Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 75 (19.9.1924)
- Date
- 1924-09-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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\r 75 fUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 537 Cts wäre. Ein Vorgänger des jetzigen Sultans ״ Ute die Thronfolge im Priiizipc ändern, daß die Thronfolge ,;sch europäischem Muster auf den ältesten Sohn übergeht. 1, ןs wäre zwar auch mit großer Schwierigkeit verbunden, dünnte aber doch bei ernstem Willen durchgeführt werden, flanz ,ausgeschlossen aber ist es, einen seiner Söhne ohne Re•henfelge cinztisetzeii. Das würde zu einer blutigen Rev« hitiou führen, weil der betreffende unterliegen müßte, da er alle Parteien gegen sich hätte. Dieselben Ansichten horte ich innige Tage darauf in Budapest von Vambery und, merkwürdig, auch Vambery empfahl mir den Oroßwesir als einen der besten für unsere Sache, er meinte aber, daß er sch ,verlieh unter viertausend £ jährlich in unsere Dienste!men werde. Ich solle cs aber mit 2000 versuchen. Vambery!a.:te mir auch, daß die Frau des Oroßwer.irs eine Ber-!;neiin sei, und daß er kaum glauben kann, daß eine Christin sich entschließen könnte, die Frau eines Paschas zu werden. Er schließt daraus, daß sie eine Jüdin sein müsse und rat mir, diese Spur zu verfolgen, da wir durch diese Frau wohl am besten alles, was wir von ihrem Mann wollten, erreichen könnten. Ich werde dieses im Auge behalten . , . Auf Anraten Kanns schreibe ich an Freiherrn von Mirbach, daß ich in Berlin sein werde, und daß ich ihn gern sprechen möchte. Er telegraphierte mir, ich solle am Freitag, den |2. September, nach dein Schlosse in das Kabinett der Kaiserin kommen, wo er mich erwartete. Die Unterredung dauerte beinahe eine Stunde, brachte aber nicht viel Interessantes; nur das eine, daß er mir selbst cingcstand, daß er beinahe nichts von der zionistischen Bewegung wisse. Er glaubte, alle Zionisten seien streng orthodoxe Juden und daß die Bewegung nur religiöser Natur sei. Als ich ihm ausein• andersetzte, daß wir in erster Linie die ökonomische Seite bevorzugen, und ihm von der Bank, dem N.-F. und der A. P. C. erzählte, sagte er mir, daß ihn mein Besuch sehr freue, es wären so oft Gelegenheiten, mit den allerhöchsten Herr* schäften, auch mit Bülow, darüber zu sprechen, aber jedesmal, wenn von dem Zionismus die Rede war, stocke (gleich die Unterhaltung, da keiner was zu sagen wußte. k'1 bat um die Erlaubnis, ihm informatorische Schriften schicken zu dürfen, wofür er außerordentlich liebenswürdig dankte. Von Mirbach Ist ein älterer Herr, etwa der Sechziger, mit grauem Backenhart, von großer Statur und in seinem ganzen Benehmen der sichtige Hofmann. Ein großer Geist aber wahrlich nicht ... Herbert Samuel Ein Dementi. Jerusalem <J.T, A.). Auf (I) die in Palästina umhütenden Gerüchte hin, daß Sir Herbert Samuel vor seiner Rückkehr nach Palästina einen Vertrag mit der britischen Regierung wegen Verlängerung seiner Amtszeit als Oberkommissar für wehere fünf Jahre abgeschlossen hat, fragte die Pal. Tei.-Agentur an zuständiger Stelle an, ob die Gerüchte zutreffen, und erhielt die Auskunft, Sir Herbert Samuel hätte beschlossen, nach Ablauf seiner Amtszeit im Jahre 1925 nicht weiter in seinem Amt als Oberkommissar für Palästina iu verbleiben. Weiter wurde hinzugefügt, Sir Herbert Samuel beabsichtige nach dem Verlassen des Amtes noch ein Jahr in Palästina zuzubringen, um sich hier literarischen Arbeiten zu widmen. Sir Herbert Samuel gedenkt, ein Werk über Palästina abzufassen. Die J.T. A. hatte in ihrem Berliner Bulletin vom 6. Scptember ihre Meldung a us Jerusalem vom 2. Septem• ber über das Verbleiben Herbert Samuels ausdrücklich als ״amtlich״ bezeichnet. Bei der bedauerlichen, leider schon öfter fcstzustcllcndcn Unzuverlässigkeit dieser Nachrichtenagentur haben wir volle vierzehn Tage, vom ersten Erscheinen der Nachricht gerechnet, verstreichen lassen, bevor wir dazu Stellung nahmen. Die Tatsache, daß in diesem Zeitraum weder die palästinensische Verwaltung diese als ״amtlich״ fingierte, sich jetzt als bloßes ״Gerücht“ entpuppende Mitteilung dementiert hat, noch die Exekutive in Jerusalem oder in London die zionistische Presse informierte, mußte als :53©C1־. ׳•«—״*^,*» 8 :ליד o r ~ .5* *3דג;־:דv Borlinor Zionistisch© Vereinigung \ Sonnabond, den 20. Soptombor, nbonda B'4 Uhr im BlUthnorenal, LUtzowatr. 76 GEDENKFEIER (är Theodor Iterzl und David Wolffsohn Proprnmm; Ananrncho; ör. Nnhum Sofiolow Gosnng: Manfred Lowandotvakl An dor Orgo1 Knpo' moistor Schwor* RozhnHon: Alexander Granach Godonkrodot Dt1■ Ilürocl ICfea K׳vt׳>n zum P 1׳■1־. von 1,90. 3,10׳ und 3,00 M. Ink', ftt-unr im V׳*rv,.rkn״f nrii/Ufc i11*׳׳ ln dnr H ZV, Mi lfi׳!'׳ M'rrtt• tn, in ׳(׳'n Un-lilirmiUunחי׳ן׳ Kwer, 1\ווווא«׳־״ו״1י׳יז.ו0**1ו fil. Kctl-m. Pft'iU innr1t1«*trfv»«0 H, fl׳)׳«'׳*!* Orhn^nHnrrjnr H'r*•1>!.' '(״. Uosirnliaf ff, l »r H», lloto ik Nonk mul Rn dor A timvltt *»*״. fit ־;30c::׳;ä; * ויי ־ w ... - J aU״.. :306^ Ächtung! Sclicfcelblockinhabcr! <> Schekelblocks können am Sonnabend Abend hei (der I lerz'-Feier an dein Schekelfisch im Foyer des Blfithnersaalcs abgeliefert werden. Bestätigung gedeutet werden. Nun bleibt uns nichts anderes übrig, als auch das obige Dementi nur mit allem Vorbehalt hinsichtlich seiner Glaubwürdigkeit wicdcrztigeben. En scheint vielmehr, daß die Frage des weheren Verbleibens Herbert Samuels noch keineswegs definitiv entschieden ist. Wenn daher z. B. ״Jewish Chronicic“ in seinem Leitartikel vom 12. September zu der Verlängerung der Amtsperiode Herbert Samuels ahlehnrwi Stellung nimmt, halten wir cs für um so erforderlicher, kund zu tun, daß diese Haltung der Meinung der überwiegenden Majorität aller Zionisten keineswegs entspricht. Die Begrüßnngswortc, die wir Herbert Samuel in unserem Leitartikel der letzten Nummer gewidmet haben, mögen daher jetzt als eine Aufforderung an ihn vorstanden werden. * Wie wir bereits gemeldet haben, wird sieh Herbert Samuel Mitte Oktober für einige Tage nach London begehen. Aber nicht, wie cs ursprünglich'hieß, in Angelegenheit der Palästina-Anleihe, sondern um vor der Mandatskommission des Völkerbundes zu erscheinen, die in London eine Tagung nblialten wird. Der Völkerhumlsrat hat nämlich den Wunsch ansgedritekt, daß die Verwalter der Mandatsgebietc von Zeit zu Zeit persönlich der Mandatskommission Auskünfte erteilen. M •ד cd 0 na Id ist bestrebt, den Wünschen des Völkerbundes in lecter Hinsicht nnchzukommcn und hat darum Herbert Samuel eingeiaden, sieli in London der Mandalskommission zur Verfügung 7.u stellen. Weitere Vertonungen von l.lnlißsozlallsifn Jerusalem. (J.T. A.) Sieben Mitglieder der extremen sozialistischen Partei standen am 10. September in Jerusalem vor Gericht. ׳ Sie werden beschuldigt, einen illegalen Klub in Jerusalem eröffnet, sowie ohne Erlaubnis der Polizei Ver- Sammlungen abgeh.iitcn und dadurch zu Ruhestörungen Anlaß gegeben zu haben. Das Verhör ist auf den 15. September vertagt worden. Die Vermehrung des B0tlenbcsll7.es Das Hauptbüro des Keren Kajemeth giht bekannt, daß dank der jüngst durchgcfiihrtcn großen Käufe sich der Oesamtgrundbesitz des K. K. L. um 50 «/o vergrößert hat. Vorher waren cs rund 100000 Dunnm. Zusammen mit den soeben im Emek Jcsrecl erworbenen Böden und einer Anzahl kielncren, kurz vorher rugckomnionen Flächen, besitzt der K. K. L. nunmehr 150 000 Dtmam. Dies ergibt einen bedeutenden Anteil an den 800000 Dunam Paiästinahoden, die heute, alles zusammengenommen, in jüdischen Händen konzentriert sind. Der P. I. C. A. gehören 300000, der Zion Commonwcaitli 40000 Dunam. Das Urteil der Sachverständigen über die neuen K. K. L.-Böden lautet durchaus günstig. Die fachkundige Ansicht von Landwirten, Aerzten unu Ingenieuren erklärt sie für die Besiedlung vortrefflich geeignet. Es Ist guter, ebener, von ergiebigen Quellen bewässerter Boden, der mir wenig Aufwand für Anieiioratioucn braucht. Besonders der zusammenhängende Komplex von 30 000 Dtmam, der an Na ha 1,11 grenzt, hat dank seiner Lage zu beiden Seiten der Eisenbahn I laifa■-Afulc treffliche Vcrkchrbcdinpiingcn. wemi man hundert Dunam als Einhcitsfläclic pro Familie rechnet so können auf den mmerworbenen Böden weitere 0(11־ Ifintkvirlscliaftlich nrbt'itrwle Familien Ansirriltuitr finden• Bei fortschreitender intensiver Kultivierung aber ist Raum genug die Bevölkerung zu verdoppeln. Da mm jede landwirtschaftliche Niederlassung auch zahlreichen Handwerkern und Gewerbetreibenden Bcselräftigmrg bielct, hat der K. K. L. durch seine neuen Kaufe die Basis für die Anstellung vieler hunderter jüdischer Familien gelegt. Das Echo des Emekkaufs Die erste Antwort, welche auf die Nachricht des großen Fnirkknnf» Irin aus dem 0:1!u׳,h heim Keren Kajemeth in Jerusalem cinlraf, kam ,׳ms Argentinien. Die Depesche lautet ebenso kurz, wie troffen 1: ״Gratulieren zum Emckkauf, seitden K 1000.“ in Pahisiina seihst wurde der Kauf von allen jüdischen Kreisen froh begrüßt. Kdiig Mililcrti:׳!! der Steuer Verordnung Die palästinensische Regierung Int der Handelskammer miltcilcn I.iFscn, daß sie nicht in der L.1r־c sei, in der neuen Steuer- und Zollverein!»״״״, die am 31. August in Kraft getreten ist, i rgcnddric A1״rdenmg ei:1're(cn zu lassen. Bekan 11 Hieb hat eine D. putn11׳ n der I lamITskniniiicr Sir Gilbert Cla y ton .״,irr 20. Juli hrsrr-ht und ihn gebeten, die neuen, tue Wichtigsten Gebrauchsartikel verteuernden Stenern- und Zolltarife, dir geeignet sind, den Hau lei des Landes empfind• lieh zu sHiadjgeii, entsprechend zu mildern. Sir Gilbert versprach, die Forderungen der Deputation einer Erwägung zu unterziehen mul sic niü,glichst zu erfüllen, insofern es sich tatsächlich erweisen *•»Ille, daß die neuen Tarife dem Handel des Landes abträglich seien. Nunmehr ist der Handelskammer ein endgültiger abschlägiger Bescheid zuteil geworden. Die Beratenden Ses Grsundhriliamles , Der Wand Haiiriulh beriet in den letzten Tagen über eine Reihe wirbliger Fragen. Zunächst wurde als nötig erkannt, zur Vertretung der medizinischen Interessen an der Hebräischen. Universität ein permanentes Kuratorium einzusetzen. Die vom Zionistischen Aktions-Comite• beschlossene weitere Reduzierung des rcmiüircn P.iläMiiialitirtgcts für die Gcsuiidlidtspflege bz.vv. der Beiträge für lladassa und Kupalh Cliolim (Krankenkasse der Arbeiterorganisation) erregte lebhafte Diskussion. Die lladassa soll jetzt außer den £ 16.000 des amerikanischen Keren Hajessod nur noch £ 7.000 und die Kupath Cliolim £ 12.000, statt wie bisher £ 14.000 erhalten — und dies zu einer Zeit, da die Gesundheitspflege eher des Aushaus bedarf. Der Wand Habriuth wird hierüber noch mit der Exekutive verhandeln. Ferner wurde ein Gesundhcilskomitrc gewählt, das die sanitären Bedingungen in den bestehenden Siedlungen sowie in den für Kolonisation nciicrworbeiicn Gegenden zu prüfen hat. Der von der lladassa und der Kupalh Choliin erstattete Bericht zeigt, daß ihre Spitäler und Kliniken, trotz dor Erweiterung, nicht ausreichen, besonders im Sommer, wo Malaria und Sanuflicgcn-Ficbcr vorherrschen. Die Gcsiimlheitsbcdingungcn im Emek J c 8 r e c 1 haben . sich sehr gebessert, hingegen ist die Lage In Haifa und Umgebung weniger günstig. Die Einnahmen der Kupalh Cliolim wurden durch Beiträge der Arbeitsgeber erhöht. Mit Ausnahme der Mühle beteiligen sich in Haifa alle Fabriken an der Erhaltung der Kliniken. Das Arbeitersanatorium zu Mo za soll binnen Monatsfrist vollendet sein; es sind dazu noch paar hundert Pfund nötig. Man war darüber einig, daß das Asyl für jüdische Oeistes• kranke in Jerusalem, dem die Rcgicningssubvcntlon ent* zogen wurde, unbedingt erhalten bleiben muß. Ein intcrcssantes Problem ist das der Sczicrung jüdischer Leichen. Sie wurde als für die Heilkunde ln Palästina unerläßlich erkannt. Die jüdisch-religiösen Behörden wider» setzten sich aber. Man beschloß, bei dem Rabbinat festzustellen, ob die Sezierung geradezu verboten ist oder ob nur starke Abneigung dagegen besteht. Fast 20000 £ Nationalfonds •Einnahmen Nach einem Rückgang der Einnahmen des K, K.L. int Juli d. J. unter den Monatsdurchschnitt, stiegen sic im August auf die Summe von £ 19 761. Dies stellt die größte Monatssumme des laufenden Jahres 5634 dar, dessen Ergebnis in den elf bisherigen Monaten schon £ 142151 beträgt. Die Erhöhung irn August ist vor allem Amerika zu danken, das diesmal nahezu £ 8000 abgclicfcrt hat. er weiß, daß sein Sohn, den er jahrelang beim Morgengrauen den Talmud gelehrt und später kollegial mit ihm zusammen gelernt hat, inzwischen Großkaufmann in Cöln geworden ist und vermutet, daß er nicht mehr genügend Zeit habe, selbst zu studieren, ln einem seiner letzten Briefe schreibt er; ״Die Chewrah-Omorah besteht Oott sei Dank noch wie seit jciier. Wir haben uns am Torahfeste versammelt und Jung und Alt haben getanzt. Wie Du weißt, war ich fünfzig Jahre Präsident und Vorbeter unseres Vereins, dieses Jahr aber mußte ich meiner geschwächten Gesundheit wegen mein Amt nicderlcgcn und die Leitung einem anderen übertragen. Auch konnte ich nicht mehr vorbeten“.... Ob Rabbi Eisik ein Nationaljude gewesen? Darüber habe ich in den Briefen nichts vorgefunden, ja, ich nehme sogar an, daß er theoretisch von diesem sublimen Begriffe nichts gewußt hat, vielleicht auch nichts hat wissen wollen — hat ja auch sein Sohn für solche Theorien nicht viel übrig gehallt. — Dagegen aber weisen seine Briefe viele Stellen wie die folgende auf: ״Ich und Deine Mutter sind Gott sei Dank wohlauf, alicln zu unserem unsäglichen Schmerze sehen wir hier liuitdertc von jüdischen Familien vorbeizichcn, die man von ihren Wohnsitzen verjagt. Hier in Rußland lastet der Golus doppelt schwer auf uns. Nicht genug, daß man uns wie Tiere zusainmcnpfcrcht und uns aller Erwerbsquellen. beraubt, hat man jetzt tausende Juden aus ihrem Heim vertrieben, und sie Irren nun mit kleinen Kindern obdachlos umher.... Aber 811 dieses Leiden haben unsere alten Weisen längst prophereiht und als Zeichen der herannahenden Erlösung gedeutet, im Sohar-Buche heißt es ausdrücklich, daß vom Norden (Rußlind) her das Uebel kommen werde. Du, mein Sohn, hast in Deinem Schreiben treffend angeführt, daß, wenn das Maß der Leiden voll ist, die Hilfe rasch kommt. Dem jüdischen Volke wird noch eine Sonne erstrahlen. Möge ihm Gott Kraft verleihen, die schweren Prüfungen zu ertragen. Auf eine nahe Hilfe deutet auch, daß in unseren Tagen die Liebe tu Zion in den Herzen Vieler an allen Enden der Welt erwacht ist. Man frage nicht verzagt: Was werden die Machflgen der Welt zu einer Rückkehr der Juden nach Palastut* sagen. Ist cs denkbar, daß einem so erniedrigten und gedrückten Volk noch ein so hohes Glück zuteil werde? Wisset, daß Gott auch die Herzen der Mächte regiert und ihren Willen leitet. Mit ihrem Einverständnis wird Israel den Berg Zion wieder betreten.... Heil dem, der zuversichtlich auf die Erlösung unseres Volkes hofft....“ In einem anderen Briefe schreibt er, er habe Im ״Hameliz“ gelesen, daß in Cöln eine Konferenz der Tierschutzvereinter stattfinde, um cm Verbot des rituellen Schächtens herbeizuführen. Sein Sohn möge sich das nicht zu Herzen nehmen. Das jüdische Volk hat schon oft solche Anschläge seiner Feinde glücklich überlebt. Schon der Talmud — die betreffende Steile und Kommentatoren werden vom Brief- Schreiber genau wicdcrgcgcbcn — weiß ähnliches von den Persern zu’ erzählen. In seinem großen Erbarmen wird Oott auch diesmal sein Volk nicht verlassen. Ein Wort über die Menschenliebe und den Wohltätigkeitssinn, die sich iu diesen Briefen kniidgeben, Rabbi Eisik hat sich dabei ertappt, daß er in Gedanken einen Herrn R, einer unschönen Handlung verdächtigt hat, und er hat sich von der Grundlosigkeit seines Verdachtes überzeugt. Da überhäuft er sich mit Vorwürfen und schüttet sein reuiges Herz vor seinem Sohne aus. Wie stolz ist er auf diesen Sohn, besonders wenn er von den großen Spenden und Wohliätigkcitsakten desselben hört. David' Wolffsohn lebte einige Jahre in Papenburg, einer winzigen jüdischen Gemeinde in Ostfricsiand, die keine Synagoge hatte. So beschloß er denn, Papenburg eine solche zu geben. Der Vater erfährt, daß er die Sache in Angriff genommen hat, da schreibt er ihm: ״Daß auf Deine Anregung iu Papenburg eine Synagoge errichtet wird, kt gut. ‘Aber Du bist auch vetpflichtet, die Sache zu einem gedeihlichen Ende zu bringen. Haben ja unsere Weisen gesagt: ״Wer eine gute Tat begonnen hat, dem rufe man zu: Führe sie durch und möge Dir Oott helfen.“ Und der Sohn, der in jener Zeit noch in sehr bescheidend! Verhältnissen lebte, gehorchte, was ihm rieht unerhebliche Opfer kostete. Fast in jedem Briefe weiß Rabbi Eisik seinem Sohne voa einem Unlmfcitzungsbcdflrfiijzco zu erzählen״ Sir de* etwas getan werden müßte. Und an die Erfüllung eines jeden Wunsches knüpft er eine neue Bitte. David Wolffsohn hat einmal bei einem Besuche in Memel — wie aus einem Briefe des Vaters Iicrvorgcht — einen reichen Spendenregen auf die Stadt herabströmen lassen. Nach seiner Abreise teilt ihm sein Vater mit, daß er unglücklicherweise den Rabbi E, einen ebenso würdigen wie unterstützungsbedürftigen ״Freund“ übersehen habe. Das müsse nachgcholt werden. Inzwischen habe er, der Vater, ihn aus eigenen Mitteln entschädigt, Rabbi Eisik hat ein hohes Greiscnalter ungebrochen er* reicht. In den letzten Jahren erst schwanden seine Kräfte. Aber er murrte nicht. ,Alte Leute sollten überhaupt nicht geboren werden“, pflegte er schmunzelnd zu sagen. Nur als ihm seine Frau starb, schreibt er an seinen Sohn, wie vereinsamt er den ״Sederabend“ zugebracht hat: ״So sehr ich dem heiligen Gebot: ״freu Diel! an Deinen Festtagen“ nachkommcti wollte, ich vermochte es nicht. Ich mußte an die vergan- ,־;dhen Jahre denken, als Deine Mutter zu meiner Rechten saß. Was ist nun mein Leben? Einsam und alleinI Die Mutter ist tot, auch keines meiner Kinder ist um mich. Ich sitze da im Totengewande, kaue nn den ״bitteren Kräutern“ und Tränen entströmen meinen Augen, Ein düsteres Angstgefühl befällt mich — ein alter Mann“l Und in einem seiner letzten Briefe: ״Du, mein Lieblingssohn, ich will Dir jetzt einen Oedanken enthüllen, der mich unablässig beschäftigt. Wie einat unser Ahn Isak, 80 sage ich Dir: Siehe da, Ich "bin alt und weiß nicht den Tag meines Todes, Ich flehe Dich an, daß Du mir nach meinem Tode ebenso Deine Liebe bewahren sollst, wie Du sic mir bei Lebzeiten bewahrt hast. Selbst unsere alten Welsen, die engclglcichcn Männer, erbebten beim Gedanken an den Tag des Gerichtes. Ais Rabbi Jochanan erkrankte und seine Schüler ihn besuchten, brach er in Tränen aus. Da fragten ihn die Schüler: Warum weinst Du? und er gab zur Antwort: Ich sehe zwei Wege vor mir, der eine führt zum Paradies, zur Hölle der andere, und ich weiß nicht; welcher für mich bestimmt Ist. Mögest Du, mein Soht^ mich stets in Erinnerung behalten. Dies ist mein .Wunsch“,