Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 79 (3.10.1924)
- Date
- 1924-10-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Berlin, 3. X. 1924 ^mmer 20 Wirtschaftsblaü der ״J&cSiseliesi Xltiiidseliaii“ Die ״neuen Wege“ Von Dr. dieser Ascher (Schluß) ״Es genügt nicht, daß eine Produktion an einem Orte icclmisfh möglich sei, damit sic an ihm betrieben werde. Sic muß .1» dcmselb״n auch wirtschaftlich möglich sein. Dies hängt davon ab, daß sowohl die zum Betriebe notwendigen Pfoduktionselcmcntc an einem Orte so billig erhältlich sind, äls auch der Absatz der Produkte zu solchen Preisen stattfinden j-jnn, daß der Betrieb auch wirtschaftlich als möglich erscheint.“ (Brentano, Agrarpolitik.) Uri der Besprechung drr natürlichen ״Gunst" des p,1l;1«Hi11e11stsrhcn Klimas wann wir zu dem Ergebnis gelammen, daß von außerordentlichen Vorzügen in den natürliehen Anhauhcdingiingcn l’aläsliuas mir in sciir heseliiänktcin \(aßc die Rede sein kann. Erst durch weitgehende und kostspielige technische Maßnahmen kann es gelingen, die natürlichen Bedingungen für intensiven Lamihnii geeignet zu machen. Es erhellt sieh also die Frage, ob die wirtschaftlichen [tedingungen solche Maßnahmen, wie sic ja auch Soskin fiir sein Kolonisationsprogramm fordert, wirtschaftlich;11 vertreten gestatten. Technisch läßt sich letzten Endes jeder Ertrag landwirtschaftlicher Produktion erreichen. Gerade hrstimmte Vorzüge des palästinensischen Klimas, vor allem die Wärme, reizen naturgemäß sehr, mich die lindern weniger piinstigen natürlichen l’roduktk nsfaktoren durch künstliche ,Maßnahmen zu verbessern. Die wesentliche Frage bleibt nur, oh bei dieser Intensivierung die landwirtschaftliche Produktion rentabel bleibt. Die Rentabilität der Intensivierung eines landwirtschaft• liehen Betriebes ist zunächst eine Funktion bestimmter Preishe Ziehungen, in denen sich dieser Betrieb befindet. Es kommt darauf an, daß einerseits die erreichbaren Preise für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse möglichst hohe sind, die Preise für die landwirtschaftlichen Produktionsmittel ihrerseits sich möglichst niedrig halten. Je größer die Spannung zwischen den Preisen der Produkte und den Preisen der Prodiiktious• mittel ist, desto stärker kann ein landwirtschaftlicher Einzelbetrieb, wie auch ein ganzes Gebiet landwirtschaftlicher Prodnktion intensiviert werden. Die Preise der landwirtschaftliehen Produkte sind die direkte Punktion der Nachfrage, d. 11, zunächst der Bevölkerungsdichte eines Landes. Die Hcvölkrriingsdichtc Palästinas ist sehr gering. Sic heträgt zirka 33 Einwohner auf den Quadratkilometer. Die Städte Palästinas haben nur relativ geringe Einwohnerzahlen und ähneln ihrem ganzen Charakter nach mehr kleineren Landstädten. Eine Zusammenstellung der Bevölkerungsdichte und der Eruteerträge der wichtigsten Länder zeigt mit geringen Ausnahmen die typische, natürliche Parallele zwischen der Größe der Bevölkerungsdichte und der Höhe der Ernteertrüge. Dazu kommt, daß die Bevölkerung Palästinas zmn großen Teil seihst agrarisch oder wenigstens halb,agrarisch ist. Und die wenigen eiiiileutigeu Städter haben einen Lebensslandard, der ihnen den Konsum vieler oder gar kostspieliger Ajrarproduktc verbietet. Die Preise Palästinas befanden sich daher bis Ende des Jahres 1923 in einem ständigen Abstieg. Der Großhandelsindex für Getreide und Fleisch betrug, wenn das Jahr 1020 mit 100 zugrunde gelegt wird, 1921: 55,0, Oktober 1022: 46,3, Juli 1923: 35,9, Von Januar bis Dezember 1023 fiel der Großhandelsindex für Getreide und Fleisch von 58,1 auf 82,2 und für andere Nahrungsmittel und Früchte von $7,0 auf 83,2. Erst in den letzten Monaten ist diese Bewegung, die sich naturgemäß schon vorher verlangsamt hatte, anscheinend zu einem vorläufigen Stillstand gekommen. Die Preise beginnen jetzt eine leicht ansteigende Tendenz zu zeigen. Wie weit diese Bewegung aber eine dauernde ist, ist noch völlig unklar. Der Binnenmarkt Palästinas weist bisher noch eine geringe Nachfrage nach landwirtschaftlichen Produkten auf. Eine summarische Berechnung des Milchbedarfes von beispielsweise 100000 städtischen Konsumenten, die je einen halben Liter ro Tag konsumieren, ergibt eine Milchmenge von 180 lillioncn Liter pro Jahr, Diese Zahl kann durch 6003-0000 mittelgute palästinensische Kühe erzeugt werden. Vier Siedhingen mit je 2000 Kühen genügten also, um den gesamten Mikhkonsum zu decken. Aciinlirhc Berechnungen lassen siel» für den Konsum von Eiern, Gemüse usw. aufstellen, die natürlich alle keinen Anspruch auf wissenschaftliche Genauigkoit machen, aber doch als Illustrationen recht anschaulich sind. Der innere Markt Palästinas ist noch sehr Hein, der Konsum gering-, die Preise niedrig und bis vor kurzem mit regelmäßig lallender Tendenz. Ein Anreiz, zur Intensivierung der Land- Wirtschaft im allgemeinen, noch auch die Vorbedingung für eine neue landwirtschaftliche Kolonisation auf den Grundlagen intensiver Landwirtschaft sind von dieser Seite her nicht gegeben. In seinem fetzten Artikel gibt dies Dr. Soskin bereits seihst zu. Er schreibt: ״Ich kann mich der Tatsache nicht 'erschließen, daß fast 90 0/0 der Bevölkerung Palästinas unsere Erzeugnisse nicht brauchen.“ Er meint damit insbesondere die Qualitätserzeugnisse hoebintensiver Gemüse- und Obst-Kleinbetriebe. Die Frage bleibt also: Wenn der Binnenmarkt keinen Bedarf der im Lande erzeugten Qunlitätsproduktc hat, sind dann die Exportmöglichkeiten groß genug, um als Grundlage eines ganzen Kolonisationssystcms zu dienen? Die bisherigen Ein- und Ausfuhrziffern Palästinas können nicht zu einer Bejahung dieser Frage herangezogen werden. Wir standen bisher vor der auffallenden Erscheinung, daß Palästina, obwohl cs fast als reines Agrarland gekennzeichnet werden kann, Agrarproduklc in nicht unerheblichen Mengen cinfülirt, Die Gründe dafür waren vor allein die, daß die Preise der in Palästina erzeugten Produkte fast ständig über dem Welt- Marktpreis lagen, so daß man lieber die billigen ausländischen Erzeugnisse als die teuren Inlandsproduktc kaufte. Abgesehen von der besonderen Konstellation des Weltmarktes für landwirtschaftliche Produkte nach den! Kriege lagen die Gründe für diese Preisentwicklung vor allem in den schweren und kostspieligen Produktionsnedingungen der palästinensischen Landwirtschaft gegenüber all den Ländern, die unter der Gunst ihrer natürlichen und wirtschaftlichen Lage billiger und reichhaltiger erzeugen konnten. Erst im Juli und August scheint sich auch diese Preiskcmstellation etwas geändert zu haben, w daß die Preise der landwirtschaftlichen Agrarproduktc den 'Weltmarktpreisen ungefähr gleichkommcn. Komplizierter liegen die Dinge noch bei den paläslinens!• 8dien Spezial- und Qualitätsproduktcn, auf denen auch Soskin Wenigstens zum Teil seine Pläne aufbaut. Daß der paiäsfinensische Wein als Exportartikel nur geringen Erfolg gehabt uat, ist eine so bekannte Erscheinung, daß wir bei ihr nicht weiter zu verweilen brauchen. Die letzten Mitteilungen »us Palästina, daß fast die gesamte Traubenernte dieses Jahres nicht 7.u Wein, sondern zu Marmelade verarbeitet worden ist. beweisen genug. Es sind dies Erscheinungen, nie die Gefahren einer solchen ״Monokultur“ aufs deutlichste »ufzeigen. Sie erinnern an ähnliche Verhältnisse in Frankreich, wo die Weinpreisc in bestimmten Gebieten in den Jahre1880 ״ bis 1905 von 40 Franken pro Hektoliter auf 15 Franken, und in den letzten Jahren bis unter die Selbst- *pstc.i sanken. Auch vor der Ücberschätzung der Orange «I» Produkt intensiven landwirtschaftlichen Betriebes muß «warnt werden. Man kann auf der Kultivierung eines Luxus- Produktes zwar einen je nach der Wcltmarktlagc mehr oder weniger rentablen Betriebszweig mifbaucn. nie jedoch die I andwirtschaft eines ganzen Landes. Ein Vergleich mit der Baumwolle Aegyptens ist vor allem schon deshalb unangebracht, weil Baumwolle einen notwendigen O c - b r a u c 11 s artikel, Orangen dagegen einen L u x u s artikel darstclicn. Gewiß, es gib( Länder, die Palästina in vielem ähnlich sind, und eine ganz, starke Ausfuhr landwirtschaftlicher Luxusproduktc, wie Früchte und Frühgciniisc haben. Algier führte beispielsweise int Jahre 1912 allein fiir 3נ/י Millionen Goldfranes Tafcltrauhen und für 7 י, a Millionen Goldfrancs Frilligcmiisc aus. Die Hoffnungen, die mau aber an die Produktion von Früchten und Gemüse für Palästina knüpfte, haben sieh liinnielitlieh der Exportmöglichkeiten bisher nicht et füllt, Anstatt daß es gelang, Aegypten als Abnehmer palästinensischer Produkte fruchtbar zu inachen, drangen seit der besseren Verbindung zu Lande imd zu Wasser große Mengen ägyptischer Erzeugnisse in Palästina ein. Es gab Zeiten, wo wöchentlich zirka 100t) kg Butter nach Palästina cingcführt wurden, und zwar zu einem Preis von 20 Piaster pro Kilogramm, während die palästinensische Butter 50 Piaster kostete. Dazu kam eine große Menge von Gemüsen und Früchten aller Art. Die ProduktionsbedinKungen dieser Länder sind eben entsprechend günstiger als die Palästinas und gestatten eine billigere Produktion. Vor allem aber: Die Exportproduktion Aegypten*, Algiers und aller ähnlichen Länder ist nufgebaut nuf einer im l ande wurzelnden natürlichen landwirtschaftlichen Eigenproduktion mit weitgehender Deckung des eigenen Bedarfes. Dem Fandesmaßstabe nach ist die Exportproduktion gleichbedeutend mit Uebcrschußprodiiklion, wenn aurli bestimmte kleinere Bezirke und noch mehr einzelne Komplexe von landwirtschaftlichen b/w. gärtnerischen Betrieben rein auf die Erzeugung von Qualitäts- und Luxus- Produkten eingestellt sind. Es läßt sieh also zunächst sehr wohl denken, daß auf der Grundlage einer normal entwickelten I.andwirtscluft proportioncll kleine Gebiete nach Soskinschen Prinzipien eine intensive landwirtschaftliche und gärtnerische •Kultur pflegen. Als Grundlage unserer gesamten Kolonisation kommen diene Prinzipien schon a 11s Gründen der P r e i s b c z. i e 11 u 11 g c n sowie des Junen- und Außenhandels nicht in Frage. Von wesentlicher Bedeutung für die Rentabilität eines Produktionssystems ist der B o d e 11 p r e i s. Man kann fast den Satz aufstcllcn, daß die Intensität der Landwirtschaft direkt pronortional den Bodenpreisen ist. Ucbcrall dort, wo der Boden billig ist, finden wir extensive, wo der Boden teuer ist. intensive Landwirtschaft. Wie ist nun die Situation in Palästina? Bis vor kurzem waren die Boden preise, absolut genommen, ziemlich teuer, eine Erscheinung, die mit jeder Kolonisation notwendig verbunden ist. 111 den letzten beiden Jahren sind aber die Bodcnpreisc beträchtlich gesunken. Die allgemeine Depression in der Landwirtschaft, die überall in der Welt spürbare Agrarkrise haben auch in Palästina dazu geführt, daß viele und wertvolle Böden zum Verkauf stellen. Grolle I amlstrcckcn, zusammengehörige Komplexe, sind zu günstigen Zahlungsbedingungen käuflich zu erwerben. Und mit Recht ertönt von allen Seiten die Forderung nach Bodenkauf. Die Bemerkungen von Professor Elwcxnl Men«!, die Politik des Nationalfonds, sic alle haben den gleichen Inhalt: Bodenerwerb. Noch nie war die Gelegenheit, billig und viel Boden in Palästina zu kaufen, so günstig wie jetzt, und keiner weiß, wie lange diese Situation nnh,alten wird. , Angenommen aber selbst, es wäre nicht so, angenommen, die Bodcnpreisc wären hoch, und nur wenige Böden Ständen zu günstigen Zahlungsbedingungen uns käuflich zur Verfügung: Auel! daun wäre der Boden eins der Produktionsmittel der Landwirtschaft, das uns relativ am wenigsten kostete. Boden müssen wir nämlich um jeden Preis kaufen. Er ist die primäre Grundbedingung unserer ganzen kolonisatorischen Arbeit in Palästina. Alles andere, lebendes und totes Inventar, Sanierungen und Ameliorationen, Aufforstungen und Bewässerungen sind alles Dinge, die wir zwar ebenfalls brauchen. Sind aber die Geldmittel beschränkt, so ist das Produkt, welches zur primitivsten Bedürfnisbefriedigung gehört, das relativ billigste. Die Kolonisationspolitik des Zionismus muß danach streben, möglichst große Bodenstreeken als Eigentum tlcs jüdischen Volkes za! erwerben. Ihre zweite Sorge kam! cs erst sein, Siedlungen, Insbesondere Siedlungen mit intensiver landwirtschaftlicher Kultur zu schaffen. In der Ocsamthcwertling unserer Kolonisationsmittcl ist der Boden also relativ billig, abgesehen davon, daß er augenblicklich auch absolut wohlfeil ist. Unter solchen Umständen wäre aber nichts verkehrter, als intensive Landwirtschaft zur Orundläge der gesamten Kolonisation zu machen. Die besonderen Bedingungen unserer Kap 11n 15• Verhältnisse beslärken uns noch in dieser Ansicht. Die Mittel, die der zionistischen Kolonisation, der privaten ebenso wie der nationalen zur Verfirnung stehen, sind nur geringe• Ihr weitaus gröfller Teil muß aus Gründen einer konsequenten nationale!! Bodenpolitik und zur Ausnutzung der besonderen Chancen dieses Jahres, zum l.audankauf benutzt werden. Seit Jahren leidet man in Palästina an Kapitalmangel. Nur geringe Aussichten sind vorhanden, daß sich diese Verhältnisse bald grundsätzlich ändern werden. Der Zinsfuß war Jahrzehnte lan״ ein wucherisch hoher. And! heute müssen selbst nationale Kreditinstitute mit Zinsen arbeiten, die zwar für Palästina relativ niedrig sind, an normalen landwirtschaftliehen Krediten gemessen jedoch hoch erscheinen. Kapital als Produktionsfaktor des landwirtschaftlichen Betriebes ist knapp und teuer. Die Rentabilität fordert aber, daß man unter den Produktionsmitteln das am meisten verwendet, das relativ nm billigsten ist, und an «len Dingen, die Im Verhältnis hierzu kostspieliger sind, spart. Mit anderen Worten: Wenn der Boden für 1ms, sei cs ans agrarpolitischen Gründen, sei es entsprechend einer temporären Konjunktur, relativ billig, Kapital hingegen und alles was In ihm enthalten ist, wie Inventar und Ameliorationen, Gebäude und Besatzwerte teuer sind, so ist fiir die Ocsamtkolonlsation heute nicht Intensive, sondern extensive Landwirtschaft am Platze. Und wenn wir cs wagen würden, ein Programm unserer nationalen Kolon!• salionspolilik aufzustcllcn, so würde cs lauten: Bodenkauf mit fast allen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen und so weit und so lange es uns die Verhältnisse Palästinas unter einiger• m a ß e n g ü n s 11 g c n B c d I n g u n g c n g e s t a 11 e n; n o t d ii r f t i g e , p r i m 11 i v c Besiedlung Palästinas a וי f der Grundlage einer extensiven Landwirtschaft auf weiten Flächen und m i t geringen Investitionen; weitgehende Selbstbefriedi. gung der primären Bedürfnisse einer landwirtschaftlichen Bevölkerung durch eigene Produktion, sind Marktproduktion nur als U c b c r s c I! u ß E r z c u g u n g über den eigenen Bedarf h 111 a 118. Dieses Kolonisationsprinzip scheint ׳ uns auch dem menschlichen Material, das uns zur Verfügung steht, am meisten zu entsprechen. Nichts ist gefährlicher, als inlensive Landwirtschaft insbesondere Gemüse• und Obstbau mit Menschen treiben zu wollen, die nicht über die ge•!lügenden Fähigkeiten und Kenntnisse darin verfügen. Zwar haben unsere landwirtschaftlichen Arbeiter in Palästina be* wiesen, daß auch der ans den Städten des Ostens kommende Jude Landwirtschaft erlernen kann. Das aber ist gerade da* Entscheidende: Wir besitzen nicht die zahlreichen Arbeit*•» kr.iftc, die heute bereits über genügend landwirtschaftliches Kenntnisse und genügend landwirtschaftliche Erfah•* riing verfügen, um den Anforderungen einer intensive« Gärtnerei gewachsen zu sein. Die palästinensischen Arbeiter, die heute 1111 Maschaw konzentriert sind, stellen den größten Teil derjenigen jüdischen Arbeitskräfte dar, die nach jahrc* langer Praxis gelernt haben, landwirtschaftliche Eigenbetriebe! zu führen. Gerade Gemüse- und Obstproduktion, besonders Qualitäts• und Luxuscr/cugnissc fordern von ihren Arbeiter« und Siedlern außerordentliche Kenntnisse, große Geschick•« liehkeit und eine lange landwirtschaftliche Tradition, gan* abgesehen von der Fälligkeit kaufmännischer Ücbcrlepuna und llercehiiimg, die für eine Exportproduktion uncrlälsiictl sind. Das Oriiudproblein unserer landwirtschaftlichen Ko« Ionisation Ist aber die M c ״ s c h c 11 f r a g c. Um wirklich beträchtliche Zahlen unseres Kleinbürgertums und Kleinhaml•* werkertums sowie unserer städtischen Jugend in die LantU Wirtschaft überführen zu können, sind Gärtnereibetriebe nicht: das richtige Mittel. Ein landwirtschaftlicher Großbetrieb aut extensiver Grundlage kann, insbesondere in der Form von größeren oder kleineren Arbeitsgenossenschaften, eine aus• gezeichnete Schule für landwirtschaftliche Arbeiter sein,!lief gibt es genügend primitiv-mechanische Arbeiten, wo unter Anleitung eines Gelernten ganze Gruppen von ungelernte« Arbeitern relativ rentable Arbeit leisten können. Der Inten■« sive Ucmüsebctrlcb hingegen kann ungelernte Arbeiter nicht verwerten, wenn er nicht seine ganze Rentabilität in Fraget stellen will. ן Dazu kommt noch eins. Bei einer Anstellung von Einzel•« Siedlern im Verband einer größeren und kleineren Kolonio wird überall in der Welt eine Kapitalbeteiligung des Anzusiedclndcn verlangt. Auch gerade Professor Mca<| weist auf diese Notwendigkeit hin, und Soskin schließt sicli berechtigterweise seinen Forderungen an. Wenn also jeder Ansiedler in der von Soskin projektierten Siedlung zirka! 600 Pfund kostet, so wird man eine Kapitalbeteiligung jede* einzelnen von 100 bis 200 Pfund mindestens als Bedingung der Ansicdltmg stellen müssen. Nehmen wir selbst an, dats die Zionistische Organisation otler andere öffentliche Insti4 tute genügend Gelder zur Verfügung hätten, um die rest* liehen Summen vorznstrcckcn, nehmen wir selbst an, da# man beschlossen hätte, den Vorschlägen Soskins zu folgen und die Kolonisation auf intensiver Grundlage mit eine!« Kostenaufwand von 400—500 Pfund pro Familie durch zu-( führen, so erscheint es doch äußerst zweifelhaft, ja eigenta lieh absolut unwahrscheinlich, daß eine wirklich größere Zahl Jüdischer Auswanderer bereit stände, die die beruflichen Quaii( täten für einen Oemüse- und Ohstgärtner mit einer genüget*! den Kapitalkraft verbinden. Wenn heute unter den kat.14 strophalcn Verhältnissen des Ostens, die die jüdische Bc4 völkcrmtg dort ökonomisch fast völlig vernichtet haben, noch Emigranten int Besitze auch des kleinen Kapitals von 100f bis 200 Pfund sind, so sind es doch sicherlich nicht dlea enigrn, die landwirtschaftliche oder gärtnerische Kenntnisse! icsitzen. Diese Fnehkcnntnissc liegen vielleicht bei einiget! speziell ausgcbildcteii Chaluzim, aber auch diese müßte!! erst eine längere Zeit palästinensischer Praxis durchmaehcn. ehe man ihnen die selbständige Führung gärtnerischer Einzel•*! betriebe auch unter Anleitung eines Agronomen übertraget!! könnte. ׳ Ergab die Untersuchung der wirtschaftlichen ProduVa 1 tlonsbcdingungen Palästinas, insbesondere aber des Kapital•( besitze« und des Menschenmatcrials unserer Kolonisation die!! Gewißheit, daß der intensive landwirtschaftliche Betrieb .11^ Grundlage für den gesamten Aufbau des Landes heute nicht! ccigiict ist, so schließt das jedoch keineswegs die Möglich!( eit aus, daß unter bestimmten lokalen Bedingungen, unte« eigentümlichen und spezieller» menschlichen und finanzielle!^ Voraussetzungen einige Wirtschaften auf Grundlage der Inten•( sität möglich sind. Genau wie die verschiedenen Preis-( bczichungcn für den landwirtschaftlichen Charakter ganzen Länder von Einfluß sind, sind auch die örtlichen Preiä( diifcrcnzicrungcn maßgebend für die Betriebsarten kiel•( nercr begrenzter Wirtschaftsgebiete. Immer! befinden sielt um die Absatzmärkte hemm Kreise intensive!( landwirtschaftlicher Kultur. Auch in Palästina gibt cs genug Beispiele hierfür. Ein genauer Vergleich der verschiedene« Proauktenpreise an den einzelnen Plätzen des Landes zeigt zmn Beispiel, daß Je nach Mafktnähe verschiedene lokale, Preise herrschen. Weizen ist z. B. in den typischen Land•* Städten Safcd, Beisan und Ramleh am billigsten. Desgl. Brot. Dagegen steigt der Preis in den Städten Jaffa, Haifa uikI Jerusalem erheblich. Ebenso deutlich Ist diese Erscheinung׳ für Eier, Fleisch und Gemüse zu erkennen. Wir finde« deshalb auch intensive landwirtschaftlich-gärtnerische Betrieb«; in der Nähe der Städte. Die deutschen Wirtschaften In der Nähe von Jaffa undt Haifa, die eine folgerichtige Entwicklung zu einer immer; höheren Infcnsltätsstiife durcligemacht haben, sind typisch( hierfür. Aber auch die Araber haben diese Beziehung! zwischen Preisen und Intensität Instinktiv richtig erkannfi und zu werten gewußt. In Hebron, anderthalb Wegstunden( im Auto von Jerusalem, befindet sich eine Stätte blühendste!( Gnrtcnkultur, so gepflegt und so gut gehalten, wie sonsL insbesondere innerhalb der arabischen Landwirtschaft, nir•! gends im Lande, Neben einer besonderen Gunst der kii( manschen Lage wirkt hier vor allen Dingen die Nähe de« grollen Absatzgebietes Jerusalem intensitätssteigernd auf die, Landwirtschaft Hebrons ein. Intensive Landwirtschaft, ent* sprechend den lokalen natürlichen und wirtschaftlichen Be* dingungen, im Verhältnis zu den Kapltalkräftcn und den* Menschcnmatcrial unserer Kolonisation, im Zusammenhang mit veränderten Anforderungen des Binnenmarktes und sicheren Exportmöglichkeiten können wir als Endziel der landwirtschaftlichen Entwicklung mit Sicherheit bejahen. Ir« Elnzelfallc mag dies Prinzip bei besonders guter Ent• Wicklung der nächsten lahrc heute bereits durchführbar und rentabel sein. Als Programm jedoch der gesamte« Kolnnisationsarbeit scheint cs uns für die nahe Zukunft unseres Aufbau Werkes f 81 sei) und gefährlich. Die neue Tabaksteuer Die Regierung ließ der Presse eine offizielle Mitteilung zttgehen, die als Erläuterung zu der Neuregelung der Tabak.* bcstcucrung dienen soll. Danach wird jedes Paket verar• beiteten Tabaks oder jede Schachtel Zigaretten mit einer Banderole versehen, auf der der entsprechende Wert angegeben Ist. Der Steuersatz beträgt 5 Millicmcs (etwa 0,10 M.) für je 20 g Tabak oder Zigaretten. Nach Ansicht der Regierung wird diese Steuer von dem Käufer getragen, der für jede Schachtel Zigaretten oder jedes Päckchen Tabak, das jetzt 4 Piaster kostet, >/! Piaster mehr zu zahlen hätte. Zur Be• grilndung der neuen Maßnahme wird ausgeführt, daß das Rau* eher! überall als ein Luxus betrachtet wird, der für die Be* Steuerung geeignet sei. Es sei daher nicht berechtigt, daß der Raucher von Inlrndstabak sich einer Steuerfreiheit erfreue, während er bei dem Verbrauch Importierten Tabaks oder im* portierter Zigaretten 1 Piaster für je 20 g zu zahlen habe. Andererseits berücksichtige diese Regelung den Schutz der Inlandsproduktion.