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Jüdische Rundschau · 1924-09-23 · Heft 76 (23.9.1924) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 76 (23.9.1924)
Date
1924-09-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 70 TÜCD1SCHE RUNDSCHAU Seite 547 Die NnliouaUonüsUonkrara ln Leipzig In der am l׳l. September abgclialtcncn Konferenz der Nationalionds-Vcrtraucnsicutc wurden nachstehende Beschlüsse gefallt: Die Versammlung der Vertrauensleute des Keren Ka- Jemctli zu Leipzig dankt Herrn Ussischkin für seine Teilnahme an ihren Beratungen. Sie ist überzeugt, daß die Anwesenheit und die Arbeit von Herrn Ussischkin eine wesentliehe Anregung und Förderung der K. K. L.-Arbeit zur Folge haben wird. 1. Nach Anhörung des eingehenden Berichtes von Herrn Ussischkin über die Notwendigkeit des Bodenerwerbs als Grundlage unserer gesamten Aufbauarbeit und die zurzeit vorhandenen Möglichkeiten der Ocnlalh iiaarcz verpflichtet sich die Versammlung im Gefühl ihrer Verantwortung gegeniiher dem Paliistinaaufbauwerk, mit allen Kräften dafür zu sorgen, daß die von Herrn Ussischkin aufgcstcilfc Forderung der Aufbringung des Gegenwertes von 6000 Dun am im Jahre 5685 restlos erfüllt wird. Sic ruft die Mitarbeiter des Keren Kajemeth Lcjisrael auf, wie bisher und in noch gesteigertem Maße sich in den Dienst der K. K.-Arbeit zu stellen, und erwartet darüber hinaus von allen Zionisten in Deutschland, besonders auch von den leitenden Organen der Bewegung die tatkräftigste Förderung dieser Arbeit. 2. Die nette Arbeitsperiode beginnt mit der Raschhasclianah-Aktion. Jeder Vertrauensmann ist verpflichtet, die Aktion in seinem Ort durchzuführen, um das größtmögliebste Ergebnis insbesondere durch Hatissanimliingcn zu erzielen. 3. Als Geschäftsjahr wird in Deutschland das jüdisclic Jahr cingcführt. 4. Vom l. Oktober 1924 ab beginnt eine nette K011- 1111 g c n t i c r tt 11 g. Die Konferenz erklärt sich mit den festgesetzten Kontingenten einverstanden und erwartet, daß jeder Vertrauensmann den auf seinen Ort entfallenen Anteil hestimmt erreichen wird. 5. Nachdem in Deutschland wieder stabilisierte Währungs- Verhältnisse bestehen, hält cs die Konferenz, für notwendig, daß die Zahl der in Deutschland aufgcstclltcn Büchsen vermehrt wird. Deswegen wird jeder Vertrauensmann verpflichtet, bis Ende November die Zahl der in seinem Ort aufgi!.leihen Büchsen mindestens zu verdoppeln, damit die Gesamtzahl von 50OM Büchsen in Deutschland erreicht wild. Anläßlich der Nationalfonds-Konfcrcnz in Leipzig äußerte sielt Herr M. M. Ussischkin, laut der ״Leipziger Jüdischen Zeitung“ folgciKiennaficn: ״ich liabe meine Tournee durch Europa wieeier angelangcn und werde zwei Wochen der Arbeit in Deutschland widmen. Leider kann ich nicht alle Orte besuchen, die jüdische Sammelrninktc sind. Deshalb habe ich drei Städte hcraitsgcgriffcn: Leipzig, das Zentrum der Ostjitden, Frankfurt, das Zentrum der jüdisch-deutschen Orthodoxie, und Hamburg, das Zentrum ries jiklisch-dctiischi'11 Patri/iertums. Al ei 11 Programm und meine Forderungen habe ich bei der Konferenz den Vertretern des Keren Kajcmctli ausführlich dargclcgt. In einer ganzen Anzahl von Interviews für verschiedene Zeitungen habe ich auch bereits nusgeführt, daß die brennendste und wichtigste Angelegenheit unserem ganzen Aufbntiprogramms die Vor- 1 hercitung von großen Hoden rese rven für unsere Zukunft in Palästina durch den National fonds ist. Das Minimutri, das ich und meine Kollegen uns als Programm aufgestellt haben, ist, in den nächsten 12 Monaten das Boden- Eigentum des Nationalfonds zu verdoppeln, das heißt, noch 100000 Dunam Boden 7.u kaufen und zu ameliorieren. Der Anfang dazu ist bereits gemacht, da wir fast 40000 Dunam Boden gekauft haben. Um das Programm durehzufüliren, sind eine.halbe Million englische Pfund notwendig, und die erwarte ich und hoffe ich von der Judenheit der ganzen Welt zu bekommen. Das ist nicht viel, wenn man bedenkt, von welch migelirurer nationaler Bedeutung diese Sache ist und w׳ic Wir verpflichtet sind, für unsere nationale Zukunft zu sorgen. Von diesem Geld müssen in Europa 200 000 Pfund aufgebracht werden. Nach Amerika gehen und dort Fordetungen aufstellcn, kann man nur, wenn man zeigt, daß die europäische Judenheit nach all dem, was sie in den letztem zehn Jahren durchgemacht hat, doch Idealismus und Verstand genug hat, um eine große Summe für unsere Zukunft aufzubringen. Mit Freuden konstatiere ich, daß ich in all den Ländern, die ich bis jetzt besucht habe, Verständnis für meine Forderungen gefunden halse und mehr als die Hälfte bereits von Konferenzen der einzelnen Länder angenommen und bestätigt worden ist. Mit den Sammlungen für den Nationalfonds geht cs überall vorwärts. Bet der Konferenz in Leipzig habe ich eine Armee von alten und jungen aktiven Kräften angetroffen, die mich, wie auch meine Kollegen vom Direktorium, die dort anwesend waren, die Herren Schocken und H a ת t k e , verstanden und das Kontingent, das wir von ihnen verlangt haben, mit Begeisterung angenommen haben. Ich kenne die Disziplin der deutschen Zionisten. Es ist schwer, sic zu etwas zu zwingen, aber• wenn sie eine Forderung angenommen haben, dann ist das wie bares Oe Id. Ich hoffe, daß ich mich nicht täuschen werde. Meine Kollegen und ich haben klar und deutlich die Lage im Lande dargelegt. Wir haben auch die Schattenseiten nicht verhehlt, da ich immer daran denke, daß man mit vernünftigen, nachdenkenden Menschen nur so sprechen kann und darf. Bei jeder großen und schweren Arbeit werden auch Fehler gemacht, und wir sind mit allen Kräften bemüht, die Fehler, die etwa gemacht wurden, zu beseitigen. Aber der größte Fehler, den wir alle bis heute gemacht haben und das große Vorbrefchen, das wir alle bis jetzt begangen haben, war, daß wir bis zum heutigen Tage, nach so viel Jahren der Arbeit, noch so wenig Boden In unseren Besitz, gebracht haben. Das muß so schnell wie möglich geändert werden. Ich hoffe und bin sicher, daß wir bis zum Ende dieses Jahres 5685 die 100000 Dunam Boden vollkommen bezahlt und «melioriert haben werden, und erst dann weiden wir an das große jüdische Publikum, auch in Deutschland, mit ganz anderen und viel größeren Forderungen heran treten.“ Tarntag des deutschen Makkabi Berlin (J. T. A.) Am 14. und 15. d. Mts. fand in Hannover der Turntag des deutschen Kreises des Makkabi-Wcltverbände! statt. Es waren vertreten samtliehe Delegierte der dem deutschen Kreise angeschlossenen Bar-Kochba-Vcreiiie, Vertreter des Makkabi-Weltverbandcs und der ״Ose“, die in der letzten Zeit in eine Arbeitsgemeinschaft mit diesem Verbände eingetreten ist, ferner Vertreter anderer Organisationen. Der bisherige Vorsitzende, Herr Julius H i rs c 11, eröffnctc die Sitzung mit einem Bericht über die Tätigkeit seit dem letzten Turntag in Chemnitz und sprach über die Probleme der nächsten Zukiinft in den deutschen Makkabi-Vercincn, die in der letzten Zeit stark aufgebläht sind und in Deutschland ca. 8000 Mitglieder zählen. Dr. Simon, ein früheres Mitglied des Kreisvorstandes, jetzt Vertreter des M.ikkabi - H a i t n, sprach über die neuen Aultraben der Vereine und über die physische und geistige jüdische Erziehung. Dr. M u 11 tner herichtctc über den Zusammenschluß und über die praktische Zusammenarbeit zwischen der ״Ose“ Gesellschaft und dem Makkabi-Weltvcrband. Dann begrüßte Dr. Rose 11 Ural die Tagung mit einer Ansprache über die Ziele der ״Ose“ und führte aus, daß er sich aus dem Zusammenarbeiten der beiden Organisationen viel Ertolg verspreche. Seine Rede fand starken Beifall, In der darauffolgenden Sitzung wurde darüber beraten, ob man noch ferner den deutschen Sportverbänden angeboren soll, die einen antisemitischen Charakter tragen oder oh cs genüge, dem deutschen Mnkkahi-Kreisc allein anztigeliörcn und innerl'äimgnr Vortrag Dr. Sc mnrjnhu Lovina In Berlin. Berliner Zionistische Varolnlctunci Sonnabend, den 4. Oktober, abend» 8k* Uhr־, im Äro«*en Sail de# K*mmcrmmikhauRf», Lfluowstrftitc J12, spricht Herr T>r. SeHmtrUhu Letin über de» Thrmot lisnii m me EMU ter FO!a snssn? Kaik« /um iVeUc von Mark 2,-־, I,— tirni 0,60 in der B. Z. V.. Mei1teke*(rn*10 10, erh/Uillclu KahrverhimluntTen; Striincnhahn Nr.4,IIQ,1M. Ifntrrflmnrihahnt (ileiidrelerk. halb seiner Reihen die Wettkämpfe, tun derentwillen inan den deutschen Sportbchördcn angehört, ausztitrngen. Es wurde die Herausgabe einer Turn- und Sport-Zeitung bcschlossen; die Zeitung soll von dem Mnkkabi-Wcltvcrhand und der ״Ose“ in deutscher und in jüdischer Sprache und mit einem hebräischen Anhang hcrausgcgcbctt werden. In dem neuen Vorstand des deutschen Lnmlcskreises wurden gewählt: I>r. S i't ss in a 11 n Mtintncr, zugleich Redakteur der Zeitschrift, ferner Dr. Hans Kult 11, als Kreis-, Turn- und Sportwart und Dr. Brutto Kochtnann, als Schrift- Führer timt Jugcncldezerucnt Anläßlich des Ttiriitngcs!and ein großes internationales Sportfest de!. Bar-Kochha Hannover stait, an dem stell von hervorragenden Spnrllcutcn besonders Dr. Ernst Simon- Haifa (früherer Brandcnbtirgischer Meister im 800-Metcr-Lauf), Ratz (Hclsingfors), der bei den olympischen Spielen ds. Js. in Paris als zweiter Sieger im ßOfSO-Metcr-Laut hervorging und die deutschen christlichen Meister Frandsen und Husen (Hamburg). Katz hat die beiden deutschen Meister im 3000-Mctor-Lauf in der Zeit von 8 : 46,4 (Frandsen 9 :07,4, Husen 0 :0?,6) geschlagen. Danach lief Katz noch einmal 3600 Meter gegen die deutschen Teilnehmer (alles uculsrhe Meister), die eine 3x 1000-Mder-Staffel bildeten und blieb nur um 20 Sekunden hinter ihnen zurück. Wir werden um Veröffentlichung nachstehender Erklärung ersucht: 14er Deutsche Lamleskreis hat die Richtung seiner Zukiiiiftsarbeit entschieden! Der am 15. September ln Hannovor stattgcfiiudenc Turntag betonte einmütig als Charakterisicrung seiner Zukiiiiftsarbeit den Paragraphen eines Statuts, der besagt, daß der Kreis für die nationale Zukunft des jüdischen Volkes lebt und daraufhin arbeitet. Der Turntag beschloß mit allen Stimmen, in Zukunft seine Haupttätigkeit auf die Erziehung seiner Jugend in streng national-jüdischem Sinne mit allen Konsequenzen zu verlegen. Die Jugenderziehung in diesem Sinne bildet die I Iaupftallgkeit des Kreises und ist getrennt von der allgemeinen Kreisarhelt in besonders betonter Weise sofort zu beginnen. Bei Verstiindigungsversuchcn in turnerischer und sportlich-technischer Hinsicht mit nicht natiouni gerichteten jüdischen Kreisen ist immer die nationale Geschlosscnheit des Kreises in eindeutig Bestimmter Weise zu wahren. Der Kreis tictrachtet sich als wesentlichen Teil der großen nationaljiidischcn Jugendbewegung, er lehnt jeden Versuch einer Verwässerung oder Verschleierung seiner Tendenz ab. Seine Tätigkeit ist Disziplinierung, körperliche und geistige Erziehung der jüdischen Jugend, sein Ziel: Aufbau Palästinas und Schaffung eines tatkräftigen jüdischen Volkes im jüdischen Land. Für das Präsidium des Deutschen Landcskrclscs im Mnkknbl-Weltvcrband. Dr. I! n 11 s K 1111 n. Dr. M u n t n c r. Ilenlimg des deutschen Heeliniuz Am Freitag, den 12., bis Sonntag, den 14. September, fand in der Siedlung Halbe die Oesamtberatung des deutsehen Landesverbandes Hcchaluz. statt. Es beteiligten sich an ihr 30 Vertreter von Ortsgruppen, Siedlungen und Bauern- Zentren und ungefähr 30 Gäste. Von besonderer Bedeutung für den Verlauf der Tagung war die Anwesenheit unserer palästinensischen Chawerim Sprlnzak und Schkolnik. An diesen Abend berichteten die! Delegierten des deutschen Landesverbandes, Ascher und Nagler, über die Welljttgendkonferenz und Moazah des Wclthechaluz in Danzig. Der Bericht wurde ergänzt von den anderen Chawerim, die an dieser Sitzung tcilgcnommcn haben. Am Sonnabend wurden der Bericht des Merkas und die Berichte der Ortsgruppen erstattet, die einen lebendigen Beweis dafür gaben, einen wie starken Aufschwung die gesamte Arbeit des Hcchahiz, der in Deutschland zirka 1000 Chawerim zählt, bei gleichzeitiger Konsolidierung im Laute des letzten Jahres genommen hat. In allen Berichten wurde auch besonders auf die Notwendigkeit kultureller, erzieherischer Arbeit hingewiesen. Die Debatte über unsere Kultur״ und Ortsg r tt p p c 1t a r b e i t wurde durch das Referat von Chawer Sn lonmn cingclcitct, welches deutlich die Probleme und Schwierigkeiten in der Erziehung und Ortsgruppcnarbelt des deutschen Heehnhiz nufzelgtc. Die verschiedenartige Struktur der Oruppen, die großen psychologischen und kulturellen Verschiedenheiten der in ihnen vereinigten jungen Menschen machen besondere Pläne und Maßnahmen für die Kultur• nrbelt notwendig, Gerade die Aufgabe, in der Organisation des deutschen I Icehahm Ost und West miteinander In gemeinsanier Arbeit nudln gemeinsamem Leben zu vereinigen, macht bei alter Schwierigkeit, die Kulturarbeit besonders reizvoll und bedeutsam. Es wurde beschlossen, ein dreiköpfiges Kulturdczi'rnat ciuzuRclrcn, das, unter Hinzuziehung besonders der für dies Gebiet verantwortlicher führender Menschen aus anderen Gruppen, die einzelnen Probleme dieser Arbeit studieren und eien Ortsgruppen dementsprechende Anweisungen geben soll. Am Abend versammelten sich Chawerim und Oäsfe um ein großes Feuer; nach dem Absingen hebräischer und deutscher Lieder hielt Sprinzak eine längere Ansprache, die alle Probleme Palästinas und des heutigen Zionismus bcrührte. Der Sonntag war vor allen Dingen einer gründlichen Erörterung der Mädchenarbeit innerhalb des Hcchaluz gewidmet. Nach einer Sondertagung der Mädchen wurde ein umfassendes Referat von Riwkah Wcinwurzcl gehaltert, an das sieb eine lange und ausführliche Diskussion anscliloß. Durch die Bildung eines besonderen Mädchen- Waad, durch Aufnahme zweier Mädchen in den Merkas des Hcchaluz und durch Schaffung eines besonderen Mädchendezernates innerhalb der Zentrale soll versucht werden, den besonderen Anfordeningen der Mädchcnhnchscharah und Alijah innerhalb des Hcchaluz im weitem Maße gerecht zu werden. Die Tagung, die zum ersten Male von dem Prinzip geleitet wurde, das vorliegende Material gründlich zu beraten, ohne atif formelle Resolutionen Wert zu legen, erhielt gerade durch die ebenfalls erslmalige Erörterung der beiden im Augenblick wichtigsten Probleme unserer ganzen Arbeit, der Tarbuth und Mäuchcnarbci», ihren besonderen, ernsten und sachlichen Charakter und ihre wesentlichste Bedeutung. Herzland Wo!!Sso!!n Gedenkfeier Die B. Z. V. als Spilzcnorganisation der Oroß-Berliner Bez.irksgnippcn verzichtete am 20. Ta minus darauf, eine HcrzlOcdcnkfcler zu veranstalten und überließ die Ver« anstaltung von OedenkVersammlungen den einzelnen Unter•• gruppen. Sonnabend, den 20. September, holte die B.Z. V, das Versäumte nach und veranstaltete eine große Oedenkfeaef zur Erinnerung nu die 20. Wiederkehr des Todestage« Hcrzls und an die 10. Wiederkehr des Sterbedatums David W o I f f s o 11 n 8. Die F'eier gestaltete sicli zu einer Massen■• Versammlung, und die Beteiligung des jüdischen Publikum« aus allen Schichten war noch größer, als an der großen Versammlung in der St.-ultl1.1lic nach Sau Remo. IX'r Massen■• nndrang war ein Beweis für die Liehe und Verehrung, dkl die beiden verewigten ersten Präsidenten der Zionistischen Organisation im jüdischen Volke genießen. Die Gedenkfeier! erhielt überdies ihre besondere Bedeutung durch die Tatsache, daß der Präsident der zionistischen Exekutive, Herr Nah!«!! Sokolow, trotz seiner geschwächten Gesundheit ״einem Herzensbedürfnis folgend“, wie er erklärte, die Feier durch eine längere Ansprache cinleitelc. Nach Begrüßung der Versammlung durch den Vorsitze»• den der B. Z. V., Herrn Dr. Hans Bloch, ergriff Soko• low, mit stürmischem Beifall empfangen, das Wort, um den Manen Hcrzls, ״des Präsidenten nach außen“, und David Wolffsohn, ״dem Präsidenten nach innen", zu huldigen, Sokolow wies dann ausführlich darauf hin, daß die zionistisch« Bewegung sich vor bedeutungsvollen günstig n! Entscheidungen befinde, da die Mißverständnisse zwischen Juden und Arabern aller Voraussicht nach au« der Welt verschwinden werden. Ferner sei cs von großer Bedeutung, daß der Aufbau Palästinas in immer stärkerem Maße Sache des gesamten jüdischen Volkes werde. Wenn mau Hcrzls Tagebücher und Wolffsohns Aufzeichnungen studiert^ so kann man (entstellen, daß diese beiden Führer des Zins nlsmtts cs stets als Ideal betrachtet haben, das ganze jüdisch« Volk in der Arbeit für Palästina zu sammeln. Diese« Idealist der Verwirklichung nahe. Es ist heute geradezu modern geworden, Zionist zu sein. Und wirkliche Antizionisten gibt cs kaum. Man muß welche erfinden, um sie zu bekämpfen. Von großer Bedeutung ist, daß die Entwicklung Palästinas vorwärts schreitet. Palästina ist ein Beispiel für alte Nationen der Welt, wie ein Volk einzig und allein durch seine Arbeit, durch unermüdlichen Heroismus des Alltags ״gut macht", ״repariert“ und friedliche Bezieht«!•• gen zu seinen Nachbarn schafft. Der Aufbau Palästinas geht wohl langsam vor sich, er ist aber gründlich. Er voll•• zieht sieb im jüdischen Geist und verleiht dem Lande Bliita und Leben. Wir werden es vielleicht schon in den nächsten Jahren sehen, daß das gesamte Judentum freudig am Aufbau Palästinas, dieser einzigen Lösung der Judenfrage, mitarbeiten wird. Das Ist die wichtigste Etappe, vor der wir stehen. ״In einem Interview für eine englische Zeitung habe icH anläßlich des 20. Tammus erklärt, Herzl ist noch nicht begraben, er muß erst bestattet werden, und zwar auf dem! Karmel, inmitten blühender städtischer und ländlicher Sied-• hingen, die seinen Namen tragen sollen. Wenn wir Flerzl und Wolffsohn ehren wollen, so müssen wir uns bemühen, Herzl ein würdiges Grab inmitten blühenden Lebens zu, schaffen und das jüdische Institut, das Wolffsohns Namen tragen soll, in Jerusalem zur Vollendung zu bringen.“ 1 Nach Sokolows Ansprache folgtet! künstlerische Dar* bietnngen. Manfred Lewandowski brachte, von Kapcll« mcistcr Schwarz an der Orgel meisterhaft begleitet, Ges sänge ergreifend zum Vortrag und Alexander Gran ach er* schütiertc durch Rezitation einzelner Kapitel aus Pentateuch, dem Buch der Könige, Hiob und Ezechiel. Hierauf hielt Dr. Alfred Klee eine mit großem Beifall aufgenommene Gedenkrede, in der er die Bedeutung Herzl« und Wolffsohns für das jüdische Volk beleuchtete. Mit der Abslnguttg vott El mole rachatnim durch Herrn Lewa!!« dowski fand die würdig verlaufene Feier ihr Ende. PaläsUnalabrer aus Polen Atn 16. September abends reiste der Jabloncr Rabbi mit einer Oruppe seiner Anhänger, gemeinsam mit einer Dcle« gation der Warschauer Gesellschaft ״Awodath Jisroel“, von Warschau nach Palästina ab. Beide Delegationen haben da« Ziel, in Palästina Land für zwei Kolonien zu erwerben, eine für die ״Jabloncr Chassidim“ eine zweite für die ״Awodath Jisroel“. Auf dem Warschauer Haiiptbahnhof waren zur Verabschiedung einige tausend Juden erschienen. Atn 17. Sep« tember abends reisten von Warschau nach Palästina 175 Juden, meist Handwcrkcrfantilien, die von Ihren Verwandten an« gefordert wurden. Die Wahlen zum preußischen Landesverband Die jüdischen Parteien in den Provinzen Ostpreußen und Westpreußen, die zusammen 39 Gemeinden umfassen, und einen eigenen Wahlkreis für den Verbandstag des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden bilden, haben soeben ein Wahlkompromlß geschlossen, Da Im ganzen für diesen Wahlkreis vier Mandate zu vergeben waren, haben Sielt di« Parteien dahin geeinigt, daß zwei Mandate der liberalen Partei, ein Mandat der Zionistischen Organl« satlon und das vierte Mandat den Konservativen Zufällen sollen. Auch In den anderen Provinzen sind, wie dem J. T. A.« Vertreter mitgcteilt wird, Vorbereitungen für Wahlkompix»• miss« Im Gange. Abwanderung der Pogrornpüllchtliage Die Abwanderung der jüdischen Flüchtlinge aus Rumänien wird durch das Emigrationsbüro der Ica eifrig gefördert. Seit Beginn der Evnkuicrungstätigkcit im Mai 1923 hat das Eml« gratlonshüro der fea in Rumänien 6600 Flüchtlinge nach verschiedenen Ländern transportiert. 2800 Flüchtlinge gingen nach den Vereinigten Staaten, 1100 nach Südamerika, 375 nach Palästina und 175 nach anderen Ländern. Im Oktober 1923 erhielt das lea-Büro eine besondere Erlaubnis der Regierung Kanadas zur Einwanderung von einigen tausend Flüchtlingen aus Rumänien. Bis 1. September 1024 sind nach Kanada bereits 2160 jüdische Flüchtlinge abgereist. Im Jahre 1923/24 haben außerdem 3400 jüdische Flüchtlinge, ohne die Hilfe der lea In Anspruch zu nehmen, Rumänien verlassen. Insgesamt also sind in den Jahren 1923/24 zirka 10000 jüdische rlücht« Unge aus Rumänien abgcwaaderl

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