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Jüdische Rundschau · 1924-09-23 · Heft 76 (23.9.1924) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 76 (23.9.1924)
Date
1924-09-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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[ 540 1UED ISCHE RUNDSCHAU Nr, ׳?fl Entscheidung hat, ist noch nicht ausgemacht. Versteht der Zioiiisteuhmigrell seine Aufgabe, dann werden seine Be- Schlüsse, die sich ja nach wie vor auf das ganze Gebiet der l’aläsiiuawirlsciiaft erstrecken werden, eine größere Resonanz linden als bisher. Ein Vorteil wird sich gewiß ergeben: Die Pressionen einzelner Kcmgreßgnippun werden politisch weniger wirkungsvoll sein; wir werden weniger Kompromisse und mehr Mehrheitsbeschlüsse haben. Den Kommissiousmitglledern der letzten Kongresse wird diese Andeutung genügen. Die Budgetdebatte kann aber nach Gründung der Agency den Kongreil ״lebt mehr vom ersten bis zum letzten Augen• blick beschäftigen. Erfahrt mich die iiiillere Macht des Kon-!;resse» auf diesem einen Gebiet eine Schwächung, so erwachsen dem Ziom'steukniigref! nunmehr notwendig neue innere Aufgaben, Blieb bisher jeder Versuch, die Frage der •/ionistisehen Bewegung als solcher in den Mittelpunkt der Debatte zu rücken, in den allerersten Anfängen stecken, so wird jeder Kongreß, der nach dem Zusammentritt der erweiterten Agency tagt, das nnahweisliclic Bedürfnis haben, 'auf diese Agency als zionistische Bewegung zu wirken. Die Furcht, es könne den Zionisten selbst ihre Organisation nach der Durchführung des Agcncyplancs überflüssig erscheinen, ist unbegründet. Die Zionistische Organisation ist kein nur willkürliches Gebilde, Auch ohne unser Zutun entsteht sogar in Amerika die Judenfrage in der uns vertrauten europäischen Form. Sie besteht schon heute, und von Jahr zu Jahr wird es mehr Menschen geben, die aus Gründen, die wir einmal erlebt haben, Zionisten werden, aus Persönliclikcitsgefiihl, ans Erkenntnis der Schranken der Emanzipation und Assimilation, ans natürlichem Frciheits- Bedürfnis, aus einem auf der Basis fremder Kuiluren erwachten Gefühl fiir eigenes nationales Leben und eigene Produktivität. Für diese Menschen besteht das Bedürfnis, sich zionistisch zu ■organisieren, genau so gut, wie es auch hier immer wieder geboren ' wird, ohne Rücksicht auf irgendwelche Maßnahmen der existenten Zionistischen Organisation, und zwar auch dann, wenn diese Organisation ihre eigene ׳ Auflösung beschließen sollte. Nur eine äußerliche, mechanische Auffassung kann fragen, ob in Zukunft ein Anreiz bestehen kann, Mitglied der Ziofiistischeii Organisation zu werden. Wir haben es mit lebendigen Menschen zu tun, und jeder, der mit Erfolg versucht hat, Nichtzionisten zu gewinnen, hat erfahren, wie jeder neu berührte, jüngere Mensch Tag für Tag mit dem Problem ringt, ob er Zionist werden kann oder nicht. Ich habe noch keinen kennen gelernt, der auf den Gedanken gekommen ist, daß die ihm wohl vertraute erweiterte Jewish Agency in dieser Entscheidung entheben könnte. Die Eingliederung wertvoller Menschen in unsere Reihen kann uns durch das Aufgeben einer schwer zu verbindenden Doppelstellimg der Zionistischen Organisation erleichtert werden. Einmal hatte die Organisation durch die Zahl der An-!länger auf die jüdische und nichtjikiische Welt repräsentativ zu wirken, und gleichzeitig galt es, eine möglichst große Identität von Bewegung und Organisation zu erreichen. F11 Zukunft kann die Organisation sich vornehmlich ihrer zweiten Airfgabc zuwenden. Die Zahl der Zionisten soll so groß wie möglich sein, aber die Organisation wird nur ein Interesse au der Ver- .jnchrtmg der Mitarbeiter und nicht an der Zunahme durch Mitläufer haben. Die Fragen des Pionicrhims, der Jugendbewegung, der persönlichen zionistischen Entscheidung, der zionistischen Propaganda können einem zukünftigen Kongreß einen neuen Rang verleihen. Das parlnmcntsähnliche Gebilde der letzten Kongresse kann als ersehnte Ergänzung den Kongreßcharakter erhalten, der unsere ersten Kongresse ausgezeichnet hat. Auf wen wird es in der neuen Agency für den Aufbau Palästinas vor allem ankommen? Alles wird von den effektiven Trägern der Arbeit abhängig sein, von den die Menschen und die Mittel beschaffenden zionistischen Personlichkciicii. Die wahre Macht kann nur bei denen liegen, die zugleich Geber und Nehmer sind, nicht bei den nur Gebenden. Worin bestand z. B. die große Bedeutung der fiir den Keren Hajcssod neugewonnenen führenden Nichtzionisten? Sic waren vor allem katalytische Fer• mente. Wir brauchten die Gegenwart, die Mitarbeit dieser wichtigsten, zum Teil hervorragenden Menschen, um erfolgreicher arbeiten zu können. Ohne die Zustimmung, ohne den Beitritt von Nichtzionisten hätten wir erheblich geringere Mittel bekommen, aber die Tagesarbeit konnte uns niemand abnehmen. Die Schulden der Judcnheit an Palästina sind fast ausnahmslos Holschulden. Jeder muß an seine Pflicht erinnert werden, und diese für das Gelingen der Aktion wichtigstc Arbeit,. den einzelnen zur Erfüllung seiner Pflicht zu bringen, sie bleibt uns und wird uns bleiben, wie wertvolle Mitarbeiter wir auch aus dem iiichtzionistisclien Teil der Jewish Agency allmählich gewinnen müssen. Die Wirkung der zionistischen Kräfte, auf deren Arbeit der Erfolg auch weiter beruhen wird, ist fast völlig durch die Existenz der Zionistischen Organisation bedingt. Selbst Dr. Wcizmann, dem der erste Platz in der erweiterten Jewish Agency gehört, dessen Name mit den unerhörtesten politischen Erfolgen der Gahithgesehichte verbunden ist, vermag seine Arbeit nur so lange durchzuführen, als er Prfisident einer wirklich bestehenden Zionistischen Organisation sein kann. Auch seine Stellung beruht darauf, daß er unser Repräsentant ist. Auch Dr. Wcizmann hört auf, bündnisfähig zu sein, wenn der zionistische Partner innerhalb des neuen Zwcckvcrhandes seinen Kredit verloren hat. Fallt die Zionistische Organisation in Trümmer, dann Werden der Jewish Agency keine neuen Kräfte Zuwachsen, die mit der erforderlichen Wirkung unser Werk ergänzen und fortsetzen können. m Die konstruktive Negationspolitik gegenüber dem Weiterbestand unserer Organisation innerhalb der iicugestaltctcn Agency ist mit zionistischem Verantwortungsgefühl nicht vercinbar. Was ist das Ziel dieser Art von Kritik? Nachzuweisen: daß nicht sein kann, was nicht sein darf? Gerade für den zionistischen Politiker, der den cingeschlagcncn Weg für einen Irrweg hält, für den es aber heute keine Wahl mehr gibt, sollte doppelt die Pflicht bestehen, die angeblich bcdrohte Organisation zu kräftigen. Ungünstige Prognosen für die Zukunft der Zionistischen Organisation können weder der Organisation noch dem Aufbau Palästinas dienlich sein. Der ,Vorschlag vollends, eine Agency, Bewegung zu ent- {,schon, da die Zionistische Organisation unmöglich aufnrl1!/.1!crl1alU'11 sei, ist unvorstellbar. Wie soll der Uebcr-!;ang./io.taiHl nussehen? Wie findet die Liquidation der Zionisu.-eiien Oiganisatiou statt? Wie soll sich praktisch der Eintritt der Zionisten in eine neue Palästina-Weltorganisation gestalten? [dieser Vorschlag kommt bestenfalls auf den alten Woltkongri-ßgedankcn heraus, dessen Verfechter aber nur,- nalmisiox die Zionistische Organisation als wichtigstes Etc• men! fiir die Einberufung und befriedigende Gestaltung des Weltkongresses ansahen. Praktisch würden durchgeführte Vorschläge dieser Art zunächst jedenfalls von einem völligen Zusammenbruch unseres Kolonisationswerkc,1) begleitet sein. Die klaren Unlergaiißspropheten denken die politischen Entwicklungen immer nur als Krisen; wo «lorh liier im realen AI:],mf der Dinge alle» Wechselwirkung und allmähliche Wand- Imig sein wird, und zwar in höherem Grade auf der uns er• "aiizenden nielitzionlxüsclicn Seite, Die Zionistische Organisation, wie starke Kräfte sie auch in sich birgt, bedarf der Umformung und der Erneuerung, um den Anforderungen, die gerade auch die Erweiterung der Jewish Agency an sie stellt, gewachsen zu sein. Was hat zu geschehen? Seitdem wir für den Aufbau des Landes verantwortlich sind, mußten zionistische Körperschaften und die Exekutive Jahr für Jahr fcststellen, was im gegenwärtigen Moment die Forderung und der Inhalt des Zionismus ist, ln der Welt geistiger Auseinandersetzuugen ist an sich der Begriff Zionismus beliebig deutbar. Es gibt Deutungen, in denen Zion keine Rolle mehr spielt. Die Zionistische Organisation kann da» Frcibc-utcrtum von Gruppen und von einzelnen, die jede Sondcrauffassung als den Ausdruck des allein echten Zionismus ausgeben, nur dann ohne Schaden ertragen, wenn sie seihst die Kraft hat, Theorie und Praxis der zionistischen Arbeit verbindlich festzusteiien. Leichter denn je ist heute eine klare Direktive zu finden. 1 lat man fcslgcstcllt, daß Palästina ein beschleunigtes Tempo der Entwicklung braucht, dann bedarf cs heute der ״Konzentration der Kräfte“, dann ist jetzt die Forderung und der Inhalt des Zionismus, bald, in unseren Tagen, aus Palästina die nationale Heimstätte fiir das jüdische Volk durch die Kräfte der Zionistischen Organisation — geeignete Pioniere im Lande und geschulte Träger der Bewegung im Galuih — zu machen. Das und nichts anderes bedeutet heute zionistische Arbeit. Vielleicht wird die zionistische Parole in einigen Jahren anders lauten können. Alle zionistischen Wünsche und Interessengebiete dürfen nur insoweit existieren, als sie nnmittelbar dieser Aufgabe dienen, jeder einzelne Zionist hat seine Eebonsinfercsscn mit Palästina zu verknüpfen und zunächst die Mnasserordcrung des Keren Ilajcssod zu erfüllen. Der junge Zionist muß selbst nach Palästina gehen, atif das er sich beruflieh vor/nbereiten hat. Die Bedeutung auch dieser zio• nislischen Forderungen liegt nicht in ihrem Erkennen, sondern in ihrer Verwirklichung durch eine mir Kraft und den erforderliehen Einrichtungen begabte Exekutive. Trotz aller Kongresse und Tagungen ist der Einheitsgedankc der Zionistischen Organisation so abgcschwäclit worden, daß die Exekutive die heute für die selbstverständlichen zionisti• scheu Leistungen unzulänglichen Föderationen, deren eine die mit einer bestimmten Wirtschaftsgesinnung verknüpfte Gruppe von Sztam-Zionistcn ist, zu methodischer Arbeit in der Organi■ sation Bringen muß. Einwandfreie Kongrcßwahlcu, rücksichtslose Unterdrückung aller Unregelmäßigkeiten bei der Schckelahrech• mmg, Beseitigung der unerhörten den Aufbau schädigenden Konkurrenznktioncn von Keren Knjemeth und Keren Ilajcssod in einigen Ländern. Dieses Ziel ist durch direkte Tätigkeit der Exekutive in den Ländern zu erreichen. Mit der riehen der Organisation!•!erlebenden Jugendorgani■ sation fiat die Exekutive in unmittelbare Verbindung zu treten. Hier gilt cs, von einer Zentralstelle aus die Vereinigung aller Jugendorganisationen durclizu'ührcn rund die wertvollsten fugendfiihrcr an den Arbeiten der Organisation zu beteiligen, Duldet die Exekutive weiter, daß die hcranwnchscndc neue Generation allzufrüh zur parteipolitischen Festlegung geführt wird, dann tritt an Stelle der für eine zionistische Jugend erforderliehen Ideale der Charakterbildung, der sorgsamen fachlichen Ausbildung und der erst daun in freier Wahl erfolgenden' intellektuellen zionistischen und parteipolitischen Entscheidung ein Nachwuchs, der unter dem Druck vorzeitiger Uniformierung durch allzu enge Schablonen geistig und menschlich verarmt, dum jedenfalls die Lust und die Fähigkeit genommen wird, die volle Verantwortung für alle Teile des Zionismus mitzuübernehmen. Die frage der Verwaltung in Palästina bleibe in diesem Zusammenhang!«!erörtert. Für die Konsolidierung der Organ!■ sation kommt cs vor allem auf »len Teil der Exekutive an, der in seiner Arbeit mit dcm.Gedclit dem Oaluth zngcwandt ist. Merkwürdigerweise hat der in London sitzende Teil der Leitung diesen Zweig seiner Tätigkeit seit Jahren nicht verstanden um! doch ist die zionistische llnischeidung im Gnliilh im gegen• wärtigen Augenblick nicht weniger wichtig als eine gute Verwaltiiiig in Erez-Israel. Zwischen beiden Aufgaben gibt es natnrgemäß Zusammenhänge. Ohne kolonisatorische Fortschritte in Palästina ist eine erhöhte Wirkung der Organisation fast nnmög• lieh, (auch dieses Moment soffen die agcncy-fcindiichcn Zionswächter der Organisation betrachten), und jede Verwalimigsrcfonn in Palästina muß im Einklang mit den Grund- Sätzen der Entwicklung der Organisation stehen. Solange die Zionistische Organisation im Pioijicrlum ihren charakterisiisdisien Ausdruck erblickt, müssen auch in Palästina dem Leiter der Kolonisation die arbeitenden Elemente als die Trägei des Kolonisationswerks erscheinen. Die Durchsetzung der zionistischen Forderung erfordert gute und vor allem zrddreicbere Mitarbeiter in aller Welt. Nur starke zionistische Persönlichkeiten haben durch spezifisch zionistische Forderungen wertvolle Nichtzionisten überwältigt oder wenigstens beeindruckt. Solche zionistischen Kräfte zu sammeln, neue Menschen diesem Kreis zu verbinden, muß unverzüglich versucht werden. Eine aus solchen Menschen bestehende zuverlässige ״Arbeitsgemeinschaft“ zu bilden, erscheint seit Jahren als wichtiges Ziel. Die notwendige Sammlung der Kräfte kann jedoch nur durch eine Exekutive criolgcn, die die Führung der Zionistischen Organisation als ihre hohe Aufgabe betrachtet. Erforderlich ist daher die Schaffung einer zentralen, die gesamte Organisation bceinflnssenden Stelle für zionistische Arbeit. Zionistische Propa- ״anda, das heißt im gegenwärtigen Augenblick vor allem das finden, die Gewinnung, die geistige Schulung und die mcnschliehe Erziehung von arbeitenden und führenden Kräften der Zionistischen Organisation. Es gibt solche Menschen vor allem in der zionistischen Jugend, einzelne nicht weniger wertvolle warten auf uns in der nicht/ionisUsehen Judcuhcit, Einzugliedern sind diese Menschen nur durch klaren, zielsicheren .Willen einer leitenden Stelle. Mit aßen Menschen, die geeignet scheinen, Träger <]Cf zionistischen Arbeit, Sendboten der Zionistischen Organi-.i!״,, j zu sein, iiiufi es die Exekutive sofort zu tun bekommen. Unscs» 1 Propaganda ist eine lernbare und lehrbare Angelenenheit j Auf wenigen Propagandisten liegt heule die Bcschaifu׳־״! der Mittel. Einer bei der Exekutive bestehenden zenttaä״, i Stelle liegt es ob, die Ausbildung für zionistische Arbeit durchj zuführen. Hat die Exekutive in der Welt einige Dutzend; u! j geschulter arbeitender Zionisten von geistigem Rang, die iib!r. ן all in gleicher Weise «Sie gleiche zionisti;״ hc I'imlerung u.aeh I dun Willen der Exekutive vertreten, dann wird man wieder ven 1 einer starken Organisation sprechen können, die ihrer Auf. : gäbe gewachsen ist. Die Arbeit ■muß ohne Prätention beginnen 1 und allmählich ein Territorium nach dem andern erobern. ' Die Schwierigkeit der Durchführung dieser Arbeit liegt ja tief notwendigen lieber,iltenin!: großer Teile der Organisation. Es ist die Tragik jüdischer Menschen, insbesondere die Tragik der Zionisten, daß sie nicht alt werden können, wie die Söhne anderer Völker. Bei anderen Völkern, bei natürlichen Lebensbedingungen ist es dam einzelnen leichter, die Würde und Schönheit seiner Jahre zu tragen. Die zionistische Bewegung verlangt seit mehr als 23 Jahren von allen ihren Mitgliedern eine seelische Haltung, wie sie sonst nur Jugendliche haben können. Nicht jeder erträgt diese erforderliche Spannung sein [,eben lang. Mancher halt nur drei, mancher fünf’ mancher zehn Jahre aus. Ohne Groll sind diejenigen zu bcurteilen, die sich den für sie überspannten Anforderungen nach einer gewissen Zeit aus äußeren und auch aus inneren Gründen entziehen. Nur dürfen solche Menschen nicht verlangen, daß die Bewegung auf sic zugeschnitten wird. Jeder Zionist hat sich selbst zu prüfen, wann er aus der ersten Reihe in die zweite und dritte abzutreten hat. Der Verzicht Ist schwer, aber ertrug eine frühere Generation «las Parvcnutum im Vorhofc einer europäischen Kultur, damit die Kinder mir ja sich richtig assimilieren könnten, so müssen wir cs erst recht ertragen, als vorbereitendes Geschlecht im Vorhof des eigenen Heims uns zu betrachten, damit neue und jüngere Kräfte der Organisation und dem Aufbau die Richtung geben. Die Erweiterung der Jewish Agency ist unser politisches Ziel, Sie erhält ihren politischen Sinn nur dadurch, daß sie zu einer Aufgabe der Zionistischen Organisation wird. Zeigt unsere Organisaiion Verfallserscheinungen, so hat die Agency-Politik daran keine Schuld. Der Organisation bleiben die alten Aufgaben. Sic muß sich neuen zuwenden, denen auch ohne Kooperation mit Nicht/iomstcn ein erhöhtes Interesse hätte gelten müssen. Unverwischbar wird die Grenze zwischen Zionisten und Nichtzionisten bestehen bleiben. Der Teil darf weder aufhören noch schwächer werden, fiir den der Aufbau Palästinas die Frage seines eigenen Lebens ist. Dr. Wcizmann schloß seine Rede auf dein letzten Kongreß ' mit den Worten: es lebe der Kongreß, cs lebe die Zionistischc Organisation! Er und wir haben zu begreifen, daß die durch die erweiterte Jewish Agency gekrönte Bündnispolitik die Frucht der Verwirklichung des Baseler Programms nur tragen kann, wenn «las quellende Leben der Zionistischen Organisation ihr unaufhörlich zuströmt. Ein arsLisdics Memorandum an den Völkerbund Genf (J. T. A.) ׳ Emir Shakib A rs 1 a n, ein prominenter syrischer Nationalist und Führer der Druscn-Ikvölkerur,?, des Libanon, hat am 17. September dem Völkerbund cm Memoraiidum unterbreitet, in welchem folgendes gefordert wird; Evakuierung der britischen Truppen aus Palästina und der französischen Truppen aus Syrien; Annullierung der britischen und französischen Mandate über die genannten beiden Länder und Anerkennung des Rechts dieser Länder, in einen Verband mit allen anderen arabischen Ländern zu treten. Der Emir hat das Memorandum im Namen des Syrisch-Palästinensischen Kongresses, der in Kairo getagt hat, vorgetegt. Zu dem Memorandum wird weiter ausgcfiibrt: Das iranzösischc Rcgime in Syrien und das britische Regime in Palästina sind die Ursachen der in diesen Ländern herrschenden mißlichen Zustände. Dio ökonomischen Verhältnisse sind unerträglich, die politische Lage in beiden Ländern ist unsicher; die Un• Zufriedenheit, weiche das Gesetz und die öttcntliche Ord• innig bedroht, ist im Wachsen. Der einzige Weg, dieser Ent• Wicklung Einhalt zu gebieten, wäre der, daß man Palästina und. Syrien die Souveränität und Unabhängigkeit gibt, alle britischen und französischen Truppen zurückzicht und die beiden Länder als unabhängige Staaten einer pan-arabischcn Konförderatbn heizutreten mit dem Recht, als unabhängige Staaten in den Völkerbund cintrctcn zu «Hirten. Das JndaMschc Institut In Jerusalem London. (J. T. A.) Das Jüdische Universitäts-Komitee gab am 17. September bekannt, daß im S'mnnc der Beschlüsse der in London abgeliallenen Universitatskonfcrcnz folgende Gelehrte an das Institut für jüdische Studien in Jerusalem berufen worden sind: Professor M. Guttinann vom Bres• lauer. Rabbinischen Seminar (llalacha); Professor L. Mar• golis von der Drops!e-Hochsclitilc in Philadelphia (Bibel• Kommentare); Prof. Louis Oinsbcrg vom Jüdiscb-Theologischen Seminar in New York; Rabbiner Dr. S. Klein aus Nowc-Zamky in der Tschechoslowakei (biblische Togograpbie); Obcrrahhiner Dr. Immanuel Locw aus Szcgcdin, Ungarn; der Dichter Chaim Nachmann Bialik (moderne hebräische Literatur); Dr. Chaim Heller aus Berlin; Prof• Mittwoch von der Berliner Universität (Arabisch). Die Krim und Mexiko Das Exekutivkomitee der Zionistischen Organisation Arne* rik.as gibt eine Mitteilung heraus, in der sic zu den Projekten, Juden in der . Krim und in Mexiko anznsiedcln, Stellung nimmt. Es heißt darin 11. a.: Das wichtigste Problem in dein Leben des jüdischen Volkes war und ist'noch immer das immigrationsproblem. ln dem Bestreben, mancherlei tragische Konsequenzen dieses Problems zu vermeiden, nehmen einige unserer Leute ihre Zuflucht zu Auswegen, die eine momentane Hilfe in Aussicht zu stellen scheinen. Tatsachen der jüdischen Geschichte haben jedoch immer wieder bc• wiesen, daß solche momentanen Auswege nicht zur Lösung des Problems führen können. Es ist bedauerlich, daß sich nicht alle jüdischen Kräfte zum Ausbau Palästinas als Immi• grationszentrum vereinigen, eines Landes, ln welchem da* jüdische Leben dauerhaft und in sich gefestigt sein kann und nicht, wie in anderen Ländern, fremden Zufälligkeiten -aus• gesetzt ist, so daß die luden über ihr eigenes Scl1icks.1I keine Kontrolle haben. Palästina kann — wie'die Zahlen b> weisen — zu einem lmmigrationsniittclpunkt werden; während der letzten drei Monate sind durchschnittlich 2005׳ Juden nach Palästina gekommen. Wenn die ludcnheit der Welt es will, kann die wirtschaftliche Stabilität zugunsten de» neuen Immigranten gesichert werden. Die Tatsachen der jüdischen Geschichte weisen deutlich auf eine Politik der Konzentration im Aufbau Palästinas hin.

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