Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 1 (5.1.1926)
- Date
- 1926-01-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 1 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 3 m 1 Aguda und Centralverein ן Von Dr. Ernst Simon.;! Gleichzeitig mit den Erfolgen der zionistischen ״Bündnis• ן Politik“ durchläuft eine genau entgegengesetzt gerichtete Ipolitische Bewegung die antizionistische Welt: die Ein- ^llfkreisung des nationalen Judentums. Wir wollen heute *®nicht untersuchen, welches etwa unser Anteil an dieser | verhängnisvollen Konstellation sei, obwohl auch diese Frage '-?von außerordentlicher Bedeutung ist. Ihre Lösung hat im .fwe״c einer dauernden, lebendigen zionistischen Selbstkritik *•') M erfolgen, einer ständigen Messung der empirischen Befwegung au ihrer Idee. Diese Zeilen jedoch wollen einer ®■anderen Aufgabe dienen, nicht einer innen-, sondern einer außenpolitischen: die neue Konstellation unserer Gegnet und -.״idie Motive ihrer Bündnisse sind zu untersuchen, nicht mtr raus theoretischem Interesse, sondern zur Abwehr. Die merkwürdigste Erscheinung dieser Art ist die An- ■ n ■j h e r u n g zwischen dem Central verein und ■ der deutschen Agudas-lsroel. Sie bedarf auch ■ wegen der Größe und Wichtigkeit dieser beiden Organisationen ■ einer viel stärkeren Beachtung, als sie bisher im zionistischen ■ 1 ager gefunden hat. Dieses Bündnis wirkt besonders erstaunjj lieh, wenn man sich an die grundsätzliche Verschiedenheit 'H beider Ideologien erinnert. Bekanntlich hat die Centralvereins- 1!»eweguug ihren Anfang durch eine Broschüre von Raphael 1 Löwe nfeld genommen, dessen Thesen dann die Grundlage des Programmes wurden, ln dieser Streitschrift waren heftige Ausfälle gegen das gesetzestreue Judentum enthalten, dessen auf sich selbst bezogene Existenz als unvereinbar mit dem Iiele der Angleichung an die übrigen Staatsbürger hingestellt wurde. Aus diesem Grunde haben sich in den ersten Jahren <Sle Angehörige« der Orthodoxie vom C.-V. zurückgehalten, obwohl die eben erwähnte These als fast einzige nicht in Ais Programm des Vereins überging. Immerhin ist den gesetzestreuen Massen und vielleicht bis auf den heutigen Tag ״־־ das Bewußtsein erhalten geblieben, daß die Formulierung eines nur noch staatsrechtlichen Judentums dem be- Iiaupteten Volljudentum der Orthodoxie widerstreben müsse. Nicht zufällig war ja die Reformbewegung mit der Emanzipation verknüpft gewesen, nicht zufällig hatte dem Gründungskreise des C.-V. kaum ei!1 einziger religiös positiv gerichteter Jude angehört, nicht zufällig war auch der junge Hermann Cohen von der Orthodoxie abgerückt, als er bedeutend, aber apologetisch mit seinem ״Bekenntnis in der Judenfrage“ in den Streit zwischen Treitschke und Graetz eingriff. Der Akzent des bürgerlichen Befreiungskampfes hatte nun einmal bei den Liberalen gelegen; die Orthodoxie empfand die mangelnde Gleichberechtigung weniger schwer, da sie anlänglich gar nicht auf den Gebieten konkurrieren wollte, von denen sie ausgeschlossen war. Diesen Tatbestand muß man feststellen, wenn man Ihn auch, vielleicht gerade vom gesetzestreuen Standpunkt des Verfassers aus, bedauern mag. Denn es war ja nicht die Emanzipation, die zur Zerstörung eines autonomen jüdischen Lebens geführt hatte, sondern die Tatsache, daß dieses Leben selber zu unkräftig war, um von sich aus den Zusammenstoß mit Eurqjja autanehmeB, in PreiwUigkelt und Selbstbewußt» , naC^vt€״S'־ffid¥'sfanfeÄeh:-Judöf'%eii‘a|f'״hallä1,:4afe entänzK: pierter waren als wir heute in Deutschland und zugleich sehr viel jüdischer. Vieheicht waren es derartige Erkenntnisse,!die Samson Raphael Hirsch und seine Mitstreiter veranlaßt haben, ein modernes gesetzestreues Judentum aufzubauen. Kennzeichnend jedenfalls für die, wesentlich aus ökonomischgesellschaftlichen Gründen, siegreich fortgeschrittene Assimiliation der gesamten Juden heit bleibt, daß dieser Versuch durchaus nicht primär von der Fragestellung des Judentums, sondern von der Fragestellung des deutschen Bürgertums her unternommen wurde. Man wiederholte einfach für die Orthodoxie diejenige Situation, die 50 Jahre vorher die Reform geschaffen hatte; man stellte die Frage gar nicht neu, sondern man formulierte sie nur neu. Hatte es früher geheißen: ״Wie kann ich Jude bleiben und deutscher Bürger sein?“, so hieß es nun: ״Wie kann ich orthodoxer Jude bleiben und deutscher Bürger sein?“ Die Antwort lautete diesmal: ,,Thora im Dcrech Erez“, und nichts ist bezeichnender für die Judentums ferne dieser modernen kapitalistischen Orthodoxie als die Umdcutung, die Hirsch mit diesem Misch 11 asatze vorgenommen hat, An seiner Quelle, den ״Sprüchen der Väter“ bedeutete er ganz zweifellos: ״Gut ist die Verbindung der Lehre mit der Wirk« lichkeit des Lebens“ worunter sehr prägnant verstanden war, daß der Talmudgelehrte keinen Berufsstand für sich bilden sollte, sondern Handwerker oder Bauer sein müsse, wie das ja auch durch andere Sätze des gleichen Zusammenhanges noch ausdrücklicher bezeugt wird. Die Orthodoxie machte aus diesem ewigen und höchst zeitgemäßen Gebot ein sehr unewiges modernes: sie forderte die Möglichkeit, die Thora mit allen Bildung«- und vielen Handelsbequemlichkeiten des kapitalistischen XIX. Jahrhunderts vereinigen zu können. Die Bedeutung dieser Formulierung lag etwa da, wo auch die Bedeutung der Reform gelegen hatte: beide schufen eine Rückzugsstellung für diejenigen, die sich in voller Flucht aus dem Judentum befanden. Nun brauchte aber dieses geschwächte, seiner Unbedingtheit beraubte, vielen Daseinsgebieten entfremdete Judentum einen äußeren Halt, der den inneren ersetzen soll. Dieser äußere Halt war nicht so sehr der Austritt selbst, der zu seiner Zeit vielleicht notwendig sein mochte, wie vielmehr das Festhalten an ihm, als er nicht mehr nötig war, d. h. also ganze Ideologie des Separatismus. Man wurde den Reformern in der ganzen Psychologie viel zu ähnlich, als daß man es noch hätte wagen können, mit ihnen die Kräfte zu messen. Nur vollkommene Scheidung in getrennten Gemeinden und Verbänden gab die Möglichkeit, sich zu erhalten und vielleicht auch auszudehnen. Es ist allerdings einzuräumen, daß bei dieser Gelegenheit wichtige Institutionen für das gesamte gesetzestreue Judentum entstanden. Merkwürdigerweise war nun der Central-Vcrein die einzige Institution, an der ein großer Teil der extremen Grthodoxen allmählich mitzuarbeiten begann. Hier plötzlich versagte der Grundsatz, daß jede Beteiligung an einer religiös-neutralen Organisation bereits eine Verleugnung des göttlichen Wortes sei, hier plötzlich setzte man sich mit extremen Reformern an einen Tisch, hier plötzlich schien ein gemeinsames Arbcitsfeld für alle Juden gegeben. Selbst solche Kreise, die den Eintrift in die Logen grundsätzlich ablehnen, ließen sich bereitfinden, im C.-V. tätig mitzuarbeiten. War denn wirklich das Judentum dieser Orthodoxie schon zur blassen Konfessionsfärbe eines ״jüdischen Glaubens“ verdünnt? Wie kam es, daß dieselben Männer, die sonst nur eine Reihe Inhaltlieber Kriterien für die Zuhörigkeit zutn Judentum gelten lassen wollten, sich in dem Verband einfanden, der den Formuiismus auf die Spitze getrieben hat, überhaupt kein inhaltliches Judentum fordert und auch das Wort ״Glauben“ — nach der authentischen Interpretation des Herrn Landrabbiners Dr. Rieger — nur als staatsrechtliehe Definition in seinem Titel trägt? Die Antwort auf diese Fragen wird sich uns aus einer Betrachtung der jüdisch-politischen Vorgänge in den letzten Monaten ergeben. Wie allen Lesern dieses Blattes bekannt ist, hat der Central-Verein in den Wahlkampf zum Preußischen Landesverband mit einer scharfen' Parole gegen den Zionismus eingegriffen. Wie vielleicht nicht ebenso bekannt ist, haben die Zionisten damals Verteidiger gefunden, auf die sie niemals rechnen durften. Die betreffende Resolution des Berliner Hauptvorstandes des C.-V. wurde, von sämtlichen ge. ntftjya d.ek 0 n/s;.e;rj:f t| v,« ^.Mitgiiedenv uml y!grsta}^fltit-, gliedern auf das sÄirfsle abfetehnt; nicht ein .־ein .21 g-e'v auch keiner der ganz offen antizionistisch eingestellten, haben sic mitgemacht. Die Minorität des C.-V., die in verschiedenen Ortsgruppen, insbesondere in Breslau und Frankfurt a. M., gegen den Hauptvorstand kämpfte, wurde von gemäßigten Liberalen, die der Keren Hajessod-Idee gewonnen worden waren, und von Angehörigen der Gemeindeorthodoxie oder der ״Achduth“ geführt. Der extreme Liberalismus und — die separatistische Orthodoxie hingegen griffen die Parole mit Begeisterung auf. Ich habe im ״Jüdischen Wochenblatt“ einen Brief des Herrn JacobRosenheim, Vorsitzenden der Wclt-Aguda, veröffentlichen können, der an den Vorstand der Breslauer C.-V.-Gruppe gerichtet war und offen aussprach, daß die Orthodoxie eher mit den Liberalen als mit den Zionisten Zusammengehen könne, weil die Libcralen wenigstens grundsätzlich die religiöse Grundlage des Judentums anerkennen. Der ,,israelit“ ging noch weiter: er bemühte sich geradezu, durch seine Politik nicht nur einen Erfolg der jüdischen Volkspartei, sondern auch der Gemeindekonservativen zu verhindern. Diese Erinnerungen sind nicht etwa nur von geschiehtlichem Wert, sondern im Gegenteil höchst aktueller Natur. In der letzten Nummer der Q-V.-Zeltung findet sich eine offizielle Kundmachung über die Keren Hajessod-Frage. Hier wird die Beteiligung an dem Palästina-Aufbaufonds durch die Wiedergabe einer früheren Resolution noch einmal abgelehnt (einer Resolution, die — nebenbei bemerkt — auch von der Konkurrenz des Keren Hajessod für die notleidenden Anstaltcn in Deutschland spricht, was man vergeßlicherweise wörtlich zitiert, obwohl es im Augenblick zu der frischen Krim-Begeisterung des C.-V. nicht gerade besonders passen will). Und im gleichen Atem wird nun die Unterstützung jedes unpolitischen Palästinawerkes zugesagt, wie cs früher der Hilfsverein der deutschen Juden und heute die ״Aguda“ betreibe. In F.rkenntnis dieser Sachlage verschickt der Central- Verein auch schon seit Wochen die offenbar nach seiner Meinung völlig unpolitische Erbauungsschrift des Frankfurter Rechtsanwaltes Dr. Breuer ״Das Jüdische Nationalheira“ in zahlreichen Exemplaren an seine Vertrauensleute! Da auch Dr. A 1 e x a!1 d c r, Essen, in gleichzeitig erscheinenden Artikeln über die Kampfesmelhoden der national-jüdischen Presse — die zugegebenerweise nicht immer und nicht überall schön sind — der Aguda und der vornehmen Haltung ihrer Organe ein Loblied singt, so darf man hier nicht mehr von einzelnen Zufällen, sondern muß von einem politischen System reden. Von einem Bündnis־, das beide Teile mit voller Absichtlichkeit geschlossen haben und dauernd weiter ausbauen. Die Natur dieses Bündnisses wird am besten charakterisiert durch die bekannte (natürlich ungenügende) Herzlschc Definition des jüdischen Volkes: Central-Verein und Aguda werden zusaimnengebracht und zusammcngehalteu durch einen ״gemeinsamen Feind“, Dieser Feind ist der Zionismus. Aber trotz der taktischen Obergründe dieses Bündnisses, hat es doch noch seine tieferen Untergründe, die es zwar nicht v«s anlaßt haben, aber letzten Endes ermögliche«. Beide nämlich, C.-V. und Aguda, sind Au«- trittler, Separatisten. Die Aguda schneidet einen — angeblich — qualitativ bevorzugten Sektor aus dem jüdischen Kosmos: die Orthodoxen, der Central-Verein einen quantitativen: das deutsche, und nur das deutsche Judentum. Ist es nicht Separation, wenn der K.-C. programmatisch erklärt, Bestrebungen zur Lösung der Judenfrage außerhalb Deutschlands abzulelincn? Beide, C.-V. und Aguda, sind erfüllt von der unerträglichen Selbstzufriedenheit des Bourgeois, beide spüren nichts von der neuen jüdischen Unzufriedenheit, die durch alle lebendigen Teile unseres Volkes geht, beide entziehen sich, wenn auch mit verschiedenen Ideologien, so doch aus der gleichen Psychologie, der heiligen und unendliehen Aufgabe des ״Klal Jisroel“. Vielleicht ist es deshalb gut für den Zionismus, daß sie sich zusammengefunden haben. Er kann daraus lernen, für seine politische Orientierung und für seine geistige Selbsterkenntnis. la Erwartng der Ttarislen-Satwi Jerusalem, 23. Dezember. (P.C.) Nach Berichten, die das Jüdische Informationsbüro aus verschiedenen Quellen erhalten hat, ist damit zu rechnen, daß die kommende Saison einen groß en Strom von Touristen ins Land bringen wird, die an dem Fortschritt der nationalen Arbeit in Paläsana interessiert sind.. Die allweltliche jüdische Studentenurgaaiaation •:arrangiert:־־*«»*»?-־ fhr-:»*i1f«• iMMffiBeder«*In den Ve**|#lgli:»? Staaten «teilt Herr Rosen ׳wieder eine Tonr durch ganz Palästina zusammen, und in vielen europäisches Lindern beabsichtigt man, das gleiche zu tun. Das Jüdische Informationsbüro unter der Leitung von Dr. Fritz Löwenstein steht mit den verschiedenen Organen der Zionistischen Organisation, den Keren Hajessod- und Keren Kajemeth-Komitees in Fühlung und arbeitet bei der Veranstaltung dieser Gesellschaftsreisen mit. Es steht auch mit nichtjüdischen Reiseagenturen in Verbindung, damit deren Kunden bei ihren Reisen durch Palästina die Möglichkeit bekommen, etwas von der jüdischen Wiederaufbauarbeit zu sehen. Dank der friedlichen politischen Lage in Palästina kann man auf eine erfolgreiche Touristensaison in diesem Jahre rechnen. Steiger In Palästina. Stanislaus Steiger soll demnächst nach Palästina kommen, wo er längere Zeit zu verweilen gedenkt. Vorbereitungen für den Empfang Chamberlains. Austen Chamberlain, der englische Außenminister, wird auf seiner Winterreise im Laufe des Januar nach Palästina kommen. Die jüdische Bevölkerung des Landes trifft große Vorbereitungen zunt Empfange des Ministers. Kano Fischer hebräisch Die Stockung auf dem hebräischen Büchermärkte und der Rain der hebräischen Bücherproduktion im Galuth haben in Palästina in den letzten Wochen zu mehrfacher Diskussion und zu Versuchen der Selbsthilfe geführt. Die Vereinigung der Schriftsteller hat ein eigenes Komitee zum Studium der Frage eingesetzt. Eine energische Aktion in der Richtung hat die Organisation der Lehrer begonnen. Ohne auf Initiative von Verlegern zu warten, haben die Lehrer beschlossen, mit den Mitteln, die ihnen zur Verfügung stehen —- mit anderen Worten durch Abzüge von den Gelüilteni — eine Büchersammlung ״Der Schatz des Lehrers“ (Ozar hamoreh) ins Leben zu rufen. Die Sammlung soll während der nächsten drei bis vier Jahre zirka S00 Druckbogen umfassen. Eine allgemeine pädagogische, eine huntanistische und eine realistische Kommission bereitet das Programm der Publikationen vor. Von den Schwierigkeiten einer solchen Bücbcrauswahl kann sich der Außenstehende kaum einen Begriff machen. In einer Literatur, in welcher über die wichtigsten Gegenstände des menschlichen Wissens nichts veröffentlicht wurde, muß eine solche Wahl besonders vorsichtig sein. Es handelt sich natürlich in erster Linie um Uebersetzungen von Originalen aus allen Sprachen, und hier kann das Erscheinen eines Buches oft mehr Unheil stiften als Segen bringen. Denn der Leser, der nur dies eine. Buch kennt, ist geneigt, es kritiklos hinzunehmen, und wenn das Gegengewicht anderer Bücher fehlt, kann dies nur allzuleicht zu schiefen Urteilen und Irrtümcrn führen. Dazu kommt, daß die meisten in europäischen Sprachen geschriebenen Bücher unbewußt ist eine Atmosphäre gestellt sind, welche im Hebräischen nicht vorbanden ist. Der Autor setzt in der Art seines Stils, in Anspielungen und Polemiken Kenntnisse oder die Möglichkeit der Erwerbung von Kenntnissen voraus, die ein Leser, der eben nur dies eine Buch zur Verfügung hat, sich nicht er-;werben kann. Nur allzuleicht fällt dann die Auswahl auf populäre B&cfier, die nichts voraussetzen und eine leichte Lektüre darstelieii. Aber gerade das Uebersetzen solcher Bücher ist nicht am wünschenswertesten, denn der Leser soll, zumal wenn er nur wenige Bücher zur Verfügung hat, zu gründlicher Lektüre erzogen werden. Der Mangel an Büchern hat gerade in dieser Art schädigend gewirkt, denn der hebräische Leser lernte geistige Strömungen, die aufkanten, in kurzen Referaten der hebräischen Zeitschriften keimen. Er erfuhr das Schlagwort, aber nicht den wahren geistigen Inhalt einer Bewegung. Bei all diesen Schwierigkeiten Ist es besonders zu begrüßen, wenn — wo Körperschaften versagen — von Einzelnen die Initiative zur Schaffung einer hebräischen wissenschaftlichen Literatur ergriffen wird. Ich will hier auf ein Unternehmen hinweisen, das Dr. J. Junowitz in Jerusalem geschaffen hat: eine juristische und eine philosophische Bibliothek. Es ist die Initiative eines Mannes, der mehr Wagemut als Geld besitzt, und der fast ohne Mittel in kurzer Zeit Nennenswertes geschaffen hat. Die juristische Bibliothek veröffentlichte bis jetzt das große Buch des russischen Juristen Pokrowski über das römische Recht und ein Buch desselben Verfassers über die Grundlagen des bürgerlichen Rechtes, zwei originale Bücher über Quellen des jüdischen Rechtes von dem Dozenten der Jerusalemer Universität, Rabbiner Assaf. In der philosop hi sehen Abteilung erschienen die ersten Bogen einer Uebersetzung von KantsKritikderreinen Vernunft von Dr, Junowitz, und ln den nächsten Tagen erscheint eine Uebersetzung von Kants Buch über den ewigen Frieden, ebenfalls von Junowitz, sowie eine Uebersetzung von Salomcm ihn Gabirols Lebensquell von Dr. J. Biunstein, also eine Rückübersetzung Ins Hebräische, nachdem das Original verloren ist Ein großes Werk bat soeben in dieser Bibliothek zu erscheinen begonnen: Kuno Fischers Geschichte der neuen Philosophie. Der vorliegende erste Teil ist von Dr. M. GlücksoUn ins Hebräische übertragen worden. Dr. Glücksohn hat bereits seine großen Verdienste um die Uebeisetzang philosophischer Literatur ins Hebräische. Er hat die Geschichte der neueren Philosophie von Windelband für den Verlag Stybel übersetzt, von der zwei Bände erschienen sind. Leider ist die Fortsetzung der Drucklegung durch die Schwierigkeiten des Verlages Stybel unterbrochen worden. Seine Uebersetzungen zeichnen sich durch eine große Gewissenhaftigkeit und Treue gegenüber dem Original und durch das Geschick aus, mit dem er die Schwierigkeiten der Uebersetzung schwerer und neuer Begriffe löst. (Ich habe an anderer Stelle Proben hiervon gegeben.) Der erschicncnc erste Teil von Kuno Fischers großem Werke ist für den hebräischen Leser von besonderer Bedeutung, denn er gibt eine allgemeine Kulturgeschichte und, wenn auch nur im Abriß, eine Religionsgeschichte des Mittelalters und der Reformation, die dem hebräischen Leser bisher ganz verschlossen war. Die Aufgabe der Uebersetzung eines so kolossalen Werkes wie Kuno Fischers Geschichte der Philosophie ist eine sehr große. Die Gefahr, daß dem Herausgeber die Mittel versagen, ein derartiges Unternehmen zu Ende zu führen und daß dadurch auch die Teile, die er herausbringen konnte, wertlos werden, liegt sehr nahe. Ich hielt es deswegen für meine Pflicht, a!1 dieser Steile alle Freunde des hebräischen Buches auf das neue Unternehmen hinzuweisen. Die Schaffung einer hebräischen wissenschaftlichen Literatur — das kann nicht oft genug betont werden — ist heute eine unserer allerwichtigsten nationalen Aufgaben. h.יי Der blane Vogel l:,1s Programm des schnell berühmt gewordenen russischen Kleinkunsttheaters, das gegenwärtig wieder in Berlin (Lustspielhaus) gastiert, enthält auch eine jüdische Nummer. Es ist eine Kombination der beiden bekannten jiddischen Volkslieder ״An alte Kasche“ und ״Was wird sein, wenn Messias wird kommen“. Leider werden die Lieder nicht in dem (den Sängern doch gewiß geläufigen) Original gesungen, sondern in einer etwas schwerfälligen deutschen Uebersetzung, wo aus der ״Südenju“ eine ״,Tafel“ wird und aus Mosche Rabbani