Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 95 (18.11.1924)
- Date
- 1924-11-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 9i> fl/EDISCHE RUNDSCHAU Seite 68! Dcutocbland ־ Etaficilslrößl gegen Naamsnn Ein Versa!11 mlungsbcricht aus Breslau. Ein schweres Werk ist in Breslau gelungen, die Bildung einer EI n 11 c i t s f r o 111. Zwar /un.idist nur für einen Abend. Aber es kann sich ja noch auswirken. Du- Verdienst um diese große Tat, um es mir bald zu sagen, gebührt pan? ausschließlich Herrn Dr. Max Nimm n n, dem Vomi/emicn des Verbandes nati״iialdoulscbcr Juden. Und das kam so: Besagter Verband entschloß sich endlich, die längst versprochene öffentliehe Versammlung in Breslau zu vcrans'a'tcn. Noch bevor die Ankündigung in eien Zeitungen stand, erfuhr inan van einem vertraulichen Rundschreiben an die Mitglieder, in dem diese geheim wurden, recht zahlreich zu .erscheinen, um Herrn Dr. Max Naumann für seine Ausführungen die nötige Re* sonanz zu verschaffen. Diese Parole der ״Resonanz“ stieß wohl über den Rahmen der Veranstalter hinaus auf ein von diesem nicht beabsichtigtes Verständnis. Der Saal war jedenfalls sehr voll. Herr Dr. Naumann sprach, mau muß ihm das wohl /,«gestehen, recht gemäßigt. Er beteuerte, daß es ihm absolut fern läge, andere von ihrer gefühlsmäßigen Anschauung ahzuhri ngen. Er wollte nur die Einstellung seiner Gruppe darlegen und erhoffe das meiste von der freien Aussprache. Debattieren wolle er allerdings nur über die Juden frage, ,nicht über die Erage des Jiideuitiim, denn das verwirre nur. Darüber wurde doch sch an so viel überflüssigen Zeugs von selbstgefälligen Autoren geredet. Am besten glaube er seiner Aufgabe an diesem Abend gerecht zu werden, wenn er an Hand eines eben erschienene:! Artikels in der ״Jüd. Rundschau“ von Herrn Krojnnkcr sich mit diesem auseinandersetze. Zunächst bemängelte er, daß der Verfasser ihn mit dein Wort ״Belange“ in Beziehung setze. 1 licr habe sieh Herr ICrcjattkcr aber sehr getäuscht: das Wort brauche er niemals, »las sei ihn! zu ״di nlschtmiielml“ und er hasse alle — ״Tümelci“. Dann spöttelte er über die Wendung ״die Tat- Sache Goethe“ und knüpfte an den Satz, in dem diese gesagt war, seine Kritik. Breit, hngwei'ig, ermüdend, nichts Neues. Neu war den meisten wohl mir seine neueste Einstellung 7u den Ostjudeu: Viele kommen nicht mehr. Nur wenige .Junge. Die werden allesamt vom wohlorganisiciten Zroni.5mus sofort ciiigefangeu. Sie sind dann die Wertvollsten Propagandisten für diesen und verstehen besonders die deutsch-jüdische Jugend dem Deutschtum abspenstig zu machen und zum Zirnismus hinübcrzuzielieu. Darum sind sie eine große Gefahr, obwohl sie alle moralisch abso'ut einwandfrei sind. Und deshalb muß mau sieh gegen ihre Ein Wanderung sperren... 1111 übrigen wie gesagt: Nichts Neues. Nachdem er den filier eine Stunde Lumen Speech geendet, erhob sich der Vorsitzende und vcrküiidcic kraft eigener Machtvollkommenheit Beschränkung der Redezeit auf zehn Minuten. Minutenlanger Sturm im Saale. ״Heißt das freie Aussprache?“ ״Was sagt Naumann dazu?“ Selten droht die Versammlung sielt aufzulösen, — doch die ersten Worte des ersten Diskussiousredners, unseres Freunde::■ Rechtsanwalt Jacobsolin, vorsehnffen Ruhe und nun soiclt s::h ein Schauspiel ab, wie es Herr Dr. Naumann, aber wir sagen cs offen, auch wir kaum noch erlebt haben: cs bildet ׳ sich spontan eine einhcitlichc Kampfesfront aller gegen diesen Mann und gegen seine Ideen. Und was für Kämpfer! Es war ein reiner ästhetischer Genuß, diese Rednerserie anhören zu können, alle einig int Kampf gegen Naumann. Wohl trat die Verschb'dciilirit der Anschauungen zutage, keiner hielt daijiit 'zurück. Aber mit freundlichen Worten, wirklich milde und 'versöhnlich, fast entschuldigend, daß man nicht ganz derselben Meinung sei, — aber wuchtig, kraftvoll, energisch, .rückhaltlos in der Abwehr dieses Autijudentums. Und als hätten a'le Richtungen ihre besten Leute aufgebnten: ein Redner übertraf den amirren, in dem, was er sagte und wie er cs sagte. Es sprachen: R.-A. Jacobsolin (Zionist), Fräulein Zils (christJ. Sozialdemokratin), R.-A. Dr. Lux (Zhnist), Professor Dr. Siegfried Marek (Sozialist, Centralvereint, Fränkd (jüd. Sa/ialistt, R.-.V Erich Spiiz (Jüd.-l ib. fugeudvcreiii), Rep.-Rat Dr. Marcus (Zionist), Dr. Joseph 1 Ursel,berg (Dem׳ kraf, Kameraden), Rabb. Dr. Vogelstein (Liberal, Centralvcrciti). Diese Weilte vorzüglichster Vertreter dieser nntinpumnunianischen Einheitsfront unterbrachen wirklieh sehr müßig ein Referendar mit schwarz-wciß-rotcm Bändel, der immerhin auch gegen Naumann sprach, aber mehr und «lumm (gegen Zionismus polemisierte, ein Anhänger Naumanns, Dr. Rudolf Cohn, »fein nur das Eingreifen und die Ver* Sicherung des Zionisten Dr. Marcus, daß er doch nichts Bedeutendes zu sigcn habe. Gehör verschaffen konnten, und ein volksparteilicher christlicher Anwalt, der sielt nachher vom Sozialisten Fränkd fragen lassen imißlc, warum er sieh nicht auch in einer Aniisemiten-Debatte in der Stadlverord* nctcu-Versammlung (gegen den Antisemitismus bekannt habe, vielmehr ganz mäuschenstill geschwiegen habe... Herr Naumann und seine Freunde dürften wohl noch nie innerhalb so kurzer Zeit eine solche Reihe von Abfcr'igunge.11 ihrer Anschauungeit von dui verschiedensten Standpunkten aus erfahren haben und die Lust zur nochmaligen Wiederholung solchen Schauspiels dürfte ihnen vergangen sein. Ganz besonders hetvorgehohen zu werden verdient die Rede des Prof. Dr. Marek, der in allerknapps'cr Form (5 Minuten Redezeit war indessen beschlossen worden) Herrn Naumann glänzend widerlegte und seine Tätigkeit als Dolchstoß ,in den Rücken der gegen den Antisemitismus kämpfen• den Front charakterisierte. Und cs war Rabbiner Dr. Vogclstcfu, der Herrn Naumann eine ganz, kleine, aber ■nicht bedeutungslose Zitrden-Fälsrhuiig nachwies. Herr Dr. Naumann hatte Rietkr zitiert: Wer mir den Anspruch auf mein Deutschtum bestreitet . . . gegen den muß ich mich wahren, wie gegen einen Mörder, Herr Dr. Vogelsteiu bclehrte ihn, daß Gabriel Rießer int Vordersatz gesagt habe: Wer mir den Anspruch auf mein deutsches Vaterland bestreitet . . . was d■t11 immerhin etwas anderes sei .. . Das war ärgerlich. Ba'd darauf unterbrach man Herrn Dr. Vogelstein wegen zu langer Ueberschreitun״ der Redezeit und wegen vorgerückter Stunde (es war allerdings schon nach 12v! Uhr geworden) und hinderte ihn am Weiterreden. Aber es halt nichts, Herr Dr. Naumann kam doch nicht zu seinem Schlußwort. Die Unlctbrccliung des Herrn Dr. Vogelstein brachte die ohnedies schon recht stark geladene Stimmung zu erneuter ExpDsion, ein großer Teil des Pubhkums verließ die Plätze, drängte nach dem Ausgang, Zurufe wogten herüber und hinüber, ja plötzlich erklang sogar die ״I la'ikwali“, und es gelang trolz aller Anstrengung selbst den guten Stimmmitteln des Herrn Dr. Naumann nicht, sich durchzusctz.cn und durchzuJringen. So vernahm man leider auch nickt die Antwort auf die Frage eines der Diskussionsredner: ״Welche Partei werden Sie, Herr Dr. Naumann, am 7. Dezember wählen?“ Und dieser wirklich schöne Abend war zu Ende... Aber nicht unerwähnt bleibe die einzigartige Geschäfts• liihrung des Leiters der Versammlung, des Vorsitzenden der Breslauer Gruppe, Herrn Huidelsricn'.cr Bcercl. Daß die Kontraredner dauernd durch Zwischenrufe unterbrochen wurden, daß Skandal entstand, tangierte ihn absolut nicht. Er blieb fühl״ aut seinem Platze sitzen und ließ geschehen, was geschalt. Doch als er dann seinem Freunde Dr. Colin Ruhe verschaffen wollte, gelang es ihm!lieht. Da war er auf die Hille des Zionisten angewiesen und nahm diese Unterstützung ruhig an. Als die Klänge der Ifatikwah ertönten, Heß er auch seinen Freund Naumann im Stich und verließ gesenkten Hauptes das Lokal . . . Die dcutschnationale ״Schics. Zeitung", für die ein aus dem Judentum ausgetretener Herr am Pressetisch saß, berichtet von einem großen Siege Naumanns. Dieser Sieg sei ihm gegönnt, und sogar noch mehr von dieser Art . . , Sch. Die WaMparole des C.-V. Wie wir der ״Jüdischen Zeitung für Ostdeutschland" (Breslau) entnehmen, hat die Breslauer Ortsgruppe des Cen- Val-Vereins bezüglich der Wahlen zum preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden folgende Resolution atigenommen: ״Die Ortsgruppe Breslau des Central-Verciiis lehnt die radikale Formulierung der .Wnhlpar,סיר des Hauptvorstandes vom 11. September 1924 als die Einigkeit des deutschen Judentums und den Bestand des Gcnlrnl-Vereins gefährdend ab. Ein irgendwie geartetes Zusammengehen mit dem Naumann-Bunde wird rundweg abgefeimt". Das Blatt meldet übrigens, daß die Berliner Leitung des Ccutral-Vcrcins sich durch die überall innerhalb des Central- Vereins entstandene Opposition gezwungen gesehen hat, die Wahlparole z n r ii c k z u z i c I1 e 11. Soweit unsere litformationen reichen, ist «lies keineswegs der Fall, der Ccntral-Vereln bat vielmehr die neuerliche Beschlußfassung bis nach den Rcichslagswahlen vertagt (siebe Ccntral-Vcrcins-Zettung vom 7. November). Die Zionistische Vereinigung für Deutschland hofft, daß sie auf Grund dieses dringenden Appells die Möglichkeit er• langen wird, denjenigen Gruppen, die die Hebraisierung ihrer Mitglieder durchführen wollen, die hierfür notwendigen Lehr• kräfte zur Verfügung stellen zu können. Zionistische Vereinigung fUr Deutschland. Berlin W |5, Mcinekestr. 10. Die XalursHszüon von 0M|uden in Preuße» Der Amtliche Preußische Pressedienst schreibt: Zu dom eiset neu Rüstzeug der reclits'ipposl'irmcllcn Presse bei ihrer Arbeit gegen Minister Severing gehörte von je das Sch! 1 •w״rt von seiner Protektion der ostjüdi• sehen Einwanderung. Entsprechend der Siedehitze, in die sielt allmählich die radikalen Redner bei den Reichs• tagswalilvcrvanimUmgcn hinelnredeit, wächst in ihren Köpfen •auch die Zahl «!er von Minister Severing nicht etwa nur nach Deutschland Irnch,gelassenen, s'uidcrn sogar auch noch naturalisierten Ostitiden ins Phantastische. Herr Wulle von der Deiitsclivtiikisdien Freiheit sparte! hat es fertiggehracht, in einer Wahlversammlung zu hehaupten, _ daß Minister Severing ״in einem Jahre <K)(XX> Ostjuden nnttiralisicrt habe“. Diese Ziffer, die sehr deutlich zeigt, was ein rechtsradikaler Agitator seinen Hörern zumuten kann, macht mm natürlich schleimigst die Runde durch den Teil der rechtsradikal eingestellten Presse, der jedes Mittel ln der Polemik gegen den preußischen Innenminister recht Ist. Eint diesen Lügen und Entstellungen entgegenzutreten, hat Minister Severing dem ״Deutschen Tageblatt", das als erste Zeitung in seinem Bericlit über die Wulle-Rcdc die Ziffernnngahe dieses Redners brachte, die folgende preßgcsctzliclic Berichtigung ztigclicn lassen: ״Es ist unwahr, daß ich In einem Jahre 90003 Ost• juden naturalisiert habe. Wahr ist vielmehr, daß in Preußen eingebürgert worden sind: ׳ insgesamt davon frcmdstämmlge Ausländer Ost ausländer im Jahre 1021 6033 757 _ . _ 1022 10 W, 618 309 817 17 - 1023 '״ ״ Die Zahlen der Einbürgerungen des Jahres 1924 stehen noch nicht fest, jedoch halten sic sich noch unter den im letzten Jahr Eingebürgerten." Uebrüisehc I.cltrcr herans! ln immer stärkerem Maße äußert sieh der Drang Innerhalb des deutschen Zionismus mit der Forderung der Flchrai s i c r u n g des jüdischen Lebens ernst zu machen. Eis ist selbstverständlich, daß dieses von uns immer wieder als notwendig Eingestellte Ziel am sichersten erreicht werden wird, wenn die 11c ran wachsende jüdische Generation grüudliehen hebräischen Unterricht nach modernen ־ pädagogischen Gesichtspunkten erhält. Aus diesem Grunde wäre cs erforderlich, daß jede zionisti-che Gruppe ln der Lage Ist, hebräische Kindergärten und hebräische Sprachschulen cinzuriclitcn. Nicht minder wichtig ist jedoch, daß die Erwachsenen, die in der Jugend keine Oelegenheit hatten, hebräisch zu lernen, das Versäumte nachholen und sich an hebräischen Kursen beteiligen. In dieser Richtung ist in der letzten Zeit in Deutschland ein erfreulicher Fortschritt zu verzeichnen. Allenthalben äußert sich das Bediirfnis nach gediegenem hebräischen Unterricht und die Zionistische Vereinigung für Deutschland wird aus vielen zionistischen Zentren Deutschlands um Zuweisung entsprechenehr Lehrkräfte angegangen. Diesen Wünschen konnte bisher in den letzten Monaten in acht Fällen, namentlich bei Anfordemng aus Universitätsstädten, entsprochen werden. Jetzt dagegen liegt die Situation so, daß eine ganze Anzahl von Ortsgruppen von der Zionistischen Vereinigung fiir Deutschland dringend Lehrer anfordern, Insbesondere fiir Plätze, an «lenen keine Universitäten vorhanden sind, ohne daß gceignele Bewerber zur Verfügung stehen. Wir richten daher hierdurch einen dringen den Appell insbesondere au die jüdischen Studenten,die Absolventen hcbrälschcrGym• 11 asicn sind und die hier ihrem Studium ob liegen, dasselbe zeitweilig zu unterbrechen um als Pioniere der hebräischen Sprache in unseren öruppen tätig zu sein. Wir hoffen umsomehr auf einen Erfolg dieses Appells, als schon einige Studenten ihrer jüdischen und zionistischen Pflicht durch Uebernahme des hebräischen Unterrichts an Plätzen ohne Hochschule genügen. Diese leider nur wenigen Herren haben sielt zur Ucbcrtiahnte dieser Aufgabe mich aus/ dein Gefühl bereit erklärt, daß sie der Zionistischen Vercinigting für Deutschland eine Dankesschuld abzutragen haben, da sie in den meisten Fällen durch die Organisation oder durch ttn/clnc Zionisten Förderung bei ihrem Aufenthalt in Deutschland erfahren haben. Diese Herren erachten es als selbst• verständlich, sich eine Zeit hindurch der wichtigen Aufgabe zu widmen, die Kenntnis der hebräischen Sprache weitesten Kreisen zu vermitteln. Das Beispiel dieser wenigen sollte von allen Studierenden, die geeignet sind, hebräische Kurse zu leiten, nachgeahmt werden. Neben den Opfern, die unsere CI a'uzim in Palästina im Interesse des Aufbau« unserer Zukmift bringen, wiegt das Opfer, das von den Absolventen hebräischer Gymnasien verlangt wird, sicherlich nicht allzu schwer. — Die Jüdische Schule Aus Dresden wird uns berichtet: Die vor etwa zwei Jahren entstandene jüdische Ver• einigiing ״Esra“, die sonst auf streng uetilralpolitischent Boden steht, Heren Ziele aber auf das Durrltdringen der hiesigen Gemeinde mit jüdischem Geist gerichtet sind, veranstnltete am Montag, den 17. November, eine Versammlung mit dem Thema: ״Die Notwendigkeit der jüdischen Schule“. Als Redner wurde der bekannte Dahiibrcclicr auf diesem Gebiete, Herr Dr. K o 11 e 11 s c it e r, Berlin, geweinten. In der Einladung war d<!r Vortrag von ״Esra“ als ein Auftakt zur Gründung einer jüdischen Schule in Dresden bezeichnet worden. Dieser Aufruf fand einen deutlichen Widerhall, und zwar nicht mir bei Anhängern, sondern auch Gegnern. Der Saal war daher bald ge füllt. Die Gegner kamen natürlich, um das Zustandekommen zu vereiteln. Aus eien Ausführungen des Vertreters des Centralvcrcins deutscher Staatsbürger jiidischcn Glaubens erfuhr man allerdings, daß beabsichtigt sei, auf alle jüdische Kinder einen Zwang aiiszuüben, die jüdische Schule besuchen zu müssen. Diese Unklarheit wurde von Herrn Dr. h'oilenscher in seinem gehaltvollen Vortrage beseitigt, wie der Redner es überhaupt verstand, dem üblichen Haupicinwäudcn gegen die jüdische Schule von vornherein zu begegnen, imlern er hierauf ausführlich einging. Trotzdem wurden von diesen Diskussionsrednern, sowie von einer späteren Diskus* iousrednerin, ihre ernsten Bedenken gegen die jüdische Schule geltend gemacht. Die Wider* fcguitg erfolgte durch Herrn Dr. Lew, insbesondere vom zionistischen Gesichtspunkte, simic von den Herren Redakteur 11 o i I ü 11 «I e r, Leipzig, und Dr. Sterntann, die den ostjüdischen Standpunkt vertraten. Die temperamentvollen Realen dieser beiden Herren wurden van einem großen Teil der erschienenen Gegner derart übel genommen, daß sie der» Saal demonstrativ ■verließen. Nach einem Schlußwort von Herrn Dr. Kcllcusrlicr, konnte nachstehende Entschließung einstimmig angenommen werden: ״Die jüdische Schule ist eine utinbwcislichc Notwendig• keit für die Erhaltung und Förderung des Judentums und für den Schutz unserer Kinder vor den Leiden antisemitischer Roheit. Der Vorstand der israelitischen Rcligionsgcmcinde Dresden wird dringend aufgefordert, unverzüglich die nötigen Schritte für die Errichtung einer jüdischen Schule cittzuleiten; insbesondere sofort ein aus Mitgliedern des Gemeinde• rates bzw. Vorstandes und der für die Frage interessierte!» Vereine bestehendes Kotnilec zu konstituieren, welches dem Vorstand Vorschläge fiir die Verwirklichung acs Schulplancs zu unterbreiten hat.“ Die Touristik In Paläslisa Ueber dieses Thema sprach Dr. Alfred Anfei litt Rahmet» eines Reiseberichtes, den er am 12. November d. J. in der Gruppe Wc.st-Cliarlottcnburg der D. Z. V. erstattete. Er führte etwa folgendes aus: Der ( rage der Touristik in Palästina muß erhöhte Aufmerksamkeit gewidmet werden. Es ist zu befürchten, daß für die Unterbringung und für die Information der immer größer werdenden Zahl der Palästinabesucher nicht in ge• nügcndein Maße gesorgt wird. Das birgt die Gefahr ia sich, daß Palästina in den Ruf eines unangenehmen Reise• landes gelangt. Diese Gefaltr ist um so größer, als (bis auf wenige und zumeist nur für wohlhabende Kreise in Betracht kommende Ausnahmen) das Oastliolswcscti noch in verhältnismäßig schlechtem Zustand Ist und die Reisen- «len vielfach in den Unterkunftsstätten sowie auch bei den Transport«׳n iibcrvortcilt werden. Als ein besonderer Mangel erweist sich ferner, daß diejenigen Reisenden, die drüben nicht über besondere Be- Ziehungen verfügen, nur sehr schwer einen einigermaßen objektiven Einblick in die komplizierten Verhältnisse des Landes gewinnen können. Viele Reisenden bleiben an Aeußerlichkciten und Sehenswürdigkeiten kleben und finden keine Beziehung zu der mcxlcrnen Aufbnuarbrlt und zu dem neuen jüdischen Mcnschcntyp ln Palästina. Andere wiederum pflegen in sinnloser Aufeinanderfolge eine Siedlung nach der anderen nb/.uklappern, glauben, sich etwas zu vergeben, wenn sie eine Kwttzah auslassen, eilen übermüdet durch das Land und haben am Ende doch keinen rechten Uebcrblick über die positiven uml negativen Seiten des bisher Geschafften« Es muß vermieden werden, daß der Touristenstrom ledig• lieh in einige bestimmte Siedlungen gelenkt wird, weil die Tatsach«־, daß während der Touristenzcit in diesen Siedlungen jeden Augenblick ein Auto mit 4—6 Besuchern erscheint, unsere Chalu/im altmählich gegen die Touristen abstumpft. Die Chaluzim werden, wenn die rechte Führung fehlt, zumeist mit recht primitiven und Immer wlederkehrenden Fragen be* lästigt, die ihren naturgemäßen Orxmtl ln der verständliche» Hilflosigkeit haben, die «len ungesdmlten europäischen Wanderer in diesem neuartigen Milieu beläßt. Man dart nicht etwa behaupten, daß sielt die Führer der Siedlungen der Pflicht entziehen, die Besucher aufzuklärcn, aber man hat doch recht oft «len Eimlruck, daß dieser Pflicht nicht mit freudi gern Herzen genügt wird und daß man mitunter nur denlenigcn als willkommenen Gast betrachtet, .der sich dem Milieu vollkommen anztipnsscn versteht. Wie gern würde mancher Besucher einige Tage In einer Kwuzah zuhringen, um einen mehr als fluchtigen Einblick In das so viel um• strittene Kwurnh-System zu gewinnen! Regt er an, für die Verpflegung und Unterbringung ein Entgelt zu zahlen, so wird dies zumeist abgefeimt mit der Begründung, daß man kein kapitalistisches Geschäft betreibe. Es dürfte sich darum empfehlen, daß man Unterkunftsrämne für Touristen im Mittelpunkt einzelner Siedlmigskoirtflexc schafft, ■wo sich der Tourist gegen eine bestimmte Abgabe einige Tage auihaUcn kann. Das hätte nebenbei auch noch den Vorteil, daß auch minderbemittelte Touristen leichter das Land bereisen könnten. Während der Touristenzcit müßten von den besten Kennern des Landes, möglichst an Ilaitil von praktischen Demonstratloncn, Ucberblickc über die Tätigkeit und Hinweise aut die auszufüllcnden Lücken gegeben werden. Auch müßte vo״ Seiten der zionistischen Bewegung aus die Frage der andersgläubigen Besucher des Landes mit größter Aufmerksamkeit verfolgt werden, da die Zahl derjenigen (zumeist christlichen) Besucher, die ein wirkliches Interesse an den jüdischen Siedhingen, nehmen, .größer ist, als man gemeinhin nnmAtmt. Diese Frage Ist auch für den Qaiuth von hcr'irragendcf Bedeutung,, «ja die Eindrücke der Nirhtjuden In Palästina a!« eines der besten Propaganda nt Ittel gegen den Antisemitismus verwertet werden können■ So be* grfifienswert cs Ist, daß man ein Reisehandbuch für die jiklPchcn Paläs'inabesttcher herau •gegeben hat, so »!!׳angenehm . berührt cs, daß dieses Reisehandbuch an dem niclitjüdischeii Palästina ln einer für den nlchtjüdischen, aber auch für den