Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 102-103 (24.12.1924)
- Date
- 1924-12-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 102/103 JUHD1SCHEEUNDSCHAö Seite 741 11 unseren Tspn Von Abraham Goldherg, New Y01k, derzeit Berlin.*) fm Anfang, als die Zionisten die Fahne des zionistischen Gedankens aiifrolltcu und «'nie Hewegung Ihr den Aulbau der jüdischen Heimat schufen, waren sic sieh dessen bewußt, dah ihre Idee nicht eine Sache der Gegenwart, sondern der fernen Zukunft ist und wenn sic selbst nicht das Ziel verwirklicht sehen, cs ihre Urenkel aber vielleicht erreichen werden. Sie haben sic.11 dadurch nicht beirren lassen, sondern sich mit Lust und gern die an genehme Last der Arbeit mifgrbfndrt in «lern sicheren Gefühl, dal! geschehen wird, was geschehen nirrt', und!.ich mit l'insker gesagt, möge der fort auch noch so weit sein, unser Schiff segelt irrt( der Uibcr/cngimg, daß der Halen doch einmal erreicht werden wird! Nur Hcrzl war cs, der er in seinem Roman .,Alt-Neuland" wagte, einen kurzen Zeitabschnitt von zwanzig Jahren für d;.e Verwirklichung des Gedankens festzu'egen. Cr glaubte, 41.111 bei dem Staude der heutigen technischen Entwicklung und bei «lein rasdien Tempo ilnserer Zivilisation zwanzig Jahre eine lange Dauer sind. Erinnern wir uns doch alle, wie die Nüchternen danmis kritisiert und gefragt haben: kann man in zwanzig Jahren solch ein Ziel erreichen? Auch Hcr/ls Antwort im Motto des Romans ״Wenn ihr wollt, ist cs kein Miiivhcii“, befriedigte nicht. Man glaubte, <1.11! da .11-יוור unser Wille nicht viel ansrichicn wird und «!all rs eine Utopie ist, zu denken, daß zwanzig Jahre Zeit genug sind, sulch ein ungeheures Uutcarduneu durcluufuhren. Wie Italien sieh die Zeiten seitdem geändert! Inzwischen war der Krieg, der auch den Blinden die unvergleichlichen Potenzen 1111 Innern der heutigen Zivili• s.1(1011 gezeigt hat, die nur auf die Berührung des Zauber- Stabes warten, damit die größten Wunder gesehen. Dieser Zaubcrstal) ist der menschliche Geist, der Wille und die .Anstrengung.. Vor unseren Augen haben wir Völkerwanderungen ge• sehen, Vorbereitungen für Millionen Menschen wurden ge• troffen, Wohnungen für Millionen wurden errichtet, lenergim wurden gesammelt, die für Generationen ausrcielien könncn.Dic stumpfe Phantasie hat Schwung bekommen. Wir haben gesehen, was Herz.l in seinem ״Jiidcnstaat" arrge• deutet hat: Bei dein jetzigen Stande der Zivilisation ist die Schaffung eines jüdischen Heimes in absehbarer Zeit keine Utopie, sondern eine reale Möglichkeit. Herzl erkannte schon damals mit klarem Blick, «lall die Technik ein zweischneidiges Schwert ist: sie kann vernichten, aber sie kann auch durch chinirgisehe Eingriffe Linderung schaffen. Ir hat der Technik einen wichtigen Platz, in der Aufgabe der Erlösung cingcraumt. Das alles haben wir im Kriege geschert und doch haben wir keine Lehre daraus gezogen. Wir vergessen das Neue viel schneller, als wir dis Alte verlernen. Inzwischen haben wir politisch einen Triumph erlebt, von dessen Erfüllung noch in unserer Zeit wir nicht einmal zu träumen wagten. Es war eine Errungenschaft unter den ungünstigsten Umständen, Vorurteile waren zu überwinden, finstere Kräfte waren ara Werk, Schatten der Vergangenheit tauchten auf, die Hydra des Antisemitismus erhob ihr Haupt, eigene Verleumdung und Verrat — welcher geschichtlich bei jedem jüdischen Erlösungsversuch ersheint — drohten uns zu ersticken. Und doch haben wir es erreicht, anfangend von der Baifour-Erklärung bis zur Unterschrift des Mandats. Auf die Arena traf Weizmann, den man In den ersten Jahren der Bewegung als geistigen Gegner Hcr/ls betrachtete. Hcrzl wurde als der!?evolutionär, Weizmann als der Evo- Intimi,ar bezeichnet. Kalter, nüchterner Verstand bei dem einen, gegen den ungezügelten Flug der Phantasie bei dem anderen. Die Geschichte geht aber ihre eigenen Wege und manchmal ist sic capri ziijs. Sic wollte, daß Weizmann der wirkliche Nachfolger und Träger des Herrischen Gedankens wurde. Weizmann, der wenig von Politik hielt, ist der fishrende Politiker geworden. Unterstützt hat ihn hierbei sein grenzerioser Glaube und sein unbeugsamer Mut. Er ist an die Aufgabe mit Enthusiasmus herangetreten, und Entirusiasmus bei Ideen ist wie die Diagnose bei der Krankheit: fast schon die Heilung. Es hat große und schöne Zeiten während der Jahre gegeben, du die zionistische Organisation den Kampf für das Recht des jüdischen Volkes auf. Erez-Israel geführt hat. Es mag hierbei nur an ein paar Daten erinnert werden, um zu beweisen, wie wir cs verstandeil hallen, die jüdischen Massen aufzurüttelu: der amerikanisch-jüdische Kongreß, die Masr.cnpetition, die jüdische Delegation in Paris, der Kampf gegen die Assimilation, die rechts und links ihr Haupt erhob, das Schmieden der jüdischen Einheit über den Wassern, die europäischen Brüder fanden ihren Bruder Josef in Amerika, Josef bekannte sich zu seinen Brüdern, der Glaube spazierte in der jüdischen Gasse mit erhobenem Kopf, das Eicht der Zukunft durchleuchtete die trüben Wolken der Gegenwart 1 Aber wie rasch sind diese Zeiten vorüber gegangen. Nichts Kt davon zurückgeblieben, nicht einmal die Kraft des Weiterroilens in der cingesclrlagcncn Richtung. Enttäuschung ]־rocht mit ihren schweren Flügeln au unser Herz. Geblieben ist mir ein einziger Mann, der im Moment der Begeisterung, wenn er auf der Spitze stellt und das Land sicht und in die lechzenden Augen des Volkes schaut, doch das Wort Verkündet, daß mau Erez-Israel doch in zwanzig Jahren aufb,men kann als jüdisches Heim in kleinem Ausmaß, Dieser Manu ist Weizmann, uml eigenartig ist der Witz, der Geschichte: in einer Zeit, in der cs den Anscncin *) in einer amcrikaniscli-jiklisehcn Zeitung wurde vor einiger Zeit irn Rahmen einer Polemik, die sielt au eine die Tätigkeit des Herrn Goldberg in Deutschland kritisierende Zuschrift der Exekutive der amerikanischen Zionisten knüpfte, betont, daß Herr Goldberg seine Propaganda ״auf Initiative der deutschen Zionisten" tiilut. Zum Beweis wird erwähnt, daß seine Artikel in der ״Jüd. Rundschau" erschienen sind. Ohne uns in die internen Angelegenheiten der amerikani- *dien Zionisten cinmmischcti, müssen wir wahrheitsgemäß feststdlen, daß der Lamksvorstand der Z. V. f. D. die ziomistische Arbeit Herrn Goldbergs während seines privaten Aufenthaltes in Deutschland dankbar begrüßt hat Und ihm Gelegenheit zur Entwicklung seiner Ansichten In Versatnmhingen und Presse gab, ohne «iiß sich darum' die deutschen Ziouisien als Ganzes mit allen seinen Anschauungen Klcutifszicrcn. Unseres Erachtens ist aber 111 seiner öffentlichen Tätigkeit keine Illoyalität zu erblicken. hat, als ob alles zu Achad Ha,1111 geht, um ein geistiges Zentrum für die ferne Zukunft zu bauen, ist Weizmann, —י Ix kaut als Anhänger Achad 1!:!,׳uns —, der beste und einzige treue Nachfolger I Icr/ls, wenn vielleicht auch unbewußt, dadurch, daß er den Mut hat, das Ideal nicht in die ferne Zukunft zu legen, sondern die Möglichkeit sicht, das jüdische Heim noch in unserer Zeit zu errichten. Es ist Weizmann, der sagt, wir können in zehn Jahren ein wichtiger Faktor, auch in Zahlen gerechnet, In Palästina *ein! Er sieht und (glaubt. Merkwürdig ist cs aber, daß gerade diese Reden Wei/mnnns verwehen 11ml keinen Eindruck In unseren Reihen licrvorrufcu, während seine Nebenbemerkiutge 11, die «len Kiiuig «kr alten Aclmd l laam’schen Zelten wiedergehen, steta ein Echo bei uns finden. Ss^fcB dar EnGraa^no ׳ ln tiio Wahlliste für die Lamlosvorbanda-Wahlon! Ido Frint fttr die Kintrappincr in die Wnldlüfo für dio I,nwl!י״ v׳<-rl1n11111>wnhl1׳n n in J, Fcliriur lltnft fltr Berlin jz.rn 3, ,lanuar tOÄ!5 ab. 1)10 Binnprucliifrlrt wird sehr kurz sGn. Wer sieh mul *eine F»millennnt01׳»r>dt(tm bl* jeUlnoch nicht eingetragen hat, 11010 die* *ehlcnnlgst nnchf Die Zeit ist aber gekommen, da wir «len Mut haben rtiiissf•n, zum Volke zu gehen und ihm die Möglichkeiten Palastinns zu zeigen und im Volles den Glauben an seine Kräite zu werken, «las Land schon In unseren Tagen ruifzubaiicu. Wir müssen uns von unserem Pessimismus gegenüber unserem Volk, ebenso wie von unserem Pessimismus gegenüber unserem Lande befreien. Wollen wir doch aufhören mit unseren Redensarien — wir sprechen zwar nicht öffentlich darüber, aber doch wenn wir linier uns sind -- und in diesem Falle ist «1er Spaß mehr als eine halbe Wahrheit -- d1׳ß das Volk uns nicht gefällt. Wir sagen, wir hätlcn Palästina leicht aufhuicn können, wenn wir anstatt «lest jüdischen Volkes ein anderes Volk hätten. Daß das Land uns nicht gefällt. Wir sagen, wir Iiätlcn ein jüdisches Heim schnell errichtet, wenn cs anstatt Palästina ein anderes Land gewesen wäre. Das muß aufhören. Unsere Ahnen haben gut gewählt. Unser Land ist schön, bat große Möglichkeiten. Unsere Bibel, die in ihren Schilderungen unparteiisch ist, auch gegenüber den Größten bis zu Moses, hat nicht umsonst das jüdische Land als die Krone der Länder bezeichnet. Schwierigkeiten beim Aufbau des Landes sind schon «1.1, ich möchte sie nicht leugnen. Es wird bei uns zu viel von den Schwierigkeiten gesprochen und zu wenig an die Technik gedacht, die imstande ist, uns von den Sdtwicrigkeifen zu befreien um! den Weg für uns zu bahnen. Wir haben in dieser Hinsicht noch nicht einmal begonnen. Zu wenig spricht man bei uns auch von den Möglichkeifen des Landes, Schönheiten — min ja — darüber sprechen alle poetisch genug und wem cs an Eigenem fehlt, der braucht nur aufzufrischcn, was er in der Bibel gelernt hat, und die Hymne ist fertig. Aber nicht darum handelt cs sich. Das Reale sollen wir nicht vergessen. Unser Vo'k, wenn cs auch nicht ina'crialistisch ist, wie unsere Oegner cs schildern, ist cs dich realistisch und cs will wissen: Gibt cs in dem verheißenen Lande Hinig und Milch und Wein und Gerste und Weizen und Oel? Denn es weiß ganz gut, daß man den hungrigen Magen mit den großen Sternen am Firmament Palästinas nicht sättigen kann. Wir müssen in Zukunft eine ganz andere Art der Agi- Glien für den Aufbau Palästinas betreiben. Wir sollen dem Volke nicht mir vom verheißenen Lande erzählen, sondern ,Hielt von den Verheißungen des Landes, nirbt nur von der schönen Vergangenheit und der schönen Zukunft, sondern auch von der schönen Gegenwart, nicht nur davon, daß Pa* lästina Steine- und nackte Felsen hat, nur von dem herrlichen Wunder, daß auf dem Sande Palästinas nl'es wächst und blüht, daß auch der Stein Saat trägt, daß die Sonne Palästinas eine Zauberin ist, elfe aus einem Tropfen Wasser, der irgendwo hinfällt, Blumen und Bh'ücn aus der Erde zieht, nicht nur von den fV>rncn, sondern auch, daß man auf Weg und Sieg über;dl lich'ichcn Blumen begegnet. Unser Land hat sicher vieles nicht, was andere Länder haben. Unser Land ist jedoch nicht ärmer als Kalifornien, schöner sicher, und in unserem Land wachsen Früchte, die In Kaliformen nicht wachsen. Wir haben nur noch nicht gcnüge׳׳d gesucht und noch nicht genügend studiert. In unserem l ande sind Mineralien vorhanden, die für Generationen ein Reichtum sein können. Das Tote Meer Palästinas kann ein Meer des Lehens werden, wenn wir dessen Reichtümer amschöpfen. Auch das abschreckende Wort ״Ihr baut cuf Sand" darf uns nicht ängstigen. Tei-Awiw Ist auf Sand gebaut und ist doch schön. Wir müssen jede Möglichkeit stueüeren. Möglichkeiten der Agrikultur in erster, agrlkuHurcll-Industlollc in zweiter Reihe: eins ergänzt das andere und beide mflssen zusammenkommen; ferner die Möglichkeilen der Industrie überhaupt, und uns nicht scheuen vnr Handel, und müssen Gebrauch machen v11״ dem, was Gott dem Lande geschenkt Int: Klima, Rulun und gute Lage, und müssen große Ströme von Tonrisien heranzichcn. Es gibt *Inder, wie prädestiniert der Menschheit zu helfen, die Horizonte nitszubrclten, einen Funken der Mystik in ihre Herzen zat pflanzen, die Brüderlichki'ii der Menschen zu fördern. Eins von diesen Ländern Ist Palästina, und cs liegt in unserem Interesse nicht weniger als Im Interesse der Welt, die Touristik von P.ilästfna zu stärken und zu vergrößern. Denn unser Land ist nicht nur schön, sondern cs ist auch heilig und berühmt und verbindet drei Weltteile und ist Hunderten Millionen Menschen teuer. Wir sollen auch mehr Glauben an unser Volk haben. Wir mögen vielleicht Fehler haben. Wir wollen aber das Predigen gegen die Volksfchler und den gerechten Zorn den Dichtern, den Predigern und den Prophcten-Nachatimcrn überlassen. Was aber bat der Aufbau, den wir nur mit dem Glauben an das Volk errichten können, mit «Uesen Klagcmlen zu tun? Ist unser Volk so fehlerhaft, wie behnupfet wird, wie wird cs die Zukunft bauen? Wie können wir auf so morschem Holz ein 60 riesiges Stahlgebäude errichten? ■ Die nächste Numnteff der ״Jücf. Raadschan" erscheint wegen des Dolo^crlenlagoi erst Freitag! den 2. Januar Unser Volk leidet, blutet, wird gejagt, ist auf jeder Seite von Todfeinden nm/i״״clt. Weshalb sollen wir in .Mine Wunden noch Salz streu«:״? Ucbzrla;si-n wir «111 denn!, die Freude daran haben, sich selbst zu quälen und a!1 der Qual der anderen. Wir sind die Tröster des jüdischen Volkes. Wir sollen Tränen trocknen. Das ist unsere Auf- Rabe. Man kann von unserem Volke viel Kraft, Energie, 1 lingabc, Opfcrwilligkeit herausbekommen. Nur müssen wir eine andere Agitation betreiben: Wir müssen jede Schicht des Volkes mit dem Land verknüpfen, ״!rissen treue Diener des Volkes sein, für die Linderung «einer Not arbeiten und nicht damit zufrieden!•ein, ״Lieder /u singen, wenn sic In einem Meer von Tränen ersticken“. Die Jüdische Legion auf der einen Seite — sogar ln Amerika Inben sich t<111?c:1«lc junger Leute mit Freuden angcsclilossc« und ihr Leben aufs Spiel gesetzt, um an der Befreiung de.? Landes mit/u'ielfcn - r’ind jc.zt auf der anderen Seite tausende von Clialnzim aus «len (lassen des indischen Elends, die mit Mut und Freude kommen, um das Land zu beleben, — *ollen ein gelingender Beweis dafür sein, daß die Quel'e des Idealismus in miserem V dke 1;i,;ht 1frG*::t ist. Es ist unser Irrtum, wenn wir sage 1, «11(! der 1 l״a!i-msis nur auf eine Klasse, ein Land oder eine Schicht b ::׳c 1/t ist. Das ist nicht wahr. Wir batten Legionen in Amerika und wir haben jetzt Clialnzim in Deutschland. Fs hängt alles von uns selbst ah. Wir müssen glauben an die Kraft «!es Wortes, an die Kraft der Persönlichkeit und an die Kraft der Tat. Die zionistische Bewegung muß immer noch ein breiter, fließender Strom bleiben. Wir müssen ihn der Masse zugäirglicii machen. Wir dürfen uiif.crc Bewegung nicht in eine Sekte verwandeln, f ür «lie Bewegung ist die Masse das gleiche wie die l.nft für die Lungen. Eines der größten Verdienste Ifcrzls i.«t cs gewesen, daß er den Zionismus nicht, wie viele meinten, hcruntergebracht, sondern er hat die Massen zum Zionismus e-nporgehoben dadurch, daß er ihn der Masse zugänglich machte. Innerhalb unserer Bewegung gibt cs Raum für allerlei Schattierungen Meirichen, welche Opfer bringen und sich im Ganzen opfern wollen, sic können durch ihr Beispiel auf andere wirken. Den Zionisten, für den der Zionismus eine moralisch-ideale Bewegung ist, sollen durch Beschluß keine Lasten aufgehürdet werden, lassen wir den einzelnen sich eine Last nehmen; das gute Beispiel wirkt mehr als ein Beschluß, denn ein Gesetz können wir doch nicht machen, ihm wird die zwingende Kraft fehlen. Wir müssen die Initiathc verschiedener Schichten unseres Volkes ermutigen, auch verschiedener Persönlichkeiten, denn jede Persönlichkeit löst ihren Einfluß aus uud schifft eine Atmosphäre um sich. Die Demokratie ist kein Gegner der Persönlichkeit. Sic ist die beste Tribüne für die Personlichkeit turd wenn sic groß geling ist und mit ihr zu gelten verstellt, dann werden ihre Kräfte verzehnfacht, dann wird sic der Riese, der auf dem Montblanc sicht. Wir sind in letzter Zeit an Persönlichkeiten verarmt. Wer hat Schuld daran, Wellen wir nicht uns und nicht andere beschuldigen, sondern wollen wir lieber dafür arbeiten, Persönlichkeiten hcran/iizichcn, für sic Platz zu machen und den bei uns wirkenden Menschen die Möglichkeit zu geben, iiirc Energien zu entwickeln lind als Persönlichkeit zu reifen. Die Routine sali nicht den trotzigen Geist ersticken. Sogar wenn er manchmal ungerecht in seinen Aeßerungen ist, bringt er doch Klarheit und neue Gesichtspunkte und eröffnet neue Horizonte. Die Zionistische Organisation hat vom ersten Tage a;1 eine sehr schwere Rohe auf sich genommen, «md sic muß ihr gewachsen sein. Niemals ist die jüdische Not so groß, niemals ist die Möglichkeit der Erlösung so 11111 gewesen. Sie liegt als Potenz, sogar in der Not selbst Die Ca Ire» der jüdischen Massen sin«! jetzt bereit, ihre mit Tränen 11 id Blut dmehtränkten Wohnorte zu verlassen und ins Land der «cfreiung zu wandern. Sie wenden uns die Augen zu und fragen: ״Was!1.1t der Tag dort geboren". Wir können bei richtiger Methode, ernstem Studium, Schwung, politischem Vorgehen, Mut, Glauben a.1 uns und an das Volk, mit Optimismus und mit Leidenschaft schon in unseren Tagen das Volk ins Land bringen. Es kann sein ״bimherali bcjiinenu“. Man braucht nur dem berühmten Herrischen Spruch ״Wenn ihr wollt, ist es kein Märchen‘‘ eine andere Deutung zu gehen. Er hat sich damit an das Volk gewandt. Der/t ist die Lage so, daß wir Zioni-teu uns selbst sagen müssen, wenn wir Zionisten den Mut, Verstand und Glauben haben, ist c! kein Märchen, brau.hcn wir cs nicht in die weite Zukunft zu verlegen, sondern c> La׳;« schon heul* in unserer Generation geschehen. Die Majorität in unserem Lande zu erreichen, kann in einem Vicrteljahrhu::dert nicht schwer sein. Hatten wir 25 Jahre Zeft, bis uns die anderen Völker das Recht ail unser Land /״gestanden, darf cs uns nicht schwer tallea, in den nächsten zwanzig Jahren — fünf Jahre sind schon vorüber — mit der Hilfe unseres Volkes das Recht auf unser Land zu realisieren. Rabbiner Jacob Masc gesforbe« Der Rabbiner von Moskau, Jacob Masc, ist, wie J. T. A. meldet, am l'A Dezember nach längerem Leiden verschieden. Er stand im 61. Lebensjahr. In seinen letzten Lebensjahren war Masc sehr leidend und fast volls'ändig erblindet. Masc war weit filier «Moskau hinaus unter der russischen Judenschnft, die ilm ah eine repräsentative Gestalt des rusdsehen Judentums betrachtete, populär. Seit 30 Jahren war er Rabbiner in Moskau. In Zeiten jüdischer Not setzte er seine ganze Persönlichkeit ein, um «lie Not lindern zu helfen. Denkwürdig ist die Rolle, die er in dem Beilis-Prozeß gespielt hat. Während der Sowjcllicrrschaft war Masc der geistige Mittelpunkt aller jüdiscii-kuiur eilen Bestrebungen. Sein gastliche* Haus sali in der letzten Zeit alle hervorragenden Rußland* Besucher. Der vor kurzem angcki'mdigtcn Herausgabe seiner Memorfen *ah man mit großem liKcrcssc entgegen, Masc beabsichtigte nach Berlin zu reisen, um dort ärztliehe Hilfe ln Anspruch zu nehmen. Sodann wollte er ein« Reise nach Palästina unternehmen. Nun hat der Tod diesen Plänen ein Ende bereitet. Eine Gruppe russischer Juden in Berlin bereitet eine Trauerkundgebung au» Anlaß des Ablebens von Jacob Mas• vor,