Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 1 (5.1.1926)
- Date
- 1926-01-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Der politische Begriff Arabien ist um vieles enger als das Gebiet, in dem die arabische Sprache gesprochen wird, die in Aegypten, Französisch-Nordafrika und Ostafrika ein unbestrittenes Geltungsbereich hat. Es ist darum nur verwirrend, wenn man etwa die Unabhängigkeitskämpfe der Berberischen Riffbewohner als eine arabische Bewegung ansieht. Der Riffkrieg entspringt wohl ebenso wie ähnliche Kämpfe in China dem gleichen Bestreben, das auch dem Kampfe in Syrien zugrunde liegt, nämlich dem Versuche des Orients, die Hegemonie Europas in Asien und Afrika abzuschütteln, aber er steht weder politisch noch volklich in einem direkten Zusammenhang mit dem arabischen Nationalismus. Das eigentliche Arabien selbst zerfällt heute politisch und zum Teile auch soziologisch in zwei verschiedene Teile: der eine ist die große Halbinsel Arabien, von allen Seiten vom Meere umspült und nur im Norden von dem anderen Teil begrenzt, dem Gürtel der A-Mandate, Palästina mit Trans Jordanien, Syrien und Irak. Zwischen diesen beiden Teilen gibt es im Grenzgebiete, in Transjordanien, Ostsyrien und Westmesopotamien zahlreiche Liebergänge, dennoch sind beide Teile leicht unterscheidbar und waren dies in der ganzen arabischen Geschichte. Die arabisehe Halbinsel ist die Heimat der Araber, die heutigen Mandatsgebiete sind dagegen von den Arabern kolonisiert und noch heute findet ein steter Zustrom arabischer Nomaden statt, die dann zur Seßhaftigkeit übergehen. Die vor mehr als drei Jahrtausenden in Palästina cinfalicnden Hebräer waren ähnliche arabische Stämme und vermischten sich ebenso mit der ansässigen kanaanitischen Bevölkerung. Die heutigen Palästinenser stellen unzweifelhaft eine ähnliche Rassenmischung dar und entstammen dem gleichen Stocke wie die heutigen Juden, ebenso wie die Syrer Aramäer sind und in manchen weniger zugänglichen Tälern Syriens heute noch lokale aramäische Dialekte gesprochen werden. Zu diesem Unterschiede aber tritt noch ein wichtiger soziologischer Unterschied, der auch die früheste Geschichte Israels in Palästina beherrscht hat: die Bewohner der Halbinsel sind ihrer herrschenden Einstellung nach Nomaden, die der Mandatsgebiete Städter und Bauern. Dieser Unterschied durchzieht die arabische Geschichte, die, soweit sie planmäßiges Geschehen war, dem Versuch einer Synthese dieser beiden verschiedenartigen Arabien darstellt. Ehe zahlenmäßige Stärke des arabischen Volkes ist schwer zu bestimmen, da es genaue Zählungen nicht gibt. Philby schätzt die Bevölkerung der Halbinsel auf ungefähr zehn Millionen, die Iraks und die Syriens betragen je drei Millionen, Palästina mit Transjordanien dürfte eine Million Bewohner zählen. So umfaßt das gesamte arabische Gebiet eine Bevölkerung von ungefähr siebzehn Millionen. Dieses Gebiet hatte bis vor kurzem kein einheitliches politisches Bewußtsein, und auch heute erst ist dieses im Entstehen. Zum Teil lebten die einzelnen Landschaften, die ' rifrriL.Mdm W|sl<t;:vbndn|'nder:::fitrennt sla; noch Är״ ״Tiefieaf, ZUm Tdi Stellen die einzelnen Fürsten und Stämme einander in gegenseitiger Eifersucht gegenüber. Ein gemeinarabisches Interesse hat sich noch kaum entwickelt, aber die Bedingungen der Zeit drängen immer schneller und entschiedener in diese Richtung. So konnte schon vor dem Kriege Richard Hartmann in seiner Schrift: ״Die arabische Frage und das türkische Reich“ (die 1919 in Halle a.d. S. erschienen ist) feststelien: ״Gerade die Tatsache, daß die national-arabische Idee als tauglichste Deckung (für ehrgeizige Bestrebungen) gewählt wird, beweist, daß in den weitesten Kreisen es ein arabisches Nationalgefühl gibt, das über den Gegensatz religiösen Bekenntnisses hinweg zu einigen vermag. Das Zeitalter des ausgeprägten Nationalbewußtseins ist also auch für den arabischen Orient angebrocken, nicht bloß für die fortgeschrittensten Gegenden, nein, für das ganze arabische Sprachgebiet. Wenn sogar die autokratischen Fürsten von Nordarabien dem Gedanken einer Vereinigung der arabischen Länder in Form eines Bundes- Staates nahetreten, so beweist das, daß der Gedanke einer arabischen Nation selbst in die Halbinsel bereits eindringt.‘• Ein politisches Bewußtsein, eine nationale Bewegung entstanden im neunzehnten Jahrhundert in Arabien aus zwei Quellen, die den zwd verschiedenen Elementen des arabischen Volkes entsprechen. Die d ie Quelle war der unter curopäischem Einfluß stehende Nationalismus der Städter in Syrien, der seinen Mittelpunkt in Damaskus, Beirut, Jerusalem und Haifa fand, und in Mesopotamien, wo Bagdad und Basrah seine Pflegestättcn waren. Die andere Quelle war die religiösnationale Reformbewegung des Wahabi unus in Zentralarabien. Eine miitlcre Stellung zwischen beiden nimmt der dynastische Nationalismus der Scherifiden von Mekka ein, der, im nomadischcn Arabien entstanden, es verstanden hat, durch persönlieh dynastische Beziehungen eine Brücke zu den städtischen Arabern zu schlagen lind die erste Grundlage für eine Synthese in Form einer national-dynastischen Föderation zu legen. Dieser Plan aber scheiterte daran, •daß der Rivale der Sehenfiden im nomadischen Arabien, der Wahabi-Sultan. die Scherifiden aus ZentralaraH m beinahe vertrieb, so daß die Stützpunkte der Dynastie heute nicht mehr Mekka, sondern Bagdad und Amman sind, und ihr synthetischer Föderationscharakter dadurch erledigt ist. Die Entwicklung Zentralarabiens in den letzten fünf Jahren ist dadurch bestimmt, daß es dem Wahabi- Sultan gelang, seine Pläne zu verwirklichen, seine zwei ernstliehen Rivalen, die Ibn Raschid-Dynastie und die Scherifidenfamilie, zu besiegen und ganz Zentralarabien vom Persischen Golf bis an das Rote Meer wiederum zu einigen und so das erste Mal seit Mohammed und seit den Erfoigen der ersten Wahabi-Expansion vor hundertzwanzig Jahren Arabien zu einer politischen Macht zu gestalten. Arabien hat seit altersher ein wichtiges Durchgangsland für den Verkehr zwischen den Mitleimeerländern und Indien gebildet. Diese Bedeutung behält es noch immer. Es ist der äußerste Vorposten zur Deckung des See-, Land- und Luftweges nach Indien von Europa aus. Darum war es auch England, das im neunzehnten Jahrhundert danach gestrebt hat, Arabien in seine Einflußsphäre zu ziehen. Dies ist ihm auch gelungen. Mit Ausnahme Syriens untersteht heute ganz Arabien englischem Einflüsse, und der jüngste Vertrag |rwiscben dem Wahabi-Sultan Ibn Saud und dem englischen ,Bevollmächtigten Sir QUberi Clayton hat diesen Einfluß auch in Zentralarablen befestigt. In der Politik Englands Arabien gegenüber lassen sich in den letzten Jahrzehnten zwd verschiedene Schulen unterscheiden, die anglo-indische und die anglo-ägyptische. Die anglo-indische wurde von Beamten des Indian Civil Service vertreten und setzte sich eine Durchdringung Arabiens vom Persischen Golf und von Aden aus zur Aufgabe, wobei nicht vergessen werden darf, daß Aden und die englischen Protektorate am Persischen Golf nicht direkt der Londoner Regierung, sondern der indischen Regierung unterstehen. Während des Krieges hat die anglo-indische Schule in Zentralarabien den Emir der Wahabiten als ihren Kandidaten gestützt. Philby, der während einiger Jahre britischer Vertreter in der Hauptstadt ibn Sauds , Svietfg N CJsrua Beirut smasKus Oumer v—esiur Jtimara •OjerSsüi vrfsrtii Jerusfelem manflr tlHltlm ״ -^J*sra « >••?/.? ר; t 0י .י . fyVerernfa. \^,/c3ssr % caZeb al זי et Wie % a. Kurejia 'mAbbjs tuet SälVWV Palästinas Lage innerliall) der araMsdien Well war, gehört dieser Schule an. Die anglo-ägyptische Schule operierte von Aegypten aus und ihr Bestreben ging dahin, wie das sämtlicher ägyptischer Regierungen seit den ältesten Zeiten, das Rote Meer zu einem ägyptischen, und d. h. in diesem Fall englischen, Binnenmeer zu machen und Syrien zu erobern. Gleichzeitig waren so die drei heiligsten Stätten des Islams, Mekka, Medina und Jerusalem, in Englands Hände gefallen. Die anglo-ägyptische Schule hat daher auch Hussein von Mekka während des Krieges begünstigt, ln diesem Sinne arbeitete insbesondere Thomas E. Lawrence, der seit 1916 •dmjMUÜcIten. B«re#u, In K2׳ro aMdi^.batte j®d 1Ä fÄri5 I92f, äls Wllfon Churemll das Ministerium fär die Kolonien übernahm, sein Berater für die Middie Eastem- Fragen wurde. Gleichzeitig wurden auch die Angelegenheiten der britischen Einflußsphären in Arabien und Aden in politischer Beziehung dem Middle Eastern Department des Londoner Colonial Office unterstellt und dem Indian Officfe entzogen. Es bildete .rieh die Tendenz, für diese Gebiete vor allem Beamte des Sudan Civil Service heranzuziehen. Die Ereignisse des Jahres 1924 freilich, der entscheidende Erfolg Ibn Sauds über Hussein, haben wiederum der anglo-indischen Richtung zu einem gewissen Vorrang verhelfen. n. Die arabische Halbinsel stellt ein Gebiet von ungefähr zweieinhalb Millionen Quadratkilometer dar. Das Land ist zum großen Teil Wüste, die Bewohner Nomaden, die durch Viehzucht ein ärmliches Leben führen. Die fruchtbarsten Gebiete sind die Bergiandschafien von Oman im Südosten und Jemen im Südwesten der Halbinsel. Es sind auch die zwei einzigen Gegenden mit bedeutendem Niederschlag. Aber auch im Innern Asiens gibt es zerstreute Oasen und Gruppen von Oasen von verhältnismäßig großer Ausdehnung und es läßt sich unter den Arabern die Tendenz feststelien, von diesen Möglichkeiten des Ueberganges zutn seßhaften Leben Gebrauch zu machen und Ackerbauer zu werden. ״Ackerbau ais ein Beruf hat sich immer mehr stärker erwiesen als die ursprünglichen Vorurteile (gegen ein Baucrnieben) und der Prozeß der Seßhaftwerdung geht bereits seit langer Zeit vor sich, so daß gegenwärtig die Bewohner Arabiens alle Zwischenstufen zwischen dem reinnomadisdien Leben der Beduinen bis zu dem hochentwickelten, wenn auch einfachen bürgerlichen Leben der größeren Städte wie Medina, Anaida oder Buraida darstellen. Diese Entwicklung war begleitet von entsprechenden politischen Veränderungen und die patriarchalische Stammesorganisation der Beduinen tritt immer mehr zurück vor einer natürlichen Tendenz zu gemeinsamer Organisation in Staaten und* Fürstentümer infolge der Entwicklung bürgerliehen Lebens“ (H. St. J. Philby). Eine Reihe solcher Fürstentümer hat sich in Arabien entwickelt, teils im Kampfe gegen die Türken, die in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts ihre Herrschaft über die Ostküste des Roten Meeres und die Westküste des Persischen Golfes zu befestigen gesucht haben, teils in Südarabien unter britischem Schutze. Die endgültige Vertreibung der Türken aus Arabien infolge des Weltkrieges und der entscheidende Erfolg der Wahabiten in Zentralarabien scheinen die jetzige Lage der arabischen Fürstentümer auf der Halbinsel wenigstens für einige Zeit stabilisiert zu haben. Die für die politische Geschichte Arabiens wichtigsten Staaten sind das Reich der Wahabi, Hedschas und der Jemen. Von vorläufig noch untergeordneter Bedeutung sind die Staaten der Süd- und Ostküste, die ausnahmslos unter einem loseren oder engeren Abhängigkeitsverhältnis zu England sich befinden. Der bedeutendste dieser Staaten ist das Sultanat von Oman mit der Hauptstadt Muskat. Dieses Sultanat ist nominell völlig unabhängig. Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts hatte es noch einen großen Teil Arabiens, die Inseln des Persischen Golfes, einen Teil der Persischen Küste Ostafrikas einschließlich Sansibars umfaßt. Anschließend an Oman ziehen sich nordwärts entlang des Persischen Golfes die folgenden Fürstentümer: das sogenannte Vertragsoman, wo fünf Scheichs unter britischem Protektorat leben, der Scheich von El Katar, das von den Wahabis abhängig ist, dann kommt die Provinz EI Hasa, die bis 1913 einen Teil des türkischen Reiches gebildet hat und in diesem Jahre mit ihren reichen Städten Katif und Hofuf in die Hand der Wahabiten gefallen ist. Ihr vorgelagert sind die Bahrein-Inseln, wichtig durch die Perlenfischerei, ein offizielles britisches Protektorat, von großer Bedeutung auch für das Wahabitenreich, da die Einfuhr nach dem Nedschd und nach El Hasa über die Bahrein-Inseln geht. In der Nordwestecke des Persischen Golfes befindet sich schließlich noch das Sultanat von Kuwait, das eine wichtige Stellung zwischen dem Irak und den Wahabiten einnimmt, zu denen es freundliche Beziehungen unterhält. Westwärts an der Südküste von Arabien schließt sich an das Sultanat Oman das Land von Hadramaut und das Hinterland von Aden, beide an der Küste unter britischem Einfluß und im Innern noch von keinem Europäer betreten. Neben diesen Staaten, die für Arabiens Geschichte und Politik gegenwärtig kaum von Bedeutung sind, gibt es die drei großen Reiche, das der Wahabiten in Zentralarabien und die von Hedschas und Jemen an der Küste des Roten Meeres. In Zentralarabien bestanden während der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts zwei Fürstentümer, die aus dem Zusammenbruch der ersten Wahabitischen Blütezeit sich gebildet hatten, das Emirat von Nedschd, wo die Ursprünge liehe Wahabitendynastie der Ibn Saud mit der Hauptstadt Rijadh herrschte, und nördlich davon das Emirat des Dschebel Schammar mit der Hauptstadt Hail unter der Dynastie der Ibn Reschid. Diese beiden Fürstentümer und ihre Dynastien lagen in ständigem Kampfe und gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts hatten die Emire des Dschebel Schammar die Oberhand. Mohammed Ibn Reschid war es gelungen, die Hegemonie in ganz Zentralarabien an sich zu reißen und die Ibn Saud-Dynastie lebte in Kuwait in Verbannung. Durch einen kühnen Handstreich aber gelang es 1901 Abdul Aois ibn Saud, der damals noch im Jünglingsalter stand, sich der Stadt Rijadh zu bemächtigen. Von da an breitete Abdul Asis III״ gewöhnlich nur Ibn Saud genannt, im Kampf gegen die Ibn Reschids sein Reich immer weiter aus. Im Jahre 1910 begründete er die Achwan oder Btüderschaftsbewegung, eine Renaissance des alten Wahabismus, eine religiöse Bewegung, die auf eine durchgehende Reform des arabischen Lebens und eine Erweckung des arabischen Einheitsbewußtseim und eine Auslöschung der alten Stammesfehden zielte. Die Ahwsnbewegung machte in kurzer Zeit außerordentliche Fortschritte und verlieh den Kämpfen des Emirs von Nedschd eine höhere Weihe. Im Mai 1913 eroberte Ibn Saud Ei Hasa und schuf sich so einen Zugang zum Persischen Golf. Die Bevölkerung seines Reiches, von der Philby in seinem Bericht ״The Heart of Arabia, a Record of Travel and Exploration“ zum ersten Male ein eingehendes Bild entwirft, schöpft ihre Kraft aus der Ansässigkeit in reichen Oasengürteln. A. Musil entwirft von ihm folgendes Bild: ״Abdul Asis Ibn Saud, der im Namen seines im Jahre 1850 geborenen Vaters Abdul Rahman die Regierung leitet, Ist gegen fünfzig Jahre alt, (dies ist für 1917 zu hoch geschätzt) verhältnismäßig gebildet, sehr beles•■, ungemein redlich gesinnt, tatkräftig, fromm und freiheitsliebend. In seinen! Auftreten ist er sehr bescheiden, anspruchslos, zuvorkommend und anderen gegenüber sehr frei* ygfeWg.,;Br׳ Ist ■peffitilM* die s&rksie lirflvllaailllt, tiie'Saite ' die große Halbinsel Arabiens aufweist. Er kam mit einer Handvoll Getreuer aus der Verbannung nach Rijadh, wußte ganze Massen von Kriegern aus dem Boden zu stampfen, eroberte ein Reich, das heute (1917) schon über fünfzehnhundert Kilometer lang und über tausend Kilometer breit ist, schaffte Ruhe und Ordnung und gewann auf diese Art das Vertrauen, ja sogar die Liebe seiner Untertanen. Glücklich sind seine Freunde, aber wehe seinen Gegnern, sagen von ihm die Araber.“ Während des Weltkrieges war Ibn Saud probritisch, während Ibn Raschid die Partei der Türken ergriff, deren Beeinflussung er durch die Hedschasbahn ausgesetzt war. In diesen Jahren fanden zwischen den beiden Emiren zahlreiche Kämpfe statt. In einer der Schlachten im Jahre 1915 fiel auch der britische Vertreter am Hofe Ibn Sauds Captein Shakespear. Nach und nach gelang es Ibn Saud, immer weitere Gebiete unter seine Botmäßigkeit zu bringen, vor allem die Oase Kasim und die Städte Anaisa und Baraida. Im August 1921 gelang Ibn Saud eine vollständige Vernichtung seines Gegners. Hail wurde von ihm eingenommen, die überlebenden Mitglieder der Dynastie Ibn Reschid nach Rijadh in die Verbannung geführt und das Emirat von Dschebel Schammar annektiert. Im Juli 1922 breitete er sein Reich noch weiter nördlich aus und eroberte die wichtige Oase von Dschauf an der Karawanenstraße von Damaskus nach Hail, die sich im Besitze des großen Ruwallastammes befand. Dadurch wurde Ibn Saud auch unmittelbarer Nachbar des französischen Syrien. Hand in Hand mit diesen äußeren Erfolgen, die ganz Zentralarabien von der Grenze der Mandatsgebiete im Norden bis an die Küstenstriche im Süden in die Hand Ibn Sauds brachten, ging auch die Einführung von Ruhe, Sicherheit und staatlicher Ordnung, wie sie Zentralarabien nie gekannt hat. Die Verwaltung ist ״einfach und von patriarchalischem Charakter, ohne Staatsminister oder ähnlichen Nachahmungen westlicher Regierungen. Das Gesetz des Landes ist das Scharia (das religiöse mohammedanische Gesetz). Die Rechtsprechung liegt in der Hand von Kadis in den verschiedenen Distrikten unter der Kontrolle eines Oberrichters in Rijadh, ein Amt, das in der Familie des Stifters der Wahabibewegung erblich ist“ (Philby). Das Land hat ungefähr drei Millionen Be- * wohner, die Staatseinnahmen dürften sich auf etwa 200 000 £ belaufen, wozu seit Beginn des Weltkrieges bis Oktober 1923 noch eine jährliche Subvention von 63 000 £ seitens der britischen Regierung kam. Das wirtschaftliche und kulturelle Leben ist äußerst primitiv, es gibt nur ganz wenige Personen, die Jesen und schreiben können, keine Zeitungen und keine Druckereien (Schluß folgt.) soziale Fürsorge in Ptlisliia Aut einem von der Hadassah zu Ehren von Herrn und« Frau Nathan Straus in New York, im Hotel Baltimore, veranstaiteten Tee, an dem gegen 1200 Mitglieder der Hadassah teilnahmen, teilte Nathan Straus mit, daß er beschlossen habe, aus eigenen Mitteln in Palästina ein Zentrum für Volksgesund 11 eit zu schaffen. Diese Institution, der auch Kindermilch-Stationen und Suppenanstalten angeschlossen sein werden, wird unterschiedslos allen Einwohnern Palästinas zur Verfügung stehen. (Ziko.)