Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 76 (23.9.1924)
- Date
- 1924-09-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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י : "ץ! ך״*4ן8ך־-״ן ך״יי Redaktion und Vcrlntf W 15, Meinckestraßc 10. Erscheint | ieden Dienstag und Freitag* Bcxwgspfei» bei der Expedition jl monatlich 1,85 Goldmark, Vierteljährlich 5,25 Goldmark, j| Au*f*ncii*bonn»menn w«r<Wn in der der «ln*#1n«a Llfldir Verteil 1t#1. j| Nummer 7 ö sgrsismsscsxa Berlin, 23. IX. 1924 - n Elnr.elnttmmer 0,3$ GoMmmh r־־־! r *«j 1 V.! v t 1 AnzcIj’ca-VervmUtiitf,: Jüdische Rundschau G. m. b. II., Berlin W15, Melncke• Straße 10, — Telephon! Amt Bismarck 7165 — 70 An<di|I«npr«i* » Bg»»n»lt. Nonperellle»*lle Ö,30(jftlcJra*rk, Stellenj׳<e*ucl1• 0,15 Goldmerk, i*ür ItebriiicUe ArueijJto 100% AuI«chUg. Anrei^enschlulh D i a a t a t< u וו H P r « M * g ni chrattteg 4 Uhr, Telephon! Uismnrck 7165—70. Poitschcckkonto: Berlin Nr. 17392. F1!rO»«t«rrelct1; l’mlip.rki.itnaml W!«n, Knnta Nr. 1*56 OM / Für Tich!c)1c!•lowtk.it l'oitiptrkaiicotm! I'rtg, Koni״ Nr, iS» 410 / Für Fnltat PoftipirkaiMQimt Wtrtcht« Nr. mim, - Redaktionmehbiß Sonntag und Mittwoch nachmittag, — scsi►? fr*- כ״ד אלול׳ חרס״ד XXIX. JaLurg. Oer Zlonlsmua erstrobl fUr das JQdlsche Volk dla Schaffung einer öffe;5ll!1h rochtlüeCi f!nnlchcrten llctantätto ln Palästina• ״Qasoler Programm•" Zionistische Organisation und Jewish Agency Von Kurt Blumen feid. ״Das Aktkms-CoiniU' hat mit Befriedigung׳ von den Vernandlungen Kenntnis genommen, die der Präsident der Zionlstisdicn Organisation in Amerika zur Erweiterung der jewish Agency geführt hat.'׳ Das. Aktions-Oomitc hat ferner die Exekutive heanitragt. die begonnenen Verhandlungen fortzuact/cn und ahsclihillrcif zu machen, 90<l,1ß dem nächsten Zionistcnkongreß ein vollständiger Entwurf vorlicgen soll, und ihm der entscheidende Beschluß ermöglicht wird. Für diesen Antrag stimmten 2t Mitglieder, 4 waren dagegen, 4 enthielten sich der Stimme. Es handelt sich um keine Zufailsmchrheit; der Gegenstand wird seit Jahren erörtert. Auch die Gegner des Planes sind überzeugt, daß die cingelcitctc Entwicklung nicht mehr auf-?!!halten ist. Dennoch fehlt vielen Vertretern der Zionistischen Organisation offensichtlich die für diese entscheidende Neuoidming erforderliche innere Sicherheit. Schritt für Schritt hat man sich Zugeständnisse abringen lassen; jede neue Aklions-Coinik'sitznng nahm Beschlüsse an, die deutlich als äußerste Konzessionen gekennzeichnet wurden; man beklagte sich über Vergewaltigung, ließ sich aber immer wieder nicht so ganz ungern vergewaltigen. Und so entstand eine Situation, der wir auf der letzten Aktkzns-GomitcsiUung ein Ende zu machen versuchten. Wer nur widerstrebend mit uns gegangen ist, hat als Grund für sein Unbehagen die Furcht für die Zukunft der Zionistischen Organisation genannt. Diese Sorge wurde durch das Verhalten mancher Freunde der Er- Weiterung genährt, denen man anmerkte, daß ihnen eine all* tunhlichc Auflösung der Zionistischen Organisation, wenn erst einmal die neue Agency gebildet ist, garnicht so unwillkommen sein wird. Die Exekutive hat nur schwache Versuche gemacht, dte Bewegung so zu führen, daß sie in der erweiterten Jewish Agency nicht nur eine »ns äußeren, sondern auch aus inneren Gründen notwendige organische Entwicklung zu erblicken hat, und ihr klar zu machen, daß das Getingen des sehr schwierigen, noch nicht gesicherten Werkes vom Bestand, von der Stärkung, von der Erneuerung der Zionistischen Organisation abhängig ist. * Die ״Ründ!1is|>01itik“ hat, wenn sic gelingen 6011, den Bestand der Zionistischen Organisation zur Voraussetzung. Die aus Zionisten und Nichtzionisten bestehende Jewish Agency ist das letzte Ziel dieser Politik. Gezeigt muß werden, wie cs um die Organisation bestellt ist. Die Entwicklung der Zionistischen Organisation ist deutlich durch die Aenderung der Kongreßinhalte gekennzeichnet. Seit 1897 hat das Interesse der Zionistcnkongrcssc wiederholt gewechselt; zunächst galt es der Judenfragc, und das Problem Oaiiitlibcjalmng und Galiithvcrneiming erregte den Kongreß, in einer zweiten Phase stand die Entscheidung zwischen nugeb* lieh politischem und sogenanntem praktischen Zionismus im Mittelpunkt. Seit der IkdfouixJcklaration erdrückte der Kampf um das Budget alle anderen Gegenstände. Entsprechend diesem gewandelten Inhalt waren die ersten zionistischen Wcltver* Sammlungen wirkliche Kongresse, die folgenden vor allem Parteitage und die letzten eine Art Parlament. Dieser Wandlung entsprach die zeitliche Dauer und der Eindruck der Zionistenkongresse auf unsere Bewegung. Erst gab es Parolen, dann Entscheidungen und schließlieh Beschlüsse. — Die letzten Kongresse, die sich hauptsächlich mit der Frage der GeldvcrWendung und Geld* Verwaltung beschäftigten, ließen die Teilnehmer in steigendem Maße unbefriedigt. Die wichtigsten Entscheidungen fielen naturgemäß in dm Kommissionen, die allgemeine Resonanz war schwächer geworden, die zionistisch erregenden Momente fehlten. So wurde die Frage immer häufiger: was sollen wir auf dem nächsten Kongreß tun? Hat es Sinn, an solcher Tagung als Nichtsachverständigcr teilzunchmen? — Der Kongreß trug den Charakter einer nur parlamentarischen Körperschaft, es fehlte ihm aber als Korrelat die ständige Verbindung mit dem umfiutenden Leben der Nation. Ein gesteigertes zionistisches Kraftgefühl konnte, wenn cs vorhanden war, auf dem Kongreß nicht zur Geltung kommen. Der Kongreß hatte vergessen, daß sein Recht, den Aufbau des Landes zu bestimmen, von der Erkenntnis abhängig war, daß die Entscheidungsschlacht des Zionismus im Galuth geschlagen wird. Seit Jahren sorgen wir uns um das Schicksal unserer Kongrosse. Aber diese Sorge hat nichts mit irgendwelchem Plan einer Kooperation mit Nichtzionisten zu tun. Es ist unrichtig, daß erst der Gedanke einer Erweiterung der Jewish Agcney uns Anlaß gibt, um unsere Organisation zu bangen. * Aufgabe und Form der Zionistischen Organisation sind an den Erfordernissen der zionistischen Politik zu messen. Das zionistische Ziel liegt fest und ist unabänderlich. Es kommt also darauf an, die zionistische Politik, das heißt die jeweilig erforderliche Stellungnahme und die int Augenblick notwendigen Maßnahmen fcstzusleücn. Was ist das Kriterium richtiger Politik? Es liegt in den richtig erkannten Voraussetzungen, nicht in der Schlüssigkeit logischer Deduktionen. Logische und politische Fähigkeiten sind nicht idenlisch. Beruht die intrressanteste Konstruktion auf falsch g deuteten rca’eu Voraus- »etzungen, so ist sic politisch wertlos. ־- Welches sind nun die Haupttatsachen, von denen die innere Politik auszngchcn hat? Erstens: Das Tempo der Kolonisation in Palästina muß schneller werden, wir brauchen mehr Land, mehr Siedler, größere Einwanderung; sichtbare Fortschritte sind erforderlich. Wir sind kaum imstande, das Bestehende fest ™•halten und ausziibaiicn. Die von Ruppin aufgestellten Forderungen, man nannte sic einmal Mimmnllordcrungcn, für das Tempo der Kolonisation müssen erfüllt werden. Für uns ist cs höchste Aufgabe der Zionistischen Organisation, darüber zu wachen, daß wir den erforderlichen Maßstab fcslhaltcn. Die Untersuchung, ob wir auch bei kleinstem Fortschritt nlhnähUch zu eigener Wirtschaft und einer unzerstörbaren Landwirtschaftliehen Siedlung kommen können, ist heute entschieden. Alte berechtigten I loffmingcn für ein wie immer geartetes zlonisti- «dies Zukunftsbild hängen davon ah, daß cs schneller, sehr viel schneller ״!;hon muH als bisher, ׳ M! s:s T.cilmr.an 11111 in seinen Artikeln ״Die Konzentration der Kräfte“ und ״Chnluzini" (Nr, 67 und 68 der Jüdischen Rundschau) alles Erforderliche hierzu gesagt. Unsere zionistische Aufgabe in Palästina, der die Organisation gewachsen sein muß, wenn das Wort Zionismus seinen Sinn behalten soll, ist ein wesentlicher Grund für die Erforderlichkeit der Bündnispolitik. Diese vor Jahren cingclcitctc Politik hat bereits drei verschicdcnc Entwicklungsstadicn durchlaufen. Erstes Stadium; Durchsetzung der Paliistinnfoiderung innerhalb der politischen Forderung auf das Recht der kleinen Nationen und der uationalen Minderheiten, Dieser Forderung entsprach die Kong r e ß p o 1 i t i k (man erinnere sich au die politische Bedeutung des amerikanischen Kongresses). Zweites Stadium: Beginn unserer Verantwortung für den Aufbau nach der Balfour-Deklaration. Ihr entsprach der Keren Hajcssod als das Instrument der neuen Finanzpolitik. Drittes Stadium: Der Zwang zu schneller Kolonisation und verändertcr Aufbaupolitik, Die Durchführung wild von einer wirklichen Kooperation zwischen Zionisten und Nichtzionisten in der Jewish Agency erwartet. So Ist die konsequente Fortsetzung der Bündnispolitik einmat durch die veränderte Situation Palästinas bedingt. Zweitens: Die Grenzen des Palästinawillens der Nichtzionisten. Die Haltung der nichtzionistischen Welt gegenüber Palästina ist anders geworden. Die Wandlung begann im Kriege. In verschiedenen Ländern faßten große jüdische Körperschaften palästinafrcundiiche Resolutionen, die Baifour-Deklaration übte, von uns ins rechte Licht gesetzt, ihre Wirkung aus. So sichtbar war dieser Stimmungswandel gegenüber Palästina, daß innerhalb der zionistischen Reihen mit der Möglichkeit des Eintritts erheblicher Scharen von Nichtzionisten, bisbesondere der Führer größerer jüdischer Verbände in die Zionistische Organisation gerechnet wurde. Man identifizierte die Aeußerungen des Interesses für Palästina mit der Bereitschaft, das ׳ Baseler Programm anzuerkennen, und ging vielfach soweit, daß man den großen Erfolg der Verstärkung der zionistischen Reihen mit einer Verflachung des Zionismus, mit Ocsinmmgskonzcssionen, erkaufen wollte. Man glaubte, die Nichtzionisten in eine für sie präparierte Zionistische Organisation liincinführcii zu können, indem man ihnen sagte, euer Paliistimiintcressc mach* euch, ohne daß ihr cs bisher gewußt habt, den Eintritt in unsere Organisation möglich. Dahingehende Versuche wurden gleichzeitig in Amerika und Europa gemacht. So forderte Brandeis den Eintritt von Nichtzionisten in die zionistische Exekutive, so versuchte Zollschan dadurch zu wirken, daß er das Wort ״national“ ausmerzte, und dafür überall den Begriff ״ethnischer Zusammenhang“ einführte; so erklärten sich die Hoffnungen des Binjan Haarcz auf ungeahnte propagandistische Erfolge unter Nichtz.io11is.ten, Als propagandistisch gefährlich galt in 7.10nistischcn Reihen in dieser Zeit der Begriff ״jüdisch-national", für alle Juden akzeptierbar das Wort Zionismus. Die Erfahrung hat überall die Grenzen des allgemein-jüdischen Palästinaintcresscs gezeigt. Die für den Aufbau gewonnenen neuen Menschen, deren Mitarbeit für unser Werk von höchstem Wert ist, sind in keinem Stadium der Entwicklung zum Eintritt In die Zionistische Organisation zu bewegen gewesen, noch auch das Zugeständnis zu machen, daß sic in irgend einer Form als Zionisten bezeichnet werden wollen. Gerade in den Jahren der gemeinsamen Arbeit ist der Unterschied zwischen Zionisten und Nichtz.ionistcn uns empirisch besonders deutlich zum Bewulltscin gebracht worden, Meine persönlichen Erfahrungen beweisen mir, daß Menschen, die älter als •1Ö Jahre sind, nur in den allcrscltcnstcn Falten die innere Möglichkeit haben, ihre Anschauungen grundsätzlich neu zu gestalten, Sic sind bemüht, das Palästinaintcrcssc ihrem bisherigen Weltbild cinzufü£cn, und ich kenne Falle, wo geistig kraftvolle Persönlichkcitcn des öffentlichen Lebens von ihren nichtzionistischen Grundansclmuungcn nur die äußere Hülle behalten, den ganzen Komplex unseres Wissens und unserer Methode in diese Hülle hincingcpuckt haben und doch nicht imstande sind, diesem Inhalt ihres Wesens die Bezeichnung ״Zionismus" zu geben. Mir scheint, daß diese Menschen ein guter Instinkt leitet, Das Wort ״Zionismus" hat bei den besten Vertretern der nichtzionistischen Welt einen verpflichtenderen Sinn, als cs vielen Zionisten lieb Ist. Drittens: Schon ehe wir die Erfahrungen über die Grenzen des Palästinawillens der Nlchtzlonlsten sammeln konnten, waren wir uns über den Inhalt, die Möglichkeiten und Grenzen unserer zionistischen Propaganda klar geworden. (Ich verweise hier auf mein Referat auf dein Kasseler Dclcgicrtentag, September 1922.) Der Glaube, daß man sich nicht nur an alle Juden wenden, sondern auch wirklich alle gewinnen könne, ist als Irrtum erkannt worden. Die ״Idealistische" Strömling innerhalb der zionistischen Bewegung überwand immer sichtbarer die mechanische Auffassung, daß man grundsätzlich alle Juden zu Zionisten machen könne, weil es eine zwangsläufige Entwicklung zum Zumiimius gebe. Wir wußten, daß nur ein besonders ,gearteter Teil der Juden von der zionistischen Bewegung ergriffen werden könne, daß die Kraft der Organisation nur darin liege, alle diejenigen zu umfassen, die sich für das Schicksal der Nation verantwortlich fühlen, die entschlossen sind, sie nach ihrem Willen zu führen, tmd die persönlichen Leistungen, die den notwendigen naiio* nalen Forderungen entsprechen, zu erfüllen. Die Dappelparolc Morschen tmd Geld erleichterte tus die Erkenntnis. Woher sollten die neuen Menschen kommen? Die Meinung, es gäbe ihrer genug, war tatsch und ist heute unrich• tiger den je. Es gibt kein jüdisches Pal: 8 ina ohne Pioniric, ohne landwirtschaftliche Grundlage, ohne geschlossen!■ jüdische Siedlung. Wissen wir, daß die natiimnic Kotommtioii auf ennui Ule,•dir,tuchen Pionier tum beruht, dam! bestellt kein Zweifel, daß dieses Pionicrtnm nur in einer zionistischen Atmosphäre gedeihen kann, «ml daß es die Sondcranfgabc der Zionistischen Organisation ist, diese Menschen zu erfassen, atiszubildcn und zu führen. — Für diejenigen Mitglieder der Zionistischen Organisalion, deren höchstes Ziel eine nur aus Industriellen und kleinen Händlern bestellende städtische Siedlung ist, ist unsere Untersuchung gegenstandslos, da unsere Parole ״Menschen“ für sie gar liichi existiert; Palästina ist wirtschaftlich fürste genau solch ein Imrnigralioiislaiid wie etwa Südafrika oder Argentinien. Für jene hal die Zionistische Organisation schon Lim׳st ihren Sinn vcilorcn. Sie schauen beute sehnsüchtig nach 0er anderen 1 lälftedcr Agency und hoffen, sich dort wohler zu Uih'cn . als unter zionistischen Gesetzen, [kort harrt ihrer vermutlich eine Enttäuschung. Sträuben sich auch gewonnene Palästinafreunde, der Zionistischen Organisation beizutreten, so verstehen die anerkannten Wirtschaftler unter ihnen ausgezeichnet, was ca bedeutet, ein Land zu kolonisieren. Was bei uns radikale Forderung heißt, ist ihnen volkswirtschaftliche Selbstverständlichkeit Die Verantwortung für das Mcnschcnmatcrial trägt ׳i|* Zionistische Organisation allein. Sie ist verpflichtet, gemeinsam mit anderen die Mittel aulznbringen, aber keinen Helfer gibt cs für die Aufgabe, Pioniere zu gewinnen und zu erziehen. Die außenpolitische Bedeutung der Erweiterung der Jewish Agency wird von Dr. Wcizmann betont. Wiederholt war die Stellung der Zionistischen Organisation als legitimer Vertrettmg der Gcsamtjudciiheit für Palästina durch das Verhalten jüdischer Gruppen bedroht. Heute ist die politische Situation uns besonders günstig; ob wir aber auf die Djiici bei der in Zeiten politischer Schwierigkeiten immer wieder zu erwartenden Anzweiflung unseres Vertretungsrechte» ohne organisierte Verstärkung auskomrncii können, ist ungewiß. Die verbindliche Verknüpfung der anerkannten Führer der amerikanischen Judcnhcit mit unserem Werk stärkt unsere Position auch in einer uns nicht so günstigen Situation. Die gegenteilige Ansicht beruht auch hier auf Mangel an Vertrauen zur Zuverlässigkeit der zionistischen Vertreter in der Jewish Agency und zu der politischen Führung durch Dr, Wcizmann. Das Tempo des Aufhaus, das deutlich erkannte Maximum des Palästinawillens, die notwendigen Grenzen der zionistischen Propaganda und die Stärkung der außenpolitischen Position sind die wesentlichen Voraussetzungen für eine Politik, die heute in der Erweiterung der Jewish Agency durch Nichtzionisten eine zionistische Forderung erblickt. Welche Änderungen ergeben sich für die Stellung und Aufgabe der Zionistischen Organisation? Sind die Organe der Jewish Agency so eingerichtet, daß überall die Gleichberechtigung für die Zionistische Organi. sation auf der einen Seite und für die Vertreter nichtzionistischer Gebilde auf der anderen Seite durchgeführt ist, dann wählt dqr nächste Kongreß nur die Hälfte des Councils, nur die Hälfte der Exekutive 11er Agency. Der Kongreß verhandelt und fa’ßt Beschlösse über da* gesamte Budget der Jewish Agency. Der Wert der Beschlösse liegt darin, daß der Kongreß einmal die Möglichkeit hat, die von Ihm ernannten Mitglieder entweder in allen Punkten oder bei grundsätzlich bedeutenden Positionen zu zwingen, im Sinne der Mehrheit des Kongresses abzu. stimmen. Aber auch wenn er von diesem Zwang nur ift seltenen Fällen Gebrauch machen sollte, so können die Beratungen des Zionistenkongresses und die als Ergebnis dieser Beratungen gewählten zionistischen Repräsentanten für di* Jeivisti Agency die endgültige Budget-Festsetzung «ntschcidend beeinflussen, wobei es die wichtigste Aufgabe des Kongresses sein wird, das vorgeschlagcne Programm der erweiterten Jewish Agency den etwa wklcrstrebenden nichtzionistischen Mitgliedern gegenüber zur Oe!, tung zu bringen: geschlossene Siedlung, landwirtschaftliche Kolonisation auf der Grundlage der eigenen Arbeit der Siedler, hebräische Sprache als Basis des jüdischen Lebens in Palästina. (Es kommt natürlich auch hier alles darauf an, ob wir imstande sind, 75 zuverlässige Zionisten zu präsentieren.) Die Zionistische Organisation hat nicht nur die Ver. antwortung für das Pionicrtum, sic wird innerhalb der Agency Immer mehr Mitglieder davon überzeugen müssen, daß ein jüdisches Palästina von dem ständig wachsenden Zufluß von neuen Siedlern abhängig ist, fachlich und charaktcrlich hochwertigen Menschen, die ohne eine seelische Haltung, die wir Chaluzgesinnung zu nennen pflegen, den Anforderungen des Lebens in Palästina auf die Dauer nicht gewachsen sein können. Die Zionistische Organisation hat somit innerhalb der Agency die Aufgabe, unser wertvolle* Menschenmaterlal in seiner das Land erlösenden, kolonisieren• den Tätigkeit zu fördern. Ob die auch weiterhin erforderlichen Budgetdebatten einen geringeren Reiz nul die zionistische Welt ausflbcn werden, weil der , Kongreß nicht mehr die Macht der letzten