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Jüdische Rundschau · 1924-12-16 · Heft 100 (16.12.1924) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 100 (16.12.1924)
Date
1924-12-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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>׳־; r—1 r~1*־UE11״ r׳ 0 V r\ E. e ג. Rcdnkllon und Vcrlaj» W 15, Mcinckcstraßo 10. Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1,85 Goldmark, Vierteljährlich 5,25 Goldmnrk. Au.(«nd.«bontj«m«oU *.«(äci* la der der •Srretnen LSoder bereebaet. Berlin, 16. XII. 1924 —f ך~ן \—f ך־־-ן j־־־.־] AnzcijJca-Verwaltung: Jüdische Rundschtm G, m, b, IL, Berlin W15, Meincke• slraße 10. — Telephon( Amt Bismarck 7165—70 Anx**1t«npr«fn 1 ß i**paltNonptreU|or«Ue 0,50Gf»Wm»»k. SuM»n* £<•«11*11• 0,15 GoldmarM. Für hehrllieho A&x«!j2«a 100% AüUchUg, An£eJj;*0?1cb!nß1 Di •n ■ t•g und F r M tf nach mit(•{{ 4 Uhr. ץ r! p. Einzelnummer 0,30 Gnldmark ׳r ר־׳ \י"׳י 1~1 / די* V 1 r Telephon! Bismarck 7165—70, Postscheckkonto! Berlin Nr. 17392. Für Ootf rrelch: Fo«l1p»rkim*namt Wien, Konto Nr. 1 '4010 / FürT,ch*ctm1W«l<«U 1 o.lip.111 «n.nirit J'r«4 Koni״ Nr. 5V <10 ✓ Kur Pol«01 i'01l1p1U.11.n«mt W.ttchau M r. (SO 70■% —^ Rcdaktionssc'nluQ Sonntag und Mittwoch nachmittag. — ומי,,.־ .. . .• «*:* XXIX. Jalirr. Numsnor 100 J qp׳ "Hy Oer Zionismus eritrobt für da» Jüdische Volk die ScImKung einer GftenJlieh rechtlich gesicherten ISolmstlitte In Palästina« ,,Oase!er Programm.'* ן י״ס כסלו׳ הרס״ה *-*!gajggj JGTj*״ ***. " * - . ״»L* ׳"' ר ורז וזח־ מ r 4» «i 4w J ן *?rr^iS [De!agier tentag and Organisatioasreform ־ KW,, Bcrliir, 14. Dezember, I>rr Dclegierlcnf.ig der deutschen Zionisten, von dem [uns kaum mehr zwei Wochen trennen, erhall diesmal seine; besondere Auszeichnung durch die Teilnahme des Präsidenten [der Weltorganisation, Dr. W c i z in a 1111. Zum ersten Male,!seitdem die neue F poche des Zionismus angebrochen ist, wer- Iden die deutschen Zionisten Gelegenheit haben, mit dem Führer »der Bewegung nicht nur gelegentlich von öffentlichen Ver- |snm1nlm!1;en und Empfängen, sondern in ernster Beratung der wichtigsten Probleme unserer Arbeit mehrere Tage zuznhnnen. Wir alle haben das Gefühl, (lall eine Fülle von Fragen 7u behandeln, eine bulle von Aufgaben zu lösen ist. Ein Leitartikcl unseres in London erscheinenden hebräischen Zentral- Organs ״liaolam“, der dem bevorstehenden deutschen Delegierten(,1g gewidmet ist, licht mit Recht hervor, daß die dcutsehen Zionisten sich in hohem Malle für d:c Gesamtbcwcgiing verantwortlich fühlen. Wir können sagen, dal! wir den gegen- \v,artigen Zuslntid unserer Bewegung mm schon durch Jahre mit großer Hamruhitgimg׳ anschcn, daß wir immer mehr das Gefühl bekommen, die zionistischen Angelegenheiten nach;nullen und nach innen würden nicht so geführt, wie cs den Notwendigkeiten der heutige(( Situation entspräche. Diese Bc- :sorgnäs ist wiederholt in den Spalten unseres Blattes! zum Aus* diuck gekommen.. Und wenn wir dies sagen, so wollen wir damit keineswegs Vorwürfe gegui einzelne Personen riehlen, am allerwenigsten gegen die Person des Führers, der an übermenschlicher Arbeit für unsere Sache mehr getan hat als irgendein anderer. Die zionistische Welt weiß, daß in all den inneren Kämpfen der letzten Zeit der deutsche Zionismus fast geschlossen hinter IX Wovzmnnn gestanden hat. F.s geht licht um Personen, es geht um das System, uni die geistigen :um! organisatorischen Grundlagen unserer Bewegung.!Jeher 'die sogenannte Krise wird seit Jahr und Tag bei uns ge- •cliriebeu und gesprochen. Damit kommen wir nicht vorwärts. >cr deutsche Zionismus ist der Ansicht, daß ,der Worte genug gewechselt sind, tmd daß cs sich nun darum handeln muß, inen Ausweg zu finden durch entsprechende konkrete Maßlahmer!. Darum hat auch der Lamlesvorstand in den Miltelunkt des Delegicrfaitagi's ־- soweit er nicht von den Profileneu der Arbeit rn Deutschland beherrscht ist — die Frage der וrganisafionsreformen gestellt. Dies ist, wie wir zu wissen .üben, manchen unserer Freunde befremdlich erschienen. Xganisatk1ns.rr.1gcn sind nidit besonders populär, besonders rn gegenwärtigen Moment, w0׳ die gigantische Aufgabe des Uifbaus Palästinas vor uns steht. Und doch sind Organisation*• ragen der einzige Schlüssel zur Verbesserung des heutigen 'uxtnndes. Unsere Bewegung kt wie jede Bewegung ein noblem der richtigen Zusammenfassung von Menschen, kiserc Organisation ist das Problem der Verwendung der riehgen Kräfte am rklitigen Platz. Das System, das bisher bei ns geherrscht hat, kann nicht anders als als Raubbau bezcichet werden. Die wertvollsten Kräfte wurden tu Tagesarbeit iu!gerieben, andere waren zur Untätigkeit verurteilt, viele urden gar nicht bis in unsere Reihen gebracht, die Anchung-skraft des Zionismus war vethüllt von einem Nebel »zweckmäßiger Einrichtungen, Gelingt cs uns, dies ztt ändern, ־> wird ein neuer Geist, eine neue Organisationsfreudigkeit Vi uns entziehen. Hoffen wir, daß es dem Deicgicrtentag!•fingt, eine richtige Parole aiiszugcbcn, die in der ganzen omstischen Weit .Widerhall fimjd. ך"*• ך־יי• .*•־•*״***# \י״י~'׳' - Wcltlcoafcrcazcu dort vcrfrctcncu Verbände ׳zu vereinigen. Diese Konferenz umfaßte mir diejenigen Gruppen, die sich als ״Jugendbewc- Riing״ in engerem Sinne be/cichliefen, wie sic von den Warnterbiinden und den Pfadfindern ihren Ausgang genommen hat. Insofern war sic also, da cs solche Bünde im Westen nicht gibt, doch eine Art Wcitkoiifcrcnz. wofern man nur ihren 111• halt näher determiniert. Man sollte nur vermeiden, alle diese Gebilde einfach ״WcUveiband der jüdischen Jugend“ zu nennen, Das Organ der amerikanischen Zionisten ״The New Pa-;stinc" hat vor einiger Zeit in einem längeren Artikel!raut hingcwKscn, daß cs loci uns Brauch geworden ist, X'dtkonfcrenzeii" ciimibcrufcn, die diesen Namen nicht veri’iien. Für die verschiedensten Zwecke, sei es für Hilfszwecke, i es für kulturelle oder literarische Zwecke, werden von eininen Gruppen sehr verdienstliche Tagungen abgchalten, die ׳.h den beabsichtigten Zweck fördern, bei denen aber nicht ,nzuschcn ist, warum sic sich das Beiwort ״Weitkonferenz.“ legen und dadurch entweder nach außen den falschen Ankein erwecken, als ob wirklich die ganze Welt dort verten wäre, oder aber sich selbst als Welt etablieren, damit ichzcitig die Ausschaltung großer zugehöriger Teile des dentiims stillschweigend vollziehend. Es ist begreiflich, daß radc von amerikanischer Seite eine solche nicht unbcrcch- G Beschwerde erhoben wird, denn in der Tat sind die Hikonferenzcn gewöhnlich europäische Angelegenheiten, bei nen Amerika entweder gar nidit oder sicher nicht entrechend der Bedeutung des amerikanischen Judentums vertc!1 ist. Unter den Veranstaltungen, die als Beispiel au iiihrt werden, nennt das Blatt auch die Welfkoufcrvnz der :.dien Jugend, die unlängst in Danzig stattfand. Be* eiltet man mir den Namen, so ist er sicher irreführend, nr! die Danziger Konferenz war keineswegs für die Jüdische jaul der ganzen Welt repräsentativ, aus Ländern westlich Rheins waren übt'rlimiipt keine Vertreter crsdiienen. ln- ׳;״-a!!t ist, was vielen uisbckannt sein dürfte, daß cs heute rm mehrere Wcltverbäiidc der jüdischen Jugend gibt. 1er wurde, wem! wir nidit Irren, schon auf dem XU. Z.ioler.kongreß gegründet und steht unter sephardkeher Füll- Dieser ״Weitverband der jüdischen Jugend“ gibt ein (an in französischer Sprache heraus, die Zweimonatsschrift i'ialom". Bemerkenswert ist auch eine jüdische Jngendbewcdie relativ jungen Datums ist und ilire Zentren in nniki lind Paris hat; sie steht unter Führung von Henry-;frx und nennt sich sowie ihre Zeitschrift ״Connaitrc“. Auch Danziger Konferenz ist *s bekanntlich nidit gelungen, alle Wir Innigen in der heutigen Nummer einen Artikcl eines Mitglkler des Hauptbüros des in Danzig gegründeten Verhaudes, der sich ״Briiii Marionr“ nennt. Der Aufsatz hat wohl eine gewisse programmatische Note und ist eine Ergänzung zu den Berichten, die wir selbst in Nr. 72 und75 ׳ dieser ZciischrHt veröffentlicht liabrn, wo wir bereits zu den Frgeluilssen der Konferenz ,Stellung nahmen, Die Hnupfgruppe .der deutschen Jugendbewegung, die in Danzig vertreten war, der Blau-Weiß, ist allerdings bekanntlich dem Verbände nidit bei;etrvten. Der Artikel von Vogl, obwohl nicht polemisch, läßt doch erkennen, warum sich die Wege scheiden mußten, besonders wenn man den in unserer vorigen Nummer veröffentlichtem Bericht über einen Konflikt zwischen der wichtigsten Blnu-Wciü-Gnijipc in Palästina und den Instanzen der palästinensischen Arbeiterorganisation als Illustration heranzieht. Für uns ist nicht wichtig, zu untersuchen, wer etwa der Schuldtr.'igendc an diesem Konflikt war, ob diese oder jene Einzelheit(•!!, die, wie uns scheint, oft unnötig mifgebausrbt werden, zutreffen, zumal der Konflikt selbst bereits hcigclcgt ist. Viel wichtiger als dies ist ehie Erwägung über das geistige Verhältnis der aus dem deutschen Zionismus hervorgegangemm Jugend zu der palästinensischen Wirklichkeit, Die deutsche Jugend, die sich für Palästina vorbereitet hat bringt viele Eigensdiaften mit, die für den Aufbau des Landes von großer Wichtigkeit sind. Wir wissen, daß man in Palästina lind speziell in den Kreisen der Arbeiterschaft sich von der fachliehen und organisatorischen Tüchtigkeit der Deutschen viel versprach und bereit war, sie mit offenen Armen luifz.nnehmen. Fs scheint aber, daß eine Annäherung doch auf stärkere psychokigisclie Hindernisse stößt als man erwartet hatte. Das ge- Rriiseiügf VrrslrhcM wurde erschwert, weil die Deulsciien sich durch den oft berechtigten Stolz auf ihre fachliche Tüchtigkeit verleiten ließen, die Tatsachen und Imponderabilien des sozialen und kulturellen Lebens Palästinas gering zu schätzen. Diese sind aber der Lebensnerv der heutigen schöpferischen Arbeit im Lande. Der Aufbau Palästinas ist für die überwältigende Mehrzahl der palästinensischen Arbeiter der Ausdruck und das Werk der revolutionär sich vollziehenden hebräischen Wiedergeburt. Die hebräische Sprache ist ihnen höchstes Heiligtum, Ausdruck einer neuen Verschmelzung zwischen uralter geistiger Tradition und einem Leben der Arbeit, Symbol des naiionalcn Erwachens. Ohne Kenntnis der hebräischen Sprache kann heute niemand verstehen, was im Lande vorgeht, kann die ethische Gewalt und die geistigen Strömungen, die stell im Jisdmw ninnifcsFcrcn, nicht erkennen. Er bleibt völlig unberührt, ein Fremder im Lande, In einer Umgehung, die er nicht verstellt; analog einem Europäer, der In ein exotisches Land verschlagen wird. Der hohe positive Wert für den Aufbau Palästinas, der in der wirtschaftlichen Leistung und technischen Korrektheit der Blaii-Wriilcn liegt, würde u, E. ernstlich in Frage gestellt, wenn die Kluft zwischen ihnen und dein Jischuw bestehen bleibt. Es kann datier gar nicht genug betont werden, wi« wichtig im Galuth die Vorbereltung für Palästina auch im geistigen Sinne ist. An erster Stelle steht die Kenntnis der hebräischen Sprache. Wir würden anrcgcn, «laß in unseren Jugeudvcrbiinden z. B. ein Buch wir das kürzlich von der Kulturkommission der Arhcitcrorgml* salinn hcransgegehenc Lesebuch ״Mess 11 ah“ verwendet wird, das in kurzen, punktierten, und für Lcrimvccke bergerichteten Texten Ausschnitte aus Geschichte, Entwicklung und Leben der palästinensischen Pioniere und Arbeiter bringt und sehr geeignet ist, diese Weit jungen Menschen näher zu brlugen. Wir find überzeugt, daß allmählich auch in der deutschen zionistischen Jugend, die cs infolge ihres Ursprungs und ihrer Erziehung viel schwerer hat als die osteuropäische, der geistige Kontakt mit Palästina hergcstcllt werden wird, der uns geratlc für eine Jugendbewegung unerläßlich erscheint. Denn eine Jugendbewegung kann sich nicht damit begnügen, daß ihre Menschen sich als Isolierte Menschen oder sogar als isolierter Bund einem Wlrtschaftsgefügc cinordncn, sie erfor׳ dort geistige Ziele und kann nur durch Hineinwachsen in der. geistigen Zusammenhang der Volksgemeinschaft jener Kräfte entbunden werden, die sie für die Zukunft des Volkes fruchtbar zu machen berufen Ist. Die letzten Vorgänge in Litauen, Polen, der Tscltechoskiwnkei und Rumänien geben Anlaß, rieb wie• der einmal grundsätzlich mit dem Problem der Steilung! der jüdischen Minoritäten innerhalb der Staaten, denen sic angeboren, nuscinandcr/usctzcn. Vieles muß wieder♦ holt werden, was vor sechs Jall reu beinahe eine allgemein« anerkannte Banalität war und bis heute nicht seine Richtigkeit verloren hat, obwohl die Praxis der Reaktion sich leider hat verführen lassen, von der Erkenntnis der "Wahrheit abzugchen. Wir waren stets und sind noch heute der Ueberzeugung, daß ein solches Nicht« sciieivwollcn nicht mir moralisch bedenklich, sondern vor .11־ lern unklug ist, und für die Staaten, die diese Vogcl-Slraufi-Politik zwangsweise durchsetzen wollen, nur negative Folgen haben muß. Das Problem, um das es sich handelt, kam am krassesten zuin Ausdruck in einer Aeußerung des pol* nischcu Untemcht.sniiuisicrs, die inzwischen vom Sejm selbst erfreulicherweise mißbilligt wurde. Der Unter« richtsministcr Miklnszcwski weigerte sich, in Wilna die Die «imerUinnlsclie Keren II3]c.ssod •Konferenz Louis Mars 11 all eröffnete am 7. Dezember (in Holel Astor zu New York die zweite J a 11 rc s k o 11 f c rc n z des Zeniraikomitees des Keren Hajcssod in Amerika mit einer Ansprache, in der er auxfiilirte, daß die Verhandlungen über die amerikanische Beteiligung an der Jcwlsh Agency, die dureli Dr. Weizmann während seines Besuches in Amerika im vorigen Jahre angeregt worden waren, Erfolg haben werden. Herr Marshall erklärte weiter, daß die Vcrmitwortung für die Arbeit am Aufbau Palästinas sowohl von den Zionisten, als auch von den NichtzlonUtcn übernommen werden muß. Die Konferenz beschloß, ln diesem Jahre vier Mil- Honen Dollar (statt zwei Millionen des vorigen Jahres) für den Keren Hajcssod aufzubringen. jüdischen Schulen zu inspizieren, weil, wie er sich auszudrücken beliebte, die Juden ״Feinde des polnischen Staates“ seien. Irgendwie latent wird derselbe Gedanke überall empfunden, wo die Juden als nationale Minorit il Sonderforderungen aufstellen. Und sogar in Ländern wie Deutschland, wo die jüdischen Sonderinteressen keinen politischen Charakter haben, sondern nicht über die Pflege der kulturellen und religiösen Güter sowie deg Zusammenhanges mit den verstreuten Volksgenossen hin* nusgclicn, bedient sich die antisemitische Agitation desseihen absurden Sciilagwortcs. Gar zu gern verwechselt man die Gegnerschaft gegen ein herrschendes reaktionäres System mit der Gegnerschaft gegen den Staat seihst. Der Unterschied ist aber ganz offenkundig. Ein Bei* spiel der Gegnerschaft gegen den Staat als solchen gaben etwa die Deutschen in der Tschechoslowakei, die lange Zeit gegen die Konstituierung des Staates in s i!un heutigen Grenzen protestierten und von denen noch heute einzelne Splitter sich mit der Tatsache des neuen Staats* wesens nicht abfinden wollen. Ganz anders liegt die Sache bei den Juden, die nach der ganzen objektiven Sachlage keinerlei irredendistischc Tendenzen haben kän* neu. Die Juden haben in allen neu entstandenen Staates sich sofort vorbehaltlos auf'den Boden der Staalstreuo gestellt und ihre Bereitschaft bekundet, am Aufbau des neuen Staatsvvcscus mit ihren materiellen und inteilek« tnellen Kräften mifzuarheiten. Selbstverständlich haben sie dabei erwartet, daß die neuen Staaten, die auf Grund des Prinzips des Sclbstbcstitnmunp;srcchtes der Völker, entstanden sind, auch die Rechte und die Eigenart ihrer ׳ jüdischen Minoritäten respektieren werden. Eine solche Politik würde dem neuen Staat nicht nur ein staats* freudiges, wertvolles Bevölkenmgselcment sichern, und ihn befähigen, daraus den größten Nutzen zu ziehen, sondern sie würde auch dem neuen Staat Sympathien in der ganzen Welt cinbringcu, wo das Verhalten gegen« über den Juden als ein Barometer für die innere Kraft und zivilisatorische Höhe eines Staates angesehen wird. Wenn also die Juden innerhalb des Staates die selbstverständliche Forderung stellen, daß man sie nach ihrer Art!eben und ihre traditionellen Güter pflegen läßt, daß man sie nicht zwingt, offiziell eine Haltung der Lüge und Heuchelei sowie der Untreue gegen ihr eigenes Blut .־inzunchincn, so sind sic weit entfernt, damit in Ge« gensatz. gegen das Interesse des Staates zu treten. Viel« mehr dienen sie damit dem Interesse des Staates. 1זו den national-gemischten Gebieten Ost- und Mitteleuropas kann es keine reinen nationalen Staaten geben. De Juden (und wahrscheinlich die vernünftigen Elemente mich der anderen nationalen Minoritäten) erkennen völlig an, daß die Mchrhcitsnntion das Vorrecht hat, den Chi* raktcr des Staates nach außen zu bestimmen. Aber dio Juden können nicht zugehen, daß man sic als Fremde be« trachtet, weil sie, obwohl sie zum Teil seit vielen Jahrhunderten in dem betreffenden Lande leben, einer naderctf Nationalität a»gehöre 11 als die Mehrheit der Bevölkerung. Sie wollen, daß der Staat der Staat aller Burger ist und daher nicht nur gleiche Pflichten von allen fotdmt, sondern auch allen Bürgern die gleichen Freiheiten gibt. Eine der wichtigsten menschlichen Freiheiten, ein natür* liebes Recht, ist das Recht auf Pflege der nationalen Eigenart und kulturellen Tradition. Wo man dieses Recht entzieht, entstehen Kriippei-Existenzcn, die für den Staat weder national noch moralisch von Vorteil sind. Dies Bt die natürliche Grundlage der Forderung nach nationaler Autonomie innerhalb der national-gemischten Staaten, Diese Forderung der Minderheiten als ״Staatsfeindschaft“ zu bezeichnen, heißt die Tatsachen auf den Kopf stellen, in der Forderung selbst liegt eine extreme Bejahung des Staates, denn wer den Staat negiert, veciaugt 111c.it eine ihm angemessene Möglichkeit des Lebens und der positiven Mitarbeit innerhalb des Staates.

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