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Jüdische Rundschau · 1924-09-19 · Heft 75 (19.9.1924) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 75 (19.9.1924)
Date
1924-09-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite tw JUEDISCHE RUND SCHAU Nr, 75 S'.cren &'et:s0f!-F1ugri־M|f. Im Aßtjusl 1024 Per Keren Lb.jesaml berichte!, daß seine Eingänge die Sinn”11• von an.k nii.'.l!׳ MüLeneu PhukI üborscluitL‘1) haben. Nach den guten Eingängen des Monats Juli itn Betrage von hat der Monat Au :int C 33,22(■׳ ergeben, wozu die Vereinigten Staaten .C '21.723, Südafrika und Argentinien je •1,00.) 'und P.den .2 1.R24 beigetragon haben. Damit waren die Ges.aiir.cin.gänge per Eiub Air, ist auf C 1,433,933 gestiegen. Die Kesisumme zur Vollendung der dritte)) halben Million, itn Betrag von über £ la.OlK), ist durch die bi.dierigeii September• Eingänge gedeckt worden. Das Ergebnis bezeugt eine fortschreitende Entwicklung des Keren llajessod. Die erste Million der Eingänge war wahrend des leUtcn Zionisten• koiüMvsnrs, also n.idt der Periode vor der Gründung des Keren llajessod im April 1021 bis Ende Juli 1023, erreicht worden. 1. Vereinigte Staaten £ 21,783. 7.11 2. Südafrika 4,009.—.— 3. Argentinien 4,(X)0.—.— 4. Polen: Warschau £ 1,50-1.—.11 ' Wilna 3 .171 ״.— Ost-Gaii/ien ,, 149.12,— ff 1,824.15.11 5. Fiiizclbeiträge ff 1,145.-. 3 6. England 2.2 .523 ״ 7. Tschechoslowakei ff 409. 5. 6 3. Litauen ft 301).—.— 9. Belgien 10. iuposlawicn 11. Indien (Singaporc) 12. Lettland 13. Tunis _ 14. Rumänien: AUrumänicn £742.- 290. 4. 7 2()?. 9. 1 250.—,— 229.17. 3 1S2, 5. 7 Bcßarabicn -.-.51 ״ Bukowina ״ -.9 .26 ״ 151.11. 1 15. Griechenland ff 151. 2.10 10. Algerien ff 13S. 9. 9 17. Finnland ff 61.-. 7 IS. Palästina ff 59. 5. 9 19. Bulgarien ff 32.15. 9 20. Holland ff 32.11.— 21. Oesterrcicli ff IS.17. 7 22. Norwegen ff 10.18. 3 23. Marokko ft 5.—.— Ferner: 24. Palästina Keren Hagculah Fond 3 ,1 .35,863 £ 1■ .51.15 ״ 7 .£35,922.16 auf dem Wege zur Verständigung mit den Arabern durch die Wahlen dieser Woche doch erreicht worden. Auch für den Ab hau eines anti-arabisehei) Chauvinismus, den man manch* mal gerade in Arbeltcrkreisen aatrilft, kamt mau manches erhoffen. «I Clicn wird das Resultat der Wahlen in׳ Jerusalem bekannt: Von 31 Mandaten erhielt Aeltdiit Haawoda!3, Uapoel-I laza'fr 7, linke l'oalc Ziuii 3, Kommunisten 2 Mandate. h. b. Bie Wa&Isn fler AröeKcrrSfe Von unserem palästinensischen Korrespondenten Jerusalem, 10. September 1924. In den ersten Tagen dieser Woche fanden unter sehr starker Beteiligung die Wahlen in die städtischen Arbeiterräte statt. Diese Arbeiterräte sind ein Unterorgan der Leitung der Arbeiterorganisation und gehen alljährlich aus direkten Wahlen der Mitglieder der jüdischen Arbeiterorganisation hervor. Das von der letztet) Konferenz der Arbeiterschaft angenommene Statut gibt den Arbeiterräten in den Städten ziemlich weitgehende autonome Rechte. Die Moaza ironiot hat die Aufgabe, die Arbeiter des betreffenden Ortes zu organisieren und ihre Interessen wnlirztmehmeu. In ihr Arbeitsgebiet fallen also so wichtige Aufgaben wie die Verteilung der Arbeit, die Aufteilung der Arbeitstage im Falle der Arbeitslosigkeit; die Entscheidung in Streikfällen. Ferner gibt das Statut den Moazot ironiot das Recht der Aufsicht über die Art der Arbeit der groben zentralen Arbcitcrinstittitioncn, der Krankenkasse, des Maschbir, des Solel-Boneh, der Arbeiterb,•utk, an dem betreffenden Orte. Auch die ktdturclle Arbeit unterstellt in jedem Orte der Kontrolle des lokalen Arbeiterrates. Da die Leitung der gesamten Arbeiterschaft — die Moaza — nur einmal in zwei Jahren, die Moazot ironiot dagegen alljährlich gewählt werden, so kann es bei einer Aenderung der politischen Richtung innerhalb der Arbeiterschaft leicht geschehen, daß die lokalen . Arbciterbchördcn eine der Zentrale entgegengesetzte Politik . machen. Die aus den Delegierten der Aehdut Hnawoda und des I Iapocl-1 Iaz.ai'r zusammengesetzte Majorität der Arbeiter- Organisation ist fiir eine Politik engster Zusammenarbeit mit der Zionistischen Organisation. Die linke Onposition bekämpft diese Politik, bekämpft insbesondere den ״konstruktiven Sozialismus", der mit Hilfe nationaler Fonds die Kooperation in Stadt und Land begünstigt und damit regulierend in den Klassenkampf eingreift. Die mit grober Spannung erwarteten WaJdrcsuHate haben diese Politik bestätigt. In' Jaffa-Tei-Awiw, wo sieh 1979 Wähler an der Abstimmung beteiligten, erhielt unter 31 Mandato» Aehdut Haawoda 17, Hapoel-1 laza'fr 6 Mandate, die linken Poale-Zion (Rewulzki-Gruppe) 4 Mandate, ln Haifa, wo ebenfalls 31 Mandate zu vergeben waren, erhielt Aehdut Haawoiki (rechte Poale-Zion) 13, 1 lapoel-I laza'fr 5, linke Poale- Zion 3, die kommunistische Arbeiterfraktion 3 Mandate. (Die Arbeiterorganisation hatte zwar vor einigen Monaten hc- . schlossen, die kommunistische Fraktion in allen ihren Schichhingen und Schattierungen aitszur.chlieöcn und keine Liste der ״Fraktion“ fiir irgendeine Wahl anzundunen, konnte aber doch nicht verhindern, daß die Kommunisten unter neuem Namen an dem Wahlkampf tcilnahmen.) In Jerusalem, wo die Wahl um einen Tag später stattfnml, stehen die genauen Wahbesult.de noch aus, aber cs unterliegt keinem Zweifel, daß die Majorität der Mandate in den Händen der Aehdut Haawoda bleiben wird. Aber abgesehen von dem Kampf der Arbeiterparteien imterein,ander, der vielleicht mir innerpalästincnsisches luteresse hat, wird diese Wahl bedeutsam durch die Tatsache, daß zu in ersten Male ein arabischer Arbeiter n 11 s J ii d i s e h e n Wahlen hervorging und Mitglied _eincs jüdischen V c r t r c 11) n g s k ö r p c r s sein wird. Bekanntlich um fallt die Organisation der Eisenbahner; die ein Teil der jüdischen Arbeiterorganisation ist, jüdische und arahii■he Arbeiter. Da cs keine arabische Arbeiterbewegung gibt und die arabischen Eisenbahner die Notwendigkeit der Organisation einsahen, haben sie sich der jüdischen Organisation .־)!)geschlossen. Die Organisation der Eisenbahner (Hisfadrut poale harnkewet) beteiligte sich als eigene Körperschaft an den Wahlen und entsendet in Haifa drei, hi Tcl-Awiw einen Delegierten. 13er in Tcl-Awiw g e w ä!11 te D e 1 c g iprte ist ein Araber. Dies ist ein überaus erfreniiehes Ergebnis der Wahlen. Es wird den arabischen Arbeitern zeigen, daß seitens ihrer jüdischen Genossen .der ehrliche Wille zur Zusammenarbeit besteht. Es kann nicht ausbleibcn, daß •— nachdem vorher schon innerhalb der Eisenbahnerorpunisation seihst eine Kooperation erzielt worden ist —■ nun das Zusammenwirken mit der allgemeinen Arbeiterorganisation einen der Annäherung und dem gegenseitigen Verständnis wohltätigen Einfluß a’usüht. Natürlich darf man die politische Bedeutung auch nicht wieder überschätzen. Sic bedeuiet noch wenig fiir die Regeumg unserer Beziehungen zum Effendi und zum Fellachen — und an diesen Faktoren hängt wesentlich die Gestaltung unserer Beziehungen zura arabischen Volke — aber etwas ist l\״;Lsli1!sfelsM als Lcüprfepräraien Die Warschauer Landeskoimtiission des Keren Kajcmclh veranstaltet eine interessante Lotterie. Es werden 66 000 Lose ä 2 Zloty (Shilling) ausgeboten. Auf je 2000 Lose entfällt ein Preis, der nichts Geringeres verhehlt als eine Touristenfahrt nach Palästina, mit drei Wochen Aufenthalt dortsclbst Falls es gelingt, alle Lose abzusetren, wird die Reisegcaellschaft 30 Personen umfassen, zumindest «In* soll Sic aus 10 Loltcrielcilnchnierii, drei Vertretern der jüdischen Tagespresse und einem Repräsentanten der Landeskomntission hc* stehen. Der weit verbreitete Wunselt, Palästina zu bcsuchen, iiullcrt sirli in starker Nachfrage nach den Losen. Die Schiffsgescllschaft Lloyd wird für diese Tour besondere Vergünstigungen cinrätimen. Die Begeisterung für das Unter* nehmen hat auch auf Galizien übergegriffen, wo man eine Lotterie auf ähnlicher Grundlage plant. Per Keren Ksjcssotl In Bulprien Aus Sofia wird mitgetcilt, daß die Verwaltung der jüdischen Gemeinde Sofias beschlossen fiat, anstatt der ZwanRsbestcuenmg der einzelnen Gcineindemitgiieder 211gnn steil des Ke reit llajessod in das jährliche Verwaltungsbud,:et eine Summe von 500000 Lewa für den Keren Hajessod eiiiziisteilcii. I.3ndcs!i0r.fercü7, In Großwaräeln Vom S. bis 10. September tagte in Groß Wardein (Oradea-Marc) die Konferenz, des Landesverbandes der jüdischen nationalen Vereine Siebenbürgens. Als Vertreter der Londoner zionistischen Exekutive war Dr. Adolf Friedemann au'ves־׳ud. Den i Imiptbericht erstattete der Verbandspräcident Dr. Josef Fischer (KInnsetibttre׳). Er führte aus: Die rnmümsthen l’.ehörden haben im allgemeinen die Not- Wendigkeit und Wichtigkeit der Rückkehr der Juden zur jüdischen Kultur und ihre Augüedcnmg *in das Judentum der ganzen Welt erkannt. Die Juden Siebenbürgens und des Banats haben ihre besten■ wirtschaftlichen und geistigen Kräfte dein Staat gewidmet; sie sind entschlossen, ihre Rechte im Lande sellist?11 schützen, ohne mit ihren Klagen an das Ausland zu appellieren. Der Redner erklärte als die wichtigste Aufgabe des Verbandes das Zusammenwirken mit den zionistischen Vereinigungen der ganz״!) Welt in der Arbeit für Palästina und im Kampf gegen die Assimilation. Sehr wichtig ist die Gewinnung der gcsctzestreiicn Juden für diese Volksarbeit. Nachdem Dr. Friedetnnnn die Grüße der Londoner Exekutive verdolmetscht hatte, sprach Dr. Krämer (Czernowitz) für die Vereinigung der Juden der vier Landotcilc Rumäniens zu gemeinsamer nationaler und Abwchrarbeit. Der polblsclic Rsb&ia?rverhan1 nnd die JewtsU Aqcncy Warschau ([.T.A.) Der Zeutralrat und der Vollzugsaiisschuß des Rabhincrvcrhnndes in Polen beschäftigte sich aut seiner letzten Plenarsitzung mit der Frage, oh die Ein- Ladung der Zionistische! prgam׳mii<-ps ,Pblrfn> daß sich'der R.'ibliinerverbnmf,•11). der ',YPro-Pnlästfna-Krtnfereit׳" beteiligen soll, nnzmiehmen sei. Die' Konferenz' wurde ‘ bekanntlich ' zu dein Zweck cinberufen, um die Vertreter der polnischen Judenheit fiir die Jewish Agency in Palästina zu wählen. Die Diskussion gestaltete sich sehr lebhaft, es war unmöglich, zu einem Einvernehmen zu gelangen. Um eine Spaltung unter den Rabbinern zu vermeiden, wurde ein Kompromifivorschlng angenommen, wonach die Frage der Beteiligung der Rabbiner an der Pm-P.där'in.■’-Konferenz so lange himusgesehobert wird, als bis autoritative, orthodox״ n id rabbinischc Organisationen anderer Länder zu der Frage Stellung genommen haben. Polizei MW den Jüdischen Nallonalral l.ilauens auselnsmlcr Kowno (J.T, A.). Am Dienstag, den 16. September, abends, drang Polizei in den Sitzungssaal des Jüdischen Nation,-drais Litauens ein und forderte die Nationalratsmitglieder, die gerade zu einer Sitzung versammelt waren, zum A 11 sei n a nd ergchcn auf. Der Vorsitzende des Ji'tdisehen Nationalrats, der frühere Minister für jüdische Augelegettheiten, Dr. Sch. Rosenbaum, erhob feierlichen Protes t und erklärte, er weiche nur der Gewalt. Als die Polizei zu Gcwalliiiaßnahmcn schritt, gingen die Delegierten anscinander. Der Vollzugsausschuß (Waad pocl) des Jüdischen Nationalrais trat sofort zu einer Sitzung zusammen und legte zum Protest gegen Vergewaltigung des jüdischen Nationalrats durch die Polizei seine Funktion nieder. Unter der jüdischen Bevölkerung Kownos herrscht ungeheuere Empörung über die Gewalttat gegen die oberste jüdische Institution in Litauen. Das Vorgehen der jetzigen reaktionären litauischen Staatsmacht gegen den Jüdischen Nationalrat berührt um so merkwürdiger, als die litauische Regierung bei verschiedenen Oelegcnhcitcn zu verstehen gegeben hat, daß sie den Nationalrat als die zuständige oberste Behörde der litauischen Juden, der die kulturellen jüdischen Angelegenheiten unterstehen, betrachtet. Als vor einigen Monaten das Budget des Jüdischen Ministeriums durch den Sejm nhgclchnt wurde, und der Minister Dr. Roseulmmi seine übrigens bis heute offiziell nicht angenommene Demission eiimichte, erklärten die Mitglieder der Regierung sowie die führenden Parlamentarier, daß der Jüdische Nationalrat nunmehr die Führung der jüdischen A׳n- ״degcnheitcn übernehmen würde, Die Abstimmung über das Gesetz wegen der Legalisierung des jüdischen Naiianalrats wurde allerdings immer wieder verschleppt. vier Arten von Sprengstoffen und war imstande, in einem Um. ■ kreis von 8—10 Metern Menschen zu löten oder «1 verletzen. Zwei Tage vor Beginn des Stamigerichtsprn/1■■ veröffentlichte die I.emberger jüdische Zeitung ״C11 w i 1 4>< ein ihr seitens der ukrainischen militärischen Orgniü-iutii.s! 711gcgangc11cs Schreiben, in welchem gesagt wird: Das am 5, September um 3 Uhr nachmittags in Lemberg verübte Attentat ist durch die ukrainische militärische .Organisation arrangiert, die Petarde ist durch ein Mitglied dieser Organi. sation geschleudert worden. Der Attentäter selbst blieb noch eine Weile auf de»! Platze und beobachtete, wie die Poli/cj hinter den davomälciiden erschreckten Leuten daherlief imd den gänzlich unsiiittkligcn Steiger fest na lim. In dem Schreiben jicißt’cs weiter, d־׳r Zweck dieser Veröffentlichung sei, einen Unschuldigen relnzuwaschen und die jüdische Gesellschaft tmj die zionistische Partei gegen Be-chul-.ligungcn seitens der polnischen Gesellschaft zu bewahren. Es wird bedauert, daß die Aktion der ukrainischen militärhclien Organisation einer Person jüdischer Nationalität Schaden gebracht hat tmd den Polen als Motiv zur Beschuldigung der Juden dient. Unter, schrieben ist: ״Höchster Rat der ukrainischen militärischen Organisation“, Die Redaktion der ,,Chwila“ hat den Briet der Staatsanwaltschaft übergeben, von jüdisch-parlamcntari. scher Seite wurde beim Justizminister interveniert, dal! di« Untersuch!!])״ neu mifgcnoinrncn wird. Indessen wurde dennoch die Verhandlung vor dem Standgericht angesetzt, (Telegramm.) Lemberg, den 17. Septbr. Im Steiger-Prozeß erklärte sich das Standgericht freute wegen Mangels an Einmütigkeit für unzuständig und über• wies die Angelegenheit dem Untersuchungsrichter. D;;s ASleufal ו!2;ך;;ן Wojclcdiöwslvl Ara 15. September begann vor dem Lcmbcrger Standge rieht der Prozeß gegen den jüdischen Studenten’ Stanislaw Steiger, der beschuldigt wird, am Tage der Anwesenheit des Präsidenten Wo je iecho wski in Lemberg hinter dem Wagen des Präsidenten eine. Petarde geschleudert zu haben, die aber keinen Schaden anrichtete. (Die Nachricht, daß Steiger wieder auf freien Fuß gesetzt worden ist, war verfrüht.) Steiger selbst leugnet jeden Zusammenhang mit dem Attentat und behauptet, er sei, als er die Petarde ־ fallen sah, aus Furcht, getroffen zu werden, ebenso wie die anderen davongelmtfen. Die Sachverständigen erklären, die Petarde die russischen Ursprunges ist, sei keineswegs so harmlos gewesen, wie angenommen wurde, sondern sie bestund aus Zionistische WeHjujjcatlkoalercnz Von unserem Berichterstatter. Die am Schlüsse Unseres vorigen Berichtes *) ausgesprochene Erwartung, daß cs gelingen würde, eine vermitlclmie Formel zwischen den bei der Danzigcr Jugendkonferenz einander gcgcnühcrstehendcti Gruppen zu finden, bat sich leider nicht erfüllt, Nach langen Verhandlungen, tlie sich eine ganze Nacht hin/ogen, hat es sich schließlich gezeigt, daß trotz offentsiehl'.ieh vorhandenem gutem Willen eine Einigung nickt zu erzielen ist. Der Grund hierfür Hegt zweifellos darin, <l::ß die Bünde, trotz ihrer inneren Verwand■ schaft, doch nach Herkunft und innerer Entwicklung einander so fremd sind, daß bei dieser ersten Zusammenkunft eine gemeinsame Sprache nicht gefunden werden konnte. Dies gilt nicht nur in dem wörtlichen Sinne, daß die Konferenz überwiegend hebräisch geführt wurde, während die wcMjüdi* selten Vertreter deutsch sprechen 1:r.1fltcn. sondern der Ausgangspimkt, der zentrale Gedanke ist bei den einander gegenüberstehenden Gruppen verschieden. Der Haschomcr wurde geführt von Genossen, die bereits vier Jahre in Palästina leben und gänzlich pa'ästineinlsch orientiert sind: im deutschen Blau-Weiß hingegen ist zwar auch das palästinensische Ziel unbestritten, aber die Mentalität ist menr pMnth/.ionistisch, die Haltung bestimm! von d n notwendigen Rücksichten aui die Rcdingimgei! und Erfordernisse der Erziehung im Galnth für den zionistischen Gedanken und für das Leben m Palästina. Die Danzigcr Konferenz hat die grolle Bedeutung, eiaß hier palästinensische, vcstjüelischc und’ ostjikibclic Elemente der Jugendbewegung sich kcnnenlcrntcn und einen Schritt weiter zu kommen suchten auf dem unvermeidlichen Wege gegenseifiger Du clidringring und Anpassung, ln dieser Beziehung hatte die Konferenz eine c!üfen1!׳i_Acl11;Iicl1keit mit der Prager Konferenz des Hapncl ll.izair und der Zcire Zion im Jahre 1920, nur daß diesmal an Stelle der überragenden menschlichen Wirkung des palästinensischen Elements mehr parteipolitisch differenzierte Einflüsse aus Pnläslia.־! sich geltend machen. Eine Gestalt von dem ״eistigen und moralischen Gewicht A. D. Gordmis, die in Prag unvergeßlich allem Geschehen ihren Stempel aufdrückle, fehlte in Duuig. Und gerade sic wäre heute wieder vonnöten. Er sind heute viele Führer da, aber cs fehlt der verborgene Führer. Ein Freund sagte mir vor einigen Tagen nicht mit Unrecht, diese Jugendbewegung sei ein: grandiose Erscheinung, die an die 24 00C Schüler Rabbi Akibas erinnert; aber ohne Rabbi Aki'0.1. Als Begegnung dieser drei Elemente konnte die Danzigct Konferenz einen großen Wert haben und auch organisatorisch zu wichtigen Resultaten führen; denn es käme darauf an, daß diese Faktoren nun in Kontakt bleiben, sich gegenseitig mit offenem Herzen cntgcgeukomtncn, gemeinsam Wege suchen, von einander lernen, einander ergänzen. Dies kann aber nur ein organischer Prozeß sein. Es ist nicht kliyg, diesen Proez.ß ausziKcltaltci) und sein Resultat gewaltsam vorwegzunchmen, Am wenigsten klug in einer Jugendbewegung, die kein politischer Verband ist, wo Fragen durch Abstimmungen {•!!!schieden werden, sondern wo Ideen in den Herzen reffen müssen, wenn sie RoaUiäien sein sollen. Ungeheuer ist die Gefahr, daß die Menschen, die sich von dem fiktiven Lippenbekenntnis der politischen Parteien abwendeu und volle menschliche Erfüllung im Leben suchen, selbst im entscheidenden Moment zu Parteien erstarren, die sich zu einem Programm bekennen, statt «Hs Programm zu verwirklichen. Der Gedanke an diese Gefahr, die jedem Betrachter der MenschheitsenUvickUmg, besonders revolutionärer Bewegungen, nur allzu vertrant ist, erzeugt einen leisen Unterton von Unbehagen, mit dem man manchmal solche Tagungen, wie diese Jttgendiagnng verfolgt. D-nn obwohl heute die Intention all dieser Menschen rein und heroisch ist, obwohl ihnen heute alle politischen Programme nnd Formeln nur matte Begleiterscheimingcn der wirklichen realen Schöpfung sind, in der sic mit ihrer ganzen Person und ihrem ganzen Leben darin stehen, blitzt manchmal das Wernungssignal auf, das von diesen _ jungen Menschen nicht unbemerkt'bleiben sollte. Gerade diejenige Gruppe, die am stärksten die Verwirklichung im Leben repräsentiert, der Haschomcr Flazair, sollte das verstehen. Der ״Briih 1 Linonr“. der ״Bund der Jugend“, der auf dieser Konferenz ״e'.di.affen wurde, ist nicht ein ad.irpntcs Ergebnis einer zi11״i-ti;chen Wclt-Jugcndkoafcrcitz. Der Iltüh umfaßt nur den llascliomer 11.azair, den tschechoslowakischen Tcchclcth-Lawan, den deutschen Brith Hacilim und andere kleine Gruppen, die alle bereits vor der Konferenz, sich unter der Führung des Haschomer vereinigt hatten. Der deut* sehe B 1 a u - W e i fi ist dem B 1! n d e nicht beigetreten.. Die norh westlicher als Deutschland gelegenen Länder sind gleichfalls nicht vertreten. Es ist also’ nur ein Rumpf-Weltbund entstanden und das Problem, das vor det Danzigcr Konferenz, offen war, Ist noch immer offen. Der Weg zu einer Lösung Ist sicher nicht verrammelt, dazu ist der gute Wille auf allen Seiten zu stark. Die Danzigcr Konferenz wird auch in der Hinsicht nicht ergebnislos bleiben, das dieses erste Kenncalemcn doch Früchte tragen vuid zu einer allmählichen Annäherung führen kann. Die* wäre^ u. E. außerordentlich wünschenswert. Denn vor allein die Gruppen der westindischen Jugendbewegung könnten viel gewinnen durch die Anlehnung an jene Genossen, die noch stärker im jüdischen Volksleben wurzeln und gewisse positive Güter mitbringen, die für die Nationalisierung der west• *J ,,Jüd. Rundschau“ Nr. 72. N jihliS von ]k'nC f:inc eich 1 niü kern;}H ein das /.usi Octt ne ns des aber es ' der eine iiocl gcra sic!üch sch( rnci seht Ger leb( full) ma< Tat daß hat, tret Vol in inm WC) Wo kan ges icei alte 1 la riicl der hie auf per dm ein m bei sei: Irr get kfi de; au׳ Ju! Di W hfl cif ei! e» de lie bc iir Rt , vc ei dt Sc 21 ti A et ei in fi H ft C u st w s it e a s a E n יי « 1« a / c 4 \ ( 1 j ( י I

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