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Jüdische Rundschau · 1924-09-09 · Heft 72 (9.9.1924) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 72 (9.9.1924)
Date
1924-09-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite Slfi JO ED ISCHE'RUNDSCHAU Nr. 72 1?-׳."י׳ ״״רז uw Der Hundes tag des B!au-Weiß, der Ende August über 1200 Menschen in liipcrshofiii, einem schön gelegenen Dorfe »׳in der J.1־;;st vereinigte, war die /.weile ״rolle Inpimg des 1111 ו nies seit seiner ״NQiigri'mdusi!!;“ tu Prunn 1022. Die neue Kiaif, die dem I'lau-Wcili damals zuströmte, hatte schon im vergangenen Jahre auch das Aeullcrc seiner Tagung stark beeinflußt. Wer dieses mal das Bild des Ruiidestages littbefaii;;eil mif sich wirken ließ, spürte sogleich nachhaltiger nncli als je die innere Fesliguiig, die die Entwicklung des Blsu- Weiß seit zwei Jahren beherrscht. Auf den gepachteten GeiiRÜndcwiesen, tief unterhalb des höher׳jelegencfl_ lOorfes stand in unmittelbarer Midie der Jagst ein großes Zeltlager. »Mit seinem umimerbrocheneti Lehen, dem Wecken früh, dem ein vicriclstiimli-er Datierlauf folgte, den Kochptätzcii, den hinlind herstrinnenden Menschen, den abgegreiiztcn!»Litzen vor «len cinzclneu Zelten, den Poliz.eibeamtcii des Bundes, den Nachtwachen nicht zuletzt, wies es sielt von vornherein als der Unvergleichliche Miue!;nmkt des Bundestages aus. Neben dem La,׳;er war ihr die Zwecke der Sitzungen ein 6 in hohes, über <100 Menschen f.isseiides, hausartiges Zelt errichtet, dessen technische Vollkommenheit mit Erfolg allen äußeren und innereu Stürmen stamlliiclt. Die Miidchcn waren im D..rf in Scheunen nntcrgcbr,teilt. Im gleichfalls im Dorf gelegenen Q11:srtierau1le, in dem unablässig, niclit nur erst seit dem offiziellen Beginn der Tagung, gearbeitet wurde, liefen alle organisatorischen Faden des Bundes zusammen. Die Sitzungen hegaunen am Donnerstag, den 3t. Juli, mit den Referaten der' üundesleitung, des landwirtschaftlichen und handwerklichen Ressorts. Der Bericht der Bundeskitun״, den Benno Cohn erstattete, stellte zunächst im einzelnen die im Berichtsjahr dauernd gewachsene aktive Teilnahme des Bundes an der zionistischen Arbeit dar, die heute in nicht wenigen Orten zum erheblichen Teile von Blau-Weißen geleistet wird. Er befaßte sich dann mit dem Palästina-Werk des Bundes, toi dem die Blau-Wäft-Werksiätten (als Karlsruher Siedlung in .weiten Kreisen bekannt), die nach wenigen Monaten der Arbeit recht gute Erfolge erzielt und sich bereits einen Namen im Lande geschaffen haben, Zeugnis ablegen, wiilirciitl die Vorberoiuing der Blau-Wciß-Kolonic heute ans iiiaunigfaclteti Onfmdeit noch in den ersten Anfängen steckt. Der Bericht schilderte dann die innere Entwicklung des Ihmdes, der sich im Berichtsjahr einen ständig wachsenden Acltereu• Bund geschallen hat., der bestimmt ist, die im Wanderlmmi begonnene Erziehung fortzu.selzen, gab ein Bild von der RemfscutwickUmg des letzten Jahres, die der L'iftl- und Hauswirtschaft im Frühjahr einen Zuwachs von etwa 100 'Menschen ״ehracht hat und zählte die Fülle der einzelnen im letzten Jahre neu begonnenen Tätigkeitskreise auf, die die Schaffung eines größeren Bundesleitungsbüros und den Aufbau einer straften Bundesverwaltung erforderlich gemacht hatten. Genaueren Ueberblick gaben die Berichte der Ressortleiter. Das landwirtschaftliche Praktikanteuamt schilderte die 1 ,1 ׳.e und Arbeit der von Blau-Weißen besetzten Siedlungen lind Haueni/ciitren; das Prakukaniuineiutnt stellte die Erfolge dieses Jahres dar, in welchem auch eine große Zahl von Mädchen in die Lind- und Hauswirtschaft einiraten; das I laudwerksamt berichtete von der Arbeit und Gliederung der Blau-WeilLHnnd werk erschuft und legte die Pläne der Ausbildung dar, die sich aus den Erfordernissen, insbesondere der IiSau-Weiß-Werksi!iite11, für die nächste Zeit ergeben. Die Vertreterin des Mädchenbmides berichtele von der für den Müdchcnhnnd geleisteten Eülirungs־ und Verwaltungsarbeit der Btmdcslcihmg. Alle gehaltenen Erzielmngsrcfmte gingen von dem Grundsalze aus: M allst ab und Ziel der Erziehung werd 011 von den R c d ii r f n 1 s s c ת P a! li s t i 1. ת t> h e * II tim int. Bei den Jüngeren und Jüngsten sollen die Fähig• keilen aiisgebildet werden, die im Alltag des Aufbaues im Lande notwendig sind, die älteren Mitglieder des Blau-Weifl sollen zu zionistischem und jüdischem Erlebnis hingeführt werden, und die ältesten Blau-Weißen müssen sich unmittel• har in das Leben der zionistischen Bewegung einordnen. Walter Moses entwickelte in diesem Sinne ein Gedankensysteni zur Erziehung; der Jüngeren; die Erziehung der 11-, 12-, Hjahrigen Wanderer habe von der Tatsache auszugeltcn, daß Leistung, mag sie auch an die spielerischen 111stinkte dieses Alters anknitpfai, im Mittelpunkt des Denkens ttnd Strebcns eines solchen gesunden Jungen steht. Das ״Können“ auf den verschiedenen Gebieten des Sports, der (noch halb primitiven) Technik, zugleich die Anfangsgrümle jüdischen Wissens (des Hebräischen!), bilde den Kern der Arbeit an solchen Jungen im Zuge. Dieses 5ystem der ״Kennerschaften“, deren allmähliche Erwerbung von dem aufwachsenden Wanderer gefordert wird, entwickelt einen Blau- Weißen, der im Alter der bcjrinncndat Reife von dem üblichen Typus des jungen Großst.adtjiiden besonders airsricht. Das nächste Referat von Marlin B an d mann handelte über Erziehung der ״Mittleren“, d. 11. der Menschen im Aller von 15, _ 10, 17 _ Jahren. Mit!**»!!derer Klarheit winde .־ms der seelischen Situation dieses Alters die Notwendigkeit des :nationalen und zionistischen Erlebnisses gefolgert. Indem das Referat darlegte, daß diesem Erlebnis Menschen besonders zugänglich sind, die die revolutionierende Kraft des .Wandems und des Zugfcbens erfahren haben, wurde auch auf entsprechende Literatur hingewiesen: Herzls Tagebücher können jetzt mit dem Führer in zweckmäßigem Auszüge gelesen -werden, zugleich aber wird der Führer die Möglichkeiten dieses für weitere geistige Zusammenhang« besonders empfängfichcn Altere in ernstem Mitgehen mit jedem einzelnen ׳entwickeln müssen. Nach einem gemeinsamen Singen, das den gesamten Bund für einige schöne Stunden im Versammlungszclt vereinte, sprach Georg Strauß über Fragen des Acltcrcnbundes, Er stellte fest, daß zum erstenmal in der Geschichte des Blau-Weiß das Problem, welche Aufgaben man den älteren Menschen in_ geschlossener Zusairnneiifassuiig iin Bunde •zuweisen solle, seit mehreren Monate-n ■durch die Bildung einzelner ״Korporationen“ in Berlin, Breslau und München eine befriedigende Däs;;11g gefunden habe. hi der Tat seien mit der Konstittiicrung des Aelierenbniidcs die Ansätze für eine außerordentliche Erweiterung der Aufgaben des Bundes und seiner ■Möglichkeiten gegeben. In den Korporationen gehen die Vcrsuche, jeden Menschen aktiv in die zionistische Bewegung cinzusfellen, Hand in Hand mit der sachlichen Bemühung der älteren Blau-Weißen um immer weitere Erfassung Wissensmii ßiger Gebiete. Dein Rcferaf über die Acllercnfrnge folgte der Bericht von Grete Kupfer borg über den Mädchentyund. Sie befaßte sich mit dem Aufbau eines solchen Bundes, verweilte bei der crzichungsmitßiRcn Schichtung und Beeinflussung der Mädchen in den Gruppen und wies'schließlich auf die positiv«! ■Beziehungen zum Gcsamtbuud, auf die Frage der Nadclvcrleiliung, und auf die Beziehungen, und Pläme der Mädchen zu uiiü für Palästina hin. Unmittelbar darauf gab Dr. Lands borg, der Vorsitzende der Z. V. f. D., der, aus London kommend, als Gast des Blau-Weiß auf dem Bundestage weilte einen Bericht über die Sitzung des Actbiis-Comitds. Er stellte mit Genugtuung das gute Verhältnis des Blau-Weiß zur Organisation und dem Willen des Bundes zu immer stärkerer, tätiger Anteilnahme nm Leben der Bewegung fest. Am letzten Tage in tlpersliofcn erstattete Walter Moses cingeliaiden Bericht über (he Tätigkeit des Bfcru-WeiQ ki P..!׳di1׳,״. Nach Erg.'iuzung der bereits d.trgesfcllfen Einzel- Jivurii k.ini er unter V«orüctv1־i(‘lus:;׳n11[t <I*!r wirtschaftliche» tuui nationalen Lage in Erez-lsrael zur imbediiigteti Fordertwi״ der Jaiivlwir;sclmf 1 liehen und handwerklichen Chaluzinth, dieser allen <irnmlfonlenm׳; des Blau-Weiß, Er sprach vom Leben der r.l1a|11/im, die ‘insbesondere im Linck nm Aufbau des Lande.; arbeite״״ ״d konstatierte das Gefühl innerer VcrbuiKlenlieit, da■; den Blau-Weiß au die Arbeiterschaft knüpfe. Die Reihe der •offiziellen Sitzungen beschloß danach kurz vor dem Ende der Tagung ein Reisebericht von Georg Strauß über P.iläatinn, den der gesamte Bund eng gedrängt im Vcr- }•.a1;1111!n11״sA׳lt mit großer Spannung a«hörte. Der Referent versuchte,’ die üblichen VorstelhMigcn über die arabische Be- Völkern!:״ zu einem besseren Verständnis zu erweitern, schilderte ciiiVehcmt die Kolonisation •dorincn in den Siedlungen des Emck und skizzierte den Aufbau der Moschawc awdim und das Leben in den Kwuzoth und dem Gdud in anschaulieber Weise. נד Dos• {)iigi/ ׳**׳■ r,; /.,־־AT" r* וך 1ücae der dicsjäh1ri״on 0 a 1a mlun ** ist von der Zio!:13Iiae!sc1a Exelm Live auf den 2G. Captos::!»« festgesetzt worden. Wir richten daher an r.lle Ortsgruppen und Schckclvcrtraucnsleuts den dringenden Appell, das diesjährige noch außerordentlich ungünstige Resultat der Schekel* Sammlung■ durch intensive Sammlung auf den Stand zu bringen, der cicni wirklichen Stärkeverhältnis *es deutschen Zionismus entspricht. mtifjeio ¥orcIainat17׳ für DootocMaad. Es würde zu weit führen, hier von den vielen lebhaften Aussprachen nach jedem Referat, an denen sich nicht nur die alteren Menschen des Blau-Weiß beteiligten, von der Sitzung der jungen Führer, die zu den Anregungen von Walter Moses eine bejahende Stellung ciunahmeii, von den Sitzungen der landwirtschaftlichen inul handwerklichen Praktikanten, von der Besprechung׳ der Korporationen, in der sich in Beier Meinungsäußerung; der Acltereu ergab, daß die einlieitlichc Entwickiungslinic des Gesamtbundes sich liier kraftvoll fortzusetA:n beginnt, an dieser Stelle zu berichten. Aber ein Wort ist von dem Akt der Nadelvcrlcihung, diesem Höhepunkt des Bundestages, zu sagen, Am vorletzten Nachmittag wurden auf den Wiesen an der Jagst die Wettspiele ansgetragen. Später — die Sonne ging bereits unter — zogen sich die Scharon der Blau-Weißen in einheitlicher Kkichm״ (weißes Hemd und schwarze Turnhose) zu einem weiten Karree zusammen. Die Nadclträgcr und Nadclträgerimien gruppierten sich innerhalb dieses Quadrates, und in der Mitte sfanden die wenigen, deren Nnddgesuclte nach sorgfältiger Prüfung genehmigt worden waren. Nach gemeinsamem Singen von B’sctvuw Adonai, nach der Verlesung des Duudesgeectzes durch Werner Bloch, verpflichteten sich nun die neuen Nadclträgcr, durchgehend ältere Menschen, dem Runde — wobei man nicht filier־ sehen soll, daß der Blau-Weiß seit der Neuordnung vor zwei Jahren, ein Bund ist, der seine Mitglieder in lioliem Maße verpflichtet, und ״erade die letzte Entwicklung zeigt, daß man stell steigend des Ernstes, der hinter jenem Symbol stellt, bewußt wild. Durch diesen .Bundestag ging eine ersichtlich klare Linie: der starke Wille, der die Menschen dieser Jugendbewegung zu Palästina und seiner Arbeit luitfithrt. Gerade im Palästinareferat von Walter Moses am letzten Tage kam diese einheiiliclic Tendenz des Bundestages deutlich zum Ausdruck. So sehr die besonderen, geistigen und sozialen Bedingungen, die in Deutschland das Wesen und die zionistische Stärke des Blau-Weiß ausmachen, auch drüben ihre Berücksichtigung vcrlangen werden, &o eindeutig zeigten die Referate, die Gespräche und die Menschen in Elpershofen das Ziel des Blau- Weiß: sich der aufbaticndcn Arbeit in Palästina tätig ein zuordnen. A. K. Die feüisclien Moslems uad KSalg Uasseia Wir lesen im Near East: tu der nolilischcu Arena der palästinensischen Araber hat sich nichts Neues zugetragen. Der 7. arabische Kon groß bleibt noch uneinberufen, und es sind noch mehr ״Bauernparteien“ Sprung,artig entstanden — man spricht jetzt von mehr als zehn von ihnen, die alle der arabischen Exc* kutive in äußerster Gegnerschaft gcgcniihcrstchcn. Die An Wesenheit gewisser moslemischer Notabehl aus Indien in den letzten Tagen hat die Ansichten indischer Moslems über Palästina und auch über Husseins Kalifat zu gewisser Bedcutimg gebracht. Es hätte scheinen können, als ob sich die indischen Moslems die Begriffe der ersten rohen anti zionistischen Propaganda hälfen cintröpfcli! lassen — daß die Juden beabsiciitigten, den Felsendom und die Aksa-Moschcc zu übernehmen, die zionistische Flagge über den geweihten Plätzen entfallen würden, und daß im allgemeinen Zionis nvns gleichbedeutend sei mit einer Beherrschung der heiligen Stätten der Moslems durch die Juden. Nachdem einmal diese Befürchtungen aus dem Geiste der indischen Besucher entfernt waren, schwand ihr Interesse an palästinensischer Politik bcträchtlieh, und sie erklärten sich ganz einverstanden mit der zukünftigen Möglichkeit einer christlich-moslcmisch-jüdischcn 1 iarimmie in Palästina. Nichts als Mißfallen hatten sie je* doch für Husseins Annahme des Kalifats und die Ansprüche der Haschimiien-FamiÜc als Ganzem; Kalif könne nur, meinten sie, jemand sein, der durch die kommende allgemeine mos- Iemische Konferenz, die im nächsten Jahre abgchaltcn werden soll, bestätigt worden scf. Es wird von Ortskundigen bchauptet, daß Hussein durch den Druck indischer Mosfcinführcr gezwungen worden sei, sich zu weigern, den Anglo-Hedsdiasvertrag zu unterzeichnen, mit der Begründung, daß er Palästina aus der arabischen oder moslemischen Kontrolle entferne — Palästina, welches den indischen Moslem anschcinend nur mit den heiligen Stätten des Islam identisch ist. Wie richtig solche Konstatierungen sind, können wir nicht beurteilen. Vielleicht sind sic nur für den Orlsgcbraudg so scheint es wenigstens, geschaffen worden. Wenn inan von dieser ״rohen Propaganda“ eine Probe lesen will, nehme tu an den Artikel ״I s t a m und Zionis. m u•.“ des Dr. Khalst!lanning im zweiten Heft der in Berlin ersehe inenden ״Moslemisthcn Revue“ zu sich. Hätten wir unscrit Lesern diese Zeitschrift nicht empfohlen — und wir nehmen diese Einpiihliin״ durchaus nicht zurück, weil sic einen sehr dummen Artikel gegen die zionistische Bewegung veröffentlicht hat, — :so brauchten wir uns mit Herrn Dr. Bauuing nicht auscinnnderzusetzen. Um von seinem Orientwissen eine Probe zu geben, stellen wir fest, daß er die Armenier-Greuel, die die europäische Oeffenllivhkeit ganz ge. nau kennt, nicht etwa für die Folge der Politik einiger Sultan״ und ihrer Beamten, sondern als Folge — englischer Propaganda erklärt, welche die im schönsten Einvernehmen lebenden Griechen und Armenier gegeneinander gehetzt habe. Genau soviel versteht er von Zionismus; genau so sicht er ihn: das böse England bedient sich seiner, uin einer! Keil in die arabisch-moslemische Welt zu treiben. Von dieser Warte aus interpretiert er eine Anzahl Tatsachen, die wahr sein können, in seinem Zusammenhang unwahr werden, und schließlich belanglos sind. Und der Schlüssel nt dem Geheimnis: Dr. Khalki Banning ist ein Engländer, der Moslem geworden ist, ein ״Renegat“, wie man diese Menschen früher nannte, d. h. also jemand, der von seinem bösen Gewissen getrieben wird, seinen Schritt in eine andere Welt hinüber dadurch zu recht• fertigen, daß er entwertet, was er verließ,■ um sich cinzureden, er habe dadurch nichts aufgegeben. Das zionistische Leben und die Bedeutung unseres Aufbauwerkes werden wir niemals jemandem kiarmnehen können, der nichts ist, al» ein Jingo mit ׳umgekehrtem Vorzeichen. Die amerikanische PrÜsWcnleawalil Die zum Wahlkampf um die Präsidentschaft rüstenden Parteien beginnen bereits ihre Fühler nach den jüdischen Wählerinassen auszuslrecken. Wie bekannt, ist bis za den letzten Wahlen die jüdische Presse zumeist für die Kandidaturen der demokratischen Partei cingctrctcn. Gegenwärtig sind die Sympathien der Juden den Demokraten nicht mehr in dem Maße geltend, wenn auch die letzte Resolution dei Demokralcnkongrcsscs gegen die Ku-Klux-Khn-Bcwcgung vor allein die Gewinnung der jüdischen Wahlennassen bezweckt. Die sogenannten JahiuJitn, die zu den jüdischen Wählerin,isscn, die sicli zumeist aus den Emigranten der letzten Jahre reknitieren, ungerne in nähere Verbindung treten, gehören nach wie vor zu den Anhängern der republikanischen Partei, weil sic einen viel reineren amerikanischen Charakter als die Demokraten hat. Durch das Auftreten einer dritten ,/oac; 30 כד c: כ er: Bcrlinor Zionistische Vereinigung Sonnabond, don 20. Soptombor, aborsda 8K Uhr im Blüthnoroaai, Lützowstf. 76 / Tm \ 1 r? % Ttioodor Harz! und David Wolfsohn Gooang: MonUfcel Eccrandov/sRI An dar Orgel: Kapolimoistor Scäjwar* Rezitation: JlSaxstudor Cranach Godonkreda: Or. ßffs׳Gd KSca P ei»o d<־r Plätz«! 1,—, 3,- und 3,— M, zuzUtjl■ St4u8r Partei, der sogenannten Progressiven, wird auch dieser Partei ein wesentlicher Teil der jüdischen Stimmen Zufällen. Abgesehen von der jüdischen Arbeiterschaft, die sicli bereits für diese Partei ausgesprochen bat, werden auch jüdische Bürgerliche ihre Stimmen den Progressiven geben, da man von ihnen eine Linderung der Einwanderungsbeschränkungen erwartet. Nach Ansicht guter Kenner amerikanischer Vcr• hälinissc dürften jedoch auch die Progressiven die jüdischen Interessen nicht besonders stark vertreten, ln jüdischen Kreisen war man besonders über die unentschiedene Haltung der Demokratischen Partei gegenüber der Ku-Klux-Klan-Bewcgung erregt. Samuel U 111 c r m cy c r gab in dieser Frage nachstehende Erklärung ab: ״Wenn lohn Davis, der demokratische Präsi• dciitscliaftskandidat, siel! nicht offen gegen den Ku-Klux-Klan erklärt, bin ich gezwungen, mit dieser Partei, der ich bis• her die Treue gewahrt habe, zu brechen. Ich selbst klage den Klan niclit als Jude an, sondern vielmehr als echter, ameri• kan:-eher Bürger. Ich bewundere den Senator La Follettc wegen seiner mutigen Aeiißcrungcn in der Ku-Klux-Klan-Frage, Ich erwarte denselben Mut von Herrn Davis, dessen amenkanische Mentalität ihm Wortfreiheit diktieren müßte ungcachtet der Folgen. Sollte er sich nicht offen erklären wollen, müßte ich ihn alsdann als unwürdig anschcn, der Führer einer großen Partei zu sein. John Davis äußerte sich, offenbar als Antwort auf Untermeyers Erklärung, über die Fragen der Rasse und Religion folgendermaßen: ״Zudem von uns angenommenen Programm habe ich noch etwas hinzuzufügeu: Wir haben uns die Gclegenhcit entgehen lassen, unseren Glauben an die konsti• tutkmclien Garantien der religiösen Freiheit nochmals zu betonen und jede Rassen- oder religiöse Unduldsamkeit zu ver* urteilen. Sollte ich zum Präsidenten gewählt werden, so werde fch mich nicht darauf beschränken, Intoleranz und Rassenvorurteile zu bekämpfen. Da ich als Präsident die Macht haben werde, Tausende von Personen in Acmtcr zu berufen, so wird meine Hauptsorgc darauf gerichtet sein, daß der zu Wählende ehrenhaft uwl der Konstitution treu ist. Kein Rassen- oder Glaubcnsuntcrschicd winl mich in der Wahl beeinflussen." Samuel Untermeyer drückte darauf seine Zufriedenheit mit der von Davis abgegebenen Erklärung aus. Herr Davis hätte sich, meinte Untcrmcycr, durch seine Rede das Vertrauen seiner Freunde neuerdings er* worben. Oberrabblner Dr. Kopisfein gestorben Am 31. August verschied ganz plötzlich in Nauheim Oberrabbiner Dr. Kopfstein. Der Verstorbene hat als Nachfolger Ferdinand Roscnthals 35 Jahre lang in geradezu vorbildlicher Weise als Seelsorger gewirkt und sich insbesondere auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge bleibende Vcrdienste erworben. Als führende Persönlichkeit im DcutsclK-n Rabbinerverband, den Bne Brith-Logen und dem C.-V. war sei!! Charakterkopf weit über die Grenzen Oberschlesicn• bekannt. Für den Auibrni Palästinas zeigte Kopfstein trotz seiner gegnerischen Einstellung zum Zionismus warmes Interesse und stellte sich an die Spitze der Keren Hajessodbewegung in Oberschlcsien. — Seine Beisetzung erfolgte unter gewaltiger Anteilnahme aller — jüdischen und nichtjüdischen — Kreise der Bevölkerung. Die einzig mügliclie Konsequenz In der Zeitschrift ״Der Schild“, dem Organe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, schreibt Prof, Dr. Paul Hilelcbrand in einem Aufsatz; ״Jugend und Antisemitismus“: ״Vor einiger Zeit wandte sich der Vater zweier jüdischer Schüler an mich mit der Bitte, seinen Söhnen zum Eintritt in einen konfessionell neutralen Wandervcrein zu verhelfen. Ich versuchte es nacheinander bei allen Vereinen, die in der betreffenden Stadtgegend vorhanden waren. Kein einziger war imstande, die jungen Leute aufzunehmen. Es wäre natürlieh falsch, aus diesem einen Vorgang allgemeine Schlüsse zu ziehen, einmal handelte cs sich ton den Westen Berlin*, dann aber waren da auch nur einige Organisationen vertreten. Immerhin — es ergab sich bei der Anfrage doch, daß in den letzten Jahren der stillschweigende 'Ausschluß von Juden aus Jugcndvcrcincn Fortschritte gemacht hat “ Aus dieser von Prof. Hildebrand fcstgcstcllten Tatsache ergibt sich die einzig mögliche Konsequenz, die übrigens auch der R.J.r. gezogen hat: Jtidcn gehören in jüdische Verbände. Und die jüdische Jugend, unser kostbarstes Ont, fet, vom menschlichen und jüdischen Standpunkte aus be trachtet, am besten in jüdischem Jugcndvcrbändcn aufgehoben

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