Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 87 (31.10.1924)
- Date
- 1924-10-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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.1 » s 1 •* < I ן! ä i i fc :1 ׳.r Seite 010 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr 87 die weiteren Konsequenzen praktischer Politik leicht er• gehen, vor allem die Beachtung der Imponderabilien des alltäglichen Lebens, die ftir die Beziehung von Völkern zueinander vielleicht noch wichtiger nind als diplomatische Kunststücke, ln den vergangenen sieben Jahren ist diese Gesinnung bei uns stärker geworden, aber sie ist noch nicht in dem Maße herrschend, daß wir heute schon von der Erfüllung dessen sprechen könnten, was wir die erste Voraussetzung des Gelingens genannt haben. Die zweite Voraussetzung ist die ökonomische. Das pationaie Heim ist eine Frage unserer ökonomischen Position im Lande. Auch diese kann uns nicht geschenkt, eie muß von uns erarbeitet werden. Die ersten Pionierleistungen sind in den sieben Jahren, oder eigentlich in den vier Jahren seit Einführung diy* Zivilvcnvaltung, vollbracht worden. Aber cs wäre ein schwerer Fehler, wollte tun 11 das Volk in der Illusion lassen, daß hier bereits mehr getan wurde als Pionierleistung. Die begeistcrtciiMcnschen, die nach dem Kriege in das Land kamen, um das nationale Heim aufzubaueii, haben die Fl res che gelegt Sie haben nicht nur durch ihre Taten bewiesen, daß das jüdische Volk hingebungsvoller Aufbaunvbeit fähig ist, sie haben auch wichtige positive Voraus- Betzungen der wirtschaftlichen Entwicklung geschaffen, auf denen heute vveitergebaut werden kann. Gegenüber vier Kritik, die oft an unserer Arbeit geübt wird, muß wohl um der Gerechtigkeit willen einmal darauf hinge- Wiesen werden, welche ungeheure positive Leistung darin liegt, daß ohne große Vorbereitung, ohne erprobtes System, ohne gesicherte Mittel aus dem Chaos eines ungezügelten nationalen Willens doch eine Ordnung ent- Blanden ist, die die weitere Entwicklung verbürgt und erleichtert. Die zionistische Idee und die geheimnisvolle Macht des palästinensischen Bodens waren die regulicrciiden Kräfte, die Richtung und Sinn in die ganze Arbeit gebracht haben, wie ein Magnetpol zerstreute Eisenspäne gerade Hehlet, Wir lernen auch liier von der Wirklichkeil, und dieser Prozeß des Lernens schreitet uuauflialtsam vorwärts. Palästina ist heute schon so weit, daß es .־uich von weniger Gläubigen, als die ersten Pioniere 1waren, als Ökonomische Realität begriffen wird. Und nun Ist die Zeit gekommen, wo in weit liölicrem Grade als bisher die ökonomischen Kräfte des ganzen Volkes dem 'Aufbau dienstbar gemacht werden sollen. Palästina hat auf Besucher und Touristen gewirkt, es wirkt weiter durch das Wort und das Bild der Propaganda. Die Er- Weiterung des Jewisli Agency und die Investment Corporation in Amerika bringen neue Kreise zur direkten aktiven Anteilnahme am Aufbau. Keren Hnjcssod und Keren Kajcmeth werden in Hinkunft noch höhere An- Sprüche an tlas Volk stellen als bisher, aber das Acquivalent wird die Geber belohnen. Darüber hinaus aber muß in zunehmendem Maße jeder Zionist danach streben, sich selbst ökonomisch mit Palästina zu verknüpfen. Die Möglichkeiten einer wirtschaftlichen BetiUigimg steigen von jalir zu Jahr, je mehr wir begreifen, daß der Effekt der Balfour-Dekiaralioti mir davon abhängt, ob wir selbst das Land ökonomisch aufbaucn und dadurch das *jüdische Heim begründen, umso stärker wird der Ansporn 211 akiiver Teilnahme sein. In dieser Richtung muß die zionistische Arbeit intensiviert werden. Die Balfour-Deklaxation hat nur dann einen Sinn gehabt, wenn unsere wirtschädliche Position im Lande in einem viel höheren Ausmaß und einem viel schnelleren Tempo vergrößert worden kann, als während der vergangenen Jahre, die zum großen Teil Jahre des Versuches und Beginnes waren. Dies ist die zweite Voraussetzung, ei 11 ׳ ■י־■JL'atmig n»1■!» •׳ וי«■ י ■ «»«•״l׳b»11»׳!i1(״ «w» Wenn diese heida! Bedingungen erfüllt werden, dann können wir mit einiger Beruhigung der weiteren Ent- Wicklung cntgegeiiseiien und dann dürfen wir mich ginnben, daß wir, die Zeitgenossen der ß.alfoiir-1 'kklaraiion, wirklich ein Geschlecht der Wende in der jüdischen ücschichte gewesen sind. Der Bericht, den die Zionistische Exekutive dem Völkerbund übergab, ist ein Rückblick und Ausblick. Es sei daher in diesem Zusammenhänge das Schlußkapitcl dieses Berichtes in wörtlicher Ucber* setyung in extenso wiedergegeben. Es heißt dort: ״Sechs Jahre sind seit ■ dem Waffeiislillntand . und etwas mehr als vier Jahre seit der Zeit verstrichen, da in Palästina di ג Militärdurch eine Zivilverwalturig ersetzt wurde. Der Bericht der Jewisli Agency bezieht sich also auf eine Periode, während welcher die Errichtung des jüdischen Nationallicims sidi in ihren Anfangsstadicn befand. Die neue Acra begann unter Bedingungen, die in vielfacher Hinsicht außerordentlich ungünstig waren. Palästina hatte sehr stark unter dem Kriege gelitten. Kaum begann sich das Land zu erholen, als es in eien grollen, die ganze Welt umfassenden wirlschafiliehcn Niedergang geriet, dessen direkte und indirekte Wirklingen bis heule noch nicht verschwunden find. Da/n kam die'’lange mid.mernde. wohl unausweichliche Verzögerung der Ratifizierung des Mandates, die geeignet war, die lieimrilhigemieii Kräfte zu stärken und das entmutigende Gefühl der Unsicherheit zu erhöhen. Die Zionistische Organisation batte ihrerseits mit eigenen Schwierigkeiten zu kämpfen. Das schwere Mißgeschick, «las die Juden Rußlands und der Ukraine hei Kriegsende betroffen hatte, und die verworrenen Zustände, in denen sich Ost- und Siideuropa befanden, verurteilten gerade die jüdischen Gemeinschaften zur Machtlosigkeit, die unter anderen Vcrliiilinisscn die festesten Stützen der Zionistischen Organi* salion gewesen wären. Als der Augenblick für die Zionistischc Organisation gekommen war, alle jüdischen Kräfte, auf die sie rechnen durfte, zu sammeln, fand sic die Hälfte der Wcltjudenlu'it in Trümmern. Cs verblieben die Vereinigten Staaten, in. denen mehr al* drei Miüiniien Juden in günstigeren Verhältnissen leben. Die amerikanische jiidenheit beeilte stell, mit iibcrstrftnicndem Eifer und mit• bemerkenswerter Freigebigkeit die ent• standenen l.iicke-11 ,iiis/ufiillcn. Aber auch hier palt cs, Schwierigkeiten zu überwinden. Es dauerte nicht lange, da winde klar, daß die Zionistische Organisation Amerikas ijn ihrer damaligen Gestalt den steigenden Aufgaben, die ihr durch den Lauf der Ereignisse plötzlich zugcfailcn waren, nicht gewachsen war, und viel Energie mußte aufgcwciidct weiden, um die notwendige Reorganisation diirciiniführcn. Mittlerweile wurde die Zionistische Organisation der Zielptinkt einer umiiifcrbroelicnen Flut böswilliger Propaganda, die sich mitunter zu einem Riesenstrom von Verunglimpfungen unsvuchs. Unheilstifter ließen kein Mittel unversucht, um die Beziehungen zwischen den Juden und ihren Mitbürgern in Paläslina zu vergiften und die zionistische Bewegung in den Augen der Welt zu diskreditieren. Immer wieder mußte die Zionistische Organisation ihre Aufmerksamkeit von der Aufbauarbeit in Palästina ablenken, um sich gegen die dunklen Verdächtigungen zu verteidigen, welche auf sic von vcrsdiicdeiien Seilen gleichzeitig in Palästina und im Europa nicdcrprasscltcn. Angesichts dieser Widerstände konnte die Zionistische Organisation mir schrittweise au die, Lösung der ohnehin verwickelten Probleme hcraiitretcn, die au! ihr lasteten. In dieser Hinsicht macht sich die Zionistische Organisation keine lilusionen. Sie ist überzeugt, daß ihre legitimen Ziele, wie sie im Mandat definiert sind, erreicht werden können; sic ist sich alier bewußt, daß die Verwirklichung dieser Ziele einen sllntähliehen und mühevollen Prozell der Anpassung und Ent- Wicklung erfordert. Die Schwierigkeiten, denen sic sich in den letzten sechs I,ihren in Palästina gegenüber gestellt sah, haben sie nicht entmutigt. Sie bähen sic im Gegenteil das Wesen ihrer Aufgabe erkennen gelehrt. Anstatt ihre Grundlagen zu erschüttern, haben diese Schwierigkeiten dazu beigetragen, daß die Grundlagen umso solider gelegt Werden. Wenn man die Periode überblickt, die dieser Bericht bchandelt, so darf die Zionistische Organisation fcststellcn, daß es zwei wesentliche Punkte gibt, bezüglich welcher heute kein Zweifel mehr bestehen kann: erstens, daß die Errichtung eines jüdischen Nationalheims in Palästina, falls .... die nötigen Opfer gebricht werden, zu einer vollendeten Ti!. Sache werden kann, und zweitens, daß. diese Opfer, m groj sic auch sein mögen, nicht das übersteigen, was das jüdische Volk leisten will und kann. Die Vorsuchwit geht ihrem Ende entgegen. Anzeichen sprechen dafür, daß Paläslina in eine Periude einer bcslämlD(.״ 1uh1 LntwicMuu^ csntntt, wrU tu* sofort 711וח Wonlc aller ilevölkcrungateile des Landes beitragen wird und das Land instand setzen wird, die wachsenden Mengen jüdischer Immigration aiif/iinelimen. Wiewohl .sich die Zionist!!,che Or* guiiisatioii darüber klar ist, daß sie schrittweise Vorgehen muß, liält sie dennoch den Augenblick liir gekommen, i!! dem das For!schreiten vernünftigerweise beschleunigt werden kann, Was sie verlangt, ist, daß ihr die Freiheit gegeben werde, in dem Ausmaße, in dem sich die Lage entwickelt und ihr Werk Früchte zu tragen beginnt, den ökonomischen Wiederaufbau Palästinas und die Errichtung des jüdischen Nationalheims mit dem Maximum der ihr zur Verfügung stehenden Hilfsquellen zu fördern. Die Zionistische Organisation ist weit davon entfernt, die Grolle ihrer Aufgabe zu!mtcrschiitr.cn, sie fühlt sich aber bestärkt durch die Erkenntnis, daß das neue Palästina bereits in den Lebenskampf tritt. Sic vertraut darauf, daß sic hei der Durchführung ihrer stolzen Aufgabe auf dem anhaltenden guten Willen der M.mdatarmaclit, der sie bei dieser Gelegen heit ihren Respekt zollt, wie auch auf die liberalen und humanen Kräfte in der ganzen Welt zahlen kann, die ihren höchsten Ausdruck im Völkerbünde gcluiidcn haben.״ R. W. PaJfl Hassels 11 Trans'orfljnln Jerusalem (J.T. A). Die Palästina-Regierung hat einen Verlrcter nach M aa ת in Transjonlanicn entsandt, um den früheren König Hussein von Hcdschas zu begrüßen. Ex- König Hussein hat die Einladung seines Sohnes, des Emirs Abdullah, seinen Dauerwohnsitz in Transjordanien zu nehmen, angenommen. Am 25. Oktober war Hussein in Maan cingctroffen. Iba Sand und die arablaclic Konföderation Jerusalem. (J. T. A.) Der Sultan von Nejd, I b n Saud, der Besieger König Husseins von Hodschas, hat die Idee seines Gegners: die Bildung eines arabischen Staatenbundes aufgenommen. Der Waliabitcnhcrrschcr will selbst an die Spitze dieses Staatenbundes treten. Zunächst beabsichtigt er, das eroberte Königreich Hcdschas und Ycmen im südlichcn Arabien (das die britische Zone bei Aden berührt) mit *einem eigenen Sultansreich, dem Nejd, zu verbinden und so die Basis liir die beabsichtigte Konförderaüon zu bilden. Sultan lbn Saud hat eine Konferenz emberufen, die in kurzem in seiner Hauptstadt Ryiad stattlindcn soll. Dort soll die Konstituierung der arabischen Konföderation zwisehen Nejd, dem Hcdschas, Ycmen und einigen kleineren Emiraten offiziell proklamiert werdet!. Ibn Sauds kürzlich erlassene Botschaft an den Mohamme• dänischen Rat in Palästina, in der er die Absicht einer Kojvförderntion *Iler arabischen Lander kundgegeben hat, veranlaßte eine lebhafte Diskussion unter den palästinen* *Ischen Arabern über die Frage der Teilnahme Palä* siinas an einer solchen Konföderation. Der Vatikan fordert Verirduag beim Völkerbund Rom (J.T.A.), Die katholischen Zeitungen betonen die Notwendigkeit einer direkten Vertretung des Vatikans beim Völkerbund zwecks Wahrnehmung der Interessen der knthoHschen Kirche, insbesondere ln Palästina. In einer kürzlich vom' Papst dem früheren Vize-Staatssekretär des Vatikans und jetzigen päpstlichen Ge* sandten in Madrid, Mgr. Todcschini, gewährten Audienz wurde die Haltung der spanischen Regierung, die schon einmal den Vorschlag einer vatikanischen Reprä- *enlaiiz l>et<n Völkerbünde gemacht hat, besprochen. Man nimmt an, daß auch die schweizerische Regierung für diesen Vorschlag ist und ihn unterstützen wird. ״Popoio d’Itnlia‘“ versichert, in vatikanischen Kreisen sei man entschlossen, die Forderung noch einer vatikanischen Vertretung im Völker* bunef nunmehr offiziell zu erheben. Die itcac Croclirdsl-Anssalie Von Dr. S. A. H o r o d e t z k y. Rabbi Nacbman Kroch mal (1785—1810) war einer der Pioniere der neuen jüdischen Wissenschaft, die er auf den Prinzipien der unvoreingenommenen *Forschung aufbautc. Er trat für die Forderung der freien Kritik auf dem Gebiete der jüdischen Geschichte und des alten Schrifttums ein. Der Einfluß, den er auf seine Zeitgenossen übte, war ungeheuer. Das einzige von ihm hintcrlassctie Werk ״More Ncbuchc ■ ha-scinan“ erlangte eine klassische Schätzung wie seinerzeit nur der ״More Ncbnchim“ v-011 Maiinniiidcs. Dieses bedeutcmlstc Werk der Natli-Meiidelsohnschen Epoche ist vor kurzem gemeinsam mit allen übrigen auf Krochmnt bcziigüdieit .Dokumenten neu in einer sorgfältigen Ausgabe im hebräischen ׳Verlag ״Ajanoth“ erschienen,*) Herr $. R a w i U <1 w i c z , der Redakteur von Nacbman Krochmals Werken entledigte sich seiner Aufgabe äußerst gewissenhaft. Er verglich die älteren drei Ausgaben des ״More Ncbuche ha-seman“, deren Text lücketi- und fehlerhaft ist, miteinander und prüfte genau jedes einzelne Wort des Krochmalscheu Textes, um seine richtige, historische Gestalt herauszuarbeiten. Zur Erreichung dieses Zieles hat Herr S. Rjwi* dowicz das Werk mit fast dreitausend Anmerkungen, Erläuterungen und Quellennachweisen versehen. Er begnügte sich nicnt lediglich mit der Veröffentlichung des Buches ״More Ncbuche ha-seman“, sondern er sammelte alte in Zeitschriften verstreute Aufsätze, sowie sämtliche Uebarlieferungen, die von Freunden und Schülern Krochmals stammen. . Zur Vervollständigung der Ausgabe beschaffte er die Wichtigen, wenig bekannten Briefe, von denen einer zum erstenmalc veröffentlicht wird. Am Schlüsse der Ausgabe finden wir einige mit Krochmal im Zusammenhang stehende Illustrationen und Faksimile: Die Synagoge in Brody, wo Krochmal it! seinen jungen Jahren Talmud studierte, krochn!3!s Haus in Zolkkw, sein Grab in Tarnopol, Toten Verzeichnis der Synagoge in Brody. Außerdem ei» Pachtvertrag Krochmals und sein Autogramm. ■!•״!imnuj. ׳) ,.Nacbman Krochmals Werke“. Erste vollständige Aus- ׳nbc, durchgesehener Text nebst einer Einleitung. Aitmer- :ungen und Register von $. Rawidowicz. Mit einen Autogramm und 4 Bildern. Hebr. Verlag ״A j an 0 t fj“ Berlin- Cliarlottenbürg. ß Das vorliegende Buch beginnt mit einer ttmfnssendcn Einleitung (220 Seilen) von S. Rn w Ido w ic z, die für sich betrachtet, ein bedeutendes, wissenschaftliches Werk Ist. ln dieser Einleitung sammelte S. Rawidowicz einen ungeheuren Stoff bezüglich der Biographie Krochmal«, seines Systems und seines Werkes, Manches Alte lebte hier wieder auf, aber vieles ist vollkommen neu.' S. Rawidowicz. ließ nichts, weder großes noch kleines, was direkt oder indirekt mit Krochmal ziiKaninumhiiiigt, unbeachtet. All dies wurde von ihm in ein neues Licht gerückt. Aus besonderem Interesse fiir Kroch* mal vertiefte er sich auch in seine Sprache und In seinen Stil, die von Gr IU und Weiß nicht recht gewürdigt wurden. So gelang es ihm, die ״verschiedenen Schichten des Kroch• maischen Stils‘״ licraiisztmrbeiicn und zur Geltung zu bringen. Diese philologische Untersuchung endet mit einem Tcrmlnolog io* Verzeichnis, das über!;eine SprnchgowolinhcJtcn, sowie über seine sprachlichen Ncuschöphiiigen reichlich Aufschluß bietet. Die Einleitung von S. Rawidowicz zerfällt in vier Kapitel. Das erste Kapitcl ist die Biographie Krochmals, S. Rawidowicz beginnt mit den ersten Daten des Krochmalsehen Lebens und führt uns Schritt für Schritt durch das Schaffen und Werden des großen Denkers. Kroclunal genoß eine zeitgemäße Erziehung, die schon etwas von der ״Haskala“ verriet. Bis zu seinem 15. Lebensjahr lebte er in Brody, dann heiratete er und zog nach Zolldew. Damit beginnt die zweite Epoche in Krochmals Leben, die Epoche der inneren Reife. Maimonidcs, ibn-Esra, Spinoza, Kant, Lessing, die Stifter der historischen Schule des 18. Jahrhunderts und andere waren seine Lehrer und Vorbilder, Oie zehn Lehrjahre der zweiten Epoche seines Lebens haben den an sich schwächlichen Krochmal körperlich ganz geschwächt. Der Ausbruch einer lebensgefährlichen Krankheit bildete den Abschluß der zweiten Epoche seines Lebens. In der dritten Epoche bildet sich besonders der Historiker aus, da er sich den philosopbischen Problemen infolge eines ärztlichen Verbotes nicht widmen durfte, Jetzt erst wird Krochmal zum Erzieher und Meister der sich tim ihn scharenden gallzischen Jugend. Außerdem wendet sieh Krochmal dem gesellschaftlichen Leben zu und übernimmt den Vorsitz in seiner Gemeinde, eine äußerst wichtige, bisher unbekannte Tatsache, Er, der di« Extreme vereinen wollte, mußte eine gehässige Verleumdung erleiden wegen seiner freiiiidiichcu Beziehungen w der benachbarten karaitischcu Gemeinde. Von der Pachtbcschcinlgung, die S. Rawidowicz, zum ersten Male veröffentlicht bat, erfahren wir, daß Krochmal auch Zinspächtcr war. Dieser und ähnliche Berichte zwingen unj, unsere traditionelle Ucbcrzcugniig über den ״stillen, zurückgezogenen Krochmal*‘ zu revidieren. Wir können aber leider an dieser Steife nicht näher auf die ausführliche Biographie cingchcn. Zu jener Zeit, wo Krochmal schon Schule machte und seine Schüler bereits gewichtige Werke verfaßten, scheute der große Lehrer die ()Öffentlichkeit noch immer. Lernen war ihm Wichtiger als Lehren. Auch hatte er Zweifel über den Erfolg seines, von seiner ganzen Generation ersehnten, Werkes. Die letzten zehn Jahre seines Lebens waren von Mißgeschick getrübt. Er verlor seine ihn unterstützenden Schwieger* eitern, seine Lebensgefährtin und sein Besitztum. So sehen wir den alternden Krochmal sich um eine Lclircrslciic in Brody bewerben, An Einfluß hat er trotzdem nicht verloren. Der Erzieher seiner Generation wollte aber keineswegs Rabbiner werden, sogar nicht in der Berliner jüdischen Gemeinde! In den letzten Tagen seines Lebens arbeitete er fleißig an der Fertigstellung seine* Werkes ״More Ncbuche ha-aeman“. lin Alter von 55 Jahren starb er in Tarnopol. S, Rawidowicz begnügte sich nicht mit der Biographie allein, sondern gibt auch einen psychologischen Essay. Er bemüht sich, den Grnndtypus des jüdischen Menschen zur Zeit KrochmaLs im allgemeinen und des Forschers im bcsonderen zu skizzieren. Er weist Insbesondere auf die Bcdcutung Krochmals hin, der sich nicht zu einem ״Ardnologen1“ herabgewürdigt hat, da er 1m! die große Synthese rang. Während seine Genossen Einzelnes, Kleinliches ziun Objekt ihres Forschens machten, rang er uir! die Erfassung des Ganzen des jüdischen Seins. Nur dadurch gelang es ihm, in einer wirrnisreichen Zeit Führer eines schwankenden Schilfes zt! weiden. Das zweite Kapitel der Einleitung behandelt das Ge* sch jch tsSystem Krochmals, seine Methodologie, seine Kritik der Bibel, der Halacha und der Agada und insbesondere Krochmals Kampf mit der überlieferten Tradition. S. Rawidowicz weist auf die Bemühungen Kroch* mnls. für sich eine neue Methode des Denkens und Forschen» zu schaffen, hin. Kroclunal kam es hauptsächlich darauf an, wie S. Rawidowicz bcwcjrt, ״Zeit und Raum in das jüdische Denken cinzubürgerii“, die zwei Elemente, die vorher nicht genügend berücksichtigt worden sind. Der Wert de* Hiito- A 1! v* li c d 11 e fi :1 \» f< li S d a A U r d z K d P n d e u )' J a u P E e C E F b v II b a a l e r * « 1 D ז t \