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Jüdische Rundschau · 1924-10-03 · Heft 79 (3.10.1924) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 79 (3.10.1924)
Date
1924-10-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
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C ׳-,?> •% t,r* viwllC UUi• TUEDISCHE RUNDSCHAU־ Nr. 79 Attgcn halten. Das deutsche Judentum —wie das Jude», tunt der ״.wen Welt — wird sich in zwei Lager teilen: die einen werden passiv und untätig, ja sogar befriedig; t dem Untergänge des Judentums zusdtaucn, die anderen \v«־rden sielt .aktiv mit allen iltren Kräften für die Wiederl;vi׳tn t des Judentums citisd/.ett. Der Ccntralvcrcin arbeitet — anders scheint cs nicht Zu gehen, — mit vergifteten Waffen, ״Für deutsches Judentum und gegen den Zionismus“ — sin“ die deutselten Zionisten keine deutschen Juden? Was soll diesa törichte Alternative? Auch die Zionisten smd deutsche Juden, aber sie sind der Ansicht, daß in Fragen des Judentums vor allein jüdische Gesichtspunkte ausschlaggebend sind. Sie sind der Ansicht, daß ״deutsches Juücnhrm“ überhaupt nur dann möglich ist, wenn es überlumpt Judentum gibt, und daß daher jedem Juden vor!allem klar werden muß, was Judentum ist, wie heute das Judentum in der ganzen Welt um seine Existenz ringt, welche ideellen, moralischen und geistigen Werte cs produziert, welche Lebenskraft es besitzt. Die Zio- «isien sind eine Gruppe des deutschen Judentums, die eine höhere und weitere Auffassung von den Pflichten des deutschen Judentums haben, als diejenigen, welche durch die kindische Betonung des Wortes ,,deutsch“ an- 'deuten wollen, daß sic sich von den Brüdern jenseits der deutschen Grenzpfältle lossagen. Unserer Meinung Mach hat das deutsche Judentum heute nicht das Recht,!sich auf irgendwelche belanglosen Lokalangdcgenheitcn zu beschränken, sondern cs kann auch seine Aufgaben irt Deutschland nur dann erfüllen, wenn cs den lebendigen Zusammenhang mit dem Judentum der ganzen Welt empfindet, an dessen Sorgen und Aufgaben tcilnimmt.!Wir wollen nicht zulassen, daß die deutschen ' Juden!sieh selbst ausschalten. Darum aber glauben wir, daß Vir nicht schlechtere, sondern bessere ״deutsche Juden“ sind. Wir wachen über die Würde und die historische Funktion des deutschen Judentums, wir wollen es nicht bagatellisieren lassen. Am deutlichsten zeigt sich die Differenz in der Auffassutig der Pflichten des deutschen Judentums an der Stellung zu Palästina. Ob die Herren des Centralvereins vollen oder nicht, Palästina ist heute eine Realität des jüdischen Lebens. Und es wird in Zukunft kein jüdischer Splitter existieren können, der sich nicht mit dieser Rcalität positiv verbindet. Es ist lächerlich, die Augen zu verschließen vor Tatsachen und sich dann von Verpflichfangen ledig zu wähnen, die man nach dem Urteil der!gesamten zivilisierten Welt trägt. In einem Völkerrechtliehen Dokument ist erklärt worden, daß in Palästina ein «ailonnlcs Heim für das jüdische Volk errichtet Verden soll, die Arbeit ist im Zuge, die Kräfte der Gefeanitjiidciiheit werden dafür mobilisiert. Für jeden normal denkenden Menschen Ist cs klar, daß in Zukunft *das Judentum nicht danach beurteilt werden wird, was Herr Naumann oder der ״Berliner Lokal-Anzeiger“ schreibt, sondern nach den schöpferischen Leistungen, die es .11׳! dem Orte hervorbringt, wo ihm die Chance gegeben wurde, ru zeigen, was cs kann. Die routinierten Abwehrpolitiker sollten nicht daran zweifeln, daß die Judengegner, die uns Mangel an konstruktiver Fähigheit, Mangel an gemcinschaftsbildcnden Kräften zu-!schreiben; und den Juden als destruktiven und parnsitären Typus betrachten, aus einem Scheitern des Palüstina-Werkes eine grandiose Bestätigung aller ihrer Anschauungen schöpfen würden. Glauben wir ja nicht, ’daß die ins Ungeheure gesteigerte Verachtung der Juden, die sich daraus ergeben müßte, dadurch pariert werden kann; daß die deutschen Juden das Wörtchen 5,deutsch“ unterstreichen, ln Deutschland ebenso wie überall wird man die Folgen spüren. Wenn die Zionisten fordern, daß das deutsche Judentum seine Kraft für Palästina' cinsctzt, so liegt das im Interesse des deutgehen Judentums. Wer sich heute abgrenzt, Scheidewände aufrichiet gegen die jüdischen Brüder anderer Länder, die unter Gesetzen des gleichen Schicksals Stehen, wer heute die Mitarbeit an dem die Ehre und 'das Leben des Judentums na! begründenden Aufbauwerk in Palästina verweigert, der stellt sich praktisch außerhalb des Judentums. Wir Zionisten werden anläßlich der Wahlen zum Preußischen Gemeindebund dem deutschen Judentum seine Pflichten gegenüber der Gesamtheit ins Gedächtnis zurück rufen. Von allen Tribünen des Landes werden wir die deutschen Juden darüber aufklären,■ welche große Bewegung heute das Judentum ergriffen hat, das leben will. Das deutsche Judentum wird an diesem lebendigen Geiste ■und an den lebendigen Werten seinen Teil fordern müssen, wenn cs seine eigene Zukunft wünscht Es hört damit nicht auf, deutsches Judentum zu sein. Es wird vielmehr nur dadurch lebendiges deutsches Judcntuin. Die Parole ״Für deutsches Judentum und gegen Ücn Zionismus“ ist ein demagogischer Schwindel. Die Zionisten sind für eine starke Einheitsfront des deutschen Judentums. In dem Bewußtsein der überwälti,״enden Größe der vor uns stehenden Aufgaben sind wir für Sammlung, nicht für Zersplitterung der Kräfte, Wir brauchen auch innere Kraft zum Kampf nach außen; es ist unverständlich, daß in einer Zeit, wo die antisemitische Bedrohung in aller Schärfe in Erscheinung tritt, der für die ״Abwehr“ sich selbst nnpreisende Verein die Initiative zur Zersplitterung, zum inneren Kampf ergreift, und dadurch die einheitliche Abwehr schwächt. Wir haben den Kampf nicht gewollt; aber wir nehmen ihn auf, da der Centralverein ihn eröffnet hat. Wir fühlen uns stark im Bewußtsein, daß — ganz ohne Rücksicht auf numerische Majorität oder Minorität — die lebendigen und zukunftsreichen Kräfte des Volkes mit uns sind. Au :נ de..: ar״bi.;b.J1 Lar Brief aus Palästina. Eciseräi!;; Von Dr. jcn Zaf Georg Wöllstein, Trier. 11. b. Jerusalem, den 24 .September 1Q2-1. i)vr Kampf des arabi ■cln'ii I:xekulivkomltre:t gegen dm Zionismus hat in dieser Woche ein Dokument zur Folge ge״ liabt, das einer herze!bischenden Komik nicht entbehrt, Bek.iiudiich ist der palästinensischen Regierung vor einiger Zeit das Legat Kadoorics *(!gefallen, *Ls zur Errichtung von Schulen in Palästina bestimmt ist. Der Testator hat veramtlich vergessen, hinzuztifügen ״für jüdische Schulen" und so beschloß dann die Regierung, die Stimme zwischen Arabern und Juden auf zu', eilen. Nach langen Verhandlungen ist die Regierung scltlicBlich zürn Entschlüsse gelangt, für die Araber eine Arkcrbausdinlc in Tulkcrcm zu errichten, für die Juden das lichräi;che Gymnasium in Jerusalem zu bauen, hcziehungsweise das bestehende Gymnasium zu übernehmen. Nun kommt die arabische Exekutive und — beschwert sich darüber, daß die Juden die Hälfte des Geldes bekommen.... Der Protest verdient wörtlich übersetzt zu werden, nicht nur wegen seiner komischen Seite. Er ist ein schmachvolles Dokument für die nntiziösiissisehe Orthodoxie. ״Das Exekutivkomitee des sechsten nrabiseben Nationalkongresscs hat die Angelegenheit des Vermächtnisses gcprüft, welches der int Irak verstorbene Wohltäter, der Jude Kadoorie,!unterlassen hat und hat gefunden, daß dieses Testament keinen politischen Charakter hat und nur für die Förderting der Bewohner dieses heiligen Landes mit den Mitteln der allgemeinen Bildung bestimmt war, daß der jüdische Erblasser kein Zionist war und daß sein Testament keinen politischen Charakter trägt •— dritter widerspricht das Judentum des Testators nicht dem Rechte des arabischen Exekutivkomiiees, au dein Testament idlztinehmen, weil ja in den Augen des Komitees Muselmanen, Christen und Juden gleichberechtigt si; d, solange sie die Prinzipien anerkennen, welche von den Kongressen der Laudcsbcwohner seit der britischen Besetzung angenommen worden sind. Die jüdischen Ortlindoxcn s i n (1 m i t d c n Arabern einig i 11b e z u g auf diese grundlegenden gerechten Prinz!- p i e n und scheu die S c I) ä <1 c n der zionistischen Politik und haben daher in diesem Lande keine Gegner, and das arabische Exekutivkomitee, das Vertreter der palästincnsischcn arabischen Politik ist, sieht keinen Grund, sich von ihnen zu entfernen oder ihre Spenden nicht anzuneltmen oder zu verhindern, daß sic Spenden von Nichtjuden genießen. Daher sieht das Exekutivkomitee keinen Grund, warum cs nicht verlangen seilte, daß die Regierung bei Verteilung der Spende des Wohltäters gerecht Vorgehen sollte. Die Reglermig hätte die Spende von 100ÜOO Pfund auf die drei Religionen — islamitische, christliche lind jüdische — in der Worte verteilen sollen, daß diese Verteilung dem Prozentsätze der Bevölkerung entspricht. Statt dessen hat die Regierung dem Einflüsse der in ihr befindlichen Zionisten nachgcbend die halbe Stimme der zionistischen Exekutive gegeben, die nur eine Vertretung von 7t/0״> ״ der Bevölkerung ist — und auch liiervon müßte man die orthodoxen Juden, welche die Hälfte der jüdischen Bevölkerung mismndien, abziehen. Die Regierung hat für 03 ״/« der Bevölkerung nur die Hälfte des Oeldes be* stimmt. Das arabische Exekutivkomitee protestiert gegen diese Art der Verteilung.“ Während der Sekretär Mosa Kasim Paschas, Dcschemal cl Clutseini, dieses sonderbare Dokument veröffentlichte, hat ein früherer Sekretär Musa Knsims — nämlich Mu;1 Kasims von vor 1920, als er noch Bürgermeister von Jerusalem war, der arabische Schriftsteller Taufik Pcrach, in der arabischen Tageszeitung Lissan cl Arab einen Leitartikel veröffentlicht, der mit auffallender Nüchternheit die jetzige Politik des arabischen Exekutivkomitees bekämpft Taufik verweist auf die merkwürdige Tatsache, daß das Volk den aiUizioitistischen Bestrebungen der Führer recht gleichgültig gegeniibcrstcltc, was offenbar beweist, daß cs die zionistische Einwanderung nicht als sehr gefährlich .־tusche. Tatsache sei, daß heute Tausende von palä.s ti ne n si sc hc n L a 11 d c s b c w 0 h n er n von der B a 1 f 0 u r d c k! a r a t i o n leben. Wollte die palästinensische Bevölkerung ernstlich die Deklaration im Beginne ihrer Ans- Wirkung ersticken, so wäre ihr dies ein Leichtes. Taufik wendet sielt gegen die Abstinenzpolilik der arabischen Führer, welche dem Volke nur Schaden gebracht hat, indem sie den Einfluß der Araber auf dem Wege des Staatsrates oder der von der Regierung vorgeschlagencii gewählten Rats- Versammlung zunichte machte. Die Araber seien heute gar nicht reif für die Selbstverwaltung, ihr öffentliches Leben sei vergiftet von Haß und Zwietracht. ״Unsere Jugend keimt mir die Genüsse dieser Welt und verschwendet in Kartenspiel und ausgelassenes Lehen, was sic vonn den Vätern ererbt hat.“ Palästina sei allen drei Religionen heilig. Die Christen hätten ein ausgebreitetes Sclutlnctz, die Juden seien im Reitze eines großen Teiles des Handels und Geldwesens des Landes. ״Ihr seht also, daß Juden sowohl wie Christen iltte eigenen Bestrebungen haben, die mit denen der Araber nicht Übereinkommen. Jede der beiden Religionen will aus Palästina dis machen, was auch die Araber für sich selbst daraus machen wollen, Wenn wir amtelimcn, daß die arabische Selbständigkeit erreicht ist, würden nicht sofort Strei tigkeiten nnsbrcchcn, welche den natürlichen Einmarsch einer fremden Macht zur Folge haben müßten?“ Die Gründung einer selbständigen iiatioualcn Regierung ist nur ein Märchen, je mehr wir uns von der Mniulatarmncht entfernen, desto geringer wird unser Einfluß. Fünf Jahre haben wir schon versäumt.“ Die Protokolle <Icf Cliotvewe Zion Herr Cliajim Ettinger (Telawiw) hat unter großen Gefahren die gesamten Protokolle der Sitzungen der Citowewe Zion in Odessa nach Palästina gebracht. Die Protokollc — nenn große Foüobände — umfassen die Zeit von 1890 bis 1911 und sind eine historische Quelle von großer Bedeutung für die Geschichte der zionistischen Bewegung und der Paiiisiinakolonisation, deren erste Anfänge bekanntlieh unter der Patronanz der Chowcwc Zion standen. Die Protokolle wurden der Jüdischen National bi bliothek übergeben. Bekanntlich befindet sich auch das Archiv der Chowcwc Zion — eine Spende des Herrn Ussisclikln — im Besitze der Bibliothek. I. Die Zcntrnlkomitccsit/ung der Z. V. f. D., die am 31. August und 1. September l')21 In Bet litt statlfnml, war ein ziomrtrtdi;* Eiclgnls. Nicht so Sehr wegen dt s ie», was dort retcricit diskutiert oder gar beschlossen wurde, sondern vielmehr durch «Rn .'inneren Eindruck, den sie machte. Aus tlett entferntesten Gegenden Deutschlands waren die Mitglieder des Zentralkomitees und Vertreter der Ortsgruppen in einer Zahl erschienen, «laß die Sitzung schon mehr tien Eindruck eines kleinen Üelegicrtcntagc.s machte. Man hatte durchaus den Eindruck, als wenn der deutsche Zionismus aus seiner jahrelangen Lethargie erwacht sei, und als ob man sich mit einem Ernst und einer Intensität wie schon seit langem nicht mehr tan die Gegenwartsprobleme mühte. Die zionistische Krise, in der wir alle Jahre hindurch gesteckt haben, scheint überwunden. Oder richtiger: Sie kann überwunden werden, wenn wir nicht nur aus dem Schlaf aufwnehsen, sondern als Erwachte wieder uns zu regen und und zu arbeiten beginnen. Das scheint mir aber auch heute bitternötig zu sein. Wer cs noch nicht gewußt hat, «lern hat vielleicht die kleine Notiz in Nr. 72 tler jüdischen Rtmdsdmti die Augen geöffnet, die uns inittciite, daß der ״Erfolg“ unserer Bemühungen in den Jahren 1918—1921 noch nicht 3ÖÜ0O Einwanderer in Palästina sind. Wahrlich ein Mißerfolg, wie er schlimmer nicht vorstellbar ist. In diesem Tempo kann der Aufbau nicht weiter- ״eben, wenn wir nicht unsere Hoffnung, daß der Zionismus die Lösung der Jurtenfrage sei, für lange Zeit, vielleicht für immer attfgehen wollen. Es muß endlich wieder einmal ausgesprochen werden, daß es tieftraurig und beschämend, aber wahr ist, daß wir Zionisten vollkommen versagt haben. In «fern Augenblick, wo wir von der Ideologie und Phraseologie vom reinen Bckcnnermut weg zu ernsten Opfern hätten schreiten müssen, haben wir uns klein erwiesen. Wir haben den ernsten Mahnruf, den der Keren Hajes■־.od an uns richtete, nicht gehört, haben den Maaßer an Geld und Zeit, den er forderte, teils offen bekämpft, teils bagattellisiert und passive Resistenz geleistet. Wir haben, was immer und überall zum Mißerfolg führen muß, versucht, Forderungen, die man nur an sich selbst stellen darf, auf andere abzuvviilzcn. Und so kam cs, wie cs kommen mußte. Nach allem, was man aus Palästina hört und sieht, ist das, was dort geleistet worden ist, ungeheuer groß, imposant, überwältigend. Aber gemessen an dem, was wir erreichen wollten und was wir erreichen müssen, ist es winzig klein. Der Keren Hajessod hat, gemessen an anderen Fonds und gemessen an unseren Vorkrieg Sammlungen große Summen aufgebracht und Ge* waltigcs geleistet. Gemessen an dem, was er entsprechend seiner Aufgabe vollbringen muß, sind seine Einnahmen und Leistungen ungenügend. Wenn wir Zionisten unserer Aufgabe gewachsen gewesen wären, wenn wir wirklich die Bewegung des jungen Menschen, tler Idealisten gewesen wären, für die man uns hielt und für die wir uns selbst gehalten haben, dann wären wir heute weiter und hätten nicht nötig, das bcschäinendc Wort vom Consolldierungsbudget atwziisprcchcn, das die letzte A.-C,•Sitzung hat prägen müssen. Dann hätten wir cs auch nicht nötig gc• habt, den Vorschlägen Weizinaiins betreffend Jewish Agency zimwstimmcn, ja Weizmattn selbst hätte nicht nötig gehabt, die Mittel für den Aufhau Palästinas dort zu suchen, wo er sie hat Stichen müssen, nachdem wir versagt hatten, nachdem wir Uns weder von unserem Geld hatten trennen können noch von der keine Zeit lassenden Arbeit und Hast für den Geld• erwerb. Und gerade in den Ländern der heutigen Opposition und gerade in dem Kreis um einzelne Führer der heutigen Opposition hat sich der Maaßcrgedankcn am wenigsten durchgesetzt, sind die Eingänge des Keren Hajessod mit tun ge״ ringsten gewesen. So sind wir jetzt im Begriff, eine Ehe einzngehen, von der niemand heute wissen kann, ob sie glücklich wird oder nicht. Die Gefahr ist groß, «laß sie bei der ersten (oder zwanzigsten) Differenz so unerträglich wird, daß sie geschieden werden muß. Damm hat Lichtlicim in der Analysicrttng, warum cs so gekommen ist, teilweise recht. Aber ungeheure Gefahr birgt sein Rat, jetzt den einmal bcschrittencn Weg so zu Etuic zu gehen, wie er cs vorschlägt. Im Gegenteil; Pie Zionistische Organisation und ihre Menschen müssen jetzt endlich einmal aufwachcn Und sich auf ihre Pflichten besinnen, sonst ist alles, was bisher geleistet, alles, was wir erstrebt und erhofft haben, in schwerer Gefahr. Nicht so Ist cs, «laß wir jetzt wieder zu Ideologie und radikalisitschem Phrasentum zurückkehren dürfen, da die Sorge für die Aufbringung der Geldmittel ja die Jewish Agency übernimmt. Es geht auch nicht an, daß wir jetzt wieder — wie so oft — atfs der Not eine Tugend machen und nachwctsen, tlaß der jetzige Zustand der eigentlich erstrebenswerte und schon längst gewollte sei. Wir alle wollten, daß die Nicht״ ziontsten sich mit uns zum gemeinsamen Werk des Aufham verbünden. Aber wir hatten gewünscht und gehofft, daß unsere Leistung so imposant und überwältigend sein würde, daß wir nicht zu einzelnen Großjudcn zu gehen brauchten, sondern daß sic die Masse des Volkes in Begeisterung ver״ setzte, und so die Führer zwänge, mit uns zu 'gelten. Es ist danch unsere Schuld nicht so gekommen. Wir können heute nicht die Leistung zeigen und trotz Opfermut einzelner Zio״ nisten nicht auf den großen, gewaltigen und darum über״ wältigenden Opfermut der Zionisten verwerten. Und damit» ist unsere Stellung so erschwert und unser Volk so in Gefahr, Und wenn wir nicht völlig Schiffbruch erleiden wollen, dann müssen wir in dieser Stunde erkennen, daß die Jcvvlsli Agency, wenn sie zustande kommt, eine Wohltätigkcitsorganiitation werden wird, wenn wir ihr nicht unseren Stempel auf״ drücken. Sic wird — bestenfalls — kolonisieren, wie die ka und Baron Hirsch und der Hilfsverdn ca vor dem Krieg getan haben. Was dann entsteht, würde jedenfalls nicht das nationale Heim des jüdischen Volkes sein. Das können wir verhindern, wenn wir die Menschen stellen, die den Maaßer zahlen, und die durch dieses Vorbild den Maßstab liefern für das, was die andern zu geben haben. Wenn wir uns dadurch, daß wir den Maaßer an Zeit und Geld geben, das moralische Recht erwerben, auch von den anderen Leistung zu fordern. Wenn wir «lies nicht tun, dann wird auch die Jewish Agency — darüber kann kein Zweifel sein — die Mittel, die notwendig sind, nicht auf bringen. Und wenn wir nicht in unserem inneren Wesen stark' bleiben, und kraft unserer Idee die Menschen bezwingen und so fiir Nachwuchs sorgen, dann winl das Geld, das wir und die anderen geben, nutzlos vertan sein. Wozu Geld opfern, wenn das Land I f | ‘ | i i / /

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