Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 98 (9.12.1924)
- Date
- 1924-12-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2651273-2652595-2652686--16230-2675608- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 704 JUEDISCHE RUNPSCHAU Nr 08 nicht zu der Annahme verleiten, daß diese Auseinander- Setzungen .1uc.l1 weiterhin ini (!eiste der Naclipicbigkcil verlaufen werden. Italien, welches sich immer deutlicher als dieuMittchnecnnacht an sich fühlt und gebadet, überall aber, in ׳Gibraltar, Malta, den Dardanellen, Aegypten, Palästina, auf die englischen Dreadnoughts stößt, wird immer mehr verlangen müssen, England immer weniger gewähren können. Was mm speziell Palästina anlangt, in dessen Schiffsverkehr Italien heute bereits an zweiter Stelle rangiert, so ist es ein Land, das für eine Immigration in Betracht kommt, und das für Industrieprodukte auf nähmefähig wird. Also die zwei Dinge, die Italien braucht, mehr braucht als England, welches Palästina mir als Garnison betrachtet. Dies ist der Schlüssel zu Italiens Haltung -- und vielleicht zur Haltung des Vatikans. Aber hüten wir uns, daraus die Folgerung eines naturgegebenen Gegensatzes zu ziehen und unsererseits i!1 der bisherigen Unterschätzung oder Ignorierung Italiens zu beharren oder auf den Versuch einer Verständigung als zwecklos zu verzichten! Ganz abgesehen davon, daß wir uns einen solchen Luxus nicht leisten können, wäre cs, kulturhistorisch befrachtet, das größte denkbare Unglück, wenn das wicdcraiifstcigcnde Rom und das viedermitstei* geildc Jerusalem in Gegensatz zueinander geraten sollten, während umgekehrt nichts so auf ein inniges und brüderliebes Zusammenarbeiten hindrängt wie gerade die Reimissnnce dieser beiden Völker! Die Zuspitzung der politischen Ereignisse hat den Verfasser veranlaßt, war* liegenden Artikel früher zu veröffentlichen als beabsiehtilgt: er hatte vor, erst in Ruhe die Sammlung jenes Materials zu vollenden, das erforderlich ist, um unsere Freunde ein wenig־ mit dem Wesen dieses neuen Aufstiegs zur römischen Größe vertraut ־zu machen. Veranlassung hierzu gaben ihm nicht die realpolitischen Erwägungen, sondern jene überwältigenden Eindrücke, denen ein Zionist unterliegen muß, wem! er in unmittelbarer Nähe des!historischen Prozesses lebt, der nichts anderes Ist als ein ins Dimensionale übertragener Zionismus: der Faseismus. Um dies zu begreifen, muß man allerdings in der Lage sein, den Fascismus als po- Htischc Ausdntcksofrm mit all seinen fragwürdigen und unerfreulichen Begleiterscheinungen vollständig von seinem geistigen Wesen zu trennen, welches nichts anderes ist als das, was Her/1 als das Wesen des Zionismus formulierte: ״Daß aus armen judenjungen stolze junge Juden werden/‘ So ist aus dem italienischen Volk, das viel von Bettel und Frcindcnfang lebte, das zahllose verlumpte Vagabunden ins Ausland abgab und dessen historische Größe nur in den Museen und auch dort r.ur von den Fremden gefunden wurde, während das Volk selbst danebeiistand,:'ein. Volk geworden,, das sich seines unerhörten, historischen Reichtums endlich wieder -bcwußt wurde und seiner würdig zu werden begann. Wenn wir den Mögen Dowid tragen, so sollten wir besonders für das Wiedererwachen eines Volkes im Zeichen des Likören!bündcls Verständnis haben und wenn wir den Gruß ״Sdiaiom“ cinführen, so sollten wir nicht minder den Römergruß, der wieder lebendig geworden ist, atierkennen. Besinnen wir uns, daß wir einer historischen Ent* Scheidung entgegengehen: das neue Rom und Jerusalem, sollen sie Feinde oder Brüder werden? Lernen wir aus der Geschichte! Und versuchen wir, Brücken zu schlagen zur Seele jenes Volkes, dessen Wiederaufstieg wir bcwundem müssen, jenes Volkes auch, das den Wiederaufstic״ des unseren begreifen — und bedeutend fördern kam!! Lassen wir uns darum auch nicht absclirccken (Jurch das, was heute den Fascismus abschreckend!nacht, sondern versuchen wir, objektiv Lieht und Schatten voneinander trennend, das herauszufinden, was historischen . Wert an ihm besitzt Der Zwischenfall bei Atuleh Jerusalem. (J. T. A.) Am 3. Dezember wurde die PIliiger-Arbcit bei Afuleh im Tal Jesrocl, die durch den Angriif der Araber am vergangenen Freitag• unterbrochen wurde, wieder aufgenommen. Die Araber behaupteten, daß das Feld arabisches Ligen tum sei, Da* Feld gehörte aber der amerikanischen ״Zion Commonwealth und. der Gesellschalt ״ ׳Meschck“. Die palästinensische Regierung ließ die Arbeiter wissen, daß nie das Land als jüdisches Eigentum anerkennt und die Arbeiter mit allen Mitteln schützen werde. Es wurde angeordnet, daß jeder Araber, der versuchen wird, die •Arbeit zu stören, verhaftet werden soll. Am 3. Dezember fand vor dem Gericht in Tel Awlw eine Verliniiillun״ gegen fünf Mitglieder der kommunistischen Pariei ״Frakz.cih Hapoalim“ und drei Mitglieder dos Allgemeinen Arbeiter-Verbandes ״Histadruih Haowdim“ wegen Störung der öffentlichen Ruhe statt. In den Straßen von Tel AwivV kam es zwischen Mitglieder« der beiden Gruppen in Verbindung mit der■ Affäre in Afuleh zu einem Streit. Mitglieder der HLstadmth verhinderten die Verbreitung einer Proklamation der links Sozialisten, welche in der Streitsache Afuleh die Parte» der Araber ergriffen und die Histadruth liaowdim beschuldigten, daß sic die Araber nusnützt. Die Proklamation wandte sich auch sehr scharf {fegen die zionistischen Ziele in Palästina. Lines der Mitglieder der Frakziefh Hapoalim wurde zu zwei Monaten Gefängnis und nachfolgender La ndes vc r vv c i sii ng verurteilt; die übrigen Angeklagten erhielten je eine Woche Gefängnis. ' Ein iüöisdicr Kolonist ermordet J erxis ale'm. (J.T. A.) In der Nacht des 2. Dezembers' wurde ein junger jüdischer Kolonist namens Fischer in der Nähe der Kolonie Rcchoboth in Judäa ermordet ,־lufgefvmden. Die Polizei nahm, die Nachforschungen auf. Am •3, Dezember wurden zwei Araber unter dem.Verdacht der Ermordung Fischers in Haft genommen. V0itcraeit11E3 zia Dclegicrientag Von GethanJ Hold heim. Vor jeder größeren zionistischen Tagung pflegt man sich zu fragen, oh eine den großen Aufwand an Zeit, Geld und Miihe rechtfertigende innere Notwendigkeit besieh!,, oder ob vorwiegend formale Momente (Fmfahl.wf, Neuwahlen usw.) die Abhaltung erzwingen. Dis Vorliegcn einer dieser Alternativen läßt sieh ans dem Programm der Tagung nicht ersehen, dam daß über die Allgemeine Lage des deutschen Zionismus und seine besonderen Aufgaben in Palästina gesprechen werden mutt, i־st selbstverständlich. Und cs. ist ga.de das punctum wliens, ob für derartige Debatten im Augenblick ein wirkliches Bedürfnis vorhanden ist und ob man ernstlich glaubt, daß aus der Zusammenkunft den. betciligien Delegierten und Zuhörern wesentliche Klärung und Förderung erwächst. Nichts Ist nämlich peinlicher als das Gefühl der Leere, das viele Tagungen hiuterlnsacn. Mehr oder weniger gute Reden werden angchört, mehr oder weniger bedeutungsvolle ■sachliche (und persönliche) Kämpfe werden miterlebt, mehr oder weniger wirksame Appelle werden pfliebt- ,gemäß e111gegej11jenomme.il, und schließlich reist man wieder nach Harne, nicht gesättigt und auch nicht mehr hungrig, sondern appetitlos geworden. Ein solches ״Ergebnis“ bcdeutet itu Augenblick ein« schwerere Gefahr, als man vielleicht glauben mag, Der Prozeß allmählicher Abstumpfung hat, wie mir scheint, in den zionistischen Reihen ro traurige Fortschritte tjcni.•teilt, daß alles darauf ankommt, die wirklich interessier(«! Kräfte in. ihrer Arbeit zu ermutigen 11nd ihnen dns Gefühl «1 geben, daß der Geist der zionistischen Bcwegung s-n lebendig Ist wie in den vergangenen Zeiten,•wo die Anforderungen, die der Zionismus an den Einzelnen stellte, unvergleichlich geringer waren, »!nahhängig davon, ob man den Wiesbadener Delegiertentag in diesem Augenblick als eine Notwendigkeit empfindet oder nicht, heißt cs jetzt alles daran zu setzen, daß die Tagung den in sic gesetzten Erwartungen gerecht wird. VorAii.'orizung hierfür ist m. E., daß Leitung und Teilnehmer den Diskussionsstoff von vornhe rein beschränken. Ein Schauder erfaßt mich bei der Vorstellung, auch dieser Delegierten(.![׳ könnte (wie die letzte Zcnlralkornitcesltzung) eine Agency- Debatte bringen, und man wäre genötigt, den feierlichen Aut zu״ der sattsam bekannten Argumente pro et contra wieder zu erleben (während tatsächlich die Entscheidung, und noch dazu in einer anderen Instanz, langst gefallen ist), Ebenso schlimm wäre cs, wenn von ganz unberufener Seite die zionistische Politik ״beleuchtet“ und etwa grundsätzliche Bctrachvungen über englischen Imperialismus vom Stapel gelassen wurden (wozu die ägyptische Frage Anlaß bieten könnte). Ferner .scheint mir die von Abr. Goldberg■ neuerdlngs aufgcrollte Frage der Massemkolonäsation viel Verlockungcn zu Expektorationen zu bieten. Solchen Vertüh-!ungern muß unbedingt Widerstand geleistet werden. Die beliebte und für klug befundene Taktik, unbedingte Redefreiheit zu gewähren und so den Delegierten zu ermöglichen, sich ihre Sorgen frei von der Leber weg zu reden, andererseits die Scheu, gewisse ״Spezialisten“ (bezw. solche, die sich dafür nixsgeben) vor den Kopf zu stoßen, scheint mir keines» wegs am Platze•. Denn die Fremde, die dem Redner daraus erwächst, daß er sich über alles frei audassen kann, wird reichlich kompensiert durch das Mißvergnügen, das die Zuhörer dabei empfinden, denen jeder Dilettantismus ein Greuel ist und die mit Recht meinen, daß eine zionistische Tagung kein Forum von Experten darstellt. Ein Delcgicrtentag, der gelingen will, nmß sich vor zwei Extremen hüten: er darf weder in den Fehler verfallen, über Dringe zu reden, von denen die große Mehrheit nichts versteht und nichts verstehen kann (ich »lenke mit Schrecken an den Palästina-Delegiertentag, wo man ix. a. über ״Nationalisierung des Bodens“ abstimmte), noch darf er De nionsfraüons Politik treiben. Wie jeder Kenner der Dinge versichern kann, Ist so wesentliches und jede!« gebildeten Zionisten Verständliches Diskussion*• material vorhanden, daß eine Tagung, die sich pcinlichst darauf beschränkt, reichliche Arbeitsmöglichkeiten finden kann. Daß m diesen immer wieder notwendigen Diskussion*- iJtemen die Frage gehört, wie und in welchen Formen eine engere Verbindung zu׳Rehen dem deutschen Zionismus und Palästina erreichst werden kann, versteht sich von selbst. Wen« aut der einen Seite eine grundsätzliche Diskussion über die Formen der Kolonisation, über Industrialisierung usw. sinnlos ist, weil auch nach Anhörung noch 90 vieler ״Sachverständiger״ eine Meinungsbildung kaum erreicht werden kann, so sind andererseits die mannigfachen konkreten Aufgabengebiete zu erörtern, die für Akademiker, Kaufleute, Industrielle in Betracht kommen. Wenn diese Fragen erst jetzt in dos Stadium ernsthafterer Bemühungen treten, so rührt »las daher, daß bis vor kurzer Zeit die Kenntnis des Landes und seiner Bedürfnisse aus Bücher« und aus Erzählungen Dritter geschöpft werden mußte, während nunmehr eine immer größere Anzahl ■Gesinnungsgenossen Gelegenheit zu eigenen! Studium der wirtschaftlichen Bedingungen finden konnte. Als beachtenswertes Element der Entwicklung ist es auch anzusehen, daß durch die persönlichen Beziehungen zu drüben bereits ansässigen Verwandten und Freunden der Antrieb zur Uchcrsicdlutig und eigener, wirtschaftlicher Betätigung eine starke Förderung erfahren hat. Tauchen somit auch für Berufe und Altersklassen, die nicht mehr mit einer lieber- Siedlung rechnen zu können glaubten,, neue Möglichkeiten auf, ■und ist es Aufgabe der zionistischen Gesamtheit, diese mit der gebührenden Sachlichkeit zu überprüfen, so bleibt andererseits die Alijah und Haclischarah der Jugend nach wie vor 6m Vordergründe des Interesses, Es Hl sehr wohl denkbar, daß die Debatte dieser Fragern alte Fehlerquellen aufzeigen und neue Anregungen bieten wird. Im Mittelpunkt der Beratungen wird hoffentlich die zlaniiJtische Arbeit In Deutschland stehen. Die Bemiihung um die Lösung gesamtzioui91 Iseher Probleme (wie etwa auf diesem Dckglcrtentag der Organlsatlonsfragc) darf aut keinen Fall dazu führen, »laß dtie konkreten Aufgaben des deutschen Zionismus in den Hintergrund gedrängt werden. Fs bedarf keiner Begründung,, daß, soweit Außen,irbeit 111 Frage kommt, neben weitgehendster politischer Aufklärung«- täiigkeit (auch imlcr Niehljuden), neben Gemeinde•,!und Soziahrbeit u. a.ni. in erster Reihe eine großzügige ProparsikIu virttr Niditzkmisten zu fo׳• lern Ist. Diese In letzter Zeit sehr vernachlässigte Tätigkeit wird nicht nur unter dem Gesichtspunkte jn leisten sein, neue Mitglieder und Schrkcizaliler zu gewinnen, sondern man wird mit großer Energie bestrebt sein müssen, den ganzen Menschen für die zionistische Idee zu erfassen. friß als Objekte einer solch»:« intern! veil Propaganda — abgesehen von besonders wertvollen Mrtweheu — nur jüngere Jahrgänge in Betracht kommen, p» jedem klar, der die.se Tätigkeit aus Erfahrung kennt. Wc״ll auch die Keren Hajessodarbeit (auf die ich gleich zu $|-.!e komme) die Möglichkeit bietet, weiteste Kreise der Juden, sdiaft für Palästina zu interessieren, so sollte man >i;h doch keiner Täuschung darüber hmgeben, daß nur verein/ehe ältere Menschen mit ihrer ganzen Person gewonnen werden können. Es bleibt eben doch ein fundamentaler Unterschied zwischen einer Sympathie, die man durch Gcldhcrgabc und gelegentliche׳ Diskussion betätigt, und jener Leidenschaft der! 1;•״gäbe, die wir als Zionismus bezeichnen. Die erste« Kategorie kann man (das muß liehthcim, der sich ja hierin mit der alten BrandeRViicn Auflassung deckt, immer wieder rutgrgciij'clialtcn werden) zum Eintritt in die Zionistische Organisation fast nie bewegen, und es ist auch gut, wenn bei aller Gemeinsamkeit in der Arbeit eine reinliche Scheidung in der Frage der Grundanschauung bestehen bhübt. Trotz, aller Sympathie für den Pal.isUnaaufh.1u bleiben nämlich die Divergenzen im der allgemeinen Auffassung der Judentrage nach wie vor bestehen. Abgesehen davon, daß der Grad der PalSstinasiLmmirn״• verschieden ist, wird hierdurch von selbst ein deutlicher Trennungsstrich gezogen. Wird somit ~~ ganz wie tu der Vorkriegszeit — der Schwerpunkt der intensiven Propagandaarbeit in der Gewinnung der Jugend liegen, und somit die Arbeit vorwiegend von dem Jugendverhanden (allerdings unter tätiger Anteilnahme der älteren Zionisten) zu leisten sein, »o ist in der Keren Hajessodarbeit Gelegenheit gegeben, bei weitesten Kreisen jenes Interesse für Palästina zu erwecken, das in Wohlwollen und Geldhergabc seinen Ausdruck findet. Wir können mit Genugtuung fentstellen, daß es unseren Bemühungen in steigendem Maße gelingt, an einen recht ansehnlichen Kreis fernstehenden- Juden heranzukomraen und eitle neue Stimmung in der deutschen Judenheit zu inaugurieTen. Leider aber muß himuc-efügt weiden, »laß bei dieser Arbeit, die schließlich nicht allein auf Geldaufbringung gerichtet Lst, die Zionisten und selbst die sonst aktiven Zionisten völlig verengen. Es wird auf dem Delcgicrtentag der zio nistkehen OeffcnUichkeit mit aller Deutlichkeit zum Bewußtsein gebracht werden müssen, daß es auf die Dauer unmöglich ist, allem durch Beamte diese Arbeit durehzuführext. Nicht nur, daß es für diese ei« unerträgliches Gefühl ist, in völliger Isolierung und ohne ständigen Kontakt mit de« Zionisten diese, flieht gerade leichte und angenehme Aufgabe zu erfüllen — cs ist auch hei einer Beschränkung auf ganz ־wenige Kräfte der finanzielle Erfolg nicht zu erzielen, den man unter Voraussetzung einer halbwegs normalen Wirtschaft.«- läge in Deutschland erzielen könnte. Der immer wieder gehörte Einwand, daß man für Grldaufbrimgungsarbeit nicht geeignet ist, fst nicht durchschlagend, denn erstens ist diese Sclbstcinsdiätzung meistens tatsächlich unrichtig und entspringt — bewußt oder unbewußt — dem Wunsche, sich vor dieser Aufgabe zu drücken. Und zweitens wird nur eine ■zeitlich so ,bescheidene: und dem individuellen Könnet! so stark Reclvmmg tragende Mitarbeit »:erlangt, daß (von einer wfrkliel! hierfür unbrauchbaren Anzahl abgesehen), die große Mehrheit der Zionisten sich zur Verfügung stelle« könnte. Ueber alle diese hier nur angedeuteten Fragen »vird man, wie kh annclune, in Wiesbaden in kleineren Kreisen ausgiebig sprechen müssen. Zeigt sich somit, daß schon bezüglich der Außen.propaganda reichlichstes Beratern gsmatcrial »•nrhanden ist, so bedarf es keiner ausführlichen Begründung, in welchem Maße es für die Innenarbeit zur Verfügung steht. Man wird auf dem Delcgicrtentag hoffentlich mit aller Klarheit au׳wpredwn, daß ohne eine gründliche Reformierung unserer Ortsgruppen und Unterverbände neues zionistisches Leben nicht erblühen kann. Es wird nachgerade peinlich, immer wieder darauf hinzuweisen, daß die Anerkennung des Maasserprinzips die Voraassetzung einer kräftigen und gesunden zionistischen Atmosphfirc bedeutet. Nachdem in letzter Zeit eine Reihe von zionhtischcn Verbänden überzeugte Bekenntnisse zum Maasscrgedankt»! abgelegt haben, bringt der Landesvorstand einen Antrag ein, der eine Vervollkommnung des bekannten Be- Schlusses darstellt, nach dem nur derjenige ein Ehrenamt bekleiden darf, der seiner Maasscrpflicht genügt hat. Was mit diesem neuen Antrag, der nunmehr auch das passive Wahlrecht von der Maasscrlctstimg abhängig macht, erreicht werden soll, ist zweierlei: Erstais die Wiederherstellung bezw. die Ncukonstttuicrung der zionistischen MotsL Nur derjenige, dem seine Ideale auch fühlbare Opfer wert sind, soll hinfort als vollwertiger Zionist angesehen werdet! — auf die Gefahr hin, daß so mancher dieses. ״Outrieren ein« an sich gestruden Prinzips“ mißbilligt und sogar der Partei den Rücken kehrt. Es kann nicht scharf genug betont werden, daß cs moralisch einfach nicht möglich ist, von Nichtziontsten Geld zu verlangen, wenn nicht einmal die primär am Palästüiaaufhaii interessierten Zionisten ihre Pflicht erfütlcn. Ferner darf nicht übersehen werden, daß der Max ■s»r der Zioniaien die Grundlage der Keren Hajessodarbeit und die unerläßliche Vorbedingung eines finanziellen Erfolges darstellt. Die Schätzung der Einnahmen, die wir bei auch nur halbwegs ordnungsmäßiger Erfüllung der Maasscrpflk'ht haben könnten, mag jeder selbst vornehmen. Es gehört dazu mir die Multiplikation der Zahl der berufst.וtigen Zionisten mit dem aus einem Durchschnittseinkommen zu errechnenden Maasserbetrag. lieber die Kernfrage, die Neugestaltung zionistischen Lebens, liier zu sprechen, verbietet leider der Raum. Sicher Ist das eine, daß »lic Ortsgruppen als Zellen der nationaljüdischen Bewegung in ganz anderem Maße als bisher Erziehungs- und Bildungsarbcit leisten müssen. De zionistische Unbildung, die man vielfach antrifft, ist erschreckend groß. So sehr es «i «leuchtet, daß der immer größer werdende Fragenkomplex und Wksensstöff heute nur von ganz wenigen bewältigt werden kann, sö müssen doch von jedem intcressierten Zionisten bestimmte Bildiuigsclancntc verlangt werden, die die notwendige Voraussetzung einer zionistischen Tätigkeit darstcllcn. Es Ist selbstverständlich, daß die Tat־ Sachen Palästinas in der Ortsgruppen,!rbeit Berücksichtigung finden müssen, sind auch die außenpolitischen Zusammenhänge sollten wenigstens In Umrissen dem Einzelnen zugänglich gemacht werden! Dessen ungeachtet muß — ganz wie früher ■— der vielfältige Komplex der Judenfrage im Vordergrund des