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Jüdische Rundschau · 1924-09-12 · Heft 73 (12.9.1924) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 73 (12.9.1924)
Date
1924-09-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr.73 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 523 ־«* 7,3 .:*ווי• ich. rtl'li. Vor. 1• in di־m. den Uvi!, I )r. Prot, iilklll 'T;-1!!חח וזג Jsoilnlni.; erbe- I die Hiere Halle -ken. rncdi Ist 11die n;um e״׳׳illlul 0 es Wen, Ciikt, ilim deut-; nnd cliei! CllCI)?! i I I nc. isteii Jltillahm. mm- : wir Ende zur Der ) X. ׳ Arthält f rund inrtm des dens | irrer 1dj.tr samt nwja -חוסל «tute 1 von j (hl. n.ira. ) ־. und 11 feigt ן 11 }ווו, CKL [ « t ln;nen teile riili- B er erici, e n ■ Oslf ־den mpvorher, imle nem eses wer jrch!ckc ein• ker, hen teil. pfe, ickt end ז 1 1 ckt, > >nst jj >en, i! l>e• in; 3rt• 1 der jen eit. pes ch• j:cn •nn rch US- •<ון Ihn cn, tic 1 ו! . Die Lehrer and das Schalbadget (Von unserem palästinensischen Korrespondenten.) Die Erregung über die Herabsetzung des Sehulbudgels, ji!,er welche tin vorigen Brief berichtet wurde und die da- ״jt 7u*n״um11־l1;u1״ende Demission des Waad Hachiimeli hat die Lehrerschaft veranlaßt, ihren Rat zu einer dringenden Sitzung nach Tel-Awiw cinzuherufcn. ln der Sitzung fand jje st.nke Erbitterung de.r Lehrerschaft ihren Ausdruck und __ cs ist diesmal zum Lobe der Lehrerschaft hervorzu- (jehen— diese Erbitterung ,״alt diesmal nicht wie in früheren Jahren der Herabsetzung der Ochiilter, sondern brachte die croBe Sorge znm Ausdruck, welche die Lehrerschaft bewegt, wenn sic siebt, wie das zionistische Schujvvcrk, das noch vor wenigen Jahren so .׳ilioinfv crrschcnd war, daß z. B. die jea ihre Schulen der zionistischen Komini-s'ion übergab, jetzt mehr und mehr ziirückgedrüugt wird. I>er Vorsitzende der Konferenz, Dr. Mossinsolin, schlug diesmal sehr raditalc Mannahmen vor, er schreckte so\״ar davor nicht znriiek, den Lehrern vorzuschlagen, daß sie dit,׳ Schulen mit dem von dein Aktions-Comite bewilligten Budget überhaupt nicht aufmachen sollten. Die Debatte wurde durch Aronowitsch auf ein allgemein zionistisches Niveau cmporgebracht. Mossinson halte sich darüber beschwert, daß die Lehrer in ilwcm Kampfe um das Erzichungr-budget innerhalb der Zionistischen Organifation isoliert und einsam sind. Aronowitsch betonte demgegenüber, daß diese Einsamkeit heute alle Zweige der prakliwlirn Palästinaarbrit innerhalb der Zionistischen Organijalioii betreffe. ״Nicht nur die Erziehung ist einsam, sondern juch die Landwirtschaft und die Einwanderung un;l jede konkrete Arbeit.“ Die Wiederbelebung der Geschichte, ehe Eroberung der Heimat, die landwirtschaftliche Arbeit ist nicht nur nicht bei den breiten Schichten des Volkes unpopulär, sondern auch bei den Anhängern der Zionistischen Organisation. Die Führer der Zionistischen Organisation haben eine persönliche Beziehung nur zu einer ganz abstrakten Sache, welche sie Judenstaat nennen, aber für alle Tatsächlichkeiten, aus denen sich der Staat zusammensetzt, haben sic kein Vcrstämlnis. Eine persönliche Beziehung zu den verschiedenen Posten des Budgets besteht nur auf Seite der Empfänger, nicht auf Seite der Geber. Die Versammlung nahm nach zweitägige« Debatten einige Resolutionen an, welche die Demission des Waad Hachinuch (an dein bekanntlich auch die Vertreter der Lehrerschaft tcilnchmcn) billigt und die Stellungnahme des Leiters des Erzichungsdcparteinents. Dr. Luric, welcher seine Demission zurückgezogen hat, mißbilligt. (Dr. Lurie hatte seine Demissioh auf Grund eines Versprechens von Colonel Kisch zuruck gezogen, der sich persönlich dafür verbürgte, daß die Exekutive weitere 2000 X für Erzichungszwcckc bewilligen wird. Dieses Versprechen ist auch seither cingcümt worden.) Die Konferenz gab den Leitern der Schulen die Instruktion, Anträge des Erziehuugsdcpartcments, welche auf Kürzung des Budgets hinauslaufen, nicht zu behandeln. Was dieser letztere Beschluß, wenn er nicht leere Demonstration sein soll, eigentlich meint, bleibt unverständlich; denn die Schulen können sich doch nur in dem Rahmen des Budgets elnrichtcn, das sie tatsächlich bekommen. Wie gesagt, trug die Konferenz diesmal einen vollständig objektiven Charakter und war von der Sorge um die Zuktmft der nationalen Erziehung beherrscht, ln diesem Zusammcnhaiig kann auch darauf hillgewiesen werden, daß die Lehrerschaft in diesem Sommer mehr als in früheren Jahren liir die eigene Fortbildung und pädagogische Vcrvollkommtun״ tätig ist. In Jerusalem und in Tel-Awiw sind Sommerhirsc für Lehrer eröffnet worden, deren Programm beachtenswert ist. Die Kurse in Tel-Awiw sind ganz dem Problem der Arbeit gewidmet. Unterrichtet werden: Elektrizität in der Schule, Tischlerei, Kartonnagcarbcitcn, pädagogisches Zeichnen, außerdem finden Vorlesungen über psychologische Themen (Aufmerksamkeit, Ermüdung, Psycho-Analysc) statt und ein zwölfstiindiger Kurs von Dinaburg über die Geschichte in der Volksschule. Die Kurse in Jerusalem sind dagegen ganz der Stadt Jerusalem gewidmet und es finden Vorlesungen statt über Geschichte, Architektur, Geographie, Topographie, Gcologic, Botanik, Meteorologie, Astronomie. Die pädagogischen und kulturellen Einrichtungen dcsLandes waren in dieser Woche Gegenstand eines besonderen Interesses seitens einer Gruppe von Touristen, die —■ samtliehe Akademiker — aus Polen nach Palästina gekommen waren. Die Expedition bestand aus zirka 80 Akademikern, denen durch die Veranstalter die Gelegenheit (geboten worden war, um einen Durchschnittspreis von zirka 160 Dollar Palästina und nebenbei auch Wien, Venedig, Aegypten und Konstant!- nopel zu sehen. An dem Ausflug nahmen auch zahlreiche Nichtzionisten teil, die durch einen, wenn auch kurzen Aufcnthalt im Lande persönliche Beziehungen zu Palästina angckinipft haben. Das Beispiel sollte in andern Ländern nacligcalunt werden. '״ •י• 1. unabhängig sind und aus der Verwaltung kein Oewerbe machen; 2. sic müssen selbstverständlich gebildete, aber praktische ehemalige Kauf- oder Gewerbsleutc sein; 3. sie dürfen weder Lehrer noch Rabbiner oder Gelehrte sein oder gewesen sein. Sic begreifen, hochgeehrter Herr Präsident, daß die Bedlngungen eines solchen Programmcs außerordentlich schwierig sind; aber mir für dieses oder ein ähnliches könnte ich mit meiner schwachen Kraft mitzuwirken mich entschließen. Daß Krankenhäuser und Asyle für Alte und Schwache hiervon ganz unabhängig als segensreiche und sittlich notwendige Anstalten auch unter den jetzigen Umständen und ohne Rücksicht auf iiefergehende Reformversuche der Wohltätigkeit zu unterstützen sind, darf ich wohl als selbstverständlich betrachten. Diejenigen, welche sich mit jüdischen Angelegenheiten beschäftigen, sollten nie vergessen, daß sich im Charakter der Juden zwei Doppclzügc finden, welche das Schicksal derselben als Volk wie als einzelne von jeher und auf_ allen Gebieten bestimmt haben. Auf der einen Seite, wenn sic zur Arbeit angclcitct und darauf hingewiesen sind, eine mutvolle und ausdauernde Energie der Arbeit, auf der andern Seite *ln verhängnisvoller Hang zur Trägheit und die Neigung, andere für sich arbeiten zu lassen. Im innigsten Zusammenbange damit steht dann: auf der einen Seite wieder ein Kcsegnctcr Sinn für Wohltätigkeit, der so fruchtbar und so tlefgcwurzclt ist, daß selbst der Dürftige seine bescheidene Habe mit den noch Aermcren zu teilen geneigt ist; auf der andern Seite die Neigung, diese Wohltätigkeit auszubeuten und sie schlechtweg als eine Erwerbsquelle zu betrachten.“ Stellt man diesem für (ene Zeit gewiß großzügig gedachten Plane das durch die beharrliche Arbeit der letzten Jahre in Palästina Erreichte gegenüber, so erkennt man, welch geringe Zukunftsaussichten derartige philantropische Pro• jekte besaßen. Die VolLsIificliscIiiile In Jerusalem fand am 30. August eine vom Hanotl- J1 r ' ■ 1 vcr,',n‘>lnllctc VorsaiiiiMlinig statt. deren Gegenstand 01c I .rnchtung einer Volkshochschule in Palästina war. Bc* Kaum ich hat die zionistische Exekutive vor einigen Wochen beschlossen, Dr. Martin B über zum Zwecke” der Erriehjung einer solchen Schule im Rahmen der Universität nach I ,•!taslina. zu entsenden. Der Beschluß fand in Palästina, bcsonders in Arbeiterkreisen, sehr großes lntcrcsr.0, das in einer überaus starken Teilnahme an der Versammlung seinen Aus• druck fand. Das Referat erstattete Dr, Hugo Bergmann, der einerseits über die Volkshochschule als besondere Institu- 110,1 im Rahmen der Universität, andererseits über die Frage der Demokratisierung der gesamten künftigen Universität sprach. Für den 8. September war eine Sitzung des Kulturausschusscs (Wnad Hatarbut) der Arbeiter einberufen, welche sich u. a. mit der Frage der Volksunivcrsität beschäftigte. ••»ו•«*«»1•*! Die Konferenz der deutschen Vertrauensleute des Keren Kajemeth in Leipzig findet nm Sonntag, den 14. September 1924 im KnufmünnLchcn Vcrcinsluui», Schalstr. 5, •UM- Tagesordnung: Vormittag• 10 Uhr Referat vom Präsidenten des Direktoriums des KKL M. Ussischkin": ״Unser Aufbauwerk“ In der Diskussion werden sprechen die Direktoren des Keren Kajemeth Adolf Boehm, Dr. Artur Hantke, S. Schocken, Proi. Herrn. Struck, Prof. Warburg Nachmittags Uhr! Dr. Walter Erhard; ״Die Arbeit des Keren Kajemeth in Deutschland“ In der Diskussion vorgemerkt! Julius Berger! Leiter der Propaganda-Abteilung in Jerusalem. Delegierte, die schon früher Eintreffen, werden gebeten, sich im Büro Leipzig, Keilstr. 4 (Tel.110211) zu melden! Sonnabend Abend findet im Kaufmännischen Vereinshaus, Schulstraße 5, ein Bankett mit Usiischkin statt, zu dem dio Delegierten elngcladen sind. Palästina ein Musferbtlsplel Wie wir gemeldet haben, hat der Vorsitzende des jü- «fischen Parlnmenfsklubs in Polen, Dr. Leon Reich, als Delegierter auf der Interparlamentarischen Konferenz eine Rede über das Palästina-Mandat und das Recht des jüdischen Volkes auf Palästina gehalten. Wie nachträglich gemeldet wird, hat diese Rede auf die Mitglieder der Konferenz einen starken Eindruck gemacht. Dr. Reich wurde von verseilte- «lenen Seiten zu seiner Rede beglückwünscht, so von Professor S c h ii c k i n g, vom ehemaligen Reichst,agspräsidenten L o c b c, wie auch von den polnischen Delegierten. Nationalrat M o u t c t bemerkte in seiner Erwiderung u. a., was das jüdischc Volk in Palästina bereits geleistet habe, sei grandios, ebenso wie cs geleistet wurde; es könne als Musterbclspiel für Kolonisation dicaicn. KSnlg Husseins Knlifat Der Oberste Mohammedanische Rat zu Kairo gibt bekannt, daß der im März 1925 stattfindende Aliwcltliche Islamitische Kongreß über die Kalifatfrnge entscheiden wird, König Hussein wurde bekanntlich im März d. J., als er zu Shuna in Transjordanien weilte, von den Arabern Transjor- Jordaniens, des Hcdschas und Palästinas zum Kalifen problamiert. König Hussein steht aut dem Standpunkt, daß nur er die für den Kalifen erforderlichen Qualifikationen besitzt; er sei ein direkter Nachkomme des Propheten und gehöre dem Stamme Korcisli an. Ucbcrdics gehören ihm die heiligen Städte des Islam, Mekka und Jcddah. Er sei bereit, einen «Hwcltlichcn islamitischen Kongreß nbzuhalten, dieser Kongreß müsse aber in Mekka stattfinacn. Die ägyptischen Mohamtncdaner mit König Fuad an der Spitze, erheben scharfen Ein- Spruch gefjen König Husseins Kafifat. Auch die Araber von Ncjci sind gegen König Hussein. Ein Itldisch-arabischer Klai» ln Haifa wurde ein gemeinsames Klubzimmer jüdischer und arabischer Eisenbahner eröffnet. Bel der Eröffnungsfeier sprachen arabische Arbeiter und Vertreter der jüdischen Arbeiterorganisation. Araber nad LaadwirtsciiaU Unter diesem Titel schreibt der ״Ncar East": Man muß von einigen beschcUloitcn Anfängen bei den palästinensischen Arabern, sich mit modernen Methoden der Landwirtschaft bekannt zu machen, Notiz nehmen. In den Vorkricgstngcn machten die zeitgemäßeren Methoden der jüdischen Kolonien auf die Araber gar keinen Eindruck. Sie hielten an ihren althergebrachten Geräten und Gewohnheiten fest. Nun sind sie nicht mehr gleichgültig. In Tulkcram besteht eine kleine Ackcrbatisclmie, die nach dem Vorbild der alten jü- «lischcn Ackcrbnuschiß« in Mikweh Israel in der Nähe von Jaffa eingerichtet ist. Jede neue ^Bauernpartei“ proklamiert bei ihrem Entstehen die Modernisierung der Landwirtschaft als eine ihrer vornehmsten Aufgaben und — was ein ungewöhnliches Beispiel von arabischer Oplcrwilligkcit imöffentficlien Interesse ist — der Vorsitzende der Hcbroncr Bauern• jurtet bat sogar einen geräumigen Bauplatz für die Errfchtun״ einer Ackerbauschulc in «ler Nähe von Hebron ge* spendet. De Verwcndungskkvtvicl des Kadoorie-Nachlasses wurde besonders schlau formuliert. Dieser Nachlaß wurde bekanntlich der britischen Regierung für ״Erzichungszwcckc in Palästina“ übergeben. Zuerst schlug matt vor. Elementar• und Mittelschulen für Araber und Juden zu begründen. Nun hat man sich aber entschlossen, die Hälfte des Oeldes für eine arabische Ackcrbauschulc in Tulkeram zu verwenden und die andere Hälfte der hebräischen Mittelschule in Jerusalem zu überweisen. So ist eine beträchtliche jüdische Gabe in arabische Hände gelegt und dazu bestimmt, gerade auf dem Gebiet des erstrebenswertesten Wettbewerbes mit den Juden den Arabern beizustchen. Diese Zuwendung für die landwirtschaftliche Erziehung hat in der arabischen Presse nicht ein einziges konmenticr.eade•!Wort gefunden. Jüdische MiiiderUeHspliük in der Tschechoslowakei (Von unserem Korrespondenten.) Das Interview, das vor einigen Wochen Minister »en esc 11 »Inn amerikanischen Journalisten VI. Grolknann pah, über das auch in diesen Blattern berichtet wurde, hat m den assimilatorischen Blättern ein gewisses Aufsehen erregt; Dr. Benesch hat sich in überaus klarer Weise auf national-jüdischen Standpunkt gestellt. Er erklärte: Wir betrachten die Juden als eine Nation, welche alle Rechte ge■׳ mclS , welche ihr der _ Mmoritatcnvcrtrag zusiclicrt. Selbstverständlich werden wir nichts dagegen unternehmen, wenn ein I eil der Juden zu einer nichtjudisclien Nation neigen sollte, aber wie ich bereits sagte, die jüdische Bevölkerung als solche w!rd nt unserem Staate ak eine eigene Gruppe betrachtet.“׳. , Es ist begreiflich, d.il) diejenigen, denen diese Klarheit nicht paßt, sic ein wenig j׳»! trüben suchen. Eine gewisse I Liiidhnbe Liefet hierzu ein Artikel, der in der ״Tschcchoslowakisehen Korrespondenz“ erschienen ist. Das ist eine offiziöse Korrespondenz, welche an die Zeitungen verschickt wird. Hier wurde nun auch von diesem interview, welches in der Tschechoslowakei in der ״Sclbstwchr“ veröffentlicht war gcsprochcn; ohne daß — selbstverständlich — an dem klaren Wortlaut gedeutelt werden konnte, wurde trotzdem alles, was irgendwie für den assimilatorischen Standpunkt snrechen könnte, zusaniinengetragen. Obwohl der in seinem Wortlaut autorisierte Ausspruch des Ministers Benesch durch den Ar• tikcl eines Journalisten, mau es auch ein offiziöser Journalist sein, nicht wesentlich abgeschwächt werden kann, wurde dieser Artikel trotzdem, z. B. von den Orthodoxen, als Ahscliwürhung des Interview!•, begrüßt. Es sind vor allem zwei Momente' welche in dem Artikel hervorgehobcii werden: 1. Es ist nur ein Recht und keine Pflicht der luden, sich zur jüdischen Nation zu bekennen. Das ist richtig, das hat Minister Benesch ausdrücklich gesagt, das steht auch in der tschcchostowakisehen Verfassung bzw. dem Motivcnbericht, und nie haben die nationalgcsüintcn Juden etwas anderes verlangt. 2. deutet der Artikel an — unef hier berührt er sich mit Ausführungen von Dr. Benesch, die er einem anderen amerikanischen Jour• nalistcn, Lirik, gegenüber gemacht hat —, daß die wesentliebsten Rechte des Minioritätsvcrlrages — nämlich das Recht, sich öffentlich bei Gericht, in den Schulen usw. der eigenen Sprache bedienen zu dürfen — in unserem Falle wegfällt, weil die Juden in der Tschechoslowakei keine eigene Sprache haben, da sie deutsch, tschechisch, ungarisch, hebräisch, jüdisch sprechen, und noch weit davon entfernt sind, sich auf ein© eigene Sprache einigen zu können. Das ist nun zum Teil richtig. Aber mir zum Teil. Vor allem gibt cs in der Tschechoslowakei, in Karpathonißland nämlich, ein hebräisches Scluilwcrk, welches nach dem Minderhcitsrccht im strengsten Sinne den vollgültigen An- Spruch aut staatliche Subvention hat — wenn auch die tschechoslowakische Regierung ihm noch keineswegs entsprochcn hat. Es ist vvolif dem bestehenden Schulgesetze nach richtig, daß das Mindcrhcitsschulwcscn nach Sprachen und nicht nach Nationen geregelt ist. Dies entspricht wohl vollkommen den karnaihortissischen jüdischen Schulen, welche die hebräische Unterrichtssprache haben, nicht aber dem jüdisch-nationalen Schultymis, der sich im Westen der Republik allmählich ausbildet. Das sind Schulen mit deutscher oder tschechischer Unterrf.'äriMBrache, jüdisch-national jedoch in dem Sinne, daß hier die jüdischen Kinder von jüdischen Lehrern in jüdischem Geiste als ihres Judentums und ihres historischen und sittlichen Wertes bewußte Menschen erzogen werden und daß der Unterricht auf das Hebräische, die jüdische Religion, jüdische Geschichte und Literatur besondere Rücksicht nimmt. Solche Schulen sind min wohl jüdisch-national in einem höheren und wahren Sinne, nber nicht jüdisch-nationale Minoritätsschulen im Buelist.ihciisiiiiie des Schulgesetzes, das noch vor der Verfnssung herausgekommen ist und eben nur srpachtich« und nicht nationale Minoritäten kennt. Es ist das Bestreben der jüdisch-nationalen Politik, auch für solche Schulen das Recht richtiger Minoritätsschulcn und staatliche Anerkennung und Unterstützung zu erkämpfen. Wenden wir uns vom Schulwesen den übrigen Minoritätsrechten zu, 80 ist an der vorhin erwähnten Bemerkung des Artikels zweifellos richtig, daß die übrigen Normen des Minderheitsgesetzes, insoweit sic sich auf den Gebrauch der eigenen Sprache im Amt und Gericht usw .erstrecken, für das jüdische Volk in der Tschechoslowakei nicht in Betracht kommen. Es ist den tschechoslowakisch-nationalen Juden nie eingefallen, ein volles Minderheitsrecht zu verlangen, wie «fw© die Deutschen und Ungarn in diesem Staat, oder wie vtelleicht die Juden in Polen. Das Minderhcitsrccht der Juden in der Tschechoslowakei hat vielmehr folgende Bedeutung. Es Ist politisch vor allem negativ. Es zieht den Juden aus dem Kampf zwischen Deutschen und Tschechen heraus, wo er als jüdischer Deutscher oder als jüdischer Tscheche stets eine politisch wie moralisch schiefe und verderbliche Rolle gespielt hat. Es neutralisiert den Juden Im Kampf dieser Nationen, und schützt ihn davor, ln der oder jener Verkleidung politische Handlangerdienste zu leisten, die Ihm stets *ehr scnlecht gelohnt wurden. Politisch-positiv hat er nur ein großes Ziel: die jüdische Schule bzw. die Schaffung der politischen Voraus- Setzungen für ein jüdisches Schulwerk — worüber oben ge•' sprechen worden ist. Seine Hauptbedeutung hat aber das Bekenntnis zur jüdb sehen Nation in unserem Lande auf moralischem Qeoiet. Es Ist gerade hier, wo ein jeder Jude tatsächlich schon recht stark assimiliert ist und recht weit von jüdischer Eigenart entfernt, von großer moralischer Bedeutung, wenn er trotzdem vor aller Welt öffentlich und deutlich als Jude aufiritt. Es Ist von großer moralisch-pädagogischer Bedeutung für ihn selbst; aber auch für seine Beziehung zu den andern Völkern, welche durch das offene Bekenntnis zum jüdischen Volk nur klarer, ehrlicher und aufrichtiger werden kann. Polnische Repicroni! und indische Minderheit Der Presse ist das folgende halboffizicllc Kommunique zugegangen: Die Regierung beabsichtigt, ihre mit ucn drei bekannten Mlndcrhcltsgcsctzen eingeieitcte Nationalitäten- Politik fortzusetzen und wird der Hcrbstscssion des Sejm entsprechende Grsetzproiektc vorlegcn. Die Regierung bat auch die Durchführung ihres Programms betreffend die jüdischc Minderheit begonnen und Wahlen in den jüdischen Gemeinden angeordnet; sic hat auch bereits die Frage der Staatsbürgerschaft geregelt und dabei die weitgehenden jüdischen Postufatc berücksichtigt. Angesichts der Mciniings- Verschiedenheit im jüdischen ParlnmcntskUib in bezug auf die erwähnten Probleme hat die Regierung ihre weitere Arbeit vorläufig eingestellt. Die Art, wie Grünbaum im Gegensatz zu der sachlichen Haltung der Gruppe Dr. Reich die Probleme behandelt hat, machte cs der Regierung unmöglich, mit der parlamentarischen Vertretung der jüdischen BevÖikcrung eine Verständigung zu erreichen. Die Regierung wartet auf die Initiative des jüdischen Parlamentskiabs, daß dieser ihr Vorschläge unterbreitet, die alg Grundlage einer sachlichen Unterlage des ganzen Problems dienen sollen. Was das Emigrntionsnroblcm betrifft, 80 er* wartet die Regierung eine verstärkte Auswanderung nach Palästina als eine natürliche Konsequenz der Einwanderung*• bcschrllnkungcn in Amerika. Jedenfalls beabsichtigt die Regierung nicht, den Juden Schwierigkeiten betreffs der An« nähme der palästinensischen Staatsbürgerschaft zu machen!

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