Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 77-78 (26.9.1924)
- Date
- 1924-09-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 77/78 fUEDtSCHE RUNDSCHAU Seite 555 Rundschau Zionisten Verfolgungen. — Von ahgesprengten Volksipllttcrn. — Zum Wiener Wnlilkompromlss. — Nachalimenswertcr Mut. — Nachman Syrkln RW. Berlin, 22. September. Die Verfolgungen gegen die Zionisten in Rußland haben ln den letzten Wochen Dimensionen angenommen, die auch die früheren Ereignisse dieser Art in Schatten stellen. Es hat ein systematischer Feldzug eingesetzt, besonders in den großezen Städten der Ukraine, und Masscnvciluftungcn von Personen, die zionistischer Betätigung verdächtig sind, sind alltägliche Erscheinungen. Besonders scharf werden die Angehörigen der linksstehenden Gruppen verfolgt, vor allem die Chawerim der liitachduth, der Zeire Zion, der Jugcndvcrciiic, Turnvereine nsw. Die Verhafteten werden meist in entlegene Teile Rulllaiids deportiert, zum großen Teil nach Sibirien verschickt, wie die politischen Gefangenen zur Zeit des Zarismus. Jeder Versuch, gegen diese grundlosen und unmenschlichen Mall* nahmen zu protestieren, wird mit neuen Verfolgungen benntwollet. Unnötig zu sagen, daß der größte Teil der Gefangenen sich in schwerer materieller Not befindet, und auch die Familien der inhaftierten zum großen Teil mittellos dastehen. Die zionistische Welt und mit ihr die ganze jüdische Ocffcntlichkeit steht fassungslos vor diesen Akten der Willkür. Die zionistischen Bestrebungen haben nichts zu tun mit innerer russischer Politik mul bedeuten weder eine Bedrohung des Sowjet-Systems, noch eine konterrevolutionäre Aktion. Es mag Zionisten geben, die eleu Gedanken der Diktatur des Proletarials ablehncii, aber ebenso kann cs Zionisten geben, die in den Versuch des Aufhaus einer neuen Gescilsdiaftsordiiung in Rußland eine grandiose Leistung von welthistorischem Range erblicken, die alle Sympathien vorwürtsstrebender Mensehen verdient. Gerade diejenigen Zionisten, die Sympathien für Rußland empfinden, sind auf das höchste befremdet von der grausamen und verständnislosen Behandlung, die den Zionisten in Rußland zuteil wird. Es ist leider nur allzu leicht 711 durchschauen, daß die Verfolgungen auf Racheakte der jüdischen Kommunisten zuriiekgehen, die seit Jahrzehnten erbitterte Feinde des Zionismus sind, noch aus der Zeit, wo cs keinen Kommunismus gab. Es ist aber nicht im Interesse Rußlands, diesen Tendenzen freie Hand zu lassen. Die zionistische Octfentlichkeit aller Länder wird jedenfalls das Schicksal ihrer Genossen in Rußland mit lebhafter Anteilnahme verfolgen. Nichts vermag so sehr unseren Glauben an die Macht der Idee der jüdischen Wiedergeburt zu stärken, wie die Erfahrung, welche kolossale Wirkung die Polschaft des jüdischen Er- Wachens auf ganz versprengte Teile des jüdischen Volkes ausübt. Die modernen Apostel des jüdischen Frciheitsgcrlaiikcns, die Keren l lajcssod-Emissärc, die heute in die ganze Welt ausgeschickt werden, haben darüber am meisten zu erzählen, und wir glauben gern, daß auch diese Männer, deren hingebungsvollcr Tätigkeit der Zionismus viel zu danken hat, aus solchen Erlebnissen Kraft und Mut schöpfen. Schon Weizmann erzählte bei seiner letzten Rückkehr aus Amerika von der großen Uebcrraschung, die für ihn die Begeisterung und Opfer- Willigkeit der Juden von Texas gewesen ist. Nun berichtet Dr. Alexander G oldst ein, der vor kurzem von einer sehr erfolgreichen Tour aus Südafrika ziirückgckchrt ist, von dem Interesse der südafrikanischen Juden für den Aufbau Palästinas. Goldstein mußte auf Wunsch der Juden von Rhode sia auch diese nördlich der südafrikanischen Republik gelegene Kolonie aufsuchen, in der cs nur etwa 170 jüdische Familien gibt. Das Resultat war eine Bcitragslcistung zum Keren Hajessod, die sich durchschnittlich auf 20 X pro Familie beläuft, eine Leistung, die bisher noch in keinem Land erzielt wurde. Aber nicht nur im Inneren Afrikas, auch am äußersten Rande Ostasiens leben Juden, die den Zusammenhang mit ihrem Volke nicht verloren haben und willig beitragen, wenn sie von den Bediirfnisscn des jüdischen nationalen Heims erfahren, ln Shanghai ist cs dem Delegierten des Keren Hajessod, Dr. Benzion, gehingen, 19 Zahlungen ä 500 £ zu erlangen. Besonders intcressant ist die bereits in der ״Jüd. Rundschau" berichtete Tat- Sache, daß auch ein japanischer Intellektueller sich der Spendenliste abgeschlossen hat. Wie die Rede Rabindranath Tagores, die wir wiedergegeben haben, so bedeutet auch diese japanische Spende einen Beweis für das keimende Solidaritätsgefühl der asiatischen Völker, die den in die alte Heimat ziirückkchrendcn Bruder mit Freundschaft und Liebe empfangen wollen. Für uns sind diese Zeichen der Sympathie begrüßenswerte Symptome, die unsere Hoffnung auf eine Zukunft des harmonischen Verhälthäitnisscs mit den Völkern Asiens beleben. Wir sind heute in der angenehmen Lage, unseren Lesern eine ganze Reihe von Berichten über das jüdische Leben nicht nur in Ercz-lsraei, sondern auch in verschiedenen! Ländern des Gaiuth vorzulegcn. Sie sind ein Spiegel der jüdischen Situation: Auf der einen Seite Leiden und Verfolgung, auf der anderen Seite Aufbau und Hoffen. Auch im inneren jüdischen leben vollziehen sich bemerkenswerte Entwicklungen. In dieser Hinsicht verdient der Bericht unseres Wiener Korrespondeuten über die Vorbereitungen zu den Wiener Gemeindewahien besonderes Interesse. Für jeden, der die Verhältnisse in Wien in den letzten 15 Jahren etwa verfolgt hat, dürfte cs überraschend sein, zu hören, daß bei den nächsten Kultnswahlcn die erbitterten Feinde von gestern und vorgestern Hand in Hand gehen werden gegenüber kleineren oppositio-!teilen Gruppen. Vor Jahren waren die Kultuswahlcn stets der Anlaß zu einem beispiellos heftigen Kampfe zwischen der herrschenden assimilatorischen Gruppe, der ״Kahal-Cliquc", und der aufstrebenden zionistischen Partei, die das revolutionäre Element verkörperte. Die Kultuswahlcn waren nicht nur ein Kampf um die Macht in der Gemeindestube, sie waren eine große Auseinandersetzung zwischen zwei einander schart gcgenüberstchcndcn Weltanschauungen. Bei dieser Gelegenheit wurde Abrechnung gehalten mit den volksfrcmdcn Notabcln alten Stils, die sich gegen jeden demokratischen Hauch abschlossen. Nach dem Krieg sind die Zionisten in erheblicher Zahl in die Gemeinde eingedrungen und heute sind sie bereits ein konservatives Element geworden, deren erste Sorge der Frhallung der Gemeinde gilt. Der Punkt, der noch vor einigen Jahren den schärfsten Kampf entfesselte, nämlich die /ionistisclic Forderung nach Anerkennung der jüdischen National'!- tat, wird als ״theoretisch" beiseite gestellt. Wir sind weit entfcrnt davon, das Verhalten unserer Wiener Gesinnungsgenossen, die selbst genügend verantwortlich sind, um den Kurs ihrer Politik zu entscheiden, zu kritisieren. JX£as uns zu diesen Bemerkungen veranlaßt, ist nur der unerklärliche Wider- Spruch, daß gerade manche Führer des österreichischen Zionismus in der Frage der Zusammenarbeit mit niclit/.ionistisclicn Juden in der Jcwisli Agency so skeptiscli sind. Es wurde sogar bereits ein Gerücht in Umlauf gesetzt, daß der Präsident der zionistischen Partei Oesterreichs wegen seiner oppositionellen Haltung in der Frage der Jewish Agmey sein Amt niederlcgen werde. Wir haben immer den Standpunkt vertreten, daß in der Jewish Agency, deren Zweck ganz, eindeutig der Aufbau der jüdischen nationalen Heimstätte ist, ein Zusammenarbeiten mit Nichizionistcii, die dieses Ziel anerkennen, erstrebenswert und wertvoll ist und daß die von den Gegnern des Projekts befürchteten Gefahren einer Abscltwiidiiing des zionistischen Radikalismus nicht bestehen. Es zeigt sich, daß gerade die Galuth-Politik i;1 c'ncni viel höheren Maße als die Palästina- Politik Verlockungen zu Kompromissen in sieh schließt. Solche Kompromisse sind wahrscheinlich notwendig, seitdem die ztonistisclic Partei aus dem Stadium einer kleinen oppositionellen Gruppe zu einer führenden Partei im Judentum cmporgesticgeii ist. Aber was sogar in der Wiener jüdischen Gemeinde möglich ist, was dort von verantwortlichen Zionisten als gelungener Versuch fruchtbarer Zusammenarbeit aut viel umstrittcneni Boden gepriesen wird, das sollte in der einem großen gesamtjüdischcn Zwecke dienenden Jewish Agency unmöglich sein? Rabbi Stephan Wisc Imt auf die Aufforderung eines amerikanischen Generals, er möge anläßlich des von der Regierung für den 12.September angesetzten ״Verteidigungs- Inges" einen patriotischen Gottesdienst In seiner Synagoge veranstalten, mit einem ablehnenden Briefe geantwortet, aus dem wir folgende Teile wiedergebe 11 möchten: ״ ... Als Amerikaner und als Rcligiansdiencr kann und will ich an diesem ״Vertcidigungstag", den ich für eine moralische Katastrophe lür die ganze Welt ebenso wie für unser Land halte, keinen Teil haben . . . Weit davon entfernt, dieser Institution meine Billigung zu geben, leime ich sic vielmehr völlig ab wegen der Verwicklungen, die sic im Inland und Ausland erzeugen muß. . . Sie ist schlecht, weil sie Zweifel wirft auf den Patriotismus unserer Bürger, der sich 1917 und 1918 genügend erwiesen hat. Aber cs ist noch etwas viel schlimmeres. Der Mcbilisicrungs- und Vcrtekligungstag muß notwcmligcrwci.se die Gedanken der Nation eher auf das Gebiet des Krieges führen, als die Wege zum Frieden suchen lassen. IXr 12. September scheint mir so wie vielen meiner christlichen Kollegen eine sehr bedauernswerte Geste zu sein, die der Welt zeigt, daß Amerika trotz gewisser mit halbem Herzen gegebener Fricdenserklärimgcn eher an Krieg als an Frieden denkt. Ich glaube nicht, daß dies wahr ist, aber es kann wahr werden, wenn der 12. September und ähnliche Erfindungen dies bcwirken. Als Amerikaner bin ich bereit, au jeder Unternehmung tcilziuicluiieii, die einen Dcmohili.sicrimgstng möglich machen wird. Als religiöser und ethischer Lehrer betrachte Ich cs als meine Pflicht, nicht jedem unüberlegten Vorschlag eines übereifrigen Kriegsamtes zuzustimmen, sondern zu tun, was ein einzelner Mensch tun kann, um seinen Mitbürgern das oberste Gebot der Stunde zum Bewußtsein zu bringen, und das ist: ernsthaft, wirksam und unaufhörlich die Mächte der Welt für den Frieden zu mobilisieren, was Amerika aus diesem oder jenem Grund bis jetzt verabsäumt hat.“ Diese tapferen Worte mögen manchem übcrpatriotischcn Rabbiner nicht nur in Amerika, sondern in Ländern der alten Welt zum Vorbild dienen. m Wir haben bercils vor einiger Zeit die Trauerbotschaft vom hinscheiden Dr. Nachman Syrkins gebracht. Dieses traurige Ereignis darf nicht vorübergehen, ohne einige Worte schmerzliehen Gedenkens für einen Mann, der einer der ersten Pioniere und bis an sein Lebensende einer der treuesten und unermüdliebsten Diener der zionistischen Idee war. Jeder, der Syrkln auch nur oberflächlich gekannt hat, jeder, der seine zahlreichen Aufsätze und Arbeiten über zionistische Probleme gelesen hat, konnte sich dem Charme lind der faszinierenden Macht dieser Persönlichkeit nicht entziehen. Syrkin, der vor ctaw 35 Jahren in Berlin studiert hat, und hier zusammen mit vielen bekannten Zionisten, wie Motzkiu, Schmarja Levin, Dr. Jacobson, Heinrich Loewc und anderen Im ersten zionistischen Studentcnvercin tätig war, hat sich frühzeitig zu der Erkenntnis ciiircligcrungcn, daß die Erlösung des jüdischen Volkes nicht durch seine nationale Befreiung allein, sondern auch, Hand in Hand damit, durch die soziale Befreiung der jüdischen Massen erfolgen müsse. Er gehörte zu denen, die sich die Verwirklichung des Zionismus nur hls ein Werk jüdischer Arbeit verstellen konnten, und daher wandte er der jüdischen Arbeiterbewegung als dem wichtigsten konstruktiven Faktor sein ganzes Interesse zu. Syrkln Ist aber niemals Dogmatiker und niemals einseitiger Partcimensch gewesen. Er war vor allem ein geistiger Mensch und trotz seiner freidenkerischen Gesinnung im Grunde «ine tief religiöse Natur, die auch aus den alten jüdischen Quellen stets neue Nahrung für seine jüdische Gedankenwelt rund seine jüdische Betätigung zog. Syrkin war ein fanatischer Verfechter der hebräischen Sprache und hat innerhalb der Poale Zion vor und nach der Spaltung Immer die Partei der palästinensischen hebräischen Gruppe genommen. Noch auf der letzten Konferenz der Poale Zion ln Berlin im vorigen Jahre konnte man sich von der umdogwatlschcn und überlegenen Art Syrkins, die zionistischen Probleme zu sehen, überzeuge.:. Er war der einzige, der den Mut hatte, auf dieser Konferenz für Weizmanns Vorschläge der Erweiterung der Jewish Agency cinzutrctcn. Die zionistische Bewegung ist um einen unermüdlichen Mitarbeiter, תמו einen noch im Alter jugendlichen Feuergeist, um einen in seinem Optimismus nie erlahmenden Enthusiasten, um einen prachtvollen Repräsentauten jener alten Garde, die immer weniger wird, ärmer geworden. Sein Andenken wird nicht nur im Kreise seiner engeren Genossen, sondern in der ganzen zionistischen Bewegung wcitcrlebcn. Dr. Jacobson Direktor der Hypothekenbank. Dr. Victor Jacobson ist zum Generaldirektor der Palästinensischen Hypothekenbank bestellt worden. Dr. Jacobson wird im November d. J. nach Palästina reisen, um seinen Posten nnzutreten. Die Palästinensische Hypothekenbank, deren Hauptbüro sich In Tel-Awiw befindet, hat bisher 360 Darlehen in einer Gesamtsumme von 48732 Pfund lür Häuserbau ln Jaffa, Tel-Awiw, Haifa. Tiberias und Jerusalem bewilligt. Sie hat soeben sicbciiprozentigc Obligationen in der Höhe von 100000 Pfund ausgegeben. ,(J.T.A,) Efnslela über das PaläsUaawerk Albert Einstein hat während seines Wiener Aufenthnltcs eiern Vertreter der ״Wiener Morgciizcilun״״ ein Interview gewährt, dem wir folgendes entnehme״; Auf die Frage, wie rr die Palär.tinnlragc sehe, sagte Einstein: ״Ich sehe sie von zwei Seiten. Erstens handelt cs sielt um das Problem der Siedlung, das nur durch großangelegte Hilfe von außen gelöst werden kann und zu dessen Gelingen die materiellen Kräfte allen Juden herangezogen werden müssen, zweitens um die Weckung der Privatinitiative hauptsächlich für Werke der Industric und des Handels, Den tiefsten Eindruck hat auf mich die entsagungsvolle Arbeit der jungen Leute gemacht, die aus den verschiedenen Gegenden zusauuncngikommen, cs verstanden haben, unter der Wirkung einer gemeinsamen Sehnsucht sich in ganz engen Gemcinschaftcn zusammenznfinden und durchaus einheitliche und planvolle Arbeit zu leisten. Besonders beim Besuch von Nahalal hat cs inicli tief ergriffen, wie die jungen Menschen, abgesehen von den schwierigen Verhältnissen, die sich bei jeder Siedlung mii neuen! Boden ergeben, unter einem KapPalsmangcl zu leiden haben, unter einer lächerlich geringen Schuld, weiche diese Leute so schwer bedrückt hat. Wie leicht wäre es eigentlich, diesen Leuten zu helfen und wie sehr verdienten sie cs! Ich glaube, daß niemand das Leben dieser Menschen sehen kann, oliiic die Pflicht zu fühlen, für sic alles zu tun, was in seine{; Macht liegt. Außerdem hat auf mich einen erfreulichen und guten Eindruck die Stärke des Unternehmungsgeistes gemacht, der sich in der städtischen Bautätigkeit zeigt; cs ist der Eindruck, daß da eben eine Entwicklung vor sich geht, diq einen fast lawinenartigen Charakter anninur.t. Man fühlt, daß dieses Werk von dem starkeii Gefühl einer Nation getragen ist. Sonst würde man die rapide Entwicklung, besonders an der Küste bei Tel-Awiw, kaum verstehen. Ich habe niemals den Eindruck gewonnen, daß die arabische Frage die Eutwickliuigsmüglichkcii des Paiäslinaprojektcs bedrohen könnte, leb glaube vielmehr, daß besonders zwischen der! unteren Klassen der Juden und der Araber im ganzen ein gutes Einvernehmen geherrscht hat. Die sozusagen in der Natur liegenden Schwierigkeiten kommen einem nicht zu 11cwußtscin, wenn mau an Ort und Stelle ist. Unvergleichlich! schwerer erscheint einem vielmehr die Frage der Rckonstn* ierung und der Sanierung des Landes. | Der Standpunkt, den die meisten Menschen bezüglich der Palästjnnfragc bei uns cinnehmcn, ist ungefähr der: Waa geht das uns an? Man könnte die Frage aufwerfen, welche große Bedeutung cs für ein zerstreutes Volk von sa und so viel Millionen haben könnte, ob man eine oder änderthalb Millionen von ilincn ln Palästina unterbringt. Jeh sehe wenigstens die große Möglichkeit der ganzen zionistische« Arbeit gerade in der Wirkung auf diejenigen, welche nicht i c diesem Lande wohnen werden. Es ist da die Wirkung nach innen und nach außen festzustellen. Die Wirkung nach innen liegt, nach meiner Meinung, in einer sozialen Gesundung der Juden in dem! Sinne eines freudigen Gemeinschaftsgefühles des Sichselbstgenü« gens, die das gemeinsame Ziel in den Menschen hervorrufe« muß, und die die neue junge Generation — nicht nur 1« der zionistischen Jugend — außerordentlich vorteilhaft unterscheidet von der früheren Ocncration, deren Bemühen, in der nichtjüdischen Gesellschaft aufzugehen, zu einer fast tragisch! zu nennenden Haltlosigkeit geführt hat. Das ist die Wirkung nach innen. Die Wirkung nach außen sehe ich ln der Haltung, die eine menschliche Gesellschaft nur durch kollcktivc, produktive Leistung gewinnen kann. Ich glaube, daß die Existenz eines jüdischen kulturellen Zentrunk die moralische und politische Stellung der Juden ln der ganze« Welt festigen wird, eben dadurch, daß eine Instanz da ist, welche die Interessen des ganzen jüdischen Volkes gewissermaßen verkörpert. Um dieses Werk zu vollführen, kt es notwendig, daß die. große Arbeit nicht auf dei Schultern der Zionisten allein ruht. Sie muß immer mehr auf die Schultern de«! Gesamtheit verteilt werden. Es ist erfreulich, zu sehen, daß dieser Prozeß In den letzten Jahren große Fortschritte ge* macht hat, besonders ln Amerika, Fngland und Deutschland, Das allcrschwicrlgstc ist von den Zionisten geleistet worden. Das Werk hat Dimensionen angenommen, die es zu einer Angelegenheit der jüdischen Ocsamthelt machen. Es ist erfreulich, daß das Verständnis für de« hohen Wert dieser Aufgabe In der jüdischen Ocsamthelt immer weiter fortschrcitct." Manla Schochat verhalle! ״Sunday Expreß" Vom 21. September berichtet aus Jerusalcm, daß Mania Schochat, ein prominentes Mitglied der Arbeiterpartei ״Achduth Hnawodah“, in Haft genommen wurde, weil man glaubt, daß sic Aufklärungen über die unbekannten Mörder de Haans zu geben in der Lage Ist. Nach einer bei Ihr vorgenommenen Haussuchung sind eine Anzahl Papiere bc« schlagnahmt worden. I Manla Schochat ist eine in der palästinensischen Arbeiterbewegung sehr bekannte Figur. Vor etwa 20 Jahren kam s'« (damals, als Mädchen, hieß sic Mania Wilbuszcwicz) aus Rußland, wo sic in der Sozialrevolutionären Bewegung eine große Rolle gespielt hat, nach Palästina und gehörte zu den Begründern der Organisation ״Haschomer", die sich die Bewachung jüdischen Eigentums gegen Ucbcrlällc zur Aufgabe stellte. Seitdem steht sic unermüdlich in der nalional-so/lalistisclicn Arbeiterbewegung und hat sich in der letzten Zelt, wie andere Führer des Haschomcr, dem Odud Awodah angeschlosscn. Sic lebt gegenwärtig ln der Plugah de« Gdud in Kfar Oll’adi. Auf Grund welcher Verdachtsmomente die überraschende Verhaftung erfolgt Ist, Ist nicht bekannt. Es kann daher noch nicht gesagt werden, ob diese Verhaftung, die sich bald als ein Irrtum erweisen wird, auch nur scheinbar zu rechtfertigen ist. Nach einem zweiten, eben clngelroffcnen Telegramm wurde Mania Schochat auf die Bürgschaft des bekannten amerikanischen Zionisten Dr. Magnes, der In Jerusalem wohnt, aus der Haft entlassen. Die Untersuchung wird jedoch fortgesetzt.