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Jüdische Rundschau · 1924-12-16 · Heft 100 (16.12.1924) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 100 (16.12.1924)
Date
1924-12-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seife 720 IU E DIS C HE RUNDSCHAU Nr. 100 i Die fünf Jahre Reaktion, die wir hinter in י haben, haim! leider dt:11 Cliaiivinisunts der Mehrheitsvölkcr der einzelnen SL;nk11׳ nicht gemildert, mildern verstärkt, in den! Lande der gröliten jüdischen Minderheit, in Polen, wird ein wirtüchnf'.lichcr VcniiciiUutg.sk.'tmpI gegen die Juden refülnt. Die S o \v j c t u k r a i 1! c verfolgt jede Reguiig selbständiger jüdischer Betätigung als Verbrechen, Sogar diejenigen Volker, die sich nach der Umwälzung■ sehr wohl des Werten einer positiven Mitarbeit der Juden bewußt waren, halten offenbar heute ihre Position schon für genügend gefestigt, um den früher lumvorbcncn Juden einen Fußtritt geben zu können. Das krasseste ikispicl dafür ist Li hauen. Litauen hat 1018 durch die generöse und verständnisvolle Behandlung der jiidischeu Miuoiitiit und durch die Gewährung einer angc- 1ntv;c:1cn Autonomie die Aufmerksamkeit der ganzen Welt r,n; sieb gezogen. Die jüdische Minderheit 113t au allen Angelegenheiten des werdenden Staates vollen Anteil geuonuiieii. Die Sympathien der Juden aller Länder haben sich dem kleinen aber wie es schien kulturell voraniiiamcniercuden Staate?!!gewendet lind wir glauben sagen können, daß diese Sympathien auch für Litauen von einigem Wert waren. Allmählich aber hat in Litauen das chauvinistische, reaktionäre Element die Oberhand gewonnen und meint, den Staat nicht durch positive Mitnrheit der Juden, sandern nur durch deren brutale Unterdrück!!!!!׳; ntubnuen m können. Die Juden'werden dort jet t i:1 einer Weise 1>:!nnie't, -V* ob sic gefährliche Staa'.sleindc wären, und die bereits gewährten Rechte werden 1r.it einer geradezu überraschenden Lciclumütigkeit zunichte gemacht, obwohl feierliche Erklärungen litauischer Regierungen aus den! Jahre 1919 \erliegen. Es ist schwer, das internationale Vertrauen zu einem Staate zu behalten, wenn die Heiligkeit seiner Verpfliclitnngen so mißachtet wird. Wenn von jüdischer Seite auf diesen objektiven Umstaml hiugcwiesen wird, so ist auch dies keine Feindschaft gegen den litauischen Staat oder das litauische Volk, es ist vielmehr ein Dienst, der diesem Volke erwiesen wird, das vielleicht in der Hitze seiner Affekte die Tragweite sc-incr Handlungsweise nicht Übersicht. Was in Rumänien geschieht, wo die Juden systcniaiisch ihrer Rechte beraubt, wo sic zu Fremdlingen gestempelt und wieder Agitation preisgegebtn werden, gehört in dasselbe Kapitel. Das Vorkricgs-Rumänien war bekanntlich wegen seiner JnJenpolitik »inrühmlich bekannt und die Mißachtung der Bestimmungen des Berliner Vertrages gab dem Lande eine besondere Stcllung innerhalb der europäischen Staatengemeinschaft. Durch den Krieg ist Rumänien außerordentlich vergrößert worden und auch die Zahl seiner Juden ist sehr gc* \ wachsen. Welch ein Triumph hätte cs für eine vvei.se rumänische Staatskunst sein können, wenn sie durch eine vernünftige Behandlung der Juden sich in allen neuen Gebieten ein besonders sfaatstreucs, besonders über den Wechsel erfreutes, posiuv initarbeitcudcs und zugleich vereinigendes Element gesichert lütte, indem sic den Juden durch Erteilung der minimalen von ihnen geforderten Minderheit!־,rechte geze'gt hätte daß in den Grenzen des neuen Reiches jeder Bürger wahrhaft gleichberechtigt ist und kein Volkssplittcr durch seine Zugehörigkeit zu dem umfassenden Staatswesen gezwungen wird, seine Eigenart zu verraten. Statt dessen hält es die Regierung für gut, das jüdische Schulwesen zu vernichten, die jüdischen Gemeinden aufzulösen, den Juden alle erdenklichen Schwierigkeiten zu machen. Wenn wir dies konstatieren, so ist das auch keinerlei feindliche ״Cer Jude“ geht ein? Wie verlautet, soll die bekannte Zeitschrift ,,Der Jude“, die bisher im jüdischen Verlag erschien, mit Beginn des nächsten Jahren eingestellt werden. Biere Nachricht muß bei allen Zionisten schmerzliche Enttäuschung hervorrufen, die sich zu Sclbstvorwürfen steigert, wenn man bedenkt, daß die Einstellung der Zeitschrift zum grüßten Teil die eigene Schuld der Zionisten ist, die in geistigen Angelegenheiten eine bedauerliche Apathie zur Schau tragen. Als ״Der jade" vor acht Jahren von Martin Bub er gegründet wurde, war dies eine bahnbrechende Tat, deren Wirkunr; bis heute t^ach nicht in ihrer ganzen Tragweite erkannt winde. Durch den ״Juden" wurde in Deutschland eine vornehme Tribüne der Behandlung aller Probleme des jüdischen Lebens imd Denkens geschaffen, die, dem unmittelbaren Parteistreit entrückt, eia Bild der treibenden und schaffenden ji'tdisehen Kräfte gab, die das Judentum in seiner ganzen Weite und Tiefe lebendig zu machen am Werk sind. ״Der Jude“ 11:1t zum ersten Male die liicJiijiklRche geistige Welt mit dem eigentlichen Wesen der jüdischen Bewegung bekannt gemacht. Wenn heute der Zionismus im geistigen Deutschland weit mehr bekannt ist und mehr Respekt genießt als in anderen Ländern, 60 ist dies vor allem das Verdienst Martin Bubers und des ״Juden“. Noch heute ist ״Der Jude״ die einzige Stelle, wo jüdische Fragen in einem über die Tagcsjournalislik hinausgehenden ,Made behandelt werden. Er vermittelt auch dem deutschlesenden Zionisten wichtige Acttßcrungen hervorragender Nichtjudeii und Juden, die ihm sonst unzugänglich wären. Gerade die letzten Hefte sind in dieser Hinsicht bemerkenswert. Wir verweisen nur auf die Uebcrsetzung wichtiger Aufsätze B i .1 ו i k s, die hier zum ersten .Male in deutscher Sprache erschienen, /.. B, sei« Aufsatz, über Jüdische Wissenschaft in fremder Sprache. Oder Acußcrungcn von Alfons Paquct, Wilhelm Michel u. ,1. Vertretern deutschen Geistes über Juden und Judentum. Oder die Würdigung des Dichters <1 e Hrasi durch Hugo Bergmann, der jenseits des Partei- Zankes diese merkwürdige Figur menschlich würdigt. Es würde viel zu weit führen, hier alle wichtigen Beiträge aufzuzählcn. Wir möchten mir in letzter Stunde das Gewissen der deutschen Zionisten aufrütteln, damit sie sich vereinigen in dem Wunsche: ״De r Jude“ darf nicht e Ingehen! Es wäre eine Schmach für das deutsche Judentum, wenn sie ein solches Werk nicht vor dem Untergang bewahren könnte. Stellungnahme gegen Rumänien, sondern ein offenes Wort, von dem wir wünschen, daß cs iin Geiste der Aufrichtigkeit und der Sympathie aufgcnoinmcii wird. Wir glauben nicht, daß cs von Vorteil Ist, nicht den Tatsachen einmal klar ins Auge zu .sehen. Es ist um; schmerzlich, in diesem Zusammenhang■ and! die Ts c 11 c eh o s 10u׳akei erwähnen zu müssen. Schmerzlich deshalb, weil die führenden Männer dieses Staates, vor allem Präsident Masaryk tind Minister Beneseil, zu den vornehmsten Staatsmännern Europas gciiöicn und auch für die nationale Renaissance-Bewegung und die nationalen Forderungen des jüdischen Volkes stets Verständnis und Sympathie gezeigt haben. Um so unbegreiflicher ist cs, daß die tschechoslowakische Regierung durch das Verbot des hebräischen Gymnasiums in Munkacs eine Intoleranz bewiesen hat, die in weifesten jüdischen Kreisen innerhalb und außerhalb der Republik verstimmend wirken muß. Ganz abgesehen davon, daß die jüdische Nationalität in der Tschechoslowakei anerkannt ist, daß die jüdisch-nationale Liste bei den Parlamentswahlen SOCÜO Stimmen und bei den knrpatliorussischen Wahlen die überwältigende Mehrheit der jüdisehen Stimmen dieses so stark jüdisch durchsetzten Landes auf sich vereinigt hat, ganz abgesehen also von diesen juristischen Ansprüchen der jüdischen Mimnität auf ihr eigenes Schuhvcrk, kann cs moralisch gar nicht verstanden werden, warum die tschechoslowakische Regierung eine so ungerechte und unkluge Maßnahme trifft. Wir wissen zwar, daß gewisse jüdische Elemente ihre Hand int Spiel haben. Aber die Regierung, der die Materie nicht ganz, imhckunnt sein kann, mußte doch wissen, daß die groteske Allianz der cxlrent-freklcnke■ rischen Assimilantcu mit der schwarzen militanten Oitlio• doxic ein schlechter Berater in jüdischen Angelegenheiten ist. Selbst wenn diese sterilen Volkssplitter, deren einer Teil jn offen sein Desinteressement an positiver jüdischer Arbeit erklärt, eine destruktive Scpnrationspolitik treiben, so kann der großen Mehrheit der Juden, die, wie Volks- Zahlung■ und Wahle« bewiesen haben, hinter der jüdischnationalen Gruppe steht, nicht das Recht verwehrt wer• den, ihre eigenen kulturellen Institutionen zu schaffen, zumal der Staat unseres Wissens zu ihren Kosten nicht beiträgt Das hebräische Sch ul werk in Karpatho-RuB- Land, das in der letzten Zeit auch von mehreren aus- Kindischen Journalisten und anderen Persönlichkeiten be• sichtigt wurde, findet Interesse bei den Juden aller Länder und Erdteile. Selbstverständlich wendet sich dieses Interesse auch in hohem Maße dem Staate zu, der ein solches Experiment auf seinem Gebiete Verständnis• voll fördert. Diese jüdischen Kreise sind durch die Nachricht von dem Verbot des Gymnasiums wie von einer Bombe getroffen. Ein solches Verbot einer aus eigenen Mitteln errichteten Schule ist, außer in Sowjetrußlantl, noch in keinem Lande bisher erfolgt. Wir können nicht glauben, daß diese Entscheidung, die weder dem Geiste der demokratischen tschechischen Nation, noch dein internationalen Ruf ihrer führenden Staatsmänner entspricht, endgültig ist. Wir nehmen an, daß die tschechoslowakische Judensehaft, an deren Loyalität wohl noch niemals m zweifeln gewagt worden ist, mit ihrer Forderung midi Revision dieses Beschlusses Erfolg haben wird. Die falsche Politik, die Juden zur Assimilation zu zwingen, sollte durch die Erfahrungen eines Jahrhunder:* bereits diskreditiert sein. Der neue Weg, der sich nach dem Kriege zeigte, als <lic Idee der Demokratie gesiegt zu haben schien, wird sich trotz aller Rück- 1 schlage als der einzig gangbare erweisen. Nicht durch Unterdrückung, nicht durch Sanktionierung der Assimilationslüge, sondern durch Anerkennung der beredttigten Sondcrintcresscn und durch Erteilung der lebensnotwendigen Mindcrheitsrcdite werdet die national-gc« mischten Staaten die Juden in dem Staatswesen fest verankern und Nutzen ziehen aus allen positiven Eigen• schäften und allen positiven Werten den ein kulturell hochstehendes, auf einer starken Tradition weiter bauendes Bcvölkcrungsclciiicnt einem Staate bieten kann. Pie eStcCTsniscbe Vorkricgsscbuld Die Palästina-Regierung hat gegen die Entsebd-' düng der Internationalen Kommission zur Aufteilung der Otiomanischen Vorkricgsrehuldcn unter die Nachfolge ■Länder, di; im November in Konst.mtinopcl getagt hat, einen Appell an den gegenwärtig i!1 Rom tagenden Völkerbundrat gerichtet. Bekauiitiich beträgt der Schuld,antcil Palästinas laut der Ent- Scheidung der Kommission 5 000 000 Pfund. Schon im kommenden März soll Palästina 113737 Türkische Pfund, im folgenden März 255 ft H Pfund und den Rest in 20 Jahresraten von je 173000 Pfund zahlen. Außerdem hätte die Paiästina-Verwaltuiig in einer Zeitdauer von 20 Jahren 33 503 Pfund iuhrlieh auf die seit März 1020 .־!!!gesammelte Schuld zu zahlen. Außerdem noch in den nächsten fünf Jahren 551t Pfund jährlich. Die Palästina-Regierung hält die Entscheidung der Scliuldcnkommission schon deshalb für ungerecht, weil die Einkünfte an der Iievlschas-Eisenbahn in die Basis Palästina cingcschlosscn sind, wodurch die früher für Palästina angcnommene Basis ungebührlich vergrößert worden ist. Der Völkcrhundsrat beschloß in seiner Sitzung vom ff). Dezember in der Frage der Verteilung der ottoniaiiischeii Vorkricgsschuld auf die Nachfolgcländer einen Schicdsrichtcr zu ernennen, der über alte Differenzen entscheiden soll. Die Person des Schiedsrichters steht noch nicht test. Arab'sches Memorandum wegen Alakb Jerusalem. (J. T. A.) Die palästinensisch-arabische Exekutiv« hat im Zusammenhang mit der Schießaffarc bei Afulch an das Kolonial-Amt in London ein Memor a n duin geschickt, in welchem der Fall Afulch vom Standpunkt der arabischen Bevölkerung ausführlich dargelegt wird. Das Memorandum fordert von der britischen Regierung die Entw a f f n u n g der Juden Palästinas ״in! Interesse des Schutzes der arabischen Bevölkerung in jenen Bezirken, die. an die jüdischen Siedlungen grenzen.“ » Jerusalem. (J.T. A.) Eine Gruppe Araber fand sich, am 9. Dezember auf dem strittigen Land bei Afuleh, das die Regierung bekanntlich als jüdisches Eigentum erklärt hat, ein und begann dis Land zu pflügen. Die Araber wurden sofort verhaftet. Die Verhaftung geschah auf Grund einer Instruktion der Regierung, laut der alle Personen, die die Arbeit auf dem als jüdischen Besitz anerkannten Land zu stören versuchen, fcstgcnommcn werden sollen. Nene Zionlslenvcrbannungen in RaBlsoä Wie'die J. T.A. am Rußland erfährt, sind die Verfolg!!!!- gungen gegen die Zionisten in der Sowjet-Ukraine in ein neues Stadium getreten, ln der letzten Zeit wurden von der G. P. U. alle bisher in den kleineren Städten interniert gehaltenen Zionisten in den großen Städten konzentriert, um von hier weiter verschickt zu werden. In Charkow allein wurden mehr als 200 Gefangene eüigelicfcrt. Den meisten der Grf.111genen wurde bekanntlich dh Alternative gestellt, innerhalb einer gesetzten Erbt nadi Palästina abzurciscn, widrigenfalls sie nach Sibirien, Kirgisien und Narim deportiert würden. Dreißig Mitglieder der Hitachduth, welche nicht die Möglichkeit hatten, rechtzeitig nach Palästina abrufahren, insbesondere auch wegen Mangel an materiellen Mitteln, wurden anfangs Dezember’ת a c 11 Sibirien deportiert. Wir hoffen, daß auf diese Anregung sich eine Reihe von Freunden melden, di* bereit sind, sich für die Erhaltung des .,Jude«‘4 cbizusctzcn. Wir sind überzeugt, daß cs gelingen könnte, die ntowendige Abonncntenzahl in Deutschland zu sichern. Ein Streit Ober die liebrülsche Sprache Auf einer Konferenz des Verbandes der ״Verteidiger der Sprache“ (״Megiue liassaphah“), der für die Durchsetzung des Hebräischen in Palästina kämpft, hielt Bialik eine Rede, in der er sich gegen die Sprache und den Stil der hebräischen Tageszeitung ״Doar Hajo!!!“ heftig auslicß. Dieses Hebräl'Ch, sagte I’.ialik. sei ein Greuel und der Stil eine Schande, Bekanntlich stand der ״Doar Hajo in“ unter dem geistigen Einiluß des verstorbenem Ben-Jehuda, dessen Sohn, Ittamer Ben Awi noch heute der Chefredakteur des Blattes Ist. Ikn Awi antwortet nun In einem Leitartikel auf liialiks Anwiirlc, Bei allen! Respekt vor dein Dichter, der nachdem es unzählige Male fälschlich gemeldet worden war, endlich doch nach Ercz-Isract gekommen ist, müsse ihm das Recht abgesprochen werden, in einer so beleidigenden Weise gegen ein Blatt mtfzutreten, das die Tribüne Ikn-Jehudas war. Vielleicht hat ein Dichter besondere Ansprüche an die Sprache; aber eine Tageszeitung kann nMit in dem pathetischen Idiom der ״I'cucrrollc“ (״Mcgilalli ha-csch“, eine Dichtung Biaiiks — A, <i. R.), geschrieben sein. ,,Wir, die Kinder dies» Landes, können uns nicht darüber belehren lassen, wie wir unsere lebendige Sprache gebrauchen sollen. Wir haben die -Sprache nicht von Bialik gelernt, sondern ans denselben Quellen wie Bialik, Bibel und Miscluiah, aber darüber hinaus noch aus der dritten Quelle, die er offenbar für überflüssig hielt, nämlich aus der alltäglichen Erfahrung ihrer dritten Renaissance. Nicht Bialik und Rawnitzky find unsere Lehrer, sondern jener Ben- Jclmd.1, der den Weg zeigte, schon 45 Jahre bevor der große Dichter de;; GahiUt nach Tel-Awiw gekommen ist. Wir können Bialik nicht als Sprachricliter anerkennen.“ Ben Awi erinnert daran, daß Bialik seinerzeit dagegen gewettert lut daß Ben Jcliuda dem hebräischen Sprachgebrauch die sei p!1 .irdische Aussprache aufzwang. Aber heute kt Bialik selbst gezwungen, sich in seinen Reden der sephardir,dien Aussprache zu bedienen. Wir sind überzeugt, daß das Leben schließlich einen Sieg ׳ erringen wird über das Belli Hamidrasch von Odessa. Bialik möge sich hüten, sich in die Politik hiticinzlchcn zu lassen, er möge lieber die Rolle des Vereinigenden, Vermittelnden, aber nicht Bevormundenden übernehmen. Ben Awi schließt mit dem Rufe: Dichter, geh zu deinen Büchern I Hais Heinz Ewers im Jüdischen Liieralcnvereln (Von unserem Korrespondenten.) Am 5. d. M. fand im Warschauer Jüdischen Literatenvercin ein intimer Abend statt, an dem Hans Heinz Ewers, der eine Vortragstoumü durch Polen macht, Anteil nahm. Der Vorsitzende, Sejmderuirrter Dr. J. Schipper begrüßte den Gast in warmen Worten. Er wies darauf hin. daß Ewers der deutsche Uebersdzer von Zangwill sei, und daß seine jüdischen Motive von großem Verständnis _ fiif jüdische Dinge zeugen. Sc 11a Ion! Asch erzählte von seinen verschiedenen Begegnungen mit Ewers, den er seit 20 Jahren kenne und der zuletzt in New York mit jiddischen Schriftsteilem zusanimcnknni. Dann sprach er von der deutschen Literatur, eile für fremde Literaturen stets großes Verstand!»* gezeigt und alles Wertvolle übersetzt fiahe. Auch die jid• dis ehe Literatur sei zuallererst ins Deutsche übertragen worden. Nomberg führte ,atu, daß der Bohdmien Ewer* chcnso *nistet wie d»e Juden sei und daher mit ihnen etwas Verwandtes habe. Ewers erwiderte in einer längeren Rede. Er er/.ihlte, daß er als Kind die Juden nicht gekannt habe und daher zu ihnen gar keine Beziehungen hatte. Als geborener Düsseldorfer habe er sich jedoch sehr für Heine interessiert und dessen Geburtshaus oft besucht. Heim* jüdische Motive hätten auf ihn großen Eindruck gemacht. Spater hatte er Gelegenheit, jüdischen Schriftstellern und Künstlern zu begegnen, mit denen ihn die besten Beziehungen verbinden. Er kt mit Zaiigwlll, Sdialom Asch, David Pinskj und Perez Hirschbcln intim befreundet. Er habe bei Juden vieles geleint und sich überzeugt, daß bei ihnen, trotz mancher Zwistigkeiten, eine tiefe Anhänglichkeit für Volk und Familie exuliert, Sen: Liebe zu seinem eigenen Volke sei hierdurch noclt gestärkt worden. Er habe Jehuda Halcvy, Ibu Gabirol und andere jüdische Schriftsteller gelesen. Er möchte dem judentume in der Person des Warschmier Jüdische» Uicralurvcrcius für alles danken, was er von ihm empfangen habe. Der Abend nahm einen gemütlichen Verlauf und währte bis 4 Uhr morgen*. Volkslieder und Tanz beschlossen ihn׳

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