Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 91 (14.11.1924)
- Date
- 1924-11-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Kr M IUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 640 Naumanns deutsche Belange Der Kampf für die Wahlen zum preußischen!..indesvfrb.iiid I1.1t begonnen; Herr Naumann vom Verband national- 1)tn!sd1er Juden spielt auf. Wir kennen die Melodie mm scIh'11 n״d •bre zarte Weise. Sie hat den Rhythmus unseres barsches noch nicht gehemmt; sie!«gleitet uns als ein Miß- 11.111(׳. rür eine Aufgabe aber von der Größe der unseren gibt es pan? andere Gefahren, tiefer und ernster, als die die darin besteht, dal! ein paar jüdische Notabrin einen jüdischen Verein gründen, in dein sic sich gegenseitig ihren jrtangel an jüdischem Empfinden bescheinigen. Deshalb soll m.111 nur ah und zu, bei günstiger Gelegenheit und guter |.,1mu, zwar nicht ״ein Tim zehen wagen", wie Herr Nun. mann mit seiner Vorliebe für abgebrauchte Wendungen sich jtwlrückt. sondern ganz einfach mal wieder die Wahrheit sagen. Und die Gelegenheit ist günstig, Herr Naumann jiäm* |irh Int sieh Ihr sein Mitteilungsblatt (Nr. <1• von dem Sozialdemokraten, Herrn Erich Köhrer, einen Artikel schreiben lassen, «lern ein sclbstverfafUes Produkt unter römisch I! auzuhäugen er sich nicht ratschlagen konnte. Beide Aufsätze handeln \011 der Ost juilen frage, und scheinhar sind beide eines Gcisics. Sehr bald aber ergibt sich Jas scherzhafte Bild, dall der Aufsatz de; Herrn Köhrer als ein Aushängeschild dient, hinter dem Naumann (unter römisch II) Warm ganz anderer Art feiihietet. Herr Köhrer, soweit er rein sachlich ist (und nicht vorher juftiagsgcmaß verschiedene Personen beschimpft), laßt sieh »■eiligsten* hören. Er lehnt Einwanderung jeder Art ab, solange Deutschland selbst zuviel Menschen hat und unter Schwierigkeiten der Ernährung und Behausung leidet. Gegen diesen Standpunkt läßt sich nur cinwcndcn, daß er stark theoretischer Art ist. Es ist weder Abenteurer• |ust noch das Vergnügen am Reisen, was den Ostjuden über die Grenze treibt Durch wirtschaftlichen Boykott verelendet, tausend Drangsalen preisgegeben, ziehen Menschen über diese Erde und suchen ein Fleckchen, das sic leben läßt. Was bedeutet gegenüber dieser ungeheuerlichen und crsclnitieruden Tatsache für das Wirtschaftsleben eines Scchzigmillionciw Volkes dieser relativ unendlich geringe, aber von Parteiagitoren maßlos übertriebene Zuzug, dem außerdem seine Grenzen schon durch die natürlichen Möglichkeiten des Landes von selbst gesetzt werden? Man muß sici» nur erinnern, was für eine lächerliche Komödie man während der Inflationszeit mit der sogenannten Gstjiulengcfahr ge- (riehen hat. Als die glorreiche Regierung Cuno unserer Währung den entscheidenden Stoß versetzte und die 1 Icrren Industriemagnatcn des besetzten Gebietes sich auf Kosten des deutschen Mittelstandes und Arbeiters in schamloser Weise bereicherten, da sind es natürlich die Ostjudeu, die kleinen Nutznießer dieses grauenhaften Zustandes gewesen, die, weil sic hier und da für ein paar Dollar (wieviel hatten sie denn alle zusammen schon?) den wirklichen Goldwert — ja meinetwegen erschacherten, eben jenes deutsche Volk ruiniert haben sollen, das zu Herrn Stinuc.'• als dem Sinnluld seiner ״Tüchtigkeit" aiifsah. Die ganze Inflation wäre nicht um das kleinste ander* verlaufen, wenn in jener Zeit kein Ostjude in Deutschlands Grenzen geweilt hätte. Die Dinge liegen jetzt nicht anders. Die deutsche Wirt- Schaft hat durch jüdischen Zuzug immer nur gewonnen. Wo sind denn urgpiüngUc.li die Menschen hcigckomnicn, die das Bi!d unserer Großstädte ungestalteten, indem sic das Warenbaus schufen, die Filialsystemc und tausend Ncicrungen des Wirtschaftslebens? Man kann diese ganze Entwicklung üblthnen und damit die Zeit selber, aber man kann nicht dl dies bejahen und dann da von Parasiten sprechen, wo in W .111111( ii Neues geschaffen wurde. Und dann: darf ein l.uiJ, für das die Sympathie der Völker wichtig ist wie ein »,׳tsckuftlichcs PositiMiin, einem schon an sich fraglichen, jedenfalls aber vorübergehenden und kleinen Interesse zuliebe 1 infach seine Grenzen sperren und damit auf den unwägbaren, aber unendlich wichtigen Export seiner Kullurgiitcr zu einem erheb,ichcn Teil verzichten? Man hat cs doch im Kriege zu schützen und aujzunut/en gewußt, daß das Ostjudcutiini zur deutschen Kultur tendierte. Und man darf auch heule nicht übersehen, daß alle die Menschen, die man von hier weiter nach Paris, London, New York vorjagt, mich eines Tages wieder da sein werden, wenn es da-!auf ankonmil, für oder gegen Deutschland zu zeugen. So einfach glatt und selbstverständlich liegen die Dinge eben nicht, wie cs bei der Forderung des Herrn Köhrer dem ersten Anschein nach aussicht. Aber gleichviel: sein Standpunkt!11 sich ist diskutabel. Denn fcstziihallcn bleibt, daß er für eine Grenzsperre nicht aus prinzipiellen autijüd-schcn Erwägungen eintritt, sondern daß sie ihm im Interesse der »hutschen Wirtschift ab: eine vorübergehend notwendige Maßmhinr erscheint. Das immerhin ist ein Standpunkt deutscher Politik, über zieren Richtigkeit man streiten kann, deren Berechtigung aber außer Zweitel steht. Wie anders unser Naumann! Er gibt vor, deutsche Politik zu treiben. Aber er treibt jüdische, wenn jüdisch liier auch int Sinne jener niedrigen Verzerrung verstanden «erden muß, die zu allen Zeiten die Kehrseite des wahrhaften Judentums gewesen ist. Er sicht in den Ostjuden die Vcrstäikung der zionistischen Front und im Zionismus ".'1 (der den furchtbaren Feind der -- er würde sagen — dfiiisthcn Belange. Denn der Zionist mit seinem jüdisch ffciiehtcien Ziel kann eben nicht deutsch fühlen, wohingegen gerade in dieser Beziehung Herr Naumann mit seinem Verbände sich bestens empfohlen hält. Wenn er uns das Deutschtum abspricht, so kann nur *«׳derlei gemeint sein: Unser äußeres Verhalten als deutsche Staatsbürger oder unsere inneren Beziehungen zum Deutschhun. Daß wir als deutsche Staatsbürger unsere Pflicht erfüllen wie jeder Nichtzionist, wird nicht bestritten. Was *P>er das innere Verhältnis anbclrifft, so stehen wir auf dein Standpunkt, daß zwar der Jude als Mensch tum einmal "lebt deutschen Blutes die Einwirkungen deutscher Kultur I״ einer besonderen, ihm eigentümlichen Weise aufnimmt und '׳erarbeitet, daß sein Auge die Dinge anders vvicdcrspiegelt •ls das Auge des Nichtjuden (die Schaffenden zeigen cs); daß aber innerhalb dieser naturgegebenen Grenze, die uns fftm gesetzt ist, deutsches Fühlen nichts anderes heißen «a!1n;js ein Bcslimmtsciu durch das Erlebnis deutscher Land- *cliaft und Kultur. Die Innere Zugänglichkeit gegenüber Einflüssen dieser Art gibt den einzigen Gradmesser für <!« wahre und wesentliche Verhältnis, das ein Mensch zum "1'ülfcdituui unterhält. Und es müßte erst einmal linier• •weht werden, wessen geistiges Sein etwa durch die Tat- «che Goethe entscheidender beeinflußt wurde: ob ein junger Zionist (dessen ideales Streben doch durch sein politischen Ziel nicht begrenzt ist) oder einer der Herren Verbandslionoratiorcn. Nun ist aber überhaupt diese ganze Unterscheidung, die Juden je nach dem Grade ihr« deutschen Qeffllih in den ׳ politischen Himtnrl oder die Hölle verweist, ebenso 011erflächlich wie grobschäciitig, Dan Gefühl nämlich ist eine höchst subjektive Angelegenheit, und cs ist noch keineswegs gesagt, das es imitier da vorhanden ist, wo es betont wird, und das es da nicht vorhanden ist, wo man .1111 sein« besondere Betonung keinen Wert legt. (Wie wäre sonst das Verhalten der deutschen Zionisten im Kriege zu erklären?) Und wahrscheinlich wegen der Schwierigkeit dieser Unter- Scheidung haben die Völker niemals viel Gewicht auf diese diffizile Gefühlxsondiemng gelegt, sondern es vorgezogen, ihren Stamljniiikt jeweils nach einem mehr objektiven Gesichtspiuikt ein/unehintri: nämlich nach «lern Sein. Mit anderen Worten: vor dem Jude-Sei 11 hat man sich durch nntijüdischen Gefüllt noch niemals zu retten vermocht, und habe man auch dessen Vorhandensein noch so eindringlich versichert. Hinter uns liegt mehr als ein Jahrhundert, in dem unendliche liebe darauf verwandt wurde, deutsch zu fühlet( und auf ein eigenes Sein zu verzichten; auch die bösen Zionisten gab cs damals noch nicht. Es hat wenig geholfen. Und auch Herrn Naumann ist cs noch keineswegs gelungen, von den allein echten Vertretern deutscher Belange auch nur entfernt so bereitwillig aufgenommcn zu werden wie er sich anbietet, während umgekehrt der Zionismus zwar gelegentlich von Antisemiten, denen jede Aeulkrung jüdischen Lebens in ihrer Art dienen muß, entsprechend ausgenutzt wird, sonst aller mit einer neutralen oder gar sympathischen Haltung des deutschen Volkes zu rechnen gewohnt ist. Gerade darin aber, daß man ihm trotz alledem nicht glaubt, daß er vor den Deutschen immer wieder aufs neue sich rechtfertigen und immer wieder sein Gefühl (das wir für ganz echt halten) prostituieren muß und das er einen mühevollen Weg ohne Ende vor sich sieht — gerade darin sicht Herr Naumann die unverzeihliche Schuld, die neben der ׳ ,,Zwischenschicht" vor allem Zionisten und Ostjudcn trifft. Und er mag darin von seinem Standpunkt aus ganz recht haben, nur daß das mit den Interessen des Deutschtums (das er vorschiebt) garnichts zu tun hat. Das fülilt sich so wenig bedroht wie cs bedroht ist. Hier wird in Wahrheit in eigener Sache plädiert, und wir kennen diese Sache: cs ist die Sache der Renegaten, die alt ist wie unsere Geschichte. So wie er uns haßt und beschimpft — daß ist schon nicht mehr Gegnerschaft von Gesinnungen, das ist Verwandtenhaß. So haßt ein Mensch sich selbst, seine Vergangenheit, ein Slück von sich, dnß trotz alledem und alledem dämonisch in ihm forthaust und das er nicht cinzuglicdcrn versteht, ilun haben Erziehung und Mülieu einen neuen Weg gewiesen, und nun steht er vor sich als ein Fremder und als ein Verächter. Wenn cs anders wäre —■ was jagt ihn dann so. was hetzt den fanatischen Mann zu solcher Schärfe? Die Gefahren des Deutschtums? Es ist die eigene Gefahr, die Gefahr des bedrohten Assimilaiitcn, der durch jüdische Menschen mit jüdischen Zielen steh selbst Immer wieder in Frage gestellt sicht. Und wenn alle Juden in Deutschland mir aus würdigen Mitgliedern seines Verbandes beständen, dann würde er über die Grenzen greifen, um eine Entjudiing des Cbtjudcnturns zu versuchen. Er müßte filier die Grenzen greifen, weil im Bewußtsein der Völker eine Einheit des jüdisehen Seins besteht, und weil er deshalb nicht eher in Sicherheit wäre, che der letzte Jude aufgehört hätte, Jude zu sein. Uebrigens würde er auch dann immer noch genüg deutsche Interessen finden, die vorgeschützt werden könnten, um der Fortführung des Kampfes gegen sich selbst als Aushängeschild zu dienen. Der wirklich durch einen Gcsichtsmwikt deutscher Politik bestimmte Standpunkt des Herrn Köhrer unter römisch I, hierauf Herr Naumann •unter römisch II — cs war ein unbewußtes, aber recht eindringliches Symbol. Wir wollen uns mm zu wichtigeren Geschäften wenden. Gustav Krojankcr. Ein Brief an den Cenlral-Vereia Wir erhalten von einem Freunde unseres Blattes die Abschrift eines Briefes, den ein Mitglied des Central- Vereins an den Verstand des Vereins gerichtet hat, mit der Ermächtigung zum Abdruck. Der Brief ist eine Iliustralion, wie die Kampfparole des Centralvereins, die von inandien seiner Führer jetzt als harmlose interne Direktive hingestellt wird, auf objektive Nichtzionisten gewirkt hat. Wir gehen dem Brief daher gern Raum. Er lautet: Berlin, den 28. Oktober 1021. An den Ccntralvcrein deutscher Staatsbürger jüd. Glaubens, Berlin W Lindcnstraßc 13. Ich bestätige den Empfang Ihres Wcrberuiidsdireibcns. Als zahlendes und vielfach unterstützendes Mitglied Ihres Vereins, habe ict» jede sieh mir bietende Gelegenheit dam benützt, um weiter (•Kreise für ihre Tätigkeit zu interessieren, und eine Anzahl neuer Mitglicderbcitritte darf ich wohl auf meine Anregung zurück führen, Ich tut dies lediglich aus dem Grunde, weil ich der Meinung xvnr, daß Sic in kluger und weiischauemler Weise ein mutiges Bekennen zum Judentum nach außen mit einer strikten Neutralität gegenüber den Pnrtiisoh.itlicrungon im Innern verbinden, um 80 den Anspruch, als Vertreterin aller Juden im Reiche zu gelten, erheben zu dürfen. Leider aber hat mich Ihre letzte, vom Parteigeist beherrschte und nach meiner Ueherzctigung ungerechte Stellung• nähme gegenüber den Zionisten veranlaßt, meine Meinung über die Bedeutung und über die Ziele Ihres Vereins einer gründlichen Revision zu unterziehen. Durch diese wenig glückliche Stellungnahme haben Sic die bisher geübte Neutr.'ilitäl verlassen und einem Ansehnlichen, und nicht dem schlechtesten Teil ihrer Anhänger, eine schwere Kränkung zugefügt. Wenn ich selbst auch kein Zionist bin, so muß ich doch mit Hochachtung dieser wertvollen Menschen Im Judentum gedenken, deren Tätigkeit sich nicht lediglich darauf beschränkt, gegenüber aller Welt ihr Judentum zu bekennen, (was übrigens unerheblich ist, da es von niemand bestritten wird) sondern die mit Hintansetzung ihrer ganzen Persönlichkeit an der Regenerierung und Normalisierung ihres jüdischen Volke! atbeiten und durch Schaffung von Tatsachen sich Achtung und Anerkennung auch bei Ihren Widersachern erzwingen. Wie man sich zum Palästinaproblem des Zionismus auclw stellen mag, so muß man es doch als einett ernsten Vcnticli nnsrhen, eine würdige Lösung der heiklen und hreimemleii Judenfrngc lierhcizutührcii. Der Kernpunkt ihre» Programm» ist die Bekämpfung des Antisemitismus. Wie wichtig diese Aufgabe auch ist, so kann nach meiner Meinung, der Antisemitismus — der gleich der biblischen VVolkcnsäule Israel auf allen seinen Wegen folgt — weder durch hochgeistige und wissenschaftlich belegte Broschüren, noch durch beschwingte Reden Andersgläubiger, beseitigt werden. Der Antlsemitismus wird nur dann allmählich verschwinden, wenn die Wirlsvölkcr gelernt haben werden, Im Juden nicht mehr ein an fremdem Volkskörper schmarotzendes Indhl Unitn zu er• blicken. Und diese achtunggehldcmle Auffassung über uni kann sich nur dann durchsetzen, wenn wir aus eigener Kraft und gestützt auf eine große Tradition unseren Willen zur nationalen Existenz vor aller Welt klar manifestieren. — Die Weltgeschichte ist voll von Beispielen, die beweisen, daß bei zlelbcwußtcm Wollen ein Pariavolk sieh zu einem wichtigen und zum mitbe.üimniendcn Faktor unter den Nationen entwickeln kann. Bei der sich glcichblcibcnden Völker menlalitäl kann man sieh Achtung nicht erbitten und nicht crredcii, sondern nur durch überzeugende Tatsachen er zwingen I — Wer sich totstellt, hat keinen Anspruch au' Leben, als Volk und als Individuum,! , . . Mit Rücksicht auf meine oben dar,gelegte Anschauung werden Sic begreifen, daß ich und mit mir eine große Anzalii Gleichgesinnter keinen Raum in dem eingeengten Horizont׳ Ihres Vereins finden. Ich ersuche Sie daher, vorläufig fiii meine Person, mich aus Ihrem Mitglied er Verzeichnis zu strei chen und nach Ablauf meines Abonnements, die Zusendung Ihrer Zeitschrift cinzustellcn. — Ich habe feste Zuversicht, daß das Ergebnis der konv menden Wahlen. zur Landes Versammlung der preußische■ Synagogengemeinden Ihnen beweisen werden, daß die vo» Ihnen zu eben dieser Wahl anfgcitelltcn Richtlinien ein« andere als die gewollte Wirkung atislosen werden. Dl Sic dann noch den Anspruch auf die Führerschaft innerhall des deutschen Judentums, zu der Sic bei anderer Einstellung vielleicht berufen wären, werden erheben dürfen, darübe! wird die nächste Zukunft entscheiden. — Hocliachtungsvoll S. W.indreicK, Hmcrika Eine halbe Million Dollar Ißr indische Wohllahrlsiweck׳ New Yo r k. (J. T. A.) Das in diesen Tagen In New York stattgefundene Wohlfahrtsbankett der Föderation der jüdische! Wohlfahrtsorganisatioii war das größte seiner Art, äasje ii Amerika stattgefnnden hat. Für einen Platz wurden 300 Dollai gezahlt, trotAl’ein war der Andrang so groß, daß das Bankett tu zwei Hotels gleichzeitig abgehaltcn werden mußte. 250(1 Gäste waren erschienen. An dem Abend wurde eine halb( Million Dollar aufgebracht. Eingclcitct wurde das Bankett mit einer Ansprache des Präsidenten Cool i dg c, die er vom Weißen Hause ln Washington durch Radio direkt an die Gäste des Banketts gerichtet hatte. Der Präsident führte aus: ״Ihre Föderation ist eines der Momente des Selbstvertrauens der Juden. Sie haben danach gestrebt, die wundervolle Erbschaft der Tradition, Kultur, Literatur und Religion zu behüten. In Ihren Anstrengütigen, den eigenen höchsten Idealen zu dienen, werden Sie stets der größeren amerikanischen Gemeinschaft, von der Sie ein Teil sind, dienen. Die Arbeit dieser Föderation kann ein guter Ansporn für das Wohlfahrtswerk in diesem Lande sein/‘ Ansprachen hielten ferner: Felix M. War bürg, Mortimcr Shiff, Richter Proskauer und andere. Unter den größten Spendern sind zu nennen: Henrik Brown mit 50000 Dollar, Felix M. Warburg mit 25 000 Dollar. Herr Warburg versprach, wettere 25000 Dollar zu sammeln. Das New Yorker Bankett war das erste der 125 Banketts, die zwecks Aufbringung des l 250000 Dollar betragenden Budget( von 01 Wolilfanrtsinstituttonen arrangiert werden sollen. Ein ״Clearing-ilonse“ Ißr (üdlsehe Fragen New York. (J.T.A.) Richter Julian W. Mack er• stattete dem Exekutivkomitee des Amerikanisch-Jüdischen Kosv grosses Bericht über die letzte Tagung des Komitee! Jüdischer Delegationen in Karlsbad. Sein Be« rieht gipfelte in den folgenden Vorschlag: ״Es ist eine absolute Notwendigkeit, ein jüdisches Zentral• büro einzurichten, in welchem alle Beschwerden registriert, untersucht und die nötigen Schritte unternommen werden — eine Art ,Clearing House‘, zur Untersuchung und Beseitigung geschehenen Unrechts, insbesondere was die Verletzung der Verträge über das Minderheitsrecht be• trifft.״ Dr. Stephen S. Wise, Präsident des Amerikanisch• füdischcn Kongresses, der in der Versammlung den Vorslb führte, berichtete über die Täligkeit des Kongresses In de» vergangenen sechs Monaten. Dr. A. J. Rongy, der den Amerikanisch-Jüdischen Kongreß aut «er zweiten Jüdischen Welthilfskcmfcrrnz in Karlsbad vertreten hat, berichtete, daß die ökonomische Lage der Juden in Rußland uncr• träglich sei. Wenn nicht sofort Hiffsmaßrcgchi ergriffen werden, so sind Millionen Juden dem Untergang geweiht. Dan Volk kann, dort drüben nicht begreifen, daß die amcrl• kamschc Judcnhcit die Eindellung der Hilfsarbclt geschehen läßt. Die Macht des Ku-Klux-Klan. In Geschäftskreisen Ghikngo» erregt es starkes Aufsehen, daß der bekannte jüdische Philanthrop Julius Rosenw«Id, sowie Albert H. Loeb, der erste Präsident bzw. der zweite Vizepräsident des größten amerikanischen Warenhauses ״Sears Roebuck IV Co.״, diese Stellen verlassen haben, Es heißt, daß die wirksame Bnvkottpaeole des Ku-Klux-Klan gegen das Warenhaus, weil dieses von Juden kontrolliert wird, den Rücktritt der Leiter veranlaßt hat. Laut den Berichten der amerikanischen Blätter aus ver* schlcdencu Gegenden nimmt die antljüdische Boykottpropaganda der Ku-Klux-Klan bedenkliche Formen an. Aus vielen Städten sind die jüdischen Geschäftsleute abgewandert. Der Klan hat jetzt begonnen, Listen jüdischer una protestantischer Geschäftsleute herauszugeben, ura so die Boykottpropaganda wirksamer zu machen. Außerdem werden Klan-Anzciehcn in den Fenstern der christlichen Gerchiiftsjoknic nusgeliängt, tun den Klnit-Anhiingcm diese Oc* schälte zu empfehlen.