Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 77-78 (26.9.1924)
- Date
- 1924-09-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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81 8ד דד Nr JUEDTSCHE RUNDSCHAU Seite 557 11 r e > a r n ft t e n n e e e n « 1t 4r h 1r d n lu IiS 1. ׳e it ß ,e!s. :e n Ir t-!s. n n 1c tr!B •r r• d n h!3 r« r* s. It n!r 1- IS• ft n •r e 1« u « t lt!» 1t e, 1. d rn j- 1• 1t, st >• n ir L d s e!r 8 Es wurde die Errichtung einer Exekutive für die nationaljüdische Jugend de• Slowakei, weiter die Schaltung eines Jugcndorgniiisationsfonds und eines Chahufonds beschlossen. Alle Jugemlgruppen verpflichteten sich, dahin zu wirken, daß überall hebräische Schulvcrcinc gegründet werden, und das hebräische Schulwcrk in Karpathorußland zu unterstützen. Jede Gruppe verpflichtet sich, dahin zu arbeiten, daß sie womöglich jedes Jahr die Ausrüstung*- und Alijahkostcn für einen Chaluz aus ihren Reihen aufbringen werden. In ein paar Tagen beginnt an den Universitäten das neue Semester, und so beginnt denn auch für den Antisemitismus an der Prager deutschen Universität ein neues Schuljahr. 11er Rektor der deutschen Universität hat nun den großen Hieb gegen die jüdische Studentenschaft geführt, ru dem er schon einige Male aus geholt hatte. Um den Proteststreik der deutsch-arischen Studenten gegen den jiidisehen Rektor Sleinhcrz irgendwie ru liquidieren, hatte man den Studenten bei den Verhandlungen versprochen, ihnen pro futuro hei der Rcktorwahl einen gewissen Einfluß zu gewähren. Nun hat man das Versprechen eingelüst. Es soll ein Studentenausschuß gewählt werden, der außer verschicdcncn Aufgaben studentischer Selbstverwaltung auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge, allgemeiner wirtschaftlicher und Dildungsfragcn (Bibliothek), der geselligen Gemeinschaft, Pilegc der Leibesübungen, der studentischen Disziplin usw. anclt vor der Wahl des Rektors gehört werden soll, ln diesen Ausschuß sind aber nur jene Studenten aktiv und passiv wahlberechtigt, welche ehrenwörtlich versichern, daß sic sich bei der letzten Volkszählung zur deutschen Nationalität bekannt haben. (Eine etwas unklare Ausnahme wird bei Hörern, die in Böhmen, Mähren und Schlesien geboren sind, gemacht. Hier genügt nämlich die Absolvierung deutscher Schulen. Aber wofür? für den Nachweis ihrer deutschen Gesinnung oder für deren Wahlrecht? Das geht aus dem Wortlaut, an dein wohl die großen Leuchten der juristischen Fakultät initgearbeitet haben, nicht übertrieben klar hervor; ist gegenüber der Tendenz des Ganzen wohl sicht sehr wichtig.) Dieser Erlaß ist eine eindeutige Beleidigung und Enticchtung der jüdischen Studentenschaft. Die Studenten, weiche sich ehrlich zu ihrem jüdischen Volke bekennen, werden zu akademischen Bürgern zweiter Klasse, zu Studenten minderen Rechts degradiert und aus der Gemeinschaft der Studeuten ausgeschlossen. Der Erlaß erregt großes Aufsehen. Die tschechischen Zeitungen haben sicii bereits der Sache bemächtigt. Die füdischnationalcn Studenten haben einen scharfen Protest dem Rektor zukomincn lassen, und drohen mit verschicdenen Abwehrmaßnahmen. Der jüdische Nationalrat in Prag wird sich dieser Tage mit der Angelegenheit beschäftigen und auch die jüdische Völkcrbundliga wird sich wohl der Sache annchmen. Der Verlauf, den die Angelegenheit nehmen wird, läßt sich heute noch nicht überblicken. Jedenfalls war dieser Erlaß des Rektors ein für die Autonomie der deutschen Universität, deren sic sich bisher erfreute, recht gewagtes Unternehmen. P. S. Eben wird an dem Tage, da dieser Bericht ausgeht, am Schwarzen Brett der Universität ein Erlaß angeschlagen, in dem mat Rücksicht auf die ״Bedenken“ des »■•Unterrichtsministeriums die ,*Durchführung des Erlasses“• ein- ',‘gestellt wird. Das kommt vorläufig einem Begräbnis gleich. Ob damit die Angelegenheit erledigt ist, wird die Zukunft lehren. Olüzlcller rumSnischcr Antisemitismus (Von unserem M. R.-Korrcspondcnten) Bukarest, 18. September 1024. Der Antisemitismus in Rumänien zeigt sich immer schämloser. Es mehren sich die Fälle, wo es sich nicht mehr um kleine Schikane handelt, sondern das Prinzip der gesetzlichen Gleichberechtigung unbedenklich verletzt wird. So merkwürdig cs klingt, man greift wieder auf die alte rumänische Verfassung zurück, wonach Grund und Boden in Rumänien nur Rumänen orthodoxen Glaubens erwerben können. Und das geschieht ganz offiziell unter den Augen des Völkerblindes, des zivilisierten Europa und der ganzen Welt. Im übrigen wollen wir die einzelnen Fälle für sich selbst sprechen lassen. Die Stadtgcincindc Dorna-Vatra (Bukowina) bringt zur allgemeinen Kenntnis, daß sic im Stadtzentrum mit Zustimmung des Innenministeriums Parzellen im öffentliehen Lizitationswege verkaufe und daß nur Rumänen von Geburt an der Versteigerung teilnehmen dürfen. Daß diese Kundmachung, welche vom Innenministerium approbiert wurde, in krassem Widerspruche zum Art. V und VIII der Konstitution steht, wonach alle Rumänen ohne Unterschied der ethnischen Abstammung, der Sprache und Religion vor dem Gesetze gleich sind, schert die heutige rumänische Regierung nicht. Einen zweiten krassen Fall der Rechtsverletzung stellt die Verordnung der Gemeinde Poianastampi dar, deren Bürgermeister den Eigentümer eines Hauses, einen geborenen Rumänen, auffordert, seine jüdischen Mieter aufs Pflaster zu setzen und ihm bei Nichtbcobachtung der Aufforderung den Entzug des Weidcrcchtes auf den Gcmcindcgründen androlit.!Dieser Drohung schließt sich das Pfarramt an. Ein interessantes Dokument stellt die Verordnung des Untcrrichlsministers dar, in welcher er seine Untergebenen »utfordert, einen rücksichtslosen Numerus clausus, wenn möglich, sogar einen Numerus nullus cinzuführen. Wenn diese Verordnung des Unterrichtsministers genau cingchalten wird, was zweifellos erscheint, dann stehen wir vor einer Eliminierung der jüdischen Schüler aus allen Siaalsschulcn. Allen diesen geheimen und offenen Verordnungen setzt das offizicile Amtsblatt der rumänischen Eisenbahner durch seine Stellungnahme zur jüdischen Religion die Krone auf. Darin wird die Frage aufgeworfen, die schon Lessing be- 6chäftigt hat, welche Religion die wahre sei und sefbstver- *ländlich wird in diesem ״kulturellen“ Teil des Amtsblattes blutrünstiger Antisemitismus gepredigt. Das bekannte Doppelspiel der byzantinischen Regierungsmaximen nützt nicht mehr. 211 Hause schafft man Ausnahmegesetze für die Juden, läßt das offizicile Regierungsorgan, den ״Viitorui“, ins antisemitische Horn blasen und draußen posaunt das fürs Ausland bestimmte Regierungsorgan .,Inadpcndcncc Roumainc“ aus, daß in Rumänien eigentlich keine Minoritätenproblcme existieren und daß man mit der liberalen Regierung zufrieden sei. So kann es nicht weiter gehen. Die Juden werden uncrmüdlich den Kampf um ihr volle* Recht als Menschen und Bürger Rumäniens führen, sie werden sich nicht zu Bürgern zweiter Klasse hcrabdrückca lassen. In diesem Einsigar Vortrag Dr. SChmarJatlU Lettin• in Berlin. Corlinor Zionistische WoreinIfiunß Sonmecnd, äc» i. Oktober, «b«n<J« •H Uhr, im sr0i»«nS*«l dt* Kammermutikhiatti, Lfitiowitraist 113, iprlchl Herr Dr,'Sct>mtr|ahu Levln Ober de* Tlttau• Kstiea *um Frei!» von Merk 3,—, 1,— und 0,50 ln der B. Z. V., Melnekeitrttie 10, erhältlich. Fthrr.rbluduaa.a1 Slrteienbehn Nr. 4,01, QJ. ITntergrondbihni ßteledreleek, UobermlUolt Kure SlüEluilinsclie zu tlosch llasciianali nur durch d«n Keren Kajomoth!•©]Israel. Wer unseren Boilenbstlts In PaliUtln* ver1rr0»«en1 will sammle und spende Air (len K#r*n KaJ*m«th, Streben wird der gesunde Teil des rumänischen Volkes und die gesamte zivilisierte Welt die Juden unterstützen, denn das Recht liegt auf ihrer Seite. Die öffentlichen jüdischen Schulen Bcßarablcns, deren Romanir.ierung schon seit langem begonnen hatte, haben in diesem Schuljahr ein ganz verändertes Aussehen. Alle jüdischeu Leiter, sowie die Mehrzahl der jüdischen Lehrer wurden durch christliche Rumänen ersetzt, so daß die jüdischen Schulen ihren spezifischen Jüdischen Charakter verloren haben. Es werden bereits christliche Kinder in diese Schulen aufgenommen. — Das Zentralkomitee der zionistischen Födcration in Rumänien hat einen scharfen Protest gegen die Verfolgung des jüdischen Schulwesens in Bcftarabicn veröffentlicht. Das Komitee fordert die Verwirklichung des königlichen Dekrets vom 24, August 1018, in welchem die Rechte der Minderheiten auf ihre nationale Schule garantiert werden. (J. T. A.) Die Aiijaii ans Deutschland im Jahre 5684 Wir haben uns an das Palästina-Amt in Berlin gewandt mit der Bitte um einen Bericht über die Palästinawanderung im ablntifendcn Jahre. Das Palästina- Amt sclireibt uns hierauf: Während noch die drei ersten Monate des Kalenderjahres außerordentlich stark unter dem Eindruck der in Palästina herrschenden Arbeitslosigkeit standen, brachten cs die ersten Meldungen über die Erweiterung des Tabakanbaus mit sieb, daß der Drang zur Alijah bei dein Berliner Palästina-Amt sich außerordentlich vergrößerte. Diese Neumcldungen rekrutierten sich hauptsächlich aus solchen Elementen, die bei der geringen Alijah der letzten Jahre der Clialuziuth verloren gegangen waren, da bei der geringen Anzahl von Zertifikaten, nur für ganz wenige die Möglichkeit bestand, in absehbarer Zeit nach Erez-lsrael zu gelangen. Jetzt, wo man auf Grund der Nachrichten aus Palästina wieder neue Möglichkeiten sah, stellte man sich wieder bedingungslos in die Reihen des Hechaluz. Es soll nicht geleugnet werden, daß die wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland dies zum Teil wenigstens recht leicht machten. Unter Berücksichtigung dieser Umstände wandte sich das Palästina-Amt Berlin an die Exekutive, um einen prozentuell größeren Anteil bei der Verteilung der überhaupt zur Verfügung stehenden Zertifikate zu erhalten. Leider blieben alle diese Maßnahmen ohne den gewünschten Erfolg. Das Pa• lästina-Amt Berlin erhielt im laufenden Kalenderjahr Ins. gesamt 125 Zertifikate für landwirtschaftliche und handwcrklichc Arbeiter, sowie 20 Zertifikate für Mädchen. Diese Zahl entspricht bei weitem nicht den Anforderungen, die an das Amt gestellt werden. So wurden z. B. im Mai d. J. für die dringlichsten Bedürfnisse 200 Einreise-Erlaubnisse ge fordert, von denen die Exekutive nur 50 zur Verfügung stellen konnte. Es sei In diesem Zusammenhänge bemerkt, daß solche Zertifikate nur an solche Chahizlm oder Arbeiter erteilt worden sind, bei denen neben einer gründlichen fachliehen Ausbildung bzw.' manuellen Arbeit, die Gewähr vorhanden war, daß sie aucli gesinnungsgemäß bereit waren, für den Aufbau des Landes unter Hintansetzung ihrer Person zu wirken. Auf diese Weise besteht auch heute noch der Zustand, daß eine relativ hohe Zahl fertig nusgcbildcter Chaluzim lür die Alijah vorbereitet sind, ohne daß die Möglichkeit gegeben ist, ihrem dringenden Verlangen zu entsprechen. Alles in allem war die Cliaiuz-Alijah aus Deutschland in den ersten acht Monaten dieses Kalenderjahres bereits 40—50«/״ stärker als in dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. Jedoch sind außerdem, wenn auch bisher geringe, Fortschritte in der Ucbcrsicdlung von Personen und Familien, die drüben wirtschaftliche Unternehmen gründen, in diesem Jahre zu verzeichnen gewesen. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Deutschland haben einen größeren Umfang einer derartigen Alijah verhindert. Trotzdem sind im Frühjahr auch aus Deutschland eine bisher nicht gekannte Zahl von Touristen nach Palästina gefahren, es sind über 100, die zum Teil nach wirtschaftlichen Perspektiven im Lande Umschau gehalten haben. Andererseits trugen diese Touristen nach ihrer Rückkehr nach Deutschland sehr dazu bei, die Arbeit in den zionistischen Ortsgruppen durch die Eindrücke, die sie selbst im Lande empfangen naben, zu beleben. Auch die Durchwanderung von Olim durch Deutschland, d. h. solchen, die aus den ehemals russischen Randstaaten ihre Palästinarcisc antraten, war in diesem Jahre ungefähr um denselben Prozentsatz stärker, wie die Alijah aus Deutschland seihst. Bel diesen Durchwanderen« ist der Prozentsatz der Familien, die zwecks industrieller und kleinbürgerlicher Existenzgriindung nach Palästina gingen, wie stets bedeutend stärker als bei den Olim aus Deutschland. Bemerkenswert ist nur die eine Tatsache, daß im Gegensatz zu allen früheren Jahren die Alijah nach Erez-lsrael wahrend der Sommermonate größer war als während ■der wegen der klimatischen Verhält״ nissc bevorzugten Wintermonate. Hierin scheint ein Um• stand zu liegen, der für die Verbreiterung der Alijah in den kommenden Monaten besonders günstige Perspektiven zeitigt, für die »llcrdings eine erhöhte Erteilung von Einwanderung•־ erlaubnissen Voraussetzung ist. ך— —«:׳;■.• Die RIoazab des IVeiMIcchalnz in Danzig (Spezialbericht der ״Jüd. Rundschau“.) Am 8. September fand in Danzig die Moazah des Welthechaluz statt, über die liier schon kurz berichtet wurde. Sie war ausgezeichnet durch großen Ernst und Sachlichkeit der Arbeit, es war deutlich zu spüren, daß hier Vertreter von Örunpierun^cn tirr.l Organisationen zusammenkamen, die durch gleichartige und sehr sachliche Arbeit miteinander verbunden sind. Besondere Bedeutung erhielt die Moazah durch die Beteiligung einer relativ größeren Anzahl von palästinensischen Chawerim, unter denen sich Sprinzak, Birv üurion, Sclikolnik!1. a. befanden. ... Bereits die Berichte, die von allen Landesverbänden ausilmrbeh gegeben wurden, bewiesen, um wieviel mau sowohl hinsichtlich des Umfange! wie auch der Systematisierung der gesamten Arbeit dr« I feebaluz wcilergckommcn ist. Es berichteten die Länder Polen, Litauen, Galizien, Deutschland, Tschechoslowakei, Oesterreich, Lettland und Rußland (in einer besonderen Sitzung), Rumänien konnte sich aus technischen Gründen nicht beteiligen, Aus den Berichten ging hervor, daß im welthcchainz zurzeit zirka 10CK» Chaluzim organisicrt sind, die all; eng mit den Mcrkasim der Länder verblinden sind, utvl von denen nur ein ganz geringer Prozent* salz (höchstens 5 #/.) sieh nicht in praktischer Ausbildung befinden. Teilweise Zohlenni gaben, z. B. aus Polen und Ga* hzieii, die nicht auf Grund einer genauen Enquete erfolgten, wurden In die (icsamtaiifstellung nicht mit hineingezogen. Ungefähr ein Drittel bis die ILütte aller Chaluzim beiiuden sich In landwirtschaftlicher Ausbildung. Bemerkenswert Ist, daß sich in allen Ländern auch eine Anzahl eigener Hachschnrahinstitut innen (landwirtschaftliche Siedlungen, handwerk- Kooperativen) befinden. Spürbar Ist nur die geringe Zahl der organisierten Chaluzoth. . Oie Tagesordnung umfaßte die Punkte Alijah, Hach* scharah, Tarbuth-Arbcit und Organisationsfragen. Die ganze Moazah litt unter dieser Reichhaltigkeit der Probleme, und es gelang nicht in allen Fragen z einer wirklich klaren Auseinandersetzung zu kommen. Die Diskussion hatte oft mehr den Charakter einer M c i n 1111 g s k 11 n d g c b 1111 g als einer Erörterung zum Zwecke der Meinungsbildung. Bcrrits die Alijah-Dcbattc erwies, daß die Orundfragcn des Hechaluz, seine Aufgaben und seine Grenzen, auch in seinen eigenen Reihen noch nicht genügend geklärt sind. Die An* Wesenheit der Palästinenser gab Gelegenheit, mit ihnen sich über die Zusammenarbeit mit der Haklallith auseinanderzusetzen. Gerade von ihnen wurde, sichtlich unter dem Eindruck der Moazah, auf den großen Wert der Arbeit des Welt-Hcchaluz hingewiesen. Bei der Erörterung der Alijah- Fragen kamen vor allem drei Tendenzen zum Ausdruck.. Es wurde betont, daß der Hechaluz danach streben müsse, innerhalb der ganzen Alijah nach Palästina stärker noch als bisher die entscheidende Rolle zu spielen. Es sei seine Aufgäbe, bei der Kontrolle der Alijah mitzuwirken und auch auf den Teil der Olim, die zwar nicht im Hechaluz organisiert sind, aber ungefähr ihrem Charakter nach der Chaluz-Aiijah ähneln, organisatorisch und erzieherisch einzuwirken. Besonders spürbar war dann das Streben, die Alijah. die bisher hinsichtlich der Zeit und der Verteilungsmenge der Zertifikate recht chaotisch erfolgte, systematischer zu gestalten. Genaue Beschlüsse versuchen vor allem das Zusammenarbeiten zwischen den Alijah-Institutionen der llista« drtilh llaklallith und dem Merkas des Wclt-Hcchaiuz zu sichern, um eine regelmäßige und geordnete, die richtigen Zelten und richtigen Berufe treffende Alijah der Chaluzim nach Palästina zu ermöglichen. Wesentlich war schließlich ein Beschluß, der auf <lc» Erfahrungen der letzten großen Alijah zur Zeit der Tabakarbeiten, wie auch auf den Forderungen der Palästinenser fußend, fordert, daß alle Landesverbände ihre Hachscharah so zu führen haben, daß jederzeit, wenn Palästina cs fordert, eine genügende Anzahl von Chaluzim zur Alijah zur Verfügung stehen. Der Hachscharah-Debatte gelang es nicht, alle Probleme, die sich aus der Diskussion ergaben, auch gründlieh zu erörtern. Es wurde daher beschlossen, In zwei Monaten eine neue, nur den Fragender Hachscharah gewidmete Moazah elnzubcriifcn. Audi hier war die Grundfrage die der Verengerting oder Erweiterung. Während von einigen Ländern, insbesondere Rumänien und Litauen, eine sehr kon* zentrierte Hnchscharah-Arbelt des Hechaluz gefordert wird, die nur die Chaluzim anerkennen will, die durch die eigenen Hachscharah*Institute der Landesverbände im Verlauf einer längeren, nach Jahren bemessenen Ausbildungszeit gegangen sind, wurde von anderen Ländern, vor allem Deutsch* fand und Polen, darauf hingewiesen, daß der Hechaluz auch danach streben müsse, weitere Kreise, insbesondere der jüdischen Jugend, in seinen Arbeitsbereich mit hineinzubczjehen und durch besondere Maßnahmen beruflicher und er* zicherlscher Arbeit sie als Nachwuchs der palästinensischen Arbeiterschaft vorzuberciten. Zu einer Klärung dieser Frage und einer endgültigen Fesilegung kam es nicht. Uns scheint auch, daß dies nicht möglich ist. Das Verhältnis von Hachscharah und Alijah zueinander, die Frage der Weite oder Enge der Hachscharah-Arbcit des Hechaluz kann nicht endgültig und eindeutig .für die Gesamtbewegung und lür alle Zeiten fcstgcicgt werden. Diese Entscheidung ist viel zu sehr abhängig von den verschiedenartigen. Bedingungen der einzcliicn Länder, insbesondere auch des Menschciirnatcrials mit dem der llcchainz jeweils zu tun hat, wie auch von ganz bestimmten sich zcitlichwandelnden Bedingungen der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes in Palästina. Aus den Hachscharah- Beschlüssen Ist dann noch die Feststellung wichtig, daß das beste Mittel, sowohl der beruflichen, wie aber vor allem auch der kulturellen, erzieherischen Hachscharah die Kon- Zentrierung der Chaluzim in ihrer Arbeit selbst verantwortliehen Gruppen ist, daß zu diesem Zwecke für die Erhaltung der bestehenden Eigcnbctricbc und für die eventuelle Neu- Schaffung solcher der Merkas Olami (Weltzcntralc) Sorge zu tragen hat. * ן Einen ziemlich weiten Raum in den Erörterungen der Moazah nahmen die Organisatiomfragcn ein. Es gelang zu Be- Schlüssen zu kommen, die a«1ch für eins der schwierigsten Länder, Rußland, wo gewisse intern: Differenzen bestehen, eine Lösung anbahnt. Von symptomatischer Bedeutung war die Erörterung der Schekelfragc. Man ging aus von der Orundainsteilung, daß der Schckcl In seiner augenblicklichen Form wegen der mit ihm verbundenen Ungerechtigkeit der Mandatsverteilung unhaltbar sei. Vor allem aber forderte man, daß sich zunächst die Parteien der Unken, die in Palästina zur Histadruth zusammengcschlosscn sind, auf einen einheitlichen ״Schekel- Avodah“ vereinigten. Darüber hinaus wurden aber auch deutliehe Stimmen laut, die einen besonderen ״SchckcS-Hcchaltiz“ forderten. Intcressapterweise vertraten diese Forderung die gleichen Kreise, die auch aut der Jugcndkonfcrcnz besonders vernehmlich hierfür cingetretcn waren. Begründet wird diese Forderung vor allem mit dem Hinweis, daß eine große Anzahl besonders jüngerer Menschen einen ״Schckcl-Hcchaluz" zwar kaufen würden, bei der augenblicklichen Situation jedoch Schckalim der Linksparteien, da sie sich parteipolitisch nicht festlegen weifen, nicht kaufen. Man kann jedoch die Befürchtunj nicht ganz unterdrücken, daß hier vielleicht unbewußte Tendenzen lebendig sind, im Namen der Parteiloslgkeit eine neue Partei zu schiffen. Die Moazah einigte sich aui einem Kompromiß, das erst dann, wenn binnen drei