Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 90 (11.11.1924)
- Date
- 1924-11-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 042 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr 00 Pro1,!״mm :uifbnnen zu!״innen. Wir entnehmen tief letzten C.-V.-Zcitu11g, daß hei «ler letzte״ Sitzung des Großen 1 Inunt- Vorstandes auch die Ilaiiun״ des Vereins gegenüber den Zionisten diskutiert wurde. Diese SB,׳;״״׳‘ muß ein großes Ereignis ״cwer.en sein, denn stolz berichtet die C.-V.-Zeitung, daß man z. B. ״im Iliniergnmd einen Cciitralverciiilcr von der Wasserkante in kideiischafU׳,loser Unterhaltung mit einem Kollegen, den man ob seiner unentwegt eisernen Ruhe sofort als ein Kind der roten Erde Westfalens erkennen mußte“, sali. (Was für verschiedenartige Kinder doch dieses deutsche Volk brüderlich umfaßt und wie bedeutendes <lcr_ Centralverein zum Ausgleich der Wesensiinlerschicde der einzelnen deutselten Stimme beiträgtl). Ferner wird über ein Referat berichtet über den Antisemitismus im Atpcuvereiu, wo darüber Klage geführt wird, daß ״bis hinauf in die freie, frische Luft der Berge der Pet»ib,1zilhm des Judenhasses dringt״. (Es gibt keine CI reu zeit für Bazillen!) Dagegen wird über die Xinnistcmlcbattc nur gesagt, (lall sic ״irt einem Geiste geführt wurde, daß man nicht von Siegern und nicht von Besiegten sprechen konnte“. Der Centralverein beschloß, an seiner" Resolution vom Jahre 1913 fcstzuhalten, Die Debatte filier die Wahlen selbst wurde bis nach dem 7. Dezember verschoben und nur festgesteHt, daß ״zurzeit kein Anlaß bestellt, die beschlossenen Richtlinien abzuiindern“. Inzwischen hören wir aus allen Teilen Preußens, daß auch in Kreisen, die dem Zionismus fern stehen, die Entrüstung über die Wahlparole des Central Vereins groß ist. .Man kann cs nicht verstehen, daß der Centralverein sich zu einem öffentlichen Bruch der jüdischen Solidarität liinrcißen lieft, und einen Teil den deutschen Judentums gewissermaßen öffentlich preisgab. Wir Zionisten werden indes ungeachtet dieser Vorgänge Unser positives jüdisches Programm weiter vertreten, itn Bewußtsein, der Wahrheit, der Ehre und der Zukunft unseres Volkes zu dienen. ln der seit Rosclihaschnn.aii in Te!-Awiw erscheinenden neuen Wochenschrift ״El a j i s c h 11 \v“, offenbar einem Tel- Awivvcr Ableger des ״Doar U.ajom“, finden w׳ir einen 150• rieht über die Begegnung Dr, Wcizmanns mit dem der Ofga• nlsation Bne Benjamin angcliörenden Kolonistensöhnen, die am Tage nach Jomkippur in Risclion le Zion stattfand. Das Zentralkomitee der Bne Benjamin überreichte ein Memorandum, worin vor allem die finanzielle Unterstützung des Keren Majcsscd für die Ansiedhtng der Kolomstcnsölme auf dem von Mrs. Fels zair Verfügung gestellten Grundstück bei Chcdcralt, gefordert wird. Sie erklärten auch ihre Absicht, eine Delegation ins Ausland zu schicken. Weizmann soll darauf geantwortet haben, er werde dieser Delegation helfen und mich die Leiter des Keren Hajcssod in Amerika werden die Vertreter der Kolonien gern aufnehmen, wenn sie wegen sachlicher Arbeit kommen und nicht um Politik zu machen. Weizmann sagte ferner, daß auch Colonel Kisch in der nächsten Zeit nach Amerika fahren werde, und daß er selbst Anfang Januar reise. Auch die Jugend der benachbarien Kolonie Ncß Zion ah, sandte Delegierte zu Weizmann nach Risclion und forderte zur Ansiedlung von 25 Familien ein Darlehen von je 250 £ pro Familie. Der Boden von 1C00 Dimam wurde vor kurzem im Bereich der Kolonie Von Arabern gekauft. Wie wir ,,W estminstcr G a z c 11 e“ entnehmen, ist John Philby, der frühere Ratgeber des Emir Abdullah, in einer besonderen geheimen Mission in Djeddah eingetroffen. Man nimmt an, daß er zwischen Ihn Saud und König Ali von Hcdschns vermitteln soll. Philby hat eine reiche Erfalming in den meisten Ländern des Nahen Ostens und gilt als einer der besten englischen Kenner der arabischen Welt. Während seines Aufenthaltes in London hat er mehrere Vorträge über die arabische Frage in verschiedenen politischen Gesellcchaften gehalten, und dabei auch die zionistische Frage besprochen. Er wehrt sich dagegen, als Ar.tizionist bcz.ciclinct zu werden, vielmehr sei nach seiner Meinung von der Rückkehr der Juden nach dem vorderen Orient viel Positives zu erwarten, jedoch müßten die Juden sich mit den Arnhem verständigen und nicht als ein Vorposten des eng* lischcn Imperialismus erscheinen. Von Dr, Arthur Rtippi 11. Wie wiederholt erwähnt, kann die jüdische Kolon!״ srdioii in Palästina infolge der Eigenart des Menschenmiiteriak und infolge der nationalen Ziele, welche wir mit all unserer Arbeit in Palästina verfolgen, nicht einfach Vorbilder in anderen Ländern linchahmen. Sie muß selbst schöpferisch sein und die ihrem besonderen Ziele nnfycpaßten Wege?.neben. Aber sie soll bei diesem Atifsuchcn netter Wege doch all die Erfahrungen benutzen, die in der laiuhvirlsdinftlichcn Kolonisafion In anderen Ländern gewonnen worden sind, Deshalb crschton cs, als die zionistische Organisation nach dem Erwerb der Büelcrt in der Emek Jev.reel im Jahre 1920 zum ersten Mal an eine Kolonisation größeren Stiles herantrat, sehr wichtig, daß Autoritäten aus dem Ausland unsere Siedlungen inspizieren und uns ihren Rat erteilen sollten. Auf dein! X!1 Zionistenkongrcß im Jahre 1921 sagte ich deshalb: * ״Wir sollten für Palästina einen erstklassigen Fachmann für landwirtschaftliche Kolonisation zu gewinnen suchen, möglichst von einem Lande, in dem die Bedingung■™ ähnlich sind wie in Palästina, also z. B. aus Califomicn. Dieser Sachverständige sollte alle unsere Siedlungen besuchen und auf Grund seiner Erfahrungen uns einen detaillierten Plan verlegen, wie wir unser Werk in Zu* kunft am besten führen könnten." Als ich ein Jahr später iu Calhorn tat war, fragte ich Prof. Elwootl Mcad, der in Amerika als die größte Autorität für landwirtschaftliche Kolonisation gilt, ob er bereit wäre, zu einer Inspektion unserer Siedlungen nach Palästina zu kommen, Prof. Mcad nahm die Einladung im Prinzip an, konnte aber aus verschiedenen Gründen erst 1111 Herbst 1923 nach Palästina kommen. Der Bericht, den er über seine Beobachtungen in Palästina veröffentlicht hat, muß von uns in Zukunft als Richtschmir benutzt werden, Prof. Mcad, der mit unserem Siedieriiintcrial zufrieden ist und die Grundlinien unserer Kolonisation billigt, hält folgende Punkte für refonn* bedürftig: 1. Es sei ein Fehler, daß mit den Ansiedlern bisher keine schriftlichen Verträge abgeschlossen seien, aus denen die finanziellen Verpflichtungen des Ansiedlers gegenüber der Ansiedlungsgcseüschaft klar hervorgingen. — Zu diesem Punkte ist zu sagen, daß vor fast zwei Jahren eine besondere Schätzungskommiss.'on eingesetzt wurde, um festzusteilcn, welche Werte den Ansiedlern übergeben wurden und welche Zahlungen sic dafür zu machen haben. Aber trotzdem diese Kommission ihren Bericht bereits vor mehr als einem Jahre erstattet hat, sind die Vorarbeiten für den Abschluß der Verträge bisher noch nicht beendet worden. Diese Verzögerung, ist in der Tat sehr bedauerlich. Der Abschluß der Vcrträge mit den Siedlern ist von größter Wichtigkeit, um dem Siedler einerseits das Gefühl der Sicherheit, andererscits aber auch das Gefühl bestimmter auf ihnen lastender Verpflichtungen cinzuflößen. Der Abschluß der Verträge' muß, deshalb mit größter Beschleunigung durchgeführt werden. Der Entwurf des Vertrages ist bereits von der zionistischen Exekutive ausgearbeitet worden. 2. Prof. Mcad ist der Meinung, daß dem Siedler der Boden in vollständig a melioriertem Zustand, d.h. nachdem die Drainage durchgeführt, die Wasserversorgung eingerichtet und Wege angelegt worden sind, übergeben werden muß. Er geht sogar so weit, daß er nach Möglichkeit auf dem Boden sctiem eine erste Ernte hervorgebreht sehen will, bevor der Boden dem! Siedler übergeben wird. Er ist ein Anhänger des ״Full Equipment", d.h. des Grundsatzes, daß der Siedler alle für ihn nötigen Gebäude und alles Inventar zur Verfügung haben muß, bevor er seine Arbeit beginnt. Prof, Mcad glaubt, daß die Landwirtschaft an räch so viel Schwierigkeiten bietet, daß der Siedler, sogar wem! er die Gebäude und das vollständige Inventar bekommt doch noch hart genug um seine Existenz zu kämpfen hat und daß cs nur zu einem Mißerfolg führen würde wenn man durch eine unvollständige Hinrichtung dem Siedler diesen Existenzkampf in den ersten Jahren noch erschweren würde. Auch in diesem Punkte hat Prof. Mcad recht Iw Bezug auf die Amclioration (Drainage, Wasserleitung, Wege) hatten wir das, was er für richtig hält, in unseren neuen Siedlungen zum allergrößten Teile mich bereits durcligeführt, Wo es nicht geschah, war nicht der Mangel des Willens, sondern der Mangel «w Mitteln die Ursaclrc. Dasscltrc gilt auch für das Fuß Equipment, nur mit der Einschränkung, daß wir dem Siedler massive Stallungen, «aber kein massives, sondern nur ein hölzernes Wohnhaus bauen. Eine •andere Ein« schränkung, die nicht wünschenswert ist und die wir durch die Notwendigkeit schneller Okkupationen der erworbenen Etnekbödcn und durch den Mangel an bereiten Mitteln vorzunehmen gezwungen waren, ist die, daß wir den Siedlern das Full Equipment nicht sofort im Beginn der Ansicdlung, sondern gewöhnlich nur im Laufe von drei Jahren gewähren können. Das hat sicherlich den Nachteil, daß der Siedler in den ersten Jahren aus seiner Wirtschaft geringe Ertrage erzielt. Man kann zwar als Vorteil dem gegenüber halten, daß bei der Verwendung des Oeldes im Laufe von drei Jahren lokale Erfahrungen benutzt werden können, die noch fehlen, wenn das Geld sofort im Beginn der An- Siedlung nufgegeben wird. Aber mit dem Fortschreiten unserer Kolonisation, besonders im Emek, werden die Erfahrungen des einen Platzes im allgemeinen auch für den zweiten Platz gelten, so daß dieser Grund für ein ״Equipment in Raten“ mehr und mehr von seiner Bcdeutung verliert. Wir werden in Zukunft das Prinzip des Füll Equipment fcstzuhalten haben. 3. Prof. Mcad ist ein Anhänger der Ei nzclkolonisation (mit Kooperation in einzelnen Zweigen, wie es in unseren Moschwe Owdim vorhanden ist) und ist ein Gegner des ״Guild-Systcms“, wie er die in unseren Kwuzoth herrschende Form der gemeinsamen Bearbeitung des Bodens nennt. Seine Begründung ist, daß beim Guild-System das Gefühl der Verantwortlichkeit bei den einzelnen Mitgliedern abgeschwächt wird, daß der Einzelne nicht den Antrieb zu außergewöhn• liehen Arbeitsleistungen hat, sondern auf den Durch* schnitt der Gruppe heruntergcdrückt wird und daß der Sinn für Wirtschaftlichkeit und für sorgsame Behändlung des Inventars verloren geht. (Da ich das Problem׳ der Kwuzah in einem besonderen Artikel in diesem Blatte bereits behandelt habe *), brauche ich an dieser Stelle nicht näher darauf einzugeh'cn.) Nur so viel sei hier erwähnt, daU wir in der Kolonisation nicht etwa die Kwuzah einseitig bevorzugen, sondern der Form des Moschaw Owdiin zumindest dieselben Möglichkeiten geben. Die Kwuzah, die aus 'den besonderen Verhältnissen, unter denen die Kolonisation begonnen, und aus der eigenartigen Beschaffenheit unseres Mcnsclicnniaterials entstanden ist, hat zu ihrer Rechtfertigung in Palästina viel mehr Gründe als in einem anderen Lande. Einzelheilen sind verbesserungsbedürftig. Aber daß sie ganz und gar zum alten Elsen geworfen werden muH, dafür scheint uns im gegenwärtigen Momente kein genügender Anlaß. Sollten sich die Moschwe Owdim in ihrer wirt- *) Siche ״J, R." Nr. 73 vom 12. 9. 1924. Die medizSülsäic BiLücUtek in Jemsabia Vorbemerkung der Redaktion: In Jerusalem er• scheint, hcrausgcgcbcn vom Vereine der jüdischen Acrztc Palästinas, in hebräischer Sprache die Monatsschriit ״Rcfua“. Wir cntnctimen dem dritten Hefte folgende Ausführungen, In der Geschichte der jüdischen National- und Univcr- «itätsbibliothek sind die Namen einiger Acrztc für immer verzeichnet. Der unsterbliche Begründer der Bibliothek, Dr. Josef Chasanowitsch, der erste Mann, welcher den Gedanken einer in Jerusalem zu errichtenden Zentralbibliothek des jüdischen Volkes ausgesprochen hat, war selbst ein Arzt und die Legende erzählt von ihm, daß er oft von einem Patienten an Stelle seines ärztlichen Honorars sich ein seltenes hebräisches Buch ausbat, um cs nach Jerusalem zu senden. Von der Gründung der Natioiulbibüothck an (1802) haben wiederholt Acrzlc der BibUothek größere Schenkungen gemacht ■oder ihre gesamte Bücherei!unterlassen. Im Jahre 1920 hat die Zionistische Organisation die N'ationalhihliolhck übernommen, um sie als National- und Univcrsitätsliihliothek auszubauen. Die aus den Mitteln des Keren Hajcssod bewilligten Budgets haben cs seither ermöglicht, viele Tausende von Büchern — im Durchschnitt zirka 1003 Bände monatlich — aus dein Auslände für die Nationalbibliothek nach Palästina zu bringen, und unter diesen befand sich eine nicht geringe Zahl von medizinischen Werken. Der Anstoß zu einer besonderen Organisierung und Ausgestaltung dieser medizinischen Abteilung ging von der Gesellschaft jüdischer Acrztc in Amerika aus, welche, im Zusammenhang mit ihrer Absicht, die medizinische Fakultät in Jerusalem zu begründen, die Notwendigkeit der Vorbereitung der Universität durch eine entsprechend ausgcstattctc Bibliothek cinsahen. Im Sommer 1923 schloß der Delegierte dieses Acrztcvcrcins, Dr. Krirnsky, mit der Nationalbibliothek einen Vertrag ab, in welchem sich die amerikanischen Acrztc verpflichteten, die Kosten׳ der Installation einer besonderen medizinischen Abteilung der Bibliothek zu tragen, wogegen die laufenden Kosten von der Gesellschaft der jüdischen Aerzie Jerusalems, von der Universität und von der Nationalbibliothek zusammen getragen werden sollten. Selbstverständlich blieb die so installierte Bibliothek Eigentum der Nationalbibliothek, mit welcher sie später, wenn erst das David Wolfisohnliaus errichtet sein wird, in welchem die gesamte Bibliothek untergebroclit werden soll, sich wiederum vereinigen wird. Die technische Leitung der medizinischen Bibliothek verblieb der Leitung der Nationalbibliothek. In Ausführung dieses Vertrages wurde die medizinische Bibliothek im Gebäude des Pastcurinstitutcs — wo die amenkanlr.chcn Acrztc Räume gemietet hatten — im Oktober 1923 eröffnet. Die Bibliothek nimmt derzeit vier Zimmer ein. Sic ist, entsprechend den Forderungen der heutigen Bibliotheklechnik, auf Regalen aus Stahl untergebracht — ein Geschenk des New Yorker Arztes Dr. Julius Jarcho, der sich überhaupt um die Bibliothek große Verdienste erwarben hat. Neben dem genannten Komitee der amerikanischen Acrztc arbeitet ein deutsches Komitee in Berlin — unter dein Vorsitz von Professor James Israel und Professor J. Citron und unter Teilnahme des Bibliothekars der Berliner medizinischen Ga- Seilschaft, Professor Hans Kolm, von Dr. Sandler Und den! medizinischen Verleger Karger —, in Wien arbeitet ein Komitee unter Leitung von Dr. Natan Korn, das soeben die große ophtalmologischc Bibliothek von Professor Königstein nach Jerusalem iihcrsemlet hat. Die Zahl der in der Bibliothek vorhandenen Bünde aus dem Gebiete der Medizin betrug am 1. Etui 5059. Hierzu kommen noch zirka 1500 in den letzten Wochen an gekommene und noch nicht katalogisierte Werke. Der Katalog der Bibliothek ist ein Zettelkatalog, und zwar ein doppelter: ein nach den Namen der Autoren angeordneter und ein nach Fächern gcordneter. Die Bibliothek erhält derzeit eine große Zahl Zeitschriften aus der ganzen Welt zugesandt. Die Bibliothek ist an Wochentagen zwei Stunden täglich, an Samstagen von 10 bis t Uhr geöffnet. Die Verleihung der Bücher geschieht nach den in der Nationalbibliothek cingcführten Regeln: der Eutlclmcr erlegt ein Deposit von einem halben Pfund und zahlt eine monatliche Lesegebühr von 4 Piastern. Außerhalb Jerusalems Rind Bücher bisher nicht Vcrsendet worden. Da jedoch in der letzten Zeit von sehr vielen IAerzten außerhalb Jerusalems das Ansuchen gestellt wurde, daß ihnen das Recht der Benützung der Bibliothek gewahrt werde, hat die Verwaltung zugesthnmt, gegen Voreinsendung der Depositgebühr von einem halben Pfund pro Buch und gcgen Bezahlung der Portokosten und der Lesegebühr Bücher auch außerhalb Jerusalems zu senden. Selbstverständlich sind Zeitschriften und wertvolle Bücher von der Versendung aus* geschlossen. Die Bibliothek stellt trotz ihrer 6000 Bände vorerst nur einen Anfang dar. Wohl sind ihre Bestände ziemlich wertvoll — vor allem enthält sic viele Serien von Zeitschriften aus früheren Jahren — und auch die Zahl der taufenden Zeitschriften Ist groß. Aber die Bibliothek hatte bisher noch kein Budget zutn Ankauf von Büchern und zur systematischen Ergänzung der geschenkweise zusamrncngckommcncn Sammhingen. Zurzeit arbeitet eine Gruppe von Acrzten ln Jerusalem daran, Wunschlistcu zusammenznstellcn, weiche die wichtigsten in der Bibliothek fehlenden Werke enthalten sollen. Es wird dann Sache der verständnisvollen Freunde der Bibliothek sein, für die Ergänzung der Sammlungen nach diesen Listen zu sorgen. Aber auch die für die medizinische Arbeit im Lande bestimmten zionistischen Fonds werden sich mit einer gewissen Summe an dem Ausbau der Bibliothek beteiligen müssen, denn das Vorhandensein einer guten medizinischen Bibliothek ist die Voraussetzung jeder gedeihlichen Arbeit auf dem Gebiete der Sanierung des Landes. Bezopfte Juden Im Kimono In den reichen jüdischen Kreisen Amerikas Ist kürzlieh lebhaft der Gedanke propagiert worden, den seit über tausend Jahren in China lebenden Stammesgenossen durch materielle Unterstützung eine Sammlung und Erneuerung jüdischen Eigenlebens zu ermöglichen. Aus dem bei dieser Gelegenheit veröffentlichten Material erfährt man interessante Einzelheiten über die dunkle Geschichte dieser Chinajuden, die sich vor vielen Jahrhunderten in den Weiten Asiens verloren hatten. Um 1850 stießen jesuitische Missionare, die in China tätig waren, auf jüdische Chinesen, die seit einem Jahrtausend von ihren Rassenbrüdern der westlichen Welt völlig getrennt lebten. Sic trugen chinesische Kleidung und den chinesischen Zopf und zeigten mancherlei mongolische Ein- Iltisse, hatten sich aber einen festen Kern der Sitten und der Religion ihrer Väter bewahrt. Die Jesuiten machten vergebliche Bckehrungsversuchc. Hierbei gelangten sie in den Besitz uralter l>ok־umentc, die nach mancherlei Wanderung heute in das Eigentum der Jüdischen Universität von