Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 93 (21.11.1924)
- Date
- 1924-11-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr m JUKDISCHß RUNDSCHAU Seile 605 b) die finanzielle Unterstützung■ leishiiigssehwndicrGcmeinden, besonders zu dem Zweck, den Rabbinern, Lehrern, Kanioren und anderen Beamten der Verbmidsgctncinden eine angemessene Besoldung zu sichern; die Besoldung nach staatlichen Grundsätzen aimistrchm, •) die Schaffung• und Unterhaltung oder Unfcrstütznng gemeinsamer Einrichtungen und Anstalten, d) die Vertretung aller der jüdischen Rcligionsgcmein• schaft in Preußen gemeinsamen Angelegenheiten nach außen, <־) die Förderung* der rechtlichen Stellung der Rab■ blncr, Lehrer, Kantoren und anderen Beamten der Verbandsganciiukwi, f) die Bcral 1111g der Gemeinden in Angelegenheiten ihrer Verwaltung, g) die Mitwirkung bei der Vorbereitung von Gesetzen und allgemeinen Verwaltungsauorduungen, welche die jüdische Religionsgemeinschaft berühren. Dieses Programm ist so umfassend, daß in seiner Erfüllung tatsächlich eine Gesamtvertretung erblickt werden muß. Ls ist insbcMUidere durch die Bestimmungen zu d) und g) auch die Wahrung der politischen Rechte dem Landesverbände übertragen. Die Institution ist damit geschaffen. Die preußische Judenschaft, die mit organisatorischem Geschick diese Leistung vollbracht hat, wird nunmehr den Beweis zu liefern haben, daß sie den Rahmen mit einem für die JueSenheit und das Judentum segensreichen Inhalt atisziifüllen versteht. Die Zionisten in Preußen werden alle ihre Tatkraft darein setzen, um an diesem Werke mitzutun. Sie haben in den ganzen langen Jahren des Kampfes in der vordersten Reihe derer gestanden, die für die Gesamtorg,misation eingetreten sind. Sic haben cntschcidend auf dem Gcmcindctag vom 23. Januar 1021 sich für die Verfassung des D, I. G. B. eingesetzt und haben — leider ohne Erfolg — in der Leitung des D. I. G. B. stets ihren Einfluß daliin geltend gemacht, daß durch die Ausschreibung der Wahlen zum Bundestage Ernst mit der Verfassung von 1021 gemacht werde. Als nach der Gründung des preußischen Landesverbandes vom Juni 1022 wiederum innerhalb des verkleinerten Verbandes Bestrebungen am Werke waren, die denselben mühseligen und nicht zum Ende führenden Weg gehen wollten, den der D.LG,B. beschritten hatte, haben wiederum Zionisten darauf gedrängt, daß man nicht auf Zustimmung und Genehmigung der Regierung warten, sondern aus eigener Kraft und im Vertrauen •auf Artikel 137 der Rciclisvcrfassung den Verbandstag cittbcru'cn und damit die Organisation auch praktisch in Wirksamkeit treten lassen sollte. Trotzdem hat es nahezu zwei Jahre gedauert, bis sich die bestimmende Mehrheit dazu entschlossen hat, die Wahlen auf den 7. Dezember 1024 anzuberaumen. Wir Zionisten sind, als dieser Tennin der Wahltag für Reichstag und Landtag wurde, für Beibehaltung der Waiden zum Verbandstage cingetrctcn, weil wir einerseits glaubten, daß der 7. Dezember gerade wegen seines Charakters als allgemeiner Wahltag die größte Befciiignngsziffcr aufweisen würde und andererscits auch, weil wir jede weitere Verschiebung der Wahlen und damit der Wirksamkeit des Landesverbandes verhindern wollten. Jetzt können wir nur hoffen, daß cs bei dem Termin vom 1. Februar 1025 verbleibt, und daß unverzüglich nach diesem Termin der gewäidte Verbandstag auch wirklich einberufen und die übrigen Organe des Verbandes eingesetzt werden. die ebenfalls Lieht im Hause verbreitet und erzählte ihm, daß der Dichter Braudes in einer jüdischen Zeitung, die er in Lemberg heraus gab, ein Feuilleton über diese Frage geschrieben hätte. Ich bemerkte ferner, daß nach meiner Ansieht die Kleinen nichts verlieren werden, wenn man ihnen beim Liebte der Chanukakerzen die Geschenke verteilen werde. Da schüttelte Herzl zustimmend den Kopf, führte mich in das nächste Zimmer und zeigte mir eine große, silberne Chanukah-Menorah, die er einen Tag früher bekommen hatte, auf seinem Bücherschrank. ״Ihr Vorschlag ist gut,“ sagte Herzl, ״nach den schönen Entstehungsgeschichten, die ich ihnen beiin ersten Lichte zu erzählen gedenke, werde ich jedem Einzelnen sein Geschenk geben und ihnen mit den Worten Braudes sagen, daß sic diesmal nicht vom Christkinde, sondern vom ,Makkabäerhcldcn‘ herrühren. Sic sehen also, daß auch ich über die Menorah und über die schönen Erzählungen nachgedacht habe. Das wird wahrlich ein wunderbares und angenehme? Fest sein." Die hebräische Ausgabe der zionistischen Schriften Hei71s hat besonderen kulturhistorischen Wert. Das Buch sollte In keinem Hause eines hebräisch lesenden Juden fehlen. Dr. Abr. I. Mark (Biala). ״Dwlr-Mikra״, Hebräische VcrlagsgesellschaU Ur biblische Wissenschaft Dem in den letzten Jahren oft gerügten mangelnden Interesse der jüdischen, insbesondere der hebräischen Literatur an der biblischen Wissenschaft und der Bibelforschung will die vor kurzem gegründete ״Dwir-Mikra“, hebräische Verlagsgcscllscltaft für die biblische Wissenschaft, Berlin, abhelfen, die sich zur Aufgabe gemacht hat, die Ergebnisse der Bibelforschung unter dem hebräisch lesenden Publikum zu verbreiten und die Bibclwissciischaft durch Herausgabe von originellen und übersetzten Werken sowie Hand- und Lehrbücher 11 in hebräischer Sprache zu pflegen und zu fördern. Dem soeben versandten Vcrlagssprospekt entnehmen wir, dal! der Verlag ״Dwir-Mikra" die Ergebnisse der bisherige» biblischen Forschung eine Sammlung von Werken unter dem Ramen ״Grundriß der Bibclwissenscfiaft" vorbereitet, von der der erste Band bereits erschienen ist und die ״Geschichte der ßibclkritik״ behandelt. Das von M. Soloweitschi!{ und S. R u b a s c k 0 w gemeinsam verfaßte Werk verfolgt sämtliche Etappen der wissenschaftlichen Forschung über das Entstehen der Bibel Wir erwarten durch den Lu1cfe.svcfb.1nd, der für uns Selbstzweck ist, die Pflege und Förderung aller jüdischen Interessen in Preußen. Wir erwarten eine Fürsorge für leistungsschwache Gemeinden, die nicht den Charakter einer Wohltätigkeit, sondern eines gerechten Ausgleichs zwischen der t.cir.iungskraft weniger Großgenieindai und der finanziellen Lektungsun fähig* keit aller Klcingcmcindcn darstcllf. Wir erwarten die so dringend notwendige Besserung in den Wirtschaftliehen und sozialen Positionen unserer gesamten Benmtcnr.chnft, insbesondere der Rabbiner, Lehrer und Kautoten. Wir begrüßen cs, daß endlich einmal die Verlivlung der Jmlcnsciiaft vor den staatlichen und Jconnminaicti Behörden eine Angelegenheit der organisierten Judcnsciiaft seihst sein wird und nicht mehr das Geschüft einzelner Vereine, die immer nur P.arteivercinc sein konnten. Wir hoffen, daß nach der Konstituierung] der Organe des Preußischen Landesverbandes sehr schnell die Zusammenfassung׳ -aller Landesverbände zum Reichsverbände der Juden in Deutschland erfolgen wird. Wir erwarten von dem Verbände, daß er sic!» des Zusammenbanges der deutschen Judenschaft mit dem jüdischen Volke stets bewußt sein wird. Der i.nmlcs verband hat unsere freudige Zustimmung auch /u den grundlegenden Bestimmungen seiner Verfassung. Sic bedeutet einen völligen Sieg der von uns von jeher vertretenen Forderungen. Zu Ende ist die Notnbcln-Wirtschaft, zu Ende die gegenseitige Kooptation von Vorstandsmitglieder», zu Ende sind die Ge» 1uTa!vcrsn111111!11n״cu, die aus migcwähiten Vertretern bcstanden haben. Wer jetzt sich als Vertreter der preußischen Judcnlicit ausgeben will, muß die Feuerprobe einer demokratischen Wahl bestanden haben, Zum ersten Male wird cs am 1. Februar 1025 sieh ereignen, daß in allen V e rba 11d sgc mei nden Preußens zur Wald einer einheitlichen Vertretung, die Juden an die Wahlurne gehen, um sich eine Vertretung für ihre wichtigsten Interessen zu schaffen. Wir werden c:; hierbei zum ersten Maie erleben, daß alle volljährigen Frauen gleiche Rechte wte die Miiuner ausüheii. Wir werden an dem gleichen Tage aber auch noch weiter das einigende Band um alle Juden, die in Preußen ihren Wohnsitz haben, dadurch geschlungen sehen, daß nur aie Zugehörigkeit zum Judentum und nicht auch die Zugehörigkeit zu einem staatlichen Verbände für die Ausübung des Wahlrechts entscheidend ist. Gefallen sind die Grenzen zwischen In!:i1u!cn1 und Ausl;indem, zwischen Ost juden und Westjrnlcti. Diese FürtsdiriEc in der Entwicklung sind uneudilch groß, wenn mau bedenkt, wie zähe in ciiucltteu Ge• meinden noch jetzt der Kampf für das Auslätiderwaldrecht geführt werden muß. Der Landesverband als soIeher kann zwar, seinem Prinzip der Selbständigkeit und Autonomie der Gemeinde getreu, den einzelnen Gemeinden nicht ein gleich freiheitliches Wahlrecht vorschreiben, wie er cs seihst für sich angewandt hat. Die Autorität des Landesverbandes aber und noch mehr die guten Erfahrungen, die er unserer Ueberzeugung nach mit diesem Wahlrecht machen wird, werden auch die einzelnen Gemeinden bei der autonomen Gestaltung! ihrer Statuten zu den gleichen Fortschritten in der Verfassung bringen. Der Landesverband hat die alle Frage der Auflösung oder Sammlung der Juden zugunsten der Sammluug entschieden. Wir werden in Zukunft als Körper* schäften des öffentlichen Rechts nicht nur die Gemeinden, י.««.יוו«—-■•יי|,■—, ■■II -■'» . — ** —U a1H*M-m1iMI|p IN»— >1■ —W»»PIWWW«W | w» — י■«■«»■ ■■»WMp»f und ihrer einzelnen Teile, ihre Kanonisicmng, Ihre Redaktion »sw. Die ersten Spuren dieser Fragen werden bereits in der Bibel selbst inchgewicscn. Das eifrige Studium der Bibel und die Dcmüluinjr um ihre richtige Auslegung seitens der Talmudistcn und Rabbiner einerseits wie ■durch christliche Gelehrte andererseits zwangen sic, die schüchtern gestellten Frage» zu Problemen auszüweitcn, deren Beantwortung neue Studien bedurften und weitere Probleme aufwarfen. Und so erweist sieb die Bibelforschung tu ihrer Gesamtheit als eine zwangsläufige Kette von Fragen und Antworten, Problemen und I lypoihesrii, die in den letzten Jahren einen gewissen Ab• schluü' erreicht haben. Das zweite Buch dieser Serie wird das Werk ״תורת בקרתהפירא' (M c t hod e n der Bibelforschung) sein, das nicht nur die modernen Methoden behandelt, sondern auch die im Talmud und in der rabbinischcn Literatur angewandten Methoden der Auslegung der Bibel unter wissenschaftlichem Gesichtspunkte betrachtet. Das dritte Duell bildet die ״H e b r ä i s c 11 e A r c h ä o - 11-ן ס ן ■• von Prof. J. B c n z i 11 g 0 r. Das vierte -- die O escliichte der b i bl i sc 11c 11 Literatur von Prof. K. Bud d c. Bride letzten Werke sind hebräische Ueberßetzungen von Manuskripten, die die Verfasser eigens für diese Ausgabe bearbeitet haben. Dieser Serie reiht sich würdig eine hebräische Ausgabe des Standard-Werkes von Julius Well hause na ״Prolcgont c n a zur Geschichte! s r a c l s" an. Von vielen wurde dieses für die Bibelforschung epochale Werk In der hebräischen Literatur umstritten, von wenigen jedoch gründlich und ln vollem Umfange gelesen. Dein hebräisch lesenden Publikum wird jetzt zum erstenmal die Gelegenheit geboten, dieses Meisterwerk der Wissenschaft und des wissenschaftlichen Stils in originalgetreuer Uebersetzung kennen zu lernen. Dem Bibel- und Geschichtsunterricht (11 hebräischer Schule und jüdischem Haus Ist das Werk ״) ״שכיות הטקרא״Biblische Sehenswürdigkeiten“) von M. Solo w c 11 sc 1»i k gewidmet. Die 700 Abbildungen und 8 farbigen Tafeln sind systematisch geordnet und in 9 Kapitel geteilt (t. Geographie Paläslinas und des Orients, 2. Biblische Flora und 'Fauna, 3. Ethnopraphic, 4. Geschichte, 5- Gewichte und Münzen, 6. Profane Altertümer, 7. Sacrale Altertümer, 8. Kunst und 9. Schrift). Dein Buche ist ein 80 Seiten großen Formats umfassender Erlätitcruiigstcxt bclgcfügt, der ■die genannten neun Wissengebiete in’ gedrängter Form darstellL wobei kn den zusammer,hängenden Vortrag genaue Erklärungen sämtlicher Bilder liuieiiigcwnhcii sind. Der Text wird auch durch ständige Verweise und Zitate mit dem Dibeltcxt in Zusammenhang gebracht. Ein spezielles Kapitel, das insbesondere für: Lehrer sondern auch den Landesverband haben. Wir werden über die Landesverbände hinaus zum Reich?verband« schreiten. Die judruheit in Deutschland wird nach außen als eine Einheit in die Erscheinung treten können. Sie wird dies nicht nur da tun, wo es gilt, in bedrohter Lage Rechte im Lande wahrzmichmc’n, sondern auch überall da, wo cs nach innen gilt, den gesamten jvV clir.chcn Organismus durch engen Zusammenschluß zit stärken und sich als lebendige Zelle in den Körper der gesamten judenheit einzustellca, Der G׳:danke des Klal Israel wird durch den Landesverband im deutschen juden* tum siegen, Er wird auch der Vermittler zur werk* tätigen Mitarbeit des deutschen Judentums an dem Auf* bau Palästinas werden. Aus allen diesen Gründen gehört unser Interesse und unsere Arbeit dem Landesverbände. Darum ist cs zionistische Pflicht, sich an den Wahlen zu beteiligen und dafür zu sorgen, dein demokratischen Rahmen einen jüdischen Inhalt zu geben. Preußischer ianJesverhaid und nationale Miiulerlieilsreclite Das ״Hamburger! י r .1 e I i t i s c 11 c Familien• blatt״ druckt in seiner Nummer vom 13. November den Wahlaufruf der Jüdischen Volksparlci anläßlich der Wahlen zum Preußischen Landesverband ab lind bemerkt dam folgendes: ״Die Jüdische Volkspartei bekennt offen und ehrlich, d.iB sie bis ,nationale Minderheit‘ im Deutschen Reiche angesehen werden will, analog den Nalionalpolen in der Ostmark und den Dänen in Nordsthkswig (natürlich ohne deren Aspirationen auf Orcnzverrückungcn). Nur der Passu«, der von der ,Verpflichtung de? deutschen Judentums‘ spricht, au dem Aushau Palästinas ,materiell mitzunrbeiten*, und dabei den VölkcrhunJ als rechtmäßigen Kontrahenten .?»spricht, erscheint nicht ganz klar. Die moralische Pflicht des Einzelnen gegenüber Ercz Israel und das Verhältnis» des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden zu Völkerbund und Palästina sind d״ch recht verschiedene Dinge.“ Die Interpretation des ״Familienblattes", da? Programm der Jüdischen Volksparlci enthalte die Forderung nach natio• nalcn Minderhciisrcchtcn, ist geradezu verblüffend. Wer den Aufruf gelesen hat oder Ihn noch elnmil durchsielit, wird darin auch nicht ein Wort «der irgendeine Wendung entdecken können, die eine solche Auslegung auch nur entfernt zu rechtfertigen scheint. Die Jüdische Volkspartei ist bckarmtlich nicht identisch mit der Zionistischen Vercingung für Deutschland, sondern die Zusammenfassung einer ganzen Reihe von Gruppen. Aber weder die Volkspartei noch die Zionisten haben eine derartige Forderung aufgcstellt. ln dieser Frage besieht schon seit sehr vielen Jahren auch in den zionistischen Reihen durchaus keine Einheitlichkeit der An* rdinuungcn und sic ist über ein Stadium theoretischer Er* örtcrung nicht hinausgekommen, ln der praktischen Politik ist jedenfalls von den zur Vertretung der deutschen Zionisten berufenen Stellen bisher noch nie eine Forderung wie die nach Gewährung von nationalen Minoritätsrechten Innerhalb des Deutschen Reiches erhoben worden. Es kann sogar fest* gestellt weiden, daß schon aus dem Orunde der nicht vor* handenen zahlenmäßig en und sonstigen objektiven Vor■ Aussetzungen für die Gewährung solcher Rechte im Falle der deutschen Juden so gut wie alle deutschen Zionisten dieses Postulat als undurchführbar, unzweckmäßig und schäd* lieh ablchnen. Sic befinden sich dabei in Lieberem- Stimmung mit dem bekannten ״Kopenhagener Manifest" der Zionistischen Weltorganisation, das in den Beschlüssen da XII. Zionistenkongresses Aufnahme gefunden hat. Die nationalc Autonomie oder andere Mindcrhcitsrcchtc werden daher nur für die Judenheit der Länder verlangt, fn denen sie In großen Massen leben oder in andern Staaten für die* jenigen Juden, die solche Rechte wünschen. Das fat bestimmt ist, behandelt das Problem des biblischen und geschichtlichen Bibcluntenichts und enthält eine Anleitung, wie dies Buch zweckmäßig bei dem Bibel- und Geschieht»« unterricht zu verwenden ist. Jüdischer huaslabotd Meltlurt Maar in der Zionistischen Ortsgruppe Kassel. Kassel. (Eigenbericht der ״]. R.") Ein jüdisch-künstlo* risches Ereignis bildete der von der Ortsgruppe veranstaltet« Jüdische Kunstabend Mcinhart Maurs, der unter dem Titel’ ״Die Sehnsucht nach dem Ursprung" eine Anzahl in ihrer Wesenheit grundverschiedener Diclitiuigcn vereinigte, die ab« last alle auf einen Ton gestimmt waren: auf die Liebe zu Ercz Israel, auf die tiefe Sehnsucht, eine Synthese zwischen Leben und Lehre zu finden, auf das Suchen, die allen Juden teure Dreiheit, Thora, Volk,!.and untrennbar zu einen. Wa« Mcinhart Maur bot, war, um ein alte.? Wort zu variieren, ״goldene Aepfcl in goldener Schale“. Der Künstler wüßte alle Töne mit gleicher Meisterschaft an Zuschlägen, einerlei, ob cs sich um die hymnische Inbrunst Jehuda 11*• levis handelte, oh die erschütternde ״Maminenrottc" Hiatlka, dieses Sendschreiben, das alle Grausamkeit und allen Fat«* tismm des Zarismus vor uns wieder aufleben ließ, oder ob d!c Skepsis des Expressionisten Iwan Q 011 fomicnschön nach Ausdruck rang, Mcinhart Maur überragt die Schar unserer Rezitatoren, auch die trefflichen, um Haupteslänge. Er hat ein außerordentlich feines Sprachgefühl, weiß die Untertönc. die in des Dichters Worten mitschwingcn, zu erkennen und uns nahezubringen, verfügt in künstlerischster Weise über die Aiisdrucksskala von rührender Naivität bis zum stürmenden Enthusiasmus, vom tbmger Inbrunst bis zur höchsten Verzwclfhmg. So war um*, das Kerrsche Feuilleton ״Jcnischalajiui" zum tief bewegenden Erlebnis, so zeigte er uns, afa er die ״Flammcnrolle“ Blalik.? auch im hebräischen Urtext las, wie die Sprache unserer Väter in Rythmik und Melodik stärkste Wirkung Auszulösen vermag. Auch der Humor kam zu seinem Recht: Heinrich Heine und Z a n g w i 11 erfreute» die Hörer und riefen Beifallsstürme wach. Die nun Schluß vorgetragene Scene des Roten Itzlg aus Bcer-Hofmanni ״Grafen von Cliarolais" ward -- ohne daß der Künstler die Grenzlinie zwischen Bühne und Vorlesertisch verletze — so lebenswahr, »0 überaus charakteristisch, *o wundervoll ein- (klüglich gesprochen, daß man tatsächlich Ort und Zelt ver* gaß und den mittelalterlichen, gejagten, gequälten Jude» zu hören meinte. Der Abend hklt, was er versprach: er w*f jüdisch, und erfüllt von reinster, hehrster Kunst. H, B.