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Jüdische Rundschau · 1924-12-09 · Heft 98 (9.12.1924) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 98 (9.12.1924)
Date
1924-12-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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FJmtlnammtr 0,2$ Goldmark lu'il.iMioii und Vi-rlm! W 15,!> jeden Dienstag und Frcit;«1J. IK monatlich 1,85 Goldmark, Vier Anzeigcn-VcrwalitmjJ: | Jüdisch« -Rundseli״ b.I!., 11 erlin W 15, Mcinek« Rctlaklions'cliluQ Sonntjid id Mittwoch naehmiUn{. Berlin, 9. XII. 1924 תרס״דז Dar Zionismus eretrobl für das lUdlscho Volk dio S<11af{un«j einer öffentlich *- rechtlich goslcherlfln Heimstatt« In Palästina. ״Baseler Proqramm.'* Die Wahlen zasa prec^iodaea LcaatSesverbäsad Die Parole des Central -Vereins In Bi'.iulworlung «Irr Meldung der ״Jüdischen Zeitung ihr OM«U utsrlilrimJ“ (Berlin), «;,1)ו der < i.-V. seine Wahlparole /itrüik,;«־/.n Iiahc (s. ״J.R,“ vom 28. 11. Nr. 95), sdireihi Pr. Ludwig Holländer, der Direktor des C.-V., in der lt (/:eil C,-V,■Zeitung : , ״Natürlich ist .ווד der Wahlparole des C.-V. nicht das geringste geändert worden. Ls konnte auch nichts gcämlrrl werden, denn der C.-V. muß ein Interesse daran haben, «laß unsere Kultiisgenieinden erhalten und «lall leisere religiösen Gemeinden nicht in Volksgemcimlen umgewandelt werden. Aller der. Schwindel, mit «lein gearbeitet wird, ist liivikhncnd. Ls wird in «ler Notiz behauptet, Kassel habe eine (‘Miritriistc anfgextcllt. Davon ist mm nithls bekannt. Unsere Ortsgruppe Halle Italic sich gegen «Jen C.-V. gewandt. Auch davon ist kein Wort wahr. Lud- 11111־ sei in Hannover die .׳uitizirmiMische Parole des C.-V. scharf kritisiert worden. Richtig: von einem Herrn.“ Wir haben {;leidi die Richtigkeit der Nachricht des Dies* Euer Blattes liczweifcli. Was aber die Mißstimmung in den hmten Kreferti der Mitglieder des C.-V. betrifft, glauben wir besser informiert zu sein als Herr Holländer selbst. Der Versuch, koiitradikmrisclu' Gegensätze /wisch«! ״ileutsehen Juden“ und ״«ientsdicn Zionisten“ zu konstruieren, als oh tlic Zionisten keine deutschen Juden wären, hat unter־ allen nicht vom Pnrtcihnß verblendeten deutschen Juden gerechte Entrüstung tiervorgcrut'eii. Audi einem objektiven C.-V.■Mitglied ist cs klar, daß man mit solchen Versuchen, einen T e i 1 des deutschen Judentums preis/ugehen, in Wirklichkeit nur den Antisemitismus fördert, der die Argumente, «1k' rh 111 der C.-V. liefert, gern aufgreifen und gegen alle Juden auswhlachton winl. Daher ist ein großer Teil der C.-V.-Mitglicder geradezu bestürzt ühiir die Sackga.sc, in die sie der Ile.iiucr Beschluß gebracht hat. Dr. H ol 1 ii n d c r schreibt weiter? ״Wenn in unserem Wahlaufruf das Streben nach Schaffung einer neuen hebräischen Wcltkultur bekämpft worden ist, so will der Schreiber des in Frage kommenden Aufsatzes nidit verstehen. Denn er weiß ganz genau, daß 1 ekler d a s j c 11 i g c , w a 0 die Antisemiten als Ali- Juden tu 111 bezeichnen, in manchen, w«mn auch vveiiigrn hirnverbrannten Köpfen a 11 j iitli 's c h er Prägung ei11c Rolle spielt. D.1R wir solche. Gedanken nirjit annchmcn, sondern in schärfster Gegenüberstellung bekämpfen, Ist selbstverständlich. Den Kampf gegen diese Gedanken nennt das gedachte Blatt einen Kampf gegen das Wesen der jüdischen Religion. Fs genügt, diesen Gedankengang fcstzusldleii.“ Hier allerdings Weiht ciiu’111 ih r Verstand Stillstehen, Was «ersieh( der C.-V, unter ״Schaffung einer neuen hebräischen Wcllkiiltur“? P.xs, was di«• Antisemiten darunter verstehen, iiikI was, nach Dr. Holländer (dem Direktor des C.-V.!!) mich in ״hirnverbrannten Köpfen nlljiklischer Prägung“ spukt. Hier müssen einmal klare Worte gesprochen werden. Die Antisemiten schrecken bekanntlich das dumme Volk n't dem Gespenst einer ״hebräischen Wcltkultur", was in ihrem Jargon so viel bedeutet, wie Herrschaft eines geheimnisvoll verbundenen internationalen jüdischen Finanzkapitals, das di«• ״VCMtberrscliaft“ ansirebt. In* diesem teils griiä-siigm, teils inxiiBeluu Sinne sprechen die Antisemiten von ״lubr.i• isehcr Wviiluilüir“ und Ailjiiikuttnii. Herr Holländer ielentifiziert «Ins große zionistische Ideal einer Wiedergeburt des jüdischen Volkes, seiner .Sprache und seiner Flire, mit dein ״was die Antisemiten als Alljmlciitum bezeichnen“. Was ,wir Zionisten׳ wollen, weiß alle Welt, kann jedermann aus unseren stets ö f f e 11111i c 11 e 11 Tagungen und Programmen erfahren. Trotz allen Lntstclhingen unserer Gegner winl auch der parteilose Jude, der nidit ganz niilk-rhalh «ler jüdischen Wirklichkeit sieht, immer «Icutlirhcr erkennen, was der Zionknnts ist und was er leint«-1. I'ing .seiner ■ - sogar von amgesprodiemm Gegnern, «lio aber gute Juden sind, anerkannten ־ größten Taten ist die Frwcckimg der hebrätediai Sprache. Gezwungen durch den von 1ms geweckten Geist mtifUcit auch liberale Gruppen schon hie und da, die hchräkrJie Sprache, die schon zum allen Fisen geworfen war, wietler «Inn ernsten Studium enipfchU'ii. Gewiß wollen wir, daß wieder originelle Kultur- Schöpfungen in der lichräisclieu S|1rache, In der hebräischen Sphäre Frez Israels entstehen und auch die Juden «ler Diaspora mit Stolz und Freude erfüllen. Gewiß wollen wir, «laß die Menschheit auch ilurcJi iiiimtc Kullurschöpfung bereichert wird. Wenn man «las unter ״hvbräisclicr Wcltkultur“ verstellt, dann bekennen wir 1111s freudig zu ihr, obwohl uns der imperi 11isli<chc Beigeschmack der vom C.-V., nicht von uns, ,in Anlehnung au die Antisemiten (wie Holländer selbst gestellt) geprägten Formel ״W «11 - Kultur“ nicht gerade sympathisch ist. Aber wir hoffen znversiditlicli, «faß in diesem Streben nach Nenbclchung der heht'iiisclicii Sprache, nach Herstellung lebendiger Ikvlcluingcn zu den hebräischen geistigen Schöpfungen, r.Ue u״ch am Judentum hängenden Juden uns uiiterslützen Werden.■ Auch wer seihst nicht mehr hebräisch ei lernen kann, imill diese Bewegung, besonders unter der Juge.ml, mit Sympathie verfolgen umT die Werte erkennen, die hier erneuert werden. LXr C.-V. aber warnt davor, 11nd sein Wortführer wirft «linse* Streben zusammen mit cinnii blöden antisemitischen Schlngworl. Wahrlieh, «ler C.-V, hat sich eine arge Blöße gegeben, als er den Kampf gegen <!h% ,,hebräische■ Wcltkultur“ (sc. aer Zionist(m) als einzigen ״positiven” Punkt in das Zentrum seiner Aufrufe s(ellfe. Das 11-ormalr, gesunde Jüdische Oefilhl des Durchscluiittsjudeii muß darauf mit l'ntrfistung reagieren. Auf Initiah'vc des ״Ostprcußischcii Sru.igogenverbnudcs" ist für die Wahlen zum Preußischen Bandesverband für den Wahlkreis 1 Ostpreußen eine Einheitsliste aiifgesteBt worden. Die Verhandlungen wurden von dein ״ I11 <1 i s c 11 e n 0 e 1110 i n d overei 11" und der ״V ere i n i g 11 n g fitr liberales J u «I e 11111 m“ geführt. Gegen die Verständigung auf eine gemeinsame Liste wurde weder in Königsberg noch in der Provinz ein grundsätzlicher Einwand erhoben. Von den vier Kandidaten der Liste, abgescheu von einer Anzahl von Stellvertretern, werden zwei der liberalen Richtung .1׳ »gehören' und zwei der Richtung «les .Jüdischen Gemrindevercins", unter diesrn ein Zionist. Die Liste hat «lie Zustimmung d״r maßgebenden Vorsteher «ler Provinzgemeindcii und der ■ Ortsgruppe des Ccntrnlvcreins gefunden. Das Urteil im ״Doar Ha 10m“-Prozeß lm Prozesse gegen «len ״Doar Hajom" wegen Gotteslisterung wurde der Redakteur Ben Awi zu 5 C und der Vertasscr des «ler Anklage zugrunde liegenden Artikels, Karnicl, zu 25 C verurteilt, ln der Urteilsbegründung heißt es, «laß in Europa eine Anklage wegen eines derartigen Artikels wahrscheinlich nicht erfolgen würde; iti Palästina ah■ r müsse man mit Rücksicht auf die gespannten Bc- /ielmngen zwischen den einzelnen Rdigkmsgcmoimleii lakt- ',oller und «virsiclitigcr sein, wcsvVcgen auf die einleitend angeführten Strafen erkannt werden mußte. Heber den Anfang des Prozesses, der bekanntlich unter Ausschluß der Ocffcntlielikcit vor sich ging, liegen bereits genauere Berichte im ״Dnnr Hajom“ seihst vor. Angckiagt "arm der verantwortliche Redakteur der Zeitung, Itamar Ben-Awi, und «Jcr Schreiber des Feuilletons, Jcschaja Karnicl. Der Klagevertreter führte aus, daß Palästina stets ein Ort war, wo mail für religiöse Verletzungen bcsonders empfimllich war und «laß deswegen das ottninanische Desctzburh den Paragraphen aufgenotnmen hat, «ler solche Verletzungen u11t<׳r Strafakiion stellt. Der Klagevertreter Iwudite! tlann kurz über die Taufe Urins Hcrzls und zitiert den Artikel, in wdclirm zwar lierz.l nicht mit Namen, soudfrn unter der Bezeichnung ״der Zaddik“ angeführt wird. Her Za«klik, heißt es dort, erschien vor Gott und beklagte 5ich über das Unglück, das ihm mit seinem Sohn /.»gestoßen id- Gott antwortete; Sei nicht zu traurig über «Jeine» abbüitnigen Sohn, denn die Sache ähnelt sein־ einer Geschieht«', die hier im Himmel vor zweitausend Jahren passiert ist. Darauf sagte der Zaddik: Der Vergleich stimmt nicht, denn deiner war ein Mamscr, aber meiner war echt von Vater- ,1ml Mutterscite. — Der Klagevertreter erklärt, daß liier eine Destah verspottet wirsJ, die «lic Cliristen als Gottes Sohn ״«d die Muselmanen als Propheten betrachten. Würde man du solches Vorgehen unbestraft lassen, so würde der Unfug derartiger Artikel um sich greifen. ׳ Der Verteidiger Dr. Schmetterling befaßte sich vor dk'111 mit der Frage der richtigen Ausdeutung des Zitates, kr erklärte «lie englischen Ueberset/iingen für falsch und 'Vk׳s darauf hin, «Iah in dem Schlußsatz, keineswegs gesagt "kd, ״dein Sohn“, solidem lediglich ״deiner“, was etwas ganz amirrt'* sei. Der Name Jesus werde überhaupt nicht erwähnt. Der Vergleich sei übrigens ganz unzutreffend, da Jesus gar w׳l1t seinen Glauben gewechselt hat, wie aus zahlreichen Stellen des ׳neuen Testamentes bewiesen wertlen kann. Sch«.n daraus gehe hervor, daß der Angeklagte nicht Jesus gemeint haben kann. Nach der Verteidigungsrede des Advokaten Horncc Samuel für Ben-Awi wird das Zeugi'iiverhör eröffnet. Z11 Beginn «Irr Beweisaufnahme legi!' der Verteidiger noch eine grimm־ l leherset/un״ vor und beantragte «lic 1 Intcrbrcduing tli-r Verhandlung, «lamil die Richter vorher diese Ucbcrsctzting studieren könnten. Der Richter Baker unterbrach daraut die Veihandlniig auf eine halbe Stunde. Lieber die Fortsetzung der Verhandlung werden wir berichten, bis die betreffenden Nummern des ״Doar Hajom" hier cingctroffcn sind. Vou der Xienistisclirn Exekutive Dieser Tage fand In London eine Sitzung der zioiiiMisch«•» Exekutive statt, an der auch Mitglieder des Finanz- und Wirtschaflsrats tcilnnluiien, die sich 11. a. aueli mit d« r Frage der der Exekutive zur Verfügung stehenden so geringen Geldmittel, befaßte. Der sich stark bemerkbar machende; (ichhnaiigcl hindere die Exekutive, vieles, was zur Entwicklung der Bewegung nötig wäre, zur Ausführung zu hi-ingi-ti. Dr. W c i z m a n 11 erstattete einen ausführlichen Bericht' i'ilmr «lie politische Lage lind schlug einen jmHtisclieii Arbeiisplau vor, der die Mitwirkung von mich «lor Exekutive nicht angelüircndcn Gesinnungsgenossen Vorsicht. Nach reger Diskussion wurde der Vorschlag Joseph Covvcus angenommen, sich an 500 Gesinnungsgenossen ' mit «ler «IriiigeinJen Bitte zu wenden, je 100 Pfund der Exekutive für ihre politische» Arbeiten zur Verfügung zu stellen. Co wen «riegle für seine Person die 100 Pfund an Ort und Stelle. Der'״Generalsekretär der Exekutive, Herr Israel Cohen, wurde beauftragt, eine Reise nach dem Kontinent anzittreten, tim dort diesen Beschluß der Exekutive zur Durchkihniiig zu bringen. Herr Israel Cohen tritt seine Reise dieser Tage an. ' ■ Das neue Rom und Jerusalem Von Heinrich Marguilics, Mailand. los 1 uif die oller Itcd lillllg : Artikel aufgcrollte Pro- IS zu Italien i,t /weifet- I wir hallen vi icderhnlt scher Auf- .. -arheit in Rom hingcwicscii. liHlem .״ diesen Gedanken unterstreichen möchten, ist es in» übrigen kaum nötig, zu sagen, daß der Verfasser, auf persönlichen Erfahrungen fußend, .mich durchaus persönliche Anschauungen und Wertungen äußert. Die Red. Eine Reihe von (nicht erfreulichen)' Uiiistäudcn hat plötzlich weiteren Kreisen des Zionismus etwas zum Bcwiißtscin gebracht, was jeiler schon seit längerer Zeit mit Besorgnis verfolgen mußte, der die Entwicklung Italiens aus der Nulte niitnnsieht: das ist die grolle Unterlassungssünde, die der Zionismus damit beging, daß er neben der auf London konzentrierten politischen Arbeit den Faktor Rom geringer cinscliäl/te. Ich möchte der. Ansicht Ausdruck geben, daß für Palästina in der Znkuiift Italien, mit oder ohne den Vatikan, ein poli tisch er Faktor allerersten Ranges sein wird, dessen Bedeutung durchaus nicht hinter der B״dcuhing Zurückbleiben muß, die heute England in diesem Zusammenhang besitzt, ja ich glaube sogar, daß Italien vielleicht berufen ist, einen unmittelbaren Anteil an der Entwicklung Palästinas zu nehmen. Um die Situation richtig zu beurteilen, darf man sielt nidit verleiten lassen, die aritiziouLstisclie Stellungnahme des Vatikans als eine autonome zu betrachten. So wie cs sicher ist, daß in vielen innerpolitischen Dingen der Fascismus dem Vatikan Liebesdienste erweist, so kann man annehiitcn, daß der Vatikan hier in erster Reihe als ein Schrittmacher und Vorposten der italienischen Außenpolitik, der italienischen Mittelmeerpolitik zu ■bewerten ist. Und das zu wissen, ist für uns von enormer Bedcuttuig. Wie die meisten ourop'iiseheti Völker haben auch wir dem großen Aufstieg Italiens in den letzten Jahren kein Verständnis cntgegcngcbraelit. Aber wer kamt heute noch! erkennen, daß Italien, an Bcvölkenmgszahl den Franzosen, an wirtschaftlichem Aufstieg ganz Europa, einschließlich vielleicht England, überlegen, heute auch kulturell und politisch eine Expatisionskraft besitzt, die gewaltig ist? Eine Expansiouskraft die überdies völlig klar und eindeutig vorgcschricbenc Wege vorfindet? Mit seiner Bevölkerung, «lie größer ist als «lie französische, besitzt es ein Land, das halb so groß ist wie Frankreich. Emigration oder Kolonialpoiitik (oder beides zusammen) war schon vor 1914 das italicnisclie Problem. Daher die Expansion nach Trinolis, die sogar von Sozialisten gutgeheißen werden mußte. (Z. B. von Mussolini, der damals Redakteur des sozialistischen Avanti war.) Heute sind «1er Emigration die Grenzen «gesperrt. Die Expansion des Weltkrieges war keine, die diesem Problem diente; die Anglicderung der Trentos war vielmehr lediglich eine Angelegenheit «les iiationalliisto.i.scheu Sentiments, der letzte Schritt auf dem Wege des Ri.sorßimento, einer seit Beginn des vorigen Jahrhunderts ent* standenen und völlig geradlinig verlaufenen Renaissance- Bewegung. Nebenbei war es auch eine Angelegenheit der Slratcgic: man wollte und mußte ein für alle Mal gegen die dauernde Drohung (auch wenn sie nur eingebildet war) voii Norden einen Riegel vorscliielien. Für die eigentlichen italienischen Probleme aber, weiche wie stets in der Geschichte Mittelniccrproblcmc sind, bedeutet der Ausgang des Kricgtxs nicht viel mehr als die Möglichkeit, unter endlicher Rückendeckung nach Norden zu Ihrer Lösung zu schreiten. Man weiß, «laß diese politische' Entwicklung, in Mussolini einen zielbewtißten Expcmenteil gefunden hat. Mußte schon der Schachzug des Hau- «lelsvcrtrages. mit Rußland, der die italicnLsclic Hnndclsflagge nach «lern schwarzen Meer bringt, als sehr geschickt bi'zciclmct werden, so gilt dies noch mehr für die Großzügigkeit, mit der er die latente Feindschaft zu Jugoslawien (wegen Fiume) tiberbrücktc und in 1 in Bündnis lunwnndelie, dem jetzt Rumänien beitreten s1׳il. Ein ähnliches Verhältnis bestellt zu Spanien, und so hat Mussolini die Miltelmecrposition Italiens ganz enorm gestärkt (ohne den Norden zu vergessen: Schiedsgerichtsvertrag mit der Schweiz, wo das noch ״imcrlöstc“ Tcssincr Ländchcit Zündstoff barg, und eine sich langsam, aller konsequent' herausscliälcnile freundschaftliche Hai- 11111g dem wiedererstarkendeu Deutschland gegenüber.) 111 dieser Mittclmchrpoliiik spielt natürlich auch Palästina eine■ grolle Rolle. Vielleicht wurde diese Rolle noch dadurch unterstrichen, daß gerade die bei Mussolini verhallte Arbeiterregierung Mncdoualcis als prozionistlscli galt. Niemand darf heute die Augen davor verschließen, daß sich zwischen Italien und Englaue! ernste Auseinandersetzungen anbahnen; Die Kon- | Zessionen, tlic England in Giubaland gewährt hat, dürfen

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