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Jüdische Rundschau · 1924-11-18 · Heft 95 (18.11.1924) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 95 (18.11.1924)
Date
1924-11-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr 05 fUEDISCHE RUNDSCHAU Seile 679 Wenn man sich di« alles vor Augen halt, wird man zur Erkenntnis kommen, daß ciic Anschauung, welcher Wei/.mann in seiner eingangs zitierten Rede und and! auf dem letzten Kongresse Ausdruck verleiht — einen Optimismus in Bezug auf jjirxrc Außenpolitik predigt, der nicht begründet ist. I;r könnte zu einem ״Quietismus“ verfuhren, der sogar gefäbrlieb werden kann, Es ist ja auch bisher seitens der Leiter der meisten Laudcsorgnnisatioiicu viel auf diesem Gebiete ge* sündigt worden, indem man Alles auf dem Gebiete der Außenpolitik von der Londoner Leitung erwartete: Impulse, Initiative, Arbeit und — Lrfulge. Die Leitung bat aber die Pflicht vor allem eines zu tun: dem Abflauen der philozionistischen Stimmung entgegen* «!arbeiten und eine großzügige, iu erster Reihe jedoch systc* ina tische Propagnmh auzurcgeii um das verlorene Terrain wicdcrnierobcrn und neue Sympathien bei den nichtjüdischcn ,Missen und deren rühren! in allen Landern zu gewinnen. Als Muster könnte die Tätigkeit der englischen Föderation dienen, welche in der Zeit um ciic Balfcmr-IXklaraiion herum durchgeführt wurde. Wenn es wichtig ist jüdische, nicht/.ionlstischc Kreise für den Aufbau Palästinas zu gewinne■,! und die Jewish Agency ausziigcstMtcit, wer,:! es hochv.'iciilig ist Kapitalien für den Keren ILi;c«cxi zu rammeln — m darf dadurch das für uns bbenswiritli;;(' Kap',!31 an p'nlnzio:tisUscl1e11 Sympa* thien in der niciitjüuLehcu Welt nicht vermindert werden. Die Zcntralidiung üi Lomlou, (diese wenigen Personen, von denen einige, —- wie Weizmann — ohnehin mit zu großer, nicht nur politischer, Arbeit überbürdet sind) — ist nicht In der Lage die ganze Außenpolitik zu bewältigen worunter ja nicht nur gelegentliche Verhandlungen mit den englischen Ministern verstanden werden dürfen. Sie muß deren- Ir.ilislcrt werden. Bei jeder Landes-Exekutive müßte ein zionistisch-politisches Wcsr.ort geschaffen werden, welches folgendc Pflichten zu erfüllen hätte: Registrierung der nichtjüdischen Presrestimmen in diesem Lande, sowie der Acficrungcn politisch maßgebender Persönlichkeiten in den Parlamenten, Vcifoigung der Regicrungsmaßnahmcn in Bezug auf zionistische Tätigkeit im allgemeinen und besonders ihrer Stellung zur Palästiiin-AimvaiKlcnuig sowie zur Frage der Handelsverträge mit Palästina, Aufklärung der nichtjüdischen öffentlichen Meinung über den Zionismus, Schaff-!111 g einer philo zionistischen, propalästincnsischeu Stirn m u n g unter den Nichtjudcn durch Vcrsatnmlungspropagand.1, systematische Communhpils an die n i c h t j ü d i s c i! c Presse, spezielle Broschüren über unsere Arbeit in Palästina, Berichtigung fatsrher Nachrichten usw. Dieses Ressort (wel- (lies mi! der linierpoliüdien Arbeit — welche iu Polen ziunblisclic Lamlcspoiilik genannt wird — nichts zu schaffen 11.1t und ganz separat organisiert werden soll) soll mit der Zcntral-Lcitung im Kontakte sein und —- wo nötig — ein Zusammenarbeiten anregen. I* o I i t i s i c r e n ist etwas ganz anderes und vernünftige, weit fi ebl;gc Politik machen wieder etwas anderes. Will Dr. Wei/mann gegen das übermäßige Politisieren der jüdischen Masse auttrO.n — so tut er dies in einer Form, die Mißverständnisse hervorrufen muß. Nein, wir können nicht für zwei Jahre die Politik vcrnaclPässigcn — im Gegenteil, wir müssen intensiver als bisher und vor allem systema'ischer die zionistische Außenpolitik betreiben. Dazu ist eine teilweise De zcn׳t rat i $ a ti on derselben notwendig. Die Leitung wird daiin teilweise entlastet werden, es wird auf diesem Wege auch ein Nachwuchs geschaffen werden, von Mäircrn, die speziell auf diesem Gebiete ihre Erfahrungen und Kenntnisse erproben. Das Prinzip llerzls muß aber für alle Fälle fcstgchalten werden: das Wohlwollen der Mächte und Völker zu erwerben und — zu erhalten. Rabbi Kok in London London. (J. T. A.) Chiefrabbi Dr. J. Hertz gah am 72. November zu Ehren des soeben aus Amerika zu vorübergehendem Aufcn'Iialt in England ciugctroflencnObbcrrabblners von Palästina, Kuk, einen Empfang. Rabbi Hertz begrüßte Rabbi Kuk in längerer Ansprache und erteilte das Wort Herrn Nahtun Sokolow, der in bcbni*־׳her?־׳!rache Pabbi Kuk seine h״he Anerkennung 3us׳‘r“ckt*. Er I'btc das Hi'fiwcrk für di: Jes:hiwo!h und f'rd ■r.e dessen Unterstützung, damit Palästina der Thora- Mittelpunkt der ganz«! Welt werde. Rabbi K u k erwiderte, er betrachte die großen Ehren, die ihm zu'eil werden, nicht als Ehrungen seiner Person, sondern als Ehrungen für Erez-Isräel. Er sprach dann über die Lagt: der Juden in Amerika, die besser sei, als in allen übrigen Ländern. Das Gafuth in Amerika und in England ist nicht Schlimm, cs ist ehrenvoll, aber dennoch Galuih. Es wäre auch der Stolz dieser Juden, in Palästina ihr Heim aufzubauen. Die Juden haben mehr zu tun, als «inen jüdischen Staat aufzubauen, ihre Stadt heiße ״Zion" und Jerusalem. Sie müssen das Land aufbauen, sowohl mit religiösen, wie mit weltlichen Mitteln. Lo nd 0!1. (J. T. A.) Wie die J. T. A. erfährt, gedenkt das Colonial Office dem Rabbi Kuk eine Audienz beim König zu erwirken. Die Judenenlredilang in Litauen Paris. (J. T. A.) Das Komitee der jüdischen Delc- Rationen in Paris verfolgt mit größtem Interesse die Haltung der litauischen Regierung, welche kurz hintereinander die!fnli.fhen auinnc inen fiiK.itiilkmcn abgeichafft, die Enttaiiiin,■׳ aller öffentlichen AumTiI; ge und Schilder 111 jiddischer öpiaehe verfügt und nun auch eine Verschärfung «Ich Sonn* tagsruiiegcscl/e•, eingebilirl bat. Nach den f c I c r i i c h c 11 V c r s n r c c h u u g c n , die die litauische Republik der Friedenskonferenz und den! Völkerbund gemacht hatte, darf da! Land die Rechte der jüdischen Minorität In bezug auf das Halten des Sabbath. sowie in bezug auf andere religiöse Vorschriften, weder direkt noch!׳:direkt cinseliränkcn. Des weiteren hatte die litauische Keeierung dem Völkerbund feierliche Versicherungen gegeben, daß die Juden ihre Sprache frei benutzen könnten, ”lenes Versprechen ist gebrochen worden. Auch die Abschaffung d:r jüdischen autinmen Institutionen, »I« das Ministeriums für jüdiwhe Angelegenheiten und des jüdischer! Nationalstes beschäftigt das Komitee der jüdisehen Delegati0)1 en iu einem honen Maße. Es werden in allernächster Zukunft Schritte unternommen werden, daß |1ese Rechtsverletzungen der litauischen Regierung vor das rorum des Völkerbundes gebracht werden. Die Lcpllslernitfl der Iwuzßlii Von unserem palästinensischen Korrespondenten. h. b. Jerusalem, 18.November 1924. Die Verstärkung der Einwanderung in den letzten Jahren und die Erhöhung der, Tempos unserer zionistischen Arbeit haben die Notwendigkeit geschaffen, unserer kolonisatorischen Tätigkut einen «Jijekliven Rahmen zu geben und die recht• hellen Befugnisse, Kompetenzen und Eigentumsverhältnisse nbziigreiuen. Das frühere türkische Gesetz, das den Begriff der juristischen Person nicht kannte, hat es mit sich gebracht, daß wir mit einer Anzahl von fiktiven Rechtsmitteln arbeiten mußten, deren Beseitigung und Ersetzung durcli klare Besitz- Verträge eine sehr schwierige Arbeit ist. Besonders litten unter eien unklaren Rechtsverhältnissen und linier dem Mangel einer Legalisierung die Institutionen der Arbeiterschaft, die dadurch verhindert waren, .*119 krediifällige Persönlichkeiten auf/!)treten, Verpflichtungen zu übernehmen und zu erfüllen. Seit zwei Jahren wird daran gearbeitet, diesen Zustand zu ändern. Bisher ist die Bnnkooperntive als ״Solcllxanch“ legalisiert worden. l>!c Legalisierung der Organisation Landwirtschaft'.ichcr Arbeiter, die unter dem Namen ״Nir“ (Ncubruch) eingetragen werden soll, wird demnächst folgen. Dadurch wird die Möglichkeit geschaffen sein, die Unterstellung der zionistischen Wirtschaften unier die übergeordneten Organe in juristischer Form zum Ausdruck zu bringen. Ein besonderes Problem bildete die Legalisierung der Kwnzoth. Es mußt en Formen gefunden werden, welche den Grundgedanken der Kwuzali, die gemeinsame Wirtschaft, die Kommune der Produktion und Konsumtion im Rahmen der be• stehenden palästinensischen Gesetzgebung zum Ausdruck bringen, welche nicht die Kommune, sondern nur die Kooperative kennt. Der Lcgalislcniiigscntwurf, der von Bcrl Katznclson ausgearbeitet und kürzlich im Organ der Arbeiterorganisation ״Pink,19“ veröffentlicht wurde, enthält einige Bestimmungen, welche auch für die weitere Ocffentliclikcit von Interesse sind. Das Stalut bestimmt, daß die Organisation aller Kwuzoth eine Tochtergesellschaft des ״Nir“ Ist und folgende Aufgaben bat: a) In gemeinsamer Arbeit landwirtschaftliche Betriebe zu führen. bl Landwirtschaftliche Industticn zu betreiben. c) Die Lebensint Wendigkeiten der Genossen in kommunaler Weise zu befriedigen. d) Den Genossen zu ermöglichen, sielt in ihren Arbeitszweigen zu vervollkommnen. c) Kranke zu pflegen, alle mul gebrechliche Genossen zu et nähre•!!. f) Die Kinder der Genossen zu ernähren und zu erziehen, Dieser. Rahmenprogramm legt also in den Bestimmungen a und b die Gemeinsamkeit der Produktion, i!» den weiteren Bestimmungen die Gemeinsamkeit des Verbrauchs fest. Eben• so wird die Pflicht der Sorge für die arbeitsunfähigen Genossen und für die E r z i c h u n g der Kinder sfatu:,irisch festgelcgt. Das Statut bestimmt ferner, daß die einzelnen Genossen Familienangehörige haben können, die von dem einzelnen abiiängen und daß solche Familienangehürige dann in gleicher Weise wie alle Genossen erhaben werden und al c Rechte mit Ausnahme der Abstimmung r eilte haben. Die:c Bestimmung zielt hauptsächlich auf die Eltern, von denen eine nicht geringe Zahl in den' Jetzten Jahren in di: Kwuzoth aufgenommen wurden. Der Paragraph, der sich mit der Verteilung der Rein• gewinne beschäftigt, bestimmt, daß die Reingewinne fol. genennaflen zu verteilen sind: 25"/« für den Reservefonds der Gesellschaft, 10 "> für ״Nir", 10"/« für einen ReserveverlnstLuids aller Kwuzoth. Damit wird die gemeinsame H a f 11! 11 g <1 c r Kwuzoth legaüricrt und das Risiko auf alle verteilt. Ueber den Rest des Reingewinns bestimmt die allgemeine Versammlung und cs ist statutarisch festgelcgt, daß diese Beträge auch, sei cs zu weiteren Investitionen, sei cs zum Besten der Genossen oder für kulturelle Arbeit verwendet werden können. Es wird also in einem gewissen Maße die Möglichkeit freierer Verwendung der Reingewinne für die einzelnen Individuen geschaffen. Da; Statut regelt ferner die Aufnahme und den Austritt der Genossen. Bekanntlich hat die Wirtschaft sehr oft darunter gelitten, daß einzelne Genossen die Kwuzah aus irgendwelchen Gründen mitten im Arbeitsjahr verlassen haben. Das Statut bestimmt, daß jeder Oenosse seinen Austritt sechs Monate vorher Anzeigen muß, daß auch dann noch die Gesellschaft das Recht hat, Austritte bis zum Ende des Arbeits- Jahres hint.inruh.ilien und daß *er auch nach sel'iem Austritt half, bar bleibt für seinen Anteil an den Schulden der Genossenschaft Hat jemand sicli diesen Verpflichtungen entzogen, so verliert er das Recht, in irgend einer Wirtschaft, die sich im Betrieb der Arbeiterorganisation befindet, aufgenommen zu werden. Besonders wichtig und neu ist ein Paragraph, welcher bestimmt, daß die Kinder eines verstorbenen Genossen und ebenso die von ihn! abhängigen ramfücnangehörigen bis zur Erlangung, bzw. Wiederherstellung ihrer Arbeitskraft den Anspruch auf Versorgung durch die Genossenschaft haben. Der Verband der Kwuzoth übernimmt also auch die I'unktionen, wcici.c in der Iudividtmlwlrischaft die Lcbcnsvcrsicltcreuigen tragen. Den übergeordneten Organisalioncn sind außer der Beteiiigung am Reingewinn noch weitere Rechte cingeräumt. insbesondere hat die Gesellschaft ״Nir“ das Recht, den Verkaufspreis der Produkte mitzubcstimmcn — die Produkte sind au den ״Mnschbir“ zu verkaufen — und hat einen Einfluß auf die Verteilung der Reingewinne und die Abschätzung des Besitzes. Werden Saisonarbeiter angcstcllt, so verbietet das Statut, daß die Arbeiter linier schlechteren Bedingungen arbeiten als die regulären Genossen, Die verheiratete Genossin übt alle Rechte direkt aus. Dies sind die Grundzüge des 32 Paragraphen umfassenden Sia'uls, das der Regierung zur Legalisierung vorgelegt werden wird. Es wird nacli seiner Legalisierung ergänzt werden durch Bestimmungen nach innen, welche im Rahmen des kooperativen Gesetzes nicht zum Ausdruck kommen konnten. N.-F.-Elng.'inße aus Polen und der Bukowina. Laut Bericht ans Warschau ergab die Aktion anläßlich der hohen Feiertage, die mit dem Besuche Usslschkins ein* setzte, bis jetzt 5005 £. Aus der Bukowina wird mitgeteilt, daß nach UssUchklns Besuch sich die Einnahmen für den K. K. L, verdoppelt haben. 'Die Zionistische Bewegung uni die IHstmfralli Haowdlni Von Moses Beil in so 11 (Tei-Awiw). Der nachfolgende Artikel von Moses Bciliuson, der auch Im ״Kuntres", dem palästinensischen Organ der Achduth Awoda (rechte Po,־de Zion) erscheint, ist cliaraktciistisch für Tendenzen der paläsllnen• ■ gischen Arbeiterbewegung, die heule zu immer be• wtißiercm Ausdruck gelangen. Die Ideologie der zionistischen Bewegung war nach dem Muster der großen nationalen Bewegungen Europas zugeschnitten. Hätte der Zionismus die gleichen Ziele vor sich gehabt — n.ilion.ilcs (kulturelles) Erwachen und Be• freiurig von fremder Herrschaft — so hätte vielleicht diese Ideologie genügt. Arlnd 11.1.1m einerseits und licrzl andererseiis kminien dann wirklich die Führer der Bewegung werden und sic zum Siege führen. Die jüdische Befreiung ist aber «ler Befreiung anderer Völker wcscnsvcrscLicdcu — die jüdische Revolution besieht nicht allein iu polnischer Er. obenmg des Lande: und nicht allein in kultureller EnianzL paiion, sondern vor allem in sozialer Umwandlung, in Rück, kehr zur Landwirischaft, in Verwandlung 1'c3 städtischen Kleinbürgertums in bodenständiges Bauerntum und verwur, zeltes städtisches Prolct.nri.nt. Dies ist der soziale Sinti der jüdischen nationalen Bewegung und ohne diesen tief, erschütternden sozialen Prozeß, bleibt die politische und kul. turelle Befreiung ein künstliches Gebilde. Die kolonisatorische Tätigkeit in Palästina ist keine tech. nlsclie Aufgabe, wie es manchen ״geschäftlich" orientierten Zionisten heu'c scheint, sondern eine eminent nationale Auf. gäbe — der Erziehung und der Organisierung der jüdischen Volksinassen in der Riehlung des produktiven bodenvetbundenen sozialen Lebens in Palästina. Diese organisatorische und erzieherische Aufgabe wurde von der Zionistischen Orjani. sation, die im großen und ganzen im politischen und kul. turelicn Gesichtskreise verfangen blieb, nicht erfüllt; die Bewegung ist deshalb ohne ideologische Führung geblieben. Fast unabhängig von zionistischen Strömungen im Galuih, unbekannt den breiten Massen, aus kleinen Anfängen, mit viel Glauben umgeben und unter großen Opfern, wurde in Palästina die erste wirklich jüdische Arbeiterbewegung geboren, die langsam bis zu dem im Palästina-Aufbau heute stärksten und einflußreichsten Faktor gewachsen ist — zur llistadruth Haowdim. Jahrzehntelang lebte diese Bewegung ihr eigenes Leben ohne engen Kontakt mit dem Zionismus im Gallith — das hatte seine guten und seine schlechten Seiten, kann alter weil er nicht so bleiben. Die Krnlt und die Bedeutung von liis'adruth Haowdiui haben die Aufinerksainkcit der ganzen Bewegung auf sich gelenkt; anderer, seits wird durch die vergrößerte Immigration der letzten Jahre die palästinensische Arbeiterbewegung ihres fast?eklen, artigen Vorkricgscharakicrs beraubt und hat die Möglichkeit, eine große Volksbewegung zu werden. Heute steht sie vor einer Wahl. Die Arbeiterbewegung in Palästina kann den Weg des gewöhnlichen europäischen Sozialismus cinschlagcn und sich zu tincr Kiassenbewegung, mit einer mehr oder minder akzentuierten Ideologie des Klassenkampfes, mit materiellen Interessen der Arbeiterklasse als einziges Ziel, verwandeln. In diesem Falle werden wir in Palästina eine Fortsetzung der bundistischen Tradition haben; die bundistisclic Arbeit hat sich in Rußland und Polen an objektiven ökonomischen Bedingungen des jüdischen wirtschaftlichen Lebens zerschlagen und hat den jahrzehntelangen Kampf und die soziale Leidenschaft der jüdischen arbeitenden Massen fast unmitzcrwelse vergeudet. Hier in Palästina, wo das Kapital noch viel ärmlicher ist als auf der ״jüdischen Gasse" in Osteuropa, wo wir nicht einmal mit K'cinbürgcrtuin und eigentlich überhaupt noch mit keinem Bürgertum zu tun haben, wo alles noch aufzubaucn ist, würde eine reine Klassenbcwcgtmg einerseits zu einer Phraseologie ausarten, zu einem aussichtslosen ״Sturm im Wasserglas“, andererseits die Auf. baunrbeit empfindlich stören, vielleicht überhaupt unmöglich machen. Der andere Weg, der sich der Histadrulh Haow׳di1a öffnet, ist dieser; den Mut zu haben, offen anzuerkennen, daß der jüdische Sozialismus und speziell die jüdische Arbeiterbewegung in Palästina eine eminent nationale Funktion erfüllen und daß Ihre geschichtliche Aufgabe in dem Aufbau des jüdischen Palästinas besteht, und diese Grundsätze konsequent im Leben durchzuführen. Das heißt: nicht der materielle und nicht einmal der geistige und kulturelle Wohlstand der Arbeiterklasse, sondern die jüdische Befreiung, die nur auf den Wegen der Arbeit erzielt werden kann, wird das oberste Ziel der Bewegung; und nicht die Interessen des Kiassenkampfcs, sonder« die Interessen des Aufbaues des Landes werden für die Methoden und Taktik der Bewegung bestimmend. (Es ist selbstveN stündlich, daß dies keinesfalls den tagtägiiehen Kampf der Arbeiter für die Verbesserung ihrer materiellen Lnge_ ausschließt — die Pflichten des nationalen Aufbaues könnet! nicht einseitig der Arbeiterklasse aufcrlegt werden, ohne daß auch alle anderen Schichten des Jischuw diesen Pflichten genügen.) Wenn die Ilidadruth sich auf diesen Weg stellen wird, wird sic das Recht haben, als ideologische Führcria der jüdischen Befreiungsbewegung, als lebendiges Zentrum de! jüdischen Revolution aufzutreten. Dieser Weg würde aber auch den ersten Anfang der echten jüdischen Arbeiterbewegung bedeuten, den ersten Schritt zur Verwirklichung des organischen jüdischen Sozialismus. Die Wahl dieses zweiten Weges bedeutet kciflcsf.iit* einen Ansturm an die Zionistische Organisation und ihre Institutionen, eine radikale Veränderung der formellen Steilung der Hir.iadruth 111 der Zionistischen Organisation — vorläufig handelt cs sich nur um die Idcologirche Be- Imiptung des Gedankens, der der palästinensischen Arbeiterbewegung zugrunde liegt. Andererseits, eben deshalb, well der Paläs t ina - Au f bau das Endziel der Bewegung ist, muß sic mit größter Toleranz alle Versuche, die auf Ihn abziclcn, betrachten, auch wenn sie in ihren Methoden von denen «ler llistadruth abwcichcn, insoweit diese Versuche im Einklänge mit «ler Grundforderung des Aufbaues sichen — daß er jüdischen Charakter trägt und zur Bildung der jüdischen Mehrheit ln Palästina beiträgt. Der weiten Perspektiven, die heute vor der pa'.ästlacn• gischen Arbeiterschaft sich öffnen die Uebernahtne der ideologischen Führung in der nationalen Bewegung —■ kann

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