Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 92 (18.11.1924)
- Date
- 1924-11-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 02 Seite 657 TÜt DISCHE RUNDSCHAU Et 11, m st In!11 Er e e* ct te trer id tir 01 Me nd 1". cn fia fit he ict cn!in ׳c- Ile st• •0■ tu frt Jr- Pff üt- .״! P‘. en »r-;if-!rn Uli ich .!ui!in res 1er 11 PT ich eil len :ie, ur• P». IIR 111c ms los Im len »in in len ter cn tn> |er 11t• ti ec •!נ 3te icn .!מ Ics el• in leb er• iir• Icn iie rar J׳e urles err err;11• >ie ßß e! He |k- »1s el)!n.!in .er du rr- .\*1 in» :<• nJ I f •i öimyirsiii-laalar Von Moses Bcilinson (Tel-Awivv). Der Winter 1023/24 war für Erez-Israel besonders schwer. Audi in <Icr Diaspora wird man sich der trüben Nachrichten, die von hier über Arbeitslosigkeit, Entmutigung und Aus- Wanderung kamen, erinnern. Hier int Lande weih man davon, selbstverständlich, viel mehr zu erzählen. Speziell die Straßen von Tel-Awiw waren damals von einer Menge Ar.! ,itdoser, die von kläglicher Unterstützung lebten, voll. Die Stirn- 1111mg von diesen erzwungen müßiget» Leuten kann man sich leicht vorstcllcn. Da entschloß sich eine Gruppe — es war nee'!, bevor die Tabakpflanzungen einen neuen uncr• warteten Ausweg boten --- noch einmal einen schon oft mißlmigcnen Versuch zu unternehmen: zwei bis drei Wegstunden von Tel-Awiw, in den Kolonien von Judäa, finden jedes Jahr Tausende von Arabern Arbeitsgelegenheit; soll es wirklieh unmöglich sein, dort wenigstens für einen Teil der jüdischen, verhungernden und entmutigten Arbeiter Zutritt zu versdi,affen? Mau erinnerte sieb daran, daß man schon während des Krieges einen diesbezüglichen Versuch auf neuen 0rundlagen unternommen hatte und daß dieser Versuch als halb gegluckt betrachtet werden konnte. Dieselben zwei Arheiter, die damals, vor sieben Jahren, den Eingang in die Kolonien gesucht hatx'״, N.Goldberg und J.Prnjanjky, organisierten auch jetzt eine über KW Mann starke Gruppe und so wurde die ״Uc.bergangs-Genosscnschaft" — ״Ciiawuralh-Maabai“ — gebildet. Als Grundlage ihrer Aktion wurde Akkordarbeit, Kobiainiih, genommen. Die arabische Arbeit in jüdischen Kolonien bildet einen der peinlichsten Züge des neuen Jischuw. Sie führt erstens zu der paradoxen — um mich nicht schärfer auszudrücken — Erscheinung der hungernden und arbeitslosen jüdischen Arbeiter, während cs in nächster Nähe Arbeit in Tülle gibt; sie führt zweitens zu einer Deformierung des ganzen Charakfers der jüdischen Kolonie, von welcher man nicht mehr weiß, von wem sic eigentlich aufgebaut wird — vom jüdischen Unternrlimer oder vom arabischen Arbeiter; drittens ruft sic einen nicht nur nationalen, sondern auch sozialen Gegensatz, zwischen Juden und Arabern hervor, da der Jude immer als Arbeitgeber, der Araber immer als Arbeitnehmer erscheinen; sic führt endlich dazu, »faß zwischen dem Kolonisten und dem zu bearbeitenden Boden ein Vermittler — der arabische Arheiler — sich entstellt, was keine rechte Beziehung zwischen den Kolonisten und seiner Familie und der Landwirlschaft Aufkommen läßt. Schon rer Jahrzehnten wurde die Erscheinung von jüdischen Beobachtern, vor allein von Achad llaam, hemerkt, richtig bewertet und scharf gerügt, ohne daß eine Besserung cingctrcten wäre. Seitdem im Lande eine zahlreiche Arbeiterschaft lebt, führt sie einen ununterbrochenen Kampf mit den Kolonisten für den Kibhusch-Awodah, für die Eroberung der Arbeit. Dieser Kampf hat oft scharfe Formen angenommen, desto mehr, als er manchmal noch da• durch kompliziert wurde, daß der Gegensatz zwischen Kolonisten und Arbeitern sich nicht auf das wirtschaftliche Gebiet beschränkt, sondern sicii auch auf Lebensformen, auf die soziale Denkweise und auf das Verhältnis zu religiösen Formen erstreckt. Bis zuletzt hat dieser Kampf zu keinen» greifbaren Resultat geführt. Nach den bekannten Ereignissen lin Jahre 1021 waren die Kolonisten direkt gezwungen, die jüdischen Arbeiter anzustdlen; es vergingen aber kaum einige Monate und man konnte wieder das alte Bild sehen: Scharen von Arabern, die frühmorgens aus benachbarten Dörfern zu ihrer Tagesarbeit in jüdische Kolonien ziehen. Wenn man mit Kolonisten darüber spricht, so drücken sic zuerst überhaupt ihre Verwunderung darüber aus, daß die Juden so zur einfachen Arbeit drängen. Soll das eine Beseliäftigimg für einen Juden sein — für zehn Piaster Tageslohn Jiit-Arbeit im Oraiigeiignrten leisten? Dazu sind doch die Araber da! Dann erklären sie den Grund ihres Widerstandes: der jüdische Arbciler ist teurer und arbeitet schlechter als der arabische — möglich nur deshalb, weil er unerfahren und an die Arbeit nicht gewöhnt sei, aber jedenfalls ist er, wirtschaftlich betrachtet, ein Luxus, den sich der Kolonist nicht leisten kann. Darauf antworten die Arbeiter, daß, wenn es auch wahr ist, daß der jüdische Arbeiter mehr Lolin braucht, da er nicht ein Mitglied der arabischen Familie, leitete er dieses Aschenbrödel am den dunklen Gäßclicn der Judenghetti auf die breiten Boulevards der modernen europäischen Musikfonnen. Wenn wir jetzt auf die vergangenen fünfundzwanzig Jahre Rückschau hallen, können wir mit Freude feststcllen, daß Engels Beginnen unter einem glücklichen Stern stand, und daß sein Pioniertum reiche und wertvolle Frucht gebracht hat. Im Verlaufe weniger Jahrzehnte erwuchs aus de.m rauhen Volksliedstoff eine eigenartige jüdische Mmiklitcratur und dem ersten, einzigen jüdischen Pionier gesellte sieb eine ganze Reihe talentvoller jüdischer Komponisten zu, wie Joseph Achron, Michael G n c s s i n , Moses M ü 11 n e r, Eiieser Saminsky, Alexander, Krayn, Sch. Rosowsky u. a. Auf dem Grunde der jüdischen Volksmclodie in Syuagogenmanicr erwuchsen wunderschöne jüdische Romanzen und «ine prachtvolle Kammer- und Instrumentalmusik. Es entstanden eine Reihe original-jüdischer Opern, wie Mülincrs ״Asmodei" Gnessins ״Kinder Abrahams״, Rosowskys ״Ainnon und Tamar" und des noch jungen Hcnocli Cohn ״David und Baüisebah“. Wenn Engel an unserem gegenwärtigen rnuslkalisdien Schatz als Komponist und Schöpfer nur mit einen!, wenn auch großen und wertvollen, Anteile vertreten Ist, so Ist er an der Erweckung unserer nationalen Musik sozusagen mit hundert Prozent beteiligt, denn er hat sic von den Toten erweckt und sic zum Leben gebracht. Wie ein Vater be• freut er die jüdische Musik unermüdlich und behütet Ihr Wachstum und Ihre weitere Entwicklung. In dieser Hinsicht erreicht sein künstlerisches Verdienst das Niveau «incs großen nationalen Verdienstes. Engel ist aber nicht nur der Ideologe und Wegweiser der modernen jüdischen Musik, sondern er ist auch einer unserer angesehensten Schöpfer. Obwohl er fast ein Sech- *iger ist, hat er sich seine Produktivität und künstlerische kriselte bewahrt. Darum ist es noch nicht an der Zeit, ein Rfcumdc über das zu ziehen, was Engel der jüdischen Musik ®'it seinen verschiedenen Schöpfungen gegeben hat. Engel tat eine Reihe Instrumental-Kompositionen für Geige, Klavier und Cello geschrieben, ferner eine Anzahl Kammer-Ensembles, "'*c das ״Adagio mystcrioso", die zwei ״Trios״, die stim- ״uuigsvolle «nd charakteristische Musik zum ״Dybuk", welche wie cs bei den Arabern der Fall Ist, Rändern alleinstehender Arbeiter ist, und da er nicht unter solchen hygienischen Verhältnissen lebet! kann, wie der Araber, so kann er anderer• scits, da er zuverlässiger als der Araber ist, den Kolonisten viele Aufsicht־,;־iiisgabcn ersparen; nach einiger, gewöhnlich kurzer Zeit, gewöhnt er sich .111 die Arbeit und arbeitet nicht schlechter, sondern besser als der Araber. Den schlagenden Beweis dafür stellen diejenigen AmnahmrVolonisIcn, die prinzipiell und während langer Jahre ausrxhließllch jüdische Arbeiter beschäftigt haben und doch wirtschaftlich nicht zu* gründe gegangen sind. Die wirkliche Ursache der Abneigung der Kolonisten der jüdischen Arbeit gegenüber sind vielmehr auf anderen psychologischen Gebieten zu tuchen. Et Ist peinlich, hei dieser Art Ursachen lange zu verweilen, desto mehr, als, wie es scheint, die Erscheinung, die ich meine, im Abnehmer! begriffen ist Kurz gesagt: cs haben «ich bei jüdischen Kolonisten (braucht es noch hervorgehoben zu werden, daß nicht alle, sondern mir typische Kolonisten gemeint sind?) in ihrem Verhältnis zu den Leuten, denen sie Arbeit gehen, Charakterzüge entwickelt, die Ihnen de!! Araber ״ mit «einer Sklavenpsychologie — viel bequemer erscheinen lassen als den Juden, den man nicht 80 ״frei“ behandeln kann. Manche Szenen sicht man in jüdischen Kolonien, von welchen man bestürzt und beschämt wird; mit dem jüdischen Arbeiter können solche Szenen nicht aufgeführt werden. Ich wiederhole aber: cs sind Anzeichen dafür vorbanden, daß auch in dem Verhältnis des Kolonisten dem arabischen Arbeiter gegenüber eine Wandlung vor sich gellt und was icl! seihst gesehen habe, Ist noch bedenklich und beschämend genug, aber viel blasser als das, was man aus den früheren Zeiten zu erzählen weiß. Wie dem auch sei, der neue Versuch von Kibbusch-Awodah mußte allen Elemente der Abneigung der jüdischen Arbeit gegenüber Rechnung tragen. Das wurde auch durch das System der Akkordarbeit erzielt, das darin besteht, daß der Kolonist die Arbeit und auch die Aufsicht über die Arbeit einer Gruppe von Arbeitern übergibt, wobei als Lohn dieselbe Summe festgesetzt wird, die der Kolonist für die arabische Arbeit mit ihren billigeren, aber zahlreicheren Arheltshändcn und ihrer kostspieligen Aufsicht auszugeben hätte. Er hat also dieselben Ausgaben und Ist von Kontrolle und Aufsicht und auch von dem Kontakte mit den Arbeitern befreit. Es wird ein Kontrakt abgeschlossen und die Verantwortung der Gruppe für nicht ausgcii'ihrtc oder schlecht ausgeführte Arbeit festgesetzt. Seitens der Arbeiter Ist dieser Versuch nur möglich, wenn sie eine gemeinsame Küche und eine gemeinsame Wohnstätte habe!» und wenn sie am Anfang Ihrer Arbeit eine Unterstützung bekommen, um sich Arbeitswerkzeuge zu verschaffen, Baracken und Zelte zu errichten und die ersten Ausgaben für den Unterhalt 211 bestreiten. Der erste Versuch dieser Art wurde, wie erwähnt, im vorigen Winter, vor ungefähr einem Jahre, von der Gruppe ״Ciiawuratli-Maabar״ unternommen, die 6ich an die älteste judäischc Kolonie, Pctach-Tikwali, wandte. Eine Anleihe vom Keren Majessod wurde bewilligt; es gelang, Arbeit bei den Kolonisten zu bekommen. Es wurde außerdem ein bißchen Boden gepachtet, auf welchem Tabak und Gemüse (hauptsäch* licl! für eigenen Gebrauch) gepflanzt wurden. Wie in allen landwirtschaftlichen Genosse»',clmflcit, wird auch liier die Ar* beit durch den gewählten Rat geleitet, an dessen Spitze die zwei schon erwähnten verdienstvollen palästinensischen Arbeiter, Goldherg und Prujansky, sichen. Anfangs wurden als Bedingungen für die Mitglieder der Gruppe festgesetzt: Essen, Lager, Wäschewaschen, Schuh- und Kicldcrreparaturcn, Zahlung der Histadijth-Beilräge Kupatii cholim eingeschlossen) und 20 Piaster monatlich In Bargeld. Das Essen ist, wie überall, mehr als bescheiden; die Auszahlung von Bargckl konnte nicht regelmäßig stattfindet!. Man kommt nur mit viel Mühe und Not *md mit großen Entbehrungen vorwärts, dafür hat man aber auf folgende Resultate zurückzu• blicken: Obwohl die Abrechnungen noch nicht abgeschlossen sind, kann schon jetzt behauptet werden, daß die Gruppe kein Defizit haben wird. Im Gegenteil — die Abzahlung der Keren Hajcssod-Anleihc hat schon angefangen. Die Gruppe wächst zahlenmäßig und zählt heute etwa 250 Mann; wären augenblicklich in Palästina geeignete Leute vorhanden, an könnte diese Zahl um mehrere Hundert vergrößert werden, hei dem strengen und prätentiösen Moskauer TheaterpubHkum großen Beifall gefunden hat. Trotzdem Ist Engel der ausgesprochene Lieder- und Bailadenkomponist. In der Romanze oder Ballade, möge cs das naive und zarte jüdische Volkslied oder die gedrechselte und geschliffene poetische Phrase Bialiks und Tschcrnichowskys oder die feurigen Worte des Psalmisten sein, ln diesen Textworten findet Engel die Inspiration für die nötigen Farben, die passende Melodie und die dazu gehörige Harmonie. In Engels Klängen bekommt das Wort besondere Anmut und einen eigenartigen musikalisch-jüdischen Ausdruck, Es ist wirklich merkwürdig, wie aus dem bis vor ganz kurzer Zeit völlig russifizlcrtcn Moskauer ״Julij Dimilrowil-scli'1 geradezu atavistisch eine derartig rührende Volk«- ü'imiichc Melodie hervorbriefit wie in seinem wundervollen ״Samstag in der Dämmerung", oder In dem glänzenden Pcßaclilicd ״Lecha kl lcclia“ oder in den! chassldisclien Niguu zum ״Dybuk". Jetzt fährt Engel nach Palästina, um sich a!1 die Spitze des Jaffacr Konservatoriums zu stellen, unserer zukünftigen nationalen Musikakademie. Es Ist überflüssig, zu betonen, wieviel Engels unermüdlicher schöpferischer Geist, seine große musikalische Kultur und komposilorlschc Begabung in Palästina für unsere nationale musikalische Arbeit zu leisten vermögen. Wir wünschen Ihm Glück und Erfolg für seine Aufgabe, die eine Krönung seiner ganzen langjährigen und ehren■ vollen national-künstlerischer» Tätigkeit darstellen möge. O. S. m Berlin. Sonntag, den 23. November, findet Im Klub der russischen Journalisten und Literaten, Prager Platz 4a, um 8 Uhr abends, ein Abschiedsabend zu Ehren Joel Engels statt. Die musikalischen Vorträge des Abends werden aus• geführt werden von Joseph Achron (Geige), Frau Anna Grüntuch, Frau Lea Sw e t. Frau Rika Kaplan, Herrn Leo Moiies«« (Gesang) und Frau N. Antik (Klavier). Dein Festkomitee gehören nachstehende Herren an; Prot. Dubnow, Dr. Schaul Tschcrnlchowsky, Prof. Pasternak, Dr. Alfred Landsberg, Kompcnlst Jo״eph Achron, Dr. J. Bruzkut, Abraham Ooloberg (New York), Dr. Robert Welt sch, Jacob Leszczvnski, W. Latzki-Bartoldi «nd Dr. M. Rosen stein. Die Gruppe hat aber auch den nicht-organisierten jüdische!» Arbeitern de!» Weg in die Kolonien gezeigt und die Kolonien ' selbst der jüdischen Arbeit gegenüber milder gestimmt: 60 konnte es kommen, daß es .<! Pctach-Tikwali vor einem Jahre etwa 5(1 organisierte und 10) unorganisierte jüdische Arbeiter gab, heute aber über 10»! (denen aber — nie zu vergessen 1 — immer noch etwa 40;X> arabische Arbeiter gegenüber!׳,lehen, selbstverständlich während der Arbeit«• saison). Der Versuch von Pctach-Tikwali tut aber außerdem dazu geführt, daß auch in nnderen Kolonien dieselbe Arbeit unternommen wird; ähnliche Gruppe״ existieren schon in Cliedcrali, Rechobotb, Sichren Jakob, Jabnccl (Jamwa) lind die Bildung anderer Gruppen wird geplant. Die Bedeutung solcher Oruppen besteht nicht nur darin, daß «ie die Arbeitslosigkeit zu beheben helfen und in dem Kibhusch-Awodah eine wichtige nationale Arbeit leisten. Der Name der ersten Gruppe ״Uebcrgangs-Genossenschaft“ zeigt nicht nur an, daß die Lage eines Lohnarbeiters von der palästinensischen Arbeiterschaft als Uebergangdage betrachtet wird und daß die Seßhaftmachung das Endziel ist, sondern auch daß die Oruppc, im Gegensätze zu vielen Genossenschäften, die auf eigenem Boden arbeiten, für alle Ncuaiige* kommenen offen ist und <x> für diese den Uebergang vom Diaspora-Leben zu schwerer palästinen ischcr Arbeit ermöglicht. Und tatsächlich besteht die Mehrheit der Oruppc aus Neulingen. Sie verpflichten «ich, bei der Arbeit zwei Jnliro zu bleiben und nach Ablauf dieser Zeit können sic die Gruppe verlassen und in eine »Rindige Siedlung einfreien; so wird Neuangekommenen Plaiz gemacht. Gerade In solchen Gruppen lernt man die' ungeheure Bedeutung von Genossenschaften kennen. Die älteren Arbeiter wissen von Demütigungen, Entbehrungen, körperlichen Leiden ihrer Lernzeit viel zu erzählen. Wenn man hingegen heute in solch eine 0nippe eintritt, wird man nicht nur an die neuen LebenSbedingungen und an die sozialen Anforderungen der Gemeinschaft langsam gewöhnt, sondern man wird auch in die Arbeit stufenweise cingcfülirt: heute arbeitet man eine Stunde weniger als alle anderen und man macht eine leichtere Arbeit, morgen macht man schwerere Arbeit, bis man allmählich und mit relativ geringeren Opfern ein vollwertiger Arbeiter wird. Diese erzieherische und auch erleichternde Bedeutung solcher Gruppen kann man gar nicht hoch genug schätzen, wenn man das Mcnscbcnmatcrial, das uns die Diaspora liefern kann, in Betracht zieht. Noch eine andere Frage wirft sich aber auf. Da solche Oruppen mit verschiedenen Arbeiten zu tun haben, da sie eine kleine eigene Wirtschaft führen mit Gemüsebau, Futter-, Geflügel-, Bienenzucht usw., da sie ferner dank der relativ großen Zahl ihrer Mitglieder und der kollektiven Vera ntwortung eine nicht vollwertige Arbeit seitens eines gewissen Teiles der Mitglicderschaft gut vertragen können, so könnten sic relativ leicht in Lernfarms verwandelt werden, ohne ihre Bedeutung für Kibbusch-Awodah zu verlieren. Faktisch wird diese Funktion von ihnen sclion ausgcfüllt und man braucht sic nur In zwei, gar nicht kostspieligen Hinsichten zu vervollkommncn: einige erfahrene Landwirte als Instruktoren anzustcllen und die Möglichkeit der Pachtung größerer Bodenflächen zu geben. Die Tendenzen dieser Art sind In Clinwurntf!- Manbar bemerkbar und, wenn sie von Erfolg gekrönt sein werden, wird man an die Möglichkeit der partiellen Uebertragung der Hachscharah aus Europa nach Palästina denken können. Dabei würde man dreifaches erzielen: größere Einwandcrungsmöglichkcifen, Verwendung der heute in Europa ausgegebenen Gelder in Palästina und Ausnützung auch der nicht vollwertigen Arbeit, die heute Irgendwo in Böhmen oder Litauen auf nichtjüdischcr Erde geleistet wird, für den indischer» Boden — bei sachgemäßer Leitung in größeren Wirtschaften sind beide Aufgaben — das Lernen und der effektive Nutzen für die Wirtschaft wohl zu vereinigen. Es Ist außcrdcni ohne weiteres klar, daß die Hachscharah an siel! nur gewinnen kann, wenn sie an Ort und Stelle stattflndcn wird. Somit eröffnet diese neue Initiative der palästinensischen Arbeiterschaft, — wenn es endgültig fcststchcn wird, daß sie gelungen ist, — noch andere Perspektiven, die außerhalb ihre* unmittelbaren Zwecke liegen. Es ist endlich zu hoffen, daß die permanente Anwesenheit unserer Jungen Arbeiter ln den Kolonien zu einer gewissen Annäliaung zwischen den . * —י —״—׳׳ .'«■״׳■■ ״.,»■■.J 1—י.״ ׳■■״■ ״יי- Die sittliche Welt de* Judentums. Unsere Zeit ist arm an Handbüchern der jüdischen Religion und ihrer Ethik. Wir müsset» cs darum aufs freudigste begrüßen, daß der bekannte liberale Rabbiner Dr. J. Ziegler in Karlsbad sich der schweren Aufgabe unterzog, ein solches Werk zu schaffen*). Er behandelt die sittliche Weit der heiligen Schriftcn. Man muß die Arbeit des Verfassers bewundern, mit der er Satz für Satz aus der ganzen Bibel sammelt und aneinander reiht, um auf Grund derselben seine Gedanke!» über die sittliche Welt Altisraels zu entwickeln und sein Werk aufzubauen. Er hat damit wirklich ״diese Quellen neu gefaßt, neu gehoben, gesammelt und In einer Form gereicht, die den! Menschen unserer Tage angepaßt ist". Aber auch die Klarheit und Uebcrsichtlklikeit des ganzen Aufbaues ist außerordentlich gelungen, so daß für Christen md Juden nunmehr das denkbar beste und ausführlichste Handbuch gegeben Ist. Das Buch Ist in sechs Kanitel geteilt: 1. ״Die Sendung Israels“. 2. ״Israels Gottcsklec“, 3. ״Gott und Mensch״ ,4 ״Von Mensch zu Mensch“, 5. ״Mensel! und Tier", 6. ״Der Frieden". Jeden! Kapitel Ist eine Vorbemer* kung vorausgcschickt, die eine Fülle von Aufklärungen, rdif'ionsphilosophischcn, apologetischen und ethischen Betraciitnngcn über Infinit und Sinn der der Vorbemerkung folgenden Texte enthält, Die Texte seihst sind im Urtexte mit’ Quellenangabe und gegcnfibcrstclicndcr deutscher Ueber• Setzung. Die Vorbemerkungen über Israels Gottesidee, .über das Wesen der Rache Gottes in der Bibel (2. Kapitel), über die Kawanna-Geslnnung, Nächstenliebe, Buße, die vier Formen des Gottesdienstes! Ritus, Gebet, werktätige Nächstenliebe und Studium der Lehre (dritte» Kapitel), über Gerechtigkeit und Liebe in unserer Bibel und im Neuen Testamente, die. Ein- Stellung der Ethik auf Gott (viertes Kapitel), über Mensch und Tier (fünftes Kapitel) mit ihrer Fülle des Geistreichen und Lehrreichen eröffnen auch demjenigen neue geistig-religiöse Perspektiven, der nicht ganz, mit allen Ansichten des Verfassers Qbcrclnstimmt, Das Werk sollte mit dem entsprechenden Ernst gelesen werden, denn cs könnte berufen sein, unsere Jungen uiicl vielleicht auch unsere Alten zur Urquelle de* Judentums zurückzuführen und das Bedürfnis in ihnen zu wecken, die Bibel wieder liebevoll zu studieren. Auch äußer licl» ist das Buch mit Sorgfalt ausgestattet. Jesaja Becker (Karlsbad). *) Prof. Dr. J. Ziegler, Rabbiner in Karlsbad, ״Die sittliche Welt des Judentums". Erster Teil. (Die sittliche Welt der heiligen Schriften, VII und 271 S. Verlag A. M. Kauf• iuann, Leipzig.) £