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Jüdische Rundschau · 1924-10-17 · Heft 82-83 (17.10.1924) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 82-83 (17.10.1924)
Date
1924-10-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 82/83 גי• I der der niclit l lief!etc 11 tlili'11 dem menmit izten iidc• men, die ierte Die b 51 ׳eil die sehe ja* alein!ren, irde, der ehe« den und alle ioagc> ssen hrcr ente. TUFmscmr fftwtfscTnar Seife 501 EO ^ךייך ךיך ץיי־־^י tf niiiff'ü U 1» 111Tlr MT 1 1■ י■ ־T yf » *7 idft A< TI rr,\! ir JS«*• *.״JW 8L*־-״W ■Äfc* 4fcjM 7*s #׳4 » ..... י׳ו cvrni ודדן r?^ «J*4*״*» •-*...i» ■Lm*» < 1111kw»*D> i ■1 Cruadsteialcflunfi Uir die Mädchcalarm in Nahalal Von Helene 11 a 1111 a Cohn, Jerusalem. Anfang Oktober wird der Orundstciii zu dem InstitutsprhaiKlc der Mädchenfarm iti Nnl1ni.11 gelegt. Zu Pcßach joll der Hau fcrliggostellt sein, und in den darauffolgenden ,Monaten beginnt der reguläre Uidcrrieht. Damit wird ein Ziel erreicht sein, für *Ins seit einem Jahrzehnt und länger ci1H׳ palisJiionsii.clie ITau alle ihre Kräfte eingesetzt und für das mit ihr zusammen eine Reihe zionistischer Männer und prallen zusammen gekämpt haben. Pie Erkenntnis, daß die palästinensische Kolonisation nur gedeihen kann, wenn den iandwirlselinftlich ausgebikieten Man• nrrn gründlich durchgcbildctc Frauen zur Seite stehen, ist fast so alt wie — die ersten Mißerfolge in unserer l<Vl1111:sali׳on, 111 der Erkenntnis, daß die Ausbildung von Kolonisten nur im Lande seihst richtig erfolgen könne, halte bereits int Jahre I')()1) die damals nach sehr jugendliche Chan a Mai sei das Palästina-Amt für die Einrichtung einer Mäddteiifarm zu erwärmen gestrebt. Nach vieler Mühe erhielt sie in Kluereth ein mäßiges Grundstück mit einem aralv'sclten Hause angewiesen. Der ״Verband jüdischer Frauen fiir Kulturarbeit In Palästina“ lieferte ihr Anssta timg und Mittel, und mit 10bis 12Mädchen croffncte sie einen kleinen l.chrbctrieb. Boden, Haus, Werkzeuge und Mittel waren aber keineswegs au '■reichend, um di: Farm zu einem wirklichen l.chrinstitut nus/ugcstalteii. Leiterin und Schülerinnen litten unter Krankhriten und Schwierigkeiten, die sic — in Erwartung wirksamerer Hilfe — tapfer ertrugen, bis der Krieg endlich diesem, wie so manchem anderen Unternehmen seine letzten Stützen entzog. Inzwischen aber hatte sich der Gedanke eines derartigen Institutes und der Glaube an die ßcrufciihcit seiner Leiterin bei führenden zionistischen Persönlichkeiten und in weiteren Kreisen durchgesetzt, und schon im Jahre 1017 schrieb der Leiter des Palästina-Amtes einen Brief an die Leitung des Keren Knjcmelli, in dem er diese um Bereitstellung eines Budgets für eine richtige Mädcheit-Lelirfarm zirm geeigneten Zeitpunkt ersuchte. l'rau Chau'a Maisöl ging einstweilen ins Ausland, um sich noch größere Spezialkemitiiisse zu erwerben. Aber Jahre gingen noch hin bevor der Plan seiner Erfüllung nnhek.un. Wenn man auch au den leitenden Stellen den Gedanken eines derartigen Institutes durchaus billigte, so konnte man sich doch nicht entschließen, die nötigen Mittel datiir zu reservieren. Inzwischen kam die große dritte Alijali nach dem Kriege, und empfindlicher als je zuvor machte sich in den Kwuzoth und Kolonien die mangelnde Ausbildung der Frauen bemerkbar. Infolge ihrer Unkenntnis der Arbeit spiel• teil in vielen Siedlungen die Frauen mehr die Rolle eines notwendigen Hebels als diejenige einer wirksamen Hille. Einet׳ neuen Antrieb erhielt der Lelirfarnigedanke erst als sich — 1020 ln London — die zionistischen Frauen vcrschicclener Länder zur ״Weltorgnir'sation zionistischer Frauen“ ziisamtncnschlosscn. Der Schaffung dieser Organisation lag ein doppelter Gedanke zu Grunde: sic sollte die nach brachliegenden Frauenkräfte wirksam machen und sie sollte diese Kräfte auf die Ausführung besonderer, dem Wolilc von Frauen dienender Aufgaben in Palästina lenken. Vom Tage der Gründung ab wurde als wich igstcr Punkt die Errichtung einer Mädchcn-Lchrfarui in das Programm der Organisation auf• genommen. Dazu gehörten natürlich erhebliche Mittel, welche der Organisation niclit sofort zur Verfügung standen, sodaß sie sich anfangs weniger kostspieligen Plänen zuwenden mußte. Abgesehen von den b:id!1 SiiugHiigsstationcn in Tcl-Awhv, fiir die eine Neuseeländer Frauengnippc einen speziellen Fonds geschaffen * hatte, wurde zuerst von der W. J.Z.O, das Mädehenheim in Jaffa eingerichtet, in dem ca. 25 Sehiilc• rinnen, im Verein mit ihrer Arbeit in der Arbciterküche, alle Zweige der Itiius- und Oarlcnwirtschaft erlernen. Die Einriclitimg dieses Heimes und seines Gemüse- und Blumen* gartens übernahm Ghana Maiscl-Schocliat mit der Bedingung, daß die W, J, Z. O. ihr demnächst die Mittel zur Einrichtung einer Mädchcn-Lchrfarm gewähren sollte. Pcßach 1023 ergab sich die Möglichkeit, mit den Vorbereitungen m einem solchen Institut zu beginnen. Im Einek Jcsrcel, 1 Stunde von Haifa entfernt, war der Moschaw Owdim N a h a 1 a I entstanden. Vor 1 < '״. Jahren stellte nitri der Keren Kajemeth in Nahalal 300 Duiiam Boden zur Verfügung, tun eine Mädchcn-Lchrfarm darauf zu errichten. Alsbald begann Frau Schochat die Vorbereitung des Bodens mit einigen arbeitslosen Mädchen, die ihr vom ArhcilsdepartcinciH zugewiesen wurden. Die Leitung der Zionistischen Organisation stellte Mittel zur Verfügung, aber schwerlich hülfe sie das notwendige Budget berei!stellen könneu, wenn nicht die Frauen die Sache der Mädchcn-Lchrfarm zu ilircr eigenen gemacht hätten. Die W. J. Z. O. begann alsbald eine großzügige Propaganda in verschiedenen Landern, der Kulturvcrhand half mit Beschaffung von Einrichtungsgegenständen und sonstigen Mi Kein. Bo konnten allmählich fast alle vorgesehenen Zweige der Wirtschaft atifgciioinnicii worden. I linier der Entwicklung der Wirtschaft mußte freilieh vorerst die Fürsorge für die arbeitenden Mädchen zurückstehen: diese wohnten zuerst in Zelten; dann als der Winterregen cinsctzte, wurden sie in den inzwischen erbauten Küken- Ställen untergebracht, und als die Küken aiissclilüpftcn, wan- *Icrten die Mädchen in die Ställe für die erwachsenen Hühner, wo s:c noch heute — eng zusaniinciigedrängt und von der Hi'zc leidend — wc 1111:11, während es inzwischen der stattlieh nngcwachscncn Hühnerschar in ihrer Behausung schon zu eng geworden ist. Bei diesen schwierigen Verhältn ssen schien cs dringend geboten, den Mädchen endlich eine richtige Unterkunft zu gewähren. Auch mußten endlich Vorrats- und Arbcilsrämnc geschaffen werden. Dieses Ziel konnte nur im Laufe des Winters erreicht werden — dank einer 4 700 Dollar-Sncndc der von Dr. Sdimnrjahu Lewin hierzu bewogenen kanadischen Frauen und einer weiteren, anonymen Spende von 2000 C. Der Plan zu dem Gebäude paßt sich dem gesamten Stil von Nahalal an und hat den Vorzug, seine endgültige Gestaltung einer Frau — der Architektin Lotte Cohn — zu verdanken. Wenn man heute nach Nahalal kommt, so findet man dort schon alle Ansätze zu einer systematischen landwirtschaftliehen Fraucnausbildung: 1500 Küken sind bereits in den vorhandenen Brntmaschinen ausgebrütet worden; sie sind fast alle verkauft worden, mit Ausnahme von 300, die zu Zuchtzwccken zurückbchalten wurden. In dem bereits zur Hälfte gebauten Kuh stall stehen jetzt drei milchende Külte und acht Kälber —• lauter schöne Beyruter Tiere, dfc mit einem holländischen Stier gepaart werden, Die Verlustliste des Kuhstallcs ist ein Beitrag zur Geschichte der Schwierigkeiten, mit denen die noch Im Expcrlmcntalziistaml befindliche palästinensische Kolonisation zu kämpfen hat. Die Milch wird zum größten Teile in Haifa verkauft, doch sind auch schon Versuche mit Butter- und Kiiseborcitimg gemacht worden. Dem Plan der Schule zufolge soll der Viehbestand allmählich bis m*f 25 Milchkühe erhöht werden. Fiir den Ackerbau wurden im letzten Winter über 200 Duiiam mit verschiedenen Getrcidcarlcn nngchant u ׳d Versuche mit Diu1g1mgsn1eth*xl011 gemacht, .die auch in den künftigen Jahren fortgesetzt werden sollen, 11111 die richtige Methode zu finden, Im künftigen Winter sollen alle Felder schon bestellt und der Kampf mit dem Unkraut aufgenoiumen werden. Ein erfreulicher Anfang ist in der B a 11 m s c 11 u 1 e gemacht worden, liier wurden im Laufe der Zeit Frucht- und Zierbäume angelegt. Auch etwas Wein wurde angcpflauzt. An sicli sind alle Wirtschaftszweige so weit entwickelt, daß der reguläre Schulbctrieb sofort beginnen könnte. Da aber die notwendigen Bauten noch fehlen, so muß die Sclmleröffiumg verschoben werden bis das erste Wohnhaus, die zweite Hälfte des Kuhstalles, die Futternufbewalmingsräume und einige kleinere Wirtschaftsgebäude fertig sind. Während des Baues geht der jetzige Betrieb mit den Lehrlingen weiter, und die ersten 30 regulären Schülerinnen (die Schule soll später für 60 Mädchen berechnet sein) sollen zu Roschhaschannh 1925 mitgenommen werden, Eine der größten Schwierigkeiten wird die Auswahl der gründlich thircligoliMlcfcn, Hebräisch sprechenden Landwirtschuftslclirorinueu sein, die Frau Maisel-Sehochnt zur Seite stehen sollen. So ist die Verwirklichung eines alten Traumes fast erreicht — niclit zum wenigsten dank der •unerschütterlich für ihr Ideal kämpfenden Ghana Maiscl-Scliochat. Von der Opfer* Willigkeit der Frauen wird cs nbh.ingen, oh dieses groß angelegte Institut, das von so ii.ivergleicliticher Bedeutung fiir die palästinensische Kolonisation werden kann, sich dauernd erhalten läßt. Mit der Forderung dieses Projektes beginnt die W, J.Z.O, ihre Kiilluraufgahc bi Palästina zu erfüllen. Schon harren ihrer große, neue Aufgaben: die Arbciterinnen-Organlsation erwartet von ihr die Stützung der in den letzten zwei Jahren eingerichteten Frauen-Kwuzotli. Eine Ausdehnung der haus• wirtschaftlichen Lehrtätigkeit, im Anschluß an das Jaffacr Miidrhenheim erscheint möglich. Wenn die Frauen aller Länder mithelfcn, so wird es in absehbarer Zeit möglich sein, den heute leider noch so häufigen Typs der arbeitslosen Einwamlerin oder der unter ihrer Unkennirb und Untüchtigkeit Leidend :11 in Palästina ganz zu beseitigen, Kvvnzolh Po,310111 Von Moses B c i I i 11 s 0 וו (Tcl-Awhv). Als zur Zeit der zweiten Alija, vor etwa 15—18 Jahren, zusammen mit den Arbeitern auch die ersten jüdischen Arbeiterinnen erschienen, tauchte auch sofort die spezifische palästinensische Fratienfrnge auf, die zuerst und hauptsächlich nicht die Frage der politischen oder sozialen Gleichstellung, sondern die Frage der weiblichen Arbeit war und blieb. Wenn, vor der Gründung von Arbeiter• ׳;rmcmschaflen, auch die Lage de» Arbeiter» genltgeml schwer war, so gestaltete sich das Schicksal der jüdischen Frau doppelt und drcifacii hurt. Der gewöhnliche Weg des Arbeiters war die Lohnarbeit bei Kolonisten und cs Ist zur Genüge bekannt, wie dornig dieser Weg anfangs war; aber auch ihn fand die Frau zuerst gesperrt: wenn der Kolonist sich zur jüdischen Arbeit im allgemeinen eher ablehnend verhielt, so kann man sich leicht vorstcllcn, wie fremd er der ungewöhnlichen Erscheinung einer sich für landwirtschaftliche Arbeiten mibictcnden jüdischen Frnn gegenühmtnnd. Die Folge davon war, daß die Einwamlerin meist arbeitslos dastand und nachdem der große Schritt des Siebiosrcißciis vom Hause getan war, ihre Energie und Leidenschaft keine Verwendung fand. Das höchste, was sic noch erreichen konnte, war die interne Arbeit in den Arbeitergruppen, d. 11. Kochen, Nähen, Wäschewaschen. Als rach die ersten landwirtschaftlichen Arbeitergenossenschaften bildeten, fand die Frau prinzipiell Zutritt, aber auch hier ergaben sieh bald gewisse Reihungen; «leim auch dein Arheiter war der Gedanke der vollen beruflichen Gleichstellung der Frau, und vielleicht nicht mit Unrecht, niclit Immer geläufig und annehmbar, und die Tendenz, machte sich hemerkbar, die Frau zu den altgewohnten Fraucnnrbcitsgcbieten, d. h. wieder vor allem zur Küche, zurückzustoßen. Das jüdische Mädchen kam nach Ercz-Israel, haiiptsächlieh um *lern Aufhau des Landes zu dienen, aber auch durch Motive der persönlichen Befreiung getrieben. Derselbe psychologische Prozeß, der den Arbeiter mit der Lohnarbeit bei Kolonisten sich nicht ztifricdciistcllen ließ, sondern Ihn dazu vcranlaßtc, neue Formen des sozialen Lebens zu schaffen, ließ mich die Frau gleichzeitig mit dem nationalen Aufbau im neuen l.nndc auch neue Formen ihres Lebens als Frau suchen. Beide — Jungen und Mädchen — legten zuviel Inhalt in den P.ilärdinatraiim, um so ohne weiteres hier die alten Lebensformen zu akzeptieren. Daher die tiefe E111tiiuschnng der Frau, als sic sich auf die Küche, als ihr hauptsächlichstes Arbeitsfeld, angewiesen sah. Mit der Zeit, als der Fraucnstrom größer wurde, fanden die Mädchen auch außerhalb der Küche und Näharbeit Ver- Wendung und wurden allmählich fast zu allen Arbeiten in den Arbeitsgemeinschaften zugezogen. Es verstrich aber nicht viel Zeit, als sich gewisse Schattenseiten solch extremer Arbeitsglcichstcllung zeigten. Zuerst natürlich rein körperlieber Art: der schweren physischen Arbeit, zumal unter den palästinensischen Verhältnissen, ist das jüdische Mädchen noch weniger gewachsen als der jüdische Junge, und wenn auch vor: diesem das Gespenst vorzeitigen Alterns und der Invaliditat steht, so trifft dies auf die Frau noch mehr zu; dazu kommt noch, daß diese schwere körperliche Arbeit die Fähigkeit zur Mutterschaft stark gefährdet. Wenn Palästina fu gewissem Sinne als Arbeitsschule des jüdischen Volkes überliaupt betrachtet werden kann, so gilt es für die I ran, di« für landwirtschaftliche Arbeiten weit weniger als der Manul vorbereitet ist, in noch viel höherem Grade; dieser Schule bringt die erste Generation große Opfer und Entbehrungen dar; es ist natürlich, *laß die minder vorbereiteten Eiemente einen höheren Preis bezahlen. Es stellte sich ferner heraus, daß auch psychisch die Trau, mit ihrer noch weniger ״proletarischen“ Herkunft als der Mann, nicht immer (ü.r den gemeinschaftlichen Aufbau und das neue soziale Lehen genügend vorbereitet ist; auch die gefährdete Mutterschaft Ist nicht rein physiologischer Art, und mit der Zeit wurde es fraglich, ob nicht mit der Arbcitsglcichstelhmg auch die spezifischen sozialen Frauenfunktionen, diejenigen der Frau und der Mutter, stark beeinträchtigt werden. Die erschwerenden spezifischen Arbeitsvcrhältnissc der jüdischen Frau in Palästina könnte man somit ungefähr folgendermaßen zusammenfassen; 1. die Unmöglichkeit fiir die Frau, Arbeit außerhalb der Arbcitcrgemciuschaftcn 7u finden; 2. ein gewisses Mißtrauen, ob die Frau als vollwertige Arbeitskraft gelten darf, mich in Arbeiterkreisen, und die daraus folgende Beschränkung der Frauenarbeit auf Ge• biete, die den Drang der Frau nach voller landwirlscliaftlieber Auswirkung ilircr Kräfte nicht befriedigen können; 3. der spezifische Mangel an Vorbereitung der jüdischen Frau zur landwirtschaftlichen Arbeit und teilweise auch zum gemeinschaftlichen sozialen Leben — mit den entsprechen• den Folgen physiologischer und psychischer Art. Aus der damit gegebenen Lage ist der Gedanke den speziellen ״A r b c i t c r i n n c n - K w u z o t h“ entstanden, die dadurch Besserung bringen sollten, daß sie der Frau spezifisehe Arbeitsgebiete, .aber nicht gerade nur Küchen- und Näharbeit allein erschließen sollten. Das Problem darf nicht als nebensächlich abgetan werden: im engsten Zusammenhange mit dem Platze, den die Frau im palästinensischen Leben cinnchmcn wird, steht die Entwicklung der Einzel- und der Kollektivwirtschaft sowie des Familienlebens. Als erste Kwuza wurde auf die Initiative der Arbeiterinnen selbst die sogenannte ״Kwuza der zwanzig“ in Kincrcth, 1015, gegründet; ihr folgten Kwuzoth in Mcrchnwja, Tiberia, Ekron und Kama. Obwohl im großen und ganzen die Kwuzoth einen Grad des wirtschaftlichen Gelingens erreicht haben, der niclit niedriger als in allgemeinen Siedlungen war, litten sic — wie übrigens auch der Rest der Siedlungen — an den Unbestimmtheiten des palästinensischen Marktes und an den Zufälligkeiten des Krieges. Nach dem Kriege kam der Jiidisclic Nationalfonds, der damals außer für den Kauf und die Amclioricrung des Bodens auch für alle kolonisatorischen Bedürfnisse nufzukommen hatte, dem neuen Gedanken seu Hilfe und auf seinem Grundbesitz ist eine Reihe der Mädchen- Kwuzoth entstanden, so nächst Petacli Tikwah in Nachlath Jclmdn, Sch’cimnath Borochow (in der Nähe von Tcl-Awiw), Jerusalem, Nahalal und Kfar Tabor. Jede dieser Siedlungen umfaßt 15—20 Arbeiterinnen und wird von einer erfahrenem Arbeiterin, mit zeitweiliger Hilfe von Instruktoren, geleitet Die Kwuzoth sind als ständige Institutionen gedacht, das Mcnschcnmatcrial ist aber fließend, da cs sich um keine ständige Ansicdhmg handelt. Die Frauen verpflichten sich, eine gewisse Zeit — gewöhnlich 2—3 Jahre — in den Kwuzoth zu bleiben,, um dann den Neuankommenden Platz zu machen. Die ganze Arbeit innerhalb der Kwuza wird von Frauen allein geführt; die Arbeitszweige, die hier gepflegt werden, sind aber vornehmlich solcher Art, die eiert physische» Kraft und dem ganzen Wesen »1er Frau mehr entsprechen. Es wird vor allem Milchwirtschaft, lllilmcrztuht» Bienen/udi!, Gemüse• und Hlumcngärtncrei, Bnimipftanzungcn, Stallarbeit betrieben. Der Gedanke besteht eben darin, eine gewisse wirtschaftliche Arbeitsteilung hcrbclztiführen und der Frau die für sic geeigneten Oebiete anziiwciscn, so da(S sic am Wirtschaftsleben tcilneluncn kann, ohne sich physisch oder seelisch aufreiben zu müssen. Die Notwendigkeit, die Wirtschaft mit voller Selbständigkeit u!1׳J mit eigener Verantwortung zu führen, gibt der Frau ständig Gelegenheit, den ganzen internen Wirtschattsmcehanismus mit Einualunen und Ausgaben, mit Rechnen mul Sparen, kennen zu lernen. Auch der Umstand, daß junge Mädchen, soeben aus dem Elternhausc, nicht sofort 111 das breite Leben zu treten brauchen, sondern die Möglichkeit haben, in die neuen nicht nur wirtschaftlichen, sondern auch sozialen und menschlichen. Verhältnisse sich langsam chmilcben und In ihnen allmählich heimisch zu werden, ist sicher begrüßenswert. Die ״Kwuzotlil Po.ilofh“ haben somit die Aussicht, nicht mir einfache Lehrfarmen, sondern auch wirkliche Lchcnssclmlcn fiir das jüdisclic Mädchen zu werden, und man kann diese Aufgabe, wenn man das junge Alter und die Lehens- und Arbeitsuncrfslircnhcit der meisten unserer Einwatiderinnen in Re- (rächt zieht, nicht hoch genug schätzen. Die Frauen, die ihre Erziehung In den Kwuzoth Poalolh vollbracht haben, haben selbstverständlich freie Wahl vor sich und sind ebenso für die kollektive wie für private Wirtschaft, für Arbeiterinnenberuf wie für Hniisfrnucntätigkcit, geschult. Den Hintergrund dieser Kwuzoth bilden, wie überall in Arbeitersiedlungen, schwere Arbeit, kaum genügende Nahrung, der ewige Kampf mit Widerwärtigkeiten der Natur und mit äußerstem Geldinangel. Oh die Aufgabe wirklich erfüllt wird oder ob der Or« ganisation gewisse Mängel anhaften, darüber ein abschließend des Urteil zu fällen, wäre noch verfrüht, da die Arbeit in ihrem neuen Stadium erst vor einigen Jahren ,™.gefangen wurde und die Frauen aus den ״Kwuzoth-Poaloth“ mir wenig Gelegenheit hatten, sich mit dein Leben zu messen. Es ist aber unzweifelhaft, daß der Gedanke und die Tendenzen dieser Kwuzoth in den dringenden Notwendigkeiten der palästinensischen Arbeit begründet sind, I

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