Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 102-103 (24.12.1924)
- Date
- 1924-12-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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I Seife 74-1 J UE D I S C H E RUN DSCHAU Nr. 102*103 א.,.eh ener gcw;■:,;.«!» Anzahl von llicm-tnhr;« c״1!:.!־.׳t cm Beninicr «fte Uiil.üm!l)״rk1it :;■inor SU'Ümr;•. Das muß sowohl für höhere als auch für nie.lcrc Beamte ,״dien. D i e n s t r c 1 ״ c m c 11 i : Das Beamtendezernat hol! ein einheitliches Dh’.nstrc״lt.1;1׳ent :m!,arbeiten, das — mimirstons Grui; c י׳ ר,! fiir <!as Re.:!e;1t<?nt der einzelnen Euros Beamtenschaft einen An- Iikcser Grundsatz »)11*. c ״ יeiten für alle diejenigen gesamten Regelung c'cs al; zu gelten liihte. Vor/uschen wäre eine p.arif'itische Regelung aller dieser Angelegenheiten dadurch, daß Ausschüsse der Beamten dabei zu Rate gezogen werden. Gewisse Bestitumutigen können für alle Stellen ab bindend erklärt ׳,verden, z. B. die Festsetzung der Urlaubszeiten, die tägliche ArbeilsdrtucT ttste, Die Frage der IiiUonipa'.ihiHtiit ist eine Frage der zionistisehm Verfassung, nicht eine solche des Deamtcnrcchtcs. Versetzung 11 a c 11 Palästina: Auch bei cf r Regelung dieser Angelegenheit kann das Bcanitciidczcrnat eine entscheidende Rolle spielen. Es sr.il als Regel gelten, (laß «in zionistischer Beamter die Aussicht haben muß, nach einer gewissen Dienstzeit bei der Besetzung oftencr Stellen in Palästina in Betracht gezogen zu worden. Dies kann iialür־ lieh nicht schematisch aufgefnßt werden. Es hat sielt bereits als sehr schädlich erwiesen, daß man Beamte «ach Palästina til.erführt lut, die den besonderen Ansprüchen dieses Lande.: nicht gewachsen waren. Andererseits kann nicht vcilangt werden, daß hei dev Besetzung von vakanten Stellen palästiueii- Fische Bewerber bevorzugt werden, jedenfalls lucht dann, wenn gleichwertige zionistische Beamte anderswo vorhanden sind, die für diesen Posten in Frage kommen und sich darum bewerben, Cer zionistische Beamte seihe bei gleichen Bedingungen den Vorzug haben, wobei allerdings immer wieder schart uutersttichcn werden muß, daß Palästina an die Beamtenschaft in fachlicher, moralischer und ziorüs tisch er Hinsicht höhere Anfordcru tigert stellen muß als außer!salb, und daß, wer diesen Anforderungen recht zu entsprechen vermag, eben nicht in Frage kommt. Unzulässig sollte cs .jedenfalls sein, daß, wie cs vielfach heute geschieht, freie Posten in Pa- Bistina mit irgend welchen ZufalLkandidatcn besetzt werden, die weder .־ms ihrem Wohnsitz in Palästina noch aus ihrer Stellung innerhalb der zionistischen spmch darauf ablcitcu können. — wie .־die die hier entwickehcn — zionistischen Stellen, die sich der zionistischen Bcamtcnrcchtcs in dieser Form unterwerfen, wie dies mchrf-ich hier ausgeführt wurde. G c h .11 ts r cgul i e r u n g : Für die Regulierung der Gehälter soll ein Grundsatz maßgebend sein, der in maitchai! zionistischen Stellen bereits durchgefiilirt ist und sich dort ausgezeichnet bewährt hat. Darnach sind die Gehälter für zionistische Beamte in einheitlichen Skalen so festzuwtzen, daß sic den Beamten ein bcscheiJcucs Auskommen und die Arbeit in den Umständen und in dem Milieu, ermöglichen, die für ihre Arbeit in Frage kommen. Das heißt, ein zionistischer Beamter hat keinen Anspruch auf ein hoher«; Gehalt als auf das, das sein Auskommen ermöglicht. Das Gehalt soll nicht so hoch bemessen sein, daß cs nennenswerte Ersparnisse möglich macht. Für die Festsetzung des ״bescheidenen Auskommens“ sind die sozialen Bedingungen desjenigen Kreises maßgebend, in denen der Beamte zu arbeiten verpflichtet ist, d. h. daß jemand, dessen zionistische Stellung ihn zu. repräsentativen Ausgaben nötigt —: sei es durch die Qualität, seiner •Stellung (Mitglieder der leitenden P1stanz.cn, •Direktoren der Banken), sei es durch seinen Aufgabenbereich (z. B. Propagandisten, je nach den Ländern, Kreisen usw. ,verschieden), in den Stand gesetzt wird, so aufziitrcten, daß ier diesen Aufgaben nachkommcn kann. Es soll im ganzen 'ein sparsamer Maßstab angelegt werden. Insbesondere trfiTt ,dies für Palästina zu. Hier muß mit der besonderen Mentalifät dieses Landes, seiner Armut ״ad seiner besonderen sozialen Schichtung auch bei der Festsetzung der Beamtengeh,ällrr mehr gerechnet werden, als dies mindestens teilweise geschieht. Die Forderung de.? Grundsatzes, daß das Gehalt nur aus- :reichen soll, nur ein bescheidenes Auskommen zu sichern, setzt allerdings als notwendige Ergänzung• die Schaffung sozialer Einrichtungen voraus, z. B. Pension, Hinlcrbücbcuen-cürsorgc, Krankenkasse, Invaliditätsrente usw. Das heißt, es sollen für die Festsetzung der Oehä.icr diejenigen Anschauungen gelten, die im allgemeinen für die materiellen Bezüge der Beamten in modernen Staaten maß,gebend sind. Darnach wird der Beamte normalerweise schlecht bezahlt, hat aber dafür gewisse Sicherheiten in bezug auf die Dauer seines, Anstcliungsvcrbäituisscs, seiner sozialen Hilfe usw. Soziale Fürs arge: Alle zionistischen Institutionen, die sich den Regeln des zionistischen Bcamtenrcchtcs unter• ^verfen, müssen zu einem oder zu verschiedenen Körpern zusammengefaßt werden, die die materielle Grundlage für die Schaffung der sozialen Fürsorgcanstaltcn für die Beamten bilden. Wie das im einzelnen geschehen soll, kann hier 'nicht ausgeführt werden. Das muß fachmännisch fcstgcstcllt erden. Es genügt, daß verlangt wird, daß jede der in Frage kommenden Institutionen einen gewissen Prozentsatz der von ihr gezahlten Gehälter für diesen Zweck abgliedert, 'dem ein von den Beamten cinzuziehender Teil ihres Gehaltes entsprechen muß. Wenn irgend möglich sollten einheitliche Fürsorge-Einrichtungen für alle zionistischen Beamten ge-?chaifcn werden. Wenn das nicht geht, sollte wenigstens mi eine einheitliche Normierung der Bedingungen usw. ge- Jrängt werden.. Diese Einrichtungen sollen allen Beamtenkategorie!• zu- :ute kommen, die überhaupt Ln die allgemeine Regelung der leamtenfrage cinbezogcn werden, d. 11. möglichst allen Kateforien. Inwieweit Ausnahmen für die Länder vorzuschcn ind, in denen obligatorische staatliche. Einrichtungen dieser \rt bestehen, ist von Fall ־zu Fall zu untersuchen. Die Ein• veziciumg dergewählten, honorierten (nicht der nlclitlionoirrten) Fmihlimüirc der Orgrink.atirm in (liest: Einrichtungen .null ir. demselben Umfang angestrebt werden wie das bei ient Kapitel'über die allgemeinen Voraussetzungen■ ausgeführt ,vurüc. - ׳. , iieamten-Organisation : Die notwendige :un?u׳,g der hier vorgrschLigciicn Einrichtungen bildet •inhutlid'.e Schaffung einer ,Organisation alter Beamten. S’c nüßto natürlich von den Beamten selbst ausgehen, aber bei!!er Vcr:,dtiedenartigkeit der Verhältnisse und dem offiziellen hsrakter,• den die Organisation haben müßte, wäre cs angebracht, wenn ihre Schaffung von der Zentrale aus zumindest 11 die Wege geleitet würde. Es wallte vom' Kongreß aus «•stimmt werden, daß m dem Büro jeder zionistischen intilulion, die sielt der Gesamtrcgclung der Ocamtaifrage unter- Erdie wirft, ein ronmtemtissdiuß brntehrn muß, der berufen ist, die Angel!־genhciteu der Beamten ru vertreten und dem das in der allgemeinen Regelung vorgesehene Mlibestimmungsrecht < u׳.teilt. Es snl'.sc f ־rncr aus Vertreten dieser Beamtenau1!,1.,.־üs:־c eine obere Gesamt Vertretung der Bc,1mlcns־׳haft gebildet werden (evtl, noch unlergcteüt nach LämlcrkomplcMrr,), dem die Vertretung der Boamtcnfnleresscn vor den oberen Instanzen, dem Personaldezcrnat und evtl, dem Kongroß znstcht. ■ ־ ׳ Zusamincnfassend ist zu bemerken: die Regelung der Bcamtc״fra״c muß baldigst in Angriff genommen werden. Sie muß ansgchoii und getragen sein ,von moralischen GesicI11s1H111kir.il. Sie muß zum Zweck haben die Schaffung der mor.ili ■eiten Atmosphäre, in der ein den höchsten nationalen Aiisptüchrn entsprechender Bearnlcnstand wachsen, sich entwickeln und gedeihlich arbeiten kann. Die Regelung der materiellen Frage muß ausgehen von diesen moralischen Ge- .siditspuiiUrn mul von dem Gedanken getrogen sein, daß ziori.’.IFchrr Beamter seht, die größte nationale Verpflich* 'um: übernehmen!!rißt, und verlangt, daß persönliche Anspräche in weitestem Maße hinter die nationalen gestellt werden. Nur aus persönlichen, maletiellcu Gründen ru erklärende Abweichungen von dieser Forderung sollen attsgesdtPc.sen sein, und cs muß klar sein, daß wir den zionistischen Oeniiiieitberiif zwar zu einer Lebensarbeit machen müssen, aber zu einer Arbeit, die die Befriedigung nicht in materiellen, sondern in de״ nationalen und moralischen Erfolgen crb'i.-.kt. So soll ein Bcamlcnstand geschaffen werden, der, getragen von letzter Verantwortlichkeit, seine Aufgabe darin sieht, den höchsten An fordern tt,gen der Zionistischen Organisation gerecht zu werden lind der diruni und mir darum das Recht hat, zu beanspruchen, daß ihm soziale und materielle Be* dingungen gewährt werden, die ihm erlauben, dieser Aufgabe nadtzukommen. ' Zar Frage des Sclielcels Die Diskussion über die Reform der Organlsafon und den Sdtckc! wird im zionistischen Zentralorgan ״The New Juda ca“ (1 oikF-M fortgesetzt. Fn der letzten Nummer befaßt sich eit! ausführlicher Artikel, der offenbar ans dem Büro der Bxeku'ivc dämmt, mit der Schekelfrage. Er w'Ft auf die Notwendigkeit hin, die Starke der Ziniiistiv-hcn Orgarisadmi durch entsprechende Sclickcl/.shl zu manifestieren, und fährt fort: ,.Fs ist möglich, daß der Schekel zu hiltfjj Ist und daß ihm deshalb nicht die Bedeu'ung bcigelcgt wird, die ■ ihm gebührt, l's scheint da nur einen einzigen klaren Ausweg .aus di״sem Dilemma rU geben, und «var die Erhöbillig des Preises des Schekel? ru einem Betrage, der — ohne übermäßig Inch 7.11 sein •—■der gegenwärtigen Bedentun!» .der Organisation ,und der Größe ■ihrer Aufgah״־׳ entspricht. Wenn dies geschieht, und wenn, wie es attfri. bl:g zu wünsrhe•״ j$*, die Schekels,imntlung von, d-n zionistischen Verbr!1Kl־׳n hauntsächlich in enger Verbindung mit einer re״elnt:iß;gen Mifu’iedcrkninn.irtie vorgenotnmen wird, so ״יFd nicht mehr «Pr Einwand gemacht werden körtn״n. daß die Kosten der Schekelnrcmagnnda in keinem' Verhapnis .zu den Einnahmen und ztnn Resultat stehen. EHvas mehr Energie seitens unserer zionistischen Arbeiter und Propag-n1dist״n und die Anzahl der SchekMim könnte leicht verdreifacht werden. Hier kommen wir ganz kurz auf die finanzielle Bedeutung des Schekels zu sprechen, die von vielen mit Unrecht unterschätzt wird. 1m letzten lC0nofreßj''hrc (ShSl) hat der Schekel, trotz der Entwertung der Vahrta ln Ländern mit der »mißten Schekelzahl bHnnhe JC IdOßO gebracht. Dies ist eine Summe, die keine Bagafdh'sicntng verdient und die durch svsFmatische Arbeit bodenDni gostoi״ert werden kann. Möglicherweise wird cs eine Zeit!,mg noch gewiss-r besonderer Eirinahmenuellen bedürfen, um das Budget der Organisation im Gleichgewicht zu erhalten. Es unterliegt aber keinem Zweifel, daß eine vernünftige Erhöhung des SehriHnroises, verbunden mit einer gieichz'i'igcn ernsten Bemühung, d׳’n Kreis der Schrkejzahlcr attsrudehnen und aus zufälligen Srh־׳kr1zahb'cn r c p el m ä ß i r׳e zu machen, der Fvö’idive diej״ni7en Mittel vers1|-׳affen kann. de־cn siA zur Erfüllung ihrer vHBüigen Aufgaben bcdnrf. Es wird zu״c׳o״''en v.-er•!■■״. daß dies die einfachste Art ist. die hesfciiendrn finaiiziclleti Sehwierigkci'eu zu lös״n, ohne daß eine Einrichtung, die sich, seitdem der Kongreßzlranisnms besteht, bewährt hat, zugunsten netter Experimente auf- ״egebcn wird. Und nun zur ko n s t f t u t io n e 11 e n Seite der Frage. . .. £״W1SS .. Geringschätzung zu sprechen., Sich״r!i־h kann das par'.1m״ntarir.rhe Getriebe nicht zum 'Mittdonuktc Und zttnr llwwtzwecke m1serer Adv׳dt werden. Ätiderersef's aber muß dafür gesorgt werden, daß d״r v־׳m1 Herd gesrbaff״ne ziouis'ische Kongreß ln unserem öffenMiehen Leben d-n Pla'z ״fnuebrne, dm andere Völker ihrem Parlament elnräumon. Wir milss-n daher den K״n״reß, und was mit ihm zusammenMngt, mit dem gehörigen Resnekt hehandeln und ihn mit all denj״ni״en Kmitelcn tmtgeh״״, die jedes Parlament in den Artikeln seiner Konstitution findet. Und nun kommen wir zurück zu den von Or. Wclfsch erwähnen Vorschlägen einer Reform, Wcl cx'renic LSsu”gen, die beide eine entschiedene Kritik beratisnifen. Es scheint weder notwendig noch wünschenswert zu sein, unser dentokratisches Wahlrecht, das jedem Schekel/.ihler das gleiche Recht gibt, zugunsten einer neuen Methode aufzugeben, die das Sfimmreeht von der Entrichtung einer nach dem Vermtägen jedes Wählers abgesfuften Steuer abh־ngig micht AndererncJts muß auch ein Projekt, das das Wahlrecht zum K׳-ng־׳rß jedem Menschen, der es bcansnruelit, geben will, ,gegenwärtig als unpraktisch betrachtet werden Es {st, ׳ wenn man die Sache in ihren Einzelheiten und Wirkungen uMersuch‘, tmmöglich, sich damit einverstanden zu erklären, daß eine ernste parlamentarische Körperschaft, die über di* Interessen des jüdischen Volkes, über die Verwendung des B'Mgcta und über, die Bor.e.izttng der hnchs'en zionistischen Stellen c׳nfsrlu'idef, aus Delegierten beste'if. die von einer namcn’oscn, 1'i' lit Oreattisierien Masse, deren Zahl sielt gar nicht bestimmen Rißt und dem einfachen •Zufall überlassen wird, entsendet wcrd'ui. ׳ ׳ . ־ '־ Vom praktischen 0״sxhk?Ptmkfe scheint daher, diß eine Reform des Schekels sich in den folgenden drei Richtungen bewegen sollte: ' ,1. Vernünftige Erhöhung des ,'Preises deVSclickHs, die zu einer Verbesserung seines Prestige«; und seiner finanziellen Ergiebigkeit beitragen .wird. . 2. Ausbreitung de? Schckc’s dtmch Inangriffnahme einer ernsten Propaganda die auf di« Erfassung aller Zipniden und auf die Gewinnung neuer Anhänger gerich'ot sein *'ff und 3 Befreiung der Soh׳'kclsavnmh*ng von ihrem •zuf'l'Pcn Ghnrakii'i• durch Anwendung «)•?,emit'sfh'r?amirlungmieihoden t׳1;׳l durcii Vc-knünüturr der RehrVeiornpng.vidi mit der Mitglivdcfkampagne eine? ]״den Verbandes, was' die Stsbt'hl« rmtgjkr Zahl der Sei tekolim und die engere Verknüpft!״(? der Zionisten an die OrgattlsaUou zur Folg? haben wird,״ Jtddlscblslca und Ilcbralsfca Wir lialwn lat der vorigen Nummer von den unliebsamen j Zwischenfälle« im Warschauer jüdischen Litcrafenvereln he. richtet. Die Vorgeschichte des handgreiflichen Zu. sammenstofks zwischen Jiddisdiisteti und Hebraisten spii;!:« sich tm poWsdieii Sejm ab. Abgeordneter Prllutzkl hatte nämlich eine Resolution eingebracht, in der die Subvcnti.anic. ntrtg jiddisdier Schulen vc.Imgt wurde. Trotz der Int:rventkm mehrerer zionistischer Abgeordneten, darunter de» Abgeordneten Schipper, den Reooiuiicmsantrag dahin zu erwei- 11׳, daß rütc Sttbveutioiiicning des gesamten jüdi. sehen Schulwesens verLr״* werde, beharrtc Prilutzki auf Scj. nein clnscitränkcnden Verlangen. Als cs zur Abstimmung üL:r die Jüdischen Anträge belrefimid die Subventionierung der jiddischen Schulen kam, stimmten die MitgUeder des jüdisehen Sejntkiuhs für ihre Ztisal/rcsoltition betreffend die Unter. Stützung des gesamten jüdischen Seit ul wesens (d. h. auch dir hcbräLsciien Sdtulcn) durch den Staat, lehnten aber gemeinvirs mit der |K)I11i.׳.d1cn Mehrheit den Priliitzkischcn Antrag ah. Materiell hatte diese Abstimmung der jüdischen Ahgeotdnctcn keine Bedeutung, weil alle Anträge, die eine StoaLssibvcntio. nicrung jüdischer Schulen verlangen, im polnischen Sejm von vornherein der Ablehnung durch die erdrückende polnische Mehrheit sicher stttd. Prinzipiell Pt aber nt bemerken, d;15 cs tatsächlich eine für die breite Oeffentlichkeit und inr.besondere für das Ausland unverständlich« Anomalie ist, wie jüdische Abgeordnete gegen diesen Antrag stimmen konnten. Daß '«!.ts Jüdische ״Koio“ (Sejmklub) eine derartige Haltung beobachtet hat, ist nur 1us der Persönlichkeit und dem Ver• halten des Antragstellers PrüttUki zu erklären. Dieser Herr hatte nämlich seinen Antrag nur zu provokatorischen Zwecken cingebrneht. Bei der Abstimmung über seine eigene ׳Res©■ lution entfernte steh Prilutzkt aus dem Sitzungssailc und beobachtete vom Couloir durch die Türsclicibcn höhnisch lachend das Ergebnis der Abstimmung. Die haßerfüllte Haihing Prüufzkis gegen das Hebräische im allgemeinen und gegen dar. hebräische Schulwesen, *eine ,Weigerung, die von ihm cingcbrachtc Resolution in der Richtung auszudehnen, daß die Stihvcn!־׳.nieriin״ des gesamten Schulwesens verlangt werde, und schließlich die Komödie, die er bei der Abstimmung aufführte, lassen cs begreiflich erscheinen, daß den Abgeordnclert des jüdischen Scjmklubs die Gaile überücf und sie gegen Prilutzki — damit freilich auch gegen seinen Antrag — stimmten. Damit begaben sie sich allerdings in die Gesellschaft aller judcnfcindtidien polnischen Parteien, «lenen willkommene Gelegenheit gegeben wurde, zu erklären, daß die Juden tuiter fielt uneins sind, und gerade darum keine Berücksichtigung ihrer Forderungen verdienen. Die Abstimmung im Sejm bildet aber für die jiddischistisehet» Kreise in Polen einen erneuten Anlaß, wütende Angriffe gegen die hebräische Sprachbcwcgung, gegen das hebräische Schulwesen und gegen die zionistische Partei zu richten. Das Hauptorgan der Jiddischlsten, der Wilnacr ״Tog“, inszeniert geradezu eine Verfolgung(־,kampagne gegen den Hebraismus, Ausländische Korporationen darunter der jiddische Journalistcnvcrcin in Berlin schlossen sich der Protestbewegung an. Es ist bedauerlich, fcststcllen zu müssen, daß auch Prof, Dubnow, wohl in Unkenntnis der Vorgänge, seine Unterschrift unfer die Protestkundgebung der Berliner J'ddiscliisten, deren Empörung offenbar bundLstischen Ressentiments ent* springt, gesetzt hat, In Warschau führen selbstverständlich die Trümmer des ehemals mächtigen ״Bundes“ den Reigen der Protestler an. Die Abstimmung wird zu einer großen Affaire gestaltet und der Versuch gemacht, die jüdische Masse gegen den Zionismus zu mobilisieren. Alle diese Möglichkeiten hatten die Abgeordneten des jüdischen Klubs bei der Abstimmung bedenken sollen. Politik macht man nicht mit Verärgerung und aus momentanen Stirnmutigen heraus. Als Juden und Zionisten hätten die führenden Mitglieder des jüdischen Sejmk'ubs sieh auf den Standpunkt stellen müssen, daß man niemals gegen eine Schule und niemals gegen eine jüdisch c Schule stira* m e 11 darf, mag man in ihr jiddisch, spaniolisch oder hebräisch unterrichten. Es sei bei die?er Gelegenheit eine Reminiszenz aus dem östcrrcicltischen Parlament seligen Andenkens erwähnt. Im Jahre 1908 siebten die deutsch-radikalen böhmisehen Abgeordneten den Antrag, ln Prag eine deutsche Kunstakademic ru begründen. Gegen diesen Antrag stimmten alle slawischen Abgeordneten mit Ausnahme des gegenwärtigen Präsidenten der tschecho-slowakischen Republik, des Abtjcorduetea Masaryk, Nach‘der Abstimmung stürzten zahlreiche tschechische Abgeordnete auf Masaryk und riefen ihm ״Verrätcr“ zu. Masaryk aber antwortete: ״ln Schulfragen kann ich nie nein sagen“. Audi Juden dürfen in Schulfragcn nie nein sagen, insbesondere nicht vor einem nicht- Jüdischen Forum. Demonstrative Stellungnahme gegen das Jiddische ist weder jüd sch noch zionistisch. Niemals hat der Zionismus die Frage jiddisch-hebräisch vom Standpunkte des Hasses oder der Ablehnung aus beurteilt. Unserer Auffassung nach kann es keilten vernünftigen Jiddischistcn geben, der gegen Hebräisch und keinen Hebraisten, der gegen Jiddisch sein könnte. Diese Frage wird vom Leben und von der jüdischen Geschichte entschieden werden. Durch Abstimmungen kann man diese Frage nicht lösen. M. Das Urteil im Prozeß Grünbaum Warschau (J. T. A ) Das Warschauer Kreis ge rieht "ha* nun das Urteil gegen die Redakteure antisemitischer Zeitungen, die dein jüdischen Deputierten J. Grünbaun» polen feindliehe Konspiration im Auslände vorge.vorfcn haben, veröffentlicht. Die Redakteure Stuszctclsky, VC'aszilewsky, Sczehlewsky sowie die anderen Angeklagten vvurden f r e i g c 8 p r o c h e n , da das Gericht ihnen ungeachtet des Mifiiingens des Wahrheitsbeweises ,guten Glauben zugo• billigt hat. J. Grünbaum wurde zur Tragung von Gerichtskosten in der Höhe von 53 Zloty verurteilt Das Gericht beschloß, den den Akten ,beiliegenden Auslandspaß Grünbaums dem Außenministerium zurückzusfcllen. Die Angeklagte:* und ihre Rechtsvertreter ergingen sieh 1« ihren Plaidoycrs In antisemitischen Auslassungen. Die Angeklagten kündigten• an, sie werden künftighin eine noch schärfere Tonart anschlagen. InfoKjjo RtuiroknapphcJS mußten zahlreiche Beiträge «ad Ortsgruppenhcrichte iär die nächste Nummer zurückgectelli werden« d c c 11 F F b 0 v s f? c t t