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Jüdische Rundschau · 1924-10-31 · Heft 87 (31.10.1924) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 87 (31.10.1924)
Date
1924-10-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seile 618 fUüDISCHE RUNDSCHAU Nf. 8*? tVcizinsaa bei Cer Fi-f.-lorJcrcuz Mit großer Feierlichkeit wurde am 14, Oktober in Tel• •Awiw die auf drei Tage nubcraiimte Landeskonferenz der Wrtrauciudeutc des Keren Kajemcth Lcjisrncl eröffnet. Sie fand im ״!•«neu Saale des, bekanntlich dem K. K, L. gehörenden, Ile* bräischcn Gymnasium ״Hcr/lia“ statt. IX'f Vizepräsident der Landeskonferenz, Herr I*. Lein, hielt eine kurze Einlcitungurcdo, in der er den großen Fortschritt der K, K, L.- Arbeit im .ihgcl.iufcncit Jahre dariegle, «Dieser Fortschritt sei vor allem dem Vorsitzenden ries Direktoriums Herrn Ussischkili zu danken, der unermüdlich die Länder Europas bereist, um für die Idee der Geulaih Haare/ 7.u werben. IMc Konferenz wurde sodann zunächst durch den Vorsitzenden lug. M, Dizcngoff, dem Hürßcrmcistcr von Td-Awiw begriilU. Die SiadlvenvallmijT hat die Konferenz, in eins Goldene Huch des K. K. L. cintragcn lassen. Hierauf richtete Herr J. Wilkansky namens des K. K. L.-l>i 1׳c!;'ori 11ms an den in Begleitung Herrn van Vrieslands erschienenen l>r. Wcinnanu eine Begriißungs• nnspraclu•. Dieser antwortete wie folgt: ״Am Abschluß meiner Reise durch Palästina freut es mich, noch an dieser Konferenz tcilziinclimeii. Ich luihc mich im Lande uiugeian, gehört und gesehen, Schmer/, und Freude empfunden. Das muß ich jnir nun niles ztircelulegen und dann gilt cs, die Herzen!unseres Volkes zu eutiiamincn, dem ich die Lage des Lande-, ,wie sie sieh mir darbot, schildern will. Auf einer Konferenz, des K. K. L. brauch 1 man-von dessen :Notwendigkeit mul Wichtigkeit nicht erst reden, ihr wißt gleich mir, daß der Hoden die Grundlage ist, auf der wir all unsere Hoffnungen aiifbaucn. Deshalb inuß die größte Energie entwickelt werden, damit der K. K.L. möglichst viel Boden in unserem Laude erwerben kann. Denn für eine solche ■!Aufgabe genügen nicht die Mi.tel Einzelner, Privater, Di; Pfl'ibl der Geuiatli I laarez sicht unter unseren ersten Pflichten für den Aufbau Erez Israels ganz obenan. Mit vereinter Arbeit werden Kcrcu Kajemelli mul Keren Hajesso׳.l Großes wirken. Darum spreche ich Euch und allen anderen Brüdern am Werk meinen innigsten Drink an». Diese meine Rede ist die letzte, die ich während meines diesmaligen‘Besuches im Laude halte; ich will sie mit dem heißesten Wunsche sclilieBen, daß noch im Laufe diese. Jahres alle uns-.-rc 1.111*1 wirt•.ciiafilichen Stützpunkte durch iicuerworbenc HüJen ausgcualtct und gestärkt werden. Die von Euch dem K. K. L. bewiesene Liebe und Ergebenheit wird mir das beste und süßeste ״P.'ickcl“ sein, das ich ans Erez. Jisracl tiiitnchnic. Auf Wiedersehen in einem noch größeren Td-Awiw, in einem größeren Nahnlal und in all den anderen Kolonien, die au Zahl und Kraft eniporbliihen mögen für und für!“‘ Die Wö.isclte der ,,allgemeinen“ Zionisten Wie wir ״llaarez“ entnehmen, erschien eine Deputation von ״allgemeinen“ Zionisten bei Wcizmann in Tcl-Awiw, kurz vor seiner Abreise nach Europa, und überreichte ihm ein (Memorandum, in welchem verschiedene Forderungen au die zionistische Exekutive gestellt werden. Vor allem wird ge- •fordert, daß die Exekutive bei ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit dem veränderten Charakter der gegenwärtigen Einwanderung :Rechnung trage, und mehr für die Fundierung der kleinbürgerlichen Existenzen tue. Es soll für diese Zwecke «in Beirat bei der Exekutive gebildet werden, und auch von den nciimvorhenen Böden im Ernck sollen (Dimatn für die Ausiedliing von 200 derartigen Familien bestimmt werden. Das A, C, soll das Budget entsprechend »Ich neuen Verhältnissen revidieren und insbesondere den für idic Industriebau!; vorgesehenen Betrag sofort flüssig machen, ein Informationsbüro einriclitcn und andere Institute zur Förderung der Ansicdlung dieser Elemente schaffen. ‘In itc-m Memorandum Ist ferner auf die drohende Arbcits- Jos ig k c i t im kommenden Winter liingcwiesCn und angeregt, 60fort eine Konferenz aller öffentlichen Körperschaften zusammeimiridcn, die die. Möglichkeit von Notstamlsarbciten!erörtern soll. Eine besondere Aufmerksamkeit wäre der jüdischen Arbeit in den Kolonien zuzmveiiden. Dr. Wcizmann sollte seinen ganzen persönlichen Einfluß gellend machen, um die Kolonisten zur Beschäftigung jüdischer Arbeiter zu bc-!wegen. Ein anderer Punkt der Denkschrift ist der Vorschlag, daß ein mit Autorität aiisgestattctes Amt zur Beilegung von Konflikten zwischen Arbeitgebern mul Arbeitnehmern gcschaffen werden soll. Interessant ist die Zusammensetzung der Delegation, der sowohl die rechtsstehenden Kreise wie Supmsky, Ismuszik u. a. angchörlcn, als auch ״Demokraten“ wie Dr. *Gliickson. Aus den Artikeln, die Dr. Gliickson zur Begrüßung l>r, Wei/mmms in ״Ilaarez“ veröffentlicht hat, ist zu ersehen, daß er der Abfassung des Memorandums nicht fernsteht, denn in diesen Artikeln werden dieselben Forderungen ausführlich begründet. Auch eine Deputation der ״Vereinigung der Gewerbetreibenden und Arbeitgeber" besuchte Dr. Wcizmann und Ztrachte ähnliche Forderungen vor, wie die oben erwähnte Gruppe, besouder-i betonte sic die Notwendigkeit langfristigen Kredites für die Einrichtung von industriellen Betrieben, sowie die Schaffung eines Beirates für die Angelegenheit der städtischen Siedlung. Das Kiiliurpro&Ieiii und ßederes hl Tcl-Awiw fand in der .Sukkofhwochc eine Konferenz Uer palästinensischen Sehriftslcllervcrcinigung statt, in welcher nicht mir professionelle und organisatorische Fragen besprochen .wurden, sondern ein großer Teil der Beratungen der allgemeinen Frage der Hebung der jüdischen Kultur und Literatur gewidmet war. Den Vortrag über die tage der Literatur hielt Dr. Klausner, der auf den Niedergang der literarischen Produktion hinwies und die Gefahren schilderte, die die heutige Stagnation der Literatur für das jüdische Geistesleben äuid damit für die jüdische Wiedergeburt bedeutet. Allerdings ist cs etwas sonderbar, wenn der Vortragende fr! diesem Zusammenhang: gegen die Heranziehung nichtziouistischer Kreise zum Palästina-Werk Stellung nahm. Es ist nicht zu verstellen, welcher Schade für die hebräische Literatur dadurch entsteht, daß weitere jüdische Kreise durch ihre Mithilfe den Aufbau Palästina«: beschleunigen. Es scheint, daß Klausner der letzte intransigente Gegner der Wciznmwi• *eben Politik in Palästina geblieben ist, aber woztl diese zum Sündenbock für alles machen? Achnliche Gedanken finden wir in der von Klausner rcdigietfcn Monatsschrift ״H a sch i loa eh“ anläßlich Dr Weizmamis Besuch in Palästina. Dort schildert, im Anschluß an die auch von uns wiedergegebene Rede von Bialik, ״Isch fwri“ (Dr. Kia!Kner) sehr treffend die heutige kiiUitfdle Krise im Lande ,und wendet sich mit Recht gegen den etwas obcrll.'iclilichcn Optimismus, der sich in rnanelien Be״r(lflun,׳;:;roden für Dr. Wei/uvinn geäußert hat. Wenn der Verta.sser aber die Geringschätzung rief Kulturarbeit wieder auf das Konto der Erweiterung!1er Jewish Agency schieben will, so ist das die Verkehrung (ler Wahrheit. Ebensowenig wie unserer Kuller mit einem fanatischen f Ii'braismtcs auf Kosten der Sachlichkeit in Palästina gedient Ist, ebenso wenig können wir ziigunsicn!ler scheinbaren Reiuhaliung eines doch in eine Art Ghcltonmucrn elngczwäiiglcn Kulturlebens auf »Ile Erweiterung und Forifühnifig unserer Aufbauarbeit im Lande vcr/.'chleii. Wir vertrauen darauf, daß wirkliche ktiliureffe Produktivität sich diirchsct/eu wird. Die Kultnrliöhc zeig! sich nicht «lnrin, daß man aus dem Ausland kommende Redner, die nicht genügend hebräisch können, verhindert, in sachlichen!•■ragen von hoher nationaler Ikdetiinug ihre Meinung zu sagen, vielmehr käme es darauf an, im pnläslincnsisclu'ii Judentum das lebendige Gefühl für wirkliche geistige Werte zu wecken, in der Hoffnung, daß auch der geistige Führer in diesem Lande wieder erstellen wird. In dieser Hinsicht erhoffen wir viel von der Tätigkeit Bialiks, der jetzt eine Kulturkonferciiz cinbcrufeii hat, wir erhoffen manches mich von der Universität, die in Palästina in den Kreisen Dr. Klausners leidenschaftlich bekämpft wird, um1 besonders von der gepinnten Volkshochschule. Wir haben MshiT noch nicht bemerkt, daß die rts 1;er11;.וn 1rc! 1!ויי Juden, gegen die sich Klausner am Unrechten Ort ereifert, die Kulturarbeit gestört liätlen. Vielmehr ist es gerade die Kulturarbeit, die, wenn sie getan würde, jenen Kreisen den größten Respekt;hnörigea winde. lind derselbe Klausner, der gegen die Erweiterung׳ »Irr Agency ist, wettert gegen die Kürzung des Budgets, ohne auch nur die leiseste Andeutung zu machen, wo das Geld zu seiner Dockung hcrkomnmi soll. Aber vier Gedanke Fegt 1:nhc, daß es den Kiillurlriiterii weniger mtf positive Arbeit;■׳.!kommt, ak auf die Austragung älter pole* mischer Dilfcreii/cn und auf Partei-Politik im zionistischen Lager. Neue croPic 1andmvfrbuagen der Grsellschsll ״Mtschck'‘ Die Ges,־•lisch 1Ü ״Mewliek“, die vor kurzem das Gebiet von A11 lieh!׳וי.! inbni hallo und cs nn t iesinmmgsgrimsscn in Europa;äst ganz, nbgesetzt 10,f, hat jetzt zwei Boden flächen im Ernck Jcsrccl neu erworben. Es handelt sich um «äs Gebiet zu Sc 111111,1 in au der östlichen Grenze von Mcrdnviah von ungefähr IßftOt) Dmnnm und um das Gebiet von K 11 s 1; 11 s - T a b 11 m , das zwischen Jadjur und Nahnlal liegt, und 12 000 Dunam um faßt. Das Ici/Igciiauntc Gebiet ist ungefähr IS km von Haifa cntf.rut und liegt beiderseits der Chaussee, die Haifa mit Nazareth verbindet, Erönnunfj drs fudaislisciien!nslilnles Jerusalem (J. T. A,). Die Eröffnung des Instituts für Jüdische Slmiien in Jerusalem ist für Ende November fest• gesetzt worden, Regen. Wie ״Haare/.״ meldet, hat es am 16. Oktober zum erstenmal in Palästina geregnet. Im vorigen Jahre war 1׳er erste Regentag der 21. Oktober, wo jedoch nur 2,3 nun fielen, während diesmal schon am ersten Tag 13,6 mm verzeichnet י wurden. , , .... Amerikanische Zionisten in Palästina. Die Mitglieder!!cs Administrativen Komitees der amerikanischen Zlonistl• scheu Organisation, Richter Bcrnard A. Koscnblatt, Herr Louis Robinson und Herr Isnnc Harris, sind cingctroffen. Die pnlästincnsiuclw.ionistisclic Exekutive hat eine besondere Sitzung abgehaltcn, in welcher sie die Gaste in Palästina willkommen liieii. Die Anklage gegen ״Doar Hajoin". Die Staatsanwalt- Schaft hat den Antrag des lateinischen Patriarchen Monsignore Bnriasriiia. gegen die Jerusalemer Tageszeitung ״Do.ir Hajom“ die Strafverfolgung wegen Beleidigung der Christliehen Religion zu eröffnen (vcrgl. ״jüdische Rundschau“ Nr. 82.‘$3) a 11 g c I c h 11 (. Eine Oper aus dem palästinensischen Lehen. Der in Palästina populäre Pianist, Herr Weinberg, hat eine Oper ,.•erfaßt und komponiert, die das Leben der Chaluzlin in .Palästina zum Vorwurf hat. Die Oper, ״llechnluz“ betitelt, spiegelt das Leben der Ghahizim in einer kooperativen Ar• bcitersiedhiiig Galiläas wieder. 74 0(1!) Pfund für die Omar-Moschee gesammelt. Wie niilgoloilf wird, beläuft sich die bisher aufgebrachte Gesamtsumme fiir die Rcstauricnuiß der Omar-,Moschee zu Jerusalem aut etwa 71 (KM) Pfund. (J.T. A.) Freispruch des ״Fe!er.tin“-Redaktcurs. Der Redakteur des ,,F e 1 cs t i n“, des Organs der pnläsUncnsisch-araluschen Exekutive, der wegen eines Schmäh,irtikcls gegen die palästincnsisehcn luden angcklagt war, ist am 23. Oktober Vom Gericht in Jaffa freigesprochen worden. Der Angeklagte hatte in dem iiikriminierien Artikel behauptet, die Juden seien Itaiiknotenfälscher. Ferner schrieb er, daß eine Anzahl Juden aus der Kolonie Gliedern mohammedanische Gräber in der Nachbarschaft entweiht hätten. I\׳n Gerichtshof bildeten der engiischc Richter Copelniid und ein arabischer Richter namens Aich a i d i. (J. T. A.) Rio lüdischc Aufosomie in Lüanen Die Verfrtssiingsliommission lies litauischen Sejm hat In ihrer Sitzung vom 21. Oktober das Gcsel/projekt über die Legalisierung des Jüdischen N n t i o n n 1 r a t et Litauens abgelchni. Der Ministerpräsident Galwa* iiowski verteidigte das Projekt gegen seine Paricigcnosscn, indem er ela raut hinwies, daß dasselbe der Verfassung gemaß sei. 111 der gleichen Sitzung wurde dos von den Rechten ciiigcbraclrie, von den Juden (nikämpte Gesetz einer jüdischen Gemeimlcordiiim״ angenommen, Laut diesem Gesetz haben in jeder Siadt mehrere Gemeinden Platz, aber nur als private Vereine ohne Öffentlich rechtlichen Oharnkter, Diese Gemeinden haben auch nicht das Recht der Zwangs* weisen Besteuerung. Sollten diese Bcfichlilssc vom Plenum des Seim aiigemmmon werden, woran picht ZU zweifeln ht, na wü’.dc dies das vollkommene Ende der jüdischen Autonomie bedeuten. Gegen d:n Akihus.wmchuß des liquidierten jüdischen Nationalrafes wurde ein gerichtliches Verfahren ein* geleitet. Inkri111i11i,'r. ist der Aul;•;!', der iiac’,1 der Auflösung des N’a'i-üiialr.ViCs durch die Polizei an die jüdische Bevölke* rung erlassen worden ist. Pie BcBlsfcavttiisfüiagca la Uußiand Wir bähen mehrmals von Massrnvcrhaftungen Angehöriger zionistischer Organisationen in Rußland berichtet. Die meisten Verhafteten gehören den linken /i.mistiichen Parteien!mg zwar I (itflchdmh und der zkmisti .eli-so/ialistiiclirn Partei Zcire Kn,11 au. Die Verhaftungen erfolgten in letzter Zeit in verstärkten! Maße wegen eines Aufrufes, den die Zcire Zion anläßlich einer Konferenz der nationalen Minderheiten in 1k׳r Ukraine nn die jüdische Bevölkerung gerichtet hat. Von be* freundeter Seite wurde uns dieser Aufruf zur Verfügung Bestellt, dein wir nachstehend einige charakteristische Stellen entnehmen, die in packender Weise die Lage der Juden in,der Sowjet* Unkm beleuchten. In dem Aufrufe h 'ißi c: u. a. ״Das Leben der schaffende« jüdischen Bevölkerung ist eine einzige große Wunde. Die jüdischen Werktätigen sind wirtschaftlich ruiniert. Jüdisch« Arbeiter und Angestellte werden als erste bei der UkraU iiiricrinig und Wciß-Ruzlfizicrinig atu dis Pflaster geworfen. Die jüdischen Handwerker und iicimarbii er ersticken unter der Last der ihnen auferlc.gtcn Steuern; den jüdischen Hand* werkern Ist cs verboten, sich zu organisieren. Die Juden werden bei der Bodcn-Vcrteiiung verkürzt und leiden unter dem Antisemitismus der Bodenverteilungs-Kommissionen, 1X11 ih khss'crle» Elementen der Klcinii ind'cr und Vermittler, die durch die Entwicklung des GenossenscUaftswescus und durch das staatliche Hamlc!sm״nr»(101 brotlos geworden sind, wird cs unmöglich gemacht, sich der produktiven Arbeit zuznwcndeu. Die jüdische Arbcitcrinlelligenz leidet unter der Arbeitslos!!:• keit um! unter der Vernichtung des jüdisch-kulturellen Le* bens. Es existieren nur sehr wenige jüdische Schulen tn1«J diese führen eine bedauernswerte Existenz. Unbildung breitet Rieh unter der jüdischen Bevölkerung aus. Die jüdische Sek* tion der Komrministisehen Partei, die ,,Jcwscktia", hat die jüdischen Ktiltiuinstitutiouen vernichtet 1«1!1 nichts an ihrer Sielte erbaut. Die jüdischen Kinder kennen weder Bi.itik noch Perez. Es gibt keine jüdische Literatur, keine jüdischen Bücher und keine jüdischen Zeitungen, außer den offiziellen verlogene« ״Fines“ und ״Komfon“. Für die Jcwscktia ist jiddisch nur ein Mittel für eine raschere geistige Assimilation, Das Hebräische ist ganz, verpönt. IMe Sprache der jüdischen Arbeiter in Palästina, die Sprache, in der i1״ l.ntife von Jahr• imiscmtri! geistige Schlitze geschallen wurden, ist der bar* h,׳irischen Verfolgung der Jcwscktia nusgcliefcrt. Die jüdischen Arbeiter sind poü'isrh zugrunde gerichtet. Selbst die kleinsten Völker, Oiriauer und Tschuwaschen genießen Autonomie, haben eigene nationale Organe und sind im Nationalitäten* rat vertreten, Nur den Millionen Juden werden a 11 c p o I i i i s c h e 11 nationalen Rcehteversagt. Die Jewscklia, ein Häuflein von Sielicnjägcrn und Renegaten, die von niemanden gewählt sind, ersticke« jede Initativc der jiidi* Sehen Werktätigen auf dem Gebieie der Organisation und Selbsthilfe." Der Aufruf schildert ausführlich die verderbliche Tätigkcit der Jcwscktia, geißelt ihre Maßnahmen und zählt die Unterlassungssünden auf, die die kommunistischen Rcpräscn* tauten der jüdischen Bevölkerung zum Schaden der jüdischen Mns־cn begangen haben. Weiter präzisiert der Aufruf die Forderungen der jüdischen Bevölkerung in der Sowjet-Union. Aus diesem Teile des Aufrufes seien folgende Abschnitte wicilergcguheii: ״Fordert die national-personale Autonomie, fordert ׳jüdische Sektionen bei den professionellen Vereinen! Fordert Steuervergünstigungen für die jüdischen Ocnosscn* Schäften, fordert Mittel für die jüdiscltnationalc weltliche Arbeiterscliule! Protestiert gegen die Verfolgung des He* bräischcn! Fordert das Recht auf Beziehungen zu Palästina Und das Recht euch am Aufbau dieses Landes zu beteiligen! Euer Kampf In der Sowjct-Uni ווי und der Kampf der Arbeiter hi Palästina sind Ringe derselben Kette im Kiasr.cnkampfe der jüdischen Arbeiter fiir die nationale Klasscnlicfreiung, Trauet nicht den provokatorischen Lügen der Jcwscktia über Palästina! Immer stärker entwickelt sich der arbeifssozia• llstisdic Aufbau in Ercz-lsracl, der berufen ist, das Grund* Problem der jüdischen Arbeitenden In der ganzen Welt zu lösen.“ Am Schlüsse des Aufrufes wird auf die Verfolgung der Zionisten in der Sowjet-Union hingewiesen und betont, daß die zionisiiscli-sozialistische Partei als einzige Partei des jüdischen Sozialismus itn Sowjet-Bund trotz des furchtbaren Terrors ihre revolutionäre Arbeit Im Kampfe für die Bcteiniig der jüdischen Werktätigen In der ganzen Welt fortsetzt. Der Aufruf ist vom Zentralkomitee der zlonistisch-sozfslistirclien Partei in der sozialistischen Union der Sowjct-Re* publik unterfertigt. Ein Appell zugunsten der Verhafteten. Das Zentralkomitee der zionistisch-sozialistischen Partei in Rußland ersucht uns um Abdruck eines Aufrufes dessen ilaupttcil wir in gekürzter Fassung wfodcrgcben. Ucberall, In allen Winkeln der Welt, wo es jüdische Arheitcnnasseu gibt, lebt der Gedanke und der Wille nach einem grüßen und erhabenen Ziele: der Organisierung des Wclijudentiims auf demokratischen Arhcilsgrundlageii mll einem sozialistischen Arbcltszeiitrimi in Palästina. Die Energie der jüdischen Arbeitenden ist auch in Raterußland nicht ab• gestorben, Der׳ imperialistische Krieg und der Bürgeikrieg,׳ die Blockade, die ökonomische Politik In der Epoche des militärischen Kommunismus, die verschiedenen Mängel der jetzigen ökonomischen PoUiik der Rätemacht, die besonders für die jüdische Arhcitsbovülkcrun״ schmerzlich sind — das alles führt die jüdischen Massen Räle-Rußlaiids zu einer vollkommenen Verarmung und LXgenericrung. Arbcitslosig* kelt, Konkurrenz, untragbare Steuern usw. drücken alt schweres Jnch auf die jüdischen Arbeitsmassen, Viel schlimmer aber ist die politische Lage der Juden in Rußland. DR Rälcmacht hat sic vor Pogromen bewahrt, hat aber der jüdischen Arhcitsbevölkerung' keine Rechte gegeben, keine Möglichkeit für einen organisierten naüonnlcn Aufbau. Das jüdische Lehen leiten von oben bestimmte Assimliantcn, un* verantwortliche Bürokraten, die sieh nur auf die machtvolle Faust der rusfäsclum kommunistischen Partei stützen. Ver* Kchiimg slcr mensriiiielicii Persönlichkeit und administrative Willkür herrschen über alles Ideelle. Man setzt Leute ins Ge‘,׳in1״i'׳s, man verschickt sie in die weitesten und wildesten Orte *Rußlands nur deshalb, weil sic den Mut haben, selb* ständig zu denken und in Uebersriminutig mit ihren lieber• Zeugungen und ihrem Gewissen zu handeln. Und doch hören selbst bei einem solchen Regime die jüdischen Ar* beitenden nicht auf, für die allgemeinen Ideale der all• weltlichen Jüdischen Arbeiterklasse zu kämpfen. Die zD* iiirtbcu-snzialistisdic Partei •erzieht die Arbeiterjugend im Geiste des nationalen Auflebens und des sozialistischen Klasscukainpfcs.

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