Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 77-78 (26.9.1924)
- Date
- 1924-09-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr- Tfilc Der Prozess Steiger. — Die Vereinigung der zionistischen Territorial -Verbünde (Von unserem Korrespondenten,) Der Ausgang des Prozesses ״egen Stanislaw Steiger, der beschuldigt wurde, gegen den Präsidenten der polnischen .Republik eine Petarde geschleudert zu haben, wurde von der Jüdischen Bevölkerung in Polen mit großer Erbitterung autgenommen. Das Standgericht, das in der Regel nur zwei lUrteilssprüche kennt, Freisprechung oder Verurteilung rum!Tode, verwies den Fall vor das ordentliche Schwurgericht, )obwohl die Unschuld Steigers evident war. Die ganze Regie <ics Prozesses, die Vorgeschichte der Verhandlung, die Ver• ItandUmg selbst und das Echo, das dieser Prozeß in der gesamten polnischen OeffenUichkeit Sand, bewiesen neuerdings, Wie hltud, unbarmherzig und tief eingewurzelt der Judenhaß »des polnischen Volkes ist. Der Werdegang Steigers, sein Charakter, seine Lebensumstände weisen zweifelsfrei darauf liin, daß er eines Attentates nicht Billig ist. Die ukrainische 'Kampforganisation bezcichnctc in Brieten an das zionistische!Tageblatt ״C h w i 1 a h“ und an den Gerichtshof zwei ihrer Mitglieder als Täter. Zahlreiche Entlastungszeugen sagten aus, daß sie den Attentäter gesehen und daß dieser keineswegs mit Steiger identisch ist. Lediglich ein übel beleumundetes Cieschöpf, das erst vor zwei Jahren wegen notorischer Unglaub-!!Würdigkeit von einem Lcmbergcr Gerichtshöfe als Zeuge ab-!gelehnt wurde, bczcichnctc Steiger als den Täter. Auf Grund dieser einzigen Zeugenaussage, der objektive Umstände und!!Aussagen einwandfreier Personen gegenüberstanden, hielt der 1Staatsanwalt seine Anklage aufrecht und das Standgericht ׳konnte keine Einmütigkeit erzielen. Der Druck der Straße ״War eben zu groß. Polnische Zeitungen verschiedener Partei- Schattierungen behaupteten, daß Steiger der Täter sei und daß natürlich alle polnischen Juden mitschuldig sind. In einzelnen Städten wurden auf Grund des Lemberger Vorfalles die jikiisehen Schüler von den Spalieren, die die Schulen zu Ehren des Staatspräsidenten veranstalteten, ausgeschlossen. Die .:antisemitischen Hetzblätter Warschaus ergingen sich in den heftigsten Angriffen gegen die Zionisten und gegen die ,Juden. Interventionen jüdischer Politiker bei den obersten ,IVerwaltungs- und Justizbehörden wurden höflich mit dem!Bemerken abgetan, man könne i:1 kein schwebendes Verfahren;eingreifen. Eine Massensuggestion schlimmster Art veranlaßte!die Polizei, Spuren zu vernachlässigen, die zweifellos zur ,Feststellung der Attentäter geführt hätten. Wochen sind!mittlerweile verstrichen, die Täter wahrscheinlich längst in :Sicherheit und im Lemberger Gefängnis schmachtet der Jude Steiger, dessen einziges Verbrechen darin besteht, daß er!!Jude ist.! Der Warschauer ״Przeglond“ schrieb nach der Verkündung des lemberger Zwisclicuurteils: ״Die Masse wird in der 1Ucbcrzeugung groß gezogen, daß jeder politische Verbrecher, jeder Bolschewik ein Jude ist. Wenn von vornherein eine derartige Ucbcrzeugung vorherrscht, wozu soll inan da noch ׳Nachforschungen anstellcn? ist es nicht viel einfacher, den ersten besten Juden zu beschuldigen? Selbstverständlich ist ■eine derartige Massenstimmung für wirkliche Terroristen ein 'willkommener Nährboden, da sie sich geradezu sicher fühlen, Wer weiß, ob man nicht den richtigen Täter gefunden hätte, Wenn nicht dieses Vorurteil wäre, das im Falle eines Attentates "ua;h der nächsten jüdischen Physiognomie lauert und dann krampfhaft an der Behauptung festhält, daß ein zufällig erwischtcr Jude der Täter ist. Diese schädliche Psychose sollte ollen zu denken geben, denen Ordnung und Ruhe im Staate am Herzen liegen.“ י Am Sonntag, den 21. September, fanden in Krakau Befatungcn der Delegierten der bisher in Polen bestehenden vier Teilvcrbände der zionistischen Organisation statt. Zweck der Beratung war die Vereinigung zu einem einzigen Landesverband, dessen Zentrale in der Rcichshauptstadt iht n Sitz haben soll. Es wurde die Schaffung eines obersten ־zicmstischcn Rales beschlossen, der dem zionistischen Klub innerhalb des jüdischen Abgcordnctcnvcrbandcs zur Seite 6־, : 'nen soll. Die Vereinigung sieht eine weitgehende Autonomie der Teilverbände vor. Die endgültige Form der Organlsauon 6.1וי von einem Delcgierteniage aller Zionisten beschlossen werden, der spätestens bis Ende des Jahres 1921 zusammentreten s li. Anläßlich der Anwesenheit vieler Sejmabgeordneter und f.. ־.atoren auf der Konferenz fand , in Krakau eine Masscnvcri vmnlung statt, in der die Abgeordneten Grünbauin, Dr. Reich und Dr. Thon referierten und so auch äußerlicit zum Ausdruck brachten, daß die erfolgte Vereinigung der; onistischen Organisationen Polens eine Zurückstellung der zaischen den einzelnen Abgeordneten des jüdischen Klubs bestehenden Differenzen nach sich ziehen werde. Wiener Brief Vor den Wahlen in die jüdische Gemeinde Von unserem Korrespondenten Wien, 22. September 1924. Am 9. November sollen die Wahlen in die jüdische Gemeinde — die hier noch immer ״israelitische Kultusgemeinde“ heißt — stattiinden. Wie groß und wie tiefgehend die Wahlbewegung sein wird, stellt noch dahin; dies wird davon abhängig sein, ob cs irgendwelchen wählwerbenden Gruppen gelingen wird, durch programmatische oder pscudoprogrammatische Sehlagwortc gewisse Widerstände gegen sich zu entfesseln, im allgemeinen ist die Zeitläge einer jüdischen Wahlbewegung nicht günstig: die Wirtsehaftskrisc drückt auch dein jüdisch-sozialen Leben ihren Stempel auf und wirkt auf die nicht übermäßig stark entwickelte jüdische Aktivität der Wiener Judenheit recht ungünstig ein. Immerhin wird diesmal die Wahlbewegung im Vergleiche zu früheren Malen einen geänderten Charakter annehmen. Während früher in der Hauptsache der Kampf um die Kultusgemciudc von der Majorität des ״offiziellen“ Judentums (assimilatorische Groß- und Mittclbourgcoisie mit ihrem ganzen Anhang zahlloser Bezirks-Tempel-, ritueller und sotisfiger Vereine) auf der einen, den Zionisten auf der anderen Seite bestritten wurde, und die Aguda daneben als weniger bedeutender Außenseiter in Betracht kam, treten nunmehr neue Gruppen auf den Plan. Die Misrachi, bisher mit den allgemeinen Zionisten liiert, äußert die Absicht, gesondert zu kandidieren, falls man ihr nicht eine bestimmte!ge Vcrc! vo.1 30 Deili.ui:,vereinen konservativen Charakters, unter dem Namen ״Achdiis“ gegen die hcnschsüditigcn Tendenzen der Aguda-Orthodoxie gegründet, lugt nach Mandaten aus und zeigt anscheinend nicht übel Lust, sich zu in Wahlkampf auch mit der Aguda zu verbünden und schließlich ist eine Koalition der numerisch völlig bedeutungslosen radikalen ״Poale-Zion“ mit den mißvergnügten, sozialdemokratisch organisierten Kultי!; enroinüchc.)iiitcsi zustande gekommen, welche als ״jüdische Wirtsdinftspariei“ kandidieren will. Eine klare Stellungnahme ist noch auf keiner Seite erfolgt, dafür wird schon fleißig hin (er den Kulissen agiert und man spricht von dem bevorstellenden Abschluß verschiedener Wahlbündnisse. So soll nach den einen ein ״konservativer Block“ geplant sein, der Aguda, Adulas und — Misrachi zusam1ncf1fasr.cn soll, nach den anderen wolle die Aguda mit der sozialistischen ״Wirtschaftspartoi“ koppeln, die durch die Teilnahme der rcligion.sfeiadliehcn ״Poalc-Zion“ nicht gerade als konservativ angesehen werden kann. Auf der Seite der führenden Gruppen ln der Kulftisgcmeinde, der Zionisten sowohl wie der offiziellen Mehr• heitspartei, die einander in der Gcmcindcstubc im Verhältnis von 13:20 gegenüberstanden, ist die Majorität dafür, einen Wahlkampf zu vermeiden. Hüben wie drüben hat man sieh mit starker Stimmenmehrheit für den Abschluß eines K 0 111 pro 111 i s s c s ausgesprochen, das in den nächsten Tagen perfekt werden dürfte. Hierfür sprechen auf zio* nistisclier Seite verschiedene Erwägungen: durch die Zusanunenarbeit mehrerer Jahre ist cs gelungen, manche Gegensalze zu überbrücken und einander sowohl sachlich als persönlicli näiieraikommcn. Die vielfältige und mühevolle Tätigkeit der Zionisten in der ■zweitgrößten jüdischen Gemeinde Europas war von Anfang an von der Einsicht diktiert, daß in erster Reihe die Selbstständigkeit und Einheit der Gemeinde erhalten bleiben müsse. Lief gegen diese letztere die Aguda Sturm, so drohte der ersten «Sie würgende Wirtschaftskrise, die stete Gefahr des materiellen Zusammenbruches, das Lebenslicht auszublascn, und mehr als einmal schien der ״Regicrungskommissär“ als amtlicher Zwaugsvcrwalter vor der Türe zti stehen, dessen Installierung angesichts der unfreundliehen Haltung der die Wiener Kommune beherrschenden und stark von assimilatorischen Einflüssen aus den eigenen Reihen beherrschten Sozialdemokratie wohl das Ende der selbständigen jüdischen Gemeinde bedeutet hätte. Unter solchen Umständen mußten den Zionisten, welche die Bedeutiing der einzigen staatlich anerkannten und mit verscliiedenen Rechten ausgestatteten jüdischen Zcntralorganisatiou zu würdigen wußten und die Notwendigkeit ihrer Unterhaltung stets betonten, daran gelegen sein, mit allen Mitteln einen Zusammenbruch zu verhindern, und 80 wech• selten in der KiiHnssliibe bald die Rollen: Die a’s Oppositionelle cingczogcn, übernahmen rasch die Aufgabe, die Majorität an der Stange zu halten und deren Demission zu ver hin• tl c r 11. Unter solchen Aspekten erwuchs eine Arbeitsgo meiiischaft, der zu prinzipiellen Kämpfen wenig Zeit blieb, der aber das wesentlichste gelang, die Erhaltung der Gemeinde, zu welcher die zionistische Fraktion vielleicht das meiste heigetragen hat. Wenn heute auf nicht• und anttzionlstischcr Seite in- und außerhalb der Kultusstubc diese Verdienste der Zionisten völlig anerkannt werden, so ■ Ist andererseits festzusielleu, daß sich ini Laufe der Zeit die Vertreter des Assiniilationsgcdankcns der zionistischen Anschauung einiger• mallen genähert haben. So konnte u. a, die Subvcntionicrung des nationalen Schulwerks durch die Kultusgcincindc, die sich allerdings der Not gehorchend in bescheidenem Rahmen bewegen muß, die Errichtung einer modernen Iwrith b’Iwritli-Bibelscliulc durchgcsctzt werden; es wurde erreicht, daß die Gemeindevertretung an alljüdisehen Agenden teilnahm und offiziell gegen jeden Versuch einer Schmälerung der jüdischen Rechte bei der Regierung vorstellig werde, —■ was eine prinzipielle Durchbrechung des Grundsatzes der ״Kirchcn"gcmcindc bedeutet —־ und schließ׳ lieh kam nach langem Hin und Her eine Wahlreform zustande, die in der Richtung der Demokratie im Vergleich zu dem früheren reaktionären Wahlrecht einen starken Fort׳ schritt bedeutet (Verleihung des aktiven Wahlrechts an Aus׳ )ander; dagegen Voraussetzung zum Wahlrecht eine min׳ destens zweijährige Stcucrleistung), wenngleich cs noch nicht allen Anforderungen gerecht wird. Tsc'״: ״ יו^ייץ Ui Jk Sprechen alle diese Umstände gegen einen Wahlkamp' der beiden Richtungen,, dem auch die lokale Stimmung gar nicht günstig ist, so kommt hierzu noch der Umstand, daß cs eine richtige programmatische Assimilation hier nicht mehr gibt. Ihre Reste, ohne Nachwuchs, stehen physisch auf dem Aussterbeetat und kommen weder als Gegner noch als zu bekämpfendes Element in Betracht, der Kern des früheren kompakten antizianistischcn Lagers ist heute in tieferem Sinne eigentlich programmlos, man hat dort die Zionisten in der positiven Arbeit respektieren ge lernt und hat mit dem Zionismus einen Ausgleich zu einem gewissen Prozentsatz geschlossen. Man ist dabei meist schon beruhigt, wenn dessen Wortführer die Forderung nach ״ge seitlicher Anerkennung der jüdischen Nation“ zuriickstcllcn, wobei angemerkt werden kann, daß dieses Postulat von seiner theoretischen Klärung noch weit entfernt ist und daß ein solches bestenfalls ein Stück Zuktmftsprogramm sein darf, nicht aber iif ein Wahlprogramin hincingehört. Es soll nicht verschwiegen werden, daß dieses Kompromiß der Zionisten, mit welchem sicher zu rechnen ist, nicht mit der ״jüdischesten“ der wahlwcrbcndcn Richtungen geschlossen wird. Aber vom Misrachi ׳abgesehen, gibt es schlechterdings keinen möglichen Koinpaziszcntcn und die Situation der KnUusgcmeinde ist keineswegs schon so gcsichert, als daß sich nicht ein Kompromiß nach jeder Riehtung rechtfertigen ließe, welches unter der Losung: Zusammenschluß der für die Erhaltung uhd Einheit der Gcmcindc Eintretendcn erfolgt. Der Abschluß dieses Kompromisses, das keineswegs ein Abschwcnkcn vom gesunden zionistischen Radikalismus bedeuten darf — auf unreifen Wortradikalismus verzichtet man gerne — wird die zionistisdic Position auch dann nicht schwächen, wenn, etwa der größeren Zahl der Wahlpartcien und der Ausdehnung des Wahlrechte zufolge, die Zahl der gewählten Zionisten kleiner sein sollte als bisher; ebenso wie der zionistische Einfluß keineswegs den! einer Minorität entsprach, sondern zeitweilig geradezu ein natürlich nicht durch die Ab• Stimmung zu erfassendes Ucbcrgcwlcht bedeutete. Arthur Freud. Orthodoxer Flucli gegen hcbrülccJie Schulen. — Jugendtagung. — Entrechtung jüdischer Studenten Von unserem Korrespondenten. —uch. Prag, 13. September 1924 Das Anwachsen der zionistischen Bewegung in der Slowakei und Karpatborußland, das, seitdem diese Länder an die tschechoslowakische Republik gekommen sind, immer mehr zu verspüren ist, spornt die zionismusfeindliche Orihodoxic, insbesondere die agudistischen Kreise, die um die sogenannte orthodoxe Kanzlei in Bratislava (Prcßburg) gruppiert sind, zu immer größeren Anstrengungen und za immer schärferen Kampfmethodcn an. Die verschwenderische־ Art, mit der die antizionistischen orthodoxen Rabbiner in der Slowakei und in Karpatborußland mit Flüchen und Bann- Sprüchen gegen die Zionisten — manchmal freilich auch gegen rabbinischc Konkurrenzen — umzugehen pflegen, ist heute schon allgemein bekannt. Nu» ist ein neuer, beinahe grotesker Fall ־zu verzeichnen. Die Grundsteinlegung des hebräischen Gymnasiums in Mtmkacz, der größten Stadt Karpathorußlands, die vor einigen Wochen erfolgt ist, hat den Zorn der politischen Orthodoxie zur Siedehitze gesteigert. Die orthodoxe KuHnsgcmeindt Mtmkacz hat nun gegen das Gymnasium, und alle, die cs besuchen und unterstützen, einen Fluch geschleudert. Sein Wortlaut, den wir, in etwas gekürzter Uebcrsctzung aus dem Hebräischen im folgenden abdrucken, ist gewiß nicht moralisch, sondern auch kulturhistorisch von Interesse. Er lautet: ״Gelobt sei der Name! Zahl ■195/1024. Nachdenken und Herzenskummer am Tage, wo der Feind erstarkte. Wir beklagen es tief, daß zu unserer Zeit, durch unsere vielen Sünden die Zionistische Organisation so sehr erstarkt ist und sich nun erfrecht hat, ein Götzenbild im Oottcspalast nufziirichten, indem sie den Grundstein zu einem abscheulichen Gebäude, dein hebräischen Schulgebaude, gelegt hat. Wer versteht es nicht, daß der Bau eines so häßlichen Gebäudes eine Zerstörung und Demütigang der Thora bedeutet für unser kleines Land Karp. Rus im allgemeinen und für unsere heilige Stadt im besonderen. Wir haben alles getan, ihre Werke zu entwurzeln, ihre ruchlosen Pläne zu zerstören, wie cs der Ocffcntlichkeit bekannt sein dürfte, vor allem in der Generalversammlung am Sonntag, wo sich die Spitzen der israelitischen Stämme und an deren Spitze, die Herrlichkeit und Heiligkeit des Rabbiners, der Herr, die Leuchte, der Stolze, der Gerechte mit 6cincm Gerichtshof und seinen Gemeindcvcrsorgcm sich zusammenfanden und den Beschluß faßten, daß wir in jeder Hinsicht gegen den Bau eines hebräischen Gym• nasiums sind. Wir haben es selbst verschuldet, daß es, soweit gekommen ist. Als der zionistische Geist vor einigen Jahren bei uns zu arbeiten begann, da warseine Kraft klein und winzig. Und nun ist er zu einer großen Flamme und Kriegsfeuer geworden. Selbstredend gilt zu solcher Zeit die Autorität des Ortsrabbiners und seines Gerichtshofes nichts. Unser Herz tut uns weh, wenn wir sehen, daß Brüder unserer Gemeinde uns mit Zorn und Verachtung über• schütten; daran sind auch die Zionisten schuld. Sic sind es, die mit ihrem Zanken die Autorität des israelitischen :י Gerichtshofes׳ erniedrigt haben; und das• ganze Volk sah die Geringschätzung, welche man den Verboten und Ver• Warnungen unseres großen Rabbiners bzw. Gerichtshofes entgegenbrachte, sowie denjenigen der übrigen Rabbiner, die als Leuchte der Diaspora gelten, als sie den Rabbinerassessor und Schächter (der Beizer Partei) in Acht legten. Und darum glückte es dem Satan, in unserer Stadt zionistische Schulen zu errichten und diese erwischten in ihrem Netz viele arme reine Seelen; während unserer Zänkereien ist es den tötenden Insekten gelu ngen, ihren Gestank zu vervielfachen. Schon über die Anfänge ärgerten wir uns; mit aller Kraft werden wir den ersten Protest, den wir in der genannten Generalversammlung erhoben haben, festhaltcn. Wer unserem Munde widersprechen wird, wer seine Söhne und Töchter in genanntes Klosett (Hebräische Schule) schicken wird, den werden wir, dazu sind wir entschlossen, mit allen Arten von Verfolgungen, die nur in unserer Macht sind, verfolgen, mag dies seitens des RabbinersodcrdcssenGcrichtshofesoderseitens unserer Kultus gemeinde geschehen; die Welt ist noch nicht herrenlos. Und wir noffen im Namen Gottes und seiner Thora, daß der Betrüger sein Wild nicht räuchern wird. Und wir wollen das Gottesvolk entflammen und alle, bei denen der jüdische Funken noch nicht erloschen ist, anflchcn: erbarmt euch der Ehre Gottes und seiner Thora, erbarmt euch der Seelen eurer Söhne und Töchter und meidet die Zelte ,dieser frevelhaften Menschen und Verwüster Zionr. Das sind diejenigen, bei denen wir großen Fleiß und Herzensfreude sahen, als man dieses abscheuliehe Gebäude zu bauen begann, die eilig und gedrängt auszogen und sich rühmten, an dem Ausgraben zum Grundstcinlegcn beteiligt zu sein. Wir zitieren den Satz: Ein Gut, dessen Anfang eilig ist, dessen Ende wird nicht gesegnet sein. So wolle und gebe Gott. Mukacevo, Mittwoch (Abshenitt Ekcv) 68-1 n. j. Zeitrechnung. Die Autonome Orth. Isr. Kultusgemeinde zu Mukacevo.“ Es ist klar: es kann sich bei solcher Methode den Führern der politischen Orthodoxie nicht um Religion, sondern nur ־:r.i Politik handeln. Sic fürchten ihren Einfluß, ihre Macht, und somit auch ihre ökonomische Position zu verlieren und kämpfen. Daß Politik den Charakter verdirbt, ist ein altes Sprichwort und cs wird noch lange dauern, bis es seine Geltung verlieren wird. Trotz dieser Angriffe und anderer größerer und kleinerer Hindernisse sind die Fortschritte der zionistischen Bewegung in diesen Ländern unverkennbar. Ihr großer Vorteil ist, daß sic die Jugend auf ihrer Seite hat. Das hat jüngst wieder der ״Erste Jugendtag der zionistischenjugend der Slowakei“ gezeigt, der am 7. und 8. September in Nitra stattgefunden hat. Es war ein Fest voll von Be* geisterung und jugendlicher Zuversicht in die zionistische Sache. Uebcr 600 Schomrim und Schomroth, über 200 Turner aus allen Teilen der Slowakei, sowie zahlreiche Delegierte anderer Jugcndgruppcn hatten sich an der Feier beteiligt. Eine unübersehbare Menge bewegte sich am 7. September zum Festplatz, an dem die Eröffnung stattfand, und wo nebst vielen anderen Rednern Dr. S. K1 c i n, der Oberrabbiner von Nitra, und H. S. Kom los i die Festreden hielten. Au» den Beschlüssen, welche die Tagung faßte, sind hervorzuhebent ׳..!_ I