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Jüdische Rundschau · 1924-09-16 · Heft 74 (16.9.1924) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 74 (16.9.1924)
Date
1924-09-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
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0 Seiet; 530 JUEDISCHE RUNDSCHAU :JIP.cn in den Zeitnn; 11 ת dein die iijchfol fanden sic!! zwei Frage. Die eine he über den Sudan ve 11:1); ,.׳, der ägyp «ml Palästina Jacques Adler, Leipzig, cn vom 9. September 192•!, dem Fa un ver In je re•; ׳;> sehr vu\ der uikt. umi.'.siiuen, ua der Ilcdscl. lein Pilgeriii'en At1‘dühruu;:en zu Papier, gekuppen, interessante Mehlungen zur ägyptischen;.־:gl, dal! England den Dclagmmgs/iisland ■!1,:i!1״t haf, die andere, daß Sand Zaghloul adle' Ministerpräsident, nach Beendigt»!״ seines E1!11'U«1;!-.anienU1 ilks in einem französischen Kurort nicht unmideli),,;׳ nacli Kairo zmückkelirt, ,sondern zunächst der Einladung Ruuisay iUacdouakis zu einer Zusammenkunft in London iiachkuinmen wird. neide Meldungen sind nicht di;; erstell und auch sicherlieh nicht die letzten, die von verschärfter politischer Spannung im Nnnioshvinkd Afrikas berichten und in ihrer Bedeutung dadurch gckemi/cichnet sind, dal! sieh selbst in den durch die eigeiK'M pnliiisiiieii und wir!M1!־aitlieUcn Sorgen faxt jjäitzlieh absorbierte‘!! Spalten der d'oilschen Tagespresse inuuer noch Kann! für ihre Mitteilungen findet. Beschäftigt das moderne Aegypten mit seinen Problemen die allgemeine deutsche Oeffcntlichkcit, obwohl die politischen Sphären beider Länder einander gar »idit berühren mul cigcirtlich nur 1 tandelsinleresseu in Eragc kommen, so gelit es erst recht uns Juden an, denen es nicht gleichgültig!)leiben kann, wem! in Aegypten, in der unmittelbaren Nahe Palästinas, der Ställe unseres nationalen Aufbauwerkes, sielt kritische Erscheinungen bemerkbar machen. Die Besorgnis, die daraus zu entstehen vermag, wird verstärkt durch die Unkenntnis auch der nächsten Umgebung Palästinas, die wir bei so vielen unserer Palästinafreunde an• treffen. Man landet zwar in der Regel in Alexandrien, sicht sielt ein paar Tage Kairo an — falls das Reisoprograrum überhaitpt einen Aufenthalt in Aegypten enthält —, 'ährt mit den! AhemischnoHntg nach Kanlara-west, setzt mit der Fähre über den Suez-Kanal nach K.intarn-Osi und ist am folgenden Morgen in Jerusalem. Man hat sich dann über Zollplackerei und ntdringliche Gepäckträger in Alexandrien geärgert, diese und jene Erfahrung mit Führern und Hotels gemacht, auch eine Erinnerung an die Pyramiden und andere ehrwürdige Altertümer behalten, aber so gut wie nichts gesehen von dem Aegypten der Gegenwart, das doch, zumindest wirtschaftlich für die nächsten Jahre das wichtigste Nachbarland des durch jüdische Initiative aufblülienden Palästinas sein wird, ״Zumindest wirtschaftlich", das soll besagen, daß wir die politische Einwirkung für weniger bedeutsam halten als die ökonomische, Aegypten hat an Palästina kein politisches Jnlcresse, so wenig wie an Tripolitnnien «der Tunesien. Die Richtung der politischen Expansion Aegyptens folgt dein Niltal; ihr Ziel ist der Sudan, künftig die breite Basis der ägyptischen Volkswirtschaft, ihre Rohstoffquelle und ihr Absatzgebiet für Baumwoll-Mnsscnfabvikatc im tropischen Afrika und das Reservoir dos lebensnotwendigen Nilwassers. Palästina ist von Aegypten durch die riesige Wüstenzone der Siitai-1 Inlhinsel getrennt, die fast menschenleer ist — P!17 nur fU'!9 Einwohner — und offiziell zwar zu Aegypten gehört, tatsächlich aller nur das englische Militär unter dem Gesichtspunkt des Flankensrhntzes für den Suez-Kanal interessiert. Praktisch ist der Sttez-Kannl die Ostgreuze des bewohnten Aegyptens, charaktcrifitisch dafür die Zollabfertigung in Kantara-West — also nicht in El Arisch oder Rafa — sowie der palästinensische Betrieb der Sitiai-Militärbaha. Ebensowenig Interesse wie am Lande Palästina hat Aegypten auch an den palästinensischen Arabern. Durch etwaige gelegentliche Pit rasen der Musa Knsim-Lcuto soll man sielt nicht täuschen lassen. Die Gemeinsnmkcit des Islam ist heute, wo von Angora aus der Modernistnus umgeht, kein straffes Band mehr. Ebensowenig die gemeinsame arabische Sprache, die übrigens in Aegypten ganz anders vokalisicrt wird als in Palästina; der Aogyptcr spricht arabisch, aber er ist kein Araber, sonders Acgyptcr, der sich sorgfältig vom Araber unterschieden wissen will; es gibt nucli ägyptische Araber, das sind gewisse Stämme an der Küste des Roten Meeres, die bei der Volkszählung genau so gesondert von den eigentlicher Acgvptern •— Muselmanen und Kopten —• nufgefiihrt werden, wie die Beduinen, Berber, Sudahesen, Syrer und Türken. Die Gemeinsamkeit der Kultur will auch nicht mehr viel besagen. Für den modernen Aegvpter ist der Araber ein Hinterwäldler; es ist ein ähnliches Verhältnis ■wie etwa vor einigen Jahrzehnten zwischen ״Ncu-England“ und ״Wildwest". Aus alledem resultiert ein ziemlich kühler Umgangston. Mit König Hussein war Aegypten noch vor wenigen Monaten_ in diplomatischem Konflikt, weil der ägyptische Sanitätsdienst, der die ägyptischen Pilger nach Mekka bcgleitet, belästigt worden war. Hussein gab schließlich nach, Ich bin, so gestehe ich, kein besonderer Freund zweckbafter Kinderspiele. Man soll das holdeste in diesem vor lauter!Zwecken fast sinnlos gewordenen Menschenleben, das bczaubernd selbst genügsame Spiel des Kindes, nicht jmfsfören und z.u einer nützlichen Sache degradieren. Etwas anders in Gesinnung und Sachlage stellt sieh ja die Erhellung und -Veredelung pr.aktischen Lernens in der Spielsphärc dar, wie cs die Montessori- Methode nach Fröbel sehr löblich ausgebaut hat; aber uncrrcichbar in seiner geschlossenen, geruhigen Wunclerhafügkeit Weiht doch nur jenes Spielen des Kindes, das eingewiegt in göttliche Sicherheit wie im Zentrum des Lehens und der Welt sich vollzieht, von außen nichts braucht als vertraute Umgebwig, von innen die geslaltende und magisch verwandelnde Phantasie milbringt, und als Brücke zwischen beiden, als das Vehikel des Spielcns, nur ein paar Messerbänkchen braucht, •eingeklemmt in einen Hosenbügel, oder zwei Serviettenringe verbunden durch einen Federhalter, um nmi mit mimischer llingahe die rythmisch stampfende Eisenbahn oder einen fahrenden Dampfer sieh vornispiclen. Kein künstliches Spielzeugreicht an diese Fähigkeit ciuzufangeii, zu beglücken und stundenlang fesiziihnlten, weil das Starre und Fixierte seines Charakters oder seiner Funktion ihm nur einen einzigen Spielwert gibt, nur eine einzige Richtung freiläßt von all den Mög- Jichkcitcn der Windrose kindlicher Phantasie, und all die Nachteile hat, die unsere zivilisatorischen Errungenschaften nun einmal zugcbeii müssen, wenn sie mit dem mächtigsten Zauber in tu Erden, dem unverfälschten Menscliengoiste, errötend in!Wdibewerb geschoben werden — und abfallen. Aber das Kind w i H lernen. Es will die Welt erfahren, in der es lebt. Es tastet sie mit Fragen ab, es wirft das Licht eigener Hypothesen stillschweigend über sic, cs geht einzelnen Sachen zäh und ernst auf den Grund, Hierin finden sieh die Lcnispiclc gerechtfertigt, von denen wir sprachen, als wir die Namen ITöbcls und der prachtvollen Maria Montessori nannten. 1 Rille nun — dies unser Ankali haben wir ein neues hebrü• Isdies Spiel zu beurteilen, ein Hebräisches Sprich• W ö r t e r - L o 11 o, das der Verlag Chawer (Berlin-Wilmersdarf) herausgegeben hat. Man kennt diese Spiele: Tafeln, in die Kiirtchcn cinznfügcn sind, auf ihnen verteilt Anfang und Ende eines Sprichworts, außerdem durch Nummer« das Zu- Kmmcngchörigc zu identifizieren, jeder Spielleiter hat eine Ae;־ ־)״. vpU'11 wendet ״eil 1 PMäsÜr, '■ nirt'.i': ein. Die Zeit!!. uu;; Pfii ä'.iina in der Reif el oll nur in be :;■cu/.iem Raum und befardis eben Inden Aegyp tens : Uri, haben hohe Staat was die volle Billigung als Nalilinnijuilen, die in Erez-Israel geben, d..e jüdische Koföiihaiioti In;!gen Kairos geben Meldungen ite Kommentar und überhaupt mit geringem Interesse. Die sind eitrige ägyptische P.'iti'io-;imfer imie und fühlen sich gleichzeitig, ihrer muselmanischen Mitbürger findet, gern für den Aufbau der lielmstiiStc ., wem! man ihre Teilnahme richtig zu parken wein. Nirgendwo ״duiz l'arez״ loben die Juden in so hannom'sehem Verhältnis zu ihrer Umwelt wie in Aegypten, vor dca Toren Palästinas. Die Tatsache, daß Aegypten keine Einmischung ln unsere jüdischen Palästina-Interessen will und unseren Brüdern in seinem Lande die volle staatsbürgerliche, gesellschaftliche um! nationale Glcichbmwhtigmig gewährt, erleichtert titis auch die objektive!!etiricihmg der ägyptischen Frage. Wir dürfen sie nicht einseitig durch die englische Brille betrachten, denn England ist liier mit seinen Suez-Kanal-, seinen Baumwoll-, seinen Sudan-Interessen durchaus Partei, Das soll aber auch keine Billigung eines ägyptischen Ucbcruationalisnms bedeuten, der die unleugbaren Verdienste Lord Cromcrs und Lord Kit(,־ener.s ,ganz übersehen möchte. Was dringend in unserem Interesse liegt, Was wir mibedingt wünschen müssen, ist eine friedliche Lösung der ligvptischen Frage. Aegypten wird zwar kaum jemals nach Paliistinn liiniibergreifen. Andererseits ist aber eine Reaktion in Palästina auf L'rsciuütertmgeit des ägyntischcu Nachbarbodens hin nicht ganz, undenkbar. Was Palästina von Aegypten übernehmen sollte — neben unseren jüdischen Führern sehen das beute niicl] die fortschrittlichen Araber ein —, ist die Ausbii- (11mg des ״Palästinensers‘׳ analog dem ,,Aegvpfer", der ebensogut spaniolischcr und arabischer Jude, mit seinem eigenen spaniolischeu oder jüdisch-arabischen Idiom, sein kann wie Mnsclmane oder Konte. Wenn wir das Natiomlitätcnproblcm auch in Palästina durch VersläiKiiuung im Si׳!ne weitester Autonomie zu!;1(0;־!<׳ verstehen und hierfür die Mitarbeit aller verständigen Araber gewinnen, die; ebensowenig von Krisen und Konflikten wissen wollen wie wir, dann verbleibt auch analog der ägyptischen eine palästinensische Fr*״(*, die nichts anderes bedeutet als die beste Gestaltung der politischen und wirtschaftlichen Zukunft d ׳: Landes und die Krä'te nicht zersplittert, sondern zu einheitlicher Wirkung zusnmmcnf.aßt. Das Problem Aegypten konnte hier nur skizziert werden und auch nur in seinem Zusammenhang mit dem jüdischen Pa• lästina-Inferesse. Dieser Zusammenhang ist, wie dargetan, weit weniger rmlitisch als, wie eingangs gesagt wurde, wlrtschriftlich. Daß die Engländer über Aegynten narb Palästina kamen, ist noch heute ersichtlich aus dem ״E. E. F." (״Egyptian Fxpedilimary Force"' der palästinensisch״« Uehcrdru^lanarkcti. aus der Geltung des ägyptischen Pfunds als palästincnsisehe Währung, di׳* erst näehs'ens in Gestalt des ״Denar" Selbständig werden solf, aus der Anlage der Sinai-Bahn und «MS der Leitung des Fremdenverkehrs vornehmlich über Alexancfrien—Kant an— l.mld. IV!:.<:• Nachwirkungen der Okkupations• zeit werden sich im l.atife der Zeit ,־•!)schwächen, umso eher wohl, je deutlicher F11״Iand sein Desinteressement an Innen׳ Politik und Inncnwirischnft Aepvpfens verwirklichen wird. Unberührt davon aber Weiht der innige wirscliaftliclic Konnex zwischen Aenynten und Palästina, der Austausch von Rohstoffen und Fabrikaten, der um so intensiver werden wird, je mehr bcid<* I ander in der Modernisierung ihrer Produktion und in _ der Slcigcnmg ihres Konsums vorwärts schreiten. Unter diesem Gesichtspunkt ist unsere jüdische Siedhinpstiitig■ keit in Palästina ein positives Interesse.der "!״Yptischen Volks• Wirtschaft. Durch gegenseitige Förderung können beide Lauder zu Kultur- und Wirfschafs-׳entrcu ersten Ranges für den alten Orient sich cnfalten. Besondere Befrachtung dieses mag noch bei Gelegenheit erfolgen. Themas Bk R.1!fü!raf1e In Td-Awlw In der Sitzung des Stadtrats von Tel-Awiw vom 7• Sepfernher erklärte der vor kurzem aus London zuriiekgekehrte Bürgermeister von Td-Awiw, Herr Dizengoff, daß 'das Kfiloiii.iknut gegen die Errichtung eines Hafens in Tel-Awiw su'chls ciimiwcndon habe. Herr Dizengoif teilte weiter mit, daß er in London auch in der Frage der Etablierung einer Stadt-Ilvpothcken-ßnnk in Tel-Awiw die notwendigen Schritte unternommen habe. Mit dein Bau wird demnächst begonnen werden. Nr. 74 WcixcK׳.׳״•» und I-iäch r;!;;?. aacli P0!״,,;i113 Mittwoch, den 17. September, reisen Dr. W c i z m a n « und Colonel Kisch nach Palästina ah. Louis Lipsky> Leonhard Stein und Dr. Üerthoid Feiwel werden sich i!n Oktober nach Palästina begeben. In Palästina sollen ßt. ratungen über aktuelle palästinensische Probleme staUiinden. Das palSsttnmische mirgcrrediiscesG/. Wie der ״Do a r Hajo m“ berichtet, soll da» pal.'isti. ncnsische Rürgcrrcchtsgcsctz bezüglich seiner endgültigen Fassung derzeit im Colonial Office durch Rcchtssaclivcrstan. dige überprüft werden. Nachdem der Grund für die bisherige Verzögerung, das Nichtinkrafttreten des Friedensvertrages von Lausanne, nunmehr entfällt, dürfte das Gesetz noch im Laute des September zur Publuicrutig gelangen. Die Ta!»nng des Misrachi Berlin. (J. T. A ) Vom Dienstag, den 9״ bis Donnerstag, den 11. September, tagte in Berlin die Konferenz der Führer der misrachis tischen Landesverbände. Die Iagung war von etwa 10׳ Delegierten beschickt. Aus Erez-Israel waren erschienen; Hermann Struck, Prof. Pick und Rabbiner Fisch mann, ferner ein Mitglied des Misracli Zair, zwei Mitglieder der Poale 1 lamisraclii, ein Mitglied der Misrachi- Lehrerschaft, sowie Rabbiner Aronsohn aus Td-Awiw. Ferner waren je ein Delegierter aus folgenden Landern erschienen: Deutschland, Polen, Litauen, Lettland, Oester• reich, Jugoslawien, Tschechoslowakei, England, Belgien (Rnhh, Amid), Amerika (Rabh. Mcir Berlin). Die Tagung bestätigte zunächst die Statuten und den Aulsicht5r.1t der Misrachi-Bank, genehmigte ferner die für den Bau der Taclikcmoni-Schiile in Jaffa zunächst notwendigen Gelder und traf eine Reihe organisatorischer Maßnahmen für die Palästina-Arbeit. Aus dem Bericht der Exekutive wurde mit besonderer Befriedigung die gute Eniwicklimg der dem Misrachi unterstehenden kuiturdlen Institutionen in Palästina zur Kenntnis genommen. Einer Reihe von Gesuchen, weitere Schuld! unter die Aufsicht des inisrachislischcn Erzieiumgsrnlcs zu nehmen, konnte mir zum Teil entsprochen werden. Dagegen wurde auf Antrag der Siedler der misrachistischci! Kolonie Cb i 11 i n am Tibcrias* See die Errichtung einer Schule in dieser Kolonie beschlossen. Ebenso konnte das vor einem halben Jahr errichtete Lchrcriuncn-Scminar in Jerusalem zu Beginn des zweiten Semesters weiter ausgestaltct werden. Nach einer eingehenden Ausspräche unter den palästinensischen Delegierten wurde die Schaffung einer ״Histadruth Haowdim" des Mi־• raciii als einzige Organisation der misrachistschcn Arheiter in Palästina mit weitgehender Autonomie beschlossen. Ein detailliertes Budget für die misrachistischc Palästina- Arbeit wurde aufgrstcllt. Der Exekutive des Misrachi wurde unter tebhaftem Beifall das Vertrauen ausgesprochen. Am Donnerstag, den 11. September, 1 Uhr nachts, wurde die Tagung geschlossen. Am Dienstag Abend fand eine sehr zahlreich besuchte öffentliche Versammlung statt, in der eine Reihe von Dclcgierten über die Palästina-Arbeit referierte. Unter anderen sprachen Dr. Nurok, Rabbiner Amiel, Rabbiner Mcir Berlin und Prof. Pick. Konlerenz der linken ״Zcire-Zion Am 9. September wurde in Danzig die zweite allwcltliche Konferenz des Verbandes der Zionistcn-Sozialisten (linke Zei're Zion) eröffnet. Es erschienen 22 Delegierte aus Rußland, Polen, Wilna-Gebict, Litauen, Lettland und Deutschland, hn Namen der palästinensischen Partei ״Achcluth-Haawodah“ wohnte Herr Ben ö urion der Konferenz bei. ln das Präsidiism wurden gewählt die Herren J. 1 d c 1 s o h n , J. R i t a w, Sein Friedmann. Es wurden Berichte über die Arbeit des Zcntralvcrbandes und der lokalen Verbände erstattet. Großen Eindruck machte der Bericht über die Arbeit in Rußland, die trotz aller Verfolgungen unter größten Opfern fortgeführt wird. Es wurde das Anwachsen der Partei in allen Berichtsländern konstatiert, ln der Sitzung vom 10. September hielt Herr Sch, Friedman« ein Referat über die Beziehungen der Zionistcn-Sozialisten zu der Arbeiter-Internationale. Herr A. Brudny sprach über die Lage innerhalb der Zionistischen Organisaiton. An beide Referate knüpfte sich eine längere Diskussion. Tafel, ein Ausrufer ruft die Anfän״e der Sprichwörter von den Kiirtchcn ab. Das Spiel bat z.wei Vorzüge; Mnn lernt mit Ihm etwa tausend hebräische Worte, und die Bilder auf den Tnfcln sind von Palluxt, dem mw-ezcichncten jüdischen Graphiker, entworfen worden, — zweifellos ein Verdienst des Verlags. Aber, und msn da« große Aber — ein Verdienst •nur 11m Erwachsene, und not■!! dazu einer unfreiwilligen Komik. Wir spielten. Erwachsene, dieses Spricinvörtcr-Lolto und kamen aus dem Gc- Fichier nicht heraus — warum'? Weil so gut wie alle diese Sprichwörter unilhistricrhar, nämlich 11n,anschaulich sind. Was soll ein noch «o hcmihter, Zeichner auf die Fläche bringen, wenn er folgende Säfzcdarstellen soll —- und bei weitem die Mehrzahl der verwendeten Snr'rlnvörfer ist von diesem Tvp: Hütet euch vor Worten, Weis״. — Vcr.-Hthw״ ist herzlos. — Aus Zank entstein nichts Gutes. —• Liebe deinen NHcl!s׳ctt wie dielt selbst. — Wo kein Mensch is‘, bemühe dich ein Mensch zu sein. — Die Grenze der Weisheit ist Schwelgen. —- Empfange jeden Menschen mit Freude. — Höchste Meiischcnpllicht ist Sittlichkeit. -. Erzähle dein Geheimnis mir einem unter tuiscud — — und so weiter und so fort, Abstrakta, werter Verlag, lassen sich nicht dars'ellen, Negationen desgleichen. Allgemeine Morden auch nicht. Und der Maler, der zu diesen Di!1״cn d ,eh Bildchen machen mußte, zog sich aus (ier Klemme, indem er mit seinem empfundenen Striche groteske alte Juden oder iiliulichc Allgemeinheiten in Situationen skr/zierle, die zu allermeist beim besten Wl'fen n’cht mit den Säf/i'u üheHusfimm״■« konnten, von denen er .ausgehen mußte. Mau mache den Versuch, dem eine gute Idee zugrunde liegt, noch einmal, aber erst dann, wenn genügend konkrete, sinnfällige, bildgemäße Sprichwörter ziis.immengefurideit wurden. Von allen TH des vorliegende;! Spiels •— das wir deshalb so ausführlich behandeln, well hier wieder einmal guter Wille, vorhandenes Bedürfnis und wertvolle Mitarbeit zu* tinbnmdibaren Ergebnissen führte, einfach weil guter Wille Sachkunde nicht ersetzt, eine typische Situation unserer werdenden Hcbrnislemng — finden wir nur die folgenden geeignd: Wer auf der Straße ißt, gleicht einem Hunde (Notabene, das ist nicht mehr zu hallen). — Wer in Tränen säet, wird in Freuden ernten. —- Wirf nicht Steine in den Brunnen, aus dem du trinkst. — Fällt die Rebe, so fällt der Weinberg, ~ Die Schnur zieht den Eimer. — Eicher Schwanz beim Löwen als Kopf beim Fuchse. — Wenn der Verlag sich überlegt, warum diese Proben!ussen, .wird er ein brauchbares Spkl für große Kinder und die ״großen Kinder" unter den Erwachsenen zustande bringen; den Geschmack dafür hat er gezeigt. Und dann ist da ein Bändchen Biblische Puppen• spiele von Albert Baer, mit Puppenfigurinen von Käte Bacr-Freyer, erschienen im Verlag Aufbau zugunsten des K. K. L., zu dem .wh allerhand anzmnerken Ist, obwohl es, sofort zu sagen, seinen Zweck besser erfüllt als das an• dere Spiel. Puppcnspiclc sind ja eine sehr legiilme Art, Kin• der in die biblische Welt hineinzulocken ־, ob aber die biblische Welt Kindern im ersten Dezennium sehr zugeordnet ist, müßte noch untersucht werden. Unsere Drgcschlchtc zeigt überall Kinder, Knaben, als Prototypen des jüdischen Volkes: der Kn.alte Jlzchak, die Knaben Jaakob, Josef, Benjamin, David sind selbstverständlich für Kinder ebensoviel garte Kameraden, mit denen sie sich atds schönste identifizieren können. Aber die schwierigen ethischen Veraussefzungen der konkreten Geschichten werden Immer eine Menge Erklärungen notwendig machen, die das Kind eigen!• Hell nicht Interessieren und ihm ״Wissensstoff" znfiif!rc!1, nicht Ausweitung der Phantasie oder Weltcrkkirung. Für ältere Kinder sind Puppcnspiele natürlich prachtvoll, und die vorliegenden haben als beste Eigenschaft, daß sic durch ihre anspruchslose Art zum Seiberdichten, zum Nachahmen anregen. Sehr hübsch und charakteristisch sind die Puppen ausgefallen, die Käte Bacr-Freyer sieh ausgedacht hat, modern, etwas zu kunst-orientalisch, viel zu bunt, vielleicht etwas ״erschröcklich" für Kinder, deren Sympathien siel! anders leichter erringen ließen ־— aber doch so einfach, individuell und amüsant (der Goliath besonders, den ein kleines Jungchen als ״Sipo“ #״< noszlcrte), daß aus ihren Aktionen sieh ein wirkliche» Kindergel,achter Und wirkliche Kinde! Spannung ergeben können — so ziemlich die schönsten Erlebnisse für Va'er und Mütter, die mitlachcn können und selber gespannt sein, wie cs mit dem kleinen Rcnjnmh und dem’ Becher nun ausgehen wird. Dem Verlag Aufbau aber sei kräftig Ins Ohr gesagt, daß man solche Bücher nicht mit der Hand setzen und gar hamlkoloriercn läßt — dann müssen die kleinen Bändchen ja den enormen Preis von 3,59 kosten!, sondern daß hübscher Vierfarbendruck vollständig genügt und ein geschmackvoller, billiger Maschinensatz irgendeiner Druckerei. Es muß nicht alles gleich bibliophil sein, was nur gut gemacht zu werden braucht, um seinem Zweck voll zu genügen. Und dies allein ist ja die Hauptsache. A.Z.

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