Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 96 (2.12.1924)
- Date
- 1924-12-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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.tfr 06 v fUEDISCHE tvüNDSCfx KXf Sei!« ftßö Ela schweres Mlßverstiainls Da ■ז Zcnlralorgan der amerikanischen Zionisten ״The ׳ץ t w Paleg ti ne“ veröffentlicht unter dem Titel ״Ein ge-;wisse* Mißverständnis“ in seiner Kummer vom H, November ci* uni Artikel, der direkt an die Adresse der europäischen Zionisten *criehtet ist um! »!alter unsere Aufmerksamkeit finden muß. lieber den Inhalt des Artikels werden allerdings die meisten iLeser außerordentlich erstaunt sein, zumal cs sieh um eine;redaktionelle AeuBcrung handelt, die offenbar die Anschauung;der Leitung des amerikanischen Zionismus zum Ausdruck bringt- Es gab «Ine Zeit, — schreibt das Blatt — wo das amerikanische Judentum allen europäischen Angelegenheiten;;0 fern stand, daß man es mit einem Schein von Recht von allen Beratungen nusschließen konnte. Heute hat sich die Situation vollständig geändert, die Beziehungen sind sehr enge geworden, und trolzdcn! will das europäische Judenturn und insbesondere der europäische Zionismus seine Vormundstellung gegenüber Amerika aufrecht erhalten. Dagegen protestiert das Blatt und erklärt, die europäischen Zionisten müßten, auch wenn cs ihnen unangenehm sei, verstehen, daß jene Zeit um ist. ״Die stillschweigende Vormund.־׳,tcllung könnte geraden« amüsant sein, insbesondere wo sie mit einer gewissen Sympathie und Gönnerhaftigkeit gepaart auftritt, wenn sic nicht ein erhebliches Hindernis für wirkliche Zusammenarbeit wäre. l:s ist, milde gesagt, ärgerlich, daß Aktionen und Ernennungen, über die wir klare, unvorclngc* nemmrne aber wohlbc'gründct« Vorstellungen haben, übereilt vorgenommen werden, und wir hier in Amerika einem fait aecompli gegcnübcrgcstcilt werden. Es ist klar, daß diese Praktik, falls sie nt weit getrieben wird, jedes folgende ״fait“ weniger ,,aecompli“ lassen wird als seine Vorgänger, und schließlich sich selbst vernichten wird.“ Die Tatsache dieses Artikels und noch mehr sein ungewohnlicher Ton scheinen uns auf einem viel schwereren Mißverständnis zu beruhen, als das ,,Mißverständnis“ ist, von dem ״New Pafcstiuc“ spricht. Der Artikel muß zunächst vollständig unverständlich bleiben, weil wir nicht wissen, welche Aktionen oder Ernennungen, die der Genehmigung der amerikanischen Zionisten bedurft hatten, von den ״curopäischcn Zionisten“ vorgcnoimncn worden sind. Die Zionistische Vereinigung für Deiiisehlaml r. B. muß sieh in »licscr Hinsicht völlig frei von Schuld fühlen, denn sic hat niemals versucht, die amerikanischen Zionisten in einer Sache, die sic interessiert hätte, vor ein fait aecompli ru stellen. Dasselbe gilt aber wahrscheinlich auch von dem politischen, österreichischen, holländischen usw. I.andrsverband. Es scheint also, daß etwas anderes gemeint ist. Unter dem allgemeinen Begriff ״europäische Zionisten“ versteht Amerika offenbar die E x c k 111 i v e in London. Konkrete Fälle werden nicht angeführt, aber wenn unsere Interpretation, tJaß die Exekutive (gemeint ist, richtig ist, dann wird der ׳Vorstoß der Amerikaner allerdings in einem viel eigentümlidieren Lichte erscheinen. Die Exekutive ist vom Kongreß gewählt, und gerade die Ictzfe Exekutive ist unter starkem amerikanischen Einfluß gewählt worden. Es ist wohl keine Ucbcrtrcibung, zu sagen, daß fast sämtliche Mitglieder der Leitung zum amerikanischen Zionismus nähere Beziehungen haben als zum europäischen. Wenn jemand das Recht hat, sfeh über Vernachlässigung zu beklagen, so ist es Europa. Bisher hat Dr. Weizmann stets ein halbes Jahr in Amerika zugebracht; Herr Lipsky, der Organisations-Referent der Exc* ktttive, hat noch nicht einmal begonnen, sich mit den eurepäischcn Angelegenheiten zu befassen und verbringt gleichfatls den größeren Teil des Jahres in Amerika. Es ist unseres Wissens noch n i e in a 1 s‘ vor gekom mc!1, daß die Leitung der Zionistischen Vereinigung für Deutschland vor den Entscheidungen der Exekutive 11m ihre Meinung befragt worden wäre, wohl aber ist. uns bekannt, daß «ehr oft die Meinung der amerikanischen Eödcratlon eingcliolt worden ist. Die Amerikaner vertraten t'iberdles stets den Standpunkt, daß der Exekutive die ' weitestgehenden ■ Voll-!nachten gegehen werden müßten, damit sic arbeiten kann und Freiheit genießt, für deren Verwendung sic nach Ablauf ihrer Amtszeit dem Kongreß Rechenschaft abiegen muß. Die ganze Politik des Zionismus in den letzten Jahren war stark von Amerika beeinflußt und für die Annahme, daß die europäischen Zionisten die Meinung Amerikas geringschätzen oder sich als Vormund fühlen, Ist nicht die geringste Grundläge vorhanden. Dagegen ist cs ein völlig unzulässiges Vcr- Aber hörbar klangen in diesen zwei Meisterwerken schon die Töne an, die den beiden folgenden Bänden ilire, für das Judentum im allgemeinen, den Zionismus im besanderen, unerfreulichen Charakter geben sollten. Die Tharaud lieben Israel, solange cs eine psychologische, soziologische Kuriosität hors pair ist. Im Volk Judas zieht sic das wild Mystische an, das Dunkle, Romantische, ewig zwiespältige, ewig nach Einheit Verzweifelte, das ״einzigartig Dramatische", wie sic selber es nennen. Israel in kalter, konkreter, positiver Lebens- Bestallung ist ihnen weniger liebenswürdig. ״Quand Israel cst roi" Ist darum ein sehr unerquickliches Buch. Es handelt sich um die Bolschcwistcnzcit in Ungarn. Schwere Anklagen werden mit großem Talent gegen Juden, manchmal sogar gegen die Juden erhoben. Doch ist hier nicht der Ort für Polemik. ״L’An prodiafji 4 Jerusalem“ ist für zionistische Obren kaum angenehmer und dies ist, der mehr als literarischen Tragweite des Ereignisses wegen, ernst zu nehmen. Man kann nicht bestreiten, daß die Tluraud nach Palästina fuhren als Leute, die die gestellten Probleme kennen und verstehen Es galt ihnen, eine sozialpolitische Unleryuchung von Internationalem Belang writcr/ufüliren und, angesichts der neuen Experimente, zu schließen. Das Ergebnis dieser Bilanzziehung, סי wie die beiden französischen Schriftsteller sic vollbringen, kt für den Zionismus vernichtend. Doch ist das Buch ״L’Ari prochaln a Jerusalem“ durch- »us nicht, was alles Vorhergehende und auch sein Titel vcrmulen ließen: eine allgemeine, systematische, weit ausge- Sehnte Kritik der zionistischen Idee ünd Tat. Jcrönie und Pan Tharaud ging nach Jerusalem als Künstler vor allem, *ls iinprrssioniMisclie Maler, sie reizte es, der leuchtenden Reihe Ihrer verblüffenden Erlebnisse neue, ebenso merkwürdig Mzlchcnd, so verwirrend unerläßliche hinzuzufiigen. Darum Ist der eigentlichen Kritik des Zionismus von den zehn Kapiteln nur eins der allcrscbmalsten gewidmet. In den neun anderen schwelgen die Dichter in blühenden Schildefungen einer exotischen Weit — Osterfeier am Heiligen Orab, Ostcrfcier ln der abetsitilschen Bischofskapelle, die Seufzcrstürmc der Klagemauer, der ruhige Glanz der Omar* langen, daß bei Ernennung eines Beamten der zentralen Institute irgend ein Landesverband, sei es Deutschland, Polen oder Amerika, von der Cxekulive gefragt werden muß. Ein solches Verlangen Ui neu in der ganzen konstitutionellen Gci-chidde des Zionismus und der Geist, der mit einer solchen Praxi!, bei ums einreißen müßte, müßte zu völliger Anarchie und zur Zerstörung des Restes von zentraler Organisation, der uns noch geblichen Ist, führen. Unsere amerikanischen freunde müssen verstellen, daß dem europäischen .Zionismus, der ,sich nach den furchtbaren Jahren, die Europa hinter sich hat, zu erholen beginnt, außerordentlich viel an einer hcr/JIclicn und kollegialen Zusanimenarbeit mit den amerikanischen Gesinnungsgenossen gelegen ist. Wir wünschen, daß die Zusammenhänge immer enger werden und cs ist selbstverständlich, daß wir die Zionisten aller Länder niemals anders als als gleichberechtigte und gleichwertige Gesinnungsgenossen befrachten. Die Amcri• kancr müssen sielt von dem Argwohn befreien, in jedem Europäer einen verkappten Vormund oder Gönner zu sehen. Für eine solche Afildtidc liegt nicht der geringste Grund vor und wenn jcneih europäische Zionisten wirklich so gedacht haben sollten, so können wir uns jedenfalls an diese Zeit nicht mehr erinnern. Wir finden, daß gerade die offizielle Presse der amerikanischen Zionisten in den letzten Jahren weif häufiger gegenüber dem europäischen Zionismus unfreundliche und geringschätzige Töne angeschlagen hat, als es umgekehrt der fall war. Wir wissen nicht, welchem Zwecke damit gedient werden soll. Wir können pur nochmals versichern, daß den curopäischcn Zionisten jode Verletzung׳ von Rechten oder Gefühlen der amerikanischen Freunde gänzlich fern liegt. Wir müssen aber gleichzeitig die Hoffnung aussprechen, daß auch die amerikanischen Zionisten ohne Vorurteile an die gemeinsame zionistische Arbeit hcraiigehcn und wir sind überzeugt, daß es keine »hirch geographische Orenzcn unterschiedenen zionistischen Interessen gibt, sondern nur «in gemeinsames zionistisches Interesse, den Dienst Schulter an Schulter für die Aufgabe des gesamten jüdischen Volkes, die Wieder* gebürt in Ercz-Israel ■h* •MMW# ***.* V/ Die Lag« der rassisches Jaden Von einem gelegentlichen Korrespondenten. Ueber die Lage der Juden In Rußland Ist auf der jüngsten Welthilfskonfcrcm in Karlsbad eingehend berichtet worden. Dr. Jo c h e 1 min n, der Rußland jeibst bereist hat, faßte sein Urteil in dem einen Sitze zusammen: .,Die russisch« und ukrainische Judenhcit befinden sich in einer katastrophalen wirtschaftlichen Lage und ist, wenn diese inhält, von physischer und geistiger Entartung bedroht.“ Gewiß, die Lag« der Juden in Rußland ist seit Beginn der Sowjetherrschaft keine glänzende gewesen. Merklich verschlechtert hat sic sich jedoch «rat seitdem die Sowjeircgierung ihre ״neue ökonomische Politik (Nep)“ revidiert hat. Das Wiederverbot des freien Handels hat in erster Reihe die Juden betroffen und unzählige von ihnen dem Ruin nahcgcbracht. Nun wäre es aber ungerecht zu behaupten, daß die Aendetun־״ der ״Ncp"-P01i<ik der! Juden nichts als Schaden zuge* fügt härte. Ungerecht deshalb, weil die berufliche Umschichtung d«r russischen Juden seitdem mit Riesenschritten vor sich geht. Freiwillig oder gezwungen verwirklichen sie ein Postulat des zionistischen Programms. Handwerk und Landwirtschaft bilden herrte das Ziel des Streben« weiter jüdischer Kreise. Sie werden hierin von der Regierung tatkräftig;׳ unterstützt, wie cs ihr K'.imprr.jekt bcwiesen hat. Gewiß, die ,,Jüdische Republik" in der Krim gehör! ins Gebiet der Legende. Hierüber hat sich der Vize- Präsident des Moskauer Zeiilnlcvckulivkontitee« einem jüdischen Journalisten gegenüber wie folgt geäußert: I ״Falls die Juden nach Ihrer Ansiedlung auf einem beson* j deren Territorium Selbstverwaltung beanspruchen werden, i werden sie sic gleich den übrigen Nationen in Rußland er-!halten. Vorläufig aber, wo ein solches Territorium noch girnlcht existiert, existiert auch eine solche Frage nicht. Alle Gerüchte wegen einer ״Jüdischen Republik* in Rußland ן sind nichts als leere Erfindungen. I Faktisch werden Von der Regierung die landwirtschaft* i liehen Bestrebungen der Juden weitestgehend gefördert. $0 hat *’T•—*•—»—-!■־'—־ 1—■;«1’. *WB*.■^׳ ■■»»;UM! sie ihnen in der Krim und Ukraine (in der Nähe der altert jüdischen Kolonien) größere Ländereien unentgeltlich überlassen. Audi bat sic die Ucbcrsiedlungs* und Parzellierung«* kosten übernommen und den Ncuansicdlcrn Steucrerlcichte* ׳ rungeu gewährt. Die Resultate konnten nicht ausbleibcn. So sind z. B. im Ödes sit er Rayon »eit IQ 20 J TO jüdische Kollektiven mit einer Bevölkerung von (>000 Personen errichtet worden. Gleichzeitig sind in Einzelwirtschaften 1000 Personen beschuh tigt. Ferner haben sich in jenem Rayon Im selben ZettrauriV 15 000 jüdische Landwirte niedergelassen. Alles in allem sind 8 der jüdischen Oesamtbevölkerung jenes Gebiets in der Landwirtschaft tätig. Einem Bericht über Weißrußland entnehmen wir, daß dort in 201 jüdischen Kolickli'vcn 21 000 Juden beschäftigt sind. Wahrend mm die Zentralregicrung die landwirtschaftlichen Bestrebungen der. Juden fördert, werden sic von den 10* kalen Organen gehemmt. Immer wieder haben die Juden über antisemitische Praktiken der Bodenverteilungskommlsslorten zu klagen. Die dczcntrallstische russische Ver. waltung leistet diesem Antisemitismus Vorschub. Ucherhaript hat sich der russische Föderalismus als ein Unglück für die Juden erwiesen. Mit dem Augenblick, wo russische■ Teilgebiete■ zur Selbstverwaltung übergehen, werden die in ihrem Vcrwaltungslcbcn stehenden Juden, die in der Regel der einheimischen Idiome unkundig sind, über Bord geworfen. Dies hat man erst jüngst in der Ukraine und Weißrußland beobachten können. Wie steht es nun um die nationale Autonomie der Juden selbst? Der (von uns bereits veröffentlichte, Red.) Aufruf, den die ״Zcirc Zion“ jüngst erlassen haben, gibt hierüber Aufschluß. Unerwähnt blieb in diesem Aufrufe: die Verfolgung der bürgerlichen und religiösen Elemente. Zur Illustration des ersteret! diene die Tatsache, daß au» den russischen Hochschulen tausende jüdische Hörer ausgeschlossen wurden, weil sic Söhne bürgerliche« Eltern sind!! Ueber die Religionsvcrfolgungcn in Rußland Ist bereits wiederholt berichtet worden. Die Fälle, wo Synagogen ge* schlossen werden, haben sich gemehrt, wie jüngst die Schlicßung der großen Synagoge in Odessa, Auch der Verkauf von KoscherflclscH wird mancherorts verboten. Mau muß aber betonen, daß die Initiative bei diesen Rcligions* Verfolgungen stet« den jüdischen Kommunisten gehört. Daß man in Rußland auf religiösem Gebiet auch ״schöpfe* rirch" sein kann, beweist die in Poltawa und neuerdings auch In Charkow begründete ״Lebendige Synagoge“ (ein j Pendant zur ״Lebendigen Kirche" der Griechisch-Orthodoxen), j Die Gebersprache ist jiddisch. In den Predigten werde« I Thora, Mlsciiua und . . . Lenin zitiert. ״Der Kommunismus j Ist eine mosaische Lehre, die Lenin im Bolschewismus nieder. | gelegt bat", definiert einer der Wortführer. Lenins Name J wird stets mit ״ל! erwähnt, d. b. זכר צדיק לכרבה —r* * Die ifldischc Kflltarkonlertni In Ra 311ml Moskau, (f.T. A.) Am 25. November wurde die er&W allrussische Konferenz der jüdischen Kulturarbclter eröffnet« In da* Ehrenpräsidium wurden Frau K ru psk a la, die Witwe Lcitüm, ferner der t'rxh'lmngsinluNicr Lunatscbarsky und der Dichter Morris Wittchewsky gewählt, in einer A!1• snraeh״ M״tc Lunabcharsky, die Entwicklung der nationalem Kultur in der eigenen Sprache sei für die In Frage kommende Nation nicht nur eine Sache des formalen Rechtes, sondern; auch eine Frage der nationalen Existenz. Die Menschheit sei dem Judentum dankbar, daß cs ihr den größten Revolutionär, den cs in der Welt gegeben hat (Karl Marx) geschenkt hat« Weitere Ansprachen hielten: Winchcwskv, ״Esther“ (Esther Frumkin, eine der jüdischen kommunisfischcn Führcrinnenji und ein offizieller Vertreter der Russischen Kommunisten* Pariei.; lm Verlaufe der Konferenz wurde LunaLscharskv gefragt, warum das Ministerium für Erziehung und Kunst das• Bourg<o!.«ic*Theatcr ״Habimah“ unterstütze, worauf Lunat* scharskv erwiderte, daß ״Habimah“ vor 14 Tage« von der Liste der akademischen Staats, theatcr gestrichen worden sei. Im übrigen habe ״Habimah“ niemals Irgendeine Oclduntcrstützung vom Er« ziehuugsrnlnisterium bekommen. ’ ■W'J■"[■■■.',;.1 1. ■11■ I— I!" 111. — eiiwg■.. ■M WW.UBWgBMUWlWiaB» ntojc.'icc, die Stimmen der Jahrtausende, die wie ein Gewitter die Luft erfüllen zwischen dem vergitterten Fenster des Rabbinern Sonnenfeld und den Gräberfeldern Im Tale Josa* phat. Groß stehen einige Gestalten auf, Herzl ״Der Prophet auf dem Boulevard“, Sarah Aronsohn und die Ihren, Uen Jelmda mit seiner stolzen Geschichte, die die Geschichte der hebräischen Sprache ist. Und mitten drin, auf ein paar Seilen, die Abfertigung des Zionismus. ״Ic.11 gestehe, daß mir der Schäfer, der beim Herdchütcn Tolstoi liest, ebenso wenig zusagt wie der Arbeiter, der das Buch eines Wicnc? Dekadenzdichters unterm Arm trägt, oder das junge Mädchen, das lieber auf der Straße Kieselsteine klein klopft als sich mit der Haushaltung nbzugeben, weil sie auf diese Art Palästina besser zu bauen vermeint. . . Weder hei den Männern noch bei den Frauen sah ich je ein Lächeln. . , Die ganze Judcnschaft der Welt in Bewegung setzen, um da und dort einige armselige Inseln jüdischen Lebens zu schaffen, von delicn mehrere dem Ruin zugleiten -- man kann »Jeu Gedanken nicht von sich weisen, daß für so magere Resultate der Lärm etwas groß gewesen Ist.“ Er, klingt wie üble Laune, willentliche oder unbewußte Voreingenommenheit aus solchen Sätzen. Wer unter den alten Zionisten bat je geträumt, daß ״alle Jude!! der Welt, von heiliger Freude ergriffen, sicii ihrer Güter, ihrer Oeschäfte entledigen würden, um In Palästina Ersatz zu finden für alles, was sie binler sich ließen“! L'.'ic Tharaud rechnen aus, daß ״für den Wiederaufbau des palästinensischen Helms ein Jude Frankreichs jahraus, jahrein achtzehn Centimes hergibt, ei« Kalietter fünfzig Centimes, ein englischer Jude weniger als zwei Franken“. Die Tharaud wollen nicht sehen, wie rasch man aus solchen Ziffern, hei ruhiger Erwägung aller innrrpolitüchen und sozialen Umstände, des jüdischen Volkes, Lobe.slicder auf den Zionismus komponieren könnte. Allerdings muß mau den beiden Schriftstellern zugute halten, daß sic wohl während einer wenig glänzenden Periode der Aufbauarbeit in Ercz-Israel reisten. Aber dies nimmt der Verstimmung, die deutlich aus den oben zitierten Sätzen spricht, nichts von ihrer symptomatischen Bedeutung. Wer die verbergenden Bücher der. Tharaud las und liebte, be* greift diese Verstimmung sehr leicht, und Ist vielleicht gar versucht zu lächeln. Es bleibt zu bedauern, und es darf nicht ohne Widerspruch ״!gelassen werden, daß aus einer üblen Laune großer Künstler heraus die Opferarbclt einer Oencratlo« summarisch beurteilt und leichtfertig vor der ganzen Welt verworfen wird. Paris, November 1924. S y 1 v a i n C a h 11. Traub, Jüdische Wanderungen, (Berlin 1922, Jüdischer Verlag.) Das Traubsche Buch gibt «Ine vorzügliche rusammeofassende Uebersicht ühcr die soziologischen und politischen Vcrhältnissc der Answanderungsländer, gewahrt b<- ziehungsreiqhc Einblicke ln den Aufbau und die Schichtung in. wirtschaftlicher im«! sozialer Hinsicht der jüdischen Aus״ wmidcrcripassen. Im Zusammenhang damit wird versucht, die' slci, aus den Zuständen Im EI n w a n <1 e r u n g s I a n d « er* gehenden Konsequenzen für die JütiKchen Einwanderer »» ziehen und Insbesondere die Bcrufsiimschlchtung und den Aufbau dieser Immigranten zu zeigen. Elnzclhcllcn Ober ein derartiges Buch in einer Besprechung wiederzugeben, tat wohl nicht nötig, da Zahlen Ja nur Im größeren Zusammen* hang ihre Bedeutung erlangen. Auf den Zusammenhang de■ Problems der jüdischen Wanderungen aber mit dem der Zukunft des ’ jüdischen Volkes, der In diesem Buche klar hcrausgearbeltct wird, nochmals hlnzuwelsen, haben wir alle Veranlassung. Denn die Einw.tnderungssperre nach Amerika einerseits, die auch wohl den dort schon vorhandenen Assimilationsprozeß beschleunigen wird, und die Unmöglichkeit andererseits, die Einwanderung nach Palästina 80 zu ver* großem, wie ei dem in den Oslstaaten noch Immer vor* hamkrien Drucke entsprechen würde, läßt die Frage nach der vorläufigen Richtung des jüdischen Wanderungsstromes und auch nach den Zuständen in den Auswandcrungsländcm selbst ln Ihrer ganzen Problematik und Schwierigkeit immer wieder neu erstehen tind reizt zu Immer wieder neuen theore* tischen und praktischen Lösungsvtrsüchen. Dr. F, M.