mch Mährisch-Ostrau ein, an we’cher s;ch eine Anzahl ihrer Mitglieder und die Vertreter einer stattl'chen Reihe jüdischer Kultusgenieinden betci'igten. Den Vorsitz führte Dr. Alois Hilf, und eine einheit'lche und zweckmäßige Beschlußfassung wurde wesentlich dadrr h erleichtert, daß das Direktorium des Keren Haiessod seinen Generalsekretär, Herrn Leo Herrmann, zu dieser Tagung entsandt hatte. Es ist gelungen, in den beiden bestehenden Verbänden einstimmige Beschlüsse zu erzHen, di? den Verbandsgemeinden die Teilnahme an der Aktion d :ingend emnfehlen. Auch eine große Anzahl von Gemeinden außerhalb dieser Verbände hat sich bereits für die Aktion ausgesprochen. Die nächsten Wochen, in welchen in den mei;t״n Gemeinden Beratungen über das Budget für das Jahr 1925 stattfinden, werden es zeigen, ob unser Appell die gewünschte Wirkung haben wird. Die Aussichten dafür scheinen durchaus günstig zu sein. Die Forderung, die wir an Jede einzelne Gemeinde stellen, geht dahin, daß beschlossen werde, dem Keren Hajessod durch zehn Jahre hindurch einen Beitrag zu leisten, der sich auf zwei K c, (25 Pfennig) jährlich pro Kopf der jüdlsehen Bevölkerung beläuft. Wenn alle Kultusgemeinden der tschechoslowakischen Republik derartige Beschlüsse faßten, so würde dies einen Betrag von jährlich 720000 Kc. (zirka 4300 £> bedeuten. Natürl'ch ist zunächst nicht auf einen so umfassenden Erfolg der Aktion zu rechnen, wir hoffen aber, allmählich auch dieses Ziel zu erreichen. Eine Frage, die vorläufig noch sehr große Schwierigkeiten bietet, ist die Verwertung dieser Beschlüsse zu einer Kreditoperation. Wir haben unverbindliche Verhandlungen mit einer Reihe von Finanzinstituten verm iedener Typen ge'ührt, bisher aber keine Bereitwilligkeit finden können, au! Grund derartiger Beschlüsse größere Kredite zu bewilligen. Wir glauben aber, daß auch in dieser Beziehung die Aussichten nicht ganz ungünstig sein werden, sobald erst einmal feste und rechtsverbindliche Beschlüsse einer Anzahl von Kultusgemein• den vorliegen werden. Wir wollen die Bedeutung der jetzt in der Tschechosl» wakei cingeleiteten Aktion keineswegs überschätzen, glauben« aber, daß sie die Freunde des Keren Hajessod auch in anderen Ländern interessieren kann und daß sie vielleicht als bescheidene Vorbereitung gewertet werden darf für die Erfüllung der großen Aufgabe, die uns bevorsteht, der Schaffung einer großen Anleihe für den Aufbau der nationalen Heimstätte in Palästina. öle Zahl der indischen Stidenlen In PrenBen Der preußische Minister für Wissenschaft. Kunst- und Volksbildung veröffentlicht soeben eine preußische Hochschul« Statistik aus den Jahren 1924-1925 unter Beifügung von Vergleichziffern aus dem Jahre 1911. Die (k'samt/aiit der Studenten an den preußischen Universitäten belief sich im Wintersemester 1924/25 auf 3000t Studierende und stieg im Sommersemester 1925 auf 31336; dies bedeutet gegenüber 1911 mR 25 228 Studierenden eine nicht unbeträchtlich(‘ Zunahme. Nicht ganz, dieser Steigerung entsprechend ist die Zunahme der jüdischen Studierenden an den preußischen Universitäten, wie dies aus der folgenden Feststellung hervorgeht: Unter dem Gesichtspunkt der Konfession gab es im Wintersemester 1924/25 59,4, im Sommersemester 1925 60,15, im Jahre 1911 65,4 v, H. evangelische, 23,7׳ bzw. 30,24 gegen 27,5 katholische, 6,3 bzw. 5,34 gegen 5,6 v. H, jüdische und 5,6 bzw. 4,37 gegen 0,5 v, H. bekenntnisfreie ussv. Studenten. Interessant ist, daß während bei allen anderen Bekenntnissen die Zahl der Studierenden im Sommersemester 1925 gegen die Zahl im Wintersemester 1924/25 gestiegen ist, sich der Prozentsatz der Studierenden jüdischen Bekenntnisses von 6,3 im Wintersemester 1924/25 auf 5,34 im Sommersemester 1925 vermindert hat. das hu PriiWinm der Wien«• Jadcigeaehfe Wien, 7. Januar. (J.T.A.) Der Kultusvorstand hat in seiner letzten Sitzun״ das Präsidium für das kommende Jahr gewählt. Der Präsident der Kultus-gemeinde, Generalstabsarzt Dr. Pick, erscheint für die ganze Mandatsdauer von vier Jahren gewählt, so daß sich die Neuwahl nur auf die beiden Vizepräsidenten erstreckte. Herr Dr. Jakob Ornatein (Union der österreichischen Juden) und Dr. Joseph Loewenherz (zionistische Fraktion) wurden mit allen Stimmen wiedergewählt. Das neu gewählte Vertreterkollegium setzt sieh aus Gemeinderat Dr. Plaschkes und Dr. Friedmann (Zionisten) und aus den Kultus Vorständen Baurat Kempitr, Dr. Ticho, Regierungsrat Oppenheim, Kauders (Union) und Pappenheim (Agudah) zusammen. Eine indische VoiksniversitS! ii Kowio Kowno, 7, Januar. (J.T. A.) Am letzten Sonntag fand im eigenen Lokal die feierliche Eröffnung der neugegründeten jüdischen Volksuniversitit statt. Prof. Bielazkin hielt die Eröffnungsrede und begrüßte die Gründerin Frau Dr. Esther Ellaschew, eine Schwester des verstorbenen Publizisten Baal-Maehschowoth. Es sprachen Fr. Dr. Etjaichew» Dr: Lasarson, Jaschaner, Abraham*«« GrnppaivcrbtidsHg ia Kein Sonntag, den 17. Januar, vormittags 10 Uhr, im Zionistischen Heim, Brandenburger Str. 14. T agesordnung: Referat des Vorsitzenden der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Herrn Kurt Blumenfeld: Die innerpolitische Entwicklung seitdem Kongreß. (Das amerikanisch-polnische Bündnis. — Präassimilatorischer und postassimilatorischer Zionismus. — Die spezifischen Aufgaben des deutschen Zionismus. — Die Methoden unserer Arbeit.) Referat Alfred Berger über ״Positive Aufbauarbeit". Mittagspause. Beginn der Nachmittagssitzung: 3 Uhr. Referat des Vorsitzenden des Rheinischen Gruppenver* bandes, Herrn Dr. Bruno Nathan, über das Thema: ״Chaiuzarbeit im Aufgabenbereich der zionistischen Ortsgruppen. Diskussion. Alle Ortsgruppen und Vertrauensleute Im Gebiet des rheinischen Gruppenverbandes sind zu dieser Tagesordnung dringend eingelauen. Das Sekretariat des Gruppen verbände« Köln, Brandenburger Str. 14 (Tel. Rheinland 9332), bittet die Ortsgruppen um sofortige Mitteilung, wieviel Gesinnung*- genossen an der Tagung zugegen sein werden, Nachmittags 5 Uhr findet eine Sitzung der Vertrauensleute des Keren Kajemeth Leiisrael statt. Wir bitten sämtliche Vertrauensleute des Bezirks Linksrheinland, an ihr teilzunehmen. Tagesordnung wird durch besondere Einladung bekanntgegeben. Kouerl RiasmieH — Zweig in Scholen Alechem Klub Der Name Leo Riasanzeff klingt ausgesprochen slawisch und erinnert an die breitspurigen russischen Kaufleute des ehemaligen Zarenrußland. In Wirklichkeit ist die Ango• legenheit nicht so dräuend und unter dem orthodox-russischen Namen verbirgt sich ein liebenswürdiger jüdischer junger Herr, namens Jehuda Leib Rosenrweig, der einer eba-sidisehen Familie aus Polen entstammt und hinter sich eine interessante künstle* rische Vergangenheit hat. Er war Sänger bei chassidischen Chasanim in Beth Hamidraschim, er wanderte durch europä* ische Kunststätten als Mitglied eines echt sibirischen Quartetts, er studierte bei deutschen Get-angsprofe-soren und gelangte schließlich an die berühmte russische Kleinkunstbühne ״Der Blaue Vogel“. In Leo Riasanieif veieinigen sich also chassidixhe Innigkeit, deutsche Gründlichkeit und russisches Kunstraffinement. Der Künstler besitzt einen klangvollen Bariton von wundervollem Timbre, ein sehr feines Mezza Voce und eine vorzügliehe Atemtechnik Es ist klar, daß :tun im iniimen Schalem Alechem Klub keine besondere Prograrr.raauswahl verlangen kann. Aber auch da hätte zwischen Gnessin und Milner der banale Großman entfallen können. Milners wunderbarer Fischer hätte vielleicht in einem langsameren Tempo gesungen werden sollen. Vorzug• lieh kam der ״Kewer Rahe!“ von Gnessin mit seinem feiertäglichen getragenen Tropp zur Geltung. Desgleichen die rwei Miniaturen des jungen Gladstein, der viel künstlerischen Geschmack und frische melodiö«* Begabung hat. Frau Marie Zweig ist eine verständnisvolle Begleiterin und hat als Klavierspielerin viel Kultur und ausgezeichnete Technik. Hermann Swet.