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Jüdische Rundschau · 1924-11-18 · Heft 95 (18.11.1924) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 95 (18.11.1924)
Date
1924-11-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seile C78 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr 05 schaft — wir plaiihcn in ihrer Mehrheit — einem :;oldie.i Gedanken gegenüber abk׳l!nond verhalte;;. Amk-rersehs ist es heprcii hei!, daß t s die Araber als nicht au;vmessen bctr.uiitcn, in eine ArbeUcro;־samsnts'U1 eiu/.utreten, die sich aiiäilnickltch als jüdisch be/.eioiiuei:. Der Vor:;citla״ Ren G urions, daneben eine arabische Organi.-alioii zu schaiien, die sielt mit der jüdischen vereinigt, scheint uns im Augenblick weniger glücklich als die Idee einer einheitlichen Organisation, ebc für gewisse nafinnale An.gelcgcnlvcitcn, vor allen! also für die Zvvccbc der KuUurarbeit, in naiionalc S-cktioncn zerfällt, die jedoch auch in frcundseiiaiüichein Mci1un!ran!1.'>- tausch stehen könnien. Für alle wirlsdirulÜdie׳» l־r.;-;;sn je Joch scheint cs uns eine unvermeidliche Entwicklung■ zu sein, daß die Arbeiter beider Völker Zusammengehen. Eine entgegengesetzte Tendenz würde nur die Folge haben, zu einer gesonderten arabischen Organisation den Anstoß zu geben, die stell wahrscheinlich allmählich zu einem mächtigen Werkzeug der judeiifeindlieiieit Aktion entwickeln würde. Es ist uns klar, daß für die Forderung der gemeinsamen Arbeiterorganisation noch nicht alle psychologischen Voraussetzungen gegeben sind, auch nicht nuf jüdischer Seite. Denn leider hat die P.nole der ausschließlichen jüdischen Arbeit, die in den Verhältnissen Palästinas und im Wesen der zionistischen Aufgabe völlig begründet ist, auch unerwünschte Nebenwirknngen gehabt. Der Sinn dieser Parole kann u. E. mir in dem 0cd:utkeit liegen, daß das zu Eigenleben zurückkchrcrulc jüdische Volk cs verschmäht, andere ihr sich arbeiten zu lassen und eine gewissermaßen parasitäre Existenz zu führen, ohne selbst an allen Teilen des WinschaiV- und Produktionsprozesse! aktiven Anteil zu nehmen. Die Parole der jüdischen Arbeit ist eine mora fische Forderung an die Juden, die bisher nur?.um kleinen Teile Arbeiter waren, jedoch in Palästina zum größten Teile selbst produktiv arbeitende Menschen werden müssen. Leider über hat diese Parole in der engen?phiirc Palästinas eine Nebenwirkung gehabt, die einem P.ojkott der arabischen Arbeit zum Verwechseln ähnlich sicht. Auch in einem Teil der jüdischen Arbeiterscaaft wurde eine bedauerliche Intoleranz gegenüber arabischen Genossen erzeugt. Dies ist begreiflich, wenn man bedenkt, daß die Begünstigung der arabischen Arbeit unter den gegebenen Verhältnissen gerade die schlechtesten Instinkte der privaten jüdischen Selbstsucht fördert. Aber es ist die Zeit gekommen, in diesen Grundfragen eine geistige und praktische Revision vorrunc’hnien. Durch die Organisierung der .־trab! *eben Arbeiter wird ohnedies ein großer Teil der Ursachen der Feindschaft gegenüber der arabischen Arbeit, nämlich die Notwehr gegen die auf den geringeren Lebensbedürf- Hissen beruhende Unferbiefung und die in allen Ländern übliche Abwehr gegen die Konkurrenz Unorganisierter Arbeiter (das bat nichts mit Nationalität zu tun) behobest. UnJ bei' einem fortschreitenden' Gelingen der .'gemein- Kamen Organisation wäre eh nußenordcutf'cU wicktifcs Ge-, biefc der nationalen Annäherung geschaffen. Der Zustand, daß cs in Palästina zwei völlig voneinander getrennte, durch nichts innerlich in Berührung stehende nationale Welten gibt, ist gänzlich unhaltbar. Es wäre ein großes Verdienst der Aibeitersciiaft, wenn sie•, die in so vielen Beziehungen nationale Pionierarbeit in Palästina geleistet bat, nun auch auf dem Gebiete der nationalen Verständigung beispielgebend voran-inge. r" V ie ,; c;; 11. war uuv hcii LA cti bi.if; it ׳'*« t-i V o cor. auf die Pa er ein erbiii das Zu:,trau( JV'emirsgu auch einen f;e- Tma-Politik, I's ist!,ein nrr Gegner der, Zionismus kommen der lirhoar-lkkla- N«sivk!ruc!1 uni Dczc'.ilraliwermtfl der zicnKiäcLca AuOcnpeHtiU f.itu.m arm .0, ״. Sa Dt auch dkscr Maua, in,er dm wir fmiz dieser Gegnerschaft nur.mit ilochadituiig sprechen können, cif; Volkes,, der ,,D ihrem eigenen Volk so sehr entfremdet sind, daß sic von seiner Existenz und seinen Leiden *nicht einmal etwas ahnen. Illustration des tragischen Schicksals unseres eh beute Söhne alle ihre.Kri.1itc für ,die Be- Ifdisng anderer unterdriiekier VulkCt ci1isct7.cn» hingegen Der ehemalige Minister ihr Indien, Edwin S. Montag», der vorige Woche im jugendlichen Alter von 45 Jahr«. 11 in London gestorben ist, war eine der intcressanfesten Persönlichkeiten der englischen Politik der letzten Zeit. Montag״־, der zweite Sohn des Begründers des berühmten Bankhauses, Sir Samuel Montagu, und jüngere Bruder von Lord Swaythiing, hat eine ungewölmlieb schnelle und stürmische politische Karriere durchgemacht. Seine Vertrautheit mit den indischen Verhältnisens, die eine Folge der jahrelangen geschäftlichen Ver• bindung des Hanse.» mit Indien war, prädestinierte Ihn ztnn Sachverständigen für den Orient und insbesondere für Indien. Sowie die beiden andern großen jüdischen Politiker Englands, Lord Rcadin״ und Sir 'Herbert Samuef, war er mit glühendem Eifer bestrebt, die ideellen Momente des Liberalismus unmittelbar .i!1 die praktische Politik urnzusetzen. Auch er hat von beiden Seiten keinen Dank gehabt. Den indischen Nationalisten geniigie sein Reformwerk nicht, den englischen Diehanh schien cs fast I locliverrat. Es ist kein Wunder, daß er Geh innerhalb und außerhalb des englischen Parlaments eine große Anzahl von Feinden gemacht hat, die, wie cs stets in solchen Fällen geschieht, sein Judentum als klau[ga״griff:,!muht ihrer reaktionären Propaganda verwendeten. Nicht mit Unrecht weist der Berichterstatter der ״Vossischcn Zeitung" darauf hin, daß eine gewisse Parallele zwischen Edwin Montagu und Walther Rathenau bestellt Für ihn war der Liberalismus nicht nur taktisches Prinzip, sondern wirkliche Ueberzcuguti.״, und cs ist charakteristitcii, daß sogar die ״Times“ in ihrem zwei- Bpaltigcn Nachruf für ihn erklärt, sein ״pro-asiaüsclies Gef,1111“ habe Um veranlaß[, eine Agitation zu fördern, welche gefährliche Formen an nahm. Bekanntlich wurde er von Lloyd George aus dem Kabinett gestoßen, als er die berühmte Depesche des Vizekönigs' gegen die autitärkisciie Politik Englands veröffentlichte, und er hat bald darauf in einer ״roßen Rede mit Ltovd George und Curzoti abgerechnet. ־ Die ״Times“ weist darauf hin, daß Seine Demission außerordentlich willkommen •War, weit man cs für einen großen Fehler hielt, daß sowohl der Vizekönig als auch der Minister für Indien Juden wären. So wurde tmc der stärksten PtrsonlichliCiien der englachen Politik zur Untätigkeit verurteilt. Als Minister im Von Senator Dr. Michael Ringel (z. Zt. Rapallo).. ״Höret auf me im• 11 Rat, vergesset wenigstens frlr ei fahre die Pnillik; 11 ne 11 zwei Jahren werden ■ wieder von Ihr reden. Unsere politischer! FirfüD׳. zwei wir wieder von Ihr reden. Unsere politischen F;rfo',Vj werden In den Weinbergen und Kolonien!הסי Nahaijj und Petach Tikwah errungen."!:erb« DR ״Vc׳ssiscli0 Zeitung“ gibt eine Nachricht der ״Moruingpsot“ wieder, wonach Generalmajor Mac Alu nt! zum Nachfolger voll Herbert Samuel auscrschcn ist. Der Name, der vielleicht «auch durch׳ das Telegramm verstümmelt sein mag (das auch von Sir Gilbert ״Geten“, gemeint ist offenbar Clayfon, spricht), Ist uns unbekannt. Uchrigens durfte es sieb um ein unautorisiertes Gerächt handeln. . . PaKsliaa vor feil WCinfrkinfiSMl Jerusalem. (J.T.A.) Monsignore Barlassfna, der lateinische Patriarch von Jerusalem, hat sich am ZI. November nach Rom begehen, um bei der Tagung des Völkerbundrafe.% der am 8. Dezember 111 Rom, eröffnet wird, anwesend zu sein. Herbert Samuel soll beabsichtigen, auf Grund des Berichtes der ihm von den palästinensischen Delegierten bei der Staatsschuld-Konferenz übergeben wurde, an den V 5 Ik e rbu n dra t in Rom gegen den Beschluß über die Höhe des Anteils Palästinas an der türkischen Vorkriegs• schuld zu appellieren. Eia 2r<iSztcu!s!1f;d;e? Bericht 33 fn0ss91i.11 Rom. (J. T. A.) Der italienische Abgeordnete! Or.iz'a Pedraizl. der soeben aus Palästina zurlirkgcfcefirt Ist, berichtete dem Ministerium des Addieren über die Verhä!tnMe iti der Levante, Sowie insbesondere Uber Syrien und Palästina. Reziigtich Palästina äußerte er seine Meinung <lnhi[1. daß der Zionismus ein Hindernis für die italienische Immigration Ist. Sein Sieg ,würde das Ende der katholischen Traditionen Im Heiligen Lande bedeuten. Arabischer Appell aa fei Papst Jerusalem. (J. T. A.) Die in Haifa erscheinende Christüch-arnhischc Zeitung ״EI Oarmel" fordert in dem Leitartikel ihrer Nummer vom 22. November, daß der Papst int Namen der Christenheit einen Appell an die Welt richte, P a! ä s t i 11 a ,!ns den Händen der Zionisten zu befreien. Ein Fonds soll unter dem Protektorat des Papstes gegifindet werden, zu welchen! Christen aus allen Ländern beitrafen snllcu. Der Fond*, soll mindestens den Betrag von zwei Millionen Pfund erreichen, dimit alles Land, das-in Gefahr ist, in zionistische Hände zu fallen, anfgekatiit werden kann. Es soll ferner eine ׳ Kreditbank (in ' Palästina' errichtet Werden,'um den arabischen Landwirten und kleinen Kanfksifcn zu helfen. Mohammedaner in der ganzen Welt würden bei der Ausführung des Planes, inilliclfcn, ' * Das Organ der arabischen Nationalen Partei ״Meraaf 0 1 Sherk“ nennt in einem Artikel die ReHerun״ von Palästina despotisch und fordert, daß die Bevölkerung von Palästina zur Teilnahme ati der Verwaltung des La 1>ת es zu״ef.1sscn werde. Das Blatt schreibt: Die Regierung macht Gesetze, ohne das Volk zu hefragen; sic sieilt Vcrwaltungshcaiiife nach Gunst an, nicht vorn Gesichfsounktc des L.mdraintcrcsscs; sic erhebt Steuern, emittiert Anleihen, ohne an das Volk zu dmPeca, kurzum, sic behandelt die Bevölkerung wie einen Spiclb.1t!. Das Volk hat ein Recht, an der Gesetzgebung und der Pekisclziing von Steuern mUzitwirken. Es muß eine Zusammenarbeit zwischen Volk und Regierung Platz ,greifen. Brei M:f!ionca Dollar lilr Paliisllna ■ New York. (J. T. A.) Auf der am 17. November in New York nhgchnlteucir Sitzung des Amerikanischijüdischcn Komitees teilte dessen׳ Vorsitzender, Herr Louis Mars hall, mit, daß auf dar Konferenz, der ׳amerikanischen Nichtzionistcn, die am 17. Februar getagt und über die Aufbauinöglidikcitcri in Palästina beraten hat, die Summe von drei Millionen Dollar für eite Paiästina-Iiivcsticrungsgo'elischr.ft äufgcbracht worden ist. ' Zu dieser 'Summe hat ihn. Amerikanisch, jüdische Joint Distribution Committee 450000 Dollar bei; gesteuert. ־ ■ ׳ .• ׳ (In den 3 Millionen ist wohl auch «las Kapital der bereits früher in Palästina arbeitenden Gesellschaften inbegriffen, die der Investment Corporation heigetreten sind. Red. ״J. R.“) AKcr!:cj5r-n!:g der Csi!as5aI1>Arl)(׳it defch EcrUerl Sanne! Bei der Diplomverteilting der Schwesfern-Ausbildtingsschule der ״Hnd.tsmh“ in Jerusalem waren Herbert Samut׳[, sowie der Direktor des Graundhdt'deparlcments anwesend. Beide sprachen der 1״ ladasiah“ ihre Anerkennung' au:, und Ragten, die ,״11ו.!וה1:ו11י habe zur Hebung 'dr* Oe» «ur.diictlr.riisUiidcs der Bevölkerung irt Palästina ’sehr viel beigetrngen. Ilor.rjreil liMisdicr Inge!;teure!»1 Tel •Aiviur , An! 15. Februar tritt in Tcl-Awiw der erste infcHerritoriate Kongreß jüdischer Ingenieure zusammen. Au dem Kongreß wild «auch der Verband jütlir.chcr Ingenicure und Techniker in Wien Icünclimeii, dessen StuJIeii• reise nach Ercz.-Isracl, wie. schon berichtet, am 5. Februar beginnen wird, tf’citere ZlG!!Is!KH/erl1«r;IIat1f.;en Ja SowJcIrofMand ''. Riga. (J, T. A.) In Rußland wurden die Zionlstcu-Verhafuniucii wieder aufgeinmme״. Nach sseben cirigetrottencii Berichten aus WeißruBlaiid sind in Oobtuisk mehre.c Zi'!n ist eil verhaftet worden. Die zionistische Arbeitsparte l ..H i ta chd u Hi" hat einen neuen Aufruf heratisgegchcn, der'jetzt in Rußland zirkuliert .!md in weichem gegen.de« lnter<Iוii•.l< 1 u;g:׳svstein der jüdi״chvri Sektion der Scoirimniilälisdien Partei gegenüber dcii zionistis^Iieii Körperscfialtcn protestiert wird. ' . י- ' Rede Prof. V/clzman!1s in Jerusalem, ’ (September 1021.) Der Zionismus ist seif 1022 auch formell in den Media- «!Ismus der Internationalen Politik cinbezoged worden. Die rcgdmälllge, alljahrlge Bcrlcliterstattung der Palästinaregicrung vor der Mandatskommission des Völkerbundes ist das sichtbare, formelle Merkmal der neuen Sachlage. Es irrt unstreitig, «laß der Erfolg des Zionismus in erster Reihe von dem Elnsirömen jüdischen Kapitals, sowie von der Intensivierung der jüdischen produktiven Arbeit in I»;,. ilstiim abhängt. Daneben kommt als wichtiger Faktor die Herstellung des Einvernehmens mit den Arabern oder wenig, stciis eines medus vivendi in Betracht. Ein l aktor darf jedoch dabei nicht vergrasen werden, welcher ebenfalls von immenser Wichtigkeit ist: das Wohlwollen der Mächte. Nicht Englands allein, sondern aller in Betracht kommenden Mächte, der christlichen ebenso wie der nichtcliristlichen. Die zionistische Organisation hat auf dem Gebiete der Außen- Politik seit San Remo und der Mandatsbestätigung keine positiven Erfolge aufziiweisen. Es ist eher ein konstantes Zurfickweichcn fesizustcllen vor den zähen, ununterbrochenen Angriffen unserer Gegner. Zugleich konnten wir sehen, daß die Formel Balfourg $0 elastisch sein kann, daß aus ihr irrt Jahre 1021-22 eine beinahe völlige Unterbindung der Immigration seitens der Mandatar. Regierung licrausintcrpretiert werden konnte, ebenso wie das Projekt einer Arab-Agency und andere Beschränkungen. Es sei glatt zugegeben, daß unsere politische Leitung ihr Mög. Hellstes tut, um in gefährlichen Augenblicken Qelahren abzuvvenden, und die historischen Verdienste Weizmann« — (der allein einige zionistische Armeekorps aufwiegt) — werden von uns allen anerkannt. Aber cs bleibt eine unleugbare Tatsache, daß auf dem Gebiete der zhw.MFchcn Außenpolitik — außerhalb Palästinas — eine rnerki 11c Schwächung unserer Position cinge'.reten ist. Nach der Flut kam Ebbe und mit iiir eine — Versandung dieses Gebietes. Auf die äußeren Ursachen will Ich nur kurz hlnweiseii: die Propaganda der Araber, der Einfluß Roms, das Anwachsen des Antisemitismus auch im Westen, die kolonialen Eifersüchteleien von Frankreich und Italien den Eng. ländern gegenüber, die proarabischc Strömung bei einem Teile der englischen Konservativen usw. Aber cs sind auch innere Ursachen, dies sind unsere Unterlassungen und Fehler. Unsere großen Erfolge in den Jahren des Krieges — bis San Remo — verdanken wir zum Teile dem klugen Ausnutzen der ״Kriegskonjunktur" durch unsere Leitung, in noch viel größerem Maße der von uns geschaffenen philozionistl* sehen.Stimmung in den Demokratien der führenden Ententcländer. Bewußt oder unbewußt folgten wir dem Beispiet. •. der .-. ncugficchischeii ■;Bewegung am Anfänge ׳ des XIX. Jahrhunderts. Wie diese machten auch wir die Öffentliche Meinung Europas mit unseren alten und neuen, unerhörten Leiden bekannt, wir bewiesen die Unhaltbarkcit dieser Lage, ihre Gefaiircn für die Juden, aber auch für die Wirtsvölker. Andererseits erinnerten die Griechen an das, was die antiken Helichcn für die menschliche Kultur geleistet haben und riefen einen Enthusiasmus gerade bei den edelsten wortführenden Geistern hervor, bei Dichtern wie Byron und Poe und bei Philosophen. Den Männern des Geistes und des Herzens folgte erst später die kaltsprechende Diplomatie: und das griechische Königreich erstand. Es wurde in den Sattel gehoben, das Reiten war dann seine eigene Sache, Für uns jedoch isf das — von Hcrzl als unerläßlich betrachtete — ״Wohlwollen der christlichen Mächte“ eine da u c r n d c ■Notwendigkeit, die mit der Bestiitigung des Mandates durch den Völkerbund nicht aufgehört hat. Damals, im Jahre 1922, erzählte uns Weizmann in einer grofiangdegien Rede von der antizionistisclicn Front, welche ״von Ron! bis Brasilien" reiciite, und unsere gesamten bishörigen Erfolge piotzlicli in Frage stellte. Nun sei die Frage gestattet: Hat sich seit 1922 die Zahl unserer äußeren Feinde verringert? ist ihr Einfluß geringer, ihre Miniernrbeit weniger zäh geworden? Niemand kann dies behaupten. Vom Vatikan aus — nicht ohne Unterstützung des Quiriuals — erfolgen immer neue, sichtbare und unsicht» bare, Vorstöße gegen den Zionismus. Wir spüren sic nicht nur in jeru akm sondern mich in Genf, in London nicht weniger als in — Warschau.' Es ist wohl kein Zufall, daß zugleich mit dem arabischen Memorandum der Mandatskommission ein Protestschreiben der italienisch-katholischen Liga Vorgelege wurde, welches so gütige Verleumdungen gegen uns enthielt, daß die zioiiistisclic Föderation in Italien sich gezwungen sah der italienisdieu Presse eine energische Richtigstellung einzuscndcit. Vielleicht ist es auch kein Zufall, daß die Mandatskommission, welche in ihrem Bericht über Palästina eine, an gewisse Vor• Aussetzungen gebundene, und ,,limitierte" Judcnciiiwanderung empfiehlt, gerade unter den! Vorsitz eines Italieners diese Beschlüsse faßte. —. In dem demnächst statt findenden Konsistorium wird der Papst •— nach Mehlung Ita'iciiischcr Blatter -- slcii mit der Frage der heiligen Stätten befassen und als eine der Kampf-׳ parolrn des hei'igcn Jubeljahres 1925 wird vom Vatikan die Palästinafrage proklamiert werden. — Unlängst wieder ging durch die Presse Pofcin die von ernster Seite stammende, um! nicht dementierte Nachricht, daß römische Einflüsse bei den klerika'cn polnischen Parteien dahin wirken, daß Polen der jüdischen Auswanderung Hindernisse 111 den Weg legte. Wir sehen also — um nur diese paap Beispiele der allerletzten Zeit zu zitieren , daß die Front von Rom über Mekka bis nach Braril'.en ungebrochtu dasteht und die ׳Offensive gegen uns ergreift. , ׳ Wir dagegen haben schon lange die Initiative aus der Hand gegebenj nur mühsam verteidigen Wir uns. Dazu kommt noch das Ungewisse des Verhältnisses der neuen konservativen cnnluchcn Regierung zu uns, das öiiividi angesagte Zurücktreten Samuels nach Ablauf seiner Amiszeit, (also in einigen Monaten! und die Frage seines Nachfolgert.

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