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Jüdische Rundschau · 1924-11-14 · Heft 91 (14.11.1924) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 91 (14.11.1924)
Date
1924-11-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr Gt TUFDISCHE RUNDSCHAU Seite 65t Die Knlfowlfzrr Konferenz?um vierzigjährigen O e d e 11 k t a g e (16, Mn ־י, c 11 c» eh w a 11 — לן. N ״ v c in bcr). Von Dr. Josef Meisl. ln den meisten Darstellungen der geschichtlichen Eniwieklung des Zi-onsgcd,uikcn wird betont, da ft die nationale Welle unter dea russischen Juden ln der Hauptsache eine Folge der Pogrome im Beginne der 80 er Jahre gewesen sei. Diese Darstellung ist nicht ganz zutreffend, f>ie beginnende Reaktion, die bereits in den letzten Jahren der Regierung Alexander II. cinaet/.te, ist gewiß von Lliiiluß auf die Au• *rliautiiiftcn der jüdischen Intellektuellen״ aber nicht minder bedeuluiiftsvoll, ja vielleicht ausschlaggebend, war die Er• Kenntnis, dall ille | inskolabcwcgung nn einem Wendepunkt .־»iigclangt wäre, der nis ein SeheItern aller an sie geknüpften Hoffnungen betrachtet werden müßte, Nicht eine Erneuerung des Judentums, wie cs die ursprünglichen Träumer der Has• lala gewünscht hatten, halte sie ihnen gebracht, sondern durch die Verquickung mit der Assimilation die Gefahr des Ilnlerganftcs deutlich vor Augen geführt. Pc reiz Smolensk In hatte im ״llnsclnchar״ einen Kampf fti'ften diese Entwicklung der 1 Fiskal n eröffnet, noch bevor die äußeren Ereignisse zu eier Umkehr?wage. Vcr* tleftcr und erweiterter rollte die Frage, insbesondere die Frage der Sprache, der durch die Lektüre des Romans ״Daniel Dcrouda" stark hccinflt!fttc E1 i e s c r B c n J e h u d a (Pcrlmann) auf, und im mehreren hebräischen und russisch-jüdischen Zeitungen wurde über diese Frage der nationalen Zukunft eifrig diskutiert. Immerhin ist es riciitig, daß infolge der Pogrome die Frage sich aktueller gestaltete, einmal dadurch, dali die Wahrheit über di: jlid'sehe Lage viel deutlicher ah bisher zum Bewußtsein kam, sodann aber mich dadurch, daß die Pogrome eine Eniigrntliiisbcwcguiig erzeugt hatten, die einer sofortigen Lösung harrte. Dreifacher Art war die Stellungnahme der russischen Juden zu dieser Situation. Die eine Strömung, und zu dieser gehörten vor allem die ob der Pogrome völlig rat'os gewordenen oberen Schichten, suchte die Lösung in Rußland reibst und wies trotz der Erklärung des Ministers Graf Ignaticw, daß di: Westgrenze den Juden offen stiindc, den Gedanken der Auswan- «icrung auf das Entschiedenste zurück, die zweite Riehtuiirg suchte die Lösung in Amerika und wurde besonders von dem Dichter Jehalcl (Jclmda-Löb Lcwh) und dein späteren Chorcf-Zion und 1 lauptorganlsator der Kattowitzer Kcufcrcnz &, S.Rabinowitz (Schefcr) vertreten und die diittc Strömung war die palästinopliile, die von S m o 1 c n s k i n, Der! Je 11 uda, David Gordon, Lewanda und einigen anderen repräsentiert wurde. In Palästina entstanden ini Beginne der 80er Jahre neben Mikwcli Jisrael (1869 gegründet) und Pctach-tikwah (1870) die Kolonie Rischon Ic Zion (!882), Gcdcrah (1832) und im Lnufc der Jalire 1880 und 1881 Sichren Jacob Wadi c| Clianin, Jcssod Hamaalah. Cliowcwe Zbn Vereine gab cs nicht nur in Rußland, sondern auch vereinzelt in England, Deutschland und in einigen, wenigen anderen Ländern, Sie waren vollkommen zerstreut, fast ohne jede Verbindung mit einander. Der Mahnruf Leo Pinskcrs: ״Die Autocmanzi״ patloii" (18S2) war nicht so weit gedrungen, um die not״ wendige Verbindung zwischen den zerstreuten Vereinen herbei״ führen zu können. Im September 1883 fand eine kleine Konferenz in Kattawitz statt, welche den Versuch machen sollte, ein ״Zentralkomitee für die Koloni;icrung des hcil'gen Landes" zu gründe»; aber dieser Versuch hatte runäclist keinen Erfolg und war nur «in Auftakt m der späteren größeren Konferenz. Es fehlte nicht nur an Mitteln, sondern auch an einer Persönlichkeit, weiche als Träger der Organisation genügend Anziehungskraft bilden würde. . Der schon genannte, inzwischen durch Smolenskin zur Chibat Zion bekehrte Schriftsteller, S. P, Rablnowitz, pro״ pagiertc deshalb den Gedanken, dm bevorstehenden KM). Geburtstag Moses Montcliorc zu einer Kundgebung im ln- ■ Kresse der Kolonisation zu benutzen. Er wurden auf seine Anregung Bilder Montefiorcs mit dem Zwecke verkauft, die Namen der Anhänger der PalästlnakolbnLsntlon fcstziistellen. Ferner bemühte man sich um die Zustimmung Montcfiores zur Gründung eines Fonds, der seinen Namen tragen sollte. Dies alles bildete die Vorbereitung für die Einberufung einer Konferenz, lieber die Zweckmäßigkeit einer solchen Zusammenkunft waren die Meinungen sehr geteilt, inshesondere war es überaus zweifelhaft, ob ein Zusammengehen mit den Wcstjuden förderlich sein würde. Der Schriftsteller Leo Lewanda knnslatierle, daß die Idee der Kolonisation nur sehr geringen Anhang, namentlich im Westen, gefunden, und daß das Liebeswe rben um die Westjuden wenig Sinn hätte. Und wie recht er hatte, geilt aus folgendem Briefe von Oottschnlk Lewys, eines in der Berliner Gemeinde "sehr angesehenen Mannes, an Pinsker hervor. In diesem Brief wird die Ab״ lchnuiig der Einladung zur Kattowitzer Konferenz, wie folgt, begründet: ״Die Kolonisation kann nur Erfolg haben, wenn cs gelingt, Männer von Bedeutung (wie etwa Baron de Worms, Mona״ taguc-Londoi», Couimondo, Rothschild-Paris) oder bestehende Vereine (Alliance Universelle, Anglo-Jcwish Association) dafür zu gewinnen, welche die Leitung tu die Hand nehmen. ,Ah« Andeutungen von Wicdcrautlebimg des Volksgeistcs, nationaler Vereinigung der Juden (so sehr wir eine solche im Herzen tragen) sind sorgfältig zu vermeiden. Diese haben das Mißtrauen der türkischen Regierung erregt, und das Verbot, fremde Juden in Palästina ansässig werden ,zu lassen. Ich hedaure sehr, daß auch die von Ihnen erlassene Einladung offen ausspricht: diese sogar deutsch geeciiriebcnc Einladung würde, Wenn der türkischen Re• gleruiig mltgcteilt, alle Bemühungen zur Aufhebung des Vcr• bois jüdischer Einwanderung nach Palästina vcreitc'n. Wollen Sic in der am 2ö. Oktober aiibcraumten Vcr• Sammlung wirkliche Beschlüsse erzielen und nicht bloß Rede• turniere ahhalten, so müssen Sie sclvon vorher über alle 7 Punkte der Tagesordnung genau formulierte und ln einer Kommission beratene und vereinbarte Entwürfe der Versamm• hing verlegen, über weiche diese dann beratet und aniilinnif, oder hin und wieder Abänderungen trifft. Die Schwierigkeiten des Unternehmens liegen weniger In äußerlichen Ursachen, die Ja zu beseitigen wären, als in unserem Charakter. Wir sind nicht gewöhnt, uns frei• willig unjerztiardnen, auf selbstständige Qddmachung zu ver• lichten, am wenigsten, wenn Leute Zusammenkommen, •die sich gar nicht oder zu gut kennen״. , Wie diese Schwierigkeiten zu beseitigen —* weiß ich nicht niizugclnui, und das Ist cs, was mi'.cro Großen bis je(zt ah;׳,('I1.11׳l1׳ ,11־,ich der Sache zu 1iutc1vl1'h'11־. feil batte dieser Tage Gclcgcnhcil mit einem dar ciniliißrrfeilsten und tätigsten Mitglieder des Zentnilkomltes der Alliance in Paris über die Koionicalioiir.besircbiingeii zu sprechen und ZU fr*־ gen, wie sieh die Alliance dazu verhallen würde. Er hob namentlich diesen Punkt als Ursache des Schelfern* der hlfiliui״en Uiiteriiehimniftcii hervor, während jedoch auch der Mangel an geeignetem Boden (der passende Acker sei In festen 1 Linden), die Ungunst des Klimas (unter vier Finten drei Mißeriilcn), die Konkurrenz der Araber, welche fast gar keine Bedürfnisse haben, von Ihm als Gründe angefühlt wurden, welche für die Alliance eine Kolonisierung•. Palästinas durch Juden unter jetzigen Verhiiliniaaen untun״ lieh erscheinen ließen,״ Aber trotz aller Bedenken siegte doch schließlich die Meinung, daß cs in erster Reihe darauf ankomme, nicht nur die Vereine zusnmmcnziihringcn, sondern vor allem eine legale Firma für das Werk der Chowcwc Zion zu schaffen. Diesem Hauptzweck sollte eben die Konferenz, die in der Zelt vom 28.—■23. Clicscliwan (d, i. ö.—11. November) 18(14, in Katiowitz statlfniul, dienen. Die Anteilnahme der jü• dlsciicii Welt an der von etwa 30, meist aus Rußland »tarninenden Deicgierien beschickten Konferenz war gering. Un* gemein grolle Verdienste um das Zustandekommen hatten sich die Cüiicordia-Logc, insbesondere der Logenprär.ldcnt Locbingcr, und vor allem der Vorsitzende des Kattowitzer Bue-Brith-Vereins, der Lehrer M. Mo3es, er• worben. Der Kattowitzer Rabbiner hatle ״aus bestimmten Gründen״ abgesagt. Außer der durch den prägnanten Aus• druck interessanten Eröffnungsrede Leon Pinskcrs standen die Verhandlungen, soweit sie aus dem Protokolle zu er• sehen sind,*) nicht gerade auf besonderer Höhe, Es wurden Summen für die Unterstützung der Bllu bewilligt, eine Monte• fioic-Stifliing (Ma-kerct Mosel ich) mit dem Sitze In Palästina begründet, neue Verhandlungen mit der Pforte wegen freier Einwanderung in das Land und mit der russischen Regierung wegen Anerkennung der zionistischen Vereine in Aussicht genommen, zwei Zentralstellen, eine in Warschau (Vor■ sitzender Jasinowiski, Sekretär Rabinowitz) und eine in Odessa (Vorsitzender Dr. Pinsker, Sekretär Lllieiib’um) eingerichtet und schließlich die Wahl eines Zentralkomitees von 18 Mit• gliedern, möglichst mit dein Sitz in Berlin, beschlossen. In der Tat wurde dam» die bewilligten Gelder nach Palästina ahgcfüiirt. Kalman WJssotzky versuchte mit der Pforte zu verhandeln und fuhr auch nach Palästina; sei vc Reise war von geringem Erfolg begleitet. Seine Versuche zur Organi!,Icrung Palästinas hatten jedenfalls kci.ian un• mittelbaren Erfolg; mehr als Gcidverici'ung gelang ihm nicht. Die Bestrebungen zur Anerkennung de« Verbandes in Ruö• Lind führten erst sechs Jahre später zum Ziel. Die beiden Zentralen wurden errichtet, eile Wald des Zcniralkomitccs, ins• besondere aber seine Verlegung nach Berlin oder eine andere der später In Aussicht genommenen Siüdie In Westeuropa kam nicht zustande, wahrscheinlich zum Glück für die Ent• wicklung der Bewegung, Demi wenn man die Verhandlungen, die mit verschiedensten Persönlichkeiten geführt wurden (Hildesheimer, Gr.ictz, Simmel) verfolgt, so muß man sagen, daß, wenn sic die .Führung übernommen hatten, die Idee allzu verwässert und vollkommen auf das Niveau der Philantroplc hcrabgcdrückt worden wiire. Eine unmittelbare tiefere Wickung'hatte die Konferenz nirgends gehabt. Das mindert aber nicht Ihre geschleift• liehe Bedeutung. Sie wird eine wichtige Etappe bleiben auf dem Wege, den die Idee der Palästinakolonlsatlon In der Vorhcrzlfclicn Zeit gcnainmen hat, dadurch, daß sh den ersten größeren Organlsationsverr.ucli darstcllt. Solche Ver• suche wurden in den folgenden Jahren Immer wieder unter• nominell, bis endlich nach der Bestätigung der Statuten des Odcssaer Komitees (1801) die Vereine, auf eine solidere Basis gestellt, breitere und umfassendere Tätigkeit entfallen konnten, die erst den Boden für das Eindringen der Gedanken Theodor Herzis urbar gemacht hat. Die Tabakitisluhr aus PallsUna Reuter meldet, daß in diesem Jahre in Palästina U50 Tonnen Tabak für die Ausfuhr zur Verfügung stünden• Mustersendungen seien bereits auf den britischen und auf den festländischen Markt gesandt worden, Auf un.scrc Notiz in der vorigen Nummer des Wirt״ s c h a f t s 111 a 11 e s über die Befürch ungen, die man In Pa• läslina wegen einer eventuellen Uchcrprnduktinn nn Tabak liegt, ging uns seiten* eines Tabakfab1ikantc.il eine Zuschrift zu, die uns durchaus beachtenswert erscheint und aus der wir die nachstehenden Zeiten wiedergehen: ״Ein Ucbersclntß, wie er jetzt dort vorhanden ist, wäre kein großes Risiko, wenn die Pflanzer wirklich sicher wären, daß der Tabak wirklich exportfähig ist, was bis jetzt noch nicht bewiesen ist. Es ist in den Jabakl,indem sogar üblich, 20—25 0;״ der Ernte nufzubcw,׳ihren, um später einen besseren Preis zu erzielen, aber in Palästina traut man der Sache nicht so recht und ich glaube, cs wird nicht viel nützen, wenn die Pflanzer eine Konferenz, clnbertifcii. Solange cs nicht ״dingen wird, eine Gesellschaft mit genügend Kapital zu gri'mdim die nis Ihre Aufgabe nur den Export des Tabaks hat fürchte ich, daß ein Export unmöglich sein wird.״ In einem dem Briefe beiliegenden Artikel aus einer Fach• Zeitschrift findet sich ferner folgender Passus über die Tabak- Kultur Bulgariens, der geeignet ist, die Ziffern des palästinen״ sischen Tabakbaus in das rechte Licht zu setzen: ״Die Ernte 1923, die auf ungefähr 50 Millionen Kilo geschätzt wird, wurde infolge der Trockenheit.ln bestem •Zustande cingcbrncht, Von diesen 50 Millionen Kilo werden voraussichtlich rund 40 Millionen ausgeführt. Diese Ausfiilirmcngc ist nicht allzu groß; trotzdem bildet sie eine weitere Stufe im Entwicklungsgang Bulgari-ns auf dem Wege eines Taliakausfuhrhandels.״ Die ganze Tabakcrnto PaListinas dürfte sich auf etwa 690000 kg belaufen. Vergleicht man diese Ziffern mit der Menge des bulgarischen Tabakexports — wobei ־zu bemerken ist, daß Bulgarien nicht einmal der führende Tabakexportcur ist — so muß mau in der Tat zu dem Ergebnis kommen, daß cs «Ich Im Falle Palästinas weniger um ein Problem <l:r Ucbcrproduktlo'n Als der Quajität und A u s I u I» r o r g a 111« a 11 0 n handelt, dem man allerdings die ernsthafteste Aufmerksamkeit zuwenden *) Das Protokoll ist vor einigen Jahren in hebräischer Sprache von Röbel Taubes, in deutscher Sprache von N, M. Oelber beiausgegebcn worden״ Die Lage der Juden In Osteuropa In der In «len letzten Tagen ln Paris ateetrnltencn Jahre» Versammlung der Alliance l*radllte Universelle wunje ein llcilcht über die Arbeit der Alliance zu :misten der Juden In den verschiedenen Ländern, Insbesondere 111 Rumänien, Ungarn und Polen, erstattet. Einleitend wird in dem Bericht gesagt: ״Die ernsten Probleme, die uns seit dem Ende des Krieges beschäftigen, haben auch im Oe schäftsjnlir 1923/24 unsere Aufmerksamkeit in Anspruch ge nommen. In politischer Hinsicht ist der Kampf um die voll konimene Emanzipation unserer Glaubensgenossen im östlicher Europa fortgesetzt worden; auf dem Felle der PliilnulliropU mußten die Kräfte der Allbnc« fast ganz unseren Glaube״? gegossen In Rußland gewidmet werden.״ Die Frage der entrechteten Juden In Rumänien. Der Artikel in dem St, Germain-Vcrtrag betreffend dl« jüdische Minderheit läßt keinerlei Zweideutigkeit zu. N־.rl langem Zögern verlieh end'icli die Regierung in der 192C angenommenen Verfassung den Ju 1011 alle bürgerlichen nix politischen Rechte. Es seinen, als ob die Frage nicht alleil ln Altrumänlcn, sondern auch In den neugewonnen?!! Tcrri torien Transsylvaniens, Bukowina und Bcßamliieii befriedigend gelöst würde. 111 einem Im Februar 1021 nttgeuomm neu Gesetz wird aber der Besitz des Bürgerrechtes davon nbblngi׳» gemacht, ob man im Jahre 1918 In einem Territorium °N<u• mmätiicns gewohnt hat. Eine große Anzahl Jud:n weilte aber wegen des Krieges und der Nachkricgstimsbindc in den Jahren 1016—18 nicht in der Heimat. Di?׳,es Gesetz trifft Zehntausende Juden, die nun zu der Klasse der Staaten• losen gehören, einer Klasse also, di: der Vertrag von St. German! abscliaffcn wollte. Die Minister ließen die gegen dieses Gesetz erhobenen Interventionen u beantwortet, Ea blieb der einzige Weg übrig: der Völkerbund, Herr Liicicn Wolf verhandelte in Genf mit den ruminiachen Repräsentanten des Völkerbundes, in der Furcht, cs könnte eine öffentliche Erörterung vor der Versammlung zustande• kommen, versprachen die nimänlsdicn Repräsentanten Herrn liicicn Wo!(, der mich dag cnglise||.;üdisr!!e Jnint Foreign Committee und die!ca vertrat, daß die Regierung sofort eine Kommission ei1!sctz״n würde, um den Fall dieser Zehn• (ausnndc Juden zu prüfen. Die rumänischen Minister verurteilen die antisemitisch« Bewegung, aber sie tun nichts, um deren Fortsclireiten z« verhindern. Es Ist schwer, sich vorniilcllcn, daß die von den christlich11',׳ Studenten gegen Ü1re jüdischen Kollegen und gegen die jüdische Bevölkerung im allgemeinen vcriihlen Exzesse ohne die Passivität der Beiiördcn möglich gewesen wären. Die schweigende Duldung der Bewegung gegen die lüden ist seit jeher ein Bestandteil der rumänisrhen Politik. Herrn Bratianos Regierung setzt einfach diese Tradition fort. Sollte die ernannte Kommission zur Prüfung der Lage der ״Staaten• losen" das Problem nicht lösen, 30 wird nichts anderes übrig bleiben, als die Frage vor den Völkerbund zu bringen, Der Numerus clausus In Ungarn. Die offenkundige Verletzung des Mlnderhei «rechtes, das v.iigarn durch das Numerus clausus-Qcsctz sicli zuschulden kommen lieft, hat die Alliance, sowie das englisdi-'üdUche Auswärtige Komitee veranlaßt, die Sache vor den Volker־ bund zu bringen. Die ungarische Regierung antwortete mit einem Memorandum, in welchem nachzuwcUcn versucht wird, daß der Prozentsatz der Juden an den Universitäten größer ist, als das Verhältnis der Juden zu der allgcm'inet» Bevölkerung Ungarns. Wie konnte dies geschehen? Ganz einfach. Indem man alle Jene Studenten den Juden zuzählt, die in dritter Generatbn von Juden ahstammen. Es Ist unerhört, daß eine verantwortliche Behörde es wa־״t, sich an das höchste Tribunal der Völker mit einer solchen Tatsachen-Manlpulation nt wenden. Der Völkerbund, der ein solches Manöver nicht erwartete konnte sich nur an die vorgeiegten Statistiken halten. Herr Luden Wolf schlug dem Grafen Apponyl, dem ungarischen Repräsentanten ln Oen(, vor, die Frage dem permamenten intcrnatlontlen Gerichtshof im Haag zu unterbreiten. Sollte Ungarn die Initiative hienu nicht ergreifen, 60 werden wir das tun müssen. Die Lage In Polen, In der Haltung der Regierung der jüdischen Minderheit gegenüber hat keine wesentliche Veränderung «tattgefunden. Die aus der Zarcnzett stammende Gesetzgebung gegen die Juden Ist formell nicht zurückgezogen worden. Zehntausenden Juden werden hinsichtlich 111 rer Anerkennung als Bürger Schwierigkeiten gemacht. Die jüdischen Schulen erhalten ent* gegen den Bestimmungen des Minderheitsvertrages keine offi* zielten Subsldicn. Jüdische Studenten werden den Universitäten fcrngchaitcn, Polen versucht mit allen Mitteln, siel» den aus den Verträgen ihm obliegendem Verpflichtungen betreffs der bürgerlichen und politischen Gleichstellung der Juden zu ent• ziehen. Die Lage der Juden wird auch durch die innere Unflnl׳׳kelt beeinträchtigt. Folkistcn. Zionisten, Agudisten, Assimilatoren gehen getrennt vor, statt daß sie eine einzige Front bilden. Die Arbeit der jüdischen Deputierten und Senatoren wird durch Innere Spaltungen einander bekämpfender Gruppen unwirksam gemacht. Dann liegt die Ursache ihres Unvcr* mögen», die Achtung der Rechte, die die Verträge der jüdischen Bevölkerung garantieren, durch das Parlament zu erwirken. Die BegrDssonn Louis Upskys ia Jfrusalem Jerusalem (J.T. A.). Am 9. November fand di* von der Palästinensisch-Zionistischen Exekutive, dem Waad Leumi, dem Jüdischen Stnsitrat und dem Jüdischen Nationalfonds arrangierte öffentliche Begrüßungsfeier zu Ehren Louis Llpskys, der Mittwoch, den 5. November, in Jerusalem ciutraf, statt. Die Frage des Kalllsles Wie ln Jerusalem verlautet, trifft der Sheriff der Se״ noussl, den der Sultan lbn Saud von Ncjd dem in Mekka in kurzem stattfimlcnden Mohammedanischen Weltkongreß zum Kalifen v o r ge 8 c H1 a gc n wird, demnächst in Palästina ein, um mit den Mohammedanern dieses Lindes ln Verbindung zu treten. Fiseabahn Beiruth —llaih? Wie verlautet, hat der Besuch General Weygands, dea französischen Oberkommissars von Syrien und dem Libanon, in Jerusalem zum Ziel, mit der Palästina-Regierung den Plan der Eisenbahn U c i r u 11» — Haifa z« besprechen. Ein oliomallgc.* Zögling de* H :brfilj:h3n aymnaslumr ln Tcl-Awiw Dozent In Genf. Dr. Bcniainln Amlra ehemaliger Schüler des Gymnasiums zu Tcf-A'viw, IM?זווו Dozenten der Mathematik an der Qcnfer Universität ernannt worden. .

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