Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1924-09-26 · Heft 77-78 (26.9.1924) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 77-78 (26.9.1924)
Date
1924-09-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2651273-2652595-2652668--16059-2675419
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 552 TUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 78 77׳ des Nationalismus; denn zum hundertsten Male muh die banale Tatsache wiederholt werden, daß wir in Palästina nicht allein lohen und nicht allem leben werden. Palästina ist ein vorwiegend arabisches Land, mul es wird au! abj 5whb;11׳c Zeit ein stark arabisches Land bleiben, wem! auch I die Porparlion sich wahrscheinlich zu Gunsten der Juden verschieben wird. Palästina ist aber auch ein Teil uer großen arabische» Weit, die immer mehr zum Bewußtstin ihrer selbst kömmt. Mag heute auch die arabische nationale Bewegung noch nicht die Stufe des europäisciicu Nationalismus erreicht haben, so sollte doch ihr I Fortschritt in den letzten fünf Jahren uns belehren, wie i'rpide die Entwicklung vor sich geilt. Wir sollten bedenken, daß die zivilisatorische Tätigkeit Englands, die nicht nur hygienische Verbesserungen, sondern auch allgemeine Schulbildung bringt, die Entwicklung des Na- ׳tioiialisimis förderlich ist. liic Zerrissenheit der Araber in Parteien und die starke Vermischung von persönlichen und politischen Momenten in der arabischen Bewegung, die scharfen Gegensätze arabischer Stämme und Adels- Muser, all dies sollte uns nicht hiuwcgtüuschen über die Kraft, mit der wir es hier zu tun haben. Hier steht Nation gegen Nation, und wir können zu einer Lösung des Problems nur gelangen, wenn wir einen Modus des Zusammenlebens beider Völker finden, d. 11'. wenn der Chauvinismus auf beiden Seiten bewußt •abgetragen wird. 1 Es ist in Palästina genau so wie. in andern Ländern, wo Völker atifcinamlcrstoßcii. Das eine Volk kann nicht über die Tatsache hinwcgsclien, daß das andere Volk da ist; ob man cs begrüßt oder bedauert, die Tatsache besteht. Es ergeben sich zwei Alternativen: Entweder man kann die andern ansrotten, oder aber man muß einen Ausgleich suchen. In Europa steht das Problem immer deutlicher so: will man sich gegenseitig mit Bomben und Gas vernichten, oder aber will inan selbst weiter leben und auch den andern leben lassen? Die Völker, die so degeneriert sind, daß sic keine friedlichen Aufgaben mehr vor sich sehen, würden Vernichtung wählen. Heute sehen wir, daß die Stimmung der Völker nicht diesen Weg weist, daß man Wege sucht, zu einer Verständigung zu gelangen. Die große Umwälzung der Politik in den westlichen. Staaten zeigt diese Entwicklung inn. Allerdings wissen wir noch nicht, ob die neuen Ideen, die jetzt in G e n f ihren Ausdruck gefunden haben, sich durch setzen werden, oder ob die Vcrnichtungstenclcnzcn stärker sein werden als der Friedenswille. Aber wir hoffen mit unserer ganzen Kraft, daß die Friedens- Sehnsucht stärker sein wird. Hier, wo wir nicht direkt beteiligt sind, können wir nichts tun als hoffen, und, jeder an seinem Platze, wo er zur Mitwirkung im kleinen berufen ist, das Seiuigc tun. Aber in Palästina sind wir selbst mit dem Problem konfrontiert. .Wir sind nüchtern genug, um die Tatsachen Ti erkennen. Daß wir von den zwei erwähnten Alternaüyen die Ausrottung ablclmen, darüber ist kein .Wort zu verlieren. Was also bleibt übrig? Wir müssen das Zusammenleben mit den Arabern wollen, wenn wir überiir.upt das jüdische nationale Heim wollen. Der Gedanke־, daß wir in Palästina einen jüdisch-arabischen Staat haben werden, der aufgebaut sein muß auf dem Prinzip des gegenseitigen Respektes und der Anerken nuiig der natürlichen Bedürfnisse beider Völker —׳ etwa so wie in der Schweiz —, ist ein Gedanke, der leider in der zionistischen Welt noch immer sehr Wenig populär ist, Unverstand lieh erweise neigt die erste große politische Bewegung der Juden mehr zu Illusionspolitik als zu Realpolitik. Von verantwortlichen zionistischen rjric:;c-E0cd!-II3sd;2ns!1 Es war im Jahre F)D1. Die große russische Armee hatte den grüßten Teil Galiziens besetzt und in den Städten und Städtchen, die noch im Bereiche der österreichisch-ungarischen Truppen lagen, schwirrten wilde Gerüchte über furchtbare Ausschreituiigcn, deren Opfer die jüdische Bevölkerung in den von den Russen besetzten Orten geworden war. Der Vormarsch der Russen schien unaufhaltsam zu sein. Mitte Sepfernher 1<)14 fand bei Grodek, westlich von Lemberg, eine große Entscheidungsschlacht statt, von deren Ausgang, nach den ersten Berichten der österreichischen Heeresleitung, die Befreiung der von den Russen besetzten Gebiete erhofft wurde. Diese I ioffimng war trügerisch. Die Oesterreicher wurden geschlagen und zogen sich eiligst nach Westen bis in die Nähe von Krakau zurück. Innerhalb des breiten Zwischenraumes zwischen dem Gros der russischen Meere tmd den Oesterreiehern streiften Tseherkeascn und Kosaken und kühlten Vor allem ihr Mulchen an den Juden. Wohl waren die wohlhabenden Juden des ganzen Landes bei Zeilen nach Westen geflohen und hatten in Budapest, Wien und Prag Zuflucht genommen, die große jüdische Masse blieb jedoch ztinirk und ertrug demütig und im Vertrauen auf Gottes Hilfe die mannigfachen Leiden der feindlichen Besetzung. Man würde aber fehlgchcn, wollte man annchmcn, daß das Hauptinteresse der Juden in jener Zeit den Kriegsereig- «isscn ziigcwemlet war. ini jüdischen Lehen der!deinen gali/ireuen Städte vor und hinter der österreichischen Front spielte vielmehr die Frage eine Hauptrolle, in welcher Weise man die hohen Feiertage Roschhasclianali, Jom Kippur und Sukkoth werde begehen können. Nach alter Tradition werden am Rasch- 11,׳־sch,uiah Trauben, Wassermelonen und andere Südfrüchte im irischen Zustande genossen und über diese Früchte der Sclichachajanu-Segcn gesprochen. In Galizien gedeihen die <*rwi.hu u'n Früchte nicht. In den kleinen Städten lebte man r.F>0 in großer Sorge, auf welche Weise man sich in den Besitz dieser Früchte werde setzen können. Noch viel schwieriger war die Frage der Beschaffung von Ethrogim und I.xilawiin. F.throgim wurden in jener Gegend über Triest von der Insel Korfu bezogen. Infolge der Kricgscrcignissc war die Heranbringung dieser Artikel unmöglich gemacht. Und die Frage, aut welche Weise man dennoch Ethrogim hcrbeizuscliaffcn in der Lage sein werde, spielte im Bewußtsein der jüdischen Gemeinden eine ebenso große Rolle, wie die Frage', ob nicht einige Tage später Tschcrkcsson und Kosaken auftauchen und das Maß der jüdischen Leiden ins Ungeheuerliche steigern werden. Insbesondere sind mir zwei Stimmungsbilder in Erinnerung geblieben. Es war wenige Tage vor Roschhasclianali. Wir belande« uns ia der nüttcigali zischen Stadt Krosno. Die öster- Persönlich’,\1;־e!t werden noch' immer Parolen hfisgegeben, die nichts» mit der ,Whklielikeit m tun haben, obwühl ׳de den Beifall einer zionistischen Vcrsainmlmi״ finden mögen. Große und heilige zionistische- Aufgaben, wie etwa die Erwerbung von Boden als Gemeingut des jüdischen Volkes, werden manchmal mit politischen Aspekten verbunden, die schädlich und illusionistisch sind. Wir sind überzeugt, daß der gesunde Verstand der deutschen Zionisten solchen Ausschweifungen der Plianiasic gegenüber immun ist. Aber cs zeigt deutlich, wie groß die Gefahr ist, daß wir iu״s von unserem Ziele entfernen. Der Gedanke,■ daß Palästina von zwei Völkern bewohnt ist, muß so sehr in unser Bewußtsein ciudringen, daß jede Uehcrlicbunng und jedes Herrcngdühl von vornherein aus den jüdischen Köpfen verschwindet. Man 6011 nicht immer die Frage stellen, welche konkreten palitischen Schritte für eine Verständigung, mit den Arabern empfohlen werden. Diese Frage ist zwar wichtig, aber sie verkennt die ungeheure Bedeutung der ImponderabiUcn 111 der Politik und im Zusammenleben der Völker. Die Zionisten ,Deutschlands sollten diesen Punkt l>csonder.; gut verstehen, denn sie liab-cn aus nächster Nähe genüg der Beispiele erlebt, welcher Schade durch Instinktlosigkeit in der Politik und im nationalen Leben gestiftet wird. Die Frage, vor der wir stellen, ist in erster Linie eine Fra gc der Gef;i nnung. Wir wagen die Behauptung, daß Gelingen oder Mißlingen des jüdischnationalen Heimes in Palästina von dieser Gesinnung! abhängt. Diese Frage ist u. E. entscheidender als die äußere’ Politik und scllast als das Tempo des Aufbaues und die Größe der aufgebrachten Mittel. Wenn die zionistische Welt nicht die Lage verstehen wird, wenn vor allem nicht verstanden wird, daß das nationale Heim nur im Zeichen des Abbaus des Nationalismus .Wirklichkeit werden kann, wenn man nicht verstehen wird, zwischen dem unentbehrlichen nationalen Bewußtsein als geistiger;Macht und dem Nationalismus der politischen Ueberhcbinig scharf zu scheiden, dann werden wir in Verwicklungen hi nein gezogen werden, deren Ende nicht abzusehen ist. Denn in einem Moment, wo die Vcr• liiiiinisse im vorderen und mittleren Orient noch lange nicht stabilisiert sind und das Bewußtsein der Un• Sicherheit immer stärker auf die Politik auch der machtigsteit Völker Einfluß gewinnt, — wäre es falsch; sich mit der Erkenntnis zu beruhigen, daß für die nächsten Monate die politische Konstellation günstig scheint, Unsere Politik wird nicht für Monate Und Jahre, sondern für Generationen gemacht. Und entscheidend für diese Entwicklung ist der Geist, der uns beseelt. Auf den Geist kommt es an, 'denn nicht nur einzelne politische Akte, sondern auch die menschlichen Handlungen und tiiglichen Lebcnsbcziehungeu in Palästina werden von ihm bestimmt. . Der Augenblick, in dem wir 'dieses neue'Jahr eröffne», ist für uns günstig, weil wieder eine Zeit gekommen scheint, wo der Bankerott jeder Gewaltpolitik offenbar wird, und wo wieder Ideen Einfluß gewinnen auf das Handeln der Völker. Nur in einer solchen Geistesverfassung kann die ,Welt auch für unsere Rico empfänglich sein. Aber Unsere Idee wird nur dann bestehen, wenn sic die Elemente jener ällmenschliehen Idee, um die die besten Geister der Menschheit heute ringen, die Idee des Friedens und der gegenseifigen Achtung der Völker, mit voller Aufrichtigkeit und rückhaltlos sich verbindet. ri-iräisclna! Truppen befanden sich bereits westlich von dieser St,ul! nnd nur schwache Nacliluitabtcilungen sicherten den Abtr.insport wichtigen Kriegsgutes. Aber, wie cs schon bei Rückzügen die Regel ist, die Straßen nach Westen waren vcrstopft und in Krosno balUeu sich Hunderte von Laustautomobilen, Traingespnnnen, Lastzügen usw. zusammen, Gerüchte wollten wissen, daß fünfzehn Kilometer östlich von Krosno in einem Walde bereits Kosaken anfgctaucht seien. Die Juden hatten ihre Läden geschlossen und in den Gassen des Stadtcliens standen dichtgedrängt einzelne Gruppen mit Schreckensbleichen Mienen. Der ewige latente Gegensatz, zwischen dem polnischen Wirlsvolk und den Juden trat in Erscheinung, waren die Dozirlmnsgcn schon früher gespannt, so fanden sie an diesem Tage zwischen beiden Völkern einen vollständigen Abbruch. Höhnisch betrachteten die Polen die angstvollen Mienen der Juden und ängstlich machten die Juden uni jede polnische Ansammlung einen weiten Bogen. Mit einem Kriegskameraden, einem ungarischen Adligen, der den größten Teil seines Lebens in Paris verbracht hatte, und bei Kriegsausbruch zurtickgekehrt war, ging ich durch Krosno in verzweifelter Stimmung und wir beobachteten die Menschenansammlungen in der Stadt. Wie wir durch eines der engsten Gaßclten kamen, ließ sich aus einer Sonterrninwohmmg ein eigentümlicher Singsang vernehmen: ״Sag, kumcz aleph, u; kumcz beth, bu; kmnez pimmel, g» ..." ״Was geht hier vor?“ fragte!nein Begleiter. Anstatt ihm zu antworten, nahm ich ihn bei der Hand, und wir stiegen die Treppe in die Kellerwohnung hinunter. Um einen Tisdi saßen etwa zehn kleine , jungen mit Samildippcheu auf ihren Häuptern und je drei hatten ein Gebetbuch vor sich liegen. Den Vorsitz führte ein alter Mein inmcd mit einem breiten, weißen Fächerhart, in seiner Rechten hielt er ein Deiitcstäbchcn (Tcitcl) und ■unterwies einen Schüler in den Anfangsgrfinden des Lesens. Als wir in den Keller traten, wandten einige Kinder ihre Köpfe nach uns und starrten uns voller Interesse an. Auch der NLBnnned hatte uns bemerkt, und drohend rief er den Kindern 7a1: ,.Guckt doch in den .Skidur und kümmert Euch nicht um die fremden Herren.“ Und schon ging cs weiter: ״Kumcz aleph, u.“ Beschämt gingen wir hinaus. Mein Bcrjeiter fragte _ mich: ״Wie ist denn das möglich? Russische Kosaken sind in der Nähe der Stadt, in einigen Stunden können sie in Krosno sein und werden unter den Juden ein Blutbau aitrichieu. Trotzdem sitzt dieser alte Lehrer und unterweist seine Schüler, als oh cs keinen Krieg und keine Kosaken!gäbe,“ Unter dem Eindruck dieser Frage gab ich folgende Antwort: ״Dieser Mclaiumed sitzt bereits seit dreitausend Jahren an seinem Tische, und unterweist jüdische Kinder in der Kunst des HebräiscWesens, Er tm'.erwics sie zu Zeiten Alexander des Großen, er lehrte ‘!eine Schüler wahrend der •Tage, da .Titus Rom belagerte, er hielt ia seine* Beschäftigung Der Kcrea llzl'.zzzi f::1 neuen Jciire J Von Alfred Berger, I; Sekretär des Keren I lajessod für Deutschland { Schwere und große Aufgaben sind dem Keren 1 i,1je>t:/׳| ( und seinen Mitarbeitern im neuen Jahre ge.,teilt. Es hanagt | sich nicht darum, mit neuen großen Selilagworlcn Menschen! zu überrennen, Augenblickserfolge, die die Ocffcntlicbkcit 1 Wenden, zu erreichen. Unsere Aufgabe ist viel schwieriger. 1 Der Keren Ilajessod-Gedanke muß in den Hirnen und 1 ler/«! i der Juden verankert werden. Eine große Erziehungsarbeit j ist zu leisten: Die Juden müssen dazu erzogen f werden, freiwillig ihren laufenden Beitrag j für den Aufbau Palästinas zu entrichten. | Diese Arbeit hat unter den Zionisten zu beginnen unj | kann nur durch Zionisten durdigeiührt werden. Im deutschen Zionismus erkennt man die Unzulänglichkeit der augcnblickliehen Arbeit. Man versteht, daß Palästina heute von Zionisten mehr fordert als Worte, mehr als Schekel. Man lernt all. mählich, daß Zionist-Scin iin gegenwärtigen Augenblick heißt: Freiwillig Maasser zu zahlen für den Keren Hajessod. Die I Besten haben es erkannt. Manche schrecken zurück vor der Grüße der Aufgabe. Viele wissen noch nicht, um was es r.icli handelt. liier hat die Hauptaufgabe der nächsten Arbeit zu liegen. | Der deutsche Zionismus muß bahnbrechend vorangehen. I Die Erkenntnis der absoluten Verpflichtung des j einzelnen Zionisten dem Keren Hajessod gegenüber muß { Allgemeingut der deutschen Zionisten werden. Neue zioj nisfischc Erziehungsarbeit muß geleistet werden. Erzichungsarbeit zum Zionismus, zu einem lebendigen realen zionisti- 1 sehen Leben, zu einem Zionismus, der Palästina nicht mehr als ein fernes Land sicht, sondern als Wirklichkeit, ihm jeden Augenblick gegenwärtig. Palästina als das Land, dem der Zionist verbunden ist, an dessen Aufbau jeder Einzelne mitarbeiiet. Das bedeutet, daß derjenige, der nicht oder noch nicht hinübergeht, durch finanzielle Opfer am Aufbau mitwirk!. Diese Aufgabe ist schwierig, sie ist hart, aber sic muß geleistet werden. Nicht nur im Interesse Palästinas, $011• dern auch im Interesse einer neuen, reinen, starken zio»i,tisehen Bewegung. Im nächsten Jahre darf es nicht wieder möglich sein, daß irgend jemand im Namen von Zionisten auftritt, irgend jemand zionistische Ideen vertritt, oder zio- I nistisch leitend wirkt, der nicht diese Aufgabe begriffen 1 hat und ihr restlos nachkommt, Die Maasserpfiicht ist die I zionistische Pflicht I Die zw’cite wichtige Aufgabe: die enge Zusammenarbeit j mit den Nichtzlonistcu, wird sich dann leicht regeln. Die | Zionistische Organisation wird den Nichtzionisten in der j Jevvish Agency entscheidenden Einfluß gewähren. Die zen• f trale Bedeutung des Keren Hajessod wird dann noch stärker | als bisher von den Nichtzionisten besonders in Deutschland 1 erfaßt und erkannt werden. Auch auf diesem Gebiet ist viel I zu tun. Die revolutionierende Macht Palästinas ergreift | immer weitere Kreise. Die Kunde von dem neuen Leben dort : verbreitet sich in Deutschland, seitdem deutsche Juden in steigender Zahl mach Palästina fahren. Heute schon treffen | wir Nichtziomsten, die sich wundern, wie glcichgiltig viele! Zionisten Palästina gegenüberstehen. Denn Menschen, denen; Palästina nicht das bedeutet, was cs uns Zionisten, y Ist, j können nur dann zu Opfern gebracht werden, wenn "die Menschen, die ihnen die Bedeutung dieses Opfers klar I machen, an sich selbst die höchsten Forderungen gestellt I haben. Wir zweifeln nicht daran, daß die deutsche Judenheit ihre Pflicht tun wird, wenn wir deutsche Zionisten die uns rige tun. 1 j Im kommenden Jahre haben wir deshalb zunächst auf j uns zu achten, uns z.u erziehen, die Forderungen, die an f uns gestellt werden, ־zu erfüllen. Dann wird die Glut unserer | Arbeit weit über den engen Kreis unserer eigenen Freunde |, hinauswirken, wird uns Freude, Mitarbeiter und Mithcllcr schaffen ,und Deutschlands Judcnheit dauernd den hervorf ragenden Platz unter den beitragenden Ländern sichern, | den sie schon heute cinnimmt. I nicht iiuic, als sich Kreuzfahrer durch ganz Europa wälzten, 1 er sagte sein Kumcz aleph, als Napoleon nach Moskau zog. I Was kümmert ihn der Streit zwischen Rußland und Deutsch- I Und? Was kümmern ihn Kosaken und Tschcrkcsscn? Er hat 1 seine Bibel, er hat seinen Siddur und sein ewiges Kumcz I aleph 11.“ — Schweigend gingen wir dann zum Bahnhot. |' Zu Fuß schlugen wir uns südwärts und nach einigen Tagen gelangten wir über die Karpathen nach Nordungarn. * Einige Wochen später war*s. Wir befanden uns in: Bochnla. Vor uns die Russen. In der Stadt dauerndes Kanonengedröhn. 1 Hier und da ciufallemle, explodierende Granaten. Müde 5 Ilcrbstsonnc beleuchtete das ganze Elend dieser kleinen jii• dischcn Stadt. Die zurückgebliebenen Bewohner scheu an den Häusern schleichend. Die meisten Läden geschlossen. Nur in den,Haustoren hielten die ärmsten Krämer ihre Waren feil. Auf einmal Bewegung. Auf dem Ringplatz eine Gruppe gestikulierender eifriger Juden. Ihre Mienen merkwürdig heiter, trotz Frontnähe und Kanoncngcbrüll. Neugierig ging ich heran. Mir wurde bald des Rätsels Lösung: mit unendlicher Mühe war es einem Abgesandten der Gemeinde gelungen, in Krakau 1 vom Statthalter eine besondere Erlaubnis für eine Reise nach! Triest zu erlangen, Dort glückte cs ihm ferner, Ethrogim und Lulawim in genügender Anzahl zu bekommen und nach abenteuerlicher Fahrt mitzubringen. Vor einer Stunde war er nach Bochnia zurückgekommen und hatte für die Gemeinde zwei Ethrogim und zwei Lulawim mitgebracht. Dieses Erciguis erschien den Juden in Bochnia so wichtig, daß sie au diesem Tage alles Leid und alle Kriegspein’ vergaßen Und fröhlich waren. j Erschüttert nahm ich von diesem Beweise jüdischer Un• j vcrvvüstlichkcit und jüdischen Hingewcndeiseins zu ewigen Dingen Kenntnis und meine Uebcrzeugimg, daß dieses Volk, mein Volk, ewig und unvergänglich ist,"fand neue Bestätigung in diesen schweren Tagen, die so viel Not über ungeheure Teile des jüdischen Volkes brachten und das Gcfi'mc des gesellschaftlichen Lebens der Ostjuden großenteils;ertrümmerten. Moses Waldmann. Die vcrboJeae Florfe Wir geben unseren Lesern, die sich unserer Einpfchhing in Nr. 72 wohl noch entsinnen, heute eine Probe aus den! sechsten Bande des Born Judas, der Kabbalistische Geschichten heißt tmd in unverglcichlichcr Fülle solche aller Art enthält. — Red. Es lebte einst ein Man״, der war sehr reich und halte eine überaus schöne Frau, .״־, der er mit großer Liebe hing. Hinter dem Hofe seines Hauses erhoben sich vier mächtige Mauern, die einen Raum umschlösse«, von dem cs hieß.! in i5״! Fm ske wir full bei er f׳ für die Bet «ae int eir w< Pa fr Del fr« eit un Ar de so Ui sc! zw w< ab stt Wl Fr wi Bi in zit öS gr he lai N zu er ih fli Lf ht al: At vi bi di bi di V A bi d. P' )2 זז h (t H z! d b A w V s• h d e r. d s 2 h i D I- 1; h N b n t t l: ־1 l I s c V 1 1 < 1

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.