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Jüdische Rundschau · 1924-12-16 · Heft 100 (16.12.1924) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 100 (16.12.1924)
Date
1924-12-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 100 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 721 Die Zukunft der Zionistischen Organisation Von Dr. P e r 11 z , Gotha, Der folgende Aufsatz stellt einen — leider notvcndigcrwcisc gekürzten — Abschnitt dar aus einem umfangreichen Referat״ das Dr. Peritzin der ״Thüringer Zionistischen Gesellschaft“ gehalten hat. Er ist ein hcincrkcnswerter Beitrag zur Diskussion jenes wichtigen Problems, das auch den bevorstehenden Delegierten!,1g der Z. V. f. 1). beherrschen wird. Red. Bisher bestimmte in absoluter Ausschließlichkeit die Aufbiingung des Palästina-Budgets die äußere tutd innere Polilik unserer Organisation. Die notwendige Aufbringung der fielder konnte in einer Organisation, die für ihre Mitgliedschaft das Baseler Programm und den Schekel verlangt, nicht anders in Angriff genommen werden, als durch Simmel-Aktionen, durch Bitten um Spenden. Da die Spenden in Europa sp:irlieh cingiiigcn und auch durch die herrschenden Gcldvcrhältntese entwerfet wurden, begann der Sammelfeld/ug in Amerika. Diese Samnielfckl/üge versuchte mau zuerst durch sehr schnelle Aufnahme arm einflußreichen Judengruppeu in ehe Org.utisatien lukrativer zu gestalten. Als das nicht entscheidenden Nutzen brachte, mul die Not des Budgets immer größer wurde, versuchte man cs mit der Koalition und der Veratinrrung höchster Rechte an die Niehtzionisten. Wahrend so der Weg unserer äußeren Polilik lief, schwand die He- *11 utung unserer inneren Politik in zunehmenden Maße, bis sie aulhürtc, ernsthaft zu existieren. Jede Präge stand im Schalten unserer ,luderen Judenpolitik, und keine konnte cs wagen bis ins Pichl bedeutsamer Beschlüsse zu treten und ihrerseits die Budget frage in den Hintergrund zu dran gen; denn;111 der Beschaffung der Gelder für Palästina hingen die vitalsten Interessen des Zionismus. So war jede Opposilion im Keime bereits tot, schon an sich unfruchtbar, da sic cs selber nicht wagte, die Erledigung der Biidgctfragc zu hemmen. Im Gegenteil spannte diese furchtbare Geldfrage, die wie eine Geißel über uns schwebte und noch scliwcbi, nicht nur alle kritikfreien Menschen vor ihren Wagen, sondern mich jode Oppositionsgruppc. Unsere besten Men sehen winden GcUlsnmmler und ihre eingesetzte Intelligenz inulUe erniedrigt werden, weil es ausschließlich diesem einem mechanischen /.wecke diente und nirgends frei sich entfalten und walten konnte. So wurden unsere besten Menschen Beamten der Organisation. Und da diese selbst fast bis zur Ausschließlichkeit dem Keren Hajessod und Kajemeth dienten, wurden unsere besten Menschen Beamte dieser Ponds und nicht Beamte unserer Bewegung. — Leer nu Menschen und fasziniert durch die eine Aufgabe der Gcldsamnilungcn ohne!Möglichkeit sich zu regen um ihrer selbst willen, mußte unsere Organisation innerlich verarmen, mußte das, was wir zionistische Bewegung nannten, verlöschen oder . . . vor ihr flüchten. Wenn eine Bewegung alle ihre prominenten Köpfe und alle ihre Unterführer — und sei cs um. des größten Zweckes willen — zu Organisationsbeamten zu machen sich gezwungen sieht, so ist das eine derartige Urherspannung von Zentralisation, ־־'׳ß daraus mit Notwendigkeit jedes Leben in ihr auf hört. Die Organisation bat auf ihrem Weg durch die Agency- Präge einen starken Rückstoß erhalten. Sic zögert den Weg der letzten Jahre zu Ende zu gehen, ihre Menschen wpHi’11 etwas anderes sein als die nichtzionistischen. Palästinafördcrcr. Alle Ermahnungen der letzten Jahre: Man müsse die nationale Idee stärker als gegenwärtig in den Mittelpunkt der Organisation stellen, waren und blieben theoretisch, weil sie keinen unmittelbaren Ausdruck in Tatsächlichkeiten fan* den, keine Fakta schufen, die durch ihr Vorhandensein wei- (er wirkten. Diese Haltung der zionistischen Organisation ist also hislicr nur eine rein negative, aber sie ist doch zu entschieden, als *laß nicht niizimehmeii ist, daß sic sich in Bälde in eine positive verwandeln wird, vor allem deshalb, weil diese Haltung nicht politisch, sondern rein menschlich, d. 11. nationaljüdisch bedingt ist. Denn politisch ist die äußerste Förderung, der das Budget aufbringenden allgc- $׳־־r %*י^1י*?.'י־ייי. ®’יןך“ןן! •5!י״ ״ , 1.50 21, Albert und Küthe 0.502t. mit einer 'Jiite ah Auttehntidehogtn (Uefe-bar ah 18. Dezember). Keren Kajemeth, Berlin, Mclnckcslr. 10 oder durch die Örtlichen Vertrauensleute. meinen Palästinagcscllsclialt voll gerechtfertigt, die Chain• ziut.11 und alles Leben geben auch so ihren Weg; menschlich gesehen aber schalten sich unsere besten Leute — und da sie Träger der Organisation sind, diese mit ihr — aus dein Kreise der persönlich und direkt mit Palästina verbundene 11 für alle Zeit aus, So stehen wir heute am Scheidewege: Auf *1er einen Seile führt der Weg in die allgemeine Propal.isUiingcseilsehaft, auf der anderen Seite führt er zur geistigen Mitbürgerschaft Palästinas; dahin, wo unsere Jugcnclverlkindc stehen. Der Ausdruck aber, den eine solche Entscheidung finden müßte, kann nur derart gefaßt sein, daß er alle Prägen Palästinas vom Standpunkt eines geistigen Bürgers des Landes beantwortet, daß er vor allem die brennende Präge des Budgets von diesem Standpunkt heantwortet, d. 11. thircli wirkliche Steuererhebung. Steuern sind stets eine bittere Angelegenheit, aber wie jeder weiß, eine notwendig*•. Dieses Wissen tun die Notwendigkeit der Steuern lut aber nur der, der sie für sein Land zahlt! Nur derjenige und kein anderer! Nur derjenige aber dürfte Mitglied der zionistischen Organisation sein. Der Schekel ist völlig antiquiert. Zu diesem einschneidenden Faktum, daß die zionistische Organisation dazu überginge, zur Deckung des Palästina- Budgets eine Steuer niifzulegcn, die in geeigneter Weise auf ihre Mitglieder verteilt wäre, bedarf cs einer gewaltigen Umstellung unserer ganzen Gesellschaft, — Die zionistische Bewegung hat in ihrem so kurzen Leben schon viele Generationsriiigc angesetzt. Das Bild unserer Bewegung hat oft gewechselt. Der Wechsel der Bilder aber hat sic!» stets unter Kämpfen vollzogen; denn viele unserer Menschen ergriffen nur mit ihrer Vernunft die jeweilige Ideologie, sic kamen zu uns lediglich deshalb, weil unsere gerade obwaltende Ideologie ihrer Weltanschauung entsprach. Sic drangen nicht zur Idee selbst vor, die cs nicht nur gestattete, sondern die in ihrer Lebenstülle dazu reizte, von Immer neuen Punkten angegriffen zu werden, immer neue Lclirineinungeii prov«»• zierte. Von Generation zti Ocncrafion blieben diese an der jeweiligen Ideologie Hängenden, am Wege der Bewegung licgen; was heute noch an Menschen, von unserer Idee beherrscht, au ihrer Erfüllung baut, sollte die Zeichen der Zeit dahin zu deuten verstellen, daß ganz Einfaches aber ganz Umwälzendes über uns steht, sollte verstehen, c'nß heute die unaufhaltsam fortschreitende, ewig fordernde Idee unserer V1״ k s w c rd 1111 g von denen die unter ihr loben wollen, die reale oder die geistige Staatsbürgerschaft Palästinas verlangt mit allen ihren Pflichten. Und sie läßt nicht mit sich handeln. — Diese Ideologie der geistigen Staatsbürgerschaft hat schon mehrfach versucht, zum Durchbruch zu kommen; besonders heftig während der Welt• An1 Sonntag, den 7. Dezember, sollte Hans Heinz P.vzers iti Lemberg eine Vorlesung aus seinen Werken halten. Eine Gruppe an(i׳,emiti.ün׳r Studenten drang in den Saal ein 1111*1 ließ Ewers nicht zu Worte kommen. Vorher hatte das nalioaiatdi'inokratUchc Organ ,,Slowo polski“ gegen Ewers gehetzt, den es einen ״jüdischen Literaten“ nannte. Ewers mußte die Vorlesung abbrcchcii. Literarische Mitteilungen r r c 6 d n;1 :i '» x n a -x rir e u Der Essay ״Die politische Idee des Judentums“ von Hans Kolin, auf den wir bereits kurz hingewiesen haben, ist nunmehr im Verlag Meyer Pc Jessen (München) als Buch erschienen, (!׳reis 5,50 M.) Bei Ruetten ßc Loening (Frankfurt a. M.) erschien ein neues Duell von Martin B11 her, eine Sammlung cliassidischer Anekdoten unter dem Titel ״Das verborgene Licht“. Der Welt-Verlag (Berlin) gibt noch rechtzeitig zu Ch.inukkah einen schönen OcsclieiiKbaud heraus: Heinrieh Heine, Confessio Judaica, eine vollständige Zusammcnstellung sämtlicher auf Juden und Judentum bezüg- Bellen Stellen aus Heines Werken und Briefen, redigiert von Dr. Hugo Bieber. S. Tolkowsky hat die Geschichte der Stadt Jaffa seit Beginn der historischen Ucberliefcrimg bis zur Gegenwart geschrieben: ״The Gateway of Palestine. A history nt Jaffa“ (London E.O., George Routiedge ft Sons, Ltd.). Das interessante Buch ist schön ausgestattet und mit einer Reihe guter Bilder verseilen. ״Jüdische Gedanken und Gedanken über Judentum“ hat der englische Chief-Rabbi Dr. J. H. Hertz aus der ganzen Weltliterat tir .־uisgewüiilt und zusammcngcstellt. Eine autorlgierte Uei>crset/ung aus dem Englischen besorgte Rosalie Be ries, ein Geleitwort schrieb Dr. Felix Pcrles (bei Gustav Engel, Leipzig l‘)21), . in *Ich ״Beiträgen zur Wissenschaft vom A. T.“ (Heraus• ::eher Rudolf Kittel) des Verlages W. Ko 111 h a m ni e r, Stuttgart, kamen vor kurzem zwei neue interessante Hefte heraus: foli. de Groot, ״Die Altäre des Salomonischen Tempels“ (Heft 6) und Rudolf Kittel, ״Die hellenistische Mystcricnreligion und das Alte Testament“. Im Verlag ״Dw ir M ik ra“ (Bcrlin-Halcnsee), dessen Bibel-Atlas wir hier bereits angezeigt haben, erschien nun auch (in hebräischer Sprache) eine ״Geschichte der Bibel• kritik“ von M. Solo w c jezik und Salrnan Ruhaschow, Wir verweisen auf die vom Neuen Deutschen Verlag (Berlin W 8) herausgegebene Mappe von 7 Originallitlio• piphicn moderner Künstler ״Krieg“ (zugunsten der Kunst• «fhilfe), die Blätter von Otto Dix, George Groß, Otto Nagel, K.ite Kolbvitz, Willibald Krain, Rudolf Schlichter, Heinrich Zille enthält mul gesunde Besimumg fördert. Die Gedichte und Briefe des jugendlich verstorbenen hebräischen Dichters Micha Josef L eben so n erschienen mit einer Einleitung von Jakob Fielt mau fin Verlag ״Aja* not 11“, Berlin. Im Safruth-Verfag (Rath & Präger), Wien, kam eine Sammlung biographischer Skizzen von Z. F. Pinkelstein heraus unter dem Titel ״Stürmer des Ghetto“, J. Well hause 11s Untersuchung über ״Pharisäer und Sadduzäer“ ist in zweiter, unveränderter Auflage in der Orient-Buchhandlung Heinz. Lafalre (Hannover 1921) erschienen. Derselbe tun die Förderung der Kenutnl* des Orients anerkennenswert bemühte Verlag brachte auch eine deutsche Uebersetzung des arabischen Philosophen Al-Ghar.äli her• aus, ,,Die kostbare Perle im Wissen des Jenseits“ (Aus dein Arabischen von Mohammed Brugsch). Ferner erschien daselbst eine Abhandlung des Rabbiners Dr. J. Günzig (Antwerpen): ״Das Jüdische Schrifttum über den Wert des Lebens“. Erwerbung der Bibliothek des Dr. Theodor Goittpcrz. Ein großer '1 eil der Bibliothek des vor einigen Jahren verstorbenen bekannten Philosophen, Universitäts-Professor Dr. Theodor Goniperz, ist für die jüdische Nationalbibi iothek in Jerusalem erworben worden. Dr. Goniperz war einer der größten Kenner des griechischen Altertums. Reine Bibliothek enthält vorwiegend Werke philosophischen, hi'40rischen und naturwissenschaftlichen Inhalts. Zahlreiche Bücher enthalten Petiktationen fast sämtlicher Oclchrter und Forscher des letzten Jahrhunderts und sind mit eigenhändigen Beincrkungcn Goniperz.' versehen. Den ztiui Ankauf dieser Bibliothek nötigen Betrag hat Dr. Magnus, der z.urzelt fn Palästina weilt, zur Verfügung gestellt. Umwälzung flach Kiie׳•.*Schluß. Jetzt aber Ist die geistige Staatsbürgerschaft Palästinas ein ebensolches Erfordernis wia die reale, denn der Aufbau unseres Landes sucht nach Bürgern, wo sic auch immer hausen mögen, nach Menschen, die für seinen Haushalt ״bürgen“. Wem anders sollte der Ruf vor allem gelten wenn nicht der zionistischen OrganisationI Wir haben zu wählen zwischen der Mitgliedschuft einer Propalaslinagcscllsrhaft und der Mitbürgerschaft Palästinas. Weichen wir der Entscheidung aus und beiutworten wir sie garniclit, so entscheiden wir uns damit auf jeden Pall gegen die persönliche Verknüpfung mit Palästina. Es wäre töricht, nunmehr die paradiesischen Zustände schildern zu wollen, die dann eintreten würden, wenn unsere Organisation den Notwendigkeiten des gegenwärtigen Augenblicks in soeben gewiesener Weise Rechnung getragen hat. Aber das Morgen wird besser sein, als das Heute, denn es wird freier sein. Freier im doppelten Sinne: erstens wird unsere Organisation frei sein von allen Opportunitätsriieksichten, die bislang jede jüdische, nationale Regung erstickten, wei» sic nicht nach außen dringen durften. Er bedarf der Aufzahlung gewisser Aufgaben, — lind eder wird den Reiz verspüren, den ihre Erwähnung auf ihn ausiibt, -• um zu zeigen, welch verschiedenartiges Leben im Augenblick politischer und persönlicher Freiheit in unserem Kreise cinzichcn würde. 1. Unser Volk ist zwar völkerrechtlich anerkannt, de? Charakter der jüdischen Gemeinschaft, als Nation angc• sproclicn, bleibt aber solange tatsächlich ein konfessioneller, als nicht die Bevölkerung aller Länder, in denen Teile unserer ricniciiischnft leben, dazu gebracht worden ist, ihr Bild von dem, was jüdisch ist, grundsätzlich zu ändern. Bemühungen in dieser Richtung sind nicht nur deshalb von höchstem Wert, weil ihr Erfolg erst die papierene Anerkennung zu einer lebensvollen machen würde, sondern vor allem deshalb, weil nicht nur Niehtzionisten, sondern auch wir selbst und unsere Bewegung der überstarken Wirkung einer anders zu uns eingestellten Umwelt nicht unbeeinflußt ausgesetzt bleiben. — Die Wirkung einer solchen Umstellung auf unsere Mitbevölkerung können wir nur richtig ermessen, wenn wir an *lic eigene Umstellung ztirückdcnkcn, die der jüdischnationale Gedanke in 1111s hervorrief. Die Frage, was jüdiscli ist, bewegt die anderen Völker fast so wie uns selbst. 2. Möglichkeiten, nach Palästina übersicdcln und am Aufbau des Landes aktiv־ teilnchmen zu können, sind bis heute außer für junge Clialuzim nur für die gegeben, die) über Geldmittel oder Gonnexionen verfügen. Ganz abgesehen davon, daß Palästina auch noch andere Gruppen von Menschen braucht, bedingt der Umstand, daß Geld und Coiniexioneii die einzigen Mittel zu sein scheinen, um nach! Palästina zu kommen, bei vielen unserer Leute eine schwere, menschliche Krise. -• Es müssen Wege gefunden werden, die cs auf jeden Fall erlauben, Menschen des berufliche!» Mittelstandes die Möglichkeit zu geben, am Aufbau des Landes aktiv mitzuwirken. Bis jetzt gilt das offizielle, zkmistscha Interesse lediglich der Landwirtschaft. Wie aber in der» agrikultiircllci» Aufbau des Landes erst Elan einzog, als Formen gefunden wurden, die jedem Willigen die Ueber*. Siedlung und die Teilnahme am Aufbauwerk ermöglichten, so wird Städtebau und Industrie erst dann zu blühen beginnen, wenn für Menschen städtischer und industrieller Berufe die psychologischen und soziologischen Uebe.'gangsi formen gefunden sind. 3. Die zionistische Organisation in jetziger Verfassung[ bietet Weizmann bei Verhandlungen mit außcrzionistischeo Judengriippcn kaum eine ernsthafte Stütze. Er steht seiner» Kontrahenten in ähnlicher Isoliertheit gegenüber wie bei seinen Bemühungen um die Balfour-Dcklaration und da» Mandat vor Engländern und Alliierten. Er fühlt hinter »ichl ein Volk und weiß, daß in der zionistischen Organisation Menschen mit besonderer Liebe sein Mühen um Palästina verfolgen. Aber er hat weder hier noch dort irgend einen konkreten Faktor außerhalb Palästinas, der an sich Anerkenn■« ung erzwingt. Oder hat jemand schon gehört, daß Welzinann sich auf unsere Organisation berufen hat! Er kann sich nur auf Palästina berufen, auf sonst nichts. Dieser Umstand diktiert nicht nur Weizmann» Verhältnis zu unsere? Organisation, sondern vor allem auch die Stellung der Amern kaner ihm und uns gegenüber.' Sic sagen: die zionistische Organisation schafft Geld genau wie wir, das sind die Tat- Sachen. Wir tun cs beide um Palästinas willen. Garantien können wir nicht geben, ebenso wie die Zionistische Organi« sation es nicht tut. — Ais Menschen, die auch nur für das notwendigste Palastinahmiget bürgen, wäre unsere und Wei/manns Situation allen aiißcrzionisliseen Jiidcngruppen gegeniiher eine gänzlich andere. Dann erst stellt unsere Organi- *atton einen ganz ernsten realen Faktor dar, mit dem Weiz» mann rechnen muß und auf den er sich den Amerikanern, den Engländern, ja auch unseren Chaluzim und dem ganzen Palästina gegenüber stützen kann. Von solcher Situation aus kann erst die Zionistische Organisation eine aktive Politik aufnehmen, die skh nicht nur gegen ״Feinde unserer Idee“ außerhalb und innerhalb des jüdischen Volkes wende•(, sondern die sich auch auf das heute schon recht weite Feld palästinen- Stecher Interessen erstreckt; und dies nicht nur in theoretisch bleibenden Beschlüssen; sympathischen und antipathischcn Kundgebungen, sondern Jedesmal ad hoc mitbestimmend. Soviel politische Geschäftigkeit heute in unserer! Reihen herrsch(, so passiv sind wir in Jeden» ernsten, politischen Sinne, Gerade Arno Nadel, Heiliges Proletariat. Fünf Bücher der Frei• heit und Liebe. Verlag Oskar Wöhrlc, Konstanz 1924. Diese Gedichtsammlung des liebenswerten Dichters Ist gewissermaßen ein Spätling der Revolution, die inzwischen schon wer weiß wo ist. Aber die Gesinnung der Menschlichkeit, der Glaube an den Geist, die Abkehr von der Gewalt und der Aufruf zu Liebe und Brüderlichkeit, diese echt jüdische Geistigkeit gibt den Dichtungen Nadel» einen Wert, der über ihren rein literarischen liluaiisgelit. Er geht den Weg des Suchen» mach einer neuen Religion, iri der der Mißbrauch positiver Religionen zu Unterdrückung»• zwecken n!!gelöst wird durch eine Jm Herzen erneuerte Menschheit, •יס in dieser Beziehung würde die geistige Mitbürgerschaft Palästinas Ausblicke schaffen, deren Bedeutung uns heute noch gänzlich verborgen ist. Dann erst wäre 1111s politisches Handeln möglich, uns. der Organisation, und nicht nur der isolierten Persönlichkeit Weizmanns. Verhandlungen über die gemischte Agency waren für unsere Organisation (nicht für Weizmann) erst möglich, wenn wir bindende Garanlicn für Palästina über* nommen haben (und nicht wenn wir über einen gut ausge* bildeten Gcldsammclapparat verfügen). Dann werden wir um nicht veranlaßt fühlen, nach Sicherungen zu schreien, denn solch nutzloses, leeres Gerede wird uns völlig fcrnlicgcn, sondem die Tatsache, daß wir Garantien für den einen Teil gehen, bringt jeden ernsthaften Kontrahenten von selbst dazu, gleicherweise Garantien zu übernehmen, wenn er sich mit uns verbünden und Rechte erlangen will. So selbstverständlich es ist, daß unsere zionistischen Kräfte nicht ausrcichcn, den Aufbau Palästinas zu ermöglichen und so begrüßenswert es Ist, *laß sowohl Im Mandat die Teilnahme aller Juden gewünscht wird, als auch, daß amerikanische Juden sich bereits jetzt dazu drängen, so scharf muß doch unsere Orgonisatbn die politische Linie zeichnen, die sic einhaltcn will. Und jede

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