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Jüdische Rundschau · 1924-11-25 · Heft 94 (25.11.1924) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 94 (25.11.1924)
Date
1924-11-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite cm fUEDISCH.E RUNDSCHAU. Nr 04 **■?,*» ip■״* **'V‘”'ך־ די Die landwirtuclialiRchca Arbeite? in «Jen allen Kolonien*) ‘ 11. b. Jerusalem, 12. November. Vor einem Jahr, als die Arbeitslosigkeit auf ihrem Hohepunkte war, wurde das Sehlaßwort ausgegeben: Eindringen in die alten Kolonien, Losung der Arbcitsloscnfragc durch Benützung der sich in den Kolonien ergebenden Arb.•:. .* gelegenhcitc». Heute, nach einem Jahre, kann gesagt werden, Jnß dieser Versuch mit einem vollen Erfolge gekrönt war. ״Es ist den jüdischen Arbeitern gelangen, in Mengen in die Kolonien eiitrudringcn — schreibt das Organ der Arbeitersdmft ,Piukns‘. Gegen 2500 Menschen befinden sich!!eilte als Arbeiter in den Kolonien, nachdem sic die ersten Hindernisse iiberwtimicn und sich den netten Arbeitsbedingtmgen nngepaßt haben. Es ist uns gelungen, ein Lager von Arbeitern 711 schaffen, die in den Kolonien bleiben und dort die Arbeit erobern wollen, die bereit mul geeignet sind, junge Arbeiter, neue Ankömmlinge zu leiten und zu lehren. Es ist uns gelungen, die Widerstände seitens der Bauen! zu brechen, so daß diese sich an die Anwesenheit des jüdischen Arbeiters in der Kolonie zu gewöhnen beginnen.“ Noch vor kurzer Zeit konnte man im Lande viele über die ]Möglichkeit der Unterbringung landwirtschaftlicher Arbeiter in den Kolonien spotten hören. Heute sind Kolonien, die noch vor kurzer Zeit keinen jüdischen Arbeiter kannten, zu Zentren der Arbeiterschaft geworden. In Petach Tikwah allein arbeiten 903 Arbeiter, in Chedera 200, Hunderte von Arbeitern befinden, sich in Rccliobotb, Ncs Ziona und in des Kolonien des oberen und unteren Galiläa. Die Proportion zwischen den Zahlet! der jüdischen und nichtji'tdisehen Arbeiter verändert sielt zu uttseru Gunsten. Es ist hier bereits vor einiger Zeit über die ״Clinwtirah Manbar“ gesprochen worden, welche, in Petach Tikwah gegründet worden ist. Seither sind zwei neue Chawuroth entstanden, ״Drom“ in Rechoboth und eine Chawurah in Chedera. Die Chawurah scheint eine neue Organisationsform werden zu wollen, welche sich den Bedürfnissen und Notwendigkeiten des neuen ungelernten Einwanderers eineryi its, der Eroberung der Arbeit in den alten Kolonien andererscits anzupassen gewillt ist. Die Chawurah verbindet Ueberuahntc von Arbeiten in Akkord bei den Kolonisten mit einer eigenen kleinen Wirtschaft. Sie ist nicht bestimmt, eine dauernde Lebensgemeinschaft zu sein, sondern verpflichtet ihre Genossen nur auf ein Jahr. Die Chawurah ״Drom“ (,,Süden“), die vom Hapoel-Hazai'r gegründet worden ist, kann auf besonders gute Erfolge zurückblicken. Es hat׳ sich hier gezeigt, welche Vorteile die gemeinsame, auf der Kommune aufgebaute Wirtschaft fiir die Zeit des Uebergangs hat. Einzelne Genossen dieser Gruppe haben im benachbarten Chedera ständige Arbeit bei den Kolonisten gefunden. Sie erhalten neben der vollen Verpflegung einen Arbeitslohn vor! zirka 1 Pfund und mit diesem Arbeitslohn machen sic cs anderen Genossen möglich, an der gemeinsamen Wirt- Schaft ieilzunchinen, bzw. sie durch eine eigene Wirtschaft zu ergänzen. Natürlich verlangt diese Art der Placierung von dem Einzelnen grobe Opfer und ist daher nur als m eine-, Form des .־Uebergangs denkbar: •־ Aber immerhin- ׳■ist ch den Genossen der Drain-Gruppe _ gelungen, Arbeiten zu .übernehmen, welche bisher ausschließlich Privileg der billigen arabischen Arbeit war, da sic cs sich •zum Prinzip .gemacht haben, die Arbeiten unter jeder Bedingung und bei jeder Bezahlung anzuuclimcn. Nur so war es möglich, eine größere Anzahl von Arbeitern in Rechoboth unterzubringen. Von 130 Arbeitern, die heute in Rechoboth untergebracht sind, gehören zirka 100 der Gruppe an. Die ,Chawurah in Gliedern ist erst vor wenigen Wochen begründet worden und zählt erst einige Dutzend Mitglieder, aber man knüpft an ihr Bestellen große •Hoffnungen in bezug auf die Vergrößerung der Zahl jüdischer Arbeiter in Samarla. Es ist bereits wiederholt darauf hingewiesen worden, daß die Tabakarbeit den einen großen Nachteil hat, daß sic Saisonarbeit ist und daher angewiesen bleibt auf eine Verbindung mit anderen Arbeiten. Die negativen Momente dieser Tatsache haben sich denn auch nach Abschluß ■der eisten Aiitcib'perinde darin geäußert, daß ein nicht unbelr.'iclitlieber Teil der Tab.tkaibciicr in überstürzter Weise die Kok)* nic.1 verließ und in die Stadt nmkkkuhrle, Zumal Gerüchte über große Perspektiven der Bauarbeit in den Stadtei! verbreitet waren. Dies erschwert natürlich die Fortführung der. Arbeit its den Kolonien, beeinträchtigt das Vertrauen der Arbeitgeber zur Stabilität ihrer Arbeiter und erfordert erneute Anstrengungen von seiten des Merkas Chaklai (des landwirtschaftlichen Zentrums der Arbeiterschaft) in der neuen Arbeiissaison. Die rechtzeitige Vorbereitung von Reservearbeite!! ist eine der wichtigsten Vorbedingungen für das Gelingen der Tabakarbeit. Glücklicherweise sind jetzt solche Arbeiten in Angriff genommen worden. Die Straße zwischen Rechoboth und Riscitott le Zion, welche einmal bis nach Gaza.• veitergehen soll, ist jetzt in •Vorbereitung.• In Chedera sind Emsmnpftmgsarbeitcn begonnen worden. Die große E1UM1n1pfungs.ilbeit der Ica (oder Pica, wie sic jetzt heißt) bei. Sichren Jakob, über die .noch einmal ausführlicher berichtet werden wird, ist in vollem Zuge und der Straßenbau durch die Kolonien Untcrgaliläas, auf den man so lange gewartet hat und dessen Beginnen sich ■ durch Jahre . hinzog, weil nun die Mitwirkung der Pica haben wollte, ist jetzt von der zionistischen Exekutive allein mit den Mitteln des Keren liajcssod begonnen• worden. . ITT f f— i 14551540 j ji •) Siehe den Artikel ״Chavurath-Maabat“ von M. Bei• linson in Nr. 02. PsIHslisa und die zßrilcl'cewicscnea Ealgrantcii , Jerusalem. (J.T. A.) Louis Lipsky äußerte sich in einer Unterredung mit Vertretern der palästinensischen und der auswärtigen Presse dahin, daß die zionistische Exckutive eine Aktion vorbereitet, die cs ermöglichen soll, 10OOS) bis 1101)0 jüdische Wanderer, die infolge des atneriklinischen Iinmigratioiis-Einsdiränkungsgcsctzes in den curopüischen Häfen gestrandet sind, in Palästina anziisieddn. Lipsky sagte weiter, er habe in diesem Sinne an Louis Marsliall nach New York telegraphiert, Marshall ist der Präsident des Emigrantcii-Rcttungskomitccs, das. im Juni vorigen Jahres gegründet wurde mit den! Ziel, Geld aufzubringen, tim jene Flüchtlinge, die nicht mehr nach Amerika kommen können, •in anderen Ländern anznsicdeln. Die Palästina-Exekutive hat das Flüchtlings-Rcttungskomitce eingeladen, eine Delegation nach Palästina zu schicken, um zu untersuchen, in welchen! Maße cs möglich sei, die Emigranten in Palästina anzusicdcln. Das . Fliichtlings-RcHungskomitcc hatte im September dieses Jahres beschlossen, eine Summe von einer halben Million Dollar zur Erleichterung der Lage der gestrandeten jüdischen Flüchtlinge aufzubringen. Es wurde auch besprechen, die Anstellung im Heiligen Lande, soweit cs die landwirtschaftliche, industrielle und kommerzielle Lage Palästinas zuläßt, in legaler Weise zu fördern. Aber, heißt es in dem Beschluß weiter, es gibt zweifellos eine betrachtliehe Anzahl von Leuten, die nicht nach Palästina gehen wollen oder können; fiir diese muß ein anderer Ausweg gefunden werden. Louis Lipsky teilte ferner,mit, die',Zigntsffscltc' Exc* ׳ fariive1 beabnithtige, eine beüoiklfire Orgänl.Gtloil Ja‘Palästina ins!.eben zu rufen, der die Einwanderung voti'Angehörigen des jüdischen Mittelstandes «ach Palästina obliegen soll. ״GesBEdkellswoelte“ in PalSxlißa Jerusalem (J. T. A.). In gi.ni Palästina wurde diese Woche als ״Gcsundheitswochc“ abgehaltcn. Alle Zeitengen bringen Artikel über Hygiene. In den verschiedensten Städten, Dörfern und Kolonien werden Vorträge über Volksge.; und heit gehalten. Plakate in englischer, hebräischer und arabischer Sprache klären über die Wichtigkeit der Hygiene auf.׳ Herbert Samuel׳ lut einen Aufruf erlassen, in dem es u. a. heißt: ״Die Sorge um die Gesundheit ist die wahre Grundlage, auf welcher der Wohlstand eines Volkes aufgebaut wird . . . Ich wünsche der GestmdheHswoehe in Palästuia Erfolg. —■ Zwei Spezialfilme werden vorgeführt, einer vom Roten Kreuz Und einer vom Rockcfdlcr-lnstitut. Das Regierungs-Departement für Erziehung hat für die Staatsschulen die ״OesundlieRswocIic“ vorbereitet, während die Er- ZiChungskommUsion der Zionistischen Organisation mit den zionistischen Schulen zusammenarbeitet. Von Abraham Goldberg, New York (zurzeit Berlin) Wenn das Klima Europas in der geistigen 'Atmosphäre '״iSr so gut ist, ״daß ich schon nach kurzer״! Aufenthalt“ in dieser gesegneten Gegend, ״in meinen Aufsätzen einen viel vorridi-! tigeren und sachlicheren Ton anzusclilagcn versuche“, uir mein Freund Uricl Friedlaud in seinem letzten 'Artikel in der ,,Rundschau“ ״Nicht ersetzen, nur zersetzen“ schreibt dann ist cs nicht ׳zu verstehen, weshalb die Mitglieder der deutschen ״Hitachduth“, die doch eingesessene Bürger Europas sind, in einem so aufgeregten und hitzigen Ton in ihrem ersten ,Artikel . in der ״Arbeit“ gegen mich polemisierten. Wo ist die Ruhe und die ־ Sachlichkeit bei ihnen geblieben? Daun ist auch schwer zu verstehen, weshalb Fricdl.md gleich in der Uebersehrift seines Artikels seine Leser von Anf.üig an über mich irreführt? Denn die Uebersehrift Schics Art keR ruf. den Eindruck hervor, als wem! ich ״ersetzen“ möchte, wozu er korrigierend hinzufügt, daß mein ״ersetzen“ ״«•rsetzen" bedeutet, während ich in Wirklichkeit doch deutlich sagte, daß ich auch gegen ״ersetzen״ bin. Einer schönen Phrase und ■eines Nasenstübers wegen dem Leser ein falsches Bild des Gegners zu geben, ist — muß ich sagen — i״ Amerika nicht üblich. Noch etwas: Wenn ich polemisieren und meine Fähigkeit für Humor beweisen wollte, dann könnte ich mich ruhig in eine Rivalität mit Freund Friedland cinlassen, ohne daß mir das als Ruhmrednerei angcreclinct zu werden braucht. Das möchte ich aber nicht tun. Ich werde auch nicht einmal ein Wort über meine Person erwähnen, über welche in de!! ״lIitach<Juth“-Organen so ausführlich gesprochen worden ist. Dafür soll bloß meine Tätigkeit sprechen und das hat auch mit dem Thema wenig zu tun. Die Polemik, das Salz i!n Pfeifer sozusagen, ist Nebensache. Die Hauptsache ist «las Gericht. Wollen wir lieber direkt zuin Gericht übergehen und jeder soll so viel Pfeffer nehmen, wie er für seinen Bedarf braucht ' Aus dem Artikel des Genossen Friedland (wenn er mir erlaubt, so zu sagen, aber ich nenne ״Genossen“ die Zionisten aller Schattierungen, wenn sic nur den Schekel bezahlen) ist zu ersehen, daß er geneigt ist, die Industrie-Ideologie zu bekämpfen. Zwar spricht er nur von einer ״in nichts begründeten und gefährlichen Ideologie“, aber schließlich ist das mir eine mildernde Bezeichnung, ln Wirklichkeit ist er doch gegen jede Ideologie überhaupt. Ich gestehe, damit hat er den springenden Punkt berührt. Ich bin in unserer Bewegung auch für eine Industrie-Ideologie. Merken Sie sich: nicht nur für eine Industrie, denn eine Industrie ohne Ideologie kann in diesem Augenblick noch gefährlich sein, Industrie-Ideologie, geleitet durch unsere Organisation, vom Gesichtspunkt der Schaffung eines jüdischen Heims, ist nach meiner Ansicht eine conditio sine qua non der Gründung einer solchen Heimstätte. Es mag mir erlaubt sein, als Einleitung ein paar Postulatc aufzustcllcn: 1. Es ist mir klar, daß das Allcrwichtigste Im Augenblick die״ Vergrößerung der Zahl der Emiganten ist. Nur rufen ';;geben* Sic‘uns eine'vergrößerte ‘ Alijah“, das bedeutet wenig, Denn eine' vergrößerte Alijah 'ohne' DaseinsmöglichkeUen im Lande ist Wie Wasser mit einem Sieb schöpfen. Sie kommen herein, gehen wieder heraus und lassen dabei einen üblen Geschmack im Munde bei denen zurück, die im Lande bleiben und schaffen Verzweiflung an den Orten, wohin sic kommen. Ich spreche von einer derart vergrößerten Emigration, die in sich die Möglichkeit hätte, im Lande Positonen zu erringen. 2. Wer nur einigermaßen mit den politischen Stimmungen in der Welt vertraut ist und wer kürzlich die Berichte des Mandats-Komitees vor dem Völkerbund gelesen hat, dem wird nicht' entgangen sein, daß wir Gefahren entgegeneifen, wenn wir nicht ln kürzester Zelt eine jüdische Majorität im Lande haben, wenn sclion keine Majorität, so doch mindestens so viel wie die Araber oder mindestens nicht viel weniger als diese. Für mich ist deswegen im Augenblick das Allcrwichtigste, die Vergrößerung der Zahl der Emigranten. Alles andere ist Frenz Ifa&a־A11crJ Vorlesung Ludwig Hardt. Mit seinen! knabenhaft — ironischen, liebevoll anerkenuenden und doch irgendwie fatalen Lächeln, das einen immer •wieder in Verlegenheit stürzte — es war seine Schutzniaslu■ vor der Welt —, würde Franz Kafka dein׳ gesprochenen und geschriebenen Wort folgen, durch das jetzt sein Name .immer breitere Geltung erlangt. Sehr bald von vielen Kennern erkannt, ermangelt sein Dichtcrschieksal der hau-, digen, vielleicht schon zu billigen Tragik verspäteten Nachrubnis. In diesem Lächeln des toten Dichters aber läge, so scheint mir, das klare Wissen, von der Vergeblichkeit «Her dieser Anstrengung. Lter Kreis, der über eine kurze «Strömung der Mode hinaus, von den Schöpfungen Kafkas stärker und tiefer ungerührt, ergriffen und gebannt bleiben wird, dürfte kein sehr großer sein. Es wird vielleicht noch am meisten solche )׳eben, die die helle, durchsichtige kri- ■tsUllene Schönheit seiner Sprache anerkennen und bcwiuidcrm werden. Weniger schon werden die sein, die darüber noch die seltsame Gewalt seiner Imagination, seine wunderbare lUproduktionsfiihigkcit für seine inneren Gesiebte stellen. Aber in die fast unatissehöpfbarc Tiefe und Problematik Keiner kurzen Stücke, oft auch nur eines Satzes, ja Wortes unterzutauchcii, sich nnchgrübeliid in das Bodenlose zu vort.enkcn, das immer tiefer, immer weiter Von ihrer spielend leichten Oberfläche wegführt, wird wohl nur'die Sache, der :"Wenigsten sein, Es gibt keine stärkere Beweiskraft für ‘Kafkas Dichtertum!, seine Unterscheidung von dem Haufen der .Litcraturinadicr, der Arrangeure und Dekorateure der Poesie kam! nicht besser erfolgen als durch die Erkenntnis vor Stücke־״ wie ״Die kaiserliche Botschaft‘:, ״Vor dem Gesetz“, ״Ein Bericht für eine Akademie“: das ist nicht ausgedacht, nicht gemacht, nicht gemnnaget. wie die zahllosen bravourcuscn Leistungen unserer Literaten, der Zauberer, Jongleure, Taschenspieler und Clowns von Wort und Geist; das ist unantastbar gültig und echt, .in seiner Unbegreiflichheit, seinem unatisdeutbaren Geheimnis, seiner lichten, rauch- und ncbclloscii Magie. Ich erinnere mich eines laugen Gesprächs mit Max Brod, als dieser mir das Manuskript ״Vor dem Gesetz“ gebracht hatte, zur ersten Vcröffentiiclmng in einer Fcsttagsnummer der Prager ״Selbstwchr“. Er hatte es, wie immer, mit vieler Ueberredung Kafka entwunden. Es ist eine S eile aus einem gröflcren Werk*), Und als ich es jetzt von Ludwig Hardt, Kafkas treuem'Interpreten, um nicht z.u sagen, dem Apostel seiner Kunst, wieder hörte (in der Berliner ״Sezession“), merkte ich, daß cs. neben den ■ zwei Deutungen dieses erhabenen und erschütternden Gleichnisses, wie wir sic damals bis ins Detail vertraten, noch andere gibt, ebenso leicht dtirchzufülircnde. Dieses Stück ist vielleicht Kafkas jüdischstes. Ist cs die symbolhafte Darstellung ■des ewigen, unerfüllbaren Ringens des Gottesvolks um das Gesetz, zugleich die Erklärung seiner ausschließlichen Bestimmung und Berufung, oder die Erzählung von der Vergeblichkeit aller Bemühung um das Gute, herrlich knappste Legende Hiobs und KoheSoths in Einem, oder der schreckliche Albtraum vom Phantom der Jahrtausende, das •uns äffte, die ״Philosphic des ab; 01>“, die Geschichte der größten Fiktion, dichterisch in wenigen kurzen Sätzen gestaltet? Schicht auf Schicht neuen Sinns wird bloßgelegt, wenn man eiiszudriiigen versucht um! es gibt kein Ende. Hardt gab die Vieldeutigkeit dieser und der folgenden Stücke durch einen Vortrag von stärkster Beseeltheit und liebevollstem Nachfühlcn ausgezeichnet wieder. Besonders schön kam auch die an den biblischen Stil :riünenide, sich steigernde 'Schwung der Sprache in der ״Kaiserlichen Botschaft“ zum Ausdruck. Wiederum wird hier das Lied von der Vergeblichkeit aller menr.clilichcn Bemühung, das . Lied der tödlichen Einsamkeit der Menschen, ׳ der Aussichtslosigkeit aller Verständigung gesungen,.die in dem Verse eines, toten jüdischen ■ Lyrikers, Walter. Gilde: ״Und keine Brücke führt von Mensch zu Mensch“ schon vorher Ausdruck befundenhat? Oder ist es die dichterische Erkenntnis von der Unmöglichkeit des Führers, Königs, Vaters die Menge, das Volk, die Familie zu erreichen und zu bewegen? Und kann man kürzer so viel über das Problem der Demokratie, der Diktatur, der Freiheit, des Drangs zum Leben und des Zwangszur Entwicklung sagen, als es ־in.jener Gegenüberstellung *) Sie ist in dem Sammclbandc ״Der Landarzt“ (Kurt Wolff,Verlag) enthalten. von ״Ausweg“ und ״Freiheit“ des ״Berichts für eine Akadcmic“**) geschieht? Hardt las diese Lcbcnsgcschichtt eines Mcnschen-Affen über sein ״äffisches Vorleben“ mit eine! Meisterschaft, die geradezu Enthusiasmus tiervorrief. Es war ein Abend, der noch lange Im Gedächtnis bleiben wird. Der tote Franz Kafka wurde an ihm lebendig, in der unerklärlichen Größe seiner dichterischen Inspiration, in der ergreifenden Fatalilät seines Lebens, dessen vergeblichen Kampf gegen die tödliche Krankheit auch sein betont fröhliches Lächeln nicht zu verdecken vermochte, in der vollendeten Reinheit und Klarheit׳ seiner Sprache, Dieser, deutsche Dichter, dessen Prosa, so sehr bewundert wird, war ,Jude, Zionist, lernte ernstlich hebräisch, war auf dem Wege nach Palästina, Vermag sein Werk, dessen umfang• reichste Teile erst jetzt veröffentlicht werden sollen, dieses Wtik, das an Ursprünglichkeit und Unmittelbarkeit vielleicht nur noch mit den Schöpfungen seines Landsmannes (in geographischer und nationaler Beziehung), Franz Werfel, verglichen werden kann, nicht mehr über das Problem der nationalcn Juden innerhalb der deutschen Kultur auszusagen als alle Hypothesen von gegnerischer und vielleicht auch von — unserer Seite? Si cg mu n d K a zu eis 011. Der Ausschuß der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums E. V. ,hat jüngst in seiner Sitzung beschlossen, die Herausgabe der von ihr cingelcilctcn Schriftenreihen energischer zu fördern und die Kommissionen für das Corpus Tannaiticuin, den Grundriß der Gesamtwissenschaft des Judentums und die Germania Judaica wieder •11; Wirksamkeit zu rufen. Zum Ersatz für die durch Tod ausgesdifedcnen Mitglieder wird eine Anzahl Herren kooptiert. Neu erschienen sind die Werke von Elbogcn: . Der jüdische Gottesdienst in ,seiner geschichtlichen Entwich- Jung, 2. Auflage. Ferner die 2, Auflage von Caro: Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Juden im Mittelalter und der Neu• zeit, Band 1. *״) Erschien zuerst im ״Juden“, N K 1. ai w v S< u I* ei ül ra ui » si N 11< Pi at d< sa pt ih <11 D di da di da eit de M nu jtb fü: Al Vö fin je! rui in -1U v< füi £« ich er! m< d.l 1)0 sti da da ■vc. I5j .es; Eil tut ein Zu be tat un di< vc nie sic he ge Pa jüc de■ Mi Re sei ein hat ״ei ״D zu sol enj ein ha׳ sei ' be. ab: TU da! dis Na sei de! Bu bri ZUI Gh sei kn in de, kn zic na eti za re«;!׳ 1

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