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Jüdische Rundschau · 1924-10-31 · Heft 87 (31.10.1924) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 87 (31.10.1924)
Date
1924-10-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr 87 fUEDISCHE RUNDSCHAU . cliwt'r ist der Kampf. Auf einer Seite stehen die ״rermurnte■!! Ki.iflc der indischen Arbeitenden, die »ich tim ihre f •irtei^ griipnirrcii, auf der anderen der kolossale Apparat * ,.,.;.״* . יs ist nicht einmal zu schätzen, wieviele nuiliRe Kampier «Ion Reihen der jüdischen Arbeitenden entrissen worden .sind, Hiui.lcrie unserer Genossen und unparteiische Arbeiter sif/en Monate ta־»״ in den ('.cfiinenisscn clme jede (ic 1 icl 11svc 1h,1״ mlht 11 y. Uebernll, und hesoiwiers in den I roviu/pef.iii^nisscn rächt man sich nn ihnen in der piausainstcn Weise. Das einripe Mittel unserer verhafteten tienossen int Kampfe für ihre Ehre ist der I lungcr.droik, der bis zu 8 bis 12 Lage dauert. Ohne Gerichtsverhandlung, einfach n 111 dein Wege der administrativen Willkür wird die große Mehrheit vier Verhafteten in die weitesten und verborgensten Winkel Rußl,1n<Is verschickt. Man vyird uns aber nicht altschrofkcii. Wir schon und wissen, wie (»roll die Energie der jüdischen Arbeit?!nasse!st. wir wissen, dall zu guterlef/.l die jüdischen Arheitenden sieii das Recht auf Iroie soziale um! nationale Tiiligkeit erkämpfen weiden. Wir werden uns nicht ergeben, niemals wild mail uns ersiieken können, well Tag für Taff In unsere Reihen neue junge Kräfte treten. Wir dürfen aber nicht /t1!assc;1, daß die Verbannten und Verhafteten infolge von Krankheit und Not in den wildesten Winkeln Rußlands und in den Konzentrationslagern zugrunde o'heii. Wir dürfen niclit zulasscii, daß die Frauen und Kinder unserer (ienosseii und der anderen Opfer der Willkür der rscheka, die in den Gefängnissen schmachten und für die Befreiung «Irr jüdischen Arbeitenden leiden, vor Hunger sterben. Schon oft sind die jüdischen Arbeitsmassen in Rußland allein ihren Verhafteten zuliilfe gekommen. Nur dank dieser Hilfe sind unsere Genüssen bis jetzt nicht in ihrer Gefangenschaft unigekoinmen. Das russische Judenlimi ist aller jetzt ökonomisch ruiniert und •nicht In Her I.ag-e, auch weiter Hilfe zu gewähren. Die jüdischen Arbeitenden, die außerhalb der Grenzen Riiterufllaiids wohnen, dürfen nicht gleichgültig bleiben heim Befreiungskampf der jüdischen Arbeitenden ju Rußland bei ihrem Bestreben, sich zum Kampfe der ganzen alhvclllkhcii jüdischen Arbeiterklasse zu vereinigen. Wir wenden uns deshalb an alle jüdischen Arbeitenden in der ganzen sozialistischen ArbcilsgcsellsclinfliL-hkcit mit dem Ruf um Hüte. Helfet «len guten und ehrlichen Kämpfern für die Ideale der indischen Arbeiterklasse, die in den Gefängnissen und der Verbannung schmachten, die vor lltmger, Not und Krankheit umkommenl Helfet den Familien der Verhafteten! Helfet den arbeitslosen Frauen und Kindern, die ohne Mittel geblichen sind! Helfet den Kranken, die in den weiteiitfcriitcn Verbaiuuingsorten zugrunde gehen! Das zionistische Leben in Lettland , Riß12 ,״. Oktober. Nach längerem Stillstände kam mit dem Frühjahr 1021 ein frischerer Zug in die Arbeit der zionistischen Institutionen in Lettland, besonders seitdem im Mal Herr M. de Sclialit, aus Kowno auf Veranlassung •des Londoner Hauptbiiros die Leitung des Keren Ilnjcssod übernahm. In richtiger Erkenntnis der Notwendigkeit, sich bei einem Werke, das einerseits hohen idealen Schwung und opferwillige Arbcilsfreudigkcit, andererseits aber auch in hohem Made Selbstdisziplin und Selbstverleugnung verlangt, auf einen Stab zuverlässiger Mitarbeiter stützen zu können, «Ile obenerwähnten Anforderungen entsprächen, unternahm de Sclialit den Versuch, die akademische Jugend in Riga zu aktiver .Hilfeleistung hernnzu/ielicn; chic besonders günstige Gclcgeiiheit bot sich in der AViglichkcit dar, die zahlreichen im Auslände studierenden Rigenser ftir die Ferienmonate zu intensiver Tätigkeit zusaitimen/iischließen. Eine zu diesem Zwecke im August von de Schallt veranlaßtc Beratung der Auslandsstudentcii hatte den denkbar besten Erfolg. Die in Riga anwesenden Mitglieder im Auslände bestellender Studciitcnvcrbimlumren zionistischer Observatiz, wie des IC. J.V., der ״Hasinon.iu' -Jena, «los ״Hechawer" 11, a. schlossen sich zu einer Arbeitsgemeinschaft auf breiter Basis zusammen, zu der auch möglichst viele iildilorg.inisiertc Auslaudsstudcntcn hiuz.ugczngcu werden Bullten, und die cs sich zur Aufgabe slellic, jegliche technische und Werbearbeit für «len Keren Hajcssod und Keren Kajcmctli, sowie auch für sonstige zlonistische Zwecke, während der Ferienzeit in Riga durchführen zu hellen. Diese Arbeitsgemeinschaft, ״Awwla“ (Arbeit) genannt, ging unverzüglich an die Verwirklichung ilircs Programms. Für die Werbe- und Sammelarheit des Keren Hajcssod wurden täglich mehrere Stmlentenpaarc zur Verfiigtmg gestellt; dank dieser regen Beteiligung gelang cs in kurzer Zeit, die Zahl der Juden, die sich zur Seihst- Besteuerung zugunsten des Keren Hajcssod verpflichtet haben, um mehr als BKK) z.n vermehren; man hofft, in nächster Zukunft die Zahl auf ßf)t),׳> bringen zu können, was für Riga mit seinen BO0;K) jüdischen Einwohnern ein hübsches Resultat wäre. Auch dem Nationalfom!:! hat sich der neue Verband bereits nützlich erweisen können: seine Mitglieder 11."heu die veraltete und lückenhafte Kartothek durch ein neues vollständiges Verzeichnis aller jüdischen Einwohner Rigas ersetzt, das iuuethaUi zweier Wochen .uifgeuommcn wurde; auf Grund dieses Verzeichnisses hat kürzlich die Neujahrsaktioii ries Nation,׳ilfonds begonnen, a!1 der wiederum Sammler lind b'a-mmlefiiuicii von der ״Awixla“ in großer Anzahl beteiligt sind. Anläßlich der Eröffnung der Jerusalemer Universität wird vom Verbände für die nächste Zeit die Veranstaltung einer Uliivei'siliiiswochi■ geplant. , Um die so erfolgreich aiigebalnite Arbeit mit Ferienschluß keine Uiilerbrechiuig erleiden zu lassen, hat sieh der Verband mit den in Riga beheimateten jüdischen Studentcnorg.inisationen zwecks Schaffung eines festen Rahmens in Verbindung gesetzt, innerhalb dessen die Arbeit sich das ganze Jahr hindurch fortsetzen ließe. Darüber hinaus ist man mit hiesigen jüdischen Akademikern in Gedankenaustausch gctreten, um die Gründung einer gemeinsamen Organisation zur materiellen und moralischen Unterstützung der inasscnhalt aus Rußland fluchtenden jüdischen Studenten und sonstiger Intelligenz zu ermöglichen. Bemerkenswert ist cs, daß zu einer Zelt, wo das Nebeneinander von Keren Kajcrncth und Keren Hajcssod vielerorts In der Welt als unbequeme Konkurrenz, empfunden und em Ausweg aus dieser peinlichen Gestaltung der Dinge gesucht wird, cs der ״Awoda“ vergönnt war, als Verbindmigsbrlsckc zwischen den beiden Institutionen in Riga zu dienen. Gegenwärtig zählt der Verband 40 Mitglieder, cs kommen jedoch täglich neue hinzu. Lin Beweis mehr dafür, wie der zionistische Gedanke unter der ostjüdisclieu Jugend immer Weitere Kreise zieht, und wie cs nur eine* festen Kristallisationspiinktcs bedurfte, um die in jener sch ummernden Zionsselmsucht zur Tat reifen zu lassen und bedeutende, bisher unter die Oberfläche gebannte Kräfte und Energien zu tätiger Mitwirkung auszulöaen. Und zu den Besten, welche 111 der Erez-Iaracl-Parole sich und ihren Lebenszweck wicdcrfmdcn, gehöret» diejenigen, welche von def Assimilation herkoinmen. Mit der Inbrunst verlorener Söhne stürzen sie sich jubelnd m den lange vermißte 11 und entbehrten Strom frischen nationalen Lebens und tun es an Eifer und Hingebung den Mieden und erfahrensten Schwimmern gleich, das alte Prophclcmvort zu verwirklichen: ״Und die Verirrten Israel* werden mit Jubel zu Ihrem Urquell zurückkcltrcn.“ Harry Srage. *1«Ks!M!si1«Ä&3atn31c:n» raisssEssant; 3ar»1 imaammi Gruppe West« €hcrl0lfer,״bKr{! der B. 2.V. Gruppe SüclwcsIIk:’;e Vororte der B. Z.V. Gruppe Nordv/Cit der B. Z.V. 811 a u n # M a I dar 8y n 1» <?« ff «, V«*anenMrnt• Mittwoch den 6. Novombor,;lUuktlich 81/, Uhr •bonds Jüdische Wahlen In ganz Preußen. Referent: Di־. Sa1tc33ai■* Auaapraoha. Angoliörlgo, Freunde und Bekannte •ind beiten! «IngeUfleB, Die preußischen Lanikswalikn Die Wahlen zum preußischen Landesverband jüdischer ,,1.mncindcn sind auf den 1. Februar verschoben worden. Mit Rücksicht auf die Parlamentswalileii am 7, Dezember lassen sieh wohl Gründe für die Verschiebung finden, «her auch 1!gegen spricht vieles, Jedenfalls ist cs merkwürdig, w i c «he Verschiebung zustande kam. Darüber schreibt man uns aus «len Kreisen der ״Jüdischen Volkspartcl“! Der Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde stnml fast einmütig auf dem Standpunkte, daß eine Verlegung der Wahlen nicht in Frage kommt, 1111 Gegenteil wurde allseitig angenommen, «laß durch (las Zusammenfällen der Wnhltcnniiie eine Wahlbeteiligung erzielt werden könnte, wie sic unter anderen Umständen unwahrscheinlich wäre. Da kam in letzter Minute eine dringliche Aufforderung des ״Gentrnl-Vcreins", die Wahlen zu verschieben. Begründung! Inanspntcbnnhino weiter jüdischer Wälilcrkrclsc durch die Reichs- und Landtagswählen, Stärkung der Antisemiten durch das Bild jüdischen Rarteikanipfes, Gefährdung «Jcr Sicherheit der jüdischen Wähler wahrend des deutschen Wahlkampfes mul insbesondere nin 7. Dezember. Und def Berliner OcmciiulevorstamJ als Gerchäftsfülircr des Preußischen Landesverbandes vcrzlrlitet auf die möglichst umfassende Wahlbeteiligung, wie He der 7. Dezomher auch nach *einer eigenen Ansicht gebracht hätte. Einer nach dem anderen nus dem liberalen Lager vollzieht seinen Umfaß. Unter Abgabe der stolzen Erklärung, daß ftir den Geuieiudcvorstaud keine Parteien existieren, sondern nur das Wohl der Gesamtheit, neigt er sich chrfurchtivol! vor dem Gebot des ״Ccntral-Vercins". Daß man von den Zionisten nunmehr auch einen Burgfrieden bi» zum 7. Dezember er* wartet, sei nur nebenbei erwähnt. Es Ist wahrhaftig naiv, erst die Zionisten durch die bekannte Resolution vor der Ocffcntlichkcit In ungewöhnlicher WcDc nitzugreifen und dann von ihnen unter Berufung auf jüdische Ucsamtiiiteressoii zu verlangen, daß sie ly» Monate lang auf die Abwehr verzichten. Aber damit nicht genug. Mit Rücksicht aut den Stand der Wahlvorbereitungen würde nunmehr chic ganz kurzfrisfige Verschiebung des WaliHcrmlns das Gegebene sein, denn Interesse für Wahlen hält bekanntlich nicht monatelang an. Dem stehen aber wichtigste liberale Interessen entgegen, z. B. Rücksicht auf die hohen Feiertage (natürlich nicht die jüdischen) und die Wintersportreisen der Bourgeoisie, (nsbesondere aus der Im deutschen Judentum maßgebenden Partei der jüdischen Uninteressierten. Denn die Ftoffnung der liberalen Partei beruht nicht auf der Stärke ihres aktiven Anhangs, sondern auf der Chance, nnf den Kribken der «llen Jüdischen Interessen fern, ja feindlich Ocgcnüherstehenden, unter dem Banner der netze gegen den Zionismus, eine große Mandatszahl zu erlangen. Und der Berliner Gemeinde• Vorstand, für den c» nach «einer Erklärung keine Parteien, sondern mir Rücksicht auf jüdische Oesamtinteressen gibt, fügt sich auch In dieser Frage, trotz, de* Protestes unserer Freunde, den Bedürfnissen der liberalen Partei. Nsllonsldfiilschc Jndta and Ccnlrslvereln Zu der von der J. T. A. am 23. Okt. verbreiteten Notiz ״Die Waiden zum Preußischen Landesverband“ wird ihr seitens des Verbandes NaHonaldeutschcr luden die folgende Erklärung zur Veröffentlichung übergehen: ״Die Mcimingsvcrsclilcdenlicilcn, die zwischen uns und einer bestimmten Grupp« des jetzigen Hauptvorstandes des Ccntral-Vcreins (nicht dem Cenfral-Vcrein als solchem) bcstehen, bedingen gerade bezüglich der Wahlen zum Prcußlschon Landesverband durchaus nicht ״einen scharfen Gegensntz“, D.:r Onlral-Vcrcin hat eine Wahlparole «!!*gegeben, deren wesentlicher Inhalt «ich dahin zusanunenfnsseii läßt, daß bei «len Wahlen i n c r 81 e r LinlcderZlon Ismus im (ieiucindflcbcn 11 i c <1 c r g e k il m p f t werden muß. Wem! diese Parole wirklich dnrehgeführt wird, wie wir erwarten, besteht zwischen uns und dom Central-Vcrcin keinerlei Gegensatz (siel —- Red. d. ״j. R"), da wir ebenfalls die Bekämpfung aller jüdisclmntlonalcfi Bcstrcbungen im Gemeindclcbcn für den Kernpunkt de» gegenwärtigen Wahlkampfes halten.“ Ein (Vichtjutle über Naumainn In dem soeben erschienenen Protokoll <!c• Ilnuptausscliusscs de« Preußischen Landtags vom 3, Septem- Iier fanden wir in‘dar Debatte über den Haushalt des Freußischon Ministeriums des Innern eine interessante Rede des Abgeordneten Lsndrnt Schubert fSPD,), die «Ich auch mit der judenfrage beschäftigt Der Redner führte aus: Wenn der d e u t s c h n a t i o 11 a l c Redner dem Minister wegen seiner unzureichenden Tätigkeit In der Ostjudenfrage Vorwürfe gemacht!iahe und sielt zum Beweise für die Berechtigung dieser Vorwürfe auf einen Juden N n u - m a n 1! berufen liabe, sO sei Ihm daran besonders Interessant gewesen, daß die Dciitsclinnlionnlcn sich Jetzt ausgerechnet diesen Herrn Naumann als Eidcshelfcr heranholtcn. Er könne sich nämlich ein Urteil iibo.r diesen Herrn und seine Zeitung deshalb gestatten, weil er — ganz gegen seinen Willen — von Herrn Naumann fortgesetzt durch die Zusendung seiner Blätter belästigt werde. Aus gelegentlicher Lektüre dieser Blätter habe er den Eindruck gewonnen, daß Herr Naumann offenbar zu jener 11 ö c 11 s t unerfreulichen Sorte jüdischer Mitbürger gehöre, die glaubten, «ich dadurch, daß sic ihr eigenes Nest beschmutzten, bei den Antisemiten nnblcdcrn zu können: anscheinend hoffe Naumann, er werde, wenn er selbst sich noch antisemitischer gebärde, als die berufsmäßigen Antisemiten, dann wenigstens für seine Person und «einen Anhang den Schutz der Völkischen finden. Die widerliche und für Jeden aufrechten Deutschen und Juden ganz nncrträgliche Art diese« Auftretens habe u. a. sehr treffend der Schriftleiter der ״Vossischcn Zeitung“, Georg Bernhard, In einer Versammlung gekennzeichnet, die kurz vor der letzten Ri'iclistnpswalil hier in Berlin stattgefunden habe. Georg Bernhard’ habe damals etwa gesagt: ,,Selbst der verbohrteste Völkische könne irgendeinem Juden gegenüber nicht ein solches Maß von Verachtung nufbrlngcii, wie es jeder anständige Jude und Nichtjude gegenüber diesem Herrn Seite 610 Naumann und seinem Anhang empfinden müsse, die da glatink’M, durch I rcisj'abe eines Teiles ihrer St .ו nt nies genossen für sich Reibst einen Unterschlupf beim Gegner finden zu können.' Er, Redner, könne über diese Dinge deshalb um fio Unbefangener ui!eilen, well er selbst weder Jude noch jüdischer Abstammung sei. Ob Wohl diese« Urteil eines Nichtjuden, der mit gesundem Instinkt das Labyrinth jüdischer Gohis-Psvcholopie durch* schaut, auf Leute wie Naumann einen Eindruck machen kann? Die Beschlüsse der Exekulive der VVcilhillskoafcrenr. Die neiigrwahlte Exekutive der Wclthilfskonfcrcnz faßte u! ihrer rnn ,Sonntag, den 25. Oktober, beendeten Berliner lagting mehrere Beschlüsse, von denen erwähnt seien: r- Aktion für die Beschaffung der Geldmittel zweck* rortfulinuig des | jilUwcrk» der Weltliilfskonfcrenz, iiisbesonuere die Notlillfc für die jüdischen Kinder in der Ukraine, soll zunächst auf die europäischen Länder konzentriert werden. Jedes Mitglied der Exekutive und de» Zcntriilrats wurde ver* pll eiltet, jährlich eine gewisse Zeit, ungefähr einer» Monat, sich der Propaganda-Arbeit zu widmen. Zunächst werden Mgeiide Personen Aktionen diirdi/ulühren haben: Dr. Alfred Klee (Berlin) Und Dr. Markus Krämer (Bukowina) übernehmen die Aktion in Hol!,and und in Skandinavien. Dr. Krämer weilt bereits in Holland, wo er durch die Herren V1««cr (llnag!, Rosen borg (Amsterdam), Dr. Polalc und Vau R ה n 11 c unterstützt wird. Das nächste Ziel Ist die Aufbringung von 200־«) holländischen Onldcii für das ukrainische Kindcrhdfswerk. Ferner gehen Dr. Jocheimann und W. Latzki nach Polen, Litauen, Lettland. Herr Dr. S 1 i o in k i n reist nach Rumänien und Herr Dr. M, Hin des nach Jngo siavieii und Bulgarien. Betreffend uic Vereinigte Jüdische Volksbank wurde boschlossen, vorläufig 2ל Prozent der Gründlings,ikficn unter den jüdischen Hilfsgescllschnftcn und Genossenschaften, und zwar In folgender Weise zu verteilen: Jede Organisation erhält für je 500 Aktien zu 1 Pfund, die sie au» eigenen Mitteln erwirbt, eine Grunderaktie; für je 1000 Aktien zu l Pfund, die sie *onst unterbriiigt, ebenfalls eine Grunderaktie. Für Ocnosscn* schäften besteht das folgende Verhältnis: für je 2M) Pfund »clbst erworbene Aktien eine Grunderaktie; für je 500 Pfund verkaufte Aktien ebenfalls «ine Grunderaktie. Die Exekutive beschloß in ihrer lclzlen Sitzung eine besondere Sektion für Kindcrliilfc mit dem Sitz in Wien zu schaffen. Die Leitung der Sektion wird Frau Anita Müller inncliaben. Jn der letzten Sitzung fand auch die Konstituierung dee in Karlsbad iHuigcwälilten Exekulive statt. Herr Leo Motz« kin wurde zum Präsidenten und Herr J. Efrolkin zum GcneraUckrctir der Exekutive wledergcwählt. Am Sonntag, den 25. Oktober, nachmittags, wurde ein« gemeinsame Sitzung der Exekutive und der deutschen Mit* cliedcr de* Zentralrats abgchalten. Außer den Mitgliedern der Exekutive waren anwesend: Die Herren Dr. Ollendorf, Rudel, Sanitatsrnt Golds ch 111 Id t (Bnei Brith) und Dr, Hindc«, Es wurden die Fragen der Beteiligung der deut* «clicn Spilzcnorpaiilsationcn im zu schäftenden Wcltverband für soziale Hilfe, sowie die Sammelaktion in Dcutichlaml zugunsten der notleidenden Kinder besprochen. Es wurde beschlossen, In Deutschland eine Arbeitsgemeinschaft aus den SnitzciiorganlsafloiK'ii, wie Zentralwohlfnhrlsslcllc und Arbeit«• fürsorgcariit, zu schaffen mit der Aufgabe, die Propaganda zu führen und die deutschen Organisationen zur Mitarbeit am Werke der Jüdischen Welthilfskonferenz herinziizlchen. Auch soll eine größere Sammelaktion zugunsten der jüdlichcn Kinder in der Ukraine cingrlcitct werden. Die blutige lolernalionale Wie die .,Vossfschc Zeitung“ mitzutcilcn in der Lage Ist, erscheint in den riäclntcn Tagen In Pari« ein Buch de» bekannten Schriftstellers und Philniophen Pierre Dom in In uc unter dem Titel ״Dcux jotir* clicz Ludendorff“, welche« Aufsehen erregende« Material über die Ver* «liehe deutscher nationalistischer Kreise, *ich den franzdtsl :clicn Chauvinisten «nziibledcrn und eine blutige Internationale zu bilden, bringt. Dominique wellte wiederholt in Deutschland und pflog eingehende Unterredungen mit prominenten dcut- «dien Nationalisten. Von besonderem Interesse sind die Gcsjirfiche mit dem nationalsozialistischen Professor Sch Im* mer, den Dominique den Commis Voyageur der Völkischen nennt und dem er in verschiedenen internationalen Zentren begegnet Ist. Schimmer setzte in lange״, Gesprächen auseinander, daß ״der Jude au allem schuld sei". Die Protokolle der Weisen von Zion bezeichnet er nl» echt und verwies dabei auf die Autorität Ludendorffs und Hitlers. Auf die Frage, ob cs notwendig war, R a t h e n a u zu ermorden, erwiderte Schimmer: ״Das nenne Ich kclutfii Mord, sondern: da» Haus aiiskchrcn." Professor Schimmer entwickelte si'in Programm!'hier Zusammenarbeit der Nationalisten aller i.änder gegen die Internationalisten und Juden. Christus, sagte er. «ei ein Arier gewesen, Die itnllcnischcn Faschisten hätten Hitler mllilii rische Unterstützung versprochen. Mussolini liabe e* jedoch Im entscheidenden Augenblick des November- Putsche» nicht gewagt, die Grenze zu überschreiten. Auch Horthy und «eine Freunde halten zu den deutschen Haken* kreuziern, ebenso die russischen Monarchisten. Der engiinehc General Blakcrncy, der kürzlich unter der Bezeichnung ,,The l.eage of Britons“ eine völkische Bewegung in England In» l.ehcn gerufen hat, hat unlängst Ludendorff einen Bestich nhgestattet. Prof. Schimmer sagte weiter: ״Wir werden unser Programm in die Tat urnsctz.cn. Aber wir bedürfen dazu des Wohlwollen* gleichgesinnter englischer, französT scher, Italienischer, russischer, skandinavischer Elemente, die «Ile, genau Wie wir, die Internationale und das Judentum verabscheuen. Unsere Diktatur würde mit der äußersten Brutnllüit Vorgehen. Wir würden Euch Franzosen mit dein OcW, da» wir den Juden abgenommen haben, entschädigen.‘' Turnen und Sport Ji.tiuc'i.r Turnverein Bar-Kochba. Die Winter.nluit de« Vereins hat überall eingesetzt. Den Auftakt bildete die Generalversammlung, welche »ich besonder» mit dem Winterprogramm beschäftigte. Die Abteilungen veranstalten regelmäßig Ihre Heimabende, auf welchen jüdische‘ Themen besprochen und durcligearbcitet werden. 111 diesem Winter werden die Mitglieder des Bar-Kochba zu einem sehr großen Teil die Vorlesungen der Freien jüdischen Volkshochschule besuchen. Zwei große Makkabäcrfclcrn für die Jugend und für die Erwachsenen werden 111 der Chanukkahwoche veranstaltet. Pc von der Generalversammlung gewählte Führung des Vereins bestellt aus den Herren Julius Ulrich, Leo Wolfcrmann, Bruno Neu mann und Willy Lcwln, welchen ein Stab von zirka 60 Mitarbeitern für die einzelnen Abteilungen zur Seite steht. Der täglich wachsende Zu-!ström von neuen Mitgliedern «teilt die Vcrcinsleitung vor die schwierige Aufgabe der Beschaffung von neuen Ucbungsmöglichkclten. Der Verein bat zunächst den Betrieb einer 2. Jngend-Turn-Abtcilung eingerichtet, w'riche an jedem Dienstag und Donnerstag ln der Großen Hamburgci Str. 27, von 8-10 Uhr turnt. Eine neue MÄniicrabtclhmg Ist im Westen Berlin• ins Leben gerufen worden. Dieie Turn-

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