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Jüdische Rundschau · 1924-10-17 · Heft 82-83 (17.10.1924) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 82-83 (17.10.1924)
Date
1924-10-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 590 TU ED ISCHE RUNDSCHAU Nr. 82 83 Sprnchbewcgung führen. Trotzdem sind sie, wie ans Presseäußenmgen I1erv»1rgel1t, dem Gedanken einer geschlossenen jüdischen l־׳ront gegenüber der Regierung nicht unzugänglich. Damm kann man in eiern ablehnenden Beschlüsse der Tarlmlhkonferenz keine endgültige Entscheidung in der!־'rase des Zusammengehens zwischen 1 Icbraiiicn und Jiddisehisicn er- Micken. |)ie liarle Notwendigkeit, ausreichende Mittel für di« Erhaltung des jüdischnationalen Selm!Werkes in Polen m beschaffen, wird irot/der!:!׳־isotle des Tiirliuih-Beschlusses eine Vereinigung beider ln: > r hcibciiühren. Ob dadurch auch ehe Sicherheit gewonm״׳ wird, daß die polnische Regierung dann ihre Pflicht gegenüber der jüdischen Minderheit erfüllt, ist allerdings fraglich, Ussischkins großzügige Aktion für den Jüdischen Nationalfonds in Polen nimmt einen erfreulichen Fortgang. Seine Besuche in Lodz, und Wilna nach der großen Nit ioiinlfomlskonfercnz in Warschau ״liehen Triimipf/tigen. Die JudcnheiS Polens begreift in hohem Maße die Bedeutung der vom Nationalfonds ausgegebenen Parole, den Landbesitz im nächsten Jahre zn verdoppeln, und ist gewillt, das ihr auferlegte Kontingent aiifznbringcn. Ussisclikln wird noch einige größere Städte, darunter Krakau und Lemberg, besuchen und damit seine Aktion in Polen zum Abschlüsse bringen. * Der Prozeß Steiger soll dcmnäclnt vor einem Schwurgericht in Lemberg wiederholt werden. Die Öffentlichkeit nimmt nach wie vor an dieser Altäre das allergrößte Interesse, da die polnische Presse unentwegt die Angelegenheit als Anlaß einer antijüdischen Agitation benützt. Diese antisemitische Netze fand in der letzten Woche besondere Nahrung in dein Umstande, daß die Hauptbelastiiiigszcugin im Prozesse, eine gewisse Pasternak, eine getaufte Jüdin, in Lemberg überfallen und geschlagen wurde. Cs steht zwar dahin, ob dieses ״Attentat“ nicht eine rein private, aus dein Milieu, in dem die Pasternak verkehrt, erklärliche Sache ist — Fräulein Pasternak zählt zur Halbwelt —, die polnischen Zeitungen behaupten jedoch, daß die Juden die Bclnstungszcugin aus dem Wege räumen wollen. Der jüdischen Octfcntlichkcit ist dieser Vorfall höchst unwillkommen, da es für jeden Vollsinuigcn klar ist, daß Steiger unschuldig angeklagt ist und bei regelrechtem Verfahren zweifellos freigesprochen werden wird. km der jüdischen Welt Crez -loracl Rabindranatti Tagore kommt nicht nach Palästina. Rabiiuiranath Tagore, der am 7. Oktober als Gast Herbert Samuels in Jerusalem eintreffen und au der hebräischen Universität Vorlesungen halten sollte, hat eine Mitteilung gesandt, daß er nach Palästina nicht kommen könne, da sehr dringende Angelegenheiten ihn zwingen, sich ungesäumt nach Europa zu begeben. Die Palästina-Regierung und Transjordanien. Laut einer am 26. September veröffentlichten offiziellen Mitteilung übernimmt das palästinensische Departement für Altertümcrscliutz die Überwachung des gesamten AUertümcnvescns in Trans- Jordanien. Die palästinensisch-arabische Presse weist in diesem Zusammenhang auf den Bericht der palästinensischen Regierung hin, wonach Kolonei Cox, der britische politische fleamie in Transjordanicn, von jetzt ab das transjordamsdie Finanzwesen zu überwachen hat, und gibt der Befürchtung Ausdruck, daß dies eine allmähliche Vernichtung der transjordanischen Unabhängigkeit bedeute, und daß Transjordanien wieder unter die Administration Palästinas gestellt werden würde. Die Klagegegen (len Doar Hajom. Bekanntlich hat der lateinische Patriarch in Jerusalem, Msgn. B a r I a s s i n a, gegen einen Aufsatz im Jerusalemer ״Doar Hajom" leidenschaftliehen Protest erhoben und zur Vergeltung; für die angeblich geschehene Beleidigung Jesu aufgefordert. Wie jetzt gemeldet wird, hat der Patriarch auch den höchsten Würden• fragen» der anderen christlichen Kon• fcssioncn Jerusalems nahcgelegt, sich der internationalen Aktion zur Einleitung von ״Vcrycltimgsmaßregclr.“ anzuschlicßcn. Keines der anderen Oberhäupter der christlichen Konfessionen Jerusalems hat sich jedoch a n g c s c h 1 o s s e!1. Interessant ist die Antwort des g r i e c 11 i s c 11 e n Patriarchen. Er erklärte, daß er die Angelegenheit der ״Gerichtsbarkeit Gottes“ überlasse. Die anderen kirchlichen Oberhäupter Jerusalems haben Überhaupt nicht geantwortet. Palästina tritt der Berner Konvention bei. Eine Kundmachung des .österreichischen Bundeskanzleramtes vom 27. September gibt bekannt, daß die englische Regierung namens Erez-Isracls dem revidierten Berner Ucbcrcinkoinmcn zum Schutze von Werken der Literatur und Kunst beigetreten ist. Einstellung der Untersuchung gegen Man Ja Schochat. Die Untersuchung gegen Frau Mania Schochat, die «in 21. September verhaftet und dann gegen die persönliche Bürgschaft von Dr. Mngr.es aus der Haft entlassen wurde, ist nunmehr endgültig eingestellt worden. Ruooland Offizielle Statistik der Pogromopfer. Das offizielle Sowjet-Organ ״Prawda" verölEentlicht in der Nummer vom 14. September . eine kurze Uebersiclit der antisemitischen Exzesse, die sich in der Ukraine in der Zeit der Bür״crkriege ereignet habe״. D i c Gesamtzahl der von <fc 11 Weißen Armeen verübten Pogrome ist 1233 Es wurden 70000 Juden g c t fl tc t,’ 2000:10 Kinder zu Waisen gemacht. 500000 Juden flohen aus ihren I I c i m a t s o r i c n , mehrere hundert Städte und Dörfer, sowie von Juden bewohnte Kolonien wurden zugründe gerichtet, i läuscr, Vieh und Wirlschaftsgcrätc wurden verbrämst, Einzelne Ortschaften erlebten nicht weniger als 17 Pogrome. ״״H'c2?111.11״ jüdischen Pogrom-Geschädigten. Von den *50 000 Schadensaiiiiieldinigen, die die von der Sowjct-Rc״ieriiiig eingesetzte HilfsgesclNchaft für die Opfer der militarischen Interventionen erhalten hat, stammen mehr als 80000 von Juden, die erklären, durch die militärischen Intervcntioncn der auswärtigen Mächte und die Pogrome der von diesen gestutzten russischen Armeen, an Körper und Eigentum Schaden gelitten haben. Eitauen . Numerus clausus In der Praxis. Bei den letzten; ninentcn-Prufunpcii in Litauen sind 80 jüdische Kandida das vst cm Drittel aller jüdischen Abiturienten im Ir aurchgefalleu. Diese Tatsache wird so aufgefaßt, daß durch Zurücksetzung jüdischer Studenten einen *' clausus via facti ciuführen möchte. Der Kampf wurde ansgekämpft! Trotz der Wühlereien dct ״patriotischen“ Juden winde in der llnlfoiir-Dcklaratioti d’c Sieg des Palästinagedankcris proklamiert. Wir glaubten, damit sei der alte Kampf zu Ende. Wir haben die Waffen weggeworfeu und den Feinden von gestern 4 Bruderhand gereicht m einer gemeinsamen Arbeit, zu cRj., großen historischen Leistung; Altneulaiul auf/ubaucn haben wir sie aofgcmfeii. Wir Inben in dem Gedanken der ״J,w, , Agency“ unseren festen Willen, di: Verantwortnag und <]-״ Vcrfügimgsrecht mit ihnen zu teilen, bekundet. Freiwillig erklärten wir: Wir haben kein Monopol auf Palästina, Paiästin* ist nicht eine Partei ■«ehe, Aufbau Palästinas ist nicht An^j. lcgcnlicit einer Gruppe, wie groß und wie!nächtig sic and! wäre, welche Vorrechte ihr durch die geschichtliche Ent, j Wicklung auch zugcsprochcn wären. 1 Haben wir uns denn wirklich geirrt? Gibt cs denn wieder einen Kampf? Wir wollen ihn nicht, aber wir scheuen ihn nicht. Unsere größte Schuld besteht vielleicht darin, djfj wir die Sache ernst nehmen, ganz ernst, daß wir sie voll durch* geführt sehen möchten, daß wir von einem jeden verlang^ er möge verstehen, daß die internationalen Akte, die ״to the liistoricai conncction of the jcwisli peoplc with Palcstinc and to tlic grounds for reconstituting tlicir National Home in that country“ Anerkennung verkündeten, zugleich eine Verpflichtung dem jüdischen Volke auferlcgtcn, das ״National Home of the Jcvvislt people" auch wirklich nnf/ulKinen I Aus dieser unserer Einstellung heraus haben wir das jadisclie Volk aufgerufen, an dem Keren Hajessod, an dein Paiästiiia-Aufbanfonds sich z.u beteiligen. Keren Hajessod ist ein allgemeiner jüdischer Paläslinafoiids, das wiasen die Herren bulgarischen Sczcssionistcn und ihre Freunde in- und außerhalb Bulgariens sehr gut. Mit jedem Jahre wächst die Beteiligung der Nichtzionisten nicht nur bei der Zuwendung der Gelder, sondern auch in der Mit• arbeit der Foiidsverwalumg in den verschiedenen Ländern. Solche Menschen, wie Gslar Wassermann Ln Deutschland oder der Soziaüstcnführcr Leon Blum in Frankreich oder die nicht• zionistischen Herren, di נ an der Spitze des Hauptdircktoriuma des Keren Hajessod in Bulgarien stellen, sind Zeugen für die Entwicklung. Auf Grundlage der freiwilligen Sclbstbcsteuerjng . wurde der Keren Hajessod aufgebaut. Der Charakter der Steuer wurde durch das Maasscrpiinzip unzweideutig fest• gelegt. Der ״freiwillige Charakter“ der Steuern wurde deshalb notwendig, weil keine zentrale Instanz, existierte, die über cxckulorischc Gewalt verfügt, und di: ״Sezcssionistcn" auf dem Wege etwaiger Sanktionen zur Zahlung zwingen kann. Wenn aber die Züricher jüdische Gemeinde in der Schweiz, oder die Gemeinden in einigen Städten der Tschechoslowakei usw. Beträge für den Keren Hajessod in ihre Budgets ein• setzen oder die bulgarischen Gemeinden beschließen, die De• träge zum Keren Hajessod obligatorisch zu erheben und durch ihre Verwaltungen cinziehen zu lassen, so kann die zentrale Verwaltung «lies nur begrüßen: denn die lokalen Selbst• Verwaltungsorgane der jüdischen Gemeind.n in verschiedenen Ländern haben die ״Macht", die der zentralen Instanz fehlt, die regelmäßigen Abtragungen der freiwillig-individuell über* nomincnen oder kollektiv für die ganze Gemeinde bcschlosscncn und auf einzelne Mitglieder der Gemeinde uni• gelegten Steuern zu erzwingen. Man kann solche Beschlüsse nur begrüßen als ein Zeichen einer Entwicklung im Judentum, als Symptom eines Willens der einzelnen kollektiven Individualitäten (wie eine bekannte soziologische Schule cs aiudrückt), der einzelnen Gemeinde«, sich den höheren Zwecken des Gcsaintjudentums unter■ zuordneu, Man kann solche Beschlüsse nur begrüßen, weil sich in ihnen der ernste Wille kumlgibt, sich ganz für die große historische Aufgabe cinz.usetzcn, in voller Erkenntnis *!cf großen Verpflichtung, die auf jedem einzelnen und auf der Gesamtheit ruht. So liegt die Bedeutung des ״bulgarischen Falles" nicht in der Aktion der Sezcssionistcn, sondern in dem Beschluß der bulgarischen Gemeinden, größere Beträge für den Keren Hajessod in ihre Budgets cinzusetzenn. Wir wollen nicht den Kampf, aber alle unsere Sympathien liegen auf Seiten derjenigen, die ihre Verpflichtung dem alten heiligen Heimatiande, ihrem Volke, ihrer Nachkommen* schall, der ganzen Menschheit gegenüber fühlen, und cs mit der übernommenen Pflicht ernst meinen, Ucbcr die Seccssionistcn verschiedener Art wird die Geschichte zur Tagesordnung übergehen. Den Kampf werden sie verlieren, nicht zum mindesten, weil sie in steigendem Maße durcii ihre eigenen früheren Gesinnungsgenossen, die vvcitschaucnd und freier denkend, sich anders besonnen haben und für den Aufbau Palästinas in vollem Ernst ihre materielle und moralische Hilfe zur Verfügung stellen, desavouiert werdn. Vor allem müssen sie aber unterliegen, weil die jüngere Ocncration, der Nachwuchs, ihre eigenen Kinder und Enkel sich Immer entschiedener zum Palästlnagcdanken bekennen und an die Spitze der jüdischen Massen treten, die nie dem Palästina- und dem Volksgcdankcu untreu geworden sind. Cru geb soll Mo Ziel ein* für Fra ״cd ncr Ist Ko' Ko hat Cl ein erb ara für tin tri« we am he sai di» Sti In! he Kl Le K» Bl 7x in w ni O k< <1( nt in F tc n• sl 4 zt c 1" ־t K d C f 3 4 * Der Einzelne oiisi die Ccineiisäialt Von Dr. Viktor J a cobso n. Es hat sich wiederum ein ״Fall" ereignet, den ein Teil der jüdischen Presse zu einem großen ״Ereignis" machen möchte und der geeignet ist, gewisse allgemeine Probleme der jüdischen Entwicklung in der ganzen Schürfe vor uns zu steilen. So vor allein die Beziehungen des Einzelnen zur Gemeinschaft: des physischen Individiums, des einzelnen Juden, zu seiner Gemeinde einerseits und der kollektiven ludividuaiität, der ein/,Inen Gemeinde, zu dem Gesamtorganismus des Judentums andererseits. ln Bulgarien wurde vom Jildü.chcn Gcmcindcvcrbaud der Ik'sehhili gefaßt, den ״Keren llajcssod“*Beitrag obligatorisch zu machen und ihn durch dje Gemeinden mit der Genieimicsteuer zwangsweise cinziehen zu lassen. Einzelne Mitglieder einzelner Gemeinden haben dagegen protestiert. Da diesem Protest seitens der Oetncimlevorständc keine Folge geleistet wurde, haben sie sich an die Regierung gewendet und einen Erlaß erwirkt, der die zwangsweise Einziehung durch die Gcinciiidevorstände verbietet und den ״Schuldigen" mit ziemlich schweren Oerichtsstralc» droht, indem er diese Handlungen unter den Begriff der strafbaren Exaciion durch Staatsbeamte subsumiert. Die Gemeindeverwaltung bestrcilct der Regierung das Recht der Einmischung in die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinden, ln Sofia beschloß man, für den Keren Hajessod seitens der Gemeinde 5000׳)(),— Leva zu bewilligen, diesen Betrag in das Budget 1924/25 ei1mzusctz.cn und durch Umlage als einen Teil der regulären Gemeindesteuer cinzuzielicn. Dann kam der vorläufige Schlußakt: Die Unzufriedenen versuchten auch In Bulgarien eine Austrittsgcmcindc zu organisieren und haben in einem jüdischen Klub den, Saal fiir den Gottesdienst während der Feiertage gemietet. -Snverlangten von den Mitgliedern der neuen Gemeinde eine Erklärung, die eines gewissen pikanten Beigeschmacks nicht entbehrt. Die Herrschaften können nämlich auf eine kleinere oder größere Dctuutzia'i.m nie ganz verzichten. So heißt cs in der Erklärung, daß die Austrctendcn das synngogale Komitee nicht anerkennen können, weil cs ״in Wirklichkeit »las Instrument einer jüdischen politischen Institution geworden ist, die diesem Lande {Bulgarien) Irctnd ist". Dieses ist in einem Brief eines der Führer der ״Austrittsbewegung'‘ an die Alliance israe'litc Universelle in Paris inilgc• teilt mul in extenso einem Teil der Presse übergeben worden. So liegt der ״Fall“ . . . Bekanntlich genießen die jüdischen Gemeinden in Bub garien in einem bedeutenden Maße die Rechte der Selbst• Verwaltung, unter anderem das Recht, die Mitglieder der Gemeinde zu besteuern. Es stellt ihnen aber kein Recht zu, die etwaigen Schulden der GcmeimlcmitgüeUer durch Exekution cinzti/ii'hen. Um einen Schuldner zur Zahlung zu zwingen, haben sie nur ein Mittet: ihm die Dienste der Gemeinde, auf die er angewiesen ist, zu verweigern. Das nimmt natürlich nur zu oft unliebsame Formen an: Verweigerung verschiedener Zertifikate, bei Hochzeit oder bei Begräbnis, bei Verteilung der Sitze iin Tempel usw., bis die Schulden bezahlt worden sind. Es ist offensichtlich, daß man hier vor einem EinzcUall eines allgemeinen Problems steht: Wie soll mau die Bezieh• tmgen der Gemeinschaft bestimmen und ordnen? Soll dein Einzelner das Recht bleiben, selber zu bestimmen, wieviel, wann und zn welchen Zwecken er beisteuert? Soll die Ge• meiude das Recht haben, direkt oder durch ihre rechtmäßig gewählten Vertreter das Budget zu bestimmen und die Steuer auf einzelne GemcLndemitgHi'dcr utuzulcgen? Es ist ebenso offensichtlich, daß dieses Recht der Gemeinde irgendwie auf einem :Mechanismus beruhen muß, der ihr erlaubt, die Zahlung zu erzwingen. Sonst würde naturgemäß jede Gcincindcordnung, jede Tätigkeit der Gemeinde, jede Schaffung und Unterhaltung von Instituten, jede Abscliüefkmg eines Vertrages unmöglich. Demgegenüber sind auch die unliebsamsten Methoden der Steuereinziehung ein kleineres Uebel. Man kann gegen diese Methoden alles sagen, was man sagen will. Aber im Namen der heiligen Menschenrechte, im Namen der Frei• heit des Individiums zu protestieren, wie die antizionistische!,resse (z. B. der Londoner Jewish Guardian) es tut, ist eine Heuchelei. Man soll auch nicht mit der Versicherung kommen, man könne auch ohne solche Zwangsmittel das nötige Geld auf• treiben. Was würde ein Finauzminister oder eine Stadtverwaltmig sagen, wem» sic auf solche freiwilligen Beiträge, die jederzeit verweigert werden können, angewiesen wären? Ohne die Ergebenheit der Sofioter Seccssionistcn an ihren Staat aiizuzweifeln, die ja aus purem Patriotismus nichts so pcrhorrcszieren als die Unterordnung ihres Gemeindevorslande3 unter eine fremde politische Institution (wovon sic an die Alliance lsracüte in Paris zu berichten sich verpflichtet fühlen), — muß man doch die Frage nufwerfen: Wenn ihre SteucrleLstuug an den Staat nur von ihrem guten Willen ab• hängig wäre, könnten sie der Exzellenz, die die bulgarischen Finanzen verwaltet, eine hundertprozentige UcbcrwcLsung de! auf sie fallenden Last sichern? Würde nicht ein Staat oder eine Stadt oder eine Gemeinde, die auf ihre freiwilligen Leistungen ׳ angewiesen wäre, in der kürzesten Zeit Pleite machen? Wenn es so ist — und es ist so — wozu der Lärm? Man kann wahrhaftig nicht eine absolute Freiheit verlangen, wenn man noch auf einer solchen geistigen Stufe stillt, daß nur Zwangsmittel die Erfüllung der einfachsten und bescheidensten Verpflichtungen ermöglichen. Das sind alles so elementare Dinge, daß man sich beinahe schämt, sie nicdcrschreibcn zu müssen. Man kann auch beim besten Willen nicht daran glauben, daß sie den bulgarischen Seccssionistcn und ihren Freunden in d:r jiicUseilen Presse nicht geläufig sind. Die Gründe zu dieser Schlldcrhcbuiig müssen wo anders liegen. Sic liegen auch wo anders. Das geht auch aus »len vcr. öffentlichtei» Dokumenten hervor. Es sind die Reminiscenzen aus einem alten Kampfe, der gegen die Palästina-Bestrebungen, die in ihrer modernen Form die abgenutzten Formen der Wohl• täiigkeit verlassen hatten, gerichtet war. ״Le Sionhmc — voüä — l’ennemi." Das war die Losung im hehren Streit. Der Zionismus und alles, was mit ihm verbunden war, alles, womit er verbunden war. Der Zionismus, der mit der Palästina• klcc die Volksiilec verknüpft hatte, der die jüdische Rc• naissauce predigte, der die Verbundenheit eines jeden Juden mit der Idee des jüdischen Palästina postulierte, der von der Verpflichtung des Einzelnen der Gemeinschaft gegenüber zu rede״ wagte, — ״das ist der Feind". A n m. d. Red.: Wie wir erfahren, Ist in den letzten Tagen ein Vergleich zwischen dem bulgarischen Gemeinde־ bund und den protestierende״ Mitgliedern zustnmlegekoiiinicii, wonach die Gemeindeverwaltung sich verpflichtet, auf die Zwangsvcrstciierung zu verzichten, falls die kontingentierte Summe in freiwilligen Spenden aufgebracht wird. Die Groppe der protestierenden Stcuerverwcigcrcr hat selbst auf sich genommen, den Betrag aufzubringea Deulsche Gemeinden Iflr Jerusalemer Universität Wir erhalten folgende Zuschrift: In Nr. 81 vom 10. Oktober 1924 verzeichnen Sie die sehr bemerkenswerte Tatsache, daß die Frankfurter Jüdische Gemeinde bei ihrer diesjährigen Etatsberatung für die jil• disch-wissrnschnftliche Abteilung der Universität Jerusalem einen Beitrag bewilligte. Es wird Ihre Leser interessieren, daß bereits auf dem letzten Kongreß fcstgcsfellf wurde, daß die Berliner Jüdische Gemeinde als erste der deutschen Großgemeinden auf Veranlassung der Jüdischen Volksnartcl und ihres sachverständigen Vertreters aus den Doubk'ttcn ihrer Bibliotheken ungefähr 300 materiell umi ideell in hohen» Maße wertvolle 'Werke, hauptsächlich alte Hcbraica, als erste Gabe fiir die Unlvtrsitäts-Biblio* thek in Jerusalem bewilligt hat. Es ist keine Frage, daß die Jüdische Gemeinde Berlin cs siel» nicht nehmen lassen wird, diesem ersten Schritt weitere folgen zu lassen, die ihrer Bedeutung im kulturellen Leben des jüdischen Volkes ent• sprechen. Hei n rieb Loewe.

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