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Jüdische Rundschau · 1924-10-03 · Heft 79 (3.10.1924) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 79 (3.10.1924)
Date
1924-10-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr 7P JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 505 14 I 1 #■ ¥ lt t, ir t- '8 11 'S n n מ h n tf d rr iz io lt 1a rr- 18 lt al *l. Ic :n m e, er re 111 m 1» et er ir 1U *h e* 1d 1d :n ", le er II* «e e* :y », er m :h din :11 h* ein er er :n ff. re io •le zt ir. bt II*?e :y le ,״ td 1t- US Iß le. n, T- St te 0* rm ir. in y, m »f* lie te US n, sn n. Id tu cb Sie •jr ifi h* n, td |s I i I i u i ( n:cld nufgehaut werden kann, weil die Menschen leiden, die cs, liingegcbeu an eine Idee, ™(bauen wollen? |)a111m ist cs pan/ falsch, heule davon zu sprechen, daß die Zionistische Organisation sicli selbst aufgegeben habe ,nid dämm heute ,™(hören solle, zu existieren, Gerade weil gic sich so klein :;c/ci;t hat, muß sie sich jetzt erneuern und, getrieben von der Scham über ihr Versagen, wieder gutzumachen suchen, was sie versäumt hat. Und wir alle müssen wissen, daß wir die zionistische Bewegung erhalten und läutern und besser machru müssen, weil sonst dar, Geld für den Aufbau nicht kommen wird, weil die Menschen nicht kommen werden und weil, wenn wir uns jetzt nicht aufrütteln, di: Chance, die das jüdische Volk in der Geschichte erhalten hat, n11g,;1nt/t entgleiten kann. Ls schien mir auf der Zentralkomitee!ilztvig, als ob viele Zionisten in Deutschland diese Gedanken, die in ihren Er- (Tcbnissen ähnlich von Goklmnnn und ülumcnfeld vortreten wurden, als richiig nnerkannten, und als ob im deutsehen Zionismus im kommenden Winter s.ackere und verantwortuiigsbcwußtcrc Arbeit geleistet werden würde als bisher. Aber mir scheint, wir müssen nicht nur ganz allgemein uns mehr verantwortlich fühlen und dementsprechend wieder den Maaßergcdankcn auf den f child liehen und zur Durchführung zu bringen suchen. Mir scheint, wir müssen, nachdem wir 1!!!gesehen haben, daß das jetzige Tempo des Aufhaus völlig unzulänglich ist, uns auch bemühen, neue Wege des Auf ha ns zu finden, die diesen beschleunigen. II. Viel zu wenig beachtet wurde bisher das vor mehr als Jahresfrist erschienene Buch von Arlosoroff. Nicht alles, was er sagt, ist richtig. Aber sein Buch gibt einen neuen Aspekt, und vieles in diesem Buch ist dazu angetan, verwirklicht zu werden und, wenn die Verwirklichung gelingt, »ler Kolonisation eine andere, breitere Gm1׳d'a׳;e zu gehen. Und mehr nach sollten wir umlernen, Umlcriicu auch im Widerspruch zu Arlosoroff und seinem Buch. Wir müssen, scheint mir, versuchen, unbeschwert von Prinzipien und Theo•, rien andere Elemente des Aufham in das Land hincinzu/iehcn. Wir brauchen dringend ein schnelleres, viel schnelleres Tempo des Aufbaus. Die Geldmittel für das nationale Werk werden hoffentlich, vorausgesetzt, daß wir Zionisten erwachen, und nach Gründung und Arbeitsbeginn der Jcwisli Agency etwas reichlicher fließen, wenn es mir auch als angcbrarlit erscheint, vor zu großem Optimismus zu warnen. Aber nationale Bonds 11ml landwirtschaftliche Kolonisation allein können Palästina nicht aufbaucn. Sie müssen den Grundstein bilden, und der Keren llnjcssod muß dahin kommen, daß er das wird, als was er ursprünglich gedacht war: Die große Steuer des jüdischen Volkes, die anstelle des Stcucrcxufors und der St.mtsautorit.'it, die andere Völker haben, nur eine Waffe und einen Richter hat: Das moralische Gewissen und die moralische Autorität des jüdischen Volkes, die bewirken, daß ein Zionist, der den Maaßcr an Zeit und Geld nicht gibt, kein Recht mehr hat, sich Zionist zu nennen, daß er sich vereinsamt und verlassen fühlt in unserer Gemeinschaft. Daneben nlicr muß eine Umformung der öffentlichen Meinung in Palästina und im Zionismus gehen. Und diese öffentliche Meinung muß fordern, daß Kapital ins Land kommt, daß Menschen mit privaten Mitteln und mit privater Initiative ins Land kommen und ihr Bestes für den Aufbau hergeben. 1 ׳ Ein Artikel, wie der von Robert Sternatt, den die Jüdische Rundschau in Nr. 15 und 16 ihres Wirtschaftsblattes zum Vorabdruck aus der ״Arbeit“ brachte, darf meines Erachtens nicht unwidersprochen bleiben. Mir scheint, als seien <!ic Vorbedingungen für eine landwirtschaftliche Kolonisation Palästinas durch Juden genau so schlecht, wahrscheinlich noch viel schlechter gewesen als die einer industriellen Kolonif.ition, Aller, was Stcrnait über die Schwierigkeiten des Landes! Und des Klimas, über das Fehlen eines jüdischen Arbeiter- Standes sagt, spricht doch mindestens ebenso, wenn nicht noch viel mehr gegen das Gelingen der landwirtschaftlichen Koloni- Fation als gegen das einer industriellen. Unbewiesen ist, was Sternau über die größere Bodenständigkeit der palästinensischen Landwirtschaft gegenüber dem städtischen Proletariat sagt. Theoretisch und bei anderen Völkern sind seine Ausführungen richtig. Bei 1111s aber vermag noch niemand zu sagen, ob der Versuch, Juden in landwirtschaftliche Tätigkeit zu überführen, gelungen ist beziehungsweise gelingen wird. Bewnndernswertes ist von der jüdisch-landwirtschaftlichen Arbeiterschaft Palästinas geleistet worden. Das darf man heute wohl als Tatsache aussprechen. Denn in dieser uneingeschränkten Anerkennung sind siel! alle, die in Palästina in den letzten Jahren gewesen sind, einig, gleichgültig welcher Parteirichtung sie angchören, gleichgültig auch, wie sic r.u den Problemen und den Versuchen des Aufhaus stehen. Mit dieser Tatsache aber ist — leider — noch nicht erwiesen, daß die Ucbetfülirung von Juden zur Landwirtschaft in größerer Zahl geglückt ist. Denn noch sind nur wenige seßhaft geworden. Noch befinden *ich diese Menschen zum größten Teil im Zustand — und auch im Bewußtsein -- der Chnluziuth. Wer will Bürgschaft dafür übernehmen, daß solche Chaluziuth, solch Verzieht auf alle äußeren Güter ries Lebens, solch heiliger Idealismus jahrzehntelang oder gar ein ganzes Leben hindurch anliält? Wer kann Voraussagen, ob es gelingt, diese Generation bei der Landwirtschaft zu halfen oder auch nur eine ähnliche Gesinnung auf dis zweite Generation zu übertragen? Mir scheint, als wenn hier ein schweres Problem liegt. Es ist noch verfrüht, diese Fragen abschließend zu beant* werten, aber Politik soll ja nicht erst cingrcifen, wenn cs gilf, Geschehenes wieder gutzumaclien, sondern soii voraus- *clianen. Und so sollten wir wissen, daß unsere Arbeit auch deshalb vervielfacht werden muß, damit cs durch ein großes landwirtschaftliches Budget und durch imvergleicli’ich größeren Zufluß von Mitteln an den Keren Kajemcth gelingt, die Cliahuiun, die jahrelang die Pionierarbeit geleistet haben, zur Ansicdlung zu bringen, wobei die Form der Ansiedlung im Einklang mit den Wünschen der Aiizusicdclnden gewählt werden muß und heute hier außer Betracht bleiben kann. Von diesen! Zustand sind wir durch die noch ünmer völlig unzutcichendcn Ocldmiilcl der zionistischen Finanzinstitutc weit entfernt. Wenn wir ehrlich sind, können wir denen, die täglich diese Arbeit für uns und unsere Kinder tun, eine Ansicdlung nicht verbürgen, ja nicht einmal in einigermaßen *ichere oder nahe Aussicht stellen. Jahr um Jahr geht dahin, tmd Hunderte, ja schon einige tausend unserer Besten wer■ den _ wic einst im Krieg — fn die vordersten Reihen gc- *ciiickt, j& sie drängen sieh sogar dorthin — wie einst im Krieg. Sie gehen in die sumpfigen Gegenden, erkranken an Eieber, das an ihrer Gesundheit, das heißt an unserer Volks• ttad Arbeitskraft jechrt. Wir sichen erschüttert vor diesem Beispiel menschlicher Giülic, Aber wir Rollten uns doch fragen, ob cs wirklich nicht anders geht. Sollte es nicht doch möglich sein, Menschen erst dann auzusicdcln, wenn der Boden durch Bereitstellung größerer Miticl schnell und gründlich und unter Einsetzung von einem Minimum an Menschenkraft cntsuuipft ist? Aber, mir scheint, cs fehlt nicht nur an den nationalen Mitleln. Verseuchten Boden von KrnnkhciSssloffen befreien, ist Aufgabe unserer nationalen Fonds. Aber auf diesem gcmiikI gewordenen Boden blühendes I eben erstehen zu lassen, das kann nicht länger ausschließlich Aufgabe und Werk der lamlv■irisch,• ifiliehen Arbeiterschaft sein. Wollen wir das Tempo ries Aufbaus beschleunigen, dann müssen wir Oeid auch außethalh der nationalen Fonds ins Land bringen, Geld, das umlauft, (’:is Arbeitsgelegenheiten und Vcrdiensimöglichkeitcn schaff!, das riskiert und verloren, aber auch verdient tmd im Lande angelegt wird. Es ist richtig, wenn Sternau sich darauf beruft, daß Arlosoroff in dem eben angeführten Buch nachgewiesen hat, daß die bisherige Privatinitiative ״überaus ärmlich" ist. Aber mir scheint, der bisherige Mangel an Privatinitiative und ihr bisheriges Versagen ist eine Not und kein Glück. Nocli nie ist in der Welt ein Land ohne privates Kapital und ohne private Initiative nufgehaut worden. I>ie palästinensische Wirtschaft allein auf Landwirtschaft clnzudellcn, ist, wenn man nicht ein paar Miistersiedluugcn, sondern pulsierendes Leben schaffen will, unmöglich. Und Handel und Industrie auf sozialistischer Basis auf/ubaucn, dazu reichen, scheint mir, selbst wenn mau diesen Weg für riclilig hielte, unsere nationalen Mittel nicht aus und werden in absehbarer Zeit nicht ausreichen. Aber anstalt dies zuzugeben, anstatt darauf zu sinnen, wie man außer den bisherigen Methoden des Aufbaus andere anwcmlcn kann, um den Aufbau schneller durchztifülircn, statt dessen weist Sternau nach, daß Arlosoroff behauptet hat, «lie bisiicjige kaufmännische und iiidusiriellc Tätigkeit sei ״überaus ärmlich“. Und man tut noch Schlimmeres. Man schreibt aus Palästina: ״Wer nach Erez-Isracl kommt, wird sieh zu entscheiden haben, oh sein Platz ist bei denen, die in unsagbarer Arbeit und Entsagung das Land aufbaucn oder bei denen, die als Kapitalisten hicrhcrkoinmcn und dem Aulbau schaden.“ Diese Einstellung scheint mir der wahre Grund für das bisherige Mißlingen der Privatinitiative in Palästina zu sein, E!11 ernster Zionist hat heule schwere I!einmütigen, ja er srhent sich geradezu, als Kapitalist oder in einer kapiialistisclien Tätigkeit ins Land zu gellen. Nicht so sehr, weil er den wirtschaftlichen Ruin fürchtet, trotzdem cs auch nicht verwunderlich wäre, käme ihm bei einem Artikel wic dem von Sternau ein leichtes Gruseln an. Sondern, weil er die gesellschaftliche Acchlung oder auch nur Mißachtung fürchtet, weil er es nicht riskieren will, von der Arbeiterschaft des Landes, von den Chaluzim, die er liebt und mit denen er — auf anderen Wegen als sie, aber gemeinsam mit Ihnen — das Land aufbauen will, gcringgcschätz.t oder gar als Schädiing empfunden zu werden. Die industrielle und kaufmännische Entwicklung des Lnndes ist heute noch ״überaus ärmlich“, weil die Besten unter den Kaufieuten und Industriellen, die, die etwas können und zugleich wahrhaft innerst Zionisten sind, sich scheuen, hinüberziigehcn, aus Angst vor der öffentlichen Meinung drüben und im Zionismus. ‘ ׳ Ich weiß im einzelnen nicht, warum so viele Untcrnchmmigen drüben versagt haben. Ich war seit 1913 nicht mehr in Palästina, wic übrigens auch Sternau das Land nur aus Büchern und Berichten kennt. Aber ich weiß, daß man nicht, noch nicht davon sprechen sollte, daß die Privatinitiative versagt hat und daß industrielle Kolonisation unmöglich ist. Sic haben bisher nicht versagt, denn sic haben noch nicht begonnen. Für landwirtschaftliche Siedlungen stand eine öffentliche Meinung zur Verfügung imd — warum wird dies immer wieder vergessen? — ein Budget, Und für jedes Defizit fand sich ein Verteidiger, jemand, der erklärte, warum das Defizit gekommen ist und warum cs gar nicht aushlcibcn konnte, warum es nationale Pflicht sei, das Defizit zu decken, diese Siedlung oder jene Kwuzah trotz Untcrbilanz nicht cingehcn zu lassen, sondern ihr noch ein, noch mehrere Jahre Zuschüsse aus öffentlichen Mitteln zu geben. Ich spreche nicht etwa gegen diese Zuschüsse. Sondern ich weiß, wie notwendig und im höchsten Grade produktiv sic für die Zukunft sind. Und ich weiß auch, daß ohne solche (und viel reichlichere) Zuschüsse noch nie und nirgends eine Kolonisation möglich war. Aber ich wundere mich, daß man diese Selbstverständlichkeiten vergißt, sobald cs sich um Industrie oder Handel handelt. Ich wundere mich, daß man von den — tatsächlich — sehr geringen Erfolgen oder richtiger von den bisherigen großen Mißerfolgen der Privatinitiative spricht, ohne dort ebenso oder auch nur annähernd so helfend cinzngrcifcn oder auch nur cingrcifclt zu wollen wic hei der Landwirtschaft. Hier müßte, scheint mir, der Hebel angesetzt werden. Der Judo, der mit einigen hundert oder gar einigen tausend Pfund nach Palästina kommt, stellt allein drüben, wenn er nicht gar geächtet ist. Das müßte anders werden. Es müßte zunächst eine öffentliche Meinung geschaffen werden, die dem Menschen, der mit seinem ganzen Vermögen nach Palästina kommt, genau so willkommen heißt wic den landwirtschädlichen Chaluz. Eine Meinung, die diesen Menschen, solange sie im Gallith sind, sagt, daß sie, auch *ic, gerade sic im Lande gebraucht werden, Es muß allmählich ein Kreditwesen im Lande entstehen, das stark und in der Lage ist, cinziispringcn, wenn es gilt, anfhaiiwieiitigc Betriebe zu stützen, wenn sie wegen unzulänglicher Miitcl in den Atifangskrisen stecken zu bleiben drohen. Es muß ein jüdischer Kaufmanns* stand im Laude geschaffen werden, der sich seiner nationalen Aufgabe bewußt ist, und der im Lande und in der zionistischen öffentlichen Meinung geachtet wird. Dann erst, wenn solche Vorbedingungen geschaffen sind, kann von dem Beginn des Versuchs einer Privatinitiative gesprochen werden. Und von Scheitern oder Erfolg zu sprechen, sollte vor dein Ablauf von 30 Jahren unerlaubt sein. ich fürchte nicht allzu sehr die Gefahr, daß bei einem solchen Umschlag unserer öffentlichen Meinung zu viele händlcrscclen, an denen wir nicht arm sind, ins Land kommen. Ich fürchte diese Gefahr nicht, obwohl mir bekannt ist, daß ernste Freunde drüben mit Besorgnis die Zahl der Händler wachsen sehen, sic mit hundert bis drei* vierhundert Pfund hinüherkonunen, sich sofort ein Haus (zum Teil auf Kredit) bauen und, wenn das Geld verbaut ist, sich einen Käscladen, einen Kramhandel oder ein Friseurgcschäft aufmachcn. Denn dies nennnc ich nicht Pilvatlnitintivc, und gleichgültig ist mir die öffentliche Meinung, die sich um diese Existenzen bildet. Und ich glaube auch, daß tlic Einwanderung dieser Kategorie Menschen eine naliirlichc Grenze an den schweren, lcvantcahiiliehen Verhältnissen Palästinas finden wird, die eine Ucbcrsiedhmg ohne nationnien Aspekt, nur aus Erwerbsgründen noch au( lange Zeit als unratsam erscheinen lassen wird. Wss ich gefördert scheu möchte, ist etwas anderes. Ich möehie, daß man den nationalen Kaufmann und Industriellen ins Land ruft, und daß man diesem, selbst wenn er nun einmal Kapitalist ist und kapitalistisch arbeiten muß, weil er sonst nicht reuLssicrcn kann, nicht als Bürger zweiter Klasse, als ״Bourgeois“ abtut, der dem Aufbau schadet, sondern ihm in der Schar der sielt ehrlich um den Aufbau mühenden s:inen ehrenvollen Platz gibt. Es ist nicht wahr, daß es nicht möglich *ein wild, eine Grenze 711 ziehen und die Unterschiede liernuszufinden. Eine Bewegung wic die unsere, der cs gelungen ist, viele tausend, ja nun bald schon einige zehntausend Händler, Kauflcutc, Akademiker und Lite* raten zu landwirtschaftlichen Arbeitern zu machen, eine solche Bewegung ist auch, wenn sie will, wenn sic ernsthaft ihren Erzkiumgsviilen 11 darauf lenkt, ins.ande, in Palästina und im Cialis 11 eine öffentliche Meinung za schaffen, die den Typ des nationalen Kaufmanns und industriellen und nicht auch den des egoistischen Händlern und Ausbeuters aufnimmt, erzieht und anerkennt. Es i-t liier nicht der Platz, zu erörtern, ui: man dies macht. Ich kann mir vorstellen, «laß dies zu den wich* t i g s < e n Aufgaben des eben nach Palästina üb c rs i cd el 11 d c 11 Finanz- und Wirtschaft«*, rates, aber auch der palästinensischen Arbeiterschaft gchört. Ich kann mir vorstcllen, daß der Weg drüben schwer ist״ daß er über eine Art Handelskammer, Ehrengerichte Oders Schiedsgerichte gehen muß. Aber was überall in der Weit', gelungen ist, nämlich eine Scheidung zu finden zwischen! Krämern und Schiebern, «lie einem Lande schaden und solchen Kaufieuten und Industriellen, die im höchsten Grade produktiv״ und aufb,™wichtig sind, «las kann und muß auch uns gelingen,! Und cs wird von dem Augenblick an gelingen, wo die! öffentliche Meinung im Zionismus und in Palästina von der! dringenden Notwendigkeit dieser Kategorie Menschen für den Aufbau des Landes überzeugt ist. Wenn die öffentliche! Meinung sieh in diesem Sinne gewandelt hat, dann werden, die Hemmungen derer Wegfällen, die zu den besten gehören, die sieh aber nicht stark genug füllten, um den Kampf gegen, Mifltrauen und Vorurteil und Deklassierung zu wagen. Diese! Menschen müssen ermuntert werden, ins Land zu kommen. Man muß ihnen sagen, daß inan sic braucht, und daß der! Jischuw ihnen nicht feindlich gegenübersteht, sondern anff sie wartet. Man muß Mittel und Wege finden, um ein vor•« sichtiges, aber nicht bürokratisch — allzu vorsichtiges Kredit* wesen im Lande airfnibaucn. III. Darum sei zusammenfassend noch einmal gesagt, was Auf* gäbe der zionistisciicn Bewegung in der nächsten Zeit seit! sollte. Wir müssen erneut von unseren Zionisten den Maaßcr fordern, den Maaßcr an Geld und vor allem den an Zeit. E>cm1 ohne den Maasscr an Geld werden wir große Summen auch durch die Jcwish Agency nicht erhalten und ohne den Maaßcr an Zeit werden wir überhaupt kläglich scheitern, da die anderen bestenfalls Geld geben, sich aber nicht so weit überwinden werden, das Geld vom jüdischen Volke zu fordern und zu holen. Wir müssen den Nachwuchs erziehen, der jähr* lieh in großer Zahl als Chaluzim ins Land gehen und diejenigen ablöscn und ergänzen muß, die müde geworden sind öden diejenigen, die nach einigen Jahren hcldcnhaiten Pionicriumst infolge der reicher zur Verfügung stehenden Mittel verdientermaßen zur Ansicdlung, das heißt, zur Seßhaftigkeit untl Bodenständigkeit gebracht werden sollen. Wir müssen eine Artncacn Pionlertums erziehen!! den Typ des nationalen Kaufmanns und In du« s t r i c 11 e n , damit Geld und Bewegung in den Aufbau kotnrr.t^ damit Juden, die sich nicht für die Landarbeit eignen, Bcschäffigung und Unterkommen finden, damit ein gesundes Wirtschaftsleben Ins Land kommt tmd damit der Jischuw sicM darauf einstclit, daß man nicht nur von Landwirtschaft, &ct wichtig sic auch ist, leisen kann, da Landwirtschaft allein bein* heutigen Stande der Weltwirtschaft nicht ernährt. Wir müssen diesen Typ von Menschen hincinziehcn iit den Aufbau und ihn und seine Tätigkeit durch ein gesundes Kreditwesen stutzen, aber auch kontrollieren. Wir müssen versuchen, neue Menschen und neue Wege für den Aufbau zu finden. Wege, die kaufmännisch möglich sind, Wege private!} [niiiaiivc und Wege nationaler Anleihen. 1 Das sind die Aufgaben, die sich mir zu zeigen scheinen, wenn man die geringen Einwandcrungszahlen liest, wenn man das furchtbar deprimierende Wort ״Konsolidicrtmgsbudgct‘* hör(, ein Wort, das schnellstens wieder aus unserem Sprachschätz verschwinden muß, und wenn man weiß, daß demnächst vielleicht und hoffentlich die Jcwish Agency zustande kommen wird und daß sic eine Gefahr ist, wenn wir diese Aufgaben nicht meistern können, 1 Daß wir auch auf allen anderen Gebieten der zionistischen Bewegung gerade jetzt erneut arbeiten müssen, sei nur neben« bei• erwähnt. Der Keren Kajemcth bleibt uns auch nach( Zustandekommen der Jcwish Agency als unser Fonds. Ihn in ganz anderer Welse zu stärken als bisher, erscheint mie zwingende Notwendigkeit. Denn wir müssen vorausschancn. Oder wollen wir uns ln einigen Jahren, wenn wirklich infolge der größeren Mittel, die die Jcwish Agency aufgebracht hat, die Einwanderung — endlich — andere Maßctäbe angenommen hat, wollen wir uns dann wieder eingestchcn müssen, dal! wir nicht auf dem Posten gewesen sind und kein Land erworben haben für diese Ansiedler? Auf die Erzichungs- und kulturellen Auf« gaben, auf die Notwendigkeit für uns, durch Erlernen der hebräischen Sprache uns mit dem werdenden Palästina zu verbinden, bin ich ebenfalls hier nicht cingcgangcn. Das mögen Berufenere tun. Aber ich denke, es besteht kein Zweifel, daß auch um dieser Aufgabe willen die Zionistische Organisation jetzt nicht aufhören kann, zu existieren, sondern im Qcgcnteil aufwachcn und leben muß. Mir scheint, noch nie seit den Tagen der Balfourdeklaraiton war unsere Arbeit dringender tmd eiserne Pflichterfüllung notwendiger als heute. Ich hoffe, daß ein gleicher Ernst wie auf der Zentral* komitccsilzung der deutschen Zionisten auch anderswo In det zionistischen Welt zu finden sein und sich durchsetzen wird. Denn wir gehen schweren Zeiten entgegen, wenn dieser Ernst sich nur auf einer Tagung dokumentiert und nicht In der Arbei) de!!luchsten Jahre auswirkt. 1 I t. \ .! I ‘ i

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