Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 101 (19.12.1924)
- Date
- 1924-12-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2651273-2652595-2652689--16260-2675641- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
ץ—'«, I \ ן ו; £>» ■-*«J \ 1 1 .a 1.*• ä נ...« 11».•* W, ..\ C רק j ״,! י_ ה, ן ru»u—■»*! fiMf I« Aas lei« $d12c2p!d ״Die Umkehr des Äbtrönolgei‘4 Von Arnold Zweig, Zum Verständnis der folgenden Szene aus Arnold Zweigs Schauspiel brauchen wir nur auf Mariin Buben. Bnalschrmhuch zu verweisen; seine ״Vergessene Oeschichte" gal« «den Stoff ru dem grollen zweiteiligen Drama her, dessen ersten — selbständigen — Teil die Sonclno-GesuTschaff fflr ihre Mitglieder veröffentlichen wird. Der Bischof dieser Szene, seihst Jude einst, ist durch die geistige .Macht des Basischem zur Umlehr gebracht worden und nun Gefangener In seinem Palast Cr hat um eine Nadel, eine Kerze und eine lebendige Maus gebeten. Vierter Akt, vierte Szene.) .(Nachts, Im Zimmer des Bischofs.) Peter, sein Kammerdiener, Andreas, sein Sekretär, leise mit einer Kerze, Peter: Jetzt, um Mitternacht? Ihr seid ein Narr! — Unsre Erlaucht und Zauberei 1 Er und Hcxcnkunstl Er hat ein frömmeres i ierz als der Pelikan, was viel besagen will. Andreas: Mich hat ct behext; Ich zerre an unreißbaren Ketien. Ich werde lächerlich vor mir selbst t Ich muß selbst sehn. Eine Marts lebend in der Falte, da. Eine Nadel, ein brennendes Lieht. Ich verberge mich. Brat!zoll wcifl davon. Und du: bist still I (Verbögt sich hinter den Bettvorhängen.) Peter: Ein Junker hi Kntic, ein Junker ohne Kutte — — ein Junker. (Ah.) ׳ D c r B i s c 11 o f, im Hauskleid. Bischof (setz) sich): Oh, könnt’ ich mein Leben ungeschch'n machen, meine Taten mit der Wurzel nusjateu! Das ist der Fluch auf tinsertu Fleisch: die Phantasie de:־. Herzens dringt nicht sehr tief ... trägt nicht hinein in fremdes Leid ... ich habe Menschen verbrennen, andre mit dem Beil innbringen lassen. Wie Ist das? Was int ich ihnen an? W.i.s brüllte auf in ihnen? Was litten sie? Ach, in fremdes Leid cinsleigcn können wie in ein Kleid, das auch andere gewebt und geschneidert — und die Erde wäre wohl gerettet, oder mindestens der Mensch ... Wenigstens fühlen können selber, was ich andere fühlen machte! Ein Mensch kniet vor einem Block. (Kniet vor einem Stuhle bin.) Wie cnschöpft, wie ausgekänipft wie schon entmatmt vom Tode ist er sdion, um nicht zu schrci’n, zu zerren, zu toben! Die iiiindc auf den Rücken gebunden, so. Er wartet — und sein Herz, muß das aushnlten! — daß ein anderer Maisch zuidilägt. Denn ein Dritter, iiii, hat so befohlen. Ich! Ich! An midi kann er nicht denken. Er müßte sidi sonst crliredusi mitten im großen Sterben. (Kniet mit geschlossenen Augen.) Dann fährt kalt Eisen in seinen Hals — so! (Sticht sidi mit der Nadel in den Nacken.) Ohl Es schmerzt, aber weiter nichts. Ich tu's ja selbst, das zählt nldit mit. Das ist cs nidit. Ich habe gcschn, wie höllische Verzweiflung auf den Gesichtern meiner Opfer lag. Und die Folter der Todesangst. Und dio Qual der großen Hoffnung. Und der Trost des Martyriums ... Wunderbar, daß cs noch heute MSntertum gibt, in diesen voitn irischen Zeiten — allcreling» bei Juden ... Nein, Nadel, du hSfst mir nicht. Du gabst nur einen Stich und ein bißchen Blut ... (Lächelnd): Versudi* nur weiter; Kerze, komm’ 11er ... Man gleitet nicht leicht von der bequemen Seite des Mordes auf die dunlde ... (Sitzt): Ein Feuer aus wilden Fcucm. Eine Glut, die ehe Haut kräuselt, nur in der Kälte schon, und die die Haare, alle Haare knistern macht ... Oh, das Dt gräßlich;.. Es gellt •chon besser, der Oebt nimmt Lehre an. Und nun ein Mensch, Die Enkel (Sabbathabend in Kirjath Anawim.) Von I. Pell ach, Jerusalem. l>te Sabbaflisonnc sank auf die Oergspiizen Judäas herab und verbreitete einen rötlichen Schein wie ein Hawdala•« lieht, in den Lüften schwellte zarte, sehnsuchtsvolle Trauer wie ehemals im jüdischen Städtchen an einem winterlichen Sabbathabend. Vielleicht entstammt diese Trauer den Wolken, die aschfarbig rings um die Berge wallen, den Wolken des ersien erquickenden Regens in den Bergen Judäas. In der Baracke, die der Kwuza als Speiseraum dient, brennt schon das Eicht und die Nähmaschine klopft und singt ihr eintöniges Lied. Man hat sich um den Eßtisch gesetzt. Blinkende Reinlichkeit ringsum. Liebliche Reinlichkeit, wie sic einst von der großen Hängelampe im vornehme!! Speise-?.immer beschienen wurde, von dem großen Familiciitiscli ausstrahlte und die Gesichter der Söhne und Töchter, Schwieger• sölmc und Schwiegertöchter verklärte, die nach Iiawdal.1 in das große geräumige Haus zu kommen pflegten, um ira Warmen zu sitzen, Domino zu spielen eder über Politik 1md ParnoKsc zu plaudern. Einige Mädchen der Kwuza sitzen im Winkel, niilicn und sticken; ihre ruhigen Ocsiehtcr sind über die Arbeit gebeugt und atmen den Liebreiz der jüdischen Tochter; sic gleichen lebenden Bildern, die plötzlieh aus unserer alten verstorbenen Weit auferstanden. Das Auge sucht hier in dieser Speisebaracke der Kwuza, dicht bei der heiligen Stadt Jerusalem, die hohe Gestalt des Großvaters, der still in seinen krausen Bart liincinlächelt Doch der Großvater ist nicht da. Er ist gestorben und sein Haus zerfallen, die trauliche Hängelampe hat die haarige Faust eines Banditen zerschlagen, der Fainilicntisch wurde in einem fremden Bauernoien verbrannt und die gutmütige Teemaschine summt jetzt Ihre traute Melodie auf einem Bauerntisch in irgend einem ukrainischen Darf. Großvater ist tot, aber seine Enkel!eben. Sie leben und wirken weiter das Gewebe der jüdischen Familie. Man spricht gerade über die Arbelisfragcn der kommenden UPoclic. Die״ Reden fließen so einfach und sachlich dahin, *is ob cs eine Erleichterung für die jungen Arbeiter wäre, die noch nichts anderes gelernt haben, als ihre Werktage *u feiern. Tage der Arbeit und abermals der Arbeit Körperl Alle Haut, die ein ein Mensch wk Ich, ganz wie ich, ganz wie Ich, ein Siöck Ich, ein Stcllvcrtrcler-Icb, ehr Judcn-Ich ... Tod und Ver* z\veifhmg ... ö Gott! Das Feuer, das rasende Flammen• tier ... Und das Menschentier hinter mir, um mici», rund hemm, Gesichter sic, die nichts fühlen, die leisen bleiben, zu schau’n ... Menschen! Solche Verlassenheit glbt’8 auf Erden i Und oben an schönen Fenstern, auf edlen Teppichen, ich mit Blicken ... öh, da* ist Verzweiflung, das ist das Acu!;eiste des Leidens: und mnt, da ich unten, Im Anhauch der Glut — Jetzt stößt er mich Ins Rasende. (Stößt seinem Finger in die Kerzenflamme.) Ol»I Ohl Das erträgt mar» nicht, das kann kein Mensel» ... (Besieht eelncn Finger.) Ocl, das lindert. (Taucht schien Finger ins Ocl des ewigen Lichtes.) Oh, am ganzen Mensch hat! Und ich, der dl« veranlaßt«־. Das ist der Wahnsinn, langsam geht mir auf, wie lang mein Weg sein wird ... ,Komm’ nun Schluß! Des ist ein Mäuschen; kleines. Tier. Ach, wie seine blanken Augen zu beiden Selten des zierlichen Naschens glänzen! Warie nur, halt’ »tili, gleich will ich dich unibriiigen mit meiner Hand, Sieh: diese Hand hat Urteile gezeichnet, sie 1ut!er»clirieb Edikte. Und anderen Menschen ließ sie die Tat. Vorwärts, Hand! Nim »elbcr Mut, nun selber! Tu’s selbst! Die Nadel, noch einmal! Es Ist mir ein Mäuschen — alxsr: selber töten, Richter I Selber das Blut hervorlocken 11ml das Leben kappen I Wie es hin und her läuft, seinen kleinen Geruch ausströmt slcli putzt. Es ist kein Maisch, Johannes, es ist eine Maus! Nichts als ein Nagetier, schädlich genannt. Vorwärts, *tlch'» 111s Gehirn 1 Such ein kleines Herz! Nimm es kühn aus seinem Käfig und knack ihm tüchtig das Genick! Erstick’, erdrück' cs mit der Mandl Du gabst doch Todesurteile von di(, für Mensdten wie du selbst ... O Gott! Es will nicht Ich kann cs nicht ... Ich bring’» nicht auf. Line Maus ... eine Maus ... (Legt die Stirn auf die Arme, weinend.) Menschen ließ ich töten. Man müßte jeden Richter zwingen, cs selbst zu tun ... (Trägt die Mai« zun! Fenster,) Da, laut’ deiner Wege! Frißt dich Eule oder Katze, 80 fällst du doch in Gottes Hand Und jetzt, laß seh’n ... Hier liegen *Ic, ich bai sie mir aus von Juden hier ... Lange Riemen, große Kapseln — schöne TcfilHn ... Kann Ich's noch? Ich kann’s dodi nicht mehr. Vierzig Jahre außer Brauch. Dies hier: vor die Stirn. (Entblößt den Arm.) Und dies — wie? Laß sehn: w־as sagst du mir? ״Bände sie zuin Zeichen an deine Hand“ — so, hier, jetzt dies — ״und sie seien ein Stirnband zwischen «b inen Augen" — — ich kann es noch — vierzig Jahre! •— Idi bin daheim. (Sinkt ohnmächtig um,) Andreas (tritt hervor): Wie fremd ist das. Das Ist kein Maisch. Das wühlt sich fürehicrild» in sich — — Er dreht sich, stöhnt. Wie kühl das ansieht, wer geheilt, gottlob. (Steigt über den Liegenden) Peter. Peter! Vorhang. . Ein Me adele M ocher Sephortm Museum. In Mo* kau wird in kurzem ein jüdisches Kulturmuseum ״Men delc MochcrSephorim“ zum Andenken an den ״Großvatcr" der modernen jüdischen Literatur, S. J. Ahramowitz, eröffnet werden. Das Kultur-Museum 8011 ein Bild von der Entwicklung der jüdischen Kultur in allen ihren Zweigen, wie Literatur, Kunst, Eraehungswesen usw. geben. Das Museum wird «auf Grund eines Beschlusses der vor kurzem in Moskau stattgefundenen ali-russischen Konferenz, der jü• dischen Kultur- und Bildungsftinkilonärc begründet. ihre Sorgen sind zahlreich, unzählig. So klein sie sind, klein wie Stccknadclknöpfc, summieren sie stell doch zu großen Summen, Die Wirtschaft hat hundert Finger, und alt die Finger haben den Menschen umklammert und halten ihn wie mit einer Zange fest. Alles muß vorgesehen werden, und alles will zur richtigen Zelt getan sein; cs Ist eine Wirtschaft freier Arbeiter und jeder tnuß auf jede Einzel* hat achlgcben, wie ein Künstler sein Werk überwacht. Einer spricht über die Arbeit der kommenden Woche und die anderen lesen ihm die Worte vom Munde ab, scheinen mit den Augen zu hören. Wo ist nur Großvater! Schade, daß er nicht hier am langen Tische mitsitzt. Der Alte würde sicher zufrieden sein ,und In seinen krausen Bart hinein• liebeln. Ich glaube ilm dort beim Bücherschrank zu sehen: Seine Augen schauen ernst .... Schwer und drückend sind die Berge Judäas und noch schwerer und drückender sind die Sorgen der großen Wirtschaft hier zwischen den einsamen Felsen. Die Enkel aber brachten das ernste jüdische Familie 11 ge fühl mit und das hält sie aufrecht. Wie eine große Familie kamen sie hierher Ins Land gezogen, zusammcngchumicn durch Jugcmlgcfühle, Kindheit*• crlniicnmgcn, gemeinsame zionistische Arbeit und gemein►• reime landwirtschaftliche Vorbereitung, Wie eine Familie — eine Kommune — ließen sie sich nieder jm wüsten Gebirge, sind dein Orte ircu geblieben und zerstreuten sich nirlit in alle Ecken des Lande.*. Ihre Ecitidce vom Leben der Kwuza begannen sie zu verwirklichen, indem sie sich zu Familien Zusammenschlüssen: Chawer und Chawera, Chawer und Chawern, und eine neue Generation in die Welt setzten, auf dem Boden, der erst fünf Jahre des Schaffens hinter sich 110t. Tag und Nacht denken sic an die im Oaluth verbliebenen Verwandten und hnhoti bisher schon an </) Seelen berübergebradit. Und darüber hinaus sorgen sie um den jüdischen Jiseliuw im Lande, und ihre Herzen bluten beim Anblick der traurig-kahlen Berge Judäas, und um den Jiscbuw zu vergrößern nahmen sie, trotz der schweren Lebens- Bedingungen, noch eine Kwuza bei *leb auf. Und endlich gibt es mach eine größere Familie: die Gemeinde Israels, eine große, blutende Gemeinde Inf' Önhitli, deren Erinnerung dem Herzen eingebrannt ist, wie die tieftraurigen Worte, die - —J f *SlTI «k‘* Das Wesen der jQdlseliea Politik Von Han» Kohn. Durch Entgegenkommen des Verlן,״« Meyef P•׳ Jessen (München) sind wir in der Lage, einen Ab* schnitt aus dem soeben erschienenen empfehlenswerten Buche ״Die politische Idee des Judentums" abzudrucken, dessen Besprechung wir uns Vorbehalten. Da* Buch zerfällt In drei Kapitel: ״Das Wesen״ ,״Das Werden". ״Die Lehre". Der hier wlcdergegcbcmc Auf• *atz Ist dem zweiten Kapitel entnommen. Da* Judentum Ist keine Religion. Es ist ein lebendige* Volkstum, das au* *einem N'ationalcharakter int Laufe der Geschichte eine Religion, eine bestimmte politisch-sittlich* Haltung der Welt gegenüber geschaffen hat. Es lut kein* abgeschlossene Kodifikation, cs hat kein System, keine Dog• matik, kein Giaulmi.sbckenntnis. UeberaU finden sich Wider• Sprüche, entgegengesetzte Lehren, die ganze Fülle der natiir* liehen Lebensbreite eines Volkes, das wie jedes andere die Menschheit im Kleinen ist, dem keine menschliche Regung fremd ist. Der Talmud ist nirgendwo eindeutige Entschei• düng, sondern überall Wider« treit verschiedener Lchrnicimn gen, alle Ansichten kommen liier zu Worte, er ist nicht abgeschlossen, Kommentatoren haben bis in unsere Tage an ihm weitergearbeitet, ihn ergänzt und ihn abgeändert Da» Ist das Wesen der mündlichen, der lebendigen Lehre, daß, wenn das Buch geschlossen ist, der Mund offen bleibt Denn• noch ist das Wesentliche unverkennbar gleichartig. Es ist im Anfänge nur keimhaft angelegt, cs bricht erst im Laufe der Jahrhunderte durch. Die Kriege Israels /u Beginn seiner Seßhaftigkeit sind blutig wie alle Kriege dj<» Altertums oder der jüngsten Vergangenheit, sind sitiiicli unzulänglich, wer• den aber «och ohne Anfechtung als gerechtfertigt empfunden. Doch von Mosas an gewinnt eine neue Auffassung Immer mehr Boden, ist da, wenn sie auch noch nicht das Volk durch• dringt, «och nicht alle seine Handlungen bestimmt, alter durch alle Unzulänglichkeiten ringt sic sich durch. Die Handlungen, die gegen die Lehre verstoßen, werden als solche getadelt, der Kampf um die sittliche Vollendung beginnt, um «he Heiligung Israel» ai» eines Volkes von Priestern, 11m die Bereitung der Erde als Stätte der Gotteshcrrschafi, Die Propheten erkennen In voller Klarheit diese Aufgabe Israel«, eine svalire Gemeinschaft als Stätte Gottes auf Erden zu schaffen. Die aus dem babylonischen Exil Zurückkch rendei» fragen dieses BiW einer neuen Zeit unvertilgbar in ihren» Blute, Oott und die sittliche Wirklichkeit und die Aufgabe politisch-geschichtlicher Gestaltung sind diesem Volke nicht getrennt, sondern unaufhörlich Eine». Alle spätere Lehre, alle spätere Lcben*gcstaltu11g sind davon beherrscht. Oegen den enthusiastischen Willen zur Gestaltung eint* vollkommeneren Gemeinschaftsleben* stemmt sich die natiir• liclie Trägheit der Menschen. Die Inder waren Schöpfer auf dem Gebiete der Erkenntnis, aber die Frucht ihre* Den* kcns, die Idee, sonderte sich bald von dem Menschen, der sic gefaßt, von seiner Unvollkommenheit und Schwäche; sic begann ein eigene», objektives, In sich vollendetes Lehm! zu führen. Das gleiche gilt von den Schöpfungen der Grie* eben, Kunstwerken und Wissenschaft. Aber der Jude ist schöpferisch 111 der Tat, sein Material die men« chlidte Ge• rneinsdiaft, seine Schöpfung nie in sich selbst vollaidct, nie vom Menschlichen losgelöst, sondern verworren und verstrickt in alle Unzulänglichkeiten um) Trübungen. Daher hat auch all seine Schöpfung notwendigerweis«: etwas von der Schuld.des Menrehen an sich; sic ist nie endgültig er• ober(, sondern immer wieder aufgegeben. Schöpfenreh sind im Judentum wie überall die großen Menschen, nicht der Durchschnitt. Dieser aber bestimmt auch nicht den Chi• raktcr einer sozialen Erscheinung. Von den großen schöpfe* rischen Individuen aus durchdrungen die Ideen das Volk. Nirgendwo, soweit wir wissen, ist seitens des Volkes gegen III. ».1, 1- ■11 I■ - - 1,1,1. I ■■■1■ —1 ■11. ■I 11. 1 י■ ו ווו - ...» ' '!■■V über dem Vorbeterpult verzeichnet stehen: ״Stets stelle ich mir Gott vor Augen". Und nun sehe ich den Großvater beim Bücherschrank und seine Augen lächeln enui. Der Webefaden fliegt unablässig hin und lief, ln der armseligen Arbeit:.b.ir.H'kc, beim dunklen Lieht, beim Klappern der Dlcclißcactijrrc, beim Gesang der alten Nähmaschinen wird das Gewebe des jüdischen Stammes gewirkt. Grau ist das Gewebe und alles schließt es mit ein: Die neuen Bewaidungsarbeiten de* Keren Kajemeth, die kranke Kuh, die verkauft werden «11<י, die gemeinsame Kiiufcrcrzi.-.hung, der neue Lenker für das Lastauto, welches die Milch zur Stadt bringt, und die hartnäckigen Bemühungen» den Markt in der Davidstadt zu erobern. Markt — ein altes und sogar bekannte» Wort, aber doch klingt es hier anders. Junge Leute reden über Arbeit, und die Worte türmen slrh auf wie wilde,, grau« Gestein. Ah und zu kommt auch eine Diskussion nach Galuthart zustande, es fehlen die zarten Nuancen, die Nuancen sinnvoller Pause; auch der gutherzige Witz ist noch nicht stilisiert und doch flattern in der Luft der Arbeitsbarackc die ersten Eä׳i:1׳ des Volks• tilmilchen hebräischen Gespräches. Ein Ptirpnriadeu ienditet schon auf: die Schlichtheit. Jene Schlichtheit, die uns in den Ktndcrjalircn bezauberte, al» wir Großmutter* kleine silberne Kassette mit den einfachen Ohr- und Fingerringen und dem ״Silrntüchel" darin zu öffnen pflegten. Und die Schlichtheit lat der Beginn eines neuen Stiles. Und .11* der erste Regen da draußen plötzl'esh rasch zu fallen beginnt, da verstummt alles in der Baracke. Einer nach dem anderen tritt auf die Schwelle. Es herrscht Stillschweigen. Der Regen rieselt nur erst dünn uad durchsichtig', als ob er seinen ganzen Zorn für die Nacht bewahrt. Nur die Berge liegen schon schwer und nielrig da, als ob sie voll Demut die last des Segens auf sich nähmen. Und immer deuilicjirr tritt ihr Slotf hervor, jener harte, bröckelige und doch ewig lebende Stoff, jenem Volke gleich, das hier seine Propheten gebar. Der erste Dinner rollt. Wäre Großvater hier, so würde er rult großer Innigkeit den stillen Segen sprechen: ״Daß die Welt erfüllt sei von Deiner Stärke und Kraft". Und die Enkel würden tief la ihrem Herzen «ntWorten: ״Amen". 1 י