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Jüdische Rundschau · 1924-11-11 · Heft 90 (11.11.1924) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 90 (11.11.1924)
Date
1924-11-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Birtzelntmtmer 0,35 Goldmark r~1 r m ו נ~ז דח ר t״׳j L.. Redaktion und Verlag W 15, Mclnckcstrnßo 10. Erscheint | jeden Dienstafl und Freitag, Bezugspreis hei der Expedition 'י nonntHc^l.85 Goldmark,^VierteljahrUch W5^C0ldmark. | Nummer 90 Berlin, il. XI. 1924 Anzci׳;cn־Vcwaltung: Jüdische Rundschau G, m. b. II., Berlin W15, Meinek•־ slrnßo 10. — Telephon! Amt Bismarck 7165—70 Amel,!*r\pr«i• 1 figt•p«ll.Nt>np,r*HI«»IU 0,39C.»t1tm»rl(. Slell.o- (««well• <1,15 G״li!m«k. für liilutUcb. At»«lä*a J00J4 Aulictilig. Anrclgru.chtutli Dl. n. t 1! und Fr.il»(! Oiehmltt• j 4 U h f. j Telephon; Bismarck 7165—70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392, F0rO.,t»rt«lcI״Po»l.p״UM»«B»1o»WU11,KoDtoNr.)5*030 / FdrTw:h.ct10»lo«*k»k I P0»l1ptrk.1»»nnBt Fr*g, Koni« Nr. 59 410 / Für Faltai i'r1»t1p,1k»110«״״t י״ד מרחשון׳ תרפ״ה | xxix. jai!«•/:. per Zloniomu» arstrnb! für das jüdische Volk dla -Schnffutiq einer Öffaulikä» - rochfücS ncslcherlan Heimstatt« In Polüstlna, ״Baseler Proqremm•" □כ de? XüonycCfocZacn t״e:־cloisor:a K-e* pcs5teCrJcQc0cra2O,.«31׳..Pe::^K2!5cr Nachdem die Abhaltung des Delegiert entages mit Rßckdcht *uf die Reichst agswahlen verschoben werden mußte, ist cs leider nicht mehr möglich gewesen, geeignete Tngungsraumo in Frankfurt a. M., dem ursprünglich in Aussicht genommenen Tagungsort, zu bekommen. Eben• sowenig ist es gelungen, Räume in allen underen in Betracht kommenden Orten, insbesondere in Berlin, Hamburg, Mannheim, Heidelberg, Karl»ruhe, Köln, Düssei* dorf, zu mieten. Es ist deshalb V#ICS&«SC3C3I gewählt worden, wo besonders geeignete Räume im Kurbaus zur Verfügung stehen und wo auch die Unterkunftsfragen usw. besonders glücklich gelöst werden können. Eine besondere Einreise-Erlaubnis für Wiesbaden Ist nicht mehr erforderlich; es genügt Vorzeigung eines Personalausweises oder eines Passes. ©Be roSCsftSncSCs© *ffases״ ©2*2׳Ske322g) rÄd M &£&3*ze VQyöftfGnCÜKdkä wereSen Die erlassenen ^JO.JüSlfOrCCSSS’lKeiS werden folgendermaßen obgeändert! Die Delcgicrtcnwahlcn sind nur dann gültig, wenn die Gruppen neue Mitgliederlisten mit genauen Adrexnen-Anguben spätestens hi» zum . 1, Dc22ma!CP 13Sfc<l eingesandt haben. Vor der Vornahme der Wahlen müssen die tQSSÜGS“ |2el2g*S5SG nbgefühit werden; dieselben betragen für das Jahr 1924! Für Mitglieder der Ortsgruppen Mk. 2.—• pro Jahr, für Mitglieder der Jugendyruppeu, Misrachi. und Hapocl-Hazoir-Gruppen Mk. 1.—- Ehi.sJcIit neu! Lcoa Dluia an die poJulsclie Jutlcnhcit Im Zusammenhang mit der jetzt in ganz Polen begonnenen Keren Hajessod-Kantpagne hat Professor Albert Einstein an den Delegierten der Londoner K. H.-Zeutraie für Polen, Herrn L. J a f f e, ein Schreiben gerichtet, das eine Botschaff an die polnische Judenheit enthält. Prof. Einstein weist darauf hin, daß der Erfolg der Kolonisation Palästinas von dem schnellen Tempo der Keren l i a j e s s o d Sammlung abhängt. Der Erfolg des Werkes gründet sicii auf Fähigkeit und Ausdauer der Chahizim, die bis jetzt in einem ihnen nicht zusagenden Klima mutig ausgelialten haben. Es ist deshalb eine Pflicht der Juden, sie in ihrer Arbeitsfreudigkeit zu ermuntern, dadurch, daß der Beden saniert und dafür gesorgt wird, daß blühende una gesunde Siedlungen entstellen. Für die nächsten Jahre —,fährt Prof. Einstein fort — kt unbedingt eine Konzentration aller Kräfte nötig, damit im Hinblick .auf die der Aufbauarbeit in Palästina jetzt günstigen I.agc eine gesunde ökonomische Basis geschaffen werde: ein geschlossenes KoloiiisaUonsgcblet und eine auf Selb starbeit beruhende Landwirtschaft. Prof. Einstein drückt zum Schluß die Hoffnung aus, daß die polnische Judenheit die Wichtigkeit des Moments begreifen werde, vor allem dies: daß alle guten Wünsche für Palästina nur dann einen Sinn haben, wenn sic ihren Ausdruck in einer Scibstbestcuerung finden. Der Führer der französischen Sozialisten, Dep. Leon Blum, schreibt au L. Jaffc: ״Lieber Herr JaffcI Ich wünsche Ihnen einen glück- Heben Erfolg in Polen. Die Juden Frankreichs, die mit den polnischen Juden durch so viele Fäden verbunden sind, bcgleiten Ihre Arbeiten mit brüderlichem Interesse. Hcbcrmitteln Sie unseren Brüdern in, Polen meinen herzlichsten Gruft, Ich bin dessen sicher, daß diese Verständnis für die Größe unserer gemeinsamen Sache aufbringen. Aulrichtig ihr Leon Blum.“ Auch die zionistische Exekutive in Palästina und der waad Lcumi sandten durch Herrn L. Jaffc Botschaften an die polnische Judenheit. Die Einnahmen des NationalJonds im Jahre 5684 Nach Vorlage der genauen Abrechnungen für eien Monat September stellt sich heraus, daß der Jüdische Nationalfonds Jahre 5684 £ 171.954 aufgebracht hat. Die Assehlh Banitvcharlm Der Waad Lcumi beschloß in seiner letzten zu Tel-Awiw 8"gehaltenen Sitzung, die Jüdische Nationalversammlung (Assefath Haniweharim) für März 1925 ciuzuhcrufcn. Eine Rcmeiiisanic Tagung des Waad Lcumi und der Repräsentanten der jüdischen Gemeinden in Palästina wird Mitte Novemd. J, abgehaltcn werden. Die Tagung wird sich mit ^r Frag« der Unterstützung der in Palästina neu aukommen- ÖCB Immigranten befassen. ' .; 1עז1^.פ11ג1>0סוד111ז^ב1 ■ Das KabincU BaIclv/111 — Rwpptms Vorsäilüßc — Domesiiea > RW. Berlin, 9. November. Das Kabinett Baldwin ist nunmehr gebildet und cs ist natüilich, daß wir uns die einzelnen Personen, die die hohen Aemter bekleiden, unter eiern Gesichtswinkel ihres Vcrhiiltnissos zum Zionismus anschatten. Zunächst ist die Tatsache bcincrkriiswcrl, daß eine ganze Reihe von Ministern des alten Koalitinnskablni'fis Lloyd George diesmal wieder in die Regierung cingeireten sind. Diese Minister sind naturgemäß auch mit der Politik der Balfour-Dcldaration, deren Kreierung sic mitgrniacht haben, vertraut; dazu gehören Churchill, der als .vh.iizkanzlcr einen der einflußreichsten Posten bekleidet, Chnmbcrl.tin, 'als Außenminister nicht minder wichtig, ferner der Wnhlfalirlsmiuistcr Ncviilc Chnmberlahi, Lord Bitkenhead u. a. Den für uns wuchtigsten Posten des Koloninlniinisters 1ml Colonel Atnery inne, der gleichfalls bereits unter Lloyd George Unterst,intsscki'clär im Kolonlalamt war und wieder* holt mit Palästina sich zu befassen Gelegenheit halte. Anirry hat sich damals als loyaler Anhänger der Balfour- Polilik erwiesen und ist sogar mehrfach mit prozionistischen Reden licrvorgctretcn. Interessant ist iihrigons mich, daß von einer ganzen Reihe vot! gegen* wiirllgi’M Ministern Aeußeruugen über Zionismus aus der Wahlkampagne von 1922 vorllcgcti. in jenen Wahlen hat bekanntlich der Zionismus beinahe eine ähnliche י Rolle ge* spielt, wie bei den letzten Wahlen der Bolschewismus. Das Schreckgespenst, das damals ״Daily Express“ und ähnliche Blatter dem Volke cntgegcivhicHc.n, hieß nicht, wie bei den letzten Wahlen, Sinowjew, sondern Citaim Weizmann, dessen Ricsciibilder als die des geheimen dämonischen Lenkers der englischen Politik bezeichnet wurden. Damals haben die Juden der einzelnen Wahlbezirke an ihre Kandidaten die Fragt• gerichtet, wie sie zur Erfüllung der Iblfnur-Dekiarntion stehen, und eine ganze Reihe konservativer Kandidaten haben sich verpflichtet, im Falle ihrer Wahl für eine Durchführung ihr Politik der Balfour-Deklaration cinzustehen. Solche Erklärtitigen, die damals im ״Jcwisli Cbrontdc“ abgedruckt waren, liegen u. a. auch von .Chambertain und Amery vor. Im übrigen haben sich, wie wir schon voriges Mal hervorgehoben haben, die Zeiten geändert. Palästina hat bei den gegenwärtigen Wahlen keine Rolle gespielt, die reaklionärc Trust-Presse hat für ihre demagogische Agitation bessere Objekte gefunden, und kein ernsthafter Engländer spielt heute mit den Gedanken einer Räumung Palästinas,' Es ist auch klar geworden, daß eine Aufrechtcrhnltung des Mandates jinter Preisgabe des Mandats-Zweckes, nämlich der Errichtung der indischen Heimstätte, au^cschlosscn ist, Angesichts dieser Tatsache, ist cs von geringerer Bedeutung, daß auch ein ausgesprochener Gegner des Zionismus, Sir William John- Rnn-llicks, der Antragsteller der aiitizionlsthchcn Resolution unter Churchill, ein hohes Amt 1111 Kabinett bekleidet. Er war übrigens schon im ersten Ministerium Baldwin als Wohl* f.ahrtsmiuister. Bedauerlich ist nicht nur iftr uns, sondern für alle freiheitlich und pazifistisch gesinnten Menschen das Fehlen von Lord Robert Cecii. Es heißt jedoch, daß für ihn noch nadilräglich ein Sitz im Kabinett gefunden Werden soll und daß er auch die wichiigc Funktion der Vertretung Englands im Vö'kerbund, die er schon im ersten Kabinett Ba'dwin ausgrübt hat, wieder übernehmen soll. Dies wäre auß •rordcnllicli zu begrüßen, denn die Vertretung beim Völkerbimd gewinnt immer mehr an Bedeutung und für uns Zionisten wäre cs eine besondere Genugtuung, wenn im Völkerbundsrat ein Mann süße, der wie kein zweiter den Idealen Sinn der zionistischen Lösung der Jtidcnfragc begriffen hat. Wenn riech Cccil in die Regierung eintritt, dann können wir wohl sogen, daß wir von unserem Gesichtspunkt aus mit ihrer Zusammensetzung zufrieden sein können. Wir stehen jezt aller Voraussicht nach vor einer Periode der stabilen Mehrheitspolitik in England und es ist zu hoffen, daß die Regicrung auch ln bezug auf die Verwaltung Palästinas Reform- Vorschlägen zugänglicher sein wird, als eine Regierung, die sich seihst nur als provisorisch empfindet. Es wird unsere Seche sein, die Regierung nicht nur durch kluge und taktvolle Politik, sondern durch <11•״ imponierenden Eindruck unserer konstruktiven Leistung im Lande von unserer Verträgst;ihigkcit zu überzeugen. Wir veröffentlichen in der heutigen Nummer einen grundlegenden Aufsatz von Dr. Riippin über die notwendige Reorganisierung unserer landwirtschaftlichen Kolonisation. Wer die bisherige Tätigkeit Ruppins, vor allem seine Reden und Schriften der letzten Jahre, aufmerksam verfolgt hat, der wird erkennen, daß Ruppin eigentlich nicht viel Neues sagt. Aber es ist zu hoffen, daß seine Worte, die Näher in der Gleichgültigkeit der zionistischen Ocffentlichkeit stets wir* kimgslos verhallt sind, diesmal doch eine Resonanz, finden und zu praktischen Resultaten führen werden. Es war bisher eine Eigentümlichkeit der zionistischen Kongresse und Konferenzen, an die jeder Teilnehmer sich erinnern kann, daß das große Interesse sich fast ausschließlich der Politik und Persoualfragen zuwandtc, während die trockenen und sachliehen Probleme der Kolonisation, für die Ruppin unermüdlich wie ein Rufer 1:1 der Wüste Gehör zu finden sich bemühte, gewöhnlich vor halblccrcm Sani und ohne besondere Aufmerksamkeit abgetan wurden (nur die Fraktionen halten genügend Palästinakcntituls und Ucalitätsslnn, um diesen Fm״ gen zu folgen). So kam es, daß Ruppin auch für seine wichtigen Refortnvorschlägc niemals die öffentliche Meinung wirklich gewinnen konnte. Dies hat sich jetzt einigermaßen geändert. Der Kontakt mit Palästina ist inniger geworden, führende Zionisten haln-it das Land besucht, und allmählich haben auch..alle begriffen, daß die letzte Entscheidung über die Zukunft der nationalen Heimstätte nicht in den Kabinetten von Downing Street, sondern in den Tälern und auf den Hügeln Palästinas fallen wird. Allerdings hat das plötzlich erwachte Interesse für palästinensische Wirtschaftslagen bei einer Reihe führender Zionisten auch die nachteilige Wirkung gehabt, daß sie nach einem Besuch iin Lande sich sofort ah Sachverständige und Wirtschaftsrcfomiatoren gebürden. Darin liegt eine Gefahr, besonders wenn die rein snehliehen Fragen In einseitige Partckliskirsionrn hincingc* zerrt werden. Aller wenn Ruppin heute spricht, wird er doch ein mehr vorbereitetes Auditorium finden, als z. B. vor drei Jahren. Die Vorschläge, die er bringt, sind einleuchtend. Sic haben gegenüber der Kritik, die sonst geübt wird, den Vorzug, real und durchführbar zu sein. Die Schaffung einer stabilen und klaren Beziehung zwischen Kolonisator und Kolonist, die Ruppin durch die Begründung eines Ko- Ionisation s f ond s erreichen will, ist eine ebenso unentbcluliclie' Voraussetzung des Gelingens einer ans dem Versuchsstadium heraustretcmlcn Kolonisation, wie die technische Leitung, Beratung und Instruktion, in deren Dienst Ruppin die — entsprechend ausztibauentlc — Versuchsstation stellen will. Die zionistische Welt Ist unseres Erachten» verpflichtet, Ruppins Vorschläge anzuiichmcn und die Durchfültrutig schnellstens zu ermöglichen. Wir müssen dem Mann, der nun nach zweijähriger Abwesenheit wieder die Leitung der Kolonisation übernommen hat, eine ״fair chance" geben, seine Pläne dtirchzuffthren und wir werden erst dann ein richtiges Urteil über die Methoden der Landwirtschaft fällen können, wenn das neue System sich auigevvirkt hat. Ruppin hat drn Vorteil, sich mit seinen Vorschlägen jetzt auf das Gutachten von Professor Mcad stützen zu können. Dieses Gutachten hat heute in der zionistischen Welt eine gewisse Autorität und cs bestätigt in vielen Punkten alte Forderungen Ruppins. Das Gutachten gibt allerdings keine Anweisungen, wie die darin ausgesprochenen Grundsätze in den speziellen Verhältnissen Palästinas, in die Professor Mcad wahrend seines kurzen AufenthaB.es helacs tiefen Ei.! blick gewinnen konnte, air.zufüiircn sind. Diese Ausführung ist Sache unserer Kolonisationsorganc. Geben wir Ihnen die Macht und Autorität dazu. Wir haben in der' vorigen Nummer eia Manifest der Jüdischen Volkspartci an die Juden in Preußen veröffentlicht, das die Plattform der Partei zu den Wahlen rum Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden darstcllt. Wir glauben, daß dieses Programm das Minimum dessen enthält, was ein aufrechter Jude in Deutschland heute fordern muß, wenn er nur irgendwie dem Ernst der jüdischen Situation ins Auge gesehen hat. Das dcut-chc Judentum, einst von hohem Rang in der jüdischen Welt, ist heute In Oef.thr, zu einem bedeutungslosen Faktor herabzusinken. Es wird innerlich immer schwächer. Die Kenntnis der jüdischen Vergangenheit und der jüdischen KuUurschätzc, die Kenntnis der hebräischen Sprache, ohne die weder die klassischen Sümpfungen der Vergangenheit noch die wühlenden Problemc der jüdischen Gegenwart verstanden werden können, nimmt ebenso ab wie das Bewußtsein der großen Pflichten, die das Judesetn dem Menschen atifcrlcgt. Die Folge Ist eine zunehmende Haltlosigkeit, eine Innere Unsicherheit, die sich auch in der Stellung תות Umwelt manifestiert. Die hysterische Apologetik ist ebenso abnormal wie das immerwährende Schielen nach dem Urteil der Anderen und das Bestreben, in den Augen der Anderen möglichst glcichar'.ig zu erscheinen. Der Erfolg ist natürlich sehr gering, da die jüdische Eigenart, auch wenn der Träger sic gern verbergen möchte, doch durch Ihre Wirkung auf die Umwelt und durch die Reaktion der Umwelt offenbar wird. Das deutsche Judentum braucht heute ein positives jüdisches Programm, lebendige jüdische Inhalte, um shh selbst wiederzufimJen. Die religiöse Reform und der assimilatorische Llbcra*!Ismus konnten diese Aufgabe nicht erfüllen. In dieser Elinsicht war die letzte liberale Tagung in Berlin von aullerordentliebem Interesse und wir empfehlen allen unseren Freunden, den Bericht der ״Jüdisch-liberalen Zeitung", Nr. 39, über die Debatte nachziilcsen, die bei dieser Tagung geführt wurde und wo darüber gestritten wurde, ob man dem Juden, der einmal im Jahre in die Synagoge kommt, dafür dankbar sein soll oder nicht. Trotzdem eine Reihe von bedeutenden Mannerti sich an dieser Debatte beteiligten, und z, B. ein Mann wie Bacck die große Bedeutung der Volksgemeinschaft und des hlstorir.tlicn Zusammenhanges für das Judentum hervorhob, konnte doch diese ganze Diskussion geistiger Führer des Liberalismus zu keinem positiven Ergebnis kommen. Es ist nicht unsere Sache, in diesem Zusammenhang zur religiösen Idee des Liberalismus Stellung zu nehmen. Aber der Liberalismus als jüdische Bewegung steht vor einem Debaclc. Diese Tatsache soll jeder jüdische Wähler in Preußen sich bewußt machen, und er soll sich entscheiden, ob er fiir eine Stärkung dc9 Judentums, für eine Wieder- Herstellung der Geltung und Produktivität des deutschen Judentums innerhalb der jüdischen Gesamtheit, cintreten will oder nicht. Ein positives, sachliches, nufbauemlcs Programm vertritt im deutschen Judentum lediglich die Jüdische Volks• rarlei. Der Wahlaufruf des ״Ccntralvcrclns'' beschränkt sich hauptsächlich auf einen negativen Punkt, die Ablehnung der Volksgcmcinde. Das heißt, er lebt vom Kampf gegen ein formales Postulat des Zionismus, ohne selbst ein jüdisches

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