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Jüdische Rundschau · 1926-01-05 · Heft 1 (5.1.1926) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 1 (5.1.1926)
Date
1926-01-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr I Amerikanische und deutsche Zionisten Wir haben den Artikel von Etnanuel Neumann (s. vorige Nr. der ״J. R.“) für die Leser der ״Jüdischen Rundschau" übersetzt, weil wir uns freuen, daß einmal von verantwortlicher amerikanisch-zionistischer Seite zu der innerzionistischen Lage in zusammenfassender und grundlegender Form Stellung genommen wird. Ueberdies scheint es uns, als ob der Artikel vor allem an die Adresse des deutschen Zionismus gerichtet wäre, und wir halten es für eine ziomsiische Pflicht, eine derartige Zwiesprache in würdiger Form nufzunehmen, schon weil wir die Hoffnung haben, daß dadurch die Erörterung wieder auf das Niveau gebracht wird, das bisher unter Zionisten üblich war. Vielleicht können auch eine ganze Reihe von Mißverständnissen aus der Welt geschafft werden, die, in den erregten Tagen des Kongresses entstanden, die zionistische Atmosphäre zu vergiften drohen. Eine offene Aussprache kann da nur nützen. Zunächst müssen wir erklären, daß die _ von Neumann dargelegte Anschauung über die Verschiebung der Macht Verhältnisse im Zionismus auch unserer Ansicht völlig entspricht. Schon 1920 war der europäische Zionismus bereit, die Führung an Amerika abzugeben und es wurden große Bemühungen gemacht, um Brandeis zu bewegen, aktiv ln die Leitung einzutreten. Seit Jener Zeit haben wir immer wieder erwartet, daß die Amerikaner die ihrer Bedeutung entsprechende Stellung einnehmen werden, aber selbst der Versuch, die Amerikaner an der Zionistischen Exekutive in Palästina zu beteiligen, ist bekanntlich mißlungen. Wir verstehen, daß unsere amerikanischen Freunde, auf denen die große Last der Geldaufbringung für Keren Hajessod liegt, nicht imstande waren, sich den Aufgaben der Oesamtorgaiiisation zu widmen. Es wäre aber falsch, anderen zionistischen Qtuppen die Schuld daran zuzuschieben. Was die deutschen Zionisten betrifft, ist festzustcllen, daß gegenwärtig — seit dem Ausscheiden Ruppins — kein einziger deutscher Zionist der Leitung angehört. Einzelne deutsche Zionisten hielten es allerdings für ihre Pflicht, wenn man auf Grund ihrer individuellen Fähigkeiten oder Eigenschaften an sic wegen Teilnahme an zentralen Aufgaben herantrat, sich zur Verfügung zu stellen; diese Pläne wurden jedoch nicht realisiert Von einem ״Machtstreben" waren sie nicht diktiert, aber von der Bereitschaft, in die Bresche zu treten, wo kein anderer sich bisher gefunden hat für Aufgaben, die uns wesentlich scheinen. Von dem Wunsche, einen politischen Einfluß auf die Exekutive auszuüben, könnte nur insofern die Rede sein, als gerade die deutschen Zionisten stets mit Nachdruck gefordert haben, daß eine autoritative Leitung der Bewegung wieder hergesteilt wird, nachdem die bestehende Leitung offenbar nicht die Absicht hatte, ihre Autorität nach innen geltend zu machen. Eine ganz andere Frage ist die taktische Situation beim letzten Kongreß. Gerade wir waren es, die lange vor dem Kongreß die Notwendigkeit betont haben, einen starken zionistischen Regierungsblock zu schaffen, tun die Exekutive aus der unerträglichen Lage zu befreien, die schon auf dem Xllf. Kongreß entstanden war. Eine solche Gruppe, die die Stütze einer Leitung mit Dr. Weizmann an der Spitze hätte bilden können, konnte jedoch nur auf einer klaren programmatischen Grundlage entstehen. Die ״Machtver- Schiebung“ kann ja keine nur geographische sein. Auch Neumann erwähnt als Beispiel die Beseitigung der Woiffsohn- Gruppe durch das Berliner EAC. Damals hieß es aber nicht etwa ״Deutsche“ gegen — ״Kölner", sondern es war der Kampf zweier Richtungen innerhalb jedes Landes, bis eine neue Auffassung von Zionismus sich durchsetzte, die die alte überweitf. Welches sind nun diesmal die nach Neumanns Ansicht miteinander ringenden Richtungen? Von wtlcher neuen Ideologie soll die alte, von der rassischdeutschen Gruppe' geschaffene Ideologie abgelöst werden? Das ist die Frage. Der große Fehler von Neumanns Artikel besteht darin, daß er die Programmfragen mit keinem Worte berührt. Täte er es, so würde sofort klar, daß auch heute die Scheidung, die wirklich von Belang ist, nicht nach der Geographie zu bestimmen ist, sondern darin besteht, daß, auch ganz abgesehen von den Fraktionen, innerhalb des ״Allgemeinen Zionismus“ zwei deutlich erkennbare Ströme verlaufen. Der Artikel von Bilcski in der vorigen Nummer der ״Jüdischen Rundschau" gibt, von palästinensischen Verhältnissen ausgehend, eine ausgezeichnete Charakteristik dieser beiden Tendenzen. Er kommt dabei auf einen Gedanken zurück, der an dieser Stelle lange vor dem Kongreß am 3. Juli v. J. in meinem Artikel ״Nach zwei Fronten“ angedeutet war. Ich wies damals darauf hin, daß durch die Abspaltung der demokratischen Fraktion und durch deren strategisch und taktisch falsche Intransigenz in der Agency-Frage die eigentlich natürliche Gruppierung innerhalb des Zionismus verzerrt worden ist. Denn durch den Kampf in der Agency-Frage entstand eine nur für ein Augenblicksthema gültige Gruppierung, während die natürliche Parteibildung, die von den Aufbaufragen Palästinas auszugehen hat, dadurch gehemmt wurde. Wenn wir aber von dieser Abspaltung der ״Demokraten“ einma! abs ehen, so erkennen wir innerhalb des Allgemeinen ״Moses der Rabbi“. Dies ist um so unverständlicher, als ja das ganze übrige Programm gleichfalls in einer fremden Sprache (russisch) vorgeführt wird. Die Ausführung der jüdischen Nummer gehört aber zu dem Besten des Abends. Die Dekoration (N. Brodskaja), im Stile etwas an Bilder von Rybak erinnernd, stellt eine Klaus dar, in der Rabbi und Schüler, eng beieinander, über die heutigen Bücher gesenkt sind. Nachdem der Rabbi, vor sich hinsinnend, die ״alte Frage•‘ hin- und hergesungen, wird das Duett eingeschaltet (Messias-Lied), worauf der Alte wieder in seine Uebcrlcgung zurücksinkt. _ Da auch die beiden Darsteller (Nelidoff und Rjabinin) die besten Sänger des Ensembles sind, macht die Nummer einen sehr starken Eindruck. Das übrige reiche Programm wirkt nicht nur künstlerisch, sondern verrnittelt auch einen Eindruck russischer Volkssitte, der ungeheueren Mannigfaltigkeit des russischen Völkerlebens und seiner Typen. Neben sehr guten humoristischen Nummern (z. B. der entzückenden Othello-Parodie) stehen Szenen, die in ihrem dumpfen Jammer tief ans Menschliche rühren (Leierkasten, Wolgaschleppcr). Von den Mitwirkenden sind die Männer bei weitem die bessere Hälfte. Die Würze des Abends bilden die diskreten und witzigen Confercncen des Direktors Jushny, dem es, wie er sich rühmt, gelingt, das Publikum zu Kindern werden zu lassen. Dank ihm. Mi. Wa. indisches Mnsenm in Wie! Kürzlich fand in Wien die 17. ordentliche General- Versammlung der Gesellschaft für Sammlung und Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums (Jüdisches Museum) statt, ln seiner Eröffnungsrede wies der Präsident Hofrat Frankfurter darauf hin, daß das Museum nunmehr 30 Jahre bestehe, seit es 1895 durch Baurat Wilhelm Stiaßny gegründet wurde. Im abgelaufenen Jahre ist aus Anlaß des 14. Zionistenkongresses eine Umstellung der Objekte vorgenommen und ein besonderes Palästina- Zimmer geschaffen worden. Nach erfolgter Wiederwahl des vorjährigen Kuratoriums hielt Oberrabbiner Prof. Dr. Chajes den Festvortrag. Zionismus einerseits eine bewußt bürgerliche Klasseninteressen vertretende Gruppe und andererseits eine mehr national fortschrittliche, die mit der Arbeiterbewegung sympathisiert. Dieselben zwei Strömungen gibt es im Bürgertum der meisten Länder. Nun war auf dem vorigen Kongreß die Lage die, daß innerhalb der amerikanischen Landsmannschaft der rechte Flügel, innerhalb der deutschen Landsmannschaft der linke Flügel die Oberhand hatte. Beide Landsmannschaften waren nicht homogen. Auch unter den Amerikanern gab es eine beträchtliche Minorität, die in zionistischen Fragen eine ähnliehe Anschauung hatte wie die Majorität der deutschen Delegation. Die Schwierigkeiten des Kongresses entstanden dadurch, daß über die Haltung der amerikanischen Deleation — nicht etwa zu dieser oder jener formellen Korninatlon, die ist ganz unwichtig, sondern — zu den programmatischen Grundfragen des Kongresses lange Zeit völlige Unklarheit bestand, die noch durch die Aeußerungcn mehrerer amerikanischer Führer verstärkt wurde. Für die deutschen Zionisten mußte es auch überraschend sein, daß eine Anschauung, die von der amerikanischen Föderation ein halbes Jahr zuvor gerade in Deutschland auf das kategorischste desavouiert wurde, nun plötzlich als repräsentativ für den amerikanischen Zionismus hervortrat. Die Amerikaner hatten außerdem eine Art Nichteinmischungstheorie und wollten als Amerikaner neutral bleiben in Fragen, die sie offenbar als europäische Streitigkeiten betrachten. Das Resultat dieser Zustände des Kongresses war nicht das Zustandekommen einer ״deutschen“ Leitung, sondern gar keiner Leitung. Wir sind heute in einem Zustand, der für die Bewegung nicht mehr lange tragbar ist. Darum sollte man im Augenblick nicht mehr so viel über die Vergangenheit sprechen, sondern die Zukunft vorbereiten. Jede gewissenliafte zionistische Gruppe wird dies sicherlich unter Zurückstellung ihres eigenen Prestiges tun. Wenn die Amenkaner glauben, daß sie und die Polen die Initiative zu ergreifen haben, so mögen sie es tun. Wir alle werden es begrüßen, wenn endlich von irgend einer Seite die Initiative ergriffen wird. Die Stellung der einzelnen anderen Gruppen wird dann davon abhängen, welches Programm die neue führende Gruppe annehmen wird. Vom Programme wird es auch abhängen, ob dabei eine umfassen(« Organtsation der Allgemeinen Zionisten herauskommen kann. Jwlenfalls müßte die Vorbereitung des XV. Kongresses, ob er nun in diesem oder erst im nächsten Jahre stattfinaet, jetzt schon begonnen werden. Wir akzeptieren gern die These Neumanns, daß für den nächsten Kongreß die amerikanischen Zionisten verantwortlich sein werden. R. W. Palästinensischer Wirfschaftsbericht Vi. Gr. Tel-Awiw, 20. Dezember 1925. Jeder Mdnsch in Palästina, besonders ln Tel-Awiw, spricht von der ״Kris e“, die allerdings in einem gewissen Umfang besteht. Allein in Tel-Awiw gibt es heute an dreitausend Arbeitslose, und auch in den anderen Städten und den Kolonien gibt es wenig Arbeit. Die Bautätigkeit Ist ziemlich gering, und es besteht wenig Wahrscheinlichkeit, daß sie vor dem Frühjahr lebhafter werden wird. Touristen gibt es im Moment fast gar nicht, und die Hotels stehen leer. Ke Einwanderung ist noch immer ziemlich bedeutend, jedoch kommen wenig kapitalistische Elemente ins Land. Ein schwerer Schlag für Palästina ist auch der Fall des Zloty. Viele vermögende Leute, die aus Polen gekommen sind und dort ihr Vermögen derart liquidiert haben, daß es ihnen allmählich abgezahlt wird, bekommen Jetzt auf einmal die Hüffe der erwarteten Raten, auf den Goldstandard umgerechnet. Verschärft wird die Krise durch die schlechte Wirtschaftliehe Lage in den Nachbarländern SyrienundAegypten, mit denen wir in den engsten wirtschaftlichen Beziehungen stehen. Syrien und Palästina bilden ein einheitliches Wirtschaftsgebiet, derart, daß die Produkte des einen Landes zollfrei in das andere eingeführt werden dürfen. Galiläa und das obere Jordantal hatten seit jeher ihre Hauptmärkte in Syrien, wohin sie auch geographisch tendieren. Heute ist die Kaufkraft der syrischen Bevölkerung durch die fortwährenden Unruhen und den Fall des Franken — die syrische Währung steht mit der französischen in fester Relation — außerordentlich gesunken, und die Damascener Kaufmannschaft verlangt ein Moratorium, um dem Bankerott zu entgehen. Ich kenne palästinensische Fabriken, die Ware nach Damaskus geschickt hatten und froh waren, die Ware auf ihre eigenen Kosten zurückzubekommen, denn an Geld war nicht zu denken. Andere verloren beides. Ein Export nach Syrien ist heute kaum möglich. Noch schlimmer ist, daß auch in Aegypten, das nach England unser Hauptabnehmer Ist, Wirtschaftskrise herrscht. Die Baumwollpreise sind stark gefallen und da Baumwolle Aegyptens wichtigstes Produkt ist, so hat diese Tatsache einen sehr ungünstigen Einfluß auf die dortige Wirtschaftliehe Lage. Ueberdies gefällt sich die ägyptische Regierung als Retorsion gegen das Verbot, ägyptisches Gemüse nach Palästina einzuführen darin, dem Orangenexport von Palästina nach Aegypten Schwierigkeiten zu machen. Sie verlangt z, B., daß alle nach Aegypten aus Palästina importierten Orangen ״desinfiziert“ werden müssen, da sonst Typhus übertragen werden könnte. In der Tat gibt es in Palästina wahrscheinlich weniger Typhus als in Aegypten und es besteht natürlich auch abgesehen davon keine Ansteckungsgefahr, da doch Orangen geschält werden, aber die Desinfektion ist mit großen Kosten verbunden und unsere Orangen werden dadurch fast konkurrenzunfähig. Alle diese Umstände sind zusammengetroffen und haben ihre ungünstigen Wirkungen gegenseitig verstärkt. Immerhin läßt sich hoffen, daß die Krise in absehbarer Zeit vorübergehen wird, wenn die Fremdensaison wieder elnsetzt. Auch die Bautätigkeit wird wahrscheinlich wieder aufleben und manche Arbeiter werden die Möglichkeit haben, aufs Land abzuströmen. Solche periodisch wiederkehrende Wirtschaftskrisen zeigen, wie furchtbar abhängig das Land noch vom Ausland ist. Eine Krise in Polen, ein Zwiespalt in der Zionistischen Organisation in Amerika kann für Palästina ein Unglück bedeuten, obwohl sonst alle Vorbedingungen für eine günstige Wirtschaftslage gegeben sein mögen. Leider kann dies in absehbarer Zeit nicht besser werden, denn fast nichts steht noch auf eigenen Füßen. Weder die Industrie noch die Landwirtschaft kann sagen, daß sic wirklich wirtschaftlich fundiert ist und es gibt nur ganz wenige Betriebe und Unternehmungen, die ohne Hilfe vom Auslande bestehen können. Darin ist an und für sich nichts Bedenkliches zu sehen, wenn man sich vor Augen hält, wie jung in Palästina noch alles ist und daß die sonst in allen Ländern vorhandene Staatshilfe hier gänzlich fehlt. Wer nicht in einem hiesigen Betrieb gearbeitet hat, kann sich kaum eine klare Vorstellung von den ungeheueren Schwierigkeiten machen, die man hier zu überwinden hat. Eine an und für sich gsitz gesunde Sache kann an ganz kleinen Hindi 1 nissen scheitern: Mir sind Fälle bekannt, daß hi eint hiesigen Unternehmen ein Fachmann, gerade als man ihn am meisten brauchte, krank wurde, und da es keinen zweiten in Palästina gab, und ein Ersatz erst aus Europa geholt werden mußte, das Unternehmen drei Monate still stand und Verluste erlitt, die sich gar nicht abschätzen lassen. Es kommt manchmal vor, daß man Maschinen oder Maschinenbestandteile aus Europa bestellt und ein kleiner Teil am Wege verioren geht oder verdorben oder zerbrochen wird, was bei den hiesigen Hafenverhältnissen kein Wunder ist. In Palästina kann man nichts ersetzen. Dann dauert es wieder monatelang, bis man aus Europa Ersatz bekommt. Zur Charakterisierung der Sachlage muß nur angeführt werden, daß ein Transport von Hamburg nach Jaffa mindestens sechs Wochen braucht. Dazu kommt dann die Zeit der Korrespondenz, evtl, der An-; fertigung, und man muß daher vorsichtigerweise stets zweieinhalb bis drei Monate rechnen, bevor man etwas bekommt. I So etwas kann einem die Saison und unter Umständen einem 5 jungen Unternehmen den Hals kosten. Ke Regien bleiben i nämlich immer gleich, denn man kann in Palästina nicht die gelernten Arbeiter oder gar die Werkmeister vorübergehend entlassen, weil man keine Gewähr hat, sie rechtzeitig wieder zurückzubekommen oder Ersatz zu finden; und da die Arbeitslöhne und Gehälter sehr hoch sind, so sind gleich wieder tausend Pfund verbraucht, bevor man sich umsieht. Es ist natürlich heute immerhin schon besser als vor dem Kriege oder vor ein paar Jahren, wo man nicht einmal die aliereinfachsten Sachen erhielt und die primitivsten Möbelstücke aus dem Ausland beziehen mußte. Aber es ist auch so charakteristisch, daß man in ganz Palästina kein Benzol bekommt, kein Natriumsuperoxyd und wenn einem einmal etwas ausgeht oder ein Transport verunglückt, kann man nicht Ersatz bekommen und muß warten bis wieder Wart aus Europa kommt. Denn auch in Aegypten oder Syrien gibi es nichts. Es ist also nötig, von leichtverderblichen oder explosiven Chemikalien große Lager zu haben, was in Europa niemand täte und in Palästina mit Rücksicht auf das Klima noch unrationeller ist Aber die Unmöglichkeit eines schnellen Ersatzes zwingt dazu. Ebenso müssen die kapitalsarmen palästinensischen Unternehmungen große Bestände an Rohmaterialien halten, was natürlich ebenfalls äußerst unrationell ist und zu einer großen Anspannung des Umlaufskapitals führt, denn es dauert monatelang, bevor ein Transport aus Europa anlangt und der Seeweg ist auch immer riskant. Das sind nur wenige der Produktionsschwierigkeiten, mit denen man hier täglich zu kämpfen hat, die Schwierigkeiten des Absatzes sind wieder eine Sache für sich. Die Einrichtung und Leitung eines Unternehmens in Palästina erfordert eine ganz ungewöhnliche Voraussicht und relativ viel mehr Kapital als ein Unternehmen gleicher Art und Größe in Europa brauchen würde. Natürlich sind das vielfach Schwierigkeiten des Anfangs und in jedem Lande, in dem sich eine Industrie entwickelt hat, gab es dergleichen. Aber es erklärt, wieso so viele Unternehmungen, die hier unter scheinbar ganz günstigen Auspizien begannen, sich nicht durchzusetzen vermochten, oder die Hilfe der zionistischen oder anderer Organisationen in Anspruch nehmen mußten. Wenn einmal ein paar Betriebe da sein werden, die wirklich florieren und sich ein Stock tüchtiger Industriearbeiter und -Meister gebildet haben wird, dürften viele der jetzigen SchwierigkettenwegfäUen tinä Ä2 ־ י hiesige Bevölkerung wird wirtschaftlich allmählich auf eigenen Füßen stehen und nicht mehr so sehr von den im Ausland gesammelten Geldern abhängen. - Jehoschoah Hanklns 60. Geburtstag Jehoschuah Hankin ist bekannt als der Mapn, dessen Name mit den bedeutendsten Bodenkäufen in Palästina in Verbindung steht und als eine besondere markante Persönlichkeit des Jischub. Von über eine Million Dunam, die jetzt in jüdischem Besitz sind, wurde mehr als die Hälfte von der Palestine Land Development Co. erworben, und zwar zum größten Teil unter Hankins Mitwirkung. Während der 35 Jahre, die er im Lande lebt, hat er den größten Teil seiner Zeit dem Landkauf gewidmet. Hankin hat Anfang Dezember sein 60. Lebensjahr erreicht (s. den Artikel von Ruppin in Nr. 99 der ״J.R.“). Zur Feier seines Geburtstages hatte die Palestine Land Development Co. ihn mit ihren Beamten und Vertretern verscnledener Körperschaften nach Nahalai zu einem Festmahl eingeladen. Nahalai wurde deshalb zum Schauplatz dieses Festes erwählt, weil der Emek die Stätte ist, auf die sich der wichtigste Teil von Hankins Arbeit konzentriert hat. Neben sämtlichen Beamten der Palestine Land Development Co. nahmen an der Feier Vertreter der folgenden Körperschäften teil: Zionistische Organisation, Keren Kajemeth, Pica, Merk 1s Chaklai, sowie der Siedlungen, auf die sich Hankins Arbeit besonders erstreckt hat: Hadar Hakarmei, Chederah, Rischon le Zion und alle Siedlungen des Emek; ferner der Besitzer des Nescher-Werkes Pollak, Vertreter der landwirtschaftüchen Versuchsstation, Vertreter der Banken, des Land Departments und andere. Nach dem Festmahl wurde der Jubilar in einer Reihe von Reden begrüßt. Dr. Ruppin als Vorsitzender erinnerte an einige besonders schwere Epochen in seiner gemeinsamen Arbeit mit Hankin: den Kauf von Merchawjah, den Kaut von Nahalai, Nuris und Umgegend und die Er- Werbung der Gebiete bei Afuleh und Nanalaf. Er betonte das Vertrauen, das er von der ersten Stunde ab in Hankin gesetzt und das ihn veranlaßt hat, ihm den Weg zur Entfaltung seiner Initiative zu ebnen. Darnach gab Dr. Thon ein Bild von Hankins Tätigkeit im Rahmen der Palestine Land Development Co. Im Namen der Exekutive überreichte Herr Kaplanski eine Adresse, in welcher der Beschluß mitgeteilt wird, Tel Schemam fortab Tel Jehoschuah zu nennen. — Für die Verwaltung von Hadar Hakarmei teilte Herr Pewsner mit, daß eine der Hauptstraßen dieser Siedlung Jehoschuah Hankin- Straße genannt werden soll. Von der gleichen Ehrung in Afuleh berichteten Kehillath Zion und Meschek. Die Beamten der P. L. D. C. überreichten ein Album mit Abbildungen aller Böden, die durch Hankin in jüdischen Besitz übergegangen sind. Es sprachen ferner für Keren Kajemeth Jizhak Wiikanski, für Pica Sega 11, im Namen der ‘Arbeitersiedlungen Harzfeld, der Vertreter des Haifaer Merkas Mischari Caspl und andere. Reuben Brainin sagte, er sähe in Hankin nicht einen Sechzigjährigen, sondern einen dreifach Zwanzigjährigen. In seiner Antwort auf die Reden dankte H a n k i n der P. L. D. C, daß sie ihm die Möglichkeit zur Arbeit geeben habe. Er schloß mit dem Gelöbnis, auch weiter er Sache treu zu dienen. An die Feier in Nahalai schloß sich eine Feier an, welche die Exekutive mit allen Siedlungen des Emek in Merchawjah veranstaltet hatte.

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