Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 94 (25.11.1924)
- Date
- 1924-11-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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I5Z.0J׳) / Für T«r),rcl1״tlow*kH1 lo,Up»rk״״nM11t Inj, Konln Nr. ■,9110 ✓ Nr!’״Iro; i01־Hpark״leo,Bt Wnrnchmi Nr. 190 ך<% — RednktionsschluO Sonntag und Mittwoch nachmittag. — ־®מ״. ד :!-ממםמדמכדנדד ־זממי tr - «tarr—xkt •־.׳ -.smzmzxz ■ כ״ת טרהשון" חיס״ה *SEK XXIX. Jahre. tar Zionismus cretrobt fQr das Jüdische Volk dia Schaffung einet■ öHontltch . rochtEUh gesichert«» Itelr.islSsta ln Palästina. Baseler Programm•‘* Die Sclickellragc. Von Dr. Robert Welt sch. Das Nachfolgende ist ein Auszug aus• einem 'Artikel, der in der letzten Nummer .des Zentralorgans ״T h c N c w J ud a c a“ (London) ■erschien. Der Artikel will vor allem Probleme aufmlleü, die Lösung, zu finden nag Aufgabe der recht/eiti:,׳ vor dein M. Kongreil rinselzemlen Diskussion sein. Auch der nächste deutsche Dclcgicrtcntag soll sielt bckanntjicli mit dem Problem• komplex befassen. . , , Red. Das Problem der Konsolidierung■ der Zionistischen׳ .Organisation als einer der wichtigsten Voraussetzungen 'einer fruchtbaren Arbeit ist heute' in der zionistische״ ■Ddfentlichkeit sowohl in Europa, als auch in Amerika!!inreichend erkannt. Allerdings wissen wir heute, dal! unsere Position nicht;illcin davon bestimmt wird, ob wir uns über Streitfragen geeinigt haben oder nicht, sondern von dem Fortschreiten der realen Aufbaularbeit in Palästina abhängt. Wenn das Aufbauwerk!stagniert, so wirkt dies auch hemmend .auf die Entavlc.klung der zionistischen Bewegung. Aber es bcsteht eine unlösliche Wechselbeziehung zwischen Zionismus und Palästina, Wir haben bereits genügend Beweise aus den letzten vier Jahren, dall nur in den Ländern, in welchen eine, stärke mul verantwortliche Zionistische Organisation da ist, die Resultate für Palästina zufriedenstellen. Die Grundfrage, die heute die■ ganze zionistische :Welt bewegt, ist aber die!־rage, in welcher Weise heute die zionistische Organisation in ihrer Gesamtheit und in ihren einzelnen Gliedern arbeitsfähig gemacht werden kann. Alle fühlen dafl gewisse Reformen dazu notwendig sind, daß die Organe der Bewegung den Bediirfnissen■ und Aufgaben der Gegenwart angepaßt werden müssen. Früher drückte sich Erfolg oder Mißerfolg des Zionismus in der Zahl der gesammelten. Schekel aus; heute drücken sic sieh aus in der Zahl der jüdischen Kok־)- nien in Palästina. E.s darf uns daher auch nicht wundern, wenn der Schekel, früher ein Grundpfeiler der gesamten zionistischen Tätigkeit, heute trotz , aller Belebupgsvcrsuche: und Kampfereinspritzungen■ in den Hintergrund des Interesses getreten ist. Unsere Organisation krankt heute an dem Schekclproblcm, und eine der wichtigsten Aufgaben des künftigen Kongresses wird, cs sein, die zur Gesundung notwendige Operation durchzuführen. Der Schekel hat heute noch eine dreifache Bcdcutung; erstens gibt die Gesamtzahl der Schekel die Zahl der Anhänger der zionistischen Organisation an und bildet somit einen wichtigen moralischen und politischen Faktor. Zweitens ist der Schekel noch immer die Grundlage des Finanzsysteuis der Exekutive, die legal, wenn auch nicht tatsächlich, auf die Einnahmen aus diesen Sammlungen angewiesen ist. Drittens bildet der Schekel.die organisatorische Grundlage unserer Konstitution, er verleiht das Wahlrecht zum Kongreß und nach der Zahl der Schekel wird die Zahl der Mandate der Land«- und Sonderverbände bemessen. . Prüfen wir diese drei Funktionen, so erkennen wir, daß der Schekel in seiner heutigen Form unzeitgemäß ist. Die Zahl der Anhänger der zionistischen Idee, um auf den ersten Punkt zurückzukommeii, ist weit größer als die Zahl der Schekel/aliler. Das weiß jeder Zionist aus seiner täglichen Erfahrung. Die Resonanz, die unsere Propaganda findet, insbesondere die elementare Wirkung von allem, was aus Palästina kommt, zeigt wie viele jüdische Fierzen für den Aufbau unserer nationalen Heim stätte schlagen. Es ist oft nur ein Zufall, ob diese Leute von einer Schekclaktion ergriffen werden oder nicht. Dazu kommt aber noch eine größere Schwierigkeit. In Anbetracht der uns heute gestellten Aufgaben versuchen wir selbst in den meisten Fällen garnicht mehr, von jenen Leuten, die wir für unsere Sache gewinnen, einen Schekel zu bekommen, sondern wir wollen weit mehr, 8י wir wollen einen Beitrag zu den Kosten des Aufbaus Palästinas. Unsere großen Propaganda-Aktionen sind auf weit größere finanzielle Resultate;:!)gestellt als bloße Sdickelsammlung. Ja, noch mehr: die meisten Landesverbände erklären sich technisch außerstande, eine große Kampagne für den Schekel in ihrem Laude durclmiführcn da die Kosten der Kampagne in keinem Verhältnis stehen zu den geringen materiellen Ergebnissen, die die Sammlung einer großen Menge von so kleinen Beitragen mit sich bringt. Die Exekutive kann gegenüber diesen Tatsachen immer wieder in Rundschreiben die moralische Bedeutung des Schekels betonen, die Wirklichkeit er- Weist sich jedoch stärker. Der Versuch, alle Anhänger der zionistischen Idee wirklich durch den Schekel zu erfassen und durch die imponierende Zahl der Schekel einen politischen Faktor zu bilden, ist heute so gut wie aus- &lcl1ts!os . ■ Auch die zweite Funktion, die Finanzierung der Exekutive, kann heute vom Schekel allein # 1> ®># ן7 t Gca, Ti. L;: :7, Wie wir bereits gemeldet, stellt zu erwarten, daß der Volkcrbundsrat in seiner Sitzung in Rom am 9. Dezcinhcr sich auch mit der Palästina frage befassen wird, auf Grund des \011 der Mandatskommission erstatteten Berichtes. ’ England wird wahrscheinlich durch C h a m b c r 1 ai n und Robert Ce eil vertreten sein; Auch Dr. Weizmann begibt sich nach Rom, um dort während der Tagung anwesend zu sein. Es heißt, daß dem ׳ Volkcrbundsrat bei dieser ׳Ge- Icgcnhcit auch ein Memorandum der Italienisch- K a 111 o 1 i s c!1 c n U 11 io 11 vorgclcgt werden wird, in welchem gefordert wird, daß die zionistische Bewegung behindert und die Rechte der katholischen Kirche in Palästina geschützt werden. Kreise, die der italienischkatholischen Union für die Heiligen Stätten na he stehen; haben bereits in diesem Sinne interveniert. Wie cs heißt, üben dem Vatikan nahestehende Kreise auf die ta I i c n i s c!1 c Reg i c rit 11 g einen Druck aus, daß sie in dieser Sitzung des ■ Völkerbundes die Rechte der Christenheit in Palästina vahrnelunen soll. Ormsby Gore über Palästina Der neuernmmte Uiiterslaiiü,Sekretär Jin Colonial Office, Major Ormshy Gore, der als Mitglied einer britischen politischen Mission in Ostafrika weilt, erklärte dem Rlindesdacr Korrespondenten des ״Zionist Record" in Johannesburg, daß die Situation in Palästina befriedigend sei. Mnn müsse alU־nlin;:s Geduld, haben und dürfe die Sache nicht über;־.türzi’11. Dehcreilung könnte ganz unnötigerweise zu poli tischen Mißhelligltcitcn führen. Es sei auch zu bedenken, daß Städter nicht im 1 lamliimdrchen Bauern werden können. Erst die Nachkommen der jetzigen Generation werden sich zu echten Farmern entwickeln, .Auf die Frage, aus welchem Grunde gewisse Beamte *ler englischen Administration dein zionistischen Werke keine Sympathie ciiigcgcnbriichtcn, er- Klärt0 Ormshy Gore, dies sei ganz, natürlich. Sie seien eben, nachdem sic in Sudan wie auch in anderen arabir.chsprcclicmlcn Städten ausgclüklet worden sind, gewohnt, die Dinge durch die arabische Brille zu sehen, .Sic.halten der! einfachen Araber für ein rückständiges Individuum, das der gelernte fortsrhritt׳ liehe Jude .■jupiciik', und •sind■ geneigt, diejenigen, die sic als die Schwächeren aitsehcn, zu unterstützen. Aufferdem glauben sie, daß zahlreiche Einwanderer christenfeindlich gesinnt sind Aber all diese Dinge würden sielt mit der Zeit von selbst geben. , /f• *UM• Vp j.a; Zum Schluß erklärte Major Ormshy Gore noch, daß das Hebräische, im sepliardischen Idiom gesprochen, eine wunderschöne Sprache sei. Er zweifle nicht daran, daß Palästina mit der Zeit einen großen geistigen Einfluß auf die Juden der Diaspora aiisüben weide, und daß die letzteren geistig mit der Welt in voller Freiheit Zusammenarbeiten werden. Eine ständige Verlrelung der Jcwlsh Agency beim Völkerbund Die zionistische Exekutive hat beschlossen, in Genf eine ständige Vertretung der Jcwislt Agency zu unterhalten, um in dauerndem Kontakt mit dem Völkerbund zu bleiben, der die Ausübung des Indischen Mandats zu überwachen hat. Wie wir erfahren, ist Dr. Victor Jacobsohn als Leiter diese! Büros in Aussicht genommen. Asquitli ln Palästina H. H. Asquith, der liberale Führer, befindet sich gegenwärtig in Aegypten und hat eine an ilm von Herbert Samuel gerichtete Einladung angenommen, Palästina zu besuchen. Asquiths Ankunft in Jerusalem wird für die nächsten Tage erwartet. Es verlautet, daß auch Dr. Weizmann Asquith eingcladcn habe, die jüdischen Kolonien zu besuchen und das Werk, das die Juden für den Aufbau Palästinas leisten״ ln Augenschein zu nehmen. Der Sitz des Keren Ua|essod Wie Ita berichtet, hat Louis Llpsky Pressevertretern( in Palästina erklärt, daß nach seiner Meinung das Haupt, bliro des Keren Hajessod noch vor dem nächsten Zionisten« kongreß nach Palästina überführt werden sollte. Der britische Botschaller in Washington Uber das Nallonalhelni Anläßlich der siebenten Wiederkehr der Balfotir-Dcklarsw fion übermittelte der britische Botschafter in Washington, Sir llsme Howard, au das zionistische Meeting in New. York folgende Botschaft: ״Es freut mich sehr, der zionistischen Versammlung, in New York gelegentlich des siebenten Jahrestages der Balfour-Dcklaration eine Botschaft zu übersenden, in welcher ich das stetige und tiefe Interesse meines Vaterlandes für die Anstrengungen, ein jüdisches Nafionalhcim in Palästina zu errichten, zum Ausdruck bringe, sowie auch meine zuversichtliche Hoffnung: auf das künttige Gedeihen dieses Lande» unter dem vom Völkerbünde Großbritannien übertragenen Mandat und mit der Hilfe und Unterstützung der ziouisti* sehen Vereinigungen In der ganzen Welt." * nicht mehr erfüllt werden. Wenn heut« nach allgemeinem zionistischen Empfinden die Bedeutung des organisatorisehen Zentrums in London stark herabgesuuken ist, iso liegt daß zum größten Teil daran, daß die Exekutive mit unüberwindlichen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. Die Zionisten, die ehrlich wollen, daß der Zustand sich bessert, müssen ihre Unterstützung geben zu einer ehrlichen Reform der Fiiian/.wirtschaft. Der Kongreß hatte leider bisher niemals Zeit, sich mit dieseu Fragen zu beschäftigen und große Gruppen im Zionismus, die pathetische Reden über die Vcrnach* lässigung der Organisation durch die Exekutive halten, haben sich noch nie Gedanken gemacht darüber, wie diese Exekutive eigentlich ohne Mittel einen großen Apparat für Propaganda, Presse, geistige Führung aufbauen soll. Der Schekel kann diese Bedürfnisse nicht decken, schon weil ein unverhältnismäßiger Aufwand an Kosten notwendig wäre, um eine größere Schekelzahl hereinzubringen. Der nächste Kongreß muß daher das System ändern und die Einkünfte der Exekutive auf reg (!mäßigen Beiträgen sämtlicher organisierter Zio nisten begründen, die womöglich durch Vermittlung der dafür haftenden Landestind Sonderverbände cin/uziehen sind. Vielleicht wird sich auch das System der Kontigentienmg «auf die einzelnen Länder empfehlen. Ohnedies ist es viel besser, die Organisation auch auf einem festen Milgliederstand aufzubauen, statt auf zufälligen Sclickelzahlcrn. Die schwierigste Frage ist die Aenderung der Konsiitution. Seit langem wird es als eine Ungerechtigkeit empfunden, daß diejenigen Gruppen, die, infolge Vernnehlässigung der Arbeit für •Keren Hajessod und die grollen zionistischen Fonds, Zeit genug haben, um sicli einer eifrigen Schekclpropagauda zu widmen, das Uchergewicht auf (lein Kongresse erlangen. Es gibt zwei Möglichkeiten einer Reform. Entweder man gibt' das Wahlrecht zum Kongreß nur denjenigen, die wirklich eine ihrem Vermögen angemessene Steuer zahlen, wöbei die Demokratie nicht verletzt werden tnuß, weil bei den mittellosen Klassen die Steuer entsprechend niedrig zu bemessen wäre. Oder man verzichtet vollständig auf den Zensus und gibt jedem Juden, der »eine Zustimmung zum Baseler Programm und zum Prinzip der nationalen Heimstätte erklärt, das Wahlrecht zum Zionistenkongreß. Der zweite Weg ist schon vor dem vorigen Kongreß von einem Führer der Hitachduth; Dr. HeIImann aus Riga, empfohlen worden, der darin einen guten Uebcrgatig zu einem jüdischen Palästina« Weltkongreß sah. Die Diskussion über Hcllmatms Vorschlag ist aber noch nicht so weit gekommen, daß mnn schon von 'einer Stellungnahme der öffentlichen Meinung sprechen könnte. Jedenfalls ist die Lösung des Schckelproblems eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Gesundung unserer Bewegung. Selbstverständlich müssen, solange nicht der Kongreß eine Aenderung zum Gesetz erhoben hat, die größten Anstrengungen gemacht werden, um in diesem Jahre so viel Schekel als möglich zu sammeln. Nicht nur werden die Wahlen zum 14. Kongreß auf der Sclickclzaid beruhen, sondern auch die Exekutive hat bis jetzt keine andern Einnahmen und cs ist von vitaler Bedeutung, daß ihr wenigstens tunlichst hohe Einkünfte aus dem Schekel zufließen. Aber gleichzeitig halten wir es für notwendig, jetzt schon die Auf־; merksamkeit der zionistischen Welt auf diese brennend« Frage zu richten. Wir müssen rechtzeitig beginnen, über eine Reform nachzudenken, damit wir nicht erst auf dem Kongreß in letzter Stunde von übereilten Vor• schlügen überrascht werden. Die Reform des -Schekels Ist nicht das einzige Er* fordernis der Konsolidierung. Das wichtigste Ist viel• mehr, daß in allen Ländern versucht wird, eine aut einem feste״ Mitgliederstand beruhende Organisation aufzubaucn. Die Mitglieder müssen in einem dauernden geistigen Kontakt 111it einem aktiven Zentrum stehen. Selbstverständlich wird cs dabei verschiedene Grade der Verbundenheit geben, immer wird eine Anzahl von Mitgliedern «an der Peripherie bleiben, und ein verhältnisniäßig kleiner Kreis wird den aktiven Kern bilden. Aber auf diesen kleinen Kreis von Arbeitern kommt es an. Der Wiederaufbau unserer Organisation kann nur in der Weise vor sich gehen, daß in jedem Lande zunächst ein solcher Kern von aktiven Zionisten gebildet und mit entsprechenden Arbeitsmöglichkeiten ausgestattet wird. , Nur durch eine derartige Belebung und Aktivierung unserer Organisation in allen Ländern werden wir |m Gahith jene nationale Kraft erzeugen, die allein Pall« stina aufbaucn kann. , ׳1 I t ' ו? I i: