Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 91 (14.11.1924)
- Date
- 1924-11-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 650 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr 01 mm cr£€׳kzcat r»1:r zcrecizca Von Dipl.-in־״, Uricl Fried lau d, Berlin. . Nachdem wir Herrn Ab. Gold her," zweimal das Wort gegeben umi auch andere Artikel, die ähnliche Anschauungen zum Ausdruck brach׳,en, veröffentlicht haben, geben wir heute einem Vertreter des linken Hagels mul prominenten Mitglied der ״Hitachdn'h" die Möglichkeit, 711 *len erwähnten Ausführungen Stellung 711 nehmen. Der eingangs erwähnte Artikel Goldbergs erschien (als Antwort mit einen Angriff in der ״Arbeit'1) im New Yorker ״Jüdischen Volk‘‘; wir haben damals diese Polemik, die uns von beiden Seiten nicht rein sachlich schien, nicht in der ״J.R." wictlcrgcgebcn und freuen uns, <1:111 derselbe Gegenstand jetzt in den Spalten unseres Blattes mit 1m׳hr Ruhe und Sachlichkeil• diskutiert wird. Wir wünschen, daß die Di •kr.Aon dazu heiiräH, die Probleme 7u klären und die Möglichkeit einer ■ferwcilerun״ unserer palästincns. Kolonisation zu prüfen, die unser aller Ziel ist. Reil. ״J.R.“ ״Der neue Kurs muß kommen Und wird kommen" u.j verkündet Ab. Goldberg feierlich in seiner ״Antwort an weine stolzen Kritiker aus der Hitacluluth", die vor einigen Wochen im ״Jiddischen Volk" erschienen ist. Nur hat er sich damals nicht mit dieser Prophczeihun״ begnügt, sondem darüber hiiums auch die Intimsten Absichten des ״neuen Kurses" ohne jede Beschönigung verraten. So wußte er nicht nur zu berichten, daß der neue Kurs mehr .als bisher den Schwerpunkt auf Handel, Industrie und Touristik legen und ״viel freundlichere Beziehung zu der sogenannten Privatinitiative fordern" — wird, sondern mich, daß er ״nicht lange mehr das Spiel der Kommune auf Rechnung der AU- Gemeinheit dulden (!)", daß er ״die Beziehung zu den Olim, die an Zahl die Clialuzim bereits übersteigen,;indem" und zu gleicher Zeit ״viel größere Vorsicht bei der Auswahl des Ohaluzimmntcrials fordern wird". Sind nicht das die wahren Ursachen und Ziele der neuen ,,Bewegung"? Es muß als ein erfreuliches Zeichen angesehen werden, daß Goldberg schon nach kurzem Aufenthalt in Eur׳pa in «einen letzten Aufsätzen einen viel vorsichtigeren und sachliehercti Ton a11/11schl;1״cn versucht. Und doch kann man sich dadurch über den tatsächlichen Inhalt, die sozialen und politischen Wirkungen der neuen Kolonisationstlicorie nicht täuschen lassen. ,,Der neue Kurs" wird mit der Notwendigkeit, das Tempo der Alijah zu steigern, begründet. Durch die Konzentrierung der zionistischen Energie auf die Entwicklung der Industrie, durch Beendigung der ״sozialen Experimente" und die Bevorzugung anderer Umigranlcnkrcisc vor den mittellosen Cha- Juziin soll die Möglichkeit für eine Massen-Einwanderung geschaffen werden. Das Problem der industriellen Entwicklung Palästinas ist für den Zionismus nicht neu. Trotz der optiinisii ׳•eben Ansichten, die über die Entwicklung einzelner Industrien schon zum Ausdruck gekommen sind, ist bis heute umvkkrkgt, daß die liiduotric für die nächste Zeit in Paliistirsa keine bedeutenden Eutwicklungsmöglichkcitcn hat. Wenn wir dies konstatieren, heißt das nicht, daß wir eine industrielle Entwicklung nicht wünschen. Aber wir müssen,, um 1ms nicht selbst zu betrügen, der Tatsache ins Auge sehen, daß heute so gut wie alle Voraussetzungen dafür fehlen. Den Mangel an Heizstoffen wird man in naher Zufainft zwar durcli die Elektrifizierung■ nusglcichen können. Unterstellen wir weiter, daß in den nächsten Jahren die nötigen Verkehrsmittel und Häfen vorhanden sein werden, ein günstiges Tarif- und Zollsystem cingeführt wird, sogar, daß es gelingen wird, die nötigen Kreditinstitutionen zu schaffen (obwohl wir heute noch weit davon entfernt sind). Aber ein aufnahmefähiger Absatzmarkt i m Lande wird auch im Verlaufe von 5 oder 10 Jahren mit noch so schönen Aufsätzen nicht geschaffen werden. Die Bevölkerung Pa-!;Estinas kann heute kaum eine Basis für eine größere Industrie bilden. Die palästinensische Industrie müßte sich also vor allem auf den äußeren Markt stützen, das heißt Exportindustric sein. Voraussetzungen hierfür sind entweder billige Rohstoffe oder geringe Produktionskosten (niedrige Löhne oder Großbetrieb!) oder besondere Qualität der Erzeugnisse (was auch eine gewisse Entwicklungsstufe der Industrie voraussetzt), wenn es sich nicht gar um Monopol- Produkte handelt. Haben wir in Palästina diese Voraus- Setzungen? Ein Industrieland par cxccllcncc wird Palästina, jedenfalls in absehbarer Zeit, nicht werden. Für Goldberg scheint zwar die Eroberung der Märkte keine besonders schwierige Aufgabe zu sein. Durch eine ״amerikanische“ Reklame glaubt er *las Ziel sicher erreichen zu können. Man braucht kein Amerikaner zu sein, um die Bedeutung der Reklame für die Förderung der Industrie würdigen zu können. In Ihr aber die Losung des gesamten Problems des Absatzes auf dem Weltmarkt zu selten, ist eine Ansicht, die wohl auch einem seriösen Unternehmer in Amerika fremd sein muß. Selbstverständlich können in Palästina verschiedene industricile Unternehmungen, mit gewisser Aussicht auf Erfolg gegründet werden, besonders auf dem Gebiete der Verarbeitung von lamlwirtschafllichcn Produkten (wie Mühlen-, Konserven-, Ocl-, Seifenfabriken und dergl.). In jeder einzchicn Branche werden aber — in der nächsten Zeit jedenfalls — kaum mehr als 3—1׳ große Unternehmen nebeneinander sich entwickeln können. Goldberg spricht ironisch von ,,Psnulowissenschaft", wenn man auf Grund der Tatsachen die Möglichkeit der schnellen Industrialisierung bezweifelt. Wie er aber durch die Gründung von einigen wenigen Idealeren lind mittleren Betrieben den Boden für die Verwurzelung von ״einer halben Million Juden" im Lande schaffen will, dies bleibt Geheimnis seiner ״Wissenschaft“, die in der Wendung: ״Wa hrs c 11 c i n 1 i eh ^sind in Palästina allerlei Möglichkeiten vorhanden“ grplclt. Zweifellos sind manche Möglichkeiten in Palästina vorhaiulcn und diese müssen rationell und in vollem Ausmaße ausgenutzt werden, wofür auch die zionistische Organisation Sorge tragen muß. Worin kann sich aber diese Unter- Stützung äußern, d.e angeblich 7.u ihrer Durchsetzung den ״neuen Kurs" erfordert? Abgesehen von der Beeinflussung der Wirtschaftspolitik der palästinensischen Regierung kann Eich diese Tätigkeit in zwei Richtungen auswirken: 1. in der Förderung der Industrie durch Kreditgewährung, 2. in der Erforschung der Möglichkeiten, Sammlung der Materialien, ihrer Verbreitung , Zerteilung an die Interessenten und dcrpl. In gewissem Umfange wird diese Tätigkeit auch jetzt durchgeführt, und. uns scheint, daß die zionistischen Krediimstitutioiien sich in der Industrie weit mehr engagiert haben als in der Land Wirtschaft. Gerade diese ״industrielle Einstellung“ des JCT hat zu sein«!! heutigen Zustand geführt. Allerdings stimmen wir zu, *laß die Mittel unserer Banken viel größer sein sollten, damit sie mehr Freiheit in der Kreditgewährung haben, wofern — was selten genug zutrifft — eine wirkliche Kredit- Würdigkeit vorhanden ist. Was das zweite Aufgabengebiet be* trifft, so ist die Kritik der unzulänglichen Tätigkeit des F. V/. R. und des Industrie-Departement und die Forderung ihrer Er- Weiterung sicherlich berechtigt. Die Forderung nach einem ״neuen ,Kurs“ ist' aber in diesem Zusammenhang keineswegs motiviert. Kein sachlicher Vorschlag, der geeignet Wäre, *he Industrie zu fördern ohne die Landwirtschaft als die Grundläge des gesamten Aufbauwerkes zu beeinträchtigen, wird auch jetzt auf irgendwelchen Widerstand stoßen. Allerdings wollen wir nicht ztigeben, daß die Tatsache verschleiert wird, *laß o h 11 c großes riat ionalcs, oder in nationaler Verwaltung konzentriertes Kapital eine erliebliche Beschleunigung und Vergrößerung der Aufbauarbeit untunlich ist. Von einer prinzipiellen Gegnerschaft gegenüber der Industrie, der man die Arbeiterschaft mul'die Arbeiter- Parteien bezichtigt, weil sic mit besonderm Nachdruck die nationale Bedeutung der Landwirtschaft immer wieder betonen, kann keine Rede sein. Den übermäßigen Hof finnigen, die man mit der Entwicklung der Industrie verbindet, entgcgcimitretcii, heißt auch nicht, die Notwendigkeit einer be* sehletmigicn Alijah zu verkennen, sondern lediglich eine auf Illusionen aiVgcbautc gefährliche Politik nt bekämpfen. Die ״Enthüllungen", daß die Arbeiterschaft gegen die Industrie sei und ״eine nationale Sabotage übe", weil sic nicht znlasscn will, daß in Palästina eine kapitalistische Gesellschaft entstehe, klingt geradezu lächerlich. Richtig ist es, daß *He zionistische Arbeiterbewegung in ihrem bedeutendsten Teile, dem nämlich, der die größte Last <103 Aufbauwerks auf seinen Schultern trügt (eine Minderheit, nämlich die kommunistischen ״marxistischen“ Poalc Zion* stimmen mit Goldbergs Ideen bis in die Einzelheiten überein), die Ucbel der kapitalistischen Wirtschafts• und Gesellschaft«- Ordnung schon im Prozesse des Aufbaus so weit wie möglich vermeiden will. Die nationalen Ziele sind in der Konzeplion des sozialistischen Zionismus aller Schattierungen mit sozialen Idealen zu einer untrennbaren Einheit verbunden. Diese sozialen Bestrebungen sind cs die — zusammen mit dem nationalen Idealismus — den Weg des Ciialuz beleuchten, der nach Palästina geht und die ihm die innere Kraft verleihen, unter den schwersten Bedingungen dort mit größter Hingabe zu arbeiten. Auch dieser Einstellung, die weiteste Schichten unserer zionistischen Massen und insbesondere der Jugend beherrscht und bereits ein objektiver F'nktor im Prozesse des Aufbau« geworden ist, muß die Zionistische Organisation Rechnung 1rrr׳en, auch ohne daß sie ״darauf cingeschworei» ist, ausschließlich für eine sozialistische Gesellschaft zu arbehen". Aber cs ist wahrhaftig kein zulässiges Kampfmittel, a ln Churchill das Gespenst einer sozialistischen Gefahr an die Wand zu malen. 'Was die Arbeiterschaft von der gesamten Zionistischen Organisation fordert, ist, daß sie in ilircr Kolo* msationsaibcit an den Grundsätzen des Zionismus festhält, daß sic die wahren Ziele der Bewegung nicht vergißt und sie nicht in kleine Münze umtauscht. Stets wird sic die zionistische Geffentüdikcit daran erinnern, daß der Zionismus nicht des Landes, sondern des Volkes wegen cn’.atanden ist. Die Aufgabe der Z.O. besteht nicht darin» ein Land aufzubaucn, *las als jüdisch nur durch den Besitz au Boden und Fabriken, oder selbst durch die jüdische Majorität bezeichnet werden wird; sie hat vielmehr für die Entwicklung einer produktiven, arbeitenden jüdischen Bevölkerung mit gesunder sozialer Struktur und hebräischer Volkskultur zu sorgen. Dies ist das Ziel des Zionismus, und so hat cs auch Herzl nufgefaßt, bei dessen Namen Goldberg Schutz sucht. Audi wir sind der Meinung, daß der Zionismus ״eine nationale, keine Klassenhewegung“ sei, wenn wir auch daraus entgegengesetzte Schlüsse wie Goldberg ziehen. Und eben von diesem Gesichtspunkt aus wird die Arbeiterschaft stets für die Landwirtschaft, als die Grundlage unserer Kolonisation^- arbeit cintrctcn — wenn sic auch auf ein ״Monopol" hierauf gern verzichtete. Sie wird für die Fortsetzung der Arbeiter- Kolonisation cintrctcn, die die einzige Gewähr für den natiomalen Charakter des Aufbau» bietet; sie wird — nicht die Industrie — aber die in nichts begründete und gefährliche Industrie -Ideologie bekämpfen. ״Eine nationale Sabotage zuliebe einer Klassenidee" ist ein — milde gesagt — kühner Vorwurf gegen die Pioniere des. nationalen Aufbaues, Im Aufbau werk vertritt 'die zio■ nistischc Arbeiterbewegung die nationale Linie und verzichtet manchmal auch auf momentane Klasscnhitcressen der Arbeiter* schaft in der Gewißheit, daß *lies in der Richtung ihres eignen Weges liegt. Dies war der Fall z, li, In bezug nu'f die Eiiiwantleriingsfrnge, und cs muß ein besonderes Befremden Siervorriifcn, wenn man plötzlich die Arbeiterschaft als Gegnerin einer beschleunigten Alijah binstcllt. War es doch die Arbeiter- Organisation und mit ihr sämtliche Arbeiter-Parteien, die ammterhrochcn bei allen Gelegenheiten Ihr eine erweiterte Alijah ciutratcn, auch damals, als die zionistische Leitung sich die ״Sir>p-Im!nigrntion"-Paro!c zueigen gemacht hat, obwohl gerade die Arbeiterschaft unter der Last der Arbeitslosigkeit unmittelbar zu leiden hatte. Die palästinensische Arbeiterschaft ist nicht für *lie Einschränkung der Immigration, sondern für die Steigerung der Alijah aller produktiven Elemente, vw allein der ChaUtzim, obwohl diese nicht ״auf eigene Spesen reisen, ihr eigenes. Geld riskieren“ können, und sogar — horri* biie tiidul — keine privaten Profite im Lande suchen. Sic wird aber auch sämtliche Versuche und Unternehmungen begrüßen, *he geeignet sind, *lie jüdischen Positionen im Lande zu vermehren und zu festigen und neue Möglichkeiten für jüdische Arbeit zu schaffen. Es ist die höchste Zeit mit der Legende von der prinzipiellen Gegnerschaft der Arbeiterschaft gegen die Industrie Schluß zu machen. Handelt es sich hinsichtlich der Industrie bei den Trägern des ״neuen Kurses" u:n mehr oder weniger fromme Wünsche, deren Erfüllung von objektiven Umständen abhängig ist, so könnte auf *lein Gebiete, der Landwirtschaft der ״neue Kurs" tatsächlich neue Wege cinschlagcn, ״Ein Ende mit dem Spiele der kommunistischen Kwu/.oth" würde mit ■ einer Kongreßmehrheit auch in die Tat . umgesetzt werden können. Der Industrie und der MassenciiiwaiuieniJig wäre dadurch nicht geholfen, wenn auch manche glauben, daß ״der erste Schritt zu einem schnelleren Aufbau der unbedingte und vollkommene Bruch mit dem Sozialismus sei". Da das positive Programm des Industric-Zionismus »ehr schnell in schier Weltfremdhät zuUgetreten muß, bestellt die Gefahr, daß er seine ganze Energie auf sein negatives Programm, nämlich den Kampf gegen die Kwuzoth konzentrieren wird. Das würde bei einem ״Erfolg" zu einem Zusammenbruch unserer Kolonisationsarbeit und zu schweren Erschütterungen der zionistischen Arbeit führen. Es gehört schon zum zionistischen ״bon ton", van den Defiziten der landwirtschaftlichen Kwurath za sprechen. Daß nicht alle Kvvuzoth Defizite aufweisen, wird selbstverständlich verschwiegen, die tatsächlich vorhandenen Defizite werden stark übertrieben, und über ihre objektiven Gründe will man sich keine Gedanken machen. Merkwürdig ist cs, daß von diesen ״ungeheuren Defiziten" gerade diejenigen am meisten sprechen, *lie aufs schärfste protestieren, wenn man aut die unvergleichlich größeren Defizite gewisser industrieller Unter« nchmungci! hinweist. Ist mau der Meinung, daß djcsc Defizite nichts beweisen, da die Industrie noch nicht *las Vcrsudis- Stadium überwunden hat, so tritft das doch in nicht geringerem Maße auf die Landwirtschaft zu. Es muß doch allgemein bekannt sein, daß die jüdische Landwirtschaft, insbesondere der Ackerbau, auch in *len alten privatwirtschaftlichen Kolonien lange noch nicht die nötige Rentabilität erreicht hat und dai allgemeine landwirtschaftliche und technische Probleme noch ihrer Lösung harren. Die Erfahrung, die im Lau!« von Jahren gesammelt worden ist und die Erfolge, die di* VersuehstaUonen erzielt haben, haben bereits viel zur Ertrags■ Steigerung beigctragc/1. Es werden aber noch Jahre vergehen, bis die landwirtschaftlichen Siedlungen zufriedenstellende Er■ gchnlssc aufweisen werden. Dies gilt im gleichen Maße füj private Wirtschaften, für die Mnschwe ' Owchin, für die Kvvuzoth, Gerade die privaten Wirtschaften befinden sich trotz ihres größeren Alters in einer besonders schwierigen Situation. Wenn sic auch nicht von der Z.O, unmittelbar Zuschüsse zwecks Deckung ihrer Defizite bekommen, so sind sie *loch mit Schulden schwer belastet. Die Kwuzoth hatten immer von der unzureichenden und verspäteten Zustellung der Budgets schwer zu leiden, und auch bis beute hat noch eigentlich keine das ״full ctpiipment" bekommen. Trotz alle* dem haben sie gute Erfolge erzielt. Die übertriebenen Defizite sind größtenteils der durch den Preisabbau verursachten buch* mäßigen Entwertung de» Inventars zuzvischreiben. Daß ״die Arbeitsleistungen in den Kwuzoth nicht geringer und die Defizite nicht größer als die der Einzelsicdlungcn“ sind, hat mich Dr. Ruppin vor kurzem bestätigt. Wenn man sich über diese allgemein bekannten Tatsachen einfach hinwegsetzt, so muß diese Betrachtungsweise alles andere als ״fair“ bezeichnet werden. Auch das Problem ״Moschaw oder Kwuzah" kann noch nicht als gelöst betrachtet werden. Ob die bewundcnmgswerten Erfolge, die Nahalal in kurzer Zeit seines Bestehens erzielt h<1t, seiner Betriebsform zu verdanken sind, und nicht den besonders tüchtigen Arbeitern (die ihre Erfahrung in Kwuzoth gewonnen haben), läßt sich noch nicht fcststcllen. Es wäre noch voreilig zu prophezeien, daß auch andere Moschawim eine ebenso gedeihliche Entwicklung aufweisen werden. Keine der beiden Betriebsformen ist noch in ihrer Entwicklung abgeschlossen, und solange die wirtschaftliche Ucbcrlegenhcit der einen oder anderen noch nicht bewiesen ist, muß die Z.O. ihre kolonisatorische Tätigkeit auf beiden Wegen ausüben. Sic soll den Arbeitern überlassen, sich für eine Form zu entschließen. Diejenigen, denen die Form der Einzctsicdlung besser erscheint, sollen ln die Moschawim gehen. Denen, die an die Kvvuzah glauben und aus dem Kollektivismus in Leben und Arbeit des Pathos schöpfen, soll der Weg offen sein, sich in Kwuzoth zu organisieren. Man soll diese Quelle des aulbauenden Enthusiasmus nicht gering schätzen und nicht innner wieder auf den ״ausgetretenen" Weg der Privatwirtschaft weisen, den ״die ganze Weit geht". Diese ״Welt" weiß nichts von den spezifischen Problt1״en, die mit dem Aufbau Palästinas verbunden sind, nämlich, ein Volk von Städtern in eine landwirtschaftliche Arbeiterschaft umzubildcn. Unverständlich bleibt es auch, wie man nach den reichen Erfahrungen, die wir mit der jüdischen Arbeit in den Privatsiedlungen gemacht haben, mit der ״neuen" Idee kommt, Kolonien zu errichten auf der Grundlage des privaten Eigentums und der Lohnarbeit, die ״natürlich jüdische Arbeiter beschäftigen sollen“. Nicht bei den Vertretern der Arbeiterkolonisation, sondern bei denen des neuen Kurses scheint der Wunsch der Vater des Gedankens zu sein, Daß nicht so sehr sachliche Kritik des Bestehenden und vernünftige Untersuchung des Möglichen, als vielmehr bestimmte soziale und politische Anschauungen den neuen ״Rettungsplänen“ zugrunde Hegen, Ist nicht schwer zu erkennen. Goldberg will ״nicht ersetzen, nur ergänzen". Die Land* Wirtschaft durch die Industrie, die Clialuzim durch ImmU grauten, die Kwuzoth durch Privatwirtschaften zu ersetzen, ist überhaupt unmöglich. Zu der sicherlich erwünschten ״Er* gänzung“ ließe sich vielleicht durch sachliche Arbeit manches beitragen. Wenn man aber statt zu den Industriellen zu gehen und sic zum Aufbauwerk heranzuztehen, Volksvcr- Sammlungen veranstaltet und Artikel schreibt, ln denen man davon spricht, daß die Zeit gekommen sei, ״mit der Hin* gäbe, den emphatischen Hymnen auf die Mutter Er*lc“ auf« zuliörcn, daß es möglich und wünschenswert sei, nach Pab'istina auch unser Bialystok und Berdiczew zu verpflanzen, so ist durch diese Art Propaganda der Sache am wenigsten gedient. Auf diesem Wege wird man weder ersetzen, noch ergänzen können. Die Zersetzung der zionl« stischcn Bewegung kann die einzige Folge dieser Propaganda sein, die Zersetzung der Stimmung, die schon seit Jahren glück« lichcrwcisc in der Bewegung herrscht, die *lie Hingabe unserer Leute im Lande und die Opferfreudigkeit der Zionisten in der Galuth für die Auslösung des Bodens und die Kolonisatians« tätigkeit speist und ohne die die in Palästina in den letzten Jahren erzielten Erfolge — mag man sie noch so kritisch beurteilen — schlechthin nicht möglich gewesen wären. Gegen diesen zersetzenden Geist wird die zionistische Arbeiter« bewegung den Kampf aufnehmen. Und wenn es Goldberg für seine Pflicht hält, uns daran zu erinnern, daß wir auf die Sympathien der zionistischen Oeffentliciikeit angewiesen sind, so glauben wir, der Hoffnung Ausdruck geben zu dürfen, daß in der Verteidigung der Grundsätze der nationalen Kolonisation Palästinas auch der grüßte Teil der parteilosen Zionisten der jüdischen Arbeiterschaft zur Seite »tchen wird. Die Pafiistlna-Post ist in dieser Woche infolge des Eisenbahnerstreiks ln Oesterreich bis zum RedaJctioniachluu nicht eingetroffen.