Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 93 (21.11.1924)
- Date
- 1924-11-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 665 Nr. m JUEDISCHE RUNDSCHAU weder bei der Majorität der deuUeher» Zionhlan noch hei der der deutschen Juden der Fall. Dasselbe Programm hat übrigens auch der Ccntral-Vercia im Jahre 1910 öffentlich vertreten. Was die Ueberzeurpmg von der Einheit des Judentums fn aller Welt aulangt, die in dem ersten Satz des Programms der V. .11.ei;msgcsproclicn wird, so glauben die Zionisten natürlich, «laß diese Einheit eine nationale ist. Das schließt jedoch nicht aus, daß sic and) mit allen denjenigen ntsninincuarbdtca können und wollen, die, ohne ein nationaljüdisches Bekenntnis abzulegen, Im Judentum mehr als eine nur konfessionelle, vielmehr eine geschichtlich gewordene Gemeinschaft besonderer Art sehen, eine Einheit mit gemein• Samen sozialen, kulturellen, religiösen und anderen Aufgaben, in bezug auf Palästina auch politischen. Ebensowenig wie etwa die Deutsch-Amerikaner sich durch ihre nationale Zugehörig• keit rum deutschen Volke, die bessere und. zweckmäßigere Aeußerungs■ und Betätigungsmöglichkeiten in Amerika hat als die Form von ״Minder!1eits;ed1te!1“, ihre Staatsbürgerliehe .Stellung in den Vereinigten Staaten beeinträchtigen lassen werden, sind die deutschen Zionisten der Ansicht, daß ihr Nationnljudentum die Rechte und Pflichten ihrer deutschen Staatsbürgerschaft auch nur im geringsten cinschränkt. Wir selten gerade im Preußischen Landesverband eine zweckmäßige Form des Zusammenschlusses der preußischen Juden und die Möglichkeit zur Schaffung einer befugten Vertretungskörpcrschnft. Und wir glauben allerdings, daß die gesetz- Helten und freiwilligen Organisationen der Juden aller Länder, also auch die der preußischen Judenschaft, die Verpflichtung haben müssen, am Aufbau der Heimstätte in Palästina mitzuarbeiten. Das erfordert nicht nur das eigene Interesse des preußischen Judentums, das mit den jüdischen Zentren im Osten in nächster Berührung stellt, sondern auch der Gedanke der jüdischen Einheit innerhalb und außerhalb der gcograpliisehen Grenzen, der» die Jüdische Volkspartci als eines ihrer Hauptprinzipien m ihrem Aufruf vorangcsicllt hat. r.t״chcn und verpflichtete die den! Komitee nivp'rchbnr.enen Or'omis.iÜWR,־), die Zeitung zu abonnieren. Endlich beschloß <l:e’P!ci1.1rta,׳׳!!«״, uns 'Zentralkomitee des Wcltvcrbandcs der jüdischen Jugend (״Merkns Hsnonr״) in das Komitee zu kooptieren. Dia Aktionen für das arbeitende Palästina werden in ganz. Europa im Monat Dezember unter der Leitung des Zentralkomitees beginnen. ÄjpSn-rccI;I1n:~ca aas PacHIaa Nachstehend veröffentlichen wir Meldungen des Agtida- Prefiburos aus Palästina, deren Richtigkeit wir nicht zu überprüfen vermögen. Namentlich die erste Meldung ist wo vet• schwömmen, daß man nicht beurteilen kann, was tatsächlich von der palästinensischen Regierung veranlaßt wurde. Bekanntlich hat die unabhängige Orthodoxie einen schweren Kampf ge fuhrt, um die Möglich!;eit zu haben, religiöse Wohlfahrtsslijtimgcn vor einem unparteiischen Forum bestätigen •zu lar.n'11. Wcslcr wollleii sie diese Angelegenheit vor ein iiwjhamnu'danisclic.s Forum tragen, noch konnten sic sielt mit dem Plan einverstanden erklären, daß diese Stiftungen dem neugi'jch,־dienen O b c r r a b b i n a t c , zu dem 9 i 0 kein Vertrauen haben, überantwortet werden. Die paläatincnsische Regien!!!״ hat den Wünschen der unabhängigen Orthodoxie Rechnung getragen und ein bürgerliches Forum (?1 für diese Angelegenheit bestimmt; die gesetzliehe Verlautbarung ließ auf sich warten, bis am ersten dieses Monat!; die Verlautbarung erfolgt ist. Immerhin bezieht sich das Gesetz mir auf die Zukunft. Das Schicksal der bisherigen Stiftungen ist noch nicht entschieden. Am zweiten Tag des Chan! H.imoed vollzog sich die Gründung der Arbeiterorganisation Poale Agudas Jls* ro c 1. N.-didcm verschiedene Redner die Notwendigkeit der Exi* stenz einer orthodoxen Arbeiterorganisation fcstgcatcllt haben, wurde die Gründung vollzogen. Räe’asSagswr״!! aail pdlsäie־ VerbaniswaW Wozu dienen die Gelder das ״C.-V,“? Das ״Jüdische Wochenblatt*‘ (Berlin), Organ der Achdutli, schreibt im Rahmen einer Besprechung der Reichst a g 5 w a h 1 c n: ״Daß die schwarz-weiß-rote Flagge bei aßen Parteien einschließlich der Deutschen Volkspartci — ein mehr oder weniger großes Hakenkreuz irn Wappen führt, ist klar erkenntlich. Darum kt die Pflicht eines jeden Juden, am Wahltage zu den Parteien zu stehen, die die Farben der gegenwartigen Regierung tragen. Wir würden dem Centralverein gern zur Sehe stehen, wenn er wirklich nur zu diesem Zwecke seine Fonds restlos bereitstellt. — Ob aber nicht doch manches zum 1. Februar aufgespart werden solt? (Von uns gesperrt. — Red. ״J. R“) Oder sind die Gerüchte nicht so unglaubwürdig, die von einer Zurücknahme der antizionistischen Wahlparole sprechen?“ Weiter schreibt das Blatt über die Landesverbandswählen: ״ln fast allen Großgcincinden hat sich die falgende Konstellation hcrausgcbUdet: Auf der einen Seite die Konservativen und mit ihnen die mit den historischen Formen des Kultus schon aus nationalen Gründen stark verbundenen Zionisten — auf der Gegenseite Liberale in verschiedener Schattierung. Das sind zwei große Gruppen, die dem parlamcntarischcn Gebaren der Gemeindevertretungen ihr Ansehen geben, und denen man innere Berechtigung nicht absprechen kann. Demi für die Frage der Gemcir.deverwalhing ist die Stellung zu den beiden Kultnsfonncn nun einmal 'maßgebend, aber nicht die Frage, wie mau zur zionistischen Bewegung und der Zukunft in Ercz Israel steht. — Darum hat das veröffentlichte Waldprogramm des C.-V. heillose Verwirrung ungerichtet. Unsere Aubgabc aber muß cs sein, gegenüber den starken Bestrebungen des Liberalismus seine Macht in den Einhcitsgcmcinden durchzusetzen, wieder für eine positive Einheitsfront zu wirken, die allein imstande ist, der religiösen Entwicklung der Gemeinden im traditionellen Sinne dis Balm zu ebnen.“ Wir geben diese Elatterstimmc wieder, obwohl wir diese Klassifizierung der jüdischen Gruppen nicht für völlig richtig halten. B c rl i n. (J. T. A.) Vcm 11. bis 16. November tagte in Berlin die 2. Plenarsitzung des Komitees für das arbeitende Ercz Israels. Es waren vertreten: Die allgemeine jüdische Arbeiter-Organisation in Palästina durch ״Ben Gurion, Efter, Dov Hos, Sei: kolnik; die Allweliliche Organlsation Hcchahu durch Bogd a 110 ws I; y , Sch w ab c; der alhveltlkhc jüdisch-sozialistische Arbeiter-Verband Poale Zion durch Weißhein und Aronow; Zionistische Arbeitspaitei I iitnehduth durch F ricdland, Werlin sky, ״Drar“ durch Lifschitz; O. K. der linken Poale Zion durch N. Barn; Alhvcltlicher jüdischer Komni.-Vcrband P0;1!c Zion durch K. NI r. Aus dem verlesenen Rechenschaftsbericht des Sekretariats des Komitees ist zu ersehen, daß durcli die Aktion, die in fast allen Ländern Europas für die Arbeiter-Bank in Palästina üiirdigt-führl worden ist, in 9 Monaten 17ODÖ Aktien verkauft worden sind. Für den Palästina-Arbciterfonds ist eine Summe von 1200 ä g y p t. Pfund gesammelt worden. 111 fast allen Ländern Europas sind Landcskomltccs für das arbeitende Erez-Isracl gegründet worden. Die Plenarsitzung setzte dann den Arbeitsplan für das künftige Jahr fest. Die Aktion wird dem Verlauf der Bau- Kooperative ״Sold Pouch“ gewidmet sein. Das Komitee nahm die Pflicht auf sich, im Laufe des Arbeitsjahres min- «lestcns 30000 Aktien des Solei Bo n c 11 unierzubringen. Für die Arbeiter-Bank wird das Komitee in Palen und Rumänien cftic Aktion durchführen. Das Komitee hofft, fn beiden Ländern 10 000 Aktien der Arbeiter-Bank zu verkaufen. Parallel mit diesen zwei Aktionen wird auch eine Aktion für den Palästina-Arbciterfonds durchgeführt werden mit dem Ziel, im Laufe des nächsten Arbeitsjahres 1QOOO englische Pfand aufzubringen. Es wurde ferner beschlossen, im midisten Frühjahr eine Konferenz für das arbeitende Ercz Israel cinzubcrufcn, sowie alle Schritte zu unternehmen, um möglichst noch im Jahre 1923 einen allweltlidien Arbeiterfcongreß für das arbeitende Palästina ciuzubcrtifen. Die Plenarsitzung begrüßte den Beschluß der Arbcltcr-Orgaui- (»hon, in Palästina eine tägliche Zeitung heraus* Interessant ist eine Meldung des Nachrichtcnblaltcs der a״t!disiischc!1 Jugendorganisation, in der ein Bericht des Agudisteu l'cr.-z Mosbachcr über Argentinien veröffentlicht ist. Herr Mosbachcr berichtet an den geschäftsführenden Ausschuß der Agudah: ״Diu große jüdische Bevölkerung in Buenos Aires selbst, welche aus etwa ICOGfiö Familien bestellt, dürfte, politisch gcsprcchc», sich etwa wie folgt zusnmmcnsctzcn: Zionisten 62)0.0, Poale Zionisten (Hechte) 26%, Poale Zionisten (Linke) IO״/״. Konmninisten 10««, Bundisten 7«/0, halbreligiöse Bcvölkerung 2VI-0,'«, Agudisten 1Ah'״• Es tut seihst im Herzen weh, Ihnen kein erfreuliches Bild von d*!1 Verhältnissen geben zu können, aber ich halte es für richtig, ungeschminkt und objektiv Ihnen meine Eindrücke viederzugeben,“ Herrn Mosbachers Gefühle dürften unbegründet sein. Die Zahl der gläubigen Juden in Argentinien ist viel größer. Doch lehnen es diese trndifionstreuen Juden ab, die Religion als Basis für eine politische Organisation zu mißbrauchen. Bis Ullnorlfillcnrcclile in letßazfl Der zionistische Abg. Nufok hielt am 2, November im lettischen Sejm eine Rede über die Rechte der nationalen Minderheiten in Lettland. Seinen tapferen und stolzen Au»- führungen entnehmen wir unchstclicmlcu Abschnitt: ״Es muß ein für allemal klar gesagt Werden: cs kann überhaupt vor! keinem ,Wohlwollen' die Rede sein. Wir .Mkidetbeiten bitten um keine ,Gnadengeschenke', wir fordem das uns zu steh ende Rocht. Dasselbe Prinzip der ״roßen Freihvitslosungc« des Weltkrieges, das dem Jett{- sehen MHirhritsyilkc die Selbständigkeit und Unabhängigkeit!!meine, verkündete zu gleicher Zeit auch die selbst verstandliehe, volle politische Gleichberechtigung der Minderheiten und ihr S'lhstbestimniungsrecht zur Pflege ihrer nationalen Eigen* art. Das. entspricht der Grundidee des Völkerbundes, der auch unseren iungen Staat anerkannt hat und dem auch wir engehören. Ilern! Meicrowlcz, als Lettlands erstem und fangjährigem Außenminister, der zweifellos hervorragende Verdienstc 11m unseren jungen Staat besitzt, sollte «las und so manches andere, eher ak anderen Mitgliedern dieses hohen Hauses, bekannt sein. Herr Meierowitz sollte auch übrigens wissen, wie der Erwerb der Staatsangehörigkeit in den net!- begründ den Staaten, der Tschechoslowakei, Polen und dem neuen Teile Rumäniens, laut den F'ricflensverträgen, vor sich geht. Meine Herren Abgeordneten! Wir Minderheiten werden auf unsere selbstverständlichen Rechte nie verzichten. Wir sind seit vielen Jahrhunderten hier ansässig, haben mit Ihnen, meine Herren, bis vor kurzem unter gemeinsame!» Drucke in unserer genicinsaincii Heimat gelebt und haben zweifellos auf jeglichem Gebiete zur Blüte des Landes mit beigclragen. Wir hoffen und glaube», daß wir mit der Mehrheit des Mchrheltsvolkcs in unserem Parlament zu einer gerechten Verständigung gelangen werden. Sollten aber unsere gerechten Forderungen kein Verstandnis finden, dann müßten wir die Lösung■ der Frage unserer Rechte derjenigen höchsten Instanz überlassen, welche die neue völkcrrcch!liehe Ordnung ins Leben gerufen hat. Und das durfte durchaus mit unserer Loyalität im Einklang stehen, denn wir Minderheiten verlangen nicht nur gleiche R e c 111 c , sondern sind auch aufrichtig bestrebt, sämtliche gleiche Pflichte» zu tragen. (Zwischenruf; Diesen Wechsel werden Sic and! einlöscn müssen.) Jawohl, wir werden unsere Wechsel vielleicht noch eher als Sic ciulöseit 1 Es muß 11 ml soll <i>׳־r einzig inöglklic Weg zu einer friedlichen Arbeit sämtlicher unsere gemeinsame Heimat bewohn enden N,!tionalitätcn geebnet werden, der Weg, der wirklich zu einem weiteren Ausbau Lettlands führt, zur kulturellen und ökonomisciicn Kräftigung :inneres jungen Staates. Das ist der Weg einer gerechten, auf Vertrauen beruhenden Verständigung mit den Minderheiten. Eine vereitelte Zwangstaufe in Jerusalem, Am 8. Nov. spielte. sich in Jerusalem der folgende sufrofTnda Vorfall ah: Ein jüdischer Knabe . stürzte aus dem Gebäude des katholischen Konvents Rulisboit und schrie: .,Juden, rettet nnch! S;c wollen mich taufen!“ Mönche liefen hinter ihn» her und yersi :eilten, sich seiner zu bemächtigen. Eine Anzahl auf das Geschrei hcrbei״eriiter Juden stellte sich de.1t Mönchen cidgegot! und ließ nicht den Knaben wieder in!las Kloster zurucklühre». Während der Auseinandersetzung zwischen den luden und den Mönche!! entkam der Knabe. Sein Aufenthalt konnlc nicht ermittelt werden. f f׳ |»;*4 1׳U «״ 's. .־,!« Si <*, 4 (l 4 Sj k ii Von Richard L i c h t h e i m. In Nr. 91 der ״Jüdischen Rundschau“ hat Dr. Solowcitschik sich in Form einer ״Interpellation“ mit einer Acuöcrung Dr, Weizmanns befaßt, die nach allen vorliegenden Zeitung־,, nachrielstei! (nicht nur in der ״Rundschau“ und Im ״Maolain“, sondern auch i« der in New York erscheinenden ״New Pa- Icatinc“) folgendermaßen lautete: ״Wir, die zionistische Ex«, kutive, sind der Meinung, daß unsere Funktion als beendet anzuschcn sein wird i!1 dem Moment, wo die Jewish Agency mit der täglichen Arbeit beginnen wird.“ In der gleichen Nummer der ״Jüdischen Rundschau“ trschien «ine Richtigstellung Dr. V/cizinanns, In •welcher der Präsident der Organisation nicht eigentlich ln Abrede stellt, diesen Satz gesprochen zu haben, jedoch zu konstatieren wünscht, daß er ״dem Sinne nach“ etwas anderes gesagt habe oder jedenfalls ״zum Ausdruck gebracht haben wollte“, Dr. Solowcitschik hat siel! bei •reiner Kritik an den in allen Zeitungen veröffentlichten Wortlaut gehalten — was oUenhar unzulässig und ein Beweis mangelnder ״guter Gesinnung“ ist, wie aus dem redaktionellen Vorwort der ״Rundschau“ entnommen werden kann. Die ״gutgesinnten“ Beurteiler haben nämlich sofort gewußt, daß Dr. Weizmann nicht gesagt haben kann (oder darf?), was überall zu lesen war. Diese Gutgesinnten haben Dr. Weizmanns Aeußerung dnliin verstanden, daß von einer Beendigung der Rolle der zionistischen Executive ״nur in bezug auf die wirtschaftlich-finanzi. eile Verantwortung gesprochen wurde“. Ich nehme an, daß Dr. Weizmami sich für diesen ״gutgesinnten“ Kommentar bedanken wird, der mit seinem eigenen Dementi seltsam kontrastiert. Denn Dr. Weizmann Ist sich — Im Gegensatz zum offiziellen deutschen Zionismus — sicherlich darüber klar, was cs bedeutet, wenn die ״wirtschaftlich-finanzielle Veranfwortung“ der Zionistischen Organisation nicht mehr besieht. Angenommen aber, Dr. Weimiann hätte jenen Satz oder einen ähnlichen in seiner Jerusalemer Rede überhaupt nicht gesprochen — Was wäre damit gewonnen? Er hätte ihn ruhig sprechen können (und sollen), denn er drückt genau das aus, was seit Jahren die Politik der zionistischen Leitung ist — trotz allem Dcruliigungr.gercde der ״Gutgesinnten“. Wir brauchen uns ja nur an den oben zitierten Kommentar der ״Jüdischen Rundschau" zu halten, um zu verstehen, wohin die Reise geht. In meinem Artikel ״Zwischenbilanz", der am 29. August dieses Jahres in der ״Jüdischen Rundschau“ erschien, schrieb ich: ״Man konnte zwischen zwei Wegen wählen: man konnte vom Tage der Balfour-Dcklaration bis heute an der Festigung und Erweiterung der Zionistischen Organisation arbeiten, alle erreichbaren Kräfte in täe hineinziehen und ihre Funktion als Jewish Agency unangetastet lassen. Diese Politik habe ich seit fünf Jahren empfohlen und bin heute noch der Ansicht, daß sie die allein richtige war. Aber diese Politik ist von den Führern in London und Berlin seit fünf Jahre!» mehr und mehr verlassen worden. Nun soll diese Jewish Agency nicht mehr eine (vom Zionismus verwaltete) Funktion bedeuten, sie soll vielmehr — durch Ausgestaltung zu einem Komitee, in dem auch Nicht- Zionisten sitzen — selbst Organisation werden. Und Aufgäbe dieser neuen Organisation soll gerade das sein, was den Inhalt des zionistischen Programms ausmachte: die Schaffung des jüdischen Palästina, Ist cs denn nicht vernünftig, zu sagen, daß die Zionistische Organisation damit überflüssig geworden ist — vorausgesetzt natürlich, daß die Agency wirklich zustande kommt und daß unser Vertrauen ln die Fähigkeit und den guten Willen der Nichtzionisten gerechtfertigt wird. (Waren diese Voraus- Setzungen nicht vorhanden, so war ja die ganze neue Agency* Politik ein Verbrechen.) Gelingt die Erweiterung der Agency, so sfnd die wichtigsten Funktionen der bisherigen Zionistischen Organisation auf eine neue Körperschaft übertragen: Politik, Finanzen, Wirtschaft — alles wird von der neuen Agency bestimmt, welchem Zwecke dann noch zionistische Kongresse, Aktionskomitees und Exekutiven dienen *ollen, bleibt unerfindlich. Bald wird die Zionistische Organisation ihre Anzichutigs* kraft gerade für die tätigsten Zionisten verlieren, zugleich natürlich auch für die schon halb gewonnenen Kreise des westlichen Judentums und für die gebildete Jugend, die bisher unsere Hoffnung war. Aber auch das palästincr.sfche Judentum und die Chafuzlm in Europa werden kein Interesse mehr an den Ucbcrrcstcn der Zionistischen Orgatiisaüon nehmen; sie werden sich nur noch an die Jewish Agency wenden, die für die Politik und Wirtschaft des Jischub entscheidend Ist. Das ist das Ende der Zionistischen Organisation als der nationalpolilischen Weltorganisation, die bis heute der negotiorinni gestor der Jiidcnhcit in der Paläs'itiasache war.“ ״Aber nein,“ sagen die deutschen Zionlstcnführer, ״nun gerade ist die Zionistische Organisation nötig, nun erst wird sic wachsen“. Höret Kurt Blumenfeld in seinem Artikel ״Zionistische Organisation und Jewish Agency“ vom 23. September d. J.: , ״Die Furcht, cs könne den Zionisten selbst ihre Organ!- sation nach der Durchführung des Agcncypbincs überflüssig erscheinen, ist unbegründet. Verstellt der Zionistenkongreu seine Aufgabe, dann werden seine Beschlüsse, die sich ja nach wie vor auf das ganze Gebiet der Paläst'mawirtschaft erstrecken werden, eine größere Resonanz finden als hl-.hcr. Die Erweiterung der Jewish Agency ist unser politisches Ziel. Sie erhält ihren poii'ischen Sinn nur dadurch, daß sie zu einer Aufgabe der Zionistischen Organisation wird. Zeigt unsere Organisation Verfallserscheinungen, so hat die Agency Politik daran keine Schuld. DcrÖrganls allen bleiben die alten Aufgaben (? Am!!, d. Verfassers). Sic »miß Rieh neuen zuwcmle», denen auch ohne Kooperation mit Nicht• Zionisten ein erhöht es Interesse hätte gellen müssen. LI 11 vorwischbar wird die Grenze zwischen Zionisten und Nicht* Zionisten bestehen bleiben. Der Teil darf weder aufhörci» noch schwächer werden, für den der Aufbau Palästinas die Frage. seines eigenen Lebens ist, Die Wirkung der zionistischen Kräfte, auf deren Arbeit der Erfolg auch weiter beruhen wird, Ist fast völlig durch die Existenz der Zionistischen Organisation bedingt. Selbst Dr. Weizmann, dem der erste Platz in der erweiterten Jewish Agency gehört, dessen Name mit den unerhörtesten politischen Erfolgen der Galuthgcschiehtc verbunden Ist, vermag sei ne Arbeit nur so lange durchzuführen, als er Präsident einer wirtlich bestehenden Zionistischen Organisation sein kann. Auch ScincStellung beruht darauf, da ß er unser Repraseuta nt ist. Auch Dr. Weizmann hört auf, bündnlsfähig zu sein, wenn der zionistische Partner innerhalb des neuen Zwockvorbandes seine!! Kredit verloren hat. Fällt die Zionistische Organisation in Trümmer, dann werden der Jewish Agency keine neuen Kräfte Zuwachsen, die