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Jüdische Rundschau · 1926-01-12 · Heft 3 (12.1.1926) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 3 (12.1.1926)
Date
1926-01-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Ht.B 7UEDISCHE RUNDSCHAU Die Baäapester Baoknoleanisdier oder Splt erwachtes Gewisses 1. Solange in Budapest Minister, Abgeordnete, Polizeipräsi* dentcn und hohe Offiziere sich damit begnügten, Pogrome zu veranstalten, Juden in der Donau zu ertränken, jüdische Kaufleute zu cxpropiieren und jüdische Häuser in Brand zu stecken, fanden sich wollt in Europa einzelne Stimmen, die diese Missetaten verurteilten, aber im allgemeinen zweifelte niemand daran, daß die ßudapestcr Machthaber persönlich ehrenhaft sind. Die Budapester hochgestellten Antisemiten fanden überall in der ganzen Welt offene Türen und wurden allenthalben entsprechend ihren Titeln und Würden höflich und mit Achtung aufgenommen und behandelt. Erst vor wenigen Monaten wurde der Numerus dausus-Minister K) e - b c 1 s b c r g in Berlin nicht nur von nationalen Chauvinisten, sondern auch höchst offiziell, höflichst aufgenommen und konnte sogar i!1 mehreren Veranstaltungen von Ungarns Kultur und Zivilisation erzählen. Derselbe Klebtlsberg erschien auch vor dem Völkerbund und wurde, entsprechend seiner hohen Stellung, mit großer Aufmerksamkeit angefiört und der Völker• bund attestierte ihm ausdrücklich, daß seine Zusagen ernst genommen werden. Der Abgeordnete U 1 a i 11, eine Säule der ״Erwachenden Magyaren“, war in München und in Rom gern gesehener und geachteter Gast. Die anderen Würdenträger von Pogroms Gnaden fanden in allen europäischen Hauptstädten willige Ohren, ergebene Freunde und hilfsbereite Unterstützung. Seit zwei Wochen aber ist bekannt geworden, daß all diese Herrschaften nicht nur Judenhasser und Judenmörder, sondern auch Banknotenfälscher sind. Und siehe da, ganz Europa rümpft die Nasen und schüttelt sich vor Abscheu. ״Shocking“, ruft man in England, ״Parblcu“ in Paris, ״Pfui Teufel“ in Berlin, und ist entsetzt ob dieser schrecklichen Verkommenheit der Prinzen, Grafen, Minister, Abgeordneten und Polizeipräsidenten. Dieses Verhalten zeigt, was im Grunde genommen, im Abendlande das Allcrhciligste ist. Nicht die feierlich formulierten Grundsätze von Kultur, Zivilisation, Recht und Freiheit, sondern die Banknoten! Wenn einer Juden umbringt, so ist er noch lange nicht diffamiert, aber Banknoten fälschen, das Allerheiiigste schmähen, das verzeiht man nicht. Der ״Pester Lloyd“ behandelt diese merkwürdige, aber itn Grunde selbstverständliche und naturgegebene Vcrknüpfung von Rasscnschützlertum und Banknotenfälschung in folgenden Zeilen: ״Wie muß cs bestellt sein um die soziale Gesittung in diesem Lande, wenn sich solche Dinge ereignen konnten? Jetzt reifen die Früchte einer Verwilderung, die um sich greifen konnte, weil der demagogisch-reaktionäre Umsturzgeist in Verwaltung und Justizpflege nicht auf die entsprechenden Gegenkräfte stieß. Blutige Verbrechen blieben tingesühnt, Mord und Totschläge wurden nicht geahndet und Bombenwerfer wurden freigesprochen. Auf dem Giftboden solcher Zustände konnte dann leicht das soziale Phänomen emporsprießen, daß in einem Lande, wo Vernichtung des Menschenlebe ns straflos ausgeht, das harmlosere Delikt der Falschjfittözerel' eigentlich stell der Straffreiheit sicher fühlen zu dürfen wähnte. Von welcher Seite die jetzt aufgehende Drachensaat ausgestreut wurde, geht deutlich genug aus dem Umstande hervor, daß Fürst Windischgraetz und seine verhafteten Helfershelfer sich beeilt haben, eine exponierte Führerpersönlichkeit der Erwachenden Ungarn als ihren Verteidiger nahm ha ft zu machen.“ Wir haben dem nichts hinzuzufügeu II. Die deutschen Gesinnungs ver wandten der ungarischen Banknotenfalscher, von Ludendorff bis Wulle, denen bisher nur Fememorde und dümmste Hetze gegen die Juden nachgewiesen werden kann, haben im Reichstag als Antwort auf den Antrag des Abgeordneten Koch betreffend die Fürstenabfindung nachstehenden Vorschlag cingebracht: ״Im Falle der Annahme des Antrages Koch (Demokrat) und Genossen wolle der Reichstag beschließen, die Reichsregierung zu ersuchen, dem Reichstag einen Gesetzentwurf vorzuiegen, wonach alle seit dem 1. August 1914 eingewanderten ihres Kindes nicht annimmt, Ausdruck geben und Hin•• hl. eb'en dieser Sohn, eine aktuelle Bemerkung über den weißen Terror in Ungarn nach der Revolution machen kann? Die Fabel des lustigen, manchmal fast schmerzhafte Lachwirkungen hervorrufenden, vollkommen unwahrscheinlichen, anspruchslosen Stücks ist belanglos: Das uneheliche Kind des bei besser Schmock, in Stellung befindlichen Hirsch!, das seine Partnerin vom Scharmützclsee ihm übergibt, wird von besser auf Grund eines vertauschten Briefes an Hans Schmock, den ihm Lcojxjid Schmock ,,aus der 2. Etage“ überbringt, der aber in Wahrheit für dessen gleichnamigen Sohn bestimmt ist, für das seines Sohnes gehalten. Der Sohn meint, es gehöre seinem Vater. Fatt geht seine Verlobung mit der Tochter des Bankiers Gunhelstein darob in die Brüche, bis sich herausstellt■, das der Säugling weder Lasser noch Hans Schmock atts der ersten Etage, sondern Ilirschl sein Leben verdankt und der andere Säugling 1t. Brief Leopold Schmocks Sohn Hans ,,aus der 2. Etage“, dem Schwiegersohn Gunhelsteins, zugehört. - Aber was besagt diese Inhaltsangabe, wo die Darstellung doch alles und das Stück nichts ist Alle Register Bcrlin-Neutomischler Jüdisrhkeit und ebenso unverfälschter Menschlichkeit werden gezogen, das Ohr soll in den vertrauten Klängen der Crvätersprache, von Nebbich bis Rachmoncs und Sehameß, schwelgen, die gute alte Zeit wird gegen die neue und neueste gehalten, wo ״die quittierte Rechnung über 50 Mark zurückgeschickt, aber sechsmal in der Woche mit dem Auto und dem Vcrliältnis ein Ausflug gemacht wird“, Onkel Eli aus ״Jcttchcn Gebert“ wird wieder lebendig, heißt jetzt Salomon Goldfaden, ist Frau Gunhelstcins Vater und sagt statt: ״Das ist Mürbekuchen“, ,,Das ist Hag-Kaffee“, tunkt die Schrippe hinein und kann sich daran ״krank trinkcn“. Herrnfeld kennt seine Juden fast so gut wie ihre Sprache und ihre Sitten; aber zieht man auch Sentimentalität, beziehungsreiche Aktualität u. a, Theaterrequisiten, mit denen das jüdische Herz des Zuhörers sanft gekitzelt wird, ab, ist man auch noch so mißtrauisch gegen die allzu günstige Belem-hnuvc in der diese alten Juden hier erscheinen, — wie der •1 0 Lesscr Schmock und der alte Salomon Go'dkiden im dritten Akt ihre ji'gcnderinncrungen austauächen. ich kann mir nicht helfen und nun mag mich einen banausischen Kitschverehrer schelten, einen jüdischen und von jüdischem Kitsch obendrein ״- aber das ist großartig. Ich spreche immer natürlich nur vom Spiel, nicht vom Stück, Goldfaden (Maximilian Wolff) wird |ut gegeben und ist auch eine dankbare Rolle. Aber was einem Der L. V. der Z. V.f.D. stellte in seiner Sitzung vom 10. Januar einmütig fest; Die Ergebnisse des Keren Hajessed im Jahre 1925 haben bewiesen, wie unerschütterlich die Idee des Palästina-Aufbaus in weiten Kreisen der deutschen Judenheit verankert ist. Die materiellen und moralischen Erfolge des Keren Hajessod konnten aber nur erzielt werden, weil im Jahre 1925 die Zionisten ihrer Maasserpflicht in steigendem Maße nachgekommen sind. Nunmehr gilt es, die Arbeit im Jahre 1926 auf der gleichen Grundlage, der Erfüllung der Maasserpflicht, fortzuführen. Den erhöhten wirtschaftlichen Schwierigkeiten müssen wir in Zukunft vor allem dadurch begegnen, daß alle Zionisten in Deutschland sich cum Maassergedanken bekennen und ihre Maassererklirung abgeben. Der Landesvorstand der Zionistischen Vereinigung für Deutschland erwartet, daß alle Ortsgruppen unverzüglich mit der Arbeit für den Keren Hajessod beginnen und daß in wenigen Wochen die Maassererklärungen der Zionisten vorliegen. Jeder Zionist ist zur Maesserzahlang an den Keren Hajessod verpflichtet* O s t j 11 d c n entschädigungslos enteign e i \v erd c 11.“ Ein beamteter preußischer Rassenschützlcr, der in Berlin Recht spricht, begründete ein Urteil gegen einen Juden aus Rumänien folgendermaßen: ״Der Angeklagte (der rumänische Jude) gehört einer Rasse an, die sich die A 11 s b e u - t u n g ihrer Wir t s v öik e r zur A u f g 3 b e g cra acht h a t.“ Die Antragsteller im Reichstage und der Richter im Talar gelten, da sie der Banknotenfälschung■ weder angeklagt noch überführt sind, auch bei ihren politischen Gegnern als persönlich ehrenhaft. Denn ihre Handlungen beziehen sich nur auf Juden und verletzen lediglich die Grundsätze des Rechtes, der Freiheit und Unparteilichkeit. Das aber, scheint cs, kann man in Europa machen, ohne persönlich ehrlos zu gelten. Immerhin zeigen die angeführten Beispiele, daß man in Deutschland mit dem Nasenrümpfen über die ungarischen Geldfälscher vorsichtig sein sollte. M. W. Antisemitismus im Berliner Polizeipräsidium Die demokratische ״Berliner Volks-Zeitung“ schreibt: ״Schon oft ist von allen Kreisen der Bevölkerung und aus der Polizeibeamtenschaft heraus Klage darüber geführt worden, daß im Berliner Polizeipräsidium immer noch Beamte amtieren dürfen, die ihre reaktionäre und antisemitische Gesinnung offen betätigen. Die Beschwerden richteten sich dabei in erster Linie gegen das Fremdenamt, dem die politisch wichtige Aufgabe der Zulassung Fremder und der Aufenthaltsbew'illigung für Ausländer zufällt. Wie wir erfahren, handelt es sich um Beamte, die leitende Positionen bekleiden.“ Die Zeitung nennt insbesondere den Leiter des Fremdenaintes, Regierungsrat Goehrke, der es duldet, daß in offiziellen internen Konferenzen unter seinem Vorsitz ״in der pöbelhaftesten Weise über jüdische Bürger gesprochen wird“. Antisemitische Ausdrücke, wie ״galirische Eierjuden", ״Judenbande“ usw. werden von seinen Untergebenen gebraucht, ohne daß er darauf reagiert. Nicht viel besser führt sich -- nach der Mitteilung der ״Berliner Volks-Zeitung“ — der Polizeirat Breslau, Generaliinbearbeiter i:n Fremdenamt, auf. Dieser Beamte erklärt: ״Die Bearbeitung politischer Dinge im Frcmdenamt geschieht für mich unter dem Gesichtspunkt der Rassenfrage." Und unter der Herrschaft dieser leitenden Männer, so teilte die Zeitung weiter mit, ist cs dahin gekommen, daß die den amtlichen Instanzenweg durchlaufenden Papiere, die sich auf jüdische Bürger beziehen, mit besonderen Markierungen und Kennzeichen versehen werden, die auf die das Herz, und nicht bloß die Ln. lnr.u-keln bewegt, da־; i::t Grüneckers Lesscr Schmock. Der wird so e.,h!, so lebensnah tmd •warm gespielt oder vielmehr nicht gespielt, solidem ans sich in der natürlichsten Art entwickelt, ab nüre cs nicht Theater, sondem das Leben, die Wirklichkeit selbst, daß kein Won der Anerkennung zu übertrieben ist. Don Abend vor tmd nach dem Theater zerbrach ich mir den Kopf, vco ich die«.-n Typus scholl gesehen und gehört habe. Eh kam nicht darauf. Am m• Inten Morgen aber, als ich aus d<-r Straßenbahn steige, dl 1v auf dem Flat.׳ bei der Tür. Ich sehe nicht seine ("<latz׳\ er hat den Hut auf, ab r er ist’s, unverkennbar I e-ser Schmock, nt■ ht Grünerker natürlich, der anderna-sieht, der MaU;״: besser .Schmock aus Ncutnn11s׳T1el. Man glaube nicht, 111 erfinde und setze die llerrnfeldiade fort (Kritik ab Fortsetzung der Komödie mit änderet: Mitteln, in Variation des (la.uscwit,:-Wortes!. Es verhielt si.11 wirklich -o, und ich mußte ״ieder wie an! Abend vorher an jene Stelle in Schnitzlers .,Weg ins Fn׳'e“ denken, die das, was ich meine, bes.-er ausdrückt als cs. die 'Worte des Rezensenten vermögen: ,.Jetzt wußte Georg mit eineintnal, woran der Blick des alten Eißler ihn erinnerte: mit (hm gleichen, väterlichen Ausdruck!innen des alten Doktor Stäubers Augen bei Rosners auf ihm geruht. Diese alten Juden! dachte er spöttisch, aber in einem entlcg'uirn Winkel seiner Seele war et ein wenig gerührt." A 1 b r c c h t II dl mann. Grnach als der liebe Angnslin Zur Auffuhruug in der Volksbühne. Mit Dietzcnschmidts Volksstück ״Vom lieben Augustin“ (im Buch bei Ocsterheld) hat die Volksbühne die Reihe ihrer guten Aufführungen um eine bedeutsame Leistung vermehrt. Denn dieses Volksstück ist eine Dichtung, an der man sich sogar restlos freuen kann, wenn dem Rotstift der Regie die zwei oder drei mißglückten Stellen in gehobener Rede einmal zum Opfer fallen. Und Oranach war der liebe Augustin. Wie es vorauszusehen war, liegt ihm diese Rolle sehr gut, etwas, das jeder weiß, der ihn den Gassenpoiker rezitieren hörte. Denn in dem Gassenpoiker sieht man einen Teil des Uraugustiu vor sich: den Dichterniusikantcn, der nichts hat und nichts haben will, weil er jeder Last ledig alles besitzt. Die ganze Welt liegt vor ihm, gehört ihm. Wie ein gesunder, pausbäckiger Knabe mit runden, ver¬ Seite S! Konfession des ״Objekts“ aufmerksam machen tollen. DI« Zeitung schließt: ״Es muß gefordert werden, daß der Polizeipräsident euergisch durchgrdft und den Antisemiten im Fremdenamt auf die Finger klopft“ Die Lage des pelaiseh-|fldlsehe■ KaniMiislaifes Warschau,, 7. Januar. (J. T. A.) Im Warschauer Handelsministeriirm fand dieser Tage eine wichtige Konferenz statt, 111 der über die jüdischen Forderungen betreffend gewisse Reformer, in der Wirtschaft mit Berücksichtigung des jüdiselten Elementsberaten worden ist. Wie cs beißt, soll dem* nächst eine Verordnung erscheinen, laut der den jüdischen Geschäftsleuten erlaubt sein wird, ihre Geschäfte auch an Sonntagen zwei Stunden lang offen halten zu dürfen, Der jüdische Deputierte Wisch lickt besuchte in Beglcitunp des Vertreters des Finanzministeriums Ing. Taube dort in Warschau weilenden amerikanischen Finanzsachverständigen Prof. Kämmerer und informierte ihn über die katastrophale Wirtschaftslage der polnischen Judenheit. Er schilderte, wie die jüdische Kaufmannschaft unter der Steuer• schraube zu leiden hat, wie sie sonst gegenüber dem nicht* jüdischen Element benachteiligt wird und von der polnischen Staatsbank keine Kredite erhält. In der letzten Sitzung des Verwaltungsrates des zentralen jüdischen kaufmännischen Vereins wurde eine Reihe Projekte diskutiert Senator Trttsker schlug vor, der Kaufmännische Verein solle eine Abordnung nach Amerika entsenden, die sich bei den amerikanischen jüdischen Finanzlcufen um eine Anleihe für die jüdische Kaufmannschaft in Polen, bemühen soll. In der [Diskussion wurde der Meinung Ausdruck gegeben, daß die jüdischen Bankiers in Amerika für eine Hilfsmaßnahme auf finnnzwirtschaftlicher Grundlage eher gewonnen werden könnten, als für einen philantropischen Akt. Es wurde beschlossen, in nächster Zeit eine Abordnung nach Amerika zu entsenden und ihr bestimmte Unterlagen und Direktiven mitzugeben. Die lldisele Not in Polen W a r s c h a u , 7. Januar. (J. T. A.) Not und Arbeits* losigkcit unter der jüdischen Bevölkerung in ganz Polen nehmen überhand. Die jüdischen Arbeiterorganisationen sind an die jüdischen Gemeinden wegen Abhilfe herangetreten. Dabei erklärten sich die Arbeiterorganisationen der Agudah mit den sozialistischen Parteien ״Bund“ und ״Poale Zion“ solidarisch. Die Führer der Gemeinden erklärten aber, nicht in der Lage zu sein, irgendwelche beträchtliche Hilfe leisten zu können. Die Masseowanderang ans Polen ■aeh Pallsttna Warschau, 6. Januar. (J.T. A.) Im Jahre 1925 sind durch Vermittlung des zentralen Palästina-Amtes in Warschau 1 7 7 31 Juden ausPolen nach Palästina gezogen. Im Jahre 1921־ stellte Polen 7987 Palästinawanderer. Im Dezember 1925 wamlerten 968 Juden aus Polen nach Palästina aus. Splte Bestralmg von Verleumder! W a r s c h a u , Cx Januar. (J, T. A.) Vor dem Warschauer Revisionsgericht als zweiter Instanz fand die Revisionsverhandlung in der Klage des Sejmdeputierten J, Grün bäum gegen, den Redakteur .der ״Oaz״eta Warszawsk»״ Zygmuut Waszilewski, die Redakteure der ״Rzecz-Pospolita“ Szszetclski und Wieszbynski und den Redakteur der radikalantisemitischeu ״Rozwoj“ Czcblewski statt. Die genannten Redakteure hatten noch im Jahre 1920, während Grünbaum zwecks Teilnahme an Beratungen der Zionistischen Organisation in London geweilt hat, in ihren Zeitungen einen Verleitmdungsfeldzug gegen den jüdischen Politiker eröffnet lind ihm vorgeWorfen, daß er im Auslande an Aktionen gegen den polnischen Staat teilnehme. ln erster Instanz waren die Redakteure freigesprochen worden. In der Berufungsverhandlung sagte der sozialistische Dep. Barlicki aus, er kenne Orünbaum seit dem Jahre 1902. Grünbaum hat stets für die Unabhängigkeit Polens gekämpft, Auch als Sejmabgeordneter habe er nie etwas gegen den polnisehen Staat unternommen, wenn er auch zu der jeweiligen Regierung iti Opposition stand. Der Kläger Grünbaum sch!!־ derte eingehend den gegen ihn in Szene gesetzten Pressefeldzug. Der Gerichtshof hob das freisprechende Urteil auf und v erurteilte sämtliche vier Angeklagten zu je ein cm Monat Gefängnis und zur Tragung der Gerichtskosten. Die Gefängnisstrafe wurde in kleinere Geldstrafen uingewandclt. trauenden Kinderaugen läuft der Gassenpoiker-Augustin Grar.achs in diese Welt. Und bet Dietzenschmidt ist er ungehemmt. Augustin ist der zwischen Glück und Unglück hin und her geworfene Mensch. Er findet durch die Willkür seines Schicksals hinter jeder Tiefe eine Höhe und das endgültige letzte Ende, der Untergang durch die Pest zeigt sich für ihn in der Gestalt der Jugendgerichten. Der Augustin Gra* naclis ist durchaus der Dorfjunge des Märchens, gut, ver• trauend, derb, Hanswurst und Dichter — und über allein überquellend von naturgewachsener Menschlichkeit. Des־ Wieners Dietzenschmidt Glaube au den gesunden Kern des Volksoemütes und die jüdische Herzenswärme Granachs ergänzten sich so lückenlos. Ein Künstler, der fest im Volke wurzelt, ist echt. Granach ist solch ein Künstler, auch im ־Wiener Augustin spielt er sich seihst. Er ist ein Volkskünstler im besten Sinne; denn in dem sangesfrohen jüdischen Städtchen seiner Heimat gibt es eine Volkskunst, die der deutschen und nicht nur der deutschen ähnlich ist. Die Aufführung der Volksbühne bet bis auf geringe Aus- Stellungen oft ganz Ausgezeichnetes. Fränze Roloff, das Pcstwribel, war als volksliedzartes Hexenmädchen Granach eine sehr gute Partnerin. Sehr gut war diesmal Leo Reuß als gemütlicher Sultan. Nur mit der unentwegt eintönigen Grete Bäck hat Schwa ritt eck es Regie keinen guten Griff getan. Um so besser waren Stthrs Bühnenbilder. Einfach und schön besonders das letzte, als Augustin in die Pestgrube geht: eine Wiese mit goldenen und gelben Sonnenblumen und darüber der Sternenhimmel. Regiewitzig mischte Schwannecke in die Szenen im Türkenzelt polnische und jiddische Sprachbrocken. Im Stern über dem Halbmondthron prangte in hebräischen Buchstaben sogar das Wort koscher, diese Ueber• Setzung hat Dietzenschmidt für seine aus der reingewaschenen Sinnlichkeit geborenen Keuschheijsidecn sicher nicht erwartet, aber gerade dieser Schuß jüdischer Skepsis hat ausgezeichnet und unauffällig korrigiert. Wolfgang Zelier schrieb die Musik, Ruth Morold. Der begabte jüdische Tondichter und Pianist Rudolf Braun, der Komponist der Oper ״P agode n“, ist in Wien verstorben. Braun war blind geboren und dann Zögling! des Wiener jüdischen Blindeninstituts.

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