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Jüdische Rundschau · 1926-01-08 · Heft 2 (8.1.1926) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 2 (8.1.1926)
Date
1926-01-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Nr . 2 Seite 14 Brief ans Polen Die ,Jüdisch - polnische Verständigung" vor Gericht Auseinandersetzungen beider Lager - Beginn neuer Verhandlungen Von unserem Korrespondenten. g. W a r s C11 a 11, 30. Dezember 1925. Inmitten des Steigerprozesses ist der Aufmerksamkeit der zionistischen Oeffcntlichkeit in und außerhalb Polens ein anderer, eigenartiger und in den Annalen der zionistischen Bewegung gewiß seltsamer Prozeß entgangen. Vor dem Parteigericht der vereinigten allgemeinen zionistischen Organisation Polens steht (der Prozeß ist noch nicht abgcschlossen) — die polnisch-jüdische ״Verständigmig“. Vorsitzender des Parteigeriehts, der bekannte Warschauer Rechtsanwalt Boris Stawski, und seine Beisitzer haben vollauf zu tun, arbeiten viele Nächte durch, streng nach üblicher Ocrichtsprozedur. Beschuldiger ist Abg. Dr. Osias Thon, der sich durch eine Resolution des Warschauer allgemeinen Lokalkomitees (״Waad Hairotn“) beleidigt fand und den Waad vors Gericht forderte. Diese Resolution bezeichnete 11. a. die von den Abg. Dr. Reich und Dr. Thon mit der polnischen Regierung getroffenen Vereinbarungen als ״unwürdig". Zum Verständnis der Sachlage ist zu bemerken, daß das Warschauer zionistische Lokalkomitee fonnell und tatsächlich von den führenden Männern der sogenannten ״Opposition", Abg. Grünbäum, Hartglas und Schipper geleitet wird und die beanstandete Resolution nicht ohne ihr Wissen und Zutun verfaßt «0M# veröffentlicht wurde. Das obengenannte Gericht hat nun schon mehrere stundenlange Sitzungen abgehaltcn, Verteidiger (Abg. öriinbaum, Hartglas), mehrere Zeugen (11. a. Abg. Dr. Reich und Heller) vernommen, Tatbestände untersucht und Protokolle verlesen. Mit einem Worte, die sogenannte ״jüdisch-polnische Ver- •tändigung" vom 4. Juli 1925 war von strengen, objektiven Richtern allseitig untersucht und geprüft, damit eia Urteil gefällt wird, ob die jüdischen Unterhändler (nicht: richtig oder unrichtig gehandelt -- darauf gibt das Leben eine Antwort) wenigstens aufrichtig und würdig die jüdische Sache vertreten oder aber durch ihre Handlungsweise und das erzielte Verhandlungsrcsultat dem jüdischen Volke Schaden zugefügt haben. Wie eingangs erwähnt, hat die jü;i •che Öffentlichkeit nur winziges Interesse zu dieser Ge!. .iitsverhandlung bekündet. EWiefccnde Tagessorgen einerseits und eine fast allgemeine Ucberzeugung, daß diese Dinge höchstens theoretisch es Interesse hervorrufen können, haben dazu beigetragen. ,Man hörte auch Stimmen, daß die Klage des sonst sehr geschätzten Abg. Thon ein Ausfluß einer allzu starken Empfindlichkeit sei und daß das Urteil des Parteigerichts doch keineswegs für die Beurteilung der Zweckmäßigkeit der Vorhandlungen maßgebend sein kann. Es scheint jedoch, daß diese nicht aufhörenden Auseinandersefzungen in der Presse und auf Versammlungen keineswegs nur theoretischen Charakters sind. Zwei Tatsachen bekräftigen diese Meinung. Abg. Dr. Reich hat in den letzten Tagen als Präsident des jüdischen Sejmklubs (diesmal ohne Abg. Thon) mit dem Ministerpräsidenten Graf Skrzynski in Anwesenheit des Bildungsministers Stanislaus Grabski (es sind dieselben Staatsmänner, die die berühmte ״Ugoda“ vor sechs Monaten mit den Juden geschlossen haben) neue Besprechungen über die Verwirklichung des Zugesagten begönnen. Zweitens hat auf der letzten Sitzung des zionistischen Oberrats Abg. Grünbaum im Namen seiner Gruppe nachdrückliehst an den Beschluß der vorigen Session erinnert, wonach spätestens bis Mitte Jänner eine Standeskonferenz der allgemeinen Zionisten ganz Polens zusammenberufen werden muß, welche endgültig die Richtlinien der Sejmpolitik der zionistischen Abgeordneten festzulegen, demnach auch endgültig ihr Urteil über die bisherige Methode der Mehrheit der zionistischen Fraktion im Sejtnklub abzugeben hat. Abg. Grünbaum drohte, daß, falls bis zu diesem Zeitpunkt die Konferenz nicht zustande käme, er und seine Freunde aus dem Sejmklub austreten werden. Der Januar ist mm herangerückt, und wie wir aus gut unterrichteter Quelle erfahren, ist cs ausgeschlossen, daß diese Konferenz Zusammentritt. Es ist auch allgemein bekannt, daß manche zionistischen Kreise überhaupt sehr ungern eine solche Konferenz sehen würden. Die Frage ist also wieder aktuell, und deshalb geben wir nachstehend, ohne irgendwie unsererseits Stellung nehmen zu wollen, eine Zusammenfassung der Anschauungen und Standpunkte beider Lager in der zionistischen Bewegung Polens. Den Standpunkt der Abg. Reich und Thon, sowie fast sämtlicher allgemeiner Zionisten Ost- und Westgaliziens und einer Minderheit der Zionisten Kongreßpofcns kann man etwa folgendermaßen formulieren: Eine Besserung der Lage der polnischen judenheit kann weder auf diplomatischem Wege, d. 11. durch einen Druck des Auslandes, noch durch ein strenges Bündnis und straffes Zusammengehen mit anderen nationalen Minderheiten Polens erzielt werden. Das Ausland kann uns nicht helfen, und die Interessen der territorialen Minderheiten Polens stehen mit den unsrigen meistens im Widerspruch. Eine immerwährende Offensive aber, ein fortdauernder Kampf, wie er bis mm seit Polens Auferstehung geführt wurde, ist zu verwerfen. Die polnischen Juden sind schon dieses erfolglosen Kampfes müde, bedürfen stark einer Atempause und müssen danach streben, endlich etwas Positives zu erreichen. Im Prinzip wollen ja die Juden den Frieden mit dem polnischen' Wirtsvolke und verlangen nur vollkommene, tatsächliche Gleichberechtigung sowie Erteilung solcher Rechte, die den Juden Wahrung und Pflege ihrer nationalen Eigenart sichern sollen. Der Zeitpunkt sei nun gekommen, mittels Verhandlungen auf evolutionärem Wege dies zu erreichen. Es gilt vorerst die feindliche Stimmung, die bisherige Atmosphäre des Hasses und Rassenvorurteils zu beseitigen. Die polnischen verantwörtlichen Politiker haben schon längst erkannt, nun haben manche auch schon den Mut, es offen zu bekennen, daß die Juden ein sehr nützliches staatserhaltendes Element seien und daß es den Interessen des polnischen Staates gar nicht widerspricht, den Juden nationale Rechte (zumindest bis zu einer gewissen Grenze) zu gewähren. Diese Ueberzeugung sei zwar noch kein Gemeingut alier Polen und bis das Gros unserer Forderungen berücksichtigt sein wird, wird es noch längerer Zeit bedürfen — als ein Positivum ist es aber zu werten, daß eine nationale Verhandlungsgrundlage gefunden worden ist. Bei den Beratungen mit der Regierung handelt es sich nicht mehr, wie zur Zeit der Assimilations- Politik. 11m einzelne verfolgte Individuen, sondern um Rechte der als Nation anerkannten jüdischen Gemeinschaft. Die jüdische Würde wurde also vollständig gewahrt, die Grund- Prinzipien der nationalen Galuthpolitik nicht auigegeben. In 45 Punkten wurden diejenigen Posrtulate zusammengefaßt, welche die Regierung als annehmbar anerkannt hat. Keineswegs eingeheu sollte die polnische Regierung darauf, daß der künftige Oberrat des jüdischen Gemeindeverbandcs In Polen die Bezeichnung ,,national" tragen soll (nur ״religlös“, ohne dadurch, wie Abg. ,Thon versichert, in der breiten JUEDISCHE RUNDSCHAU Innerjüdischen Kompetenz beeinträchtigt zu sein), ferner verweigerte ihrerseits die polnische Regierung jedwede Subveritionierung des hebräischen und jiddischen Schulwesens. Selbstverwaltungskörpern ist dies nicht verwehrt. Von diesen 45 Punkten wurden 12 als sofort im Verordnungswege realisierbar herausgehoben. Bis nun erschienen eine Regierungsverordnung betreffs Einführung jüdischer Gemeinden in den sogenannten Randgebieten und eine zweite betrefts teilweiser Demokratisierung des veralteten Gemeinde- Wahlrechts in Galizien. In Vorbereitung befinden sich Erlässe bezüglich der freien Handhabung der jüdischen Sprache bei öffentlichen Versammlungen und Erteilung des Oeffentlichkeitsrechtes au manchen jüdischen Schulen. Sämtliche andere Postulatc werden stufenweise im Laufe der nächsten Zeit durch Vorlage entsprechender Gesetzesentwürfe im Sejm und ״nach Maßgabe der stabilisierten Verhältnisse" verwirklicht werden. Diese Verständigung bedeutet keineswegs Beschränkung der Bewegungsircifieit der jüdischen parlamentarischen Vertrctung und schließt gar nicht eine von Fall zu Fafl frei zu beschließende oppositionelle Haltung jedweder Regierung gegenüber aus. Die erste Frucht der Verständigung ist, daß im pol- 11 Ischen Sejm die Beziehung der polnischen Parteien den jüdischen Abgeordneten gegenüber sich vollständig geändert habe.' Hier, auf parlamentarischem Boden, kann man schon von einer tatsächlichen vollständigen Gleichberechtigung der Juden sprechen. Es ist nun bekannt, daß die oben skizzierte Auffassung der Methode der jüdisch-nationalen Politik in Polen und der im Juli erfolgte Schritt sehr scharf von einem Teile der zionistischen Oeftcntlichkeit bekämpft wurde. Die Opposition besteht aus fast sämtlichen Deputierten und Senatoren Kongreßpolens und der Randgebiete sowie der gesamten ״Hitachdt1th‘*-Fraktion im Sejmklub. Hinter diesen jüdischen Pariamentariern steht die Mehrzahl der Zionisten Kongreßpolens sowie der gesamte radikal-soziale Teil der zionistischen und jüdisch-nationalen Oeftcntlichkeit Polens. Die Haupteinwände dieser Kreise sind folgende: Die von der gegenwärtigen Mehrheit des jüdischen Sejmklubs vertretene Politik bedeutet eine Rückkehr zur ehemaligen jüdischen Assimilationspolitik. Aucii damals wollte man den Juden einreden, es handle sich um ihr Wohl und daß nur auf friedlichem Wege Konzessionen zu erreichen sind. Was Dr. Reich und Dr. Thon durchgeführt haben, kann wahrhaftig nicht als Friede nach einem Kriege, sondern als eine Kapit u 1 a t i 0 n bezeichnet werden. Eine genaue Betrachtung der von der Regierung erhaltenen Zugeständnisse führt zum Schlüsse, daß diese fast sämtlich rein illusorisch,, unter den heutigen Bedingungen nicht durch Zufuhren und auch von den maßgebenden Kreisen gar nicht ernst gemeint sind. Der gute Wille sei auch zu bezweifeln. Man braucht fürs Ausland eine Beruhigung und findet manche jüdische Politiker naiv genug, diesen scheinbaren Frieden vor der Außenweit zu bestätigen. Die vereinbarten Punkte enthalten sehr wenig vom streng nationalen Programm der jüdischen Politik und beziehen sich hauptsächlich auf religiös-kulturelle Fragen. Die ökonomische Not der jüdischen Bevölkerung erfährt gar keine Linderung. Schon nach der ״Verständigung", die auch einer der Führer der Nationaldemokraten, Stanislaus Grabski, unterzeichnete und nachdem auf der Tagung der Union der Freunde der Völkerliga in Warschau den ausländischen Persönlichkeiten versichert wurde, In Polen sei nunmehr der Numerus clausus aufgehoben — wttrde er im laufenden Schuljahre mit Zustimmung desselben Stanislaus Grabski auf sämtlichen Hochschulen Polens noch energischer als im Vorjahre durchgefühlt. Und als die Regierung Skrzynski zum Ruder kam, halfen die jüdischen Proteste ganz wenig. Stanislaus Grabski verblieb im Kabinett als Bildungsministcr. Es sind nur negative Resultate dieser falschen jüdischen Politik zu verzeichnen: die Wachsamkeit und Kampfesfreudigkeit der jüdischen Massen wurde dadurch cingeschläfert, die Juden werden nunmehr hingewiesen, Immerfort auf die Gnade der Regierung zu warten. Ferner haben wir uns selbständig von den nationalen Minderheiten losgelöst, mit welchen wir einen gemeinsamen Kampf gegen die nationale Unterdrückung zu führen haben. Man ließ sich ganz einfach betrügen, gar keine realen Resultate wurden erreicht. Die Gleichberechtigung der jüdischeu Abgeordneten im Sejm — behauptet Abg. Grünbäum — sei nicht am Platze, sofern die Juden im täglichen Leben in ihren Rechten begrenzt sind. Die ״Hitachduth" betont außerdem nachdrücklichst, daß im Prinzip eine Verständigung sehr wünschenswert sei. Das bedeutet aber nur eine Verständigung von Volk zu Volk. Hinter der Regierung stellt nicht die polnische Gesellschaft, und auf die kommt es doch an, soll die Verständigung von bleibendem Werte sein und einen wirklichen Frieden bedeuten. Solange in Polen die reaktionären Parteien die Oberhand haben, sei von deren Vertretern nichts Positives und Dauerhaftes zu erreichen. Nur die Erstarkung des fortschriftlichen Teiles der polnischen Gesellschaft kann auch unserer Sache zum Siege verhelfen. Die Unterhandlungen wurden geheim geführt, und dies sei aufs energischeste zu verurteilen. Die breite jüdische und nichtjüdische Öffentlichkeit muß herangezogen werden. Wir haben nichts zu verbergen und wollen uns von keinen schönen Zusagen verblenden lassen. So wird seit Wochen Rede und Gegenrede geführt. Die breite Oeftcntlichkeit kümmert sich wenig um dieses Gerede. Sie wartet sehnsüchtig auf etwas Reales. Dies der einzige schlagende Beweis, ob guter Wille vorhanden sei ... . Die Beerdigung der Frau Esther Rahe! Kamiaska Warschau, 30. Dezember. (J.T.A.) Die Bestattung der berühmten jüdischen Schauspielerin Esther Rahel K a - rainska, der ,,Mutter der jiddischen Bühne“, fand unter zahlreicher Bcteilung der jüdischen Künstler und Literatenkreise und der Warschauer jüdischen Bevölkerung statt. Aus allen Teilen Polens waren jüdische Künstler herbeigeeilt, um der Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Im Namen der jüdischen Künstlervereine hielt Herr Weichert vor dem Hause des jüdischen Artistenklubs der Kaminska einen Nachruf. Daraufhin spannten die jüdischen Schauspieler Warschaus die Pferde vor dem Leichenwagen aus und führten den Wagen selbst zum Friedhof. Am offenen Grabe feierte der Schriftsteiler Ch. B. Nomberg Esther Rahe! Kaminska als die schönste Tochter der aufblühenden Epoche der jüdischen Kultur. Er erinnerte daran, daß die Kaminska unter der Leitung des verstorbenen Dichters J. L’. Perez ihre ersten Schritte auf der jiddischen Bühne machte. Sie war die erste jüdische Tragödin. Obwohl es nicht an großen Versuchungen fehlte, sich eine hervorragende Position auf der nichtjüdischen Bühne zu schaffen, blieb die Kaminska, ihrem Ideale, die jiddische Bühne zu einem lebendigen Theater auszugestalten, freu. De Geschichte der jiddischen Bühne wird mit ihrem Namen verbunden s.ein. Von Dr. Nr. 2 Palästina-Touristik Fritz Löwen st ein, Jerusalem, Leiter des T ouristen-lnformationsbüros. Zwei Voraussetzungen müssen im allgemeinen vorhanden sein, um einem Lande den Charakter als Touristenland geben: landschaftliche Reize, an deren Stelle auch Reichtum an historischen Erinnerungen oder an Kunstdenkmälern treten kann und das Vorhandensein der notwendigen Bequem, hchkeiten in bezug auf Verkehrsmittel und Hotels, ohne die die Strapazen zu große würden und der Besuch des Landes nur für den Forschungsreisenden in Frage käme. Prüft man, wie weit Palästina die so skizzierten Voraussetzungen auf• weist, so ist das Ergebnis, was zunächst den ersten Punkt anbetrifft, ein außergewöhnlich positives. Palästina weist auf seinem kleinen Gebiete eine ungewöhnliche Fülle landschaftlidier Schönheiten auf. Der Blick vom Karmel auf die Bucht von Haifa, vom Ufer des Tiberiassees auf den blauen See und die Berge halten den Vergleich mit den berühmtesten. Städten Italiens, mit den gepriesensten Schönheiten der Schweiz aus. Und wo ist das Land, das der grandiosen Einsamkeit am Gestade des Toten Meeres, dem imponierenden Felsen der Judäischen Wüste Entsprechendes an die Seite stellen könnte. Das aber macht ja nur einen kleinen Teil der Anziehungskraft Palästinas aus. Dieses Land weist Erinnerungen einer viertausendjährigen Geschichte auf und zeigt dem Beobachter Monumente und Denkmäler aus kananäischer und jüdischer Zeit, aus der Herrschaftsepoche der Araber, der Kreuzfahrer und der Türken. Juden, Christen und Mohammedaner sehen in diesem Lande den Ursprung ihres Glaubens, das sic heilig halten. Und wenn schon dieses einzigartige Zusammentreffen landschaftlicher Schönheit und historischer Bedeutsamkeit Palästina zum Touristen land prädestiniert, wie gewaltig muß die attraktive Kraft mcsCT» Landes dadurch gesteigert werden, daß in ihm heute die Wiedergeburt des jüdischen Volkes stattfindet, jenes Werk, dem nichts an die Seite gestellt werden kann, was heute in anderen Ländern geschient. Wenn vor dem Kriege eine Palästinarcisc zwar keineswegs ein Wagnis bedeutete, aber doch immerhin viele Unbequemlichkeiten mit sich brachte, so ist in dieser Beziehung gründlich Wandel geschaffen worden.• Palästina hat heute ein, wenn nicht dichtes, so doch ausreichendes Eisenbahnnetz, ist von Aegypten bequem in einer Nacht zu erreichen, hat ausgezeichnete Automobilstraßen und besitzt eine Reihe von Hotels, die zwar nicht auf der Höhe ägyptischer Luxushotels stehen, aber bequeme Zimmer und gutes Essen zu bieten haben. Vieles bleibt noch zu tun übrig; so wird z. B. der Bau des Hafens auch dem Touristenverkehr zugute kommen. Im ganzen aber kann schon heute gesagt werden, daß Palästina auch die Ansprüche verwöhnterer Reisender im allgemeinen zu befriedigen vermag. Je mehr Palästina als Touristenland in Aufnahme kommt, um so mehr wird die Unternehmungslust sich auch an Aufgaben heranwagen, vor denen sie bisher zurückscheute. Es ist bekannt, daß die letzten Jahre in der Tat eine erhebliche Steigerung des Touristenverkehrs gezeitigt haben. Während vor dein Kriege die jüdischen Touristen neben den christlichen Touristen und Pilgern nur eine geringe Rolle spielten, beginnen sic nach dem Kriege mehr und mehr in den Vordergrund zu treten. Die Erscheinung ist von größter Wichtigkeit für Palästina wie für das jüdische Leben in der Diaspora. Wie in anderen Touristenländern so bietet auch in Palästina der Reiseverkehr eine wichtige Einnahme quelle. Vor allem aber bedeutet jeder aus Palästina *muck■ kehrende Tourist einen Apostel für den Oeaaaiceii des Aufbaus von Erez Israel, eine persönliche Verbindung des Diasporajudentums mit dem neuen Judentum, einen Erwecker neuen jüdischen Lebens und opferbereiten Aufbauwillens für Palästina. Die Zeit ist vorbei, wo ideologische Auseinander- Setzungen allein Juden für den Palästinagedanken gewinnen konnten, die Wirklichkeit des Landes ist heute das stärkste Argument. Die Entwicklung der für Aufnahme und Versorgung der Touristik notwendigen Institute and Unternehmungen' liegt in allen Ländern zu einem Teil bei privaten Unternehmern, bedarf aber überall zugleich öffentlicher Körperschaften zu voller Entfaltung. De Regierung pflegt am Ausbau des Touristenverkehrs lebhaften Anteil zu nehmen und in Aegypten hat sie mit den großen Reisegesellschaften zielbewußt gewirkt, um dieses Touristenland vorbildlich auszugestalten. In Palästina fallen diese Aufgaben wie gewöhnlich der Zionistischen Organisation zu. Diese war insbesondere in zwei Richtungen tätig. Zunächst durch Begründung und Finanzierung der bisher einzig jüdischen Reisegesellschaft, der Palestine Expreß Co., (jetzt Palestine Lloyd), dann aber durch Schaffung des Jüdischen Informationsbüros, das als ein gemeinnütziges, keine geschäftlichen Interessen verfolgendes Unternehmen jedem Touristen zur Verfügung steht, der es um Auskunft, urn Rat oder Hilfe angeht. Aufgabe dieses Büros ist cs, alle dem Fremdenverkehr dienenden Unternehmungen so zu entwickeln, daß Palästina immermehr die Rolle im internationalen Fremdenverkehr spielen kann, zu der es durch seine landschaftlichen Reize, seine einzigartigen historischen Erinnerungen und das neue Werk des Aufbaus berufen ist. Abreise der Jolottfthrer lach Rußland Am 30. Dezember, abends, fand im Logenhaus, Kleiststraße, ein vom ״Verein für jüdische Emigration und Kolonisation“ arrangierter Abschiedsabend zu Ehren der nach Rußland zurückkehrenden Führer der Joint-Arbcit in Rußland, der Herren Dr. Rosen, L11 b a r s k y und Grauer, statt. Der Präsident des ״Vereins für 'jüdische Emigration und Kolonisation", Herr Dr. L wo witsch, eröffnete den Abend., Es wurden eine ganze Reihe Reden gehalten und die Ver* dienste der Gäste gefeiert. Zasanuneuschliiß der Antisentle■ Nachdem sich in Würzburg die Dcutschvölkischen. der Nationalsoziale Volksbund in Bayern und die National- Sozialisten in Württemberg zu einer ״Völkischsozialen A r - beitsgemein'schaft“ zusammengeschlossen hatten, ist nunmehr die ״Deutschsoziale Partei“ unter der Führung Richard Kunzes, des bekannten ״Knüppel-Kunze", dieser ״Arbeitsgemeinschaft“ beigetreten. — Es ist bekannt, daß zwischen Kunze und den übrigen Deutschvölkischen stets Hader geherrscht und daß man im Kampfe vor keiner Verleumdung zurückgeschreckt ist. in der Mitteilung von dem Zusammenschluß wird denn auch die Mahnung an die Gefolgschaft gegeben, ״alles zu vergessen“. Das ״Israelitische Wochenblatt für die Schweiz“ beging am 1. Januar sein 25 jähriges Jubiläum. Das Blatt wurde 1901 gegründet von Rabbiner Dr. Litt man 11 in Zürich, welcher noch jetzt in der Redaktion mitwirkt, sowie von Lehrer Dr. Strauß. Späterhin wurde es herausgegeben von Herrn David Weinbaum, dessen Familie den Verlag weiterführt; die Redaktion führt zurzeit Dr. Erich Marx-Wein• bäum.־ Am versarmr zusamm! glieder Vorsitze! Herr Dr, Vorstand sollen ii Die der B. 1 Referat Mögl'chi bestehe viele Zi< Aufgabe Erstere politisch( müsse v staltungc politisch unserer 1 bedinge tungen eines K! Werbung daß Reri eine stm gegenüb! politisch Impulse zionistbc gruppe s zu suche; Die eiriz( und Mit An <’. Vorstand die für ei eintraten der Verl Hauptauf Dr. Han! Dr. Apfe rangen c Man daß durc lung da: gewährte Die Donnerst saal der 1. Wahle der B. 2 c) Wahl 2. Resoli der Jüdis jüdischen Wir sam, daf Zutritt hi Vertreten führt wei 7׳ \Mm ' leid. V dem die der Bezi: Blumenfel berichtete mehrwöcl Deutschla die Absic den Führ anstalten. Untei Broschur« den Verl! 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